Kapitel 5 – Atme Hermione, atme
Der Frühling kündigte den Sommer und die letzten Tage des Schuljahrs in Hogwarts an. Poe segelte durch die warmen Luftströme, die Sonne wärmte seinen Körper. Sicher hielt er im Schnabel Hermiones neuesten Brief an Severus fest. An der geschützen Seite des Schlosses tauchte der Vogel zu einem offenen Fenster. Er hüpfte hindurch und flog das kurze Stück zur Schachtel an der Ecke von Severus' Schreibtisch. Sobald das Pergament in der Schachtel gelandet war, flog Poe zu seiner Sitzstange, um Wasser zu trinken und auf die Rückkehr seines Chefs zu warten.
10. Juni 1999
Lieber Severus,
Ich werde beinahe wahnsinnig. Ich kann nicht glauben, dass ich kurz vor den NEWTs stehe. Ich weiß, dass ich nicht genügend gelernt habe. Meine Annahme am Institut für Magie in Glasgow hängt von diesen Ergebnissen ab. Bitte, Severus, Sie müssen mir beim Wiederholen helfen. Ich glaube nicht, dass ich irgendeinen der Zaubertränke herstellen kann, von denen ich weiß, dass sie in der Prüfung vorkommen.
Jetzt kann ich Sie jedoch hören … ,Atmen Sie, Hermione, atmen Sie'. Und Sie nennen mich ein albernes Mädchen und sagen mir, dass ich für diese Prüfungen seit meinem fünften Schuljahr ausreichend vorbereitet bin. Ich habe einige Entspannungs- und Meditationsübungen aus der Muggelwelt ausprobiert, aber sobald ich beginne, mich zu entspannen, produziert mein Hirn plötzlich einen Gedanken zu einer Runenübersetzung oder einer Tränkezutat, und es geht wieder los. Ich habe Glück, wenn ich diese Prüfungen durchstehe, ohne jemanden in Stücke zu hexen.
Auch wenn es jetzt eine schwierige Zeit für mich ist, macht es der Gedanke, am Ende von alldem eine Schulabgängerin zu sein, den Aufwand wert. Gehen Sie zu der Party im Fuchsbau nach der Zeremonie und dem Mittagessen in Hogwarts? Ich weiß, dass ich Sie dort gern sehen würde.
Ich weiß, wir haben über einige vorläufige Pläne für Besuche in diesem Sommer gesprochen; sind Sie noch dabei? Ich hasse den Gedanken, dass wir jetzt nach meinem Abschluss auseinanderdriften werden. Ich schätze Sie als Freund zu sehr, um Sie gehen zu lassen!
Hermione
10. Juni 1999
Liebe Hermione,
was muss ich tun, um in Ihr Besserwissergehirn hineinzubekommen, dass Sie mehr als bereit sind, Ihre NEWTs abzulegen? Und ja, dass Sie seit Ihrem fünften Schuljahr mehr als bereit dafür waren? Sie werden höchstwahrscheinlich sogar (traue ich mich, das zuzugeben?) meine Ergebnisse in den Schatten stellen. Sie sind wirklich die klügste Hexe Ihres Jahrgangs, und ich bin stolz darauf, Sie als Freundin zu betrachten.
Es gefällt mir sehr, dass Sie das Glasgower Institut ausgewählt haben, und ich bin sicher, dass Sie angenommen werden, ohne etwas dafür zu tun. Da Sie in der Nähe sind, werden Sie mit Sicherheit in der Lage sein, mich per Brief und mit Besuchen in Hogwarts zu nerven.
Ja, ich habe eine Einladung zur Abschlussparty im Fuchsbau bekommen. Ich hatte nicht vorgehabt teilzunehmen; von so viel Rot umgeben zu sein, könnte mir einen Ausschlag verursachen. Jedoch kann Molly, wie Sie wissen, ziemlich überzeugend sein, wenn sie das Kraftpaket Minerva hinter sich hat.
Ich glaube, es gibt einige Veranstaltungen im Sommer, die Ihnen gefallen könnten, wenn Sie mir erlauben, Sie dorthin zu begleiten. The Globe spielt in diesem Jahr den Mittsommernachtstraum, und es gibt eine neue Ausstellung alter Runen in der Zaubererabteilung des Britischen Museums, die Sie vielleicht mögen.
Die NEWTs beginnen morgen; viel Glück – wir wissen beide, dass Sie gut abschneiden werden.
Severus
16. Juni 1999
Severus,
danke für die ermunternde Nachricht vor meinen Prüfungen in dieser Woche. Sie hat mir geholfen, ruhiger zu werden. Noch drei Stück: Arithmantik, Tränke und Geschichte der Magie.
Geht es Ihnen gut? Sie scheinen in letzter Zeit zerstreut zu sein. Ich weiß, dass Sie damit beschäftigt sind, Prüfungen zu benoten, aber normalerweise zweigen Sie zumindest einen Moment ab, um in der Halle mit mir zu sprechen. In letzter Zeit haben Sie beim Essen in der Halle nicht einmal in meine Richtung geschaut.
