Oh, Warnung: off-screen Tod eines Kindes, NICHT graphisch!
Kapitel 13:
Der nächste Tag war angefüllt von schweißtreibender Arbeit. Die defekten Systeme mussten von der Energieversorgung abgeklemmt werden. Die Flugsteine wurden geborgen, damit sie beim Umbau nicht in Mitleidenschaft gezogen wurden. Der Schwebemechanismus wurde verstärkt, stabilisiert, so dass er länger laufen konnte, ohne zu überhitzen. Das Scharnier des linken Faltflügels musste auch arretiert werden, damit es im Flug sich nicht unkontrolliert bewegte.
Spät am Nachmittag waren Cid und Balthier oben auf der Strahl am Faltflügel beschäftigt.
„Das ist ein beeindruckendes Schiff, dass du hier hast", meinte Cid, als er eine Leitung auf Lecks prüfte. „Es hätte ihr angestanden serienmäßig produziert zu werden. Nicht fürs Militär, sondern kommerziell."
„Hmm", brummte Balthier nichtssagend und zog eine Schraube am Gelenk des Flügels fest.
Cid warf ihm einen Blick zu. „Fran und Nono kennen sich erstaunlich gut mit der Mechanik aus. Für einen Mogry an sich nicht überraschend, nur, dass er nicht immer zuerst Sicherheit predigt, das ist erstaunlich."
„Was glaubst du, warum Nono bei mir ist und nicht mit Meister Mogrowsky durch die Lande zieht?", erwiderte Balthier geistesabwesend. Er gab etwas Schmierfett auf ein weiteres Gewinde. „Er ist für einen Mogry wirklich offen für unkonventionelle Lösungen. Mag aber sein, dass das hier seine Kapazitäten der Anpassung etwas übersteigt."
Der Wissenschaftler grinste, fand ein Leck an einer der Leitungen. „Hast du ihm deshalb Vaan aufgehalst? Damit Nono sich mehr damit beschäftigt, dem Jungen die Dinge zu erklären, anstatt sich Gedanken zu machen, wie wenig das hier mit vorschriftsmäßigen Reparaturen zu tun hat?"
Balthier lächelte schief, während er eine weitere Mutter mit Unterlegscheibe anbrachte und festschraubte. „Vaan. Danke, dass du ihn gestern davon abgehalten hast, mit mir zu reden. Ich hätte ihn nicht so nachsichtig behandelt."
Cid wählte eine Manschette aus, klemmte sie um das Leck. „Nach dir und deinen Geschwistern weiß ich ganz gut, wie man einen temperamentvollen Jugendlichen dazu bringt das Hirn einzuschalten, ohne selbst an die Decke zu gehen."
Balthier prüfte die Muttern und wischte das überflüssige Schmierfett weg. „Tja… wo haben wir das wohl her…" Er prüfte das Scharnier, ob alles gut verankert war und nichts rutschte. Alles fest. Sie mussten noch eine Halterung improvisieren, um das Scharnier in seiner eingeklappten Position zu befestigen. Aber das kam später dran. „Scheint so, als ob wir hier fürs erste fertig sind."
Der Luftpirat wischte die Hände ab und packte seine Werkzeuge zusammen, sah fragend zu Cid. „Wie sieht es bei dir aus?"
„Auch fertig", meinte Cid, seinen Blick etwas missmutig auf den Faltflügel gerichtet.
„Stimmt etwas nicht, Cid?"
„Oh, nein", wehrte der andere Mann ab. „Nur… ich habe seit meiner Abreise vom Himmelswind-Landgut nicht einen Tropfen Alkohol angerührt."
„Äh, Glückwunsch? Oder – Mein Beileid?", sagte Balthier verwirrt. Cid war ihm nie so vorgekommen, als ob er ein Alkoholproblem hätte.
Cid sah den jüngeren Mann etwas ärgerlich an. „Womit ich sagen will, dass ich nüchtern bin."
Balthier sah ihn perplex an.
Cid rollte die Augen. „Wolltest du mir nicht etwas sagen, wenn ich nüchtern bin, Ffamran? Oder eher, eine Frage beantworten?"
„Oh…" Die Verwirrung schwand aus Balthiers Gesicht, machte einer Erkenntnis Platz. Darum ging es Cid also.
„Ich meine", fuhr Cid fort, „wir sind heute mit den Reparaturen sehr gut voran gekommen und hätten etwas Zeit für eine Unterhaltung."
