Kapitel 136
plötzlich
unerwartet, von einem Augenblick zum anderen eintretend, geschehend
Draco saß zusammen mit Potter in diesem grauenvollen Haus von Großtante Walpurga. Er hatte sie ein Paar mal besucht, als er noch klein gewesen war. Seine Großmutter hatte immer gesagt, sie sollten ab und zu vorbei gehen, da sie jetzt ganz allein war. Irgendwann war seine Großmutter verstorben und nach dem Vorfall mit dem Wandteppich, hatte Großtante Walpurga sie nichtmehr ins Haus gelassen. Er und Hyperion hatten mit ihren Juxzauberstäben auf diesem hässlichen Ahnenteppich herumgekritzelt, während sich die Erwachsenen unterhalten hatte. Seine Mutter war ziemlich wütend gewesen und danach waren sie nichtmehr hier gewesen. Nicht das Draco sie vermisst hätte. Wenn er sich richtig erinnerte, war sie nicht ganz so schrecklich wie ihr Porträt im Flur, dass es gewagt hatte ihn zu beschimpfen. Aber lustig hatte er die Besuche nicht in Erinnerung.
Jetzt war dieses unsägliche Porträt erstmal still. Ein praktischer Zauber, den ihm sein Großvater beigebracht hatte, um Porträts davon abzuhalten einen zu verpfeifen, wenn man etwas tat, was die Eltern nicht wollten. Belustigt musste Draco darüber nachdenken, dass es eine ganze Menge Ahnenporträts im Herrenhaus gab, die dauerhaft unter dem Zauber standen. Vielleicht musste er sie irgendwann mal entfluchen und fragen welche Geheimnisse sie hüteten.
„Ich hasse das", rief Potter plötzlich aus und ging nervös in der Küche umher. Draco hob nur eine Augenbraue ob des plötzlichen Gefühlsausbruches.
„Immer bestimmen sie über meinen Kopf hinweg. Schieben mich von einer Seite zur anderen als wäre ich nicht in der Lage selbst Entscheidungen zu treffen. Was verdammt bringt es, mich hier zu verstecken!", fluchte Potter aufgebracht.
„Es geht gerade nicht um dich", stellte Draco klar. „Und es geht gerade auch nicht um mich. Wir würden gerade nur ablenken."
„Du weißt ja nicht mal, ob du mit deiner bescheuerten Theorie Recht hast", murrte Potter und ließ sich frustriert auf einen Stuhl fallen.
„Es war Hermiones Theorie und nein, wissen wir nicht", gab Draco freimütig zu. „Aber Voldemort ist durchaus impulsiv und ich kann mir gut vorstellen, dass der Gedanke, dass ein Stück von ihm sterben könnte, ihn zu so einer Kurzschlusshandlung treibt. Letztendlich haben wir nichts zu verlieren. Ich hoffe nur Weasley passt gut auf Hermione auf."
„Ich habe ihnen den Rest vom Felix Felicitas dagelassen. Mit ein bisschen Glück schafft man auch fast unmögliche Dinge. Ich hoffe es hilft."
Draco wusste einen Moment nicht, was er dazu sagen sollte. Es kam ihm fast schon surreal vor, dass plötzlich auch Potter mit dem Zeug anfing, nachdem er den ganzen letzten Abend zu Feensteinen und ihrer eigentümlichen Magie recherchiert hatte. Wenn er ehrlich war, hatte er vorher nie einen Gedanken daran verschwendet. Er hatte den Feenstein gebraucht, um die Zeitschleife zu schaffen und mehr hatte er nie darüber nachgedacht.
Und plötzlich, nachdem er darüber nachdachte, fingen alle damit an. Felix Felicitas, Flüssiges Glück. Nur eine abgeschwächte Form dessen, was man mit einem Feenstein und einer ausreichenden Menge Magie anstellen konnte. Zwei Dinge die er besaß.
„Hast du den Trank schonmal getestet?", wollte Draco unverfänglich von Potter wissen.
„Ja, schon", sagte er und sah ihn unbehaglich an. „Ich musste an Informationen kommen. Und habe den Trank genommen."
„Wie war die Wirkung?", wollte Draco wissen und Potter grinste.
„Ziemlich magisch. Ich wusste einfach plötzlich was ich machen muss und es hat funktioniert. Das war ziemlich cool."
Draco nickte. „Dann hoffe ich es reicht, damit Hermione nichts passiert."
