3. Kapitel
Böse Mädchen sind verdammt sexy!
Nach meinem kurzen Schläfchen, nahm ich erstmal eine ausgiebige heiße Dusche, um meine müden Muskeln in Schwung zu bringen. Das mit den drei Weckern funktionierte bis jetzt wirklich prima, musste ich mir unbedingt merken. Danach föhnte ich meine Haare zu einer sexy Mähne mit wirren Locken und zog mir eine schwarze dreiviertel Hose mit breitem Gürtel an. Dazu ein schwarzes Oberteil, das mehr Leder-BH als Top war, aber Luu, mein Chef sagte immer: "Bella wähle dein Outfit mit Bedacht, die Typen wollen ja was zu gucken haben." Gut, ich gab ihnen was zum Gaffen, aber wer mich anfasste, bestimmte ich immer noch selbst. Noch ein paar dunkle Augen schminken, hochhackige Schuhe und fertig.
Ich machte mich sofort auf den Weg, da ich unterwegs unbedingt noch was essen musste, irgendwas Fettiges mit vielen Kalorien. Mein Körper brauchte dringend Energie.
Am "Twilight" angekommen, bereiteten Alec, mein Kollege hinter der Bar, und ich alles für die Gäste vor. Irgendwie war ich heute hibbelig, ganz untypisch für mich. Ich war unheimlich gespannt, ob Edward auftauchen würde. Mein Gefühl sagte mir, dass so viel mehr hinter seinen Augen zu erkennen sein könnte, als seine äußere Erscheinung von ihm preisgab. Dass er mehr war, als der langweilige Geschäftsmann. Ich wollte sehen, zu wie viel Leidenschaft er fähig war.
So langsam füllte sich der Laden und ich bediente brav die Gäste, mixte Cocktails und alberte mit Alec herum. Er war ein netter Kerl, gut aussehend, ein echter Frauenschwarm, aber bereits an ein süßes Mädchen vergeben. Sonst hätte ich vielleicht mal von ihm genascht, aber so war er tabu für mich. Ich war nicht der Typ dafür, die Beziehungen anderer zu zerstören. Sprunghaft ja, aber darauf bedacht, andere nicht zu verletzten.
Als die Stimmung im Twilight richtig am kochen war, die Leute ausgiebig zur Musik tanzten und einfach die Sau herausließen, entdeckte ich Rose, wie sie versuchte, sich durch die Massen zu mir durchzuschlängeln. Sie sah mal wieder atemberaubend aus in ihrem roten Cocktailkleid, den hohen Schuhen und ihren perfekt gestylten Haaren. Man konnte sie glatt in eine schäbige Ecke stellen, dort fotografieren und sie würde es wie ein Luxusambiente wirken lassen.
"Hey, Süße, viel zu tun, wie ich sehe?" begrüßte sie mich mit einem Küsschen, indem sie sich über die Theke beugte. "Ja, der Laden brummt mal wieder." sagte ich, während sie sich auf den Barhocker vor mir setzte und ich begann ihr einen Cosmopolitan zu mixen. Dabei ließ ich häufig meinen Blick durch die Menge schweifen. Er musste einfach kommen, schließlich wollte er doch kein Feigling sein. Oder war ihm das gegenüber mir als Person egal? "Suchst du jemanden?" fragte mich Rose plötzlich, als ich ihr das Getränk hinstellte. Sie wusste genau, was ich servierte, das trank sie nämlich immer, wenn sie mich bei der Arbeit besuchte. "Na ja, vielleicht." sagte ich etwas kleinlaut und Rose runzelte ihre hübsche Stirn, sodass sich daraufhin kleine Fältchen der Unwissenheit bildeten. "Jetzt erzähl schon, wer ist es und wie sieht er aus?" versuchte sie mich sofort mit ihrem durchdringenden Blick auszuquetschen. "Es ist dieser Edward, von dem ich dir erzählt habe. Ich habe ihn heute wieder gesehen und einfach in den Club eingeladen." erklärte ich ihr knapp. Sie wusste eigentlich sofort, wen ich meinte, aber ihr Blick schien eher noch verwirrter auf mich zu wirken. "Seit wann stehst du denn auf Businessmänner, Bella? Ich dachte, das seien alles Langweiler für dich?" Okay, das hatte ich gesagt, aber ich spielte da auch auf ihren Ex an, der echt ein Schnarchsack war und außerdem ein Kontrollfreak. Gut, ebenso wusste ich nicht genau, ob das nicht vielleicht auch auf Edward zutraf. Aber wahrscheinlich reizte mich genau das an ihm. Die Ungewissheit. Obendrein schienen seine Augen oft etwas anderes zu meinen, als sein Mund sprach und Augen waren schließlich die Fenster zur Seele, nicht wahr? Und sollte er sich doch als Langweiler, wie er im Buche steht, entpuppen, musste ich mich ja nicht weiter mit ihm abgeben. "Also ich glaube, in Edward könnte mehr stecken." versuchte ich ihr zu erklären, als mich Alec darauf hinwies, dass Gäste warteten. Ich komme ja schon, die werden schon nicht verdursten, dachte ich mir genervt.
