Hier haben wir das zweite Kapitel. Viel Spaß beim Lesen!
Kapitel 2:
Balthier saß mit immer noch feuchten Haaren am Steuer, während diesmal nicht Fran, sondern Vaan als Copilot fungierte. Mit Vorsicht und Finesse holte der Luftpirat sein Luftschiff aus dem Wasser und brachte es auf Kurs. „Ihr haltet mich wahrscheinlich für verrückt, dass ich Dr. Cid gerettet habe", meinte er nach einer Weile.
„Er ist dein Vater", widersprach Penelo. „Ist doch nur natürlich, dass du –"
„Schau dir doch an, was er alles angerichtet hat!", unterbrach Balthier sie. „Keine Ahnung, ob er seine Meinung geändert hat oder nicht. Vielleicht wäre es besser gewesen ihn auf dem Richtfeuer zu lassen."
Die Gefährten schwiegen bei diesen Worten. Ashe und Basch tauschten einen Blick. Das war im Grunde auch ihre Meinung, doch wie sollten sie ihrem Freund sagen, dass sie nichts gegen den Tod seines Vaters hätten?
„Okay, dann geh doch nach Nalbina und lass dich umbringen. Ist mir doch egal", sagte Vaan, der eingehend die Anzeigen der Strahl studierte.
Balthier schwieg einen Moment lang verblüfft, starrte Vaan an. „Was?"
Penelo seufzte im Hintergrund. „Oh, Vaan..."
Vaan blickte auf, ein ungewohnt ernster Blick in den Augen. „Das war das letzte, dass ich zu Reks gesagt habe."
Der Pilot starrte den Straßenjungen mit herauf dämmernden Verstehen an. Die anderen schwiegen.
„Er – er hatte gerade die Grundausbildung fertig", meinte Vaan leise. „Und er sagte er hätte sich für Nalbina gemeldet – freiwillig! Nalbina!" Vaan schnaubte. „Ausgerechnet Nalbina. Alle wussten, dass das Imperium Nalbina auf dem Korn hatte und er wollte da hin? Ich war so – so sauer." Er stoppte, strich sich über den Nacken. „Also – war das das letzte, das ich zu ihm gesagt habe." Vaan seufzte, schüttelte den Kopf. „Die Tür war nicht mal zu, da hat's mir Leidgetan. Ich hätte ihm nachlaufen sollen, aber – hab's nicht gemacht." Bedauern stand in Vaans Gesicht geschrieben, er rieb sich die Augen. „Also, nein, Balthier. Ich halte dich nicht für verrückt. Ich versteh's sehr gut."
„Dein Bruder wusste sicher, dass du es nicht so gemeint hast", sagte der Luftpirat leise.
Vaan zuckte die Schultern. „Ändert trotzdem nichts."
Balthier schwieg, so wie die anderen Gefährten.
Der junge Dieb schüttelte sich und stieß die Luft aus. „Ist also okay, dass du Cid gerettet hast, Balthier. Aber, weißt du was? Sollte der noch 'ne Tracht Prügel brauchen, kannst du auf mich zählen!"
Der Pilot lachte auf, schüttelte den Kopf. „Vorsicht mit solchen Angeboten. Es könnte sein, dass jemand dich beim Wort nimmt."
Vaan lachte selbst und die angespannte Atmosphäre löste sich in fröhlichere Kommentare auf.
Die Sonne war ein ganzes Stück über den Himmel gewandert, als die Strahl vor dem Eingang zum Golmore-Dschungel vor Anker ging. Balthier legte die letzten Schalter um, parkte sein Schiff und stutzte, als er einen Blick nach draußen warf. Dort, am Waldrand...
„Leute, wir haben Besuch." Er deutete ernst hinaus. Eine Viera – Jote, Frans Schwester – war aus dem Wald heraus getreten, mehrere andere Viera waren halb von den Bäumen verborgen.