„Dafür, dass du behauptest, dass es keine Konsequenzen hat, bist du ziemlich besorgt", wandte Potter ein und Draco schnaubte nur verächtlich.
„Es ist kein schönes Gefühl auf grausame Weise zu sterben. Selbst wenn du weißt, dass der Tod dich rettet. Ich weiß, wie ich Voldemort dazu bringen kann mich schnell zu töten. Hermione war noch nie in der Situation und ich hoffe sie muss das auch nie durchmachen."
Potter sah ihn ziemlich seltsam an, aber langsam hatte Draco sich daran gewöhnt. Potter schien dauernd so zu schauen, als würden ihm gerade drei zusätzliche Köpfe wachsen.
„Das zwischen euch", begann Potter und schien unsicher, wie er es sagen sollte. „Also du weißt, was ich meine, mit dir und Hermione. Wie kam es dazu? Also klar die Zeitschleife, aber das meine ich nicht…"
Es war fast amüsant zu sehen, wie Potter vor sich hin stammelte. Aber es war auch seltsam zu sehen, wie anders Potter plötzlich war im Gegensatz zu all den anderen Zyklen. Er schien ihm das Erste Mal wirklich zu glauben, dass er die Seiten wechseln wollte. Das sie irgendwie auf einer Seite waren. Und das war ein riesiger Unterschied in Potters verhalten.
„Ich denke, wir sind uns ähnlich", sagte Draco nur und ließ Potter nicht weiter stammeln. „Wir denken ähnlich, haben mehr als nur ein paar Gemeinsamkeiten. Myonie… Hermione ist einfach jemand mit dem ich gerne Zeit verbringe und das reicht denke ich schon. Mehr braucht es nicht."
Draco stand auf und entfachte das Feuer unter dem Kessel auf dem Herd. Nur rumzusitzen machte ihn nervös.
„Ähnlich", echote Potter ungläubig und einen Moment hielt Draco inne, dachte darüber nach, warum diese Aussage Potter überraschte und dann fiel ihm ein, dass es für den Draco Malfoy den Potter kannte, sicher eine ziemlich komische Aussage war.
Vor der Zeitschleife noch, hätte er es als tödliche Beleidigung gesehen auch nur Ähnlichkeiten mit einem Schlammblut zu haben und jetzt fühlte er sich ziemlich gut damit. Verdammt die Realität würde ein Schock für alle um ihn herum werden. Sie würde ein Schock für ihn werden.
„Ja, ähnlich Potter glaub es oder nicht", schnarrte er und verschränkte die Arme vor der Brust.
„Es ist nicht so, dass das allzu offensichtlich wäre. Eher im Gegenteil. Ich wüsste nichts, was ihr gemeinsam habt."
Draco wollte schon widersprechen, ihm den offensichtlichsten Grund, ihre durchaus vergleichbare Herkunft nennen, als ihm einfiel, dass Potter davon nichts wusste. Einen Moment fragte er sich, welche Hermione Granger Potter kannte. Sicher nicht die geheimniskrämerische verschlossene Frau, die die seine Art zu denken so unglaublich gut verstand. Aber Hermione war mehr als das, war sie immer gewesen. So wie auch er mehr als nur das war.
„Wir lesen einfach beide gerne", sagte Draco mit einem Schulterzucken und er war sich sicher, egal welche Seite Potter an Hermione kannte, er damit richtig lag. Jede Seite von ihr mochte Bücher. Er war mit ihr in genug Bibliotheken gewesen, um das zu beurteilen.
„Das klingt ziemlich abgedroschen. Jeder weiß, das Hermione dauernd in der Bibliothek ist", entgegnete Potter.
„Ist es deshalb unwahr?", wollte Draco wissen. „Was willst du denn hören, Potter? Das wir zusammen die Welt bereist haben, dass ich ihre Familie kennengelernt habe, ihre Probleme verstehe, ihre Sorgen. Ist es sowas? Oder willst du hören, dass wir verdammt guten Sex haben und ich deswegen verrückt nach ihr bin? Was muss es denn f ür Gründe geben einen Menschen zu lieben außer das Gefühl, dass plötzlich da ist und alles verändert?"
