7. Kapitel
Beziehungen? Kenne ich nicht. Ist das dieses komische Ding mit der Monogamie aufgrund geistiger Nähe?
Als sich Edward neben mich legte, hatten wir uns so langsam wieder beruhigt. Genießerisch schloss ich meine Augen. Ich hätte ehrlich nicht gedacht, dass mit ihm zu schlafen dermaßen scharf sein würde. Ich meine, gehofft hatte ich es, aber seine wirkliche Leidenschaft hat mich dann doch überrascht.
Er zog mich wieder an seine Brust. Ich wusste nicht, ob das so gut war. -Jetzt lüg nicht, es fühlt sich doch gut an, geborgen. – flüsterte mein Unterbewusstsein bedächtig zu. Ach, Ruhe auf den billigen Plätzen, du hast nichts zu sagen, kapiert. Ich strich mit meiner linken Hand über seine durchtrainierte Brust und Edward beobachtete mich dabei. Dann griff er plötzlich nach meinem Arm. "Liberdade. Was bedeutet das?" fragte er interessiert. Er bezog sich auf das Tattoo auf meinem linken Unterarm. Mit verschnörkelter schwarzer Schrift stand innen vor meinem Handgelenk parallel zu meinem Arm das Wort Liberdade. "Es ist Portugiesisch und bedeutet Freiheit." erklärte ich ihm. "Wieso diese Sprache?" hakte er weiter nach, während er meine Hand wieder auf seine Brust legte und seine eigene darauf ruhen ließ. Ich war mir nicht sicher, ob ich ihm das erzählen sollte. Es würde vielleicht weitere Fragen aufwerfen, die ich nicht bereit war zu beantworten.
"Die Familie meiner Mutter kommt ursprünglich aus Brasilien und Freiheit eben Ungezwungenheit, Unabhängigkeit und so weiter." erklärte ich und flüsterte hinzufügend mehr für mich selbst: "Ich will nie wieder eingesperrt sein, ob geistig oder körperlich." Ich hoffte, dass ihm dies genügen würde. Leider lag ich da falsch, als er weiter nachhakte, was ich mit eingesperrt meinte. Ich setzte mich auf, ignorierte seine Frage gekonnt wie auch seinen verwirrten Blick gleich mit dazu. "Ich habe jetzt echt Hunger. Was ist mit dir?" Kurz runzelte er die Stirn, sah dann aber ein, dass ich ihm nichts erzählen würde, wenn ich es nicht wollte. Er lächelte und stimmte meinem Vorschlag zu, erstmal etwas zu essen.
Ich stieg aus dem Bett und ging an seinen Schrank, um mir wieder ein Hemd von ihm anzuziehen. "Du stehst auf meine Hemden, wenn sie dir nicht gerade im Weg sind?" sagte Edward scherzhaft hinter mir, während er sich eine Boxershorts, eine Jeans und ein T-Shirt anzog. "Hey, sie stehen mir und außerdem hast du genug, um eine ganze Fußballmannschaft damit zu versorgen." sagte ich grinsend. Er erwiderte mein Lächeln, lief voraus in seine Küche und ich folgte ihm.
"Mmhh, so oft koche ich hier nicht." erklärte er mit einem Blick in den Kühlschrank." Ist bei mir nicht anders, lass uns einfach irgendwo hingehen." Ich wollte mir gerade meine Lederhose schnappen, die noch achtlos auf dem Boden lag, als Edward mir zurief, dass er etwas bestellen würde. Na gut, meinetwegen.
Ich sah mir derweil sein Wohnzimmer genauer an und entdeckte ein Bild, scheinbar das einzige hier. Sofort ging ich darauf zu und nahm es in die Hand. Darauf konnte man eine Familie erkennen: eine hübsche Frau mit karamellfarbenen Haaren und der blonde Mann neben ihr, der seinen Arm um sie gelegt hatte, war auch nicht zu verachten. Zwischen ihnen stand eine Teenagerausgabe von Edward. Sie sahen wirklich glücklich aus. "Das sind meine Eltern, Esme und Carlisle. Sie adoptierten mich als Kleinkind." hörte ich Edward hinter mir. Er war also adoptiert, interessant. Ob das der Grund für seine Verklemmtheit war?