„Der Wald erwartet uns", sagte Fran. Sie drückte sich hoch, schwankte und ließ sich von Balthier stützen.
„Na dann, auf geht's. So eine nette Einladung können wir doch nicht abschlagen", meinte der Luftpirat und half ihr zur unteren Luke hinaus. Die anderen folgten ihnen aus der Strahl hinaus, blieben aber zurück, als Fran mit unsicheren Schritten – von Balthier gestützt – zu der Anführerin des Dorfes ging.
„Außenseiter sind hier nicht willkommen", sagte die Viera kalt und Balthier stoppte, hielt Fran fester. Hatte sich seine Partnerin geirrt?
„Doch", fuhr Jote fort, „für euch macht der Wald eine Ausnahme. Ihr habt die Fäden der Marionettenspieler zerschnitten. Die Welt steht kurz vor der Freiheit. Oder der Katastrophe."
Balthier zog eine Braue hoch. Mussten die einem erst so einen Schrecken einjagen?
„Wir wenden die Katastrophe ab", erwiderte Fran bestimmt. „Doch zuerst müssen wir ruhen und Kraft sammeln."
Jote neigte den Kopf. „Das sei euch gewährt. Doch wünsche ich zuerst jenen zu sehen, der euch den Weg zum Faden wies."
Der Luftpirat sah zu Fran und dann zu seinen Gefährten. Der einzige, der nicht da war... Cid. Natürlich. Er hatte sie nach Giruvegan und damit zum Richtfeuer gelockt. Die anderen hatten auch erkannt, was Frans Schwester meinte und Basch und Vaan brachten den bewusstlosen Mann auf einer Trage heraus. Sie setzten die Trage neben Fran, Jote und Balthier ab. Die Anführerin der Viera ließ sich daneben auf die Knie sinken. Ihre Hand strich wenige Zentimeter über Cid langsam durch die Luft, vom Kopf bis zu den Füßen. Sie studierte ihn lange, dann erhob sie sich.
„Die Mysth ist durch ihn hindurch gerast wie ein tobender Feuersturm. Seine Kraft, sein Leben wurde fast ganz aufgezehrt. Und doch, sein Geist ist klar, sein Lebenswille stark, sein Anker stabil." Ihre Augen huschten zu Balthier und wieder zu Cid zurück. „Kommt mit ins Dorf."
Die Hume folgten den Viera in einer improvisierten Prozession durch den überraschend ruhigen Wald zum Dorf. Am Eingang stoppte Fran. „Wie lange willst du uns Zuflucht gewähren, Jote?"
„Deinen Gefährten und dir einen Tag und eine Nacht", antwortete Jote leise. „Eurem Lotsen so lange, bis ihr ihn holt."
Balthier runzelte die Stirn. Als Fran nichts weiter sagte, wendete er sich an Jote. „Kannst du mir sagen, wie lange er braucht um sich zu erholen?"
Jote sah ihn einen Moment lang stumm an. „Er wird in mehreren Tagen erwachen. Doch seine Kraft wird langsamer zurückkehren. Ob Wochen oder Monde vermag ich nicht zu sagen."
Er nickte langsam. „Danke."
„Danke uns, indem ihr die Marionette zerschlagt", erwiderte die Viera. „Kommt, die Lichtung der Ruhe ist nicht mehr weit."
Und tatsächlich, wenige Minuten später kamen sie auf einer offenen Fläche an. Das Blätterdach war so licht, dass die Sonne hier das beständige Dämmerlicht des Dschungels vertrieb. Weiches Moos und duftendes Gras wuchs in hellem Sonnenschein. Eine frische Quelle gluckerte aus dem Boden herauf, füllte einen kristallklaren Teich und floss in engen Windungen als Bachlauf in den Wald. Die Viera hatten sie tatsächlich erwartet und einen großen Pavillon aufgestellt, mit sieben Schlafstätten und reichhaltigen Speisen und Getränken.
