Kapitel 7 – Ich werde dies mit dir nicht weiter diskutieren

Letztes Mal:

„Aber ich hätte nie erwartet, dass sein Antrag das Ergebnis eines Streits sein würde, der davor dazu geführt hatte, uns zu trennen!"

Und jetzt:

„Was?", stotterte Glennis.

„Nun, du weißt, dass dein Urgroßvater sehr besitzergreifend und leicht zu erzürnen war. Es war das Wochenende seines Geburtstags 2003. Wir hatten geplant, das Wochenende zusammen zu verbringen und zu feiern. An dem Freitagabend, als er in die Wohnung kommen sollte, hatte ich einen unerwarteten Besuch von einem jungen Mann, der wild entschlossen zu sein schien, mich dazu zu bringen, mit ihm auszugehen. Bis heute habe ich nie verstanden, weshalb er es für eine gute Idee hielt, mir nachzustellen. Er hatte Severus und mich zusammen bei mehreren Veranstaltungen und Bällen gesehen; ich hatte die beiden einander sogar vorgestellt. Für meine Kommilitonen an der Universität war es klar ersichtlich, dass ich bis über die Ohren in Severus verliebt war.

„Was ist passiert?"

Hermione durchforstete die Umschläge aus ihrer Zeit an der Uni. „Es war nicht schön", erwiderte sie verdrießlich.

10. Januar 2003

Miss Granger,

ich muss sagen, dass Sie mich selbst nach all dieser Zeit noch immer überraschen können. Als ich dort ankam, was ich für UNSERE Wohnung hielt, diejenige, für die ich mitbezahle, war ich – gelinde gesagt – erstaunt, dass Sie einen Herren zu Besuch hatten. Ich hatte gestern Abend geglaubt, WIR würden MEINEN Geburtstag feiern, aber stattdessen finde ich Sie mit einem anderen Mann vor. Haben Sie wirklich erwartet, dass ich die Geschichte glaube, er sei nur wenige Augenblicke zuvor angekommen, obwohl Sie so sehr schuldig aussahen?

So lasse ich mich weder von Ihnen noch von irgendeiner anderen Frau behandeln. Wenn Sie andere dahin einladen möchten, was jetzt Ihre Wohnung sein wird, da ich nicht länger die Miete mitbezahlen werde, können Sie das ruhig tun.

Severus T. Snape, ZM

11. Januar 2003

Severus,

wenn Du mir eine Chance zu erklären gegeben hättest, hätte ich Dich informieren können, dass Benjamin in der Wohnung aufgetaucht war, ohne dass ich das vorher wusste. Denke logisch, Liebster; warum sollte ich es so einrichten, dass er zur selben Zeit wie Du in der Wohnung ist, wenn ich etwas Unehrenhaftes vorgehabt hätte? Der einzige Grund, weshalb er überhaupt weiß, wo ich wohne, ist – wie ich Dir bereits mitgeteilt habe – dass ich ihm und mehreren meiner anderen Freunde erlaubt habe, zu Wiederholungstreffen zu kommen, da die Bibliothek auf dem Campus und die Gemeinschaftsräume zu laut sind.

Ich hatte weder eine Ahnung, dass er an diesem Freitag auftauchen würde, noch dass er versuchen würde, mich zu verführen. Sicher hast Du inzwischen ein wenig mehr Vertrauen in unsere Beziehung und bist nicht so unsicher zu denken, dass ich ihm das gestatten würde? Ich habe Benjamin mehrmals mitgeteilt, dass ich in einer langfristigen, festen Beziehung bin, aber er ist aufdringlich.

Bitte, Severus, komm zu uns nach Hause, damit wir darüber reden können. Ich glaube, dass Du töricht bist, die Fakten nicht für das anzusehen, was sie sind.

Deine Hermione

12. Januar 2003

Miss Granger,

sicher hätte dieser junge Mann nicht versucht, Sie zu verführen, wäre er nicht ermuntert worden. Ich versichere Ihnen; Männer riskieren nicht, dass ihr Stolz verletzt wird, indem sie einer Frau hinterherrennen, es sei denn, sie glauben, eine gute Chance zu haben, etwas zu erreichen.