Balthiers Blick schweifte über die Strahl und die Umgebung. Niemand sonst war zu sehen, der Himmel war klar und die Sonne stand schon recht tief.
„Aber nur", kam Cids Stimme jetzt dicht neben ihm, „wenn du das möchtest."
Der junge Mann sah seinen Vater an und nickte langsam. „Okay." Er atmete durch und stieg auf den Hauptrumpf des Schiffes, setzte sich gegen das Fenster des Cockpits gelehnt hin. Cid folgte ihm und nahm neben seinem Sohn Platz, wartete.
Balthier stützte die Ellbogen auf die Knie. „Du willst wissen, warum ich damals weg gegangen bin?"
Cid nickte. „Ich weiß, meine Zusammenarbeit mit Venat und die Forschung an Nethizit war… nicht gerade hilfreich, aber… was war letztendlich der konkrete Auslöser? Das wüsste ich gerne."
Einige Zeit starrte Balthier auf seine Hände, schwieg.
Cid wartete geduldig.
„Ich…", setzte Ffamran an, brach ab, rieb sich über das Gesicht und warf einen Blick zu seinem Vater und starrte wieder auf seine Füße. Cid legte vorsichtig eine Hand auf seine Schulter.
„Ich bin… ein Kindsmörder", stieß der junge Mann leise heraus.
Der Wissenschaftler blinzelte verständnislos und runzelte die Stirn, hielt sich aber davon ab, Ffamran zu unterbrechen.
Balthier atmete tief durch. „Bei den Richtern findet jeder schnell eine Spezialisierung, sicher, aber in der Grundausbildung muss jeder Anwärter alle Gebiete erfahren. Also musste ich als Pilot und Maschinist auch bei den Bestientrainern und Infanteristen mitmachen." Er rieb seine Augen. „Ich flog meine Trainingseinheit mit dem Prototyp des Kampfjäger YPA-GB47 zu einem Trainingseinsatz im Gebiet der eroberten Republik Landis."
Cid sah Ffamran aufmerksam an, lauschte konzentriert. Dem jungen Mann fiel es sichtlich schwer, die richtigen Worte zu finden.
„Wir sollten bei der Evakuierung einer Siedlung mithelfen. Warum? Hat man uns nicht gesagt, war aber auch nicht ungewöhnlich. Man gab den Bewohnern eine Stunde ihre Sachen zu packen und sich zu sammeln. Die wurden dann… irgendwohin gebracht." Balthiers Stimme ebbte wieder ab und er starrte seine Hände an, schluckte.
„Wir wurden in Vierergruppen eingeteilt – drei Anwärter und ein erfahrener Richter – und erhielten den Auftrag, die Häuser zu durchsuchen."
Langsam und aufmerksam nickte Cid, drückte vorsichtig Ffamrans Schulter.
Balthier schloss die Augen. „Und den Befehl, jeden Nachzügler zu exekutieren. Das –", seine Stimme schwankte „– das war schon ungewöhnlich, aber ich dachte mir immer noch nichts dabei. Dafür waren ja sicher die Richter dabei, oder?"
Er atmete wieder durch, Cids Hand hielt immer noch seine Schulter. „Wir machten uns auf, durchsuchten die Häuser und dann – dann fand ich den Schrank." Der junge Mann fuhr sich durch die Haare. „Manchmal träume ich sogar noch von dem Schrank. Wenn – wenn ich das verdammte Ding nur nicht aufgemacht hätte! Aber ich habe den Schrank aufgemacht und fand das – das Kind."
Cids Hand löste sich, fuhr über Ffamrans Schulter, seinen Rücken, zog ihn an die Seite seines Vaters.