„Wow", hauchte Vaan, der das hintere Ende der Trage hielt, hinter Basch hertrottete.
„Bringt den Lotsen hierher", wies Jote an, bedeutete die Träger zur Seite des Pavillons mit einem besonders weich gepolsterten Lager.
Balthier half Fran, sich zu setzen. „Sein Name ist Cidolfus Demen Bunansa. Aber er lässt sich lieber Cid nennen."
Jote sah ihn an. „So wie du dich Balthier nennen lässt?"
„Äh..." Balthier blinzelte. „Weißt du, da hast du vielleicht gar nicht so unrecht." Er selbst war vor seiner Familie geflohen – buchstäblich. Cid – sein Vater – hatte sich nach dem Tod seiner Mutter in die Arbeit gestürzt, sich immer tiefer darin vergraben, bis es kein Zurück mehr gab.
Die Viera-Anführerin neigte den Kopf. „Ruht euch aus. Wir kümmern uns um Cid." Sie und mehrere Schamaninnen beschäftigten sich eine Weile lang mit Cid und verschwanden dann. Bevor auch Jote die Lichtung verließ, trat sie zu Fran und reichte ihr ein Getränk.
Fran nahm den Becher mit einem staunenden Ausdruck in den Augen und trank. „Ich danke dir, Schwester. Ich sorge dafür, dass wir euch nicht länger belästigen als nötig."
Jote studierte sie mit einem langen Blick. „So du es wünschst, wird der Wald dich wieder aufnehmen, Schwester."
Fran reichte ihr stumm den Becher und sah ihr nach, bis sie zwischen den Bäumen verschwand. Balthier nahm neben ihr Platz. „Ob dieses Angebot wohl ein Zeitlimit hat?"
Die Augen der Viera ging zu ihrem Partner, ein stilles Strahlen erglühte darin. „Nein." Nach ein paar Minuten legte sie sich hin und Balthier erhob sich, gesellte sich zu den anderen Gefährten, die dabei waren, das Buffet zu plündern. Nachdem der gröbste Hunger gestillt war, wanderte der Pilot zu Cid hinüber. Der Wissenschaftler lag reglos auf dem Rücken, schlaff und hatte – was Balthier plötzlich auffiel – immer noch seine Brille auf. Mit einem schwachen Schmunzeln nahm er die Brille von seiner Nase und verstaute sie in dem Bündel, das sie für Cid mitgebracht hatten.
Jetzt setzte sich auch der Luftpirat und unweigerlich begannen seine Gedanken zu kreisen. Sorge um seinen Vater, die kommenden Tage, Vayne, Bahamut – was auch immer das war, der Nethizit, die Occuria, Venat und Cids letzte Worte vor seiner Bewusstlosigkeit. Was hatte er gesagt? Sein Gleiter beim Katarakt hatte Informationen über Bahamut? Und dass nur er, Balthier an sie herankommen konnte?
Er hob den Kopf, sein Blick wanderte durch den Pavillon. Ashe und Basch hatten sich schon jeweils einen Schlafplatz gesucht und sich hingelegt. Fran und Cid waren sowieso nicht wach. Penelo und Vaan waren leise in ein Gespräch vertieft. Ein ernstes Thema, wie es schien. Sie beachteten ihn nicht. Gut.
Lautlos erhob sich Balthier und verließ in entgegengesetzter Richtung die Lichtung. Der Weg zur Strahl war erstaunlich ungestört. Der Wald schien ihm wohlgesonnen. Oder wenigstens ihn zu ignorieren. Egal. Er öffnete die Einstiegsluke und fuhr herum, als zwei Gestalten von hinten an ihn heran kamen.
Balthier hatte die Formalhaut halb gezogen, als er Penelo und Vaan erkannte. „Was macht ihr zwei hier?"
Vaan runzelte die Stirn. „Warum machst du dich so klammheimlich aus dem Staub?"