Was Ihre Anschuldigungen betrifft, ich sei ‚unsicher' in unserer Beziehung, bedeutet der dumme Zwischenfall an meinem Geburtstag nicht, dass ich unsicher bin. Er beweist eher, dass ich recht habe. Offensichtlich finden Sie nicht, dass ich der Richtige für Sie bin, und Sie nutzen unsere geografischen Standorte zu Ihrem Vorteil.

Ich werde Ihnen genug Geld schicken, um die Miete bis zum Semesterende zu bezahlen; danach sind Sie auf sich gestellt.

Ich werde dies nicht weiter mit Ihnen diskutieren.

Professor Severus T. Snape, ZM

13. Januar 2003

Professor Snape,

nie in meinem Leben hat man mich schlimmer beleidigt als das Geld zu erhalten, das Sie mir geschickt haben. Es gab mir das Gefühl, als sei ich eine Mätresse, und Sie bezahlten meinen Unterhalt. Behalten Sie Ihr verdammtes Geld.

Ich bin unendlich verletzt, dass Sie so gering von mir denken; dass Sie glauben, ich würde irgendeinen Mann ermuntern, während ich in einer festen Beziehung mit Ihnen bin. Ich habe Ihnen wieder und wieder gesagt: Ich will keinen anderen als Sie.

Unabhängig davon, ob Sie denken, dass wir dies nicht logisch und wie Erwachsene besprechen sollten, oder nicht, glaube ich, wir sollten dies tun. Ich werde nach Hogwarts kommen, wenn es nötig ist.

Hermione Granger

2. Februar 2003

Miss Granger,

Ihre Anwesenheit in Hogwarts hat nur bestätigt, dass ich die richtige Entscheidung bezüglich unserer Beziehung getroffen habe. Dass Sie hier voller Empörung und Ärger hereinstürmen, obwohl Sie im Unrecht sind, war grotesk. Ich habe viel zu viele Jahre unterrichtet, um auf Krokodilstränen und unwahre Unschuldserklärungen hereinzufallen.

Unsere aktuelle Situation hat es für mich schmerzlich offensichtlich gemacht, dass Sie weder die reife junge Frau sind, die ich zu kennen glaubte, noch dass ich Ihnen vertrauen kann, in einer Beziehung treu zu bleiben.

Ich glaube, dass es in unser beider bestem Interesse ist, unsere Beziehung zu beenden. Ihr Wohnort und Ihre finanzielle Situation gehen mich weiter nichts mehr an. Ich bin sicher, der Vermieter kann die Wohnung kurzfristig wieder vermieten, oder vielleicht kann Benjamin Sie von nun an unterstützen.

Diesen Samstag werde ich in Ihrer Wohnung sein, um alle meine persönlichen Sachen abzuholen. Ich werde pünktlich um 13 Uhr ankommen; bitte seien Sie nicht dort. Ich werde meinen Schlüssel auf den Tisch legen, ehe ich gehe, und werde den Hausmeister abschließen lassen.

Versuchen Sie nicht, mich deswegen zu kontaktieren; meine Entscheidung ist endgültig.

Professor Severus T. Snape, ZM

Glennis gaffte. „Wow, Gran, dass diese kalten Worte von meinem Urgroßvater kommen!"

Hermione faltete den Brief zusammen und steckte ihn zurück in den Umschlag. Sie stapelte ihn auf die anderen Briefe aus ihren Universitätstagen und wickelte wieder das blaue Band darum. „Ich war am Boden zerstört. Diese Worte kamen von dem Professor Snape, den ich vor dem Krieg gekannt hatte, nicht meinem Severus. Ich war tagelang buchstäblich krank. Tante Ginny kam zu mir, blieb und versuchte, mich aus dem Bett zu locken, und sogar Poe fing an, mich zu picken, wenn ich nicht aufstehen wollte. Wenn ich aufstand, wanderte ich durch die Wohnung und betrachtete all die leeren Flecken, wo seine Sachen gewesen waren. Zugegeben, es waren nicht viele Sachen, aber genügend, dass ich sie vermisste, als sie weg waren. Es ging das Gerücht, dass die Schülerschaft in Hogwarts auch betroffen war. Alle Häuser verloren Punkte, und alle waren im Minus."