Rosalie sah sich derweil nach potenziellen Kandidaten um. Natürlich nicht für eine Gameshow, sondern als nächsten potenziellen Freund. Ich glaubte nämlich nicht, dass sie einfach jemanden für eine Nacht aufreißen würde. Sie war eher für was Festes und auf der Suche nach dem Traumprinzen. Leider waren ihre Ansprüche ein wenig hoch angesetzt, da schrumpfte der mögliche Pool Auserwählter schnell auf eine schwindend geringe Anzahl. Sie wollte eben nur das Beste, das verdiente sie meiner Meinung nach auch, aber das machte ihr die Sache nicht gerade leichter.
"Och, nein. Ich habe gerade gesehen, wie …" Ich horchte auf und unterbrach sie übereifrig. "Wie Edward hereingekommen ist?" fragte ich aufgebracht. Moment, Schwachsinn, sie wusste ja nur grob, wie er aussah und wieso sollte sie dann so genervt sein? "Nein, ich meine deinen Kumpel Emmett, er steuert direkt auf uns zu und mich hat er scheinbar auch schon entdeckt."Jetzt verstehe ich. Den hatte ich ganz vergessen, Emmett, der wollte heute auch vorbeikommen. Und Rosalie, die sank entnervt tiefer in ihren Stuhl. Emmett war nämlich total verschossen in sie und machte ihr häufig und ganz offen Avancen. Ich meine, welcher Kerl sollte das bei einer Frau wie Rose nicht tun. Leider war Emmett nicht so ganz ihr Typ. Sie suchte mehr den reichen, perfekt gestylten und dazu noch netten und romantischen Superkerl. Ich war der Meinung, der existierte wahrscheinlich nicht mal, aber sie hielt oft an ihren Vorstellungen fest oder wurde eines Besseren belehrt, siehe ihr letzter Ex. "Ach, komm schon Rose, er ist vielleicht etwas direkt und macht manchmal einen Witz zu viel…", was ich gerade cool an Emmett fand, aber ich war auch anders. "Aber du hast mal gesagt, dass er unglaublich gut aussieht. Du solltest es wenigstens mal mit ihm probieren. Er ist wirklich nett, ich bürge für ihn. Schlimmer als bei deinem letzten Typen kann es doch nicht werden." Der Typ wollte ihr letztlich sogar vorschreiben, was sie wann anzuziehen hatte. Ich blickte ihr direkt ins Gesicht. Sie schien über meinen Versuch ihr Emmett schmackhaft zu machen, ernsthaft nachzudenken. Sie zog die Stirn kraus, entspannte sie wieder, atmete tief ein. Verflucht, was ist denn nun?
Mittlerweile hatte uns Emmett erreicht. "Na, Kleines, auch schön fleißig?" Er setzte sich neben Rose, schenkte ihr ein liebevolles Lächeln und drehte sich mir wieder zu. "Eigentlich quatsche ich mehr mit Rose und ich glaube, Alec wird mich gleich töten, wenn ich ihm nicht helfe." beantwortete ich seine Frage und blickte meine zwei Freunde vor mir an. Also ein nettes Pärchen würden sie schon abgeben, musste ich zugeben, denn sie ergaben zusammen ein harmonisches Bild. Aber dann wäre ich ja die Kuppelmutti, auf so was stand ich ja mal so gar nicht. Plötzlich bemerkte ich, wie sich Rose Lippen bewegten und sie formte lächelnd das Wort Okay. Die Entscheidung war gefallen, zugunsten von Emmett und der wusste noch nicht mal was von seinem Glück.
