4. Kapitel
Aber verrückte Mädchen sind verflucht sexy!
(Cassie and Sid - Sex on Fire (Kings of Leon))
Ich streifte mir meine Lederjacke über, als ich mit Edward zusammen das "Twilight" verließ. Es war eigentlich nicht kalt, denn die Luft war immer noch warm, aber ich hatte keine Lust das Teil zu tragen. Tiefe Nacht umhüllte uns und das Treiben hier in Strandnähe war rapide heruntergefahren, nur vereinzelt befanden sich ein paar Partygänger auf den Straßen. Ich sah zur Seite, Edwards Blick schien verunsichert, er hatte keine Ahnung, was ich mir unter einem Spaziergang vorgestellt hatte. Und um ehrlich zu sein, hatte ich mir da selber auch keine genaueren Gedanken gemacht. Ich wollte einfach nur aus dem Club heraus. Damit er mir nicht davon lief, fragte ich ihn, ob er Spaß gehabt hätte. "Vielleicht ein wenig…." sagte er spitz und machte eine kleine Pause, bis er fortfuhr. "….aber auf die Anmachen der Frauen hätte ich verzichten können, manche schienen es äußerst nötig zu haben." Ich schmunzelte. Interessant, also kein nach Geltung und Verehrung hechelnden Kerl, mal was anderes.
Plötzlich verzog sich sein Gesicht zu einem schiefen Lächeln und ich wollte wissen, woran er gedacht hatte. Doch bevor ich ihn danach fragen konnte, beantwortete er mir meine unausgesprochene Frage. "Der Ausblick war manchmal gar nicht schlecht." und jetzt schaute er mich direkt an und ich zog grinsend aufgrund seiner Antwort einen Mundwinkel nach oben.
"Also, was genau hast du nun für einen langweiligen Job, über meinen weißt du ja jetzt Bescheid." fragte ich ihn dafür direkt. Er blickte mich leicht empört an und erwiderte "Was heißt hier langweilig?" Ich hoffe, er verstand unter seiner Wirtschaftstätigkeit keinen wirklichen Spaß, obwohl Geschmäcker eigentlich verschieden sind. "Auf langweilig kam ich aufgrund deiner Papiere oder arbeitest du vielleicht heimlich für die Mafia und der Börsenkram ist nur Tarnung?" Dies ließ ihn leicht auflachen, es klang hell und klar, einfach himmlisch. "Okay, ich gebe zu, dass es manchmal ein wenig trocken sein kann, aber ich verdiene damit gutes Geld." sagte er und wir liefen weiter die Straße entlang, die direkt zum Strand von Miami führte. Ich fragte mich, was er wohl tun würde, wenn er von vornherein Geld wie Heu hätte. "Ist dir Geld wichtig?" fragte ich aber stattdessen, denn Geld spielte für mich nur eine nebensächliche Rolle. Er überlegte einen Moment, bevor er antwortete und wir bereits den Rand des Strandes erreicht hatten. "Ja und nein, man braucht es zum Überleben und ich habe lieber etwas mehr als zu wenig. Wer kauft sich nicht gerne schöne Dinge?" Kluge Antwort, die er sich da überlegt hatte und ich brachte ihm nur ein "Stimmt." entgegen.
Wir standen beide wartend auf dem Pflaster und vor uns erstreckte sich weicher Sand, der im Schein des Mondes weiß schimmerte. Unser Blick war auf das heute Nacht sehr ruhige Meer gerichtet und offensichtlich hingen wir beide unseren Gedanken nach. Ich überlegte, dass ich echt gerne eine Kawasaki wie Emmetts fahren würde, aber dass mir dies wahrscheinlich immer verwehrt bleiben würde. Obwohl nicht ganz, denn ab und zu ließ mich Emmett auch ohne Führerschein mit ihr fahren. Denn fahren konnte ich diese Dinger verflucht gut, ein alter Schulfreund hatte es mir beigebracht und dann bin ich irgendwie durch ihn an der Leidenschaft für schnelle Motorräder kleben geblieben. Aber mal ehrlich, wer fand das Fahren darauf bitteschön nicht heiß?
