Jades Sicht…

An diesem Tag konnte ich mich irgendwie gar nicht so richtig auf das Gärtnern konzentrieren. Die ganze Zeit sah ich Viola und unser Zusammentreffen im Park vor meinem inneren Auge. Ich lächelte und machte mich wieder an die Arbeit. Ich harkte das Beet mit dem Lavendel und dem Flieder und pflanzte ein paar violette Hortensien und einen Hibiskus. Nach einer Weile ließ ich mich auf den Boden nieder, zog meine Arbeitshandschuhe aus und bummelte ein wenig, wobei ich meinen Blick durch die Gegend schweifen ließ. Irgendwann erblickte ich in einem der Fenster einen violetten Haarschopf, dem Viola gehören musste. Und tatsächlich, sie saß vor einer Staffelei und begutachtete ein Bild mit ihrer Lehrerin. An der Gestik und Mimik der Beiden konnte ich ablesen, dass der Lehrerin das Bild gefallen hat, worüber Viola etwas peinlich berührt zu sein schien. Sie wurde rot und lächelte verlegen. Ihr Anblick war so wunderschön, das ich eine ganze Weile nur dort saß, an einigen Blümchen die Blüten im „Sie liebt mich/ sie liebt mich nicht" Manier abrupfte und sie anstarrte. Irgendwann konnte ich dann doch meinen Blick von ihr Abwenden und schaute zu meinem Schoß, wo sich mittlerweile ein kleiner Berg aus Blüten türmte. Bei dem vielen Violett auf meiner braunen Hose hatte ich plötzlich eine tolle Idee. Ich konnte Viola ja einen kleinen Strauß pflücken und binden. Sie hatte sich schließlich beim letzten Mal auch zu dem Foto von den Kirschblüten gefreut. Ich schnappte mir also meine Rosenschere und ein Stück Band und machte ihr einen schönen violetten Strauß mit allem, was so in meinem Garten wuchs. Als ich endlich fertig war, zog ich mir noch schnell meine Gartenhandschuhe und die Schürze aus und ging dann zum Hintereingang der Schule, wodurch es sich schneller zu den Kunsträumen kommen ließ. Als ich gerade durch die Tür wollte, stieß ich wieder mit jemandem zusammen.