„Weshalb wollte er nicht zuhören, Gran? Wenn er dich liebte, warum war es für ihn so schwierig, dir zu glauben?"

Hermione stand auf, um die Teekanne zu holen. „Glennis, denk darüber nach. Du hast Bücher über den Krieg und die Ergebenheit deines Großvaters gegenüber Lily Potter gelesen. In seinem Kopf war, mich mit einem anderen Mann in meiner Wohnung zu sehen, nichts anderes als Lily mit James, während er dachte, Lily gehöre zu ihm. Er hatte das Gefühl, wenn er unsere Übereinkunft brach, dann könne er vielleicht etwas Kontrolle über die Lage und seine Gefühle haben. Ich glaube, er dachte, auf diese Weise würde es weniger wehtun", sagte Hermione mit einem traurigen Lächeln, während sie auf Glennis hinabsah.

„Nun, offensichtlich habt ihr euch wieder versöhnt." Mit einem Kichern deutete Glennis auf sich selbst, um zu betonen, dass ihre Existenz Beweis für einen glücklichen Ausgang war. „Wie ist das passiert?" Glennis stand ebenfalls auf, und zusammen gingen sie in die Küche, um mehr Tee aufzubrühen.

„Minerva McGonagall ... Ich schwöre, diese Frau hat bei Albus Dumbledore eine Lehre in Einmischerei gemacht!" Kopfschüttelnd lachte Hermione leise, während sie anfing, den Tee zuzubereiten.

„Sie wusste von unserer Trennung und war am Ende ihrer Weisheit, wie sie die Schüler und deren Eltern wegen Severus' Tiraden beschwichtigen sollte. Sie hatte nicht mehr so viele Eulen mit wütenden Nachrichten gelesen, seit Remus Lupin in meinem dritten Jahr als Werwolf geoutet worden war. Eines Nachmittags lud sie mich unter dem Vorwand zum Tee ein, mit mir meine Pläne für die Zukunft zu diskutieren, und was ich im Anschluss an meinen Abschluss am Glasgow Institute tun wolle. Als ich ankam, ging sie voraus, um mich zu ihrem Büro zu geleiten; Severus war bereits dort, ohne dass ich es wusste. Mit einem kräftigen Schubs wurde ich in ihr Büro gestoßen, die Tür schlug zu, und dann warf sie Schutzzauber, sodass nicht einmal Severus sie brechen konnte. Die Flohverbindung war geschlossen worden, und wie du weißt, ist Apparieren dort nicht möglich. Du erinnerst dich, dass ich dir erzählt habe, dass Apparation in Hogwarts nicht möglich ist, wie es dargelegt wird in –"

Hogwarts: Eine Geschichte – ja, du könntest es ein- oder zweimal erwähnt haben, Gran", unterbrach Glennis mit einem liebevollen Lächeln und einem Augenrollen.

„Oh, natürlich, Liebes. Nun, egal, wo war ich?", murmelte Hermione geistesabwesend, während sie den Tee rührte. „Oh, richtig; Minerva hatte uns zusammen eingesperrt. Sie rief durch die Tür, dass wir nicht gehen dürften, bis wir besprochen hätten, was passiert ist, und zu einer Art gemeinsamen Entscheidung gekommen seien."

„Wie lange hat es gedauert?", fragte Glennis mit einem vertrauten Augenbrauenheben, als sie Hermione die Teekanne abnahm und wieder ins Wohnzimmer zurückging. Hermione folgte mit einem Teller frischer Kekse.