„Muss was nachprüfen", sagte er kurz angebunden und wendete sich zur Treppe.
„Stimmt mit der Strahl was nicht?", wollte Vaan eifrig wissen.
„Genau das muss ich nachschauen", meinte Balthier und trat auf die Treppe. „Warum geht ihr zwei nicht wieder ins Lager –"
„Nö", unterbrach Penelo. Der Luftpiraten stoppte auf der Hälfte der Treppe und starrte sie an. Das Mädchen grinste verschmitzt. „Wir sollen aufpassen, dass du keine Dummheiten machst. Frans Anweisungen."
Vaan stieg selbst die Treppe des Luftschiffes hoch und an ihm vorbei. „Oder, falls wir dich nicht davon abhalten können, aufpassen, dass dir nichts passiert." Der jüngere Mann verschwand in das Schiff.
Penelo eilte die Treppe hoch, schaute ihn fragend an. „Also, wann geht's los?" Dann hüpfte sie den Rest nach oben.
Balthier rollte die Augen. Die zwei abzuschütteln wäre mehr Aufwand, als sie mitzunehmen und das wussten sie auch. „Nur zu, fühlt euch wie zuhause", meinte er ironisch und schloss den Einstieg hinter sich.
Auf dem Flug zurück zum Ridorana-Katarakt unterhielten sich Penelo und Vaan leise weiter, ignorierten Balthier großteils. Das war dem Piloten nur Recht. Den Fetzen nach, die er mitbekam schwelgten sie in Erinnerungen an ihre verstorbenen Familienmitglieder. Bald aber kam der Katarakt wieder in Sicht und Balthier drosselte das Tempo, umkreiste langsam den Turm des Richtfeuers.
Jetzt hatten sie die Zeit, die Zerstörung zu begutachten, die die Explosion des Sonnengespinstes angerichtet hatte. Die Wolke aus Mysth, die sich mit der Explosion verbreitet hatte, war verschwunden und gab den Blick auf die Spitze des Turms frei. Der oberste Teil des Richtfeuers war komplett verschwunden, nur zerbrochene Mauerreste ragten wie Splitter in die Höhe. Der Radius der Zerstörung war auf die Entfernung kaum einzuschätzen, doch Balthier hatte den Eindruck, dass es mindestens die Größe war, die die Leviathan verschlungen hatte. Er runzelte die Stirn. Wie gewaltig wohl die Mysth war, die das Sonnengespinst ursprünglich gespeichert gehabt hatte? Das Gespinst war ja erst explodiert, nachdem Cid es zum großen Teil seiner Mysth beraubt hatte.
Balthier schüttelte den Kopf und steuerte die Strahl weiter hinab.
Vaan und Penelo brachen ihr Gespräch ab und schauten konzentriert zur Frontscheibe hinaus.
„Was genau suchen wir hier nochmal?", wollte Penelo wissen.
„Dr. Cids Gleiter", antwortete Balthier. „Dort sollen Informationen über Bahamut zu finden sein."
„Oh...", meinte die junge Frau. „Hat er auch gesagt, was das ist?"
„Das müssen wir wohl selbst –", setzte der Luftpirat an, wurde aber von Vaan unterbrochen.
„Da!" Er zeigte zu einem Felsüberhang, an dem gerade mehrere Luks einen Morbol in Stücke schossen.
„Ah. Gut erkannt", murmelte Balthier, während er die Strahl zu einem Landeplatz in der Nähe bugsierte. Er schaltete die Motoren ab, griff nach seiner Ausrüstung und schritt zum Ausgang, wo Penelo und Vaan schon warteten.
Gemeinsam begaben sich die drei zu dem Überhang, unter dem die Luks wieder verschwunden waren.
Vorsichtig ging Vaan voraus, seine Masamune gezückt und spähte um einen Felsen in die dunkle Öffnung die um einiges breiter als hoch war. Als sich nichts rührte, schlichen die drei Gefährten herum und hinein.