„Es ist halt alles ziemlich plötzlich", verteidigte sich Potter und irgendwie dachte Draco an ein anderes Gespräch, das sie geführt hatten. Hermione hatte damals gesagt, dass Potter sich nicht darum kümmern würde was sie tat. Das er immer mit anderen Dingen beschäftigt war und plötzlich wurde Draco klar, dass hinter diesem Vorwurf viel mehr steckte. Potter wusste nichts von ihrer Familie, nichts davon, dass sie gedacht hatte sie sei verrückt gewesen, nichts von William und ihrem Selbstmordversuch. Potter wusste nichts von Hermiones kurzer Beziehung zu Fred Weasley und Draco würde seinen Zauberstab darauf verwetten, dass er auch nichts von Melody wusste und warum Hermione solche Probleme mit Sklaverei hatte. Plötzlich wurde Draco klar, wie viel Hermione ihm von sich offenbart hatte, ohne dass es ihm aufgefallen war. Und sie wusste auch so verdammt viel über ihn. Es gab einfach absolut keinen Grund sich Potter gegenüber zu rechtfertigen. Denn Potter und Hermione waren nur befreundet. Sie verband so verdammt viel mehr.
„Wir wollen eine Chance auf eine gemeinsame Zukunft", stellte Draco nüchtern klar. „Nach diesem Krieg und diesem Chaos das gerade herrscht. Deshalb hoffe ich, wir kommen zurecht. Du und ich und Weasley. Weil wir alle auf der gleichen Seite stehen."
Er hielt kurz inne und musterte Potter, doch der schien nichts darauf sagen zu wollen, sah ihn einfach nur unschlüssig an.
„Aus Gründen, die mir nicht komplett klar sind, seid ihr Hermione wichtig und ich hoffe ich werde noch herausfinden, warum das so ist. Solange hoffe ich, dass wir über alte Streitigkeiten hinwegsehen können. Nicht alles, was ich in der Vergangenheit getan habe war sonderlich korrekt."
„Verdammt, Malfoy, das klang ja fast nach einer Entschuldigung", sagte Potter und Draco sah ganz eindeutig das amüsierte Grinsen in seinem Gesicht.
„Es war nichts dergleichen. Ich wollte nur meine Sichtweise klarstellen", beschwichtigte Draco, doch Potter schien noch immer amüsiert.
„Hermione hat dich schon ganz gut unter Kontrolle was", grinste er und Draco wollte im ersten Moment empört widersprechen. Doch ganz falsch lag er mit dieser Aussage auch nicht.
„Wir kommen zurecht", hielt sich Draco vage und vielleicht hatte Hermione tatsächlich Kontrolle über ihn. Zumindest hatte sie Einfluss und solange er sie liebte, würde sich daran auch nichts ändern. Er wollte auch Garnichts daran ändern, weil er verdammt nochmal niemals aufhören wollte sie zu lieben.
Erleichtert schloss Hermione die Tür zum Grimmauldplatz hinter sich. Sie waren entkommen. Es war verdammt knapp gewesen und sie hatten verfluchtes Glück gehabt, aber sie waren entkommen.
Ron und sie hatten jeweils die Hälfte des Glückstrank genommen und als sie Voldemort in den Raum der Wünsche gefolgt waren, hatte er glücklicherweise die Tür nicht ganz geschlossen. So waren sie hinterhergeschlichen. Genau in den Raum in dem auch das Verschwindekabinett lag. Hermione hätte fast ihren Augen nicht getraut, als Voldemort tiefer in den Raum geschritten war und dort auf dem Kopf einer steinernes Büste, hatte es gesessen. Das Diadem von Rowena Ravenclaw. Sie hatte nicht abgewartet, um es zu holen und glücklicherweise war das Verschwindekabinett nicht weit. Hermione war es gerade gelungen die Tür zu öffnen, als die Wirkung des Glückstrank nachgelassen hatte und Voldemorts verdammte Schlange Nagini sie gewittert hatte. Nur ihrem Vorsprung war es zu verdanken gewesen, dass sie es durch das Verschwindekabinett geschafft hatten.
Ron folgte ihr durch den düsteren Flur im Grimmauldplatz und das Porträt, von Walburga Black stierte sie düster an, sagte jedoch nichts. Hermione war sich fast sicher, dass das etwas mit Draco zu tun hatte und musste grinsen. Sie hörten leise Stimmen aus dem Salon und gingen nach oben. Harry saß auf dem Boden und beobachtete Draco misstrauisch, der gerade eine große Pfeife zusammenbaute. Sie erinnerte Hermione etwas an die, die im Slytherinschlafsaal der Jungen stand. Es war aber nicht die Gleiche.
„Da seid ihr ja endlich!", sagte Harry als er sie entdeckte und sprang auf. Auch Draco sah auf und erhob sich. Es war noch immer ein ziemlich komisches Bild die beiden friedlich nebeneinander stehen zu sehen.