Ihre letzte Beziehung musste Rose ein wenig abgeschreckt haben, jedenfalls für diese hochtrabenden Typen, denn Emmett besaß nur ein Fitnessstudio, obwohl ich mir ziemlich sicher war, er würde damit recht gut verdienen. Jedenfalls mehr als ich. "Ich muss euch leider erstmal allein lassen, Alec pfeift schon nach mir, wie ihr seht." grinste ich die beiden breit an und Emmett blickte ein wenig verwirrt aus der Wäsche und Rose lächelte verhalten. Ganz so überzeugt war sie von der Aktion Emmett wohl noch nicht, aber das müsste er allein hinbekommen. Ich bin hier schließlich nicht der Armor für die Verliebten und die es werden wollten, sondern die Dame hinter der Bar, zuständig dafür, dass die Leute ordentlich betrunken wurden. Also machte ich mich wieder an die Arbeit.
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Verflucht, es wurde immer später und von Edward keine Spur. Ich war enttäuscht, ehrlich, normalerweise konnte ich das einfach wegstecken. Sagen, dass es eh nur irgendein Kerl ist, was es auch meistens war, irgendeiner. Wer braucht die schon, ist ja nicht so, dass hier nicht bestimmt zehn an der Bar hockten und sich nach mir verzehrten, was wohl grundlegend an meinem Outfit lag. Gut, ich vielleicht nicht nach ihnen, aber das spielt jetzt mal keine Rolle. Aber warum kratzte es bei diesem Edward an meinem Ego. Kann ja wohl nicht wahr sein, jetzt machte ich mir schon wegen eines Kerls Gedanken, ich muss völlig verrückt sein. Ich habe vermutlich heute zu viel Sonne abbekommen. Nicht, dass ich noch ein kleines Heimchen am Herd werde, dass brav mit ihrem selbst gekochten Essen auf ihren Mann wartete, der wahrscheinlich eh eine Affäre mit seiner Sekretärin hatte. Das ist jetzt ein wenig hart ausgedrückt, aber oft war das doch der Fall. Jedenfalls stellte ich es mir in meiner Horrorvorstellung Nummer eins so vor. Gott, ich mit Blümchenschürze am Herd, da schüttelte es mich sogleich angewidert und das Bild verschwamm vor meinen Augen. Ich bin wirklich nicht vorurteilsbehaftet, wer sich das wünscht, bitte, der sollte damit glücklich werden und es lief sicher auch gut für manche Paare. Allerdings sollten sie mich mit dem Zeug in Ruhe lassen.
Erneut ließ ich meine Augen über die Massen schweifen, kein Edward. Ach, scheiße, dann sollte mir der Typ doch mal gehörig den Buckel runterrutschen und meinetwegen in seinem langweiligen Leben versauern. Zufriedenstellender war da das Bild, welches Rose und Emmett boten. Sie beugten sie immer wieder lächelnd zueinander und schienen sich wirklich nett zu unterhalten. Ha, und sie lachte, von wegen Emmetts Witze wären schlecht und manchmal nicht angebracht. Ich hoffte nur, er würde mit seinen nicht so feinen Zoten lieber hinter dem Berg halten. Aber es machte auf mich den Eindruck, als würde es gut zwischen den beiden laufen.
(The Pussycat Dolls - Don't Cha)
"Bella, es ist so weit." erklärte mir Alec und ich drehte mich zu ihm um. "Wo bist du denn heute mit deinen Gedanken, der DJ will loslegen." Alec zog leicht neckend einen Mundwinkel nach oben, als er das sagte und bedeutete mir, in Richtung DJ-Pult zu schauen. Was schon um zwei. Ich habe überhaupt nicht bemerkt, wie schnell die Zeit vergangen war. Nun musste ich eine kleine Stimmungsnummer für die Gäste abliefern. Ich hatte ein kleines Abkommen mit Luu, dass ich dafür immer etwas extra Geld bekam und das konnte ich bei meinem Gehalt auch gebrauchen. Ich gab unserem DJ ein Zeichen, dass er die Musik starten konnte und Alec reichte mir die Hand, um mir auf die Bar zu helfen.
Der Song setzte ein und ich bewegte meinen Körper rhythmisch zu seinem Klang. Ich lief ans andere Ende der Theke schwang meine Hüften, ging diese kreisend in die Hocke und wieder nach oben. Dazu sang ich den Text des Liedes lautstark mit, dann tanzte ich wieder in die Mitte, schwang meine Haare und zog weiter meine sexy Show ab. Das Ganze hatte ein wenig was von Coyote Ugly, diesem Hollywoodfilm mit dieser grässlichen Blondine, aber ich fand es geil, die Gäste anzuheizen und so die Gelegenheit zu haben mit ihnen mitzufeiern. Außerdem war es hier oben ein berauschendes Gefühl, die Augen zu schließen und sich einfach nur von der Musik leiten zu lassen.