Nach ein-zwei Metern glühten rote, bedrohliche Punkte in der Dunkelheit und ein warnendes Summen ertönte. Drei mechanische Wächter rasten aus der Öffnung hervor, mehrere weitere blieben verborgen. Anders als die Luks, die Dr. Cid im Draklor-Laboratorium eingesetzt hatte, waren diese größer, mit mehr Geräten ausgestattet und demonstrativ gefährlicher.
Balthier zog Vaan und Penelo ein paar Schritte zurück. Das rote Glühen verblasste, die Luks verharrten wo sie waren, folgten ihnen nicht. „Ist keine gute Idee, die anzugreifen. Wir sollten es erst anders versuchen."
„Und wie?", meinte Penelo, die Heiligenrute fest gepackt. „Die lassen uns ganz sicher nicht einfach so vorbei."
„Uns nicht, aber mich vielleicht", sagte Balthier, steckte seine Formalhaut weg und trat vor. Die roten Lampen der Luks glühten warnend auf und er stoppte.
„Protokoll Nachkomme", sagte er versuchshalber und atmete erleichtert auf, als zwei der Luks sich zurückzogen und das Auge des dritten zu neutralem Gelb wurde. Balthier nickte und winkte Vaan und Penelo herbei. „Gut, das scheint soweit –"
Ein schrilles Pfeifen unterbrach ihn, das Gelb wurde zu pulsierenden Rot und die zwei verschwundenen Luks rasten zurück, drängten vor: „Passwort Fehleingabe!"
Penelo, Vaan und Balthier sprangen hastig aus der Gefahrenzone und auch jetzt stoppten die Luks, als sie sich weit genug zurückgezogen hatten.
„Weia!", rief Vaan, „sollen wir die nicht einfach verschrotten?"
„Nein!", wehrte Balthier ab. „Cid hat sicher eine Selbstzerstörung eingebaut, damit der Gleiter nicht in falsche Hände gerät."
„Nur, wie sollen wir da jetzt durch kommen?"
„Lasst mich mal was probieren", meinte Penelo und trat zwei Schritte vor. „Protokoll Nachkomme!", rief sie den Luks zu.
Keine Reaktion.
Penelo drehte sich strahlend um. „Sie reagieren nur auf deine Stimme, Balthier!"
„Es fehlt nur noch ein Passwort", folgerte Balthier. „Nur was?"
„Ah!", stieß Vaan hervor. „Sagte Cid nicht was von gegeben und gewählt?"
Erkenntnis breitete sich auf Balthiers Gesicht auf. „Wohl eher gewählt und gegeben." Er trat lässig vor und deklamierte: „Protokoll Nachkomme." Einen Moment später wurde das Rot zu Gelb und er fuhr fort: „Balthier Ffamran Mid Bunansa."
Gelb wurde mit einem kurzen Klingeln Grün und Balthier legte den Kopf schief, studierte das schwebende Gerät. „Zeig mir die Spezifikationen von Protokoll Nachkomme."
Ein weiteres Klingeln und der Luk projizierte ein Hologramm mit technischen Daten über sich in die Luft, die Balthier konzentriert überflog.
Vaan seufzte genervt und wollte zu dem Luftpiraten hinüber gehen, wurde aber von heran flitzenden Luks gehindert.
„Vaan, Achtung!", rief Penelo.
Balthier fuhr herum. „Luks, stopp! Diese zwei Personen gehören zu mir. Lasst sie passieren." Ein bestätigendes Klimpern und die Luks zogen sich wieder zurück. Vorsichtig kamen Vaan und Penelo zu Balthier.
„Die sind hyper-wachsam, oder?", sagte Penelo, während sie ins Dunkle spähte.
„So sind sie programmiert", meinte der Luftpirat geistesabwesend, dann hob er den Kopf. „Luks, Festbeleuchtung."