Ich drehte mich zu ihm um. "Meine richtigen Eltern sind tot, Autounfall, aber ich hatte Glück. Ich hätte es mit Esme und Carlisle nicht besser treffen können." Seine Worte klangen überzeugend und ein sanftes Lächeln bildete sich auf seinen Lippen, als er von seiner Familie sprach.
Ich stellte das Bild zurück und wand mich ihm wieder zu. "Dann hattest du eine schöne Kindheit?" Er nickte "Du wohl nicht?" Verflucht, klassisches Eigentor würde ich das mal nennen. Wie sind wir auf diese tiefgründige Gesprächsschiene gekommen? Das war so überhaupt nicht gedacht. "Doch normal, wie bei jedem." sagte ich und Miss Unterbewusstsein schüttelte den Kopf. Die sollte mich in Ruhe lassen. Ich musste ja nicht gleich einen Seelenstriptease vor ihm hinlegen. Was geht ihn das an? Nichts verstanden.
"Und was hast du bestellt?" versuchte ich von diesem Familiengequatsche wegzukommen. "Chinesisch, wenn es recht ist." Ich sagte ihm, dass dies in Ordnung sei, warf mich auf seine Couch, schaltete seinen Plasmafernseher ein und zappte durch die Kanäle. Ich konnte Edwards argwöhnische Blicke auf mir spüren. Gott, warum war es plötzlich so angespannt zwischen uns. Ist ja grauenvoll, ich sollte essen und dann verschwinden.
Etwas später öffnete sich der Fahrstuhl. Edward stand gerade unter der Dusche. Ein Glück, denn zuvor hatte ich noch ein verantwortungsbewusstes Gespräch mit ihm, von dem ich mich erstmal erholen musste. Es ging um Verhütung, als ob die Unterhaltung über unsere Familienverhältnisse nicht schlimm genug gewesen wäre. Na ja, scheinbar hatte er nach unserer Spontanaktion Panik bekommen, dass bald ein kleiner Edward durch die Welt krabbeln würde. Ich beruhigte ihn, dass ich die Pille nahm und mein letzter Gesundheitstest in dieser Hinsicht erst drei Wochen her war. Ich war zwar öfter gedankenlos, aber aufgrund meiner häufig wechselnden Partner ließ ich mich regelmäßig testen.
Jedenfalls erhob ich mich auf, weil da sicher unser Essen geliefert wurde, komisch nur, dass es nicht geklingelt hatte.
Wie cool ist das denn, schmunzelte ich in mich hinein. Aufgrund der überaus geilen Situation, die sich mir nun darbot, freute ich mir gerade ein zweites Arschloch. Vor mir stand Tanya, in ihren Händen hielt sie die Pappbecher vom Chinesen und ihr Gesicht war einfach nur göttlich. Es zeigte puren Hass, aber zugleich konnte sie es nicht fassen, dass ich nur in einem Hemd bekleidet in Edwards Wohnung stand.
"Ich sagte doch, dass er mich heißer findet." erinnerte ich sie süßlich grinsend an meine Worte und nahm ihr das Essen ab. Ihr stand der Mund offen und sie wusste scheinbar nicht, was sie sagen sollte. "Wenn du Edward suchen solltest, der ist unter der Dusche. Er war ein wenig verschwitzt. Sex ist ja auch eine Art von Sport." erklärte ich ihr frech. Ich konnte es mir einfach nicht verkneifen, ihr das auf die Nase zu binden. Und jetzt wurde ihr Gesicht regelrecht rot vor Wut, es ging fast schon ins lila. Wäre doch amüsant, wenn sie alle Farben des Regenbogens durchlaufen würde, dachte ich, während sie stark Luft in ihre Lungen zog. Ich wette, jetzt kommt gleich der Gegenschlag, denn die war so was von sauer, einfach herrlich. Wer weiß, wie lange die Edward schon bearbeitet hat und er hatte sie nie rangelassen.