„Ich weiß nicht mal mehr, ob es ein Junge oder ein Mädchen war", murmelte er, „nur – irgendwo zwischen fünf und sieben Jahren und ich zog es heraus aus dem Schrank zum Truppenführer." Balthier lehnte sich gegen Cid, schloss die Augen. „Der Richter sagte – er sagte ich – ich solle es exekutieren, das wäre unser Befehl. Alle – alle Nachzügler exekutieren. Ausnahmslos. Sogar ein – ein –" Er brach ab, biss die Zähne zusammen, drehte den Kopf zu Cid, die Augen geschlossen. Er atmete stockend durch. „Ich – ich hatte noch nie einen Menschen getötet. Und jetzt – jetzt sollte ich ein Kind…", flüsterte Balthier entsetzt. „Und – und ich wusste, was passiert, wenn ich den Befehl verweigerte. Ent-entweder exekutieren sie mich da und dort zusammen mit dem Kind, oder – oder sie zerren mich vor das Kriegsgericht, statuieren ein Exempel. Und das Kind würde trotzdem hier exekutiert." Er lehnte sich noch fester gegen Cid. „Das Kind – es war schon dem Tod geweiht – ich hatte es schon umgebracht, als ich den Schrank aufgemacht hatte – und ich – ich –" Balthier keuchte, rang um Selbstbeherrschung, um seine Worte. „Ich nahm meine Pistole und –", er schluckte die aufsteigende Galle hinab, unterdrückte ein Schluchzen. „Und – und sorgte dafür, dass es schnell und schmerzlos ging." Ffamran keuchte, schluchzte lautlos auf. Erinnertes Grauen überschwemmte ihn.
Cid saß wie erstarrt, hielt seinen Sohn fest. „Oh, Ffamran…"
Balthier erzitterte, warf einen kurzen Blick zu Cid. „Der – der Rest des Tages war wie hinter einem Schleier. Von unserem Auftrag weiß ich nur noch ein paar Fetzen und vom Rückflug gar nichts mehr. Ich bin erst dann wieder wach geworden, als wir in unserer Baracke waren und der – der Ausbilder –", er brach ab, drückte eine Faust an die Stirn, erzitterte, „er lobte mich für die exzellente Ausführung meiner Aufgaben und beglückwünschte mich zu meinem Durchbruch!" Der junge Mann gab einen Laut von sich, der ein Schluchzen oder Auflachen sein konnte. „Durchbruch! Der Bastard hatte Glück, dass ich ihm nicht auf die Füße kotzte!" Er schüttelte den Kopf heftig. „In der Nacht fand ich keinen Schlaf und ich erinnere mich wie ich dachte: Das bedeutet es also ein imperialer Richter zu sein. Man bringt auf Befehl Kinder um. Und da beschloss ich zu verschwinden."
Cid rieb Ffamrans Schultern, lehnte den Kopf gegen seinen, wartete, schwieg, egal wie schwer es ihm fiel. Ffamran war noch nicht fertig.
„Ich hatte von Anfang an mit dem Gedanken gespielt, die Richter zu verlassen", gestand Ffamran aufgewühlt. „Habe Pläne geschmiedet, Vorkehrungen getroffen, für den Fall, dass ich tatsächlich verschwinden musste. Und jetzt war es so weit. Ich wusste, was ich mitnehmen wollte und wo ich es fand. Das einzige was fehlte war ein Luftschiff und das wurde mir mit der YPA-GB47 auf dem Silbertablett serviert, denn ich hatte den Auftrag sie zum Abwracken zu überführen."
Er stockte wieder, sah Cid wieder an. „Aber ich wollte noch einen Stopp einlegen, bevor ich den letzten Schritt machte."
„Zuhause", murmelte Cid und legte eine Hand in Ffamrans Nacken, spürte sein Nicken.
„Ich ging runter zu deinem Labor. Zu der Tageszeit wusste ich, dass du daheim bist und –", er seufzte, „Ich hatte schon früher ein paar Fetzen deiner Unterhaltungen mit Venat mitbekommen, aber nie so lange und ausführlich."
Cid runzelte die Stirn.
Balthier schloss wieder die Augen, schüttelte den Kopf. „Ich konnte nicht – ich ertrug den Gedanken nicht, dir zuzusehen, wie du mit einem Hirngespinst redest, hatte nicht die Kraft – Also sammelte ich zuerst zusammen, was ich mitnehmen wollte und dann… dann ging ich noch mal zum Labor runter. Deine Unterhaltung mit Venat war zu Ende, also – also ging ich rein. Ich wollte nochmal versuchen –"
„Ich weiß", murmelte Cid. „Es tut mir Leid."
„Du hast mich nicht gesehen", biss Ffamran hervor. „Sicher, du hast mit mir geredet, aber – aber –"
„Ich habe nicht gesehen, wie es dir ging", führte Cid traurig weiter, „ich habe dich nicht gesehen, Ffamran." Er packte seinen Sohn, zog ihn in die Arme. „Es tut mir Leid. Es tut mir Leid, dass du das erleben musstest."