Auf dieses Kommando wurde es in der Höhle plötzlich hell, als alle Luks ihre Scheinwerfer anschalteten und jeden Winkel ausleuchteten. Dort im hintersten Bereich, wo die meisten Luks warteten, war ein schnittiger, purpurner, viersitziger Gleiter geparkt, etwa fünf Meter lang und nicht höher als zwei Meter. Die fließenden Formen und überdimensionierten Antriebsdüsen zeigten, dass er auf Geschwindigkeit ausgelegt war.
Vaan und Penelo staunten mit was für einem rassigen Flitzer Cid gekommen war. Balthier dagegen studierte die für ihn offensichtlichen Modifikationen. Panzerbeschichtung aus reinem Kristallit, Klappen an den Seiten und an der Front in verschiedenen Größen – wohl für Luks oder Geschütze, ein Selbststeuerungssystem, nur um ein paar zu nennen. Dieser Gleiter war trotz seiner geringen Größe wenigstens so schwer bewaffnet wie ein Kampfbomber, hatte eine Panzerung, die selbst den besten Truppentransporter übertraf, zusammen mit der Wendigkeit eines Jagdfliegers.
Balthier pfiff anerkennend. Da hatte sein Va- Dr. Cid ganze Arbeit geleistet.
Er schritt zielstrebig zur Tür des Gleiters, öffnete sie und stieg in den Pilotensitz. Mit einem schwachen Grinsen sah der Pilot sich um, dann begann er die verschiedenen Fächer und Stauräume im Cockpit zu durchforsten. Schon bald hatte er ein etwa tellergroßes ovales Datengerät in der Hand, das sich auch mit „Protokoll Nachkomme" und „Balthier Ffamran Mid Bunansa" entsperren ließ.
Vaan und Penelo inspizierten das Fluggerät genauer. Auch in Archadis hatten sie kein solches Gerät aus der Nähe gesehen. Schließlich hatten sie sich satt gesehen und gesellten sich zu Balthier, der immer noch hinter dem Steuer saß, die Tür weit offen. Er studierte mit wilder Konzentration durchscheinende Schemata und Diagramme, während er unterdrückt vor sich hin fluchte.
„Verdammter, genialer Narr. So was von massig übertriebener Protz. Heilige Scheiße, mehr Waffen ging nicht mehr, oder was? Wenn wir das überstehen, erwürge ich dich, Väterchen, mit meinen eigenen, bloßen Händen. Und zwar gründlich!"
„So schlimm?", unterbrach Vaan die Litanei.
Balthiers Kopf fuhr herum und die wilde Intensität, die in seinem Gesicht geschrieben war, zeigte seinen Freunden, deutlich, dass er nicht nur ein paar Gesten von seinem Vater geerbt hatte. Der Luftpirat blinzelte, die Intensität zerschmolz wie Schnee in der Wüste und er schüttelte den Kopf. „Ja und nein. Das hier hat einen Teil der Blaupausen für ein neuartiges Luftschiff gespeichert, die Bahamut. Ein Schlachtschiff von gewaltigen Ausmaßen. Zugangscodes sind zwar nicht darauf, aber viele Notizen." Er schnippte ein paar Diagramme weiter und schüttelte wieder den Kopf. „Cid war mit dem Schiff nicht zufrieden und hat immer noch an seinen Fehlern gearbeitet. Diese Schwachpunkte hat er hier genau verzeichnet. Und ein paar Lösungsansätze." Er deutete zum Schema eines Flugrings. „Hier, im Ring läuft die Energie nicht rund und könnte ausfallen..."
Balthier schaltete das Arbeitsgerät ab und ließ den Kopf gegen die Lehne zurück fallen. „Ich hatte befürchtet, dass wir Vayne erst noch aufstöbern müssen, stattdessen..."
„– präsentiert Cid dir den Weg auf dem Silbertablett?", führte Penelo fragend zu Ende.
