Jades Sicht…
Wie das Schicksal es so wollte, war es wieder einmal Viola, mit der ich zusammenstieß. Als sie mich sah weiteten sich ihre Augen für einen kurzen Moment, ehe sie verlegen zur Seite guckte und mit ihren Fingern spielte. „Oh, ähm Jade…", stammelte sie dann und versuchte plötzlich, wie aus einer Trance erwacht, ihre verstreuten Kunstutensilien wieder aufzuheben. Ich war so davon irritiert gewesen, das sie plötzlich vor mir saß, dass ich erst gar nicht darüber nachdachte, ihr meine Hilfe anzubieten. Doch als mein Hirn sich wieder einschaltete und darüber nachdachte, dass sich ein Gentleman ja anders verhalten würde, fiel auch bei mir der Groschen und ich bemühte mich, ihr beim Einsammeln zu helfen. „Du ähm, brauchst mir nicht helfen, ist schon in Ordnung!", flüsterte sie dann mit ihrer bezaubernden Stimme und ich merkte, wie mir die Röte ins Gesicht schoss. Sie musterte mich kurz mit gerunzelter Stirn aus den Augenwinkeln und schüttelte dann den Kopf. Erst wollte ich sie fragen, was denn los sei, hielt mich aber zurück. „Ist doch selbstverständlich. Ich hab dich schließlich umgerannt!", sagte ich dann worauf sie erwiderte, das es schon okay sei, da sie schließlich auch tollpatschig gewesen sei. Ich hob die letzten Blätter für sie auf und gerade, als ich sie ihr wieder in die Hand drücken wollte, fiel mein Blick auf eine der Zeichnungen, die den alten Baum im Schulgarten zeigte. Meine Augen wollten sich gar nicht mehr von den feinen Linien und den zarten Farben lösen! „Du bist sehr talentiert!", war das einzig Schlaue, was mir noch einfiel, so fasziniert war ich. „Ich schenke es dir, wenn es dir gefällt", sagte Viola plötzlich und zog dabei ein Gesicht, als würde sie sich am liebsten Ohrfeigen. Ich presste die Zeichnung an meine Brust und bedankte mich aufrichtig um ihr zu zeigen, dass diese Geste mich mehr als alles andere freute und es ihr nicht peinlich sein brauchte. Mit hochrotem Kopf stürmte sie an mir vorbei und verschwand.