Spontan kam mir eine Idee und ich schnappte mir Edwards Hand und zog ihn mit mir auf den weichen Sand Richtung Wasser. "Was ist?" kam es dabei perplex von ihm. Zum Glück hielt er mich nicht davon ab, denn eigentlich wäre er stärke mäßig sicher in Lage dazu gewesen. Kurz vor den schwachen Wellen, die uns entgegen schwappten, hielt ich an. Ich sah Edward direkt in die Augen und lächelte ihn eine Augenbraue hebend an. Er wartete wiederum mit gespannter Miene, was genau ich plante. Ich streifte meine Jacke von meinen Schultern, hielt Edward dabei mit einem betörenden Blick gefangen. Dann ließ ich meine Arme wieder sinken und die Lederjacke fiel von meinen Schultern. Danach öffnete ich den Gürtel meiner Hose und seine Augen weiteten sich ein wenig. Woran der wieder dachte? Also ein bisschen versaut waren seine Gedanken ja doch. Ich schmunzelte und erlöste ihn endlich von seinem verwirrten Blick. "Schon mal bei Nacht schwimmen gewesen und nur der Mond hat dich gesehen?" fragte ich ihn und nun begriff er auch, warum ich mich begonnen hatte, auszuziehen. "Nicht wirklich." war seine Antwort und er überlegte krampfhaft, ob er das für eine gute oder schlechte Idee halten sollte. Das konnte ich deutlich an seinem Gesichtsausdruck erkennen. Währenddessen ging ich in die Hocke, öffnete die Riemchen meiner hohen schwarz-weißen Schuhe, wieder stehend schlüpfte ich aus ihnen heraus. Edward schien immer noch im Zwiespalt, was ich im Augenwinkel beobachte, als ich mich meiner Hose entledigte.
Ich stand inzwischen nur noch in diesem knappen schwarzen Lederoberteil und schwarzer Hotpants vor ihm. Also eigentlich nur in Unterwäsche, aber ist ja nicht so, dass er das heute nicht schon gesehen hätte und wenn nicht, wäre es mir auch egal gewesen. Ich beugte mich zu ihm hin: "Angst, dass dir das Wasser zu kalt ist?" Sein Gesicht zeigte Skepsis, aber weiterhin wollte er weder meinem Vorschlag zustimmen und mitmachen, noch ihn endgültig ablehnen. Okay, wenn er nicht so entscheidungsfreudig war, übernahm ich das eben für ihn. Ich griff deshalb, erst nach seinem linken Arm, streifte die Ärmel seines Hemdes herunter und wiederholte das Ganze dann mit dem rechten. Dabei blickte ich ab und zu lächelnd nach oben in Edwards Gesicht. Er regte sich nicht und beobachtete einfach weiterhin, was ich tat. Ich fuhr mit meinen Händen über seine durch das T-Shirt verhüllte Brust und ich spürte wie er leicht erschauderte. An seinen Schultern angekommen streifte ich ihm das Hemd von den Schultern, presste kurz meinen Körper an den seinen, wodurch er stark Luft in seine Lungen zog. Dann hielt ich wieder ein wenig Abstand zwischen uns und nahm den Bund seines Shirts in die Hand, schob es über seinen Bauch. Bereitwillig nahm er seine Arme nach oben, damit ich es ihm ausziehen konnte. Weiterhin hatte kein einziges Wort seinen Mund verlassen. Ich merkte, dass er das Ganze genoss und seine Sprachlosigkeit konnte nur von Vorteil sein. Besser als ein Kerl, der ständig irgendwas Dummes dazwischen quatschte.
Nun hatte ich einen freien Blick auf seine nackte Brust und das mit dem Training hatte ich wirklich nicht falsch eingeschätzt. Für einen Geschäftsmann war Edward verdammt heiß. Ich griff nach seinem Designergürtel, doch plötzlich ergriff er mein Handgelenk. Er hatte sich das doch nicht anders überlegt, obwohl so wirklich hatte er ja noch überhaupt nicht entschieden. Es war mehr eine gewisse schweigende Zustimmung. Ich sah in sein Gesicht, er war immer noch ratlos. Ich wusste, dass er angestrengt darüber nachdachte, ob ich schwimmen wollte oder das hier nur ein Code für -Wollen wir Sex haben- war. Da kannte er mich aber schlecht, wenn ich ihn jetzt flachlegen wollte, würde ich nicht so ein Hin und Her veranstalten, das hätte anders ausgesehen, obgleich mich die Situation nicht kaltließ.