„Es war verdammt knapp", gab Hermione zu und ließ zu, dass Draco sie in seine Arme schloss. Es war ein beruhigendes Gefühl wieder bei ihm zu sein. Sich sicher und geborgen an seine Brust zu drücken. Eigentlich war es doch komplett verrückt, dass seine reine Anwesenheit ihr so viel Geborgenheit gab.
„Mein süßes kleines Hexemädchen", wisperte Draco ihr zu und hielt sie nur noch fester. „Wir machen sowas nicht zu oft. Ich habe mir verdammte Sorgen gemacht."
„Ich will das auch nicht zu oft tun", gab Hermione zu. „Aber es hat sich gelohnt. Ich hatte Recht. Das Diadem von Rowena Ravenclaw ist in Hogwarts. Im Raum der Wünsche, nicht weit vom Verschwindekabinett entfernt. Das ist reines Glück, so konnten wir schnell aus Hogwarts entkommen."
„Verdammtes Glück", murmelte Draco und ließ sie los. „Wir haben den Ersten Horkrux. Fehlen nur noch zwei."
„Haben tun wir Garnichts. Er liegt noch immer in Hogwarts und ich glaube nicht, dass du-weißt-schon-wer ihn dort liegen lässt", wandte Ron ein, doch Hermione verdreht nur die Augen.
„In weniger als 10 Stunden wird alles, was seit Freitag morgen geschehen ist, nie passiert sein. Wir können einfach hingehen, ohne dass uns jemand jagt und ihn nehmen. Das ist der Vorteil einer Zeitschleife", sagte Hermione erklärend.
Ron musterte sie einen Moment mit sonderbaren Blick, dann nickte er ergeben.
„Und was jetzt?", wollte Harry wissen.
„Wie was jetzt?", fragte Hermione irritiert.
„Naja, was machen wir als nächstes?"
„Die anderen Horkruxe suchen. Den Becher und das Medaillon", erläuterte Hermione
„Du hast gesagt ich sei ein Horkrux", gab Harry zu bedenken und Hermione hatte ein ungutes Gefühl dabei.
„Wie zerstört man einen Horkrux", wollte Harry wissen. Hermione sah ihn an, aber irgendwie fand sie keine Worte ihm das sagen zu müssen, was sie unweigerlich irgendwann tun musste. Sie drückte ihr Gesicht an Dracos Brust und hoffte einfach, dass es das irgendwie besser machen würde.
Draco zog Hermione etwas näher an sich. Sie schien Potter nicht antworten zu wollen und dieser sah sie jetzt nur verunsichert an. Draco atmete einmal tief durch. Es wäre gut zu wissen, wie Potter reagierte, wenn sie es ihm sagten. Irgendwann mussten sie es ihm mitteilen. Und falls Draco sich jemals gewünscht hatte, Harry Potter zu sein, jetzt war er sich verdammt sicher, dass er um nichts in der Welt mit ihm tauschen wollte.
„Man tötet ihn", sagte er an Potter gewandt. Als Potter nicht reagierte fügte er hinzu. „Jede Möglichkeit einen Horkrux zu vernichten, würde dich ebenfalls töten."
Stille breitete sich aus, in der Potter ihn ziemlich unbehaglich ansah.
„Das ist Unsinn", sagte Weasley als Erstes. „Dumbledore wird wissen was zu tun ist. Wir müssen ihn nur fragen."
„Nein, Ron", sagte Hermione und löste sich etwas von ihm. Draco spürte das leichte Zittern ihres Körpers in seinen Armen.
„Warum glaubst du, hat Dumbledore es Harry nicht gesagt. Hätte er ihm nicht schon lange gesagt, dass er ein Horkrux ist, wenn es eine andere Möglichkeit gebe."
„Vielleicht weiß Dumbledore es nicht. Ich meine, warum seid ihr euch dabei so sicher", beharrte Weasley.
„Das Dunkle Mal ist seelengebundene Magie, Weasley", schnarrte Draco. „Wir haben die Horkruxe gesucht, weil es die einzige Möglichkeit war es zu entfernen. Das war keine fixe Idee, dahinter stecken jahrelange Recherchen. Glaub mir also, wenn ich dir sage: Potter hätte es nicht entfernen können, wenn er kein Horkrux wäre und das ist Dumbledore bewusst. Er ist einer der mächtigsten Zauberer unserer Zeit. Es wäre naiv zu glauben er wüsste es nicht."