Ffamran schlang die Arme um Cid und vergrub den Kopf in seiner Schulter, schluchzte leise. Das erinnerte Entsetzen und Schmerz zitterte durch ihn, löste sich nur langsam.
Von den beiden Männern unbemerkt sank die Sonne herab, bis sie den Horizont erreichte und sich strahlend rot verfärbte. Ein paar Vögel zogen friedlich über das Luftschiff und eine laue Brise strich über das Gelände.
Nach einer Weile ebbte Balthiers Gefühlssturm ab und er lehnte erschöpft an Cids Schulter. Der Wissenschaftler rieb über seinen Rücken, murmelte tröstliche Worte.
Schließlich löste sich Balthier von seinem Vater, wischte sich über das Gesicht.
„Danke, dass du mir davon erzählt hast", sagte Cid leise und studierte Ffamrans Gesicht besorgt.
Erschöpft nickte Balthier. „Das war das erste Mal. Ich habe noch nicht mal mit Fran darüber geredet."
Cid atmete erschüttert durch und kniff selbst die Augen zu. „Ich denke – ich denke, das waren genug Offenbarungen für heute, oder nicht?"
„Wenn du meinst", sagte Balthier matt.
„Hmm", bekräftigte Cid und strich ihm über die Schultern.
Schweigend beobachteten die zwei Männer die untergehende Sonne.
Schließlich drückte Cid Bals Nacken, schüttelte ihn sachte. „Ich muss zugeben, ich weiß nicht, ob ich froh bin, dass du keinen Alkohol auf der Strahl erlaubst, oder nicht."
Balthier blinzelte und wendete mit aufziehendem Stirnrunzeln den Blick zu seinem Vater. „Du machst es dir nicht zur Gewohnheit, dich bei schwierigen Themen volllaufen zu lassen!"
Cid rückte seine Brille zurecht, schmunzelte erfreut über Ffamrans wieder erwachende Lebensgeister. „Dann muss ich mir eine andere Verarbeitungsstrategie suchen. Hmm…"
Ein düsterer Blick zog über Balthiers Gesicht. „Keine Waffentests, klar! Und keine manipulativen Freunde, um bei der Entwicklung weltverändernder Technologie zu helfen!"
Cids Lippen zuckten, er breitete die Arme aus. „Und wenn ich stattdessen dich einlade? Lässt du mich dann weiter forschen? Oder hilfst du mir dabei?"
Balthier starrte Cid an, der Ärger schmolz, wurde zu unsicherer Verwirrung. „Du…" Er senkte den Kopf.
„Was sagst du, Ffamran?", sagte Cid leise.
„Ich – ich weiß nicht", antwortete Balthier unruhig. „Ich – lass mich darüber nachdenken."
„Natürlich." Er drückte Ffamrans Nacken. „Ich hätte dich nicht ausgerechnet jetzt damit überfallen sollen –"
„Heeey!", kam Penelos Ruf, unterbrach die zwei, „Cid, Balthier, wo steckt ihr denn?" Ihr Kopf tauchte am Rand der Strahl auf, dort wo die Leiter lehnte und sie winkte, als sie die zwei Männer sah. „Das Abendessen ist fertig, wollt ihr was?"
Balthier starrte sie perplex an.
„Natürlich, Danke", antwortete Cid. „Gib uns noch ein paar Minuten."
„Na klar!" Sie verschwand wieder hinab.
Cid sah Balthier an. „Ffamran, hör zu. Du hast nichts verkehrt gemacht. Im Gegenteil, es war die einzige Entscheidung die du treffen konntest. Ich bin nur froh und dankbar, dass du das alles überlebt hast."
Balthier erzitterte, rang seine wieder aufwallenden Gefühle nieder und nickte stumm. Cid schloss seinen Sohn nochmal in die Arme, drückte ihn fest an sich.
„Ich glaube", murmelte der Luftpirat in seine Schulter, „wir sollten jetzt runter, bevor die uns alles wegfuttern."
„Natürlich." Etwas widerstrebend ließ Cid ihn wieder los. Vater und Sohn sammelten die Werkzeuge ein, schlossen ein paar Klappen in der Hülle der Strahl und kletterten nach unten.