"Du kleine billige Schlampe! Ich fasse es nicht. Was fällt dir ein?" Ach ja, ich war ja billig und jetzt auch schlampig, aha. "Lässt du jeden über dich drüberrutschen, du Flittchen. Das kannst du bei deinen Pennerfreunden machen, aber nicht hier." Boah…. Die wurde immer dreister, da fiel es einem ja schwer, selber gelassen zu bleiben und sie hatte scheinbar keine Lust aufzuhören. "Bilde dir bloß nichts darauf ein. Er wird nie mehr von dir wollen, weil du nur eine verarmte, dumme, verrückte Hure bist. Verstanden. Edward braucht jemanden mit Niveau." beendete sie ihre kleine Rede und ich war ein wenig geschockt. Die nahm sich verdammt viel heraus. Als ob die mich kennen würde – die hatte doch keine Ahnung, wer ich war. Das war reine unverfälschte Eifersucht, die müsste eigentlich gerade giftgrün sein.
"Meine liebste Tanya, jetzt hör mir mal zu…." ich tippte hart mit meinem Finger gegen ihre Brust, ich war echt sauer. "Erstens: Wer hat hier was von einer Beziehung gefaselt, ich nicht. Zweitens ist es meine Sache, wen ich ficke und ich kann ja wohl nichts dafür, dass bei dir da unten schon die Spinnweben wuchern. Und drittens kann mich Edward gerne so oft und so hart ficken, wie er will." Ich beugte mich nah an sie heran und sagte ihr das Folgende äußerst eindringlich. "Und ich verrate dir was. Scheiße, das hat er getan und er stand verflucht noch mal darauf und es wird sicher nicht das letzte Mal gewesen sein." Wenn das mal nicht gesessen hatte. Sie selbst sah das wohl anders, als sie mich hart auf den Boden schubste und dann wie von der Tarantel gestochen abhaute. Tja, wer keine Argumente hat, greift wohl zur Gewalt. Sehr intelligent stellte sie sich da an, musste ich zugeben.
Ich verfrachtete das Essen auf den Couchtisch, entpackte die Stäbchen und fing schon mal an.
"Wollen wir nicht lieber in der Küche essen, da kann man besser sitzen?" fragte Edward, als er sah, wie ich auf dem Sofa lümmelte und mir chinesische Köstlichkeiten in den Mund schob. "Nein danke, ich habe es sehr bequem." sagte ich und er machte ein gequältes Gesicht. "Gott, Edward, jetzt mach mal keine Wellen, ich kleckere schon nicht auf deine Designercouch, also fang endlich an zu essen." Er musste an meiner Stimme gemerkt haben, dass ich keinen Bock auf eine Diskussion über Ordnung hatte oder er war einfach zu hungrig, denn er setzte sich schlussendlich zu mir, aß aber über den Tisch gebeugt. Was machte der so eine Panik? Es war nur ein Scheißsofa und er konnte sich auch ein neues kaufen, wenn es hart auf hart kam.
(Paramore - The Only Exception)
Nachdem wir auch den letzten Pappbecher gelehrt hatten, war ich sowas von pappsatt, dass ich hoffte, nicht zu platzen. Ich bewegte mich schlängelnd in eine liegende Position und legte dabei meine Füße auf Edwards Tisch, da er ja auf dem Rest des Sofas saß. Ich schloss meine Augenlider, weil mein schwerer Magen sie buchstäblich nach unten zog. Plötzlich merkte ich, wie Edward meine Beine nahm und sie sich über den Schoß legte. Er fand es wahrscheinlich nicht so prickelnd, sie auf seinem Couchtisch zu sehen. Versteh das einer, sie waren schließlich nicht dreckig. Ich kuschelte mich in das weiche, leicht flauschige Leder, als ich plötzlich wahrnahm, wie er meine Schenkel hauchzart streichelte. Ich öffnete schlagartig meine Augen, sah ihn an und bemerkte, dass er mich beobachtet hatte. Er lächelte. Wieso? Nicht dass meine Beine nicht heiß wären? Irgendwie verstand ich bei ihm überhaupt nichts mehr. Verkrampft und stocksteif konnte ich besser hinter seine Fassade blicken. Aber was auch immer, ich war müde, verflucht müde. Also schloss ich meine Augen wieder und driftete immer mehr ab.