„Stunden. Die erste Stunde verbrachten wir vergeblich damit, einen Weg aus dem Raum und der gegenseitigen Gesellschaft zu finden. Dann verbrachten wir einige Zeit damit, einander kategorisch zu ignorieren. Bis dahin war mir nie klar, wie viel jemand mit einem Schnauben alle zwanzig Minuten sagen oder nicht sagen kann. In dem Versuch, einander zu ignorieren, lasen wir die Bücher, die Minerva in ihrem Büro hatte. Das einzige Mal, dass Severus etwas sagte, war, um Tee zu bestellen, den er nicht mit mir teilte!" Die beiden lachten bei der Vorstellung, dass Severus verächtlich seinen Tee trank, ohne Hermione welchen anzubieten.

„Nach etwa drei Stunden gab ich schließlich auf und fragte ihn, was zum Teufel sein Problem war. Wahrscheinlich war dies nicht das Beste, das ich sagen konnte, denn er reagierte, indem er wutentbrannt einen Vortrag hielt, aber endlich sprachen wir miteinander. Nun, zuerst schrien wir einander eher an, als dass wir sprachen. Er warf mir die grässlichsten Dinge vor; ich beschuldigte ihn, Lily als Entschuldigung für alles zu benutzen; dafür, dass er es vermied, sich seinen Emotionen zu stellen, dafür, seine tiefsitzende Furcht vor Abweisung zu verursachen, und dass er nicht in der Lage sei zu verstehen, dass er für immer geliebt werden konnte. Das kam nicht gut an, aber ich landete einen sehr spürbaren Treffer. Nach stundenlangem Streiten weinte ich und bettelte ihn an, Legilimentik bei mir einzusetzen, um zu sehen, dass ich die ganze Zeit die Wahrheit gesagt hatte. Zuerst weigerte er sich vehement und argumentierte, ich solle ihn nicht in eine Lage bringen, in der dies notwendig wäre. Schließlich gab er nach und tat es."

„Wie hat er reagiert?"

„Er war beschämt zu erfahren, dass ich ihn nie angelogen hatte. Als er aus meinen Erinnerungen wieder herauskam, konnte ich sehen, dass es ihm leidtat, mir nicht geglaubt zu haben; die Qual, die ich bei ihm sah, schockierte mich. Es lag eine Art müder Resignation auf ihm, als dächte er, ich würde ihm nie verzeihen. Ich hatte ihm bereits verziehen, ehe er ein Wort sagte – nicht, dass ich ihn das wissen ließ. Anschließend sprachen wir ausgiebig über Vertrauen, und wie wir das bereinigen konnten, was zwischen uns geschehen war. Wir sprachen über vergangene und aktuelle Unsicherheiten, und wie wir versuchen könnten, sie zu überwinden.

„Als es Zeit zum Frühstück war, küsste er mich endlich, und es war himmlisch; noch besser als die Male, die wir uns zuvor geküsst hatten. Es war, als seien die Gefühle in unseren Herzen endlich frei, zum Vorschein zu kommen. Das Wissen, ohne ihn nicht funktionieren zu können, machte mich atemlos."

„Was passierte dann?"

„Severus entschied, dass wir etwas frische Luft brauchten. Daher schickte er seinen Patronus zu Minerva, und sie löste die Schutzzauber. Wir beschlossen, um den See zu spazieren. Der Morgen war wunderschön, die Sonne erst teilweise aufgegangen. Es war kühl, und über dem See lag Dunst. Es war wirklich atemberaubend. Severus schlug mich in seinen Umhang ein, um mich warm zu halten. Nach einigen Minuten des Schweigens hörte ich, dass er sich nervös räusperte, und dann sprach er über seine Gefühle für mich, und dass er es nicht ertragen könne, ohne mich zu sein. Ich dachte, er versuche lediglich, mir zu versichern, dass alles in Ordnung sein würde, aber dann bat er mich, ihn zu heiraten!"

„Das hört sich perfekt an!", lächelte Glennis.

„Das war es, es war absolut perfekt", Hermione lächelte. „Zu dumm, dass die Hochzeitsplanung nicht perfekt war."