„Also muss ich sterben?", fragte Potter und er sah ziemlich blass aus. Er setzte sich zurück aufs Sofa.
„Nein Harry", sagte Hermione mit Nachdruck und löste sich von Draco. Sie machte zwei Schritte und kniete sich neben ihn. Griff nach seiner Hand.
„Wir finden einen anderen Weg. Draco und ich haben herausgefunden wie man das Dunkle Mal loswird. Wir werden auch herausfinden, wie wir den Horkrux in dir vernichten können."
Draco beobachtete, wie Hermione Potter versuchte Mut zu machen und er wusste, dass es wahrscheinlich vergebens war. Das Dunkle Mal zu entfernen war das eine. Aber einen Menschen von einem Horkrux zu reinigen?
„Wir können ihn zur Quelle des Lebens bringen", schlug Draco vor. „Es ist die einzige Möglichkeit, die mir einfällt. Aber es ist nicht sicher, dass es gelingt."
Hermione sah ihn an und er bemerkte, wie sie ihre Lippen zusammenpresste. Eine steile Falte bildete sich auf ihrer Stirn und er kannte diesen Gesichtsausdruck. Sie sah irgendeinen Haken und er glaubte nicht, dass es ein kleiner Haken war.
„Ein Horkrux ist nur ein Teil einer Seele und kein wirklicher Zauber, mit dem jemand belegt wurde", wandte sie ein und stand wieder auf. „Deshalb kann man auch nicht einfach den Zauber lösen, sondern muss den Horkrux töten. Das sind magisch gesehen zwei vollkommen unterschiedliche Dinge. Genauso wie die Quelle das Einhornblut nicht zu entfernen vermochte, da es kein Fluch ist, der auf dir liegt."
„Meinst du nicht, dass zwischen dem Seelenteil und dem Gefäß eine Art magische Verbindung besteht?", fragte Draco nach, doch Hermione schüttelte entschieden den Kopf.
„Nein. Das Buch war eindeutig. Es gibt keinen Gegenzauber. Die Magie ist eine vollkommen andere. Ich habe in Alexandria genug über diese Art der Dunklen Künste gelesen. Sie hat nichts mit gewöhnlichen Zaubern zu tun."
„Es gibt einen Gegenzauber. Reue", wandte Draco ein, doch Hermione nickte nur.
„Ja, das ist klassisch für diese Art der Magie. Sie spielen mit Emotionen anstatt mit Magie selbst. Es ist Magie, die die Seele beeinflusst. Deshalb ist auch ein Mord nötig um die Seele zu zerreißen. Es braucht immer einen emotionalen Trigger."
„Könnt ihr das genauer erklären?", wollte Harry wissen. „Ich meine, ich versteh kein Wort von dem, was ihr da sagt."
Hermione sah besorgt zu Harry runter. Es war zu viel, um es ihm jetzt zu erklären. Sie glaubte nicht, dass er das ganze Ausmaß wirklich begreifen konnte. Sie hatte sich ein halbes Jahr durch sämtliche Bibliotheken der Welt gelesen und fast jedes Werk über seelengebundene Magie gelesen, dass sie in die Finger bekommen hatte. Auch das Buch, aus Dumbledores Büro war da sehr erleuchtend gewesen. Sie verstand die Natur der Dunklen Künste heute viel besser als früher.
„Es ist schwierig. Aber wir finden einen Weg, Harry. Du wirst ganz sicher nicht sterben." Hermione sagte es mit so viel Nachdruck wie sie konnte und sie war sich sicher, dass sie es versuchen würde. Sie würde alles in ihrer Macht stehende tun um Harry zu retten. Er hatte es einfach nicht verdient zu sterben. Nicht nach allem, was gewesen war.
„Wir werden ihn retten", sagte Hermione und trat vor Draco, griff nach seiner Hand. Sie bemerkte durchaus die Sorgenfalten auf seiner Stirn. Sie wusste, dass er es für unmöglich hielt. Sie hielt es selbst für ziemlich unmöglich. Aber aufzugeben, hieße damit zu leben, das Harry starb und das wollte sie nicht. Wenn sie ehrlich war, wusste sie nur nicht wo sie zu suchen anfangen sollten. Dumbledore hatte gesagt, es hatte noch nie jemand mehr als einen Horkrux geschaffen. Also war Voldemort an sich schon ein Präzedenzfall. Aber dann auch noch ein menschlicher Horkrux. Sie glaubte nicht, dass irgendwo auf der Welt Literatur existierte, die sich damit beschäftigte.