Augenblicke später merkte ich, wie mir etwas sanft über meine Wange strich und meine Haare beiseite schob. Ich glaubte zu träumen oder befand mich nur in einem dunstigen Halbschlaf. Ich war extrem schlaftrunken. Arme schoben sich unter meinen Körper und hoben mich hoch. Ich versuchte zu blinzeln, schaffte es nicht oder es war lediglich zu dunkel, um etwas zu erkennen. Wenn ich einmal schlief, war es meist schwierig, wach zu werden. Ich kuschelte mich an die Wärme, als diese auch schon wieder verschwand und ich weichen Stoff fühlte. Doch einen Augenblick später umhüllte mich dieses wärmende Gefühl erneut – ich glaubte, wohlig aufzuseufzen. Was war das hier eigentlich für ein rosaroter Traum?
-Bella, du musst mal die Augen aufmachen. Das ist zu süß.- nervte mich mein Unterbewusstsein nicht minder müde, aber scheinbar bekam es mehr mit als ich. Aber ich war zu erschöpft, scheiß auf süß, ich wollte schlafen und das tat ich auch, tief und fest.
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Als ich das nächste Mal meine Augen öffnete, war alles schwarz. Erst als ich mich an die Dunkelheit gewöhnt hatte, konnte ich realisieren, wo ich war. Ich lag halb auf Edwards Brust, einen Arm um ihn geschlungen und eines meiner Beine lag zwischen den seinen. Er hielt mich umarmend mit seinem linken Arm fest an sich gepresst und schlief seelenruhig. Seine Atmung war flach.
Okay, wie war ich in diese Position gekommen? Moment….. So langsam sickerte es in mein Bewusstsein. Er musste mich gestern in sein Bett getragen haben. Mist, ich wollte doch nach Hause fahren, dachte ich und gähnte herzhaft. Plötzlich regte sich Edward, nicht aufwachen, er sollte mal schön weiterschlafen. Blinzelte er? Ich konnte es nicht erkennen, ohne mich zu bewegen und ihn dann vielleicht doch zu wecken. Fuck, er hatte die Augen offen, oder? "Bella?" flüsterte er. Gut, Frage beantwortet. Ich hatte ihn geweckt. Was hatte der auch für einen leichten Schlaf? Der würde wahrscheinlich sogar vom Geräusch einer fallenden Stecknadel wach werden. "Ich hab dich ins Bett gebracht." sagte er verschlafen, weil ich anscheinend ein dümmliches Gesicht machte. Dann zog er mich dichter an seinen warmen Körper. Ich blickte ihn nur noch verwirrter an.
Ich hatte ja nichts gegen Nähe, gar nichts, aber diese Art von Nähe ließ bei mir ein rotes Warnsignal anfangen zu blinken. Ich kannte Edward nicht sehr gut und somit auch nicht seine Erwartungen. Ich war mir zwar ziemlich sicher, dass er jetzt keine feste Beziehung wollte, da wir echt zu verschieden waren, aber trotzdem.
Ich meine, ich hatte schon Beziehungen, wenn man die so nennen konnte. Meine Längste war ganze drei Monate, super, oder? Miss Unterbewusstsein lachte. Seht ihr mich nerven oder sich über mich lustig machen – was anderes konnte die nicht. Frechheit. Aber okay, ich gebe zu, es waren keine richtigen Beziehungen. Ich blieb einfach mal an einem Typen hängen und als ich die Lust verlor, gingen wir eben wieder getrennte Wege, ohne Drama und den Scheiß. Wir hatten von Anfang an keine Erwartungen gestellt, weil es eher solche lockeren Persönlichkeiten waren wie ich. Davon abgesehen, dass es nur zwei waren. In Philadelphia war es Dean, der Dreimonate-Typ. Ich fickte in der Zeit echt nur ihn. Kann man also fast Monogamie nennen, oder? – Nicht wirklich – kam es von meiner Lieblingskopfstimme. Ach, scheiße, ja, es waren keine Beziehungen, denn der andere hielt sich kaum einen Monat. Es war in Atlanta und wir liebten es, zusammen Party zu machen und der Sex war eben zu gut, um ihn nicht zu genießen. Mmhh, vielleicht sollte ich mal einen Abstecher nach Atlanta machen. Ich wusste, dass er dort immer noch wohnte.