Zum Glück war ich nicht nur gelenkig, sondern auch graziös genug für den Scheiß, sonst würde ich mich echt blamieren und dann hätte ich wahrscheinlich schon lange keinen Job mehr. Ich denke, deswegen hat mich Luu auch nicht gefeuert, wenn ich mal zu spät kam, mit mir konnte er sich nämlich das Gehalt einer Tänzerin sparen. Ich ließ meine Hände über meinen Körper fahren, erhob sie dann und heizte der Menge, die sich vor der Bar gebildet hatte ordentlich ein, als ich hinter dieser einen bronzenen Haarschopf entdeckte. Edward, er war doch gekommen, aber es sah ganz so aus, als würde er schon wieder gehen wollen. Nicht mit mir, mein Freund. Ich bedeutete den Leuten vor mir die Hände nach oben zu nehmen und dass ich mich fallen lassen wollte. Zum Glück verstanden sie, was ich meinte. Somit blickte ich in Edwards Richtung, merkte mir, wo er sich befand und drehte mich mit einem Seitenblick auf Rose und Emmett herum. Die sahen bezüglich meines Plans etwas geschockt aus, aber das würde schon gut gehen. Ich hob meine Hände, ließ sie seitlich in der Luft stehen, gab damit das Signal für die Menge. Ich schloss meine Augen und ließ mich dann nach hinten fallen. Es war wie ein Rausch, mein Blut pumpte das Adrenalin aufgrund meines erhöhten Herzschlages augenblicklich durch meinen Körper. Ich spürte die kurze Euphorie eines freien, ungewissen Falls und dann landete ich weich in der Menge, welche ekstatisch jubelte. Scheiße, war das geil, warum hatte ich das nicht früher getan, mein Körper befand sicher immer noch in einem Erregungszustand, alles kribbelte in mir und ich konnte kaum meine Atmung beruhigen.
Da fiel mir auf einmal wieder Edward ein und ich erhob meine Hand und befahl den Leuten mit meinem Daumen mich nach hinten zu bewegen. Und sie taten es, wie cool war das denn. Am Ende der Massen ließen sie mich herab. Hatte ja prima geklappt. Ich hatte zwar etliche Hände an meinem Hintern gehabt, aber das war mir die Sache eindeutig wert gewesen. Ich drehte mich von der Bar weg und hielt nach Edward Ausschau. Dieser starrte mich halb entsetzt, halb beeindruckt an und rührte sich nicht von der Stelle. Ich ging zielstrebig auf ihn zu. "Du wolltest doch nicht etwa abhauen, ohne mich zu begrüßen. Wo bleiben denn deine Manieren?" neckte ich ihn mit einem Grinsen im Gesicht und er brachte nur ein verirrtes "Wow!" heraus, worauf ich nur breiter lächeln musste. "Du hast dich einfach fallen lassen?" sagte er weiterhin erstaunt und hatte somit seine Sprache wieder gefunden. "Richtig erkannt, lieber Edward und ich kann das Ganze nur empfehlen, weil es ein unglaubliches Gefühl war, kaum zu beschreiben. Vielleicht Interesse daran es auch zu probieren?" fragte ich ihn und lehnte mich ihm leicht entgegen, um es ihm ins Ohr zu sagen. Es war ganz schön laut hier drinnen. Er schüttelte den Kopf und lehnte ab.
