Jades Sicht…

Eine unsichtbare Kraft zog mich an diesem Abend wieder einmal in meinen Garten. Wenn es heiß war und die Sonne vom Himmel brannte, war Gartenarbeit der absolute Selbstmord und auch die Blumen konnte ich nicht gießen, da das Wasser sofort verdampfen würde. Also zog ich meine Arbeitshandschuhe und meine Gartenschürze an und schlenderte zur Schule. Als ich um die Ecke bei den Kunsträumen bog, ging mir die Frage durch den Kopf, ob Viola wohl das Foto schon gefunden hatte. Ich schüttelte aber so gleich den Kopf um diese blöde Frage gleich wieder zu verwerfen. Warum sollte sie? Ich hatte das Foto doch erst an diesem Nachmittag in die Ritze vom Baum gesteckt! Als ich schließlich im Garten ankam, verfluchte ich mich zunächst selber, dass ich keine Taschenlampe mitgebracht hatte, so spät war es schon. Aber vielleicht brauchte ich auch keine! Es war eine Lampe im Gewächshaus, die ich anmachen könnte und außerdem kannte ich den Garten wie meine Westentasche. Ich würde schon nicht in den Kompost oder in die Rosenbüsche latschen! Als ich meine Gießkanne vom Haken nehmen wollte sah ich einen kleinen Zettel hinter der Rosenschere. Ich zog ihn heraus und sah, dass es ein Gedicht war und mit Violas Namen unterschrieben wurde. Sie hatte mir ein Gedicht geschrieben? Meine Wangen begannen zu glühen. Plötzlich nahm ich eine Präsenz auf dem alten Baum war. Ein Schatten saß auf der Astgabel, wo Viola sonst saß. War sie es? Ich steckte das Gedicht in meine Schürzentasche und kehrte dem Schatten den Rücken zu. Ich wollte nicht dass sie bemerkte, dass ich sie beobachtet habe. Das wäre mir peinlich! Ich goss schnell die Pflanzen und machte mich auf den Heimweg.