Penelo und Vaan hatten das Lager neben dem Luftschiff errichtet, mit einer Feuerstelle im Windschatten von ein paar Felsblöcken. Während des Abendessens diskutierte Cid angeregt mit Nono die Fortschritte und die noch anstehenden Aufgaben von morgen. Als alle aufgegessen hatten und Penelo und Vaan sich daran machten, das Lager wieder aufzuräumen, hatte Balthier sein emotionales Gleichgewicht wiedergefunden und holte eine besondere Tasche aus der Strahl.
„Na schön, gebt mir eure Ausrüstung", sagte der Maschinist, als er sich bei einem flachen Felsbrocken neben dem Feuer einen provisorischen Arbeitsplatz einrichtete. „Waffen, Rüstungen, Accessoires."
„Okay!", stimmte Penelo zu und hüpfte zu ihrem Rucksack hinüber. Vaan und Fran taten es ihr gleich, während Nono es sich grinsend beim Feuer bequem machte.
Bis Balthiers Gefährten zurückkamen holte dieser verschiedene Werkzeuge, Lappen und Glühsteine aus der Tasche und legte sie auf der provisorischen Werkbank parat.
Penelo war als erste wieder da, reicht Balthier ihren Gugnir, Rüstung und einen Halskragen. Balthier nahm die Lanze. „Irgendwelche Auffälligkeiten?"
„Die Scharten habe ich schon ausgewetzt", meinte Penelo, „aber ich hab' das Gefühl, mit dem Schaft passt etwas nicht."
„Hmm." Der Maschinist beugte sich über die Lanze, begann die Waffe genau zu untersuchen. Fran und Vaan brachten ihre Ausrüstung und deponierten sie bei ihm.
„Bin ich froh, dass ich damit nichts zu tun habe", bemerkte der Mogry und lehnte sich bequem gegen einen Felsblock zurück. „Die Strahl in Schuss zu halten ist schon genug für einen Mogry."
Cids Augen gingen durch das Lager, studierte die eingespielte Gruppe. Jeder wusste, was er – oder sie – zu tun hatte. Nicht ungewöhnlich, da sie monatelang gemeinsam durch Ivalice gezogen waren. „Die Ausrüstung in Stand zu halten ist also deine Aufgabe", meinte Cid, während Balthier den hölzernen Schaft von Penelos Gugnir genau untersuchte.
„Nein", sagte Balthier mit gerunzelter Stirn. „Jeder ist für seine Ausrüstung selbst verantwortlich. Aber manche Probleme kann nur ein Maschinist beheben oder auch nur erkennen."
„Balthier prüft die Ausrüstung regelmäßig", meinte Fran. „So dass keine versteckten Fehler übersehen werden."
„Und das macht er echt fantastisch", sagte Penelo fröhlich. „Uns ist nie was im Kampf kaputt gegangen."
„So was wie das hier", warf Balthier ein, tippte den Schaft an. „In dem Holz ist ein Haarriss. Das geht zwar noch für eine Weile, trotzdem solltest du den Schaft austauschen lassen." Er reichte die Lanze an Penelo zurück. „Bis dahin pflege das Holz regelmäßig mit Öl." Dann nahm er ihre Rüstung, während Penelo zum Luftschiff eilte, um sich aus den Vorräten das richtige Öl zu holen.
„Eine wichtige Aufgabe", bemerkte Cid und blickte zu den anderen Gefährten. „Habt ihr anderen auch feste Aufgaben?"
„Äh, zum Teil", antwortete Vaan. „Fran kümmert sich um Nahrungsbeschaffung und sucht meistens den Lagerplatz aus."
„Penelo und Kapitän Basch haben die Zubereitung der Mahlzeiten übernommen", warf Nono ein. „Soweit ich sagen kann, haben Prinzessin Ashe und Vaan die Vorbereitung des Lagerplatzes und die Sicherung der näheren Umgebung übernommen."
Vaan nickte und stocherte im Feuer. „Schlangen und Nagetiere verscheuchen, Ameisenhügel, Wasser fürs Kochen und Waschen, Feuerholz, die Latrine", zählte er auf.
Penelo kam aus dem Luftschiff zurück geeilt. „Lagerarbeiten? Da haben wir doch alle mit angepackt. Egal wo." Sie ließ sich bei ihrer Lanze nieder. „Nur Ashe durfte man nicht an den Kochtopf lassen." Die junge Frau lachte.