Fuck und jetzt war ich wach, ganz toll. Ich sollte weniger denken und mehr schlafen. Ich erhob mich leicht, was sich als nicht so einfach herausstellte, denn ich hing hier irgendwo fest. Edward regte sich wieder. Deswegen schläft man auf seiner Bettseite, da hat jeder seine Ruhe. Ich hoffte, er hatte nicht schon wieder geschlafen, aber wenn, war es jetzt eh zu spät. Seine Lider flatterten kurz, als ich unter seinem Arm hervorkrabbelte. Dann schien er wieder zu schlafen.
Vorsichtig schlüpfte ich aus dem Bett und verschwand die Tür sanft hinter mir schließend im Wohnzimmer. Durch die großen Panoramafenster konnte man das dunkle Meer und die Lichter der Strandpromenade erkennen. Ich ging darauf zu, öffnete eines und setzte mich, meine Beine heraushängend, auf dessen Kante. Dabei hielt ich mich an den Seiten fest. Höhenangst hatte ich nicht und es war beflügelnd, keinen Boden unter diesem Ausblick zu spüren, während ein leichter Wind mir durch die Haare blies. Ich atmete tief die leicht kühle Nachtluft ein und schloss die Augen. Ich erinnerte mich an mein Gespräch mit Edward zurück und überlegte, ob seine Eltern vielleicht sehr streng waren und er deswegen so ein Kontrollfreak ist. Aber um ehrlich zu sein, wirkten seine Adoptiveltern keineswegs spießig, eher freundlich und aufgeschlossen wie liebenswürdige Menschen. Aber Bilder konnten, wie ich selbst nur zu gut wusste, einen falschen Eindruck vermitteln. Trotzdem fragte ich mich, warum ich nicht auch solche Eltern haben konnte? Aber wahrscheinlich war ich für alle Eltern letztlich eine Enttäuschung und es bringt eh nichts, sich über so etwas Gedanken zu machen. Ich hob meinen linken Arm in den Nachthimmel. Schwach erkannte ich die Tätowierung, küsste sie und flüsterte leise: "Nie wieder." Bevor ich meinen Blick wieder dem Nachthimmel zuwandte.
So saß ich eine ganze Weile, genoss die Stille und den weiten Ausblick, als sich starke Arme um meinen Körper schlossen und Edward mir etwas ins Ohr flüsterte: "Bitte Bella, komm herein. Ich kann nicht sehen, wie du hier in dieser Todeshöhe sitzt, geschweige denn, dass ich da schlafen könnte." Er küsste meinen Nacken und zog mich nach oben hebend wieder herein. Seine Kraft war erstaunlich. Als ich wieder Boden unter meinen Füßen hatte, drückte er mich fest an seine Brust und ich legte wie automatisch meine Arme um ihn. Ich fühlte mich wohl, ja blödes Unterbewusstsein, ich gebe es zu. Solange dies andauerte, konnte es doch sein, was es wollte. Und wenn es vorübergeht, für mich oder für ihn, würde ich eben wie immer weiterziehen und zur Not in eine neue Stadt. Ich war niemand, der sich groß Gedanken machte. Das bereitete nur Kopfschmerzen.
Ich drehte mich in seinen Armen und legte meine Lippen auf seine. Der Kuss begann erst sanft, bevor er sich immer leidenschaftlicher entwickelte. Ich presste mich an ihn, als dieses Feuer erneut begann in mir zu zündeln und dann feurig brannte.
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Am Morgen oder sollte ich sagen: Mittags, erwachte ich erholt und mehr als befriedigt. Edward und ich beließen es natürlich nicht bei diesem Kuss. Es entwickelte sich zu verdammt fucking fantastischem Sex. Bei der Erinnerung kribbelt es jetzt noch in mir. Ich streckte mich, nackt wie ich war, ausgiebig in seinen seidenen Laken. Ich hatte mir schon gedacht, dass er wieder ohne mich aufstehen würde, dieser elende Frühaufsteher. Er definierte den Spruch "Der frühe Vogel fängt den Wurm" echt neu. Ich wunderte mich, dass er bei dem wenigen Schlaf nicht einfach mal stehend und mit offenen Augen ohnmächtig wurde. Würde ein witziges Bild abgeben, dachte ich.