„Nein, so einfach macht er es einem nicht", schwächte Balthier ab. „Aber es bietet einen Anhaltspunkt."
„Hoffen wir nur, dass wir die Begegnung mit Vayne überstehen", meinte Vaan trocken.
„Hmm." Balthier nickte und strich sich über die Stirn, hievte sich aus dem Gleiter heraus. „Wir haben was wir wollten. Wir sollten zurück."
„Okay." Vaan und Penelo gingen zum Ausgang der Höhle zurück, während Balthier beim Gleiter verharrte. Er aktivierte das Steuersystem, nahm ein Kontrollgerät heraus und gab ein paar Koordinaten ein. Dann folgte er seinen Gefährten. Bei der Strahl angekommen drückte er den Schalter und beobachtete, wie kurz darauf der Gleiter wie ein purpurner Schemen unter dem Überhang hervor schoss und davon zischte.
„Hä?", wunderte sich Vaan. „Hast du was gemacht, Balthier?"
„Oh, ich bin mir sicher, dass Cid sich über ein paar Spielsachen freut." Der Luftpirat grinste leise.
Der Rückflug der drei Freunde war ereignislos, doch war es schon dunkel, als sie wieder bei den anderen waren. Vaan und Penelo suchten sich jetzt selbst einen Schlafplatz und auch Balthier folgte ihnen, auch wenn es ihn reizte, zu sehen, was Cid so alles in dem Datengerät gespeichert hatte.
Am nächsten Morgen ging Balthier zu Cid hinüber. So wie es aussah, hatte der Mann sich kein Stück gerührt.
Schritte näherten sich und Jote trat neben den Luftpiraten. „Sorge dich nicht, wir achten auf Cid, bis du zurückkehrst."
Balthier warf ihr einen ernsten Blick zu. „Ihr solltet euch vor ihm in Acht nehmen, Jote. Er ist kein guter Mann. Er wollte das Sonnengespinst nicht einfach zerstören, er wollte seine Macht für sich. Oder vielleicht für Vayne."
Jote legte den Kopf schief, lauschte schweigend.
„Die Luftfeste Bahamut ist ein gewaltiges Luftschiff mit entsetzlichen Waffen und wird von Nethizit angetrieben. Das Ding ist für Eroberung und Unterdrückung ausgelegt, eine einzige, riesige Machtdemonstration. Und Cid hat sie entworfen und gebaut." Balthier schüttelte den Kopf, die Hände in die Hüfte gestützt. „Sicher, er hat mir die Informationen darüber geliefert, aber... das war während einer Mysth-Überlastung. Hat er sich wirklich von Vayne und Venat abgewendet, oder...", er seufzte.
„Diese Fragen sind müßig, Balthier", sagte Jote. „Verharre nicht in der Vergangenheit. Blicke nicht zu weit voraus. Achte auf das Jetzt und die kommende Aufgabe. Seine Gesinnung wird Cid enthüllen, wenn er erwacht ist. Nicht zuvor."
„Na schön, verstanden. Erst Vayne, dann Cid." Damit kehrte Balthier zu seinen Gefährten zurück, die etwas unschlüssig das erbeutete Datengerät und Schemata studierten.
Basch blickte auf, als der Luftpirat zu ihnen kam. „Kannst du uns genaueres hierüber sagen?"
Balthier nahm das ovale Datengerät und schnippte durch die Diagramme, bis er bei der Übersicht des Luftschiffes war. „Das hier sind Teile der Blaupause eines neuen Luftschiffes namens Luftfeste Bahamut." Die Gefährten sahen das Hologramm eines ungewöhnlichen Schiffes wie ein unförmiger, aufrechter Zylinder mit einer ganzen Reihe von Flugringen.
„Eins, zwei... fünf, sieben, zehn...", zählte Vaan konzentriert. „Wie viele Flugringe sind das denn?"