Ich hoffe, es ist alles in Ordnung.
Hermione
17. Juni 1999
Hermione,
ich war mit den Jahresendformalitäten und Prüfungen ziemlich beschäftigt. Ich mag all diesen kniffligen Papierkram nicht.
Es tut mir leid, wenn ich distanziert erschienen bin; es hängt nicht an Ihnen, nur an der verflixten Arbeit zum Schuljahrsende.
Severus
20. Juni 1999
Lieber Severus,
Die NEWTs sind fertig! Nun kann ich meine Gedanken auf die angenehmeren Dinge richten, die vor uns liegen. Ich habe Ihr Geschenk zum Schulabschluss heute erhalten. Das Armband ist exquisit; danke, Severus.
Jetzt kann ich meine Bewerbungsunterlagen für das Glasgow Institut zusammenstellen. Sobald ich fertig bin, gilt es nur noch bis Ende August abzuwarten. Ich denke, bis ich mit der Glasgower Gegend und den Abläufen in der Universität vertraut bin, werde ich im Studentenheim wohnen, aber ich habe vor, zum Jahresende eine kleine Wohnung für mich zu finden.
Nachdem ich nette Sachen geschrieben habe, muss ich erneut fragen: Severus, geht es Ihnen gut? In letzter Zeit scheinen Sie ein wenig zurückgezogen. Sie haben im Vorbeigehen in der Halle seit einiger Zeit weder mit mir gesprochen noch um Hilfe bei der Benotung von Aufsätzen gebeten. Sind Sie okay? Habe ich etwas getan, das Sie beleidigt hat?
Ich sehe Sie nach der Abschlussfeier und im Fuchsbau; vielleicht können wir dann darüber reden, was immer Sie beunruhigt?
Hermione
„Was hat ihn beschäftigt, Gran?", fragte Glennis neugierig.
„Es scheint, dein Großvater war aufgeregt wegen einer Frage, die er mir nach der Abschlussfeier stellen wollte. Er hat ewig dazu gebraucht. Er war so lustig; er machte den Mund auf, um mit mir zu sprechen, machte ihn wieder zu und ging weg. Ich muss zugeben, ich war ziemlich frustriert!"
„Ist er jemals damit herausgerückt und hat gesagt, was er wollte?"
Hermione lachte, ehe sie antwortete. „Ja, aber es ist nicht so sehr, was er sagte, als was er tat."
„Und das war?" Glennis hüpfte in Erwartung der Anwort auf ihrem Sitzkissen auf und ab.
Rückblick
Endlich schaffte Severus es, Hermione von einem Trupp Rotschöpfe wegzulotsen, die vorhatten, ihre Aufmerksamkeit den ganzen Abend in Beschlag zu nehmen. Er bat sie, sich mit ihm von der Meute zu entfernen.
Im Gehen sprach Hermione: „Severus, Sie waren jetzt tagelang neben der Spur. Selbst Ihre Briefe waren etwas kläglich. Was ist los? Glauben Sie, Sie haben genügend über Freundschaft gelernt, dass Sie mir nicht länger zu schreiben brauchen?" Sie waren an dem Weg stehen geblieben, der ins Dorf nach St. Ottery Catchpole führte, und lehnten sich an eines der krummen Zaunbretter.
„Nein, das nicht, Hermione. Mir geht etwas durch den Kopt … etwas, das ich Sie fragen möchte."
„Was ist es? Angesichts Ihres Zustands muss es etwas ziemlich Schwieriges sein." Sie schaute in Severus' Gesicht auf. Aus einem Impuls heraus hob sie die Hand und steckte ihm eine Strähne seines langen Haars hinters Ohr. Severus ergriff ihre Hand und drehte sie in seiner, sodass ihre Finger sich miteinander verflochten.
„Hermione", krächzte er und räusperte sich dann, um fortzufahren. „Hermione, Sie sind mir eine gute Freundin geworden. Mehr, als ich erhofft hatte, als ich Ihnen damals im September geschrieben hatte. Mit Ihren Briefen und Ihrer Hilfe mit den Aufsätzen abends nach dem Unterricht … irgendwann dazwischen haben Sie sich in meine Seele geschlichen. Ich habe mich gefragt, ob …" Severus' Kehle wurde trocken, und konnte den Rest dessen, was er sagen wollte, nicht aussprechen.
„Sich was gefragt, Severus?" Hermiones Herz hämmerte. Sie hatte vor Monaten bei dem Treffen im November bereits angefangen, den bissigen Tränkemeister auf eine Weise gern zu haben, die weit über Freundschaft hinausging. Sie hatte den Tag ihres Abschlusses gefürchtet, wenn er ihr sagen würde, dass ihr Briefwechsel vorbei war, und er sie nicht mehr brauchte. Was als Nächstes geschah, überrumpelte sie völlig.