"Angst?" fragte ich ihn und er legte leicht den Kopf schief. Er ließ sich aber auch genauso schwer in die Karten schauen, in dem, was er selber wollte. Ich kam ihm näher, stellte mich auf meine Zehenspitzen, weiterhin hielt er mein Handgelenk fest, doch das gab mir den nötigen Halt auf diesem weichen Sand. Ich näherte mich seinem Ohr und wie gebannt, wartete er, was ich vorhatte. "Du kannst sie auch anbehalten, aber sie wird nass, schon vergessen?" flüsterte ich ihm mit rauchiger Stimme zu und ich bemerkte, wie sich seine Nackenhärchen aufstellten. Ich leckte leicht über sein Ohrläppchen, was seine Gänsehaut verstärkte. Dann nahm ich es zwischen meine Zähne, zog leicht daran und sein Griff an meinem Arm nahm kurz an Stärke zu und entspannte sich wieder, als ich von ihm abließ. Ich beugte mich zurück, grinste ihn frech an und fragte: "Und was ist nun mit Schwimmen, Edward." Er zog wegen meines Verhaltens leicht verärgert seine Stirn kraus und betitelte mich dann lächelnd als "Biest", während er mein Arme wieder freigab.
Ich begann ihm die Hose zu öffnen und sagte ihm neckend, er solle nicht seine Kinderstube vergessen. Dies entlockte ihm ein Lachen und er erwiderte, dass ich darauf sicher keinen Wert legte und damit hatte er im Prinzip recht. Nachdem seine Schuhe, Strümpfe und Hose ebenfalls im Sand lagen, war er wie ich nur in Unterwäsche gekleidet. Er trug eine schwarze Boss-Boxershorts, Geschmack hatte er, musste ich zugeben. Als ich seinen Körper sah, kam mir der Gedanke, dass ich vielleicht doch auf Sex hätte spielen sollen, denn sein trainierter, leicht gebräunter Körper ließ meine Libido mal so gar nicht kalt. Aber was solls.
Im nächsten Augenblick lief ich auch schon ins Wasser, drehte mich herum, als dieses bereits meine Hüften umschwärmte und rief nach Edward. "Und was ist nun, kommst du?" Er sah mich nur für den Hauch einer Sekunde an und folgte mir dann. Ich sprang ins Meer, tauchte kurz unter und dann wieder auf. Ich realisierte, wie ich immer noch stehen konnte und strich deshalb mit meinen Händen meine nassen Haare aus meinem Gesicht. Edward schwamm neben mich und grinste. "Erfrischend, nicht wahr?" fragte ich und umkreiste ihn. Sein Lächeln wurde breiter. "Ja, ich muss zugeben, dass du recht hast." sagte er und ich legte mich mit ausgebreiteten Armen auf meinen Rücken horizontal zur Wasseroberfläche, um mich treiben zu lassen. Ich merkte, wie es mir Edward gleich tat.
Wir genossen die Stille, welche nur vom leichten Rauschen der Wellen durchbrochen wurde und betrachteten den Sternenhimmel. "Das ist ehrlich entspannend, das sollte ich öfter tun." erklärte Edward plötzlich und ich stimmte ihm zu, da man so die Stadt und seine eigenen Probleme weniger klar vor Augen hatte. Nur funkelnde Sterne und der strahlend helle Mond hielten einen gefangen, während man das Gefühl von Schwerelosigkeit genoss. "Ich rate mal, dein Leben ist nicht gerade stressfrei, oder?" fragte ich ihn und begab mich wieder in eine aufrechte Position. Seine Augen suchten kurz meinen Blick, "Nicht wirklich." sagte er und blickte dann wieder in den Himmel. Es war ein unglaublich erotischer Anblick, wie Edward sich vom Wasser treiben ließ und endlich mal völlig entspannt wirkte. Seine Stirn war geglättet, frei von Sorgenfalten, was mich lächeln ließ, gerade als er wieder zu mir schaute. "Lachst du etwa über mich?" fragte er deswegen empört und richtete sich ebenfalls wieder auf. "Nein, ehrlich nicht, aber mir gefällt es dich so zu sehen." erklärte ich ihm. "Wie zu sehen?" fragte er andererseits verwirrt. "Entspannt." sagte ich knapp, schwamm zurück an den Strand und lief zu unseren Sachen zurück.