„Mehr als zehn Flugringe?", wiederholte Ashe entsetzt. „Wie groß ist dieses Ungetüm?"
„Sagen wir einfach: gewaltig", antwortete Balthier. „Hier sind nicht alle Einzelheiten, aber, wenn dieses Ding wirklich fliegt, ist klar, wo Vayne steckt."
„Wir müssen also nur diese Bahamut finden, dann haben wir auch Vayne", folgerte Penelo.
„Ich schätze, das wird noch ein Problem", sagte Basch grimmig. „Vaynes erstes Ziel wird die Flotte des Widerstands oder Rabanastre sein."
„Dann müssen wir sie finden und aufhalten", bestimmte Ashe.
„Andockrampen sind innerhalb der Flugringe", zeigte Balthier auf. „Und falls Cids Notizen stimmen, ist das Sicherheitssystem noch nicht fertig und funktioniert noch ohne Zugangscodes."
„Das macht die Sache einfacher", meinte Basch. „Kannst du noch mehr herauslesen?"
Balthier gestikulierte mit der freien Hand. „Nichts, was uns hilft, Vayne zu bezwingen."
„Na schön", ergriff die Prinzessin das Wort. „Wir sollten so bald wie möglich aufbrechen."
Penelo wendete sich zu Fran. „Wie geht es dir? Brauchst du noch Zeit um dich zu erholen?"
Die Viera neigte den Kopf. „Es geht mir gut. Sorge dich nicht."
Die Gefährten beschlossen zuerst nach Balfonheim zurückkehren, um Reddas' Leute die Nachricht seines Todes zu überbringen und Neuigkeiten einzuholen. Ohne sich speziell abzusprechen beschlossen sie Cids Überleben zu verschweigen.
Dann, nachdem sie sich gut vorbereitet hatten, machten sie sich auf, die Bahamut zu erstürmen. Die Strahl erreichte ihr Ziel über Rabanastre mitten in einer Luftschlacht zwischen dem Archadianischen Imperium und der Flotte des Widerstands. Was folgte waren fulminante Kämpfe mit dem Hohen Richter Gabranth und Imperator Vayne. Doch durch den Sinneswandel von Baschs Bruder erhielten sie die Chance den selbst erklärten Dynast-König zu bezwingen. Auch Venats Unterstützung konnte ihn nicht mehr retten und so verging Vayne Carudas Solidor in einer gigantischen Mysth-Explosion.
Das alles beschädigte die Bahamut so schwer, dass sie drohte über Rabanastre abzustürzen. In dieser Situation flohen die Gefährten mit Larsa und dem lebensgefährlich verwundeten Noah von Ronsenburg auf die Strahl. Doch als das Luftschiff nicht starten wollte, übergab Balthier es in Vaans Obhut, um mit Fran die Energieversorgung des beschädigten Flugrings wieder in Gang zu bringen. Dort sorgen sie für die Flucht ihrer Freunde und Balthier stabilisierte die Luftfeste Bahamut lange genug, dass sie nicht über der Hauptstadt von Dalmasca niederging.
Als Vaan und die anderen in der Strahl sahen wie die Bahamut schließlich doch über der Wüste von Dalmasca abstürzte, war das Schicksal von Fran und Balthier ungewiss.
Von all diesen Ereignissen wusste Dr. Cid nichts, dämmerte bewusstlos im Wald der Viera dahin.
A/N: Und hiermit haben wir das Ende erreicht!
Nur ein Witz. Damit ist das Ende des Spiels erreicht und meine Geschichte fängt erst richtig an. Ach ja, Ashe. Ich mag sie wirklich sehr, eine starke Prinzessin, die nicht ständig herumjammert und kräftig anpacken kann. Echt cool. Nur wollte sie in meiner Geschichte nicht mitmachen, sie hat ihre Hände voll mit Dalmasca und Rabanastre. Also wird sie ab jetzt nicht mehr aktiv vorkommen.
Bis zum nächsten Mal.