Nachdem ich mich aus dem Bett gerollt hatte, ging ich erst einmal duschen. Das heiße Wasser entspannte mich und ich genoss es auf meiner gereizten Haut, die Edward bis in den kleinsten Winkel mit seinen Händen, seinen Lippen und seiner Zunge erkundet hatte. Also er war vielleicht spießig, aber ich musste zugeben: Unerfahren war er nicht. Vielleicht hatte er nicht mit so vielen Partnern das Bett geteilt wie ich, aber das machte ihn nicht schlechter, ganz im Gegenteil.
Ich stieg aus der Dusche, trocknete mich ab und zog meine, von Edward gereinigte, Unterwäsche an. Hotpants und Lederoberteil, ihr erinnert euch? Reicht doch, ich hatte was an und somit ging ich in die Küche. Mein Gehirn verlangte dringend nach Kaffee. Ich schaffte es, sogar diese Höllenmaschine in Gang zu kriegen und konnte einige Augenblicke später die schwarze Flüssigkeit meine Kehle hinunterlaufen lassen.
Im Wohnzimmer an seinem Schreibtisch fand ich Edward. Es sah ganz nach fürchterlicher Arbeit aus, was er da an seinem Laptop tat. Ich konnte Tabellen, Grafiken und so ein Zeug erkennen, als ich näher kam. Er wirkte hoch konzentriert und bemerkte mich überhaupt nicht. Ich konnte in keiner Weise nachvollziehen, was daran dermaßen fesselnd war. "Spannend, das macht einen ja so richtig hibbelig." sagte ich sarkastisch, als ich hinter ihm stand. Er blickte auf, brachte mir ein Nicken entgegen und widmete sich dann wieder seinem Wirtschaftskram. Ich konnte nur den Kopf über ihn schütteln und hoffte, dieses Verhalten würde nicht ansteckend sein. Er wirkte ja wie ein Roboter, eine fleißige Arbeitsbiene der Gesellschaft. Die Industrie empfing ihn bestimmt mit ausgestreckten und weit ausgebreiteten Armen.
Aber egal, mir kribbelte es eh unter den Fingern. Ich hatte eindeutig zu viel Zeit hintereinander in vier Wänden verbracht. Deswegen schnappte ich mir meine Lederhose, die passte ja perfekt zu meinem Oberteil. Wo war denn jetzt meine Sonnebrille? Die musste ich gestern irgendwo fallen gelassen haben. Oder hatte ich die nicht bei Emmetts Motorrad gelassen? Ich schappte mir die Schlüssel, rief im Vorbeigehen Edward zu, dass ich dann weg war und begab mich zu meinem Baby. Ach ja, wenn es nur wirklich meins wäre.
Dort angekommen fand ich sogar wirklich meine Sonnenbrille. Da sollte noch mal einer sagen: Ich kam nicht klar in meinem Chaos. Ich schwang mich auf die Kawasaki, ließ ihren Motor aufheulen und düste los. Ich fuhr durch die Stadt und aus ihr heraus, folgte der nächstbesten Landstraße und beschleunigte. Mal sehen, was die Maschine alles hergab. Mein Herz hämmerte in meiner Brust und Adrenalin schoss durch meine Adern. Der Wind pfefferte nur so durch meine Haare und ich legte mich in die Kurven der sonst so geraden Strecke, als ich merkte, dass es an meinem Arsch vibrierte. Ich drosselte die Geschwindigkeit langsam, bis ich endgültig zum Stehen kam. Zum Glück war der Anrufer hartnäckig, also ging ich mal lieber sofort ran, nicht dass er es gleich aufgab, mich zu erreichen.
Es war Rose, die mir einerseits kryptisch von ihrem megageilen Sexerlebnis erzählen wollte und andererseits um drei Ecken versuchte für Emmett zu erfahren, wie es seinem Baby ging. "Es lebt noch und ich auch, das wolltest du doch wissen, also frag nicht nur, wo ich so hingefahren bin. Ach und richte Emmett einen schönen Gruß aus. Er steht bestimmt gerade mit bangem Gesicht neben dir." erklärte ich ihr lachend. "Schlaue, Bella." lachte Rose zurück und wünschte mir noch viel Spaß bei möglichen Wiederholungen von Eskapaden mit Edward. Dann legte sie wieder auf und ich schob mein Handy zurück in meine Gesäßtasche. Ich beschleunigte wieder auf ungeahnte Geschwindigkeiten und fuhr ohne ein Ziel dem Horizont entgegen.