„Oh, Junge", stöhnte Vaan. „Ja, weißt du noch, auf der Ozmone-Ebene, auf dem Weg zu den Garif?"
Mit halbem Ohr lauschte Cid wie die Gefährten Anekdoten über ihre Reisen zum Besten gaben und beobachtete wie Ffamran die Ausrüstung systematisch prüfte und die eine oder andere Beschädigung ausbesserte. Nach einer Weile erhob sich der Wissenschaftler und holte Stockschwert und Armschiene.
Balthier befasste sich gerade damit, Vaans Klinge auf versteckte Risse zu prüfen, als der Gehstock in sein Blickfeld geschoben wurde. Er blinzelte und sah Cid skeptisch an. „Du erwartest jetzt nicht wirklich, dass ich mich um deine Waffe kümmere, oder?"
Cid grinste. „Wolltest du sie nicht genauer unter die Lupe nehmen?"
Balthier seufzte ärgerlich und griff nach dem Stock, den Cid jedoch wieder weg zog.
„Wenn du mir zeigst", fuhr Cid fort, „wie ihr die Auswirkungen der Blendgranate neutralisiert."
Der Luftpirat legte den Kopf schief, dann nahm er einen der Halskragen, die seine Freunde abgeliefert hatten. „Hier."
Cid akzeptierte den angebotenen Halskragen und reichte Balthier den Stock.
Der Luftpirat nahm das Stockschwert, legte es neben sich und beugte sich wieder über das Katana.
„Ich bin so frei", meinte Cid und griff nach einer Lupe und einen Glühstein, die gerade nicht gebraucht wurden. Der Wissenschaftler studierte den Halskragen, während Balthier Vaan herbei winkte und ihm etwas über sein Katana erzählte, dann griff er selbst nach dem Stockschwert und der Armschiene seines Vaters.
Eine ganze Weile lang saßen Vater und Sohn einträchtig nebeneinander, in die Untersuchung der jeweiligen Gegenstände vertieft. Cid bemerkte die verschiedenen Materialien und Zauberwirkungen, die in die Erschaffung des Halskragens eingeflossen waren, während Balthier den Aufsatz des Stockschwerts unter die Lupe nahm. Er nahm die Waffe vorsichtig auseinander, studierte die Mechanismen, wie die Energie des Kristallits an der Spitze durch die verschiedenen Zaubersplitter floss und ohne diese aufzubrauchen zu der gewaltigen Bandbreite an Wirkungen führte. Schließlich setzte er die Waffe wieder zusammen und setzte sich wieder auf.
„Na, was sagst du dazu?", wollte Cid gespannt wissen. „Ungewöhnlich? Eindrucksvoll? Überraschend?"
Balthier nickte langsam. „Das ist es in der Tat. Und überraschend ineffizient."
„Was?", fuhr Cid auf, den Halskragen vergessen in der Hand, empört.
„Tu nicht so, das weißt du doch selber", meinte Balthier. „So wie deine Waffe jetzt funktioniert, musst du den Energiespeicher nach ein paar kurzen oder einem langen Kampf austauschen, Cid."
„Und dein Halskragen hier muss nach vier- fünf Einsätzen komplett ausgetauscht werden!", schoss Cid zurück.
„Ich weiß sehr genau, dass der Kragen keine Schleife ist", schnarrte Balthier. „Der war von Anfang an nicht als permanente Lösung gedacht."
„Und ich habe nicht behauptet, dass meine Waffe schon fertig ausgereift ist", erwiderte Cid.
Wissenschaftler und Maschinist funkelten einander an.
Cid schüttelte den Kopf. „Nun, wenn du schon kritisierst, hast du auch Lösungsvorschläge?"
Den Rest des Abends verbrachten die zwei damit, verschiedene Probleme von Halskragen und Stockschwert zu besprechen und Lösungsansätze zu diskutieren. Auch Nono und Fran warfen hin und wieder ein paar Worte ein, bis schließlich auch dieser Abend zur Nacht wurde und sich die Gruppe zum Schlafen niederlegte.
A/N: Hmm, ich weiß nicht, was ich von dem Kapitel halten soll. Erst erzählt Balthier Cid von dem Kind und danach stürzen sich die zwei auf die Wartung der Ausrüstung, ohne weiter darüber zu reden... immer der gleiche Mechanismus: Wegrennen oder in der Arbeit vergraben. Tja...