Sie sah in Dracos Gesicht und er legte seine Hand an ihren Hals, strich mit dem Daumen über ihr Kinn und irgendwie glaubte sie fast, dass sein Gesichtsausdruck gequält aussah.
„Lass das Thema für heute beenden. Das war verdammt viel für einen Zyklus. Ich glaube wir müssen erstmal darüber nachdenken."
„Draco", mahnte sie und er legte seine Stirn an ihre.
„Vielleicht gibt es eine Möglichkeit", gab er zu und irgendetwas an dieser Aussage schien ihn zu quälen. „Aber ich brauche Zeit darüber nachzudenken."
„Spucks aus Malfoy", fauchte Ron. „Was für eine Möglichkeit."
„Ron", sagte Hermione tadelnd und maß ihn mit einem bösen Blick.
„Harry hat das Recht alles zu hören! Es ist schließlich sein Leben, über das ihr hier redet."
„Manchmal muss man nachdenken, bevor man redet. Wenn du Vorschläge hast, nur raus damit Weasley", erwiderte Draco ziemlich schlecht gelaunt.
„Oh, denken, ich wusste nicht, dass du dazu überhaupt in der Lage bist", erwiderte Ron aufgebracht.
„Verdammt Schluss!", mischte sich Hermione ein. Sie hatte keine Lust darauf, dass Draco und Ron stritten. Draco hatte sich bis jetzt verdammt viel Mühe gegeben nett zu sein und sie wusste das wirklich zu schätzen. Aber Ron brauchte ihn auch nicht provozieren.
„Wir gehen jetzt schlafen", sagte sie mit gebieterischer Stimme. „Es ist verdammt spät. Sollte euch noch etwas einfallen, ich bin bei Draco im Zimmer."
„Du bist bei DEM im Zimmer?", fauchte Ron aufgebracht.
„Ja ich bin bei ihm im Zimmer und wir schlafen im gleichen Bett und verdammt Ron! Ich habe jedes Recht dazu und du überhaupt keines mir irgendwas zu verbieten!"
„Er will nur das eine von dir!"
„Bitte Weasley, sei nicht so prüde. Schaffst du es nicht Mal das Wort Sex auszusprechen?", frotzelte Draco.
„Halt die Klappe Malfoy!", erboste sich Ron, bekam jedoch eindeutig rote Ohren.
„Fuck Weasley, bist du echt so verklemmt?", grinste Draco böse und Hermione schwante nichts Gutes. „Glaub mir, sie ist ein echt guter Fick."
„Nimm das zurück!", schrie Ron und hatte seinen Zauberstab gezückt. Harry beobachtete die ganze Szene eher teilnahmslos.
„Verdammt hört auf damit, das ist doch lächerlich!", erboste sich Hermione.
„Hörst du nicht wie er über dich spricht!"
„Bei Merlin Ron. Es ist meine Sache. Und Draco, das ist gerade überhaupt nicht hilfreich. Du weißt, dass ihn das aufregt."
Draco lehnte nur mit verschränken Armen feixend gegen die Sessellehne und beobachtete Hermione dabei, wie sie Weasley davon abhielt auf ihn los zu gehen. Irgendwie machte es noch immer Spaß Weasley an die Decke gehen zu sehen.
„Wir könnten dieses Ding ausprobieren, dass wir in Sirius Zimmer gefunden haben", sagte Potter plötzlich matt und deutete auf die halb zusammengebaute Pfeife auf dem Salontisch. „Ich denke jetzt so ein bisschen den Kopf abzuschalten ist gar keine so schlechte Idee."
Nachwort:
Eine Sache habe ich mich immer gefragt. Wenn Hermione Harrys Beste Freundin ist, wie konnte er nicht mitbekommen, dass sie mit Viktor Krum irgendwelchen Kontakt hat. Sie hat ihm nichts gesagt nicht mal angedeutet, dass er mit ihr gesprochen hat. Sonst wäre Harry nicht so überrascht gewesen sie beim Weihnachtsball zu sehen. Ich weiß nicht. Irgendwie fand ich das komisch, aber es lässt auch Spielraum dafür, wie verschlossen Hermione wirklich ist. Es war nicht ihr einziger Alleingang. Eigentlich hat sie in fast jedem Band ein Hermione Only Projekt gehabt. Es ist nur eine Interpretation, aber offen und mitteilsam ist sie nicht.
LG
Salarial