Das war wohl doch zu heftig für ihn oder nur zu früh, dachte ich mir schelmisch, während ich ihn erstmal von oben bis unten betrachtete. Er trug eine schwarze Jeans, ein braunes aufgeknöpftes Button Down Hemd, bei dem er die Ärmel hochgekrempelt hatte und darunter ein schwarzes eng anliegendes T-Shirt. Er sah richtig heiß aus und regelmäßiges Training musste er auch absolvieren, denn ich konnte ein wenig sein Sixpack erkennen. Gar nicht mal schlecht, musste ich ehrlich zugeben. Ich griff nach seinem Arm, "Dann sollten wir dir zuerst, was zu trinken besorgen, da bist du bei mir genau richtig." und mit diesen Worten führte ich ihn an die Bar, was er widerstandslos über sich ergehen ließ. Ich suchte ihm einen Barhocker, während er interessiert die Umgebung des Clubs abcheckte. Er musste wirklich noch nicht hier gewesen sein. Als ich endlich einen freien Sitz entdeckte, ließ ich ihn Platz nehmen. Ich sprang selber schwungvoll mit meinem Arsch neben ihm auf die Bar, hob meine Beine an, schwang sie darüber und landete auf der anderen Seite wieder auf meinen Füßen. Ich drehte mich zu ihm und er beobachtete genau, was ich als nächstes tat. Ich stützte mich mit meinen Händen am Tresen ab, beugte mich vor, bot ihm dadurch einen super Ausblick auf mein Dekolletee und fragte: "Was darf es denn sein, mein Hübscher?" sagte ich extra süßlich, was ihm ein himmlisches schiefes Lächeln entlockte, welches wiederum meinen Herzschlag erhöhte. Charme schien er also auch zu besitzen, interessant. "Ich hätte gerne einen Whiskey, schöne Frau." antwortete er mir mit einem verführerischen Lächeln. Oh, er verstand es zu spielen, ich war beeindruckt. Er steckte wirklich voller Überraschungen. Er nahm meinen nicht gerade mit vielem Stoff bedeckten Oberkörper genau unter die Lupe, während ich ihm sein Getränk einschenkte und es ihm dann reichte.
"Dein Outfit gefällt mir, zum Glück nicht so steif wie ein Anzug." sagte ich und seine Augen funkelten leicht diabolisch: "Und du scheinst ja kein Geld für Oberteile zu besitzen, ich kann dir gerne welche leihen, wenn du willst." Seine Mundwinkel zogen sich nach oben und er wackelte mit einer Augenbraue, was mir ein Lachen entlockte. "Nicht schlecht. Aber ich denke, bei deinen Blicken mir gegenüber habe ich heute klamottentechnisch nicht wirklich etwas falsch gemacht." erklärte ich ihm und biss mir leicht auf die Unterlippe. Wir hielten uns mit unseren Augen gegenseitig gefangen.
"Ich störe dich ja nur ungern, aber hier wollen noch andere bedient werden." unterbrach uns Alec und ich schenkte Edward noch ein betörendes Lächeln, bevor ich mich den anderen Gästen zuwandte, die dringend nach Alkohol verlangten. Ich war einfach nur überrascht darüber, wie viel entspannter Edward sich plötzlich gab. Lag das an der Tageszeit, bei Nacht cool und gelassen, am Tag steif und konservativ? Aber das spielte eigentlich keine Rolle, Hauptsache wir würden Spaß haben. Und den hatte ich, sein Anblick war mir bereits Freude genug. Hatten ich eigentlich seine Haare erwähnt, die momentan sexy in alle Richtungen abstanden, als hätte ich gerade meine Hand hindurchfahren lassen und mich leicht hinein gekrallt. Leider blieb dieser Anblick auch den anderen Frauen hier nicht verborgen, die ihn entweder aus der Ferne anschmachteten oder ihn direkt und ohne Scham anbaggerten. Die sollten gefälligst die Finger von ihm lassen. Ich hatte ihn zuerst entdeckt, das nennt man Vorkaufsrecht, klar?
Etwas später und nachdem sich Emmett mit Rose zusammen von mir verabschiedet hatten, das wird noch was, bestimmt, wurde es langsam leerer. Die ganze Zeit über hatten Edward und ich einander beobachtet, wenn er seinen Whiskey trank oder ich einen Cocktail mixte. Vielleicht schien ich ihn genauso anzuziehen wie er mich. Es war fast um vier und ich wollte mit Edward hier weg, nicht nur, um ihn von diesen ausgehungerten Frauen wegzubringen, sondern auch, um direkt mit ihm Zeit zu verbringen und nicht nur von weiten Blicke austauschen zu müssen. Ich flehte also Alec an, dass ich früher gehen könnte und er das ja auch spielend allein schaffen würde. Ich brachte meine besten Überredungskünste zum Einsatz: flehender Blick, große glasige Augen und bot ihm an, dass er dann, was gut bei mir hätte. Ein Glück willigte er ein, also schnappte ich mir meine Lederjacke und gesellte mich neben Edward, der mich fragend ansah: "Noch Lust auf einen Spaziergang?" fragte ich ihn und er willigte ein, ließ damit all die Frauen, die insgeheim gehofft hatten, ihn abschleppen zu können, stehen und ging mit mir. Ich drehte mich um, schenkte ihnen ein siegreiches Lächeln, obwohl sie von vornherein keine Chance gehabt hatten und verließ mit Edward unter ihren wütenden Blicken das Twilight. Manchmal war ich aber auch ein böses Mädchen, dachte ich und lächelte vergnügt.