Ich zog mich wieder an, auch wenn mein Körper noch nass war, aber die warme Nachtluft von Miami machte es nicht unangenehm. Einen kurzen Augenblick später war Edward neben mir und bekleidete sich ebenfalls wieder. Ich rang derweil noch meine Haare aus und beobachtete ihn. Mit nassen Haaren wirkte er eindeutig eine Spur verwegener, was ich als äußerst reizvoll empfand. "Du wirst dich erkälten, wir können zu mir, dort kannst du heiß duschen." bot mir Edward gentlemanlike an und deutete auf meine nassen Haare. Lag es jetzt daran, dass er nachts noch nie schwimmen war oder verdrängte er die Tatsache, dass wir in Miami waren und mein Haar bei den hohen Temperaturen selbst bei Nacht schnell trocknen würde? "Okay, wie du meinst." antworte ich ihm allerdings und ließ meine eigenen Überlegungen außen vor, denn ich war nicht abgeneigt mit ihm zu gehen. Somit machten wir uns auf den Weg zu seiner Wohnung, die ja wie meine nicht weit vom Strand entfernt war, aber das von meiner musste er ja erstmal nicht wissen.
Dort angekommen, schloss Edward plötzlich den Reißverschluss meiner Jacke und ich musste aufgrund dessen argwöhnisch die Stirn runzeln. Was sollte das?, dachte ich, als er lächelnd meine Hand nahm und mich den Portier begrüßend zum Fahrstuhl führte. Nachdem uns der Fahrstuhl nach oben geführt hatte, traf mich seine Ordnung irgendwie fast wieder wie ein Schock, obwohl ihn würde bei meinem Chaos, wenn auch nicht Schmutz, wahrscheinlich auch der Schlag treffen. Ich ging an ihm vorbei in sein Wohnzimmer, zog dabei meine Schuhe und meine Jacke aus. "Das Bad ist hinter dem Schlafzimmer." erklärte mir Edward. Er ging voraus öffnete die Tür und ich konnte einen Blick auf sein großes mit dunkler Bettwäsche bezogenes Bett erhaschen, auch hier war alles richtig penibel ordentlich. Aber es sah verdammt einladend aus. Und ich fragte mich ob Edward bewusst war, dass meine Haare fast wieder trocken waren.
Direkt vor seinem Bett stehend, ließ ich mich einfach in die weichen Laken fallen. Ich wusste, dass er an der Tür stand und mich beobachtete, aber das war mir egal. Ich erhob mich leicht, krabbelte ans Kopfende und legte mich kuschelnd in eines seiner Kissen, schloss die Augen. Es war so gemütlich und ich spürte die Müdigkeit in meinen Knochen. Das lag nicht nur am Arbeiten, sondern auch an etwas anderem. Blöde Rose, die darauf bestand, dass ich mich heute Morgen mit ihr treffen sollte. Ich hörte Schritte und wusste, dass sich Edward seinem Bett genähert haben muss. "Müde?" fragte er mich und ich brummte nur zustimmend, ohne sonst eine Regung von mir zu geben. Doch ich bemerkte, wie er sich wieder von mir entfernen wollte. Deswegen erhob ich mich leicht aufgestützt mit einem "Warte!" und hielt ihn davon ab. Er drehte sich wieder zu mir um und ich streckte einen Arm nach ihm aus. Er lächelte, entledigte sich seiner Sachen, während ich mir umständlich in halb liegender Position versuchte die Hose von den Beinen zu schieben. Das wollte nur irgendwie nicht funktionieren oder ich war wirklich schon verdammt k. o. Edward trat neben mich, griff nach dem Gürtel meiner schwarzen Stoffhose und streifte mir diese hauchzart von den Beinen, während ich mich wieder in seine geschmeidigen Kissen fallen ließ. Er ging um das Bett herum, legte sich unter die Decke, die er unter mir hervorzog. Ich war so verflucht müde und erschöpft. Ich bemerkte, wie er mich an sich zog und ich mich an seine Brust kuschelte. Er strich mir sanft eine verirrte Haarsträhne aus dem Gesicht und ich nahm gerade so wahr, wie er mir eine gute Nacht wünschte, bevor ich in einen tiefen Schlaf fiel.
