Was wäre, wenn Padmé Anakin nicht nach Mustafar gefolgt, sondern auf Coruscant geblieben wäre? In der Hoffnung, dass Anakins und ihr gemeinsamer Freund ihren geliebten Mann zu ihr zurückbringen kann, wartet die Senatorin von Naboo zu Hause auf Coruscant. Während sie nichts vom Kampf auf Mustafar ahnt, bringt sie auf der Tantive IV ihre Kinder zur Welt, ehe Obi-Wan zurückkehrt und ihr von Anakins Schicksal erfährt, sowie der Tatsache, dass ihr Ehemann den Kampf überlebte. Gegen aller Ratschläge beschließt sie ein letztes Mal nach Coruscant zurückzukehren, um ihren Mann zu sehen...

Die Abenddämmerung auf Coruscant war stets etwas besonderes. Zu sehen, wie die Lichter der Wolkenkratzer durch die Nacht strahlten, hatte etwas anmutendes an sich. Die Stadt schlief niemals wirklich. Das Leben pulsierte zu jeder Zeit, so dass man annehmen mochte, der Planet selbst wäre eine Art Lebewesen. Seine Bewohner, das schlagende Herz.

Als sie zum ersten Mal vor vielen Jahren hierhergekommen war, hatte es sie vollends in seinen Bann gezogen. Damals, als sie noch jung und unerfahren war. In all den Jahrzehnten schien es so, als habe sich Coruscant nach Außen hin nie wirklich verändert. Als wäre es vom Zahn der Zeit unbehelligt. Nur im Innern war es anders. Verfault durch Korruption und jetzt auch Sitz des Galaktischen Imperiums. Palpatines neue Ordnung, die er mit dem Verlangen nach Sicherheit und Stabilität begründet hatte. Die Jedi waren gefallen. Verräter und Feinde der Republik. Geächtete.

Tausende waren auf diese und viele andere Lügen hereingefallen. Senatoren, die Jedi selbst. Sie und Anakin.

'Anakin'

Ihr Magen zog sich zusammen. Der Senat wirkte unheilvoll. Donnergrollen des andauernden Gewitters lies den Transporter vibrieren. Sie klammerte die Hand fester um ihren Sitz und versuchte sich zu entspannen. Vollkommen unmöglich. Im Anbetracht allem was geschehen war, wusste sie nicht, ob sie jemals wieder in der Lage sein könnte, so etwas wie inneren Frieden und Ruhe zu empfinden. Das musste sie aber. Ihrer Kinder wegen. Die Zwillinge brauchten ihre Mutter. Ohne sie würden sie in einer Welt aufwachsen, dessen Konstrukte und Dogmen sie nicht verstanden.

'Luke...Leia.'

Als sie das erste Mal von ihrer Schwangerschaft erfuhr, hatte sie Angst. Es gab niemanden, den sie um Hilfe bitten konnte. Sie war mit einem Jedi-Ritter verheiratet. Ein Geheimnis, von dem niemals jemand erfahren konnte.

Anakin war eine Zeit lang in der Lage diese Angst zu lindern. Einen Moment lang war sie versucht daran zu glauben, dass sich alles zum Guten wenden und sie mit ihrer Familie glücklich werden konnte.

Bis Anakins Alpträume begannen.

Sie konnte sich noch gut daran erinnern, wie er von seiner Mutter träumte. Wie er nachts schrie, flehte und wimmerte. Sie hatte alles versucht, ihn davon zu überzeugen, dass es nicht wahr werden würde. Dass alles gut werden würde. Bis dahin hatte sie noch nicht geahnt, in welchem Ausmaß ihr Mann bereits von Palpatine manipuliert worden war. Langsam und stetig hatte er sich verändert. Seine Furcht, sein Ehrgeiz und sein Stolz hatten ihn in etwas anderes verwandelt.

'Darth Vader.'

Obi-Wan hatte gesagt, dass er nun so hieß. Dass er der Hauptverantwortliche für den Tod der Jedi war. Sie hatte es ihm nicht glauben wollen. Der Schmerz wäre zu groß gewesen, hätte sie selbst diese Wahrheit akzeptiert.

Dann hatte sie ihm gesagt, wo sie ihn finden konnte. Warum? Sie hatte gehofft, dass Anakins Meister und Freund vielleicht noch zu ihm durchdringen konnte. Ihn retten konnte. Sie hätte alles dafür geopfert, wäre er wieder zu ihr zurückgekehrt. Es war der naive Traum einer jungen Frau. Nichts weiter. Als Kenobi zurückkehrte und ihr vom Ausgang der Konfrontation von Mustafar berichtete, war sie daran zerbrochen. Sie hatte aufgeben wollen. Einen Moment lang war der Gedanke verlockend, sich einfach fallen zu lassen, nur damit der Schmerz aufhörte, doch am Ende hatte sie sich entschieden zu Leben.

Ihre Zwillinge waren jetzt ein paar Tage alt. Sie haderte noch mit sich, was sie tun sollte. Sie wollte sie im Seenland aufziehen, doch Bail und Obi-Wan waren der Ansicht, dass es zu gefährlich war. Sie würden sie trennen. Ihre kleinen unschuldigen Babys. Luke würde nach Tatooine gehen, wo er bei seiner Tante und seinem Onkel aufwachsen würde. Leia würde mit ihr und Bail auf Alderaan bleiben.

Sie hatte es akzeptiert, so wie sie akzeptiert hatte, dass ihr Mann für immer verschwunden war. So dachte sie zumindest.

Man hatte einen Funkspruch abgefangen. Der Imperator war nach Mustafar gereist. Intuitiv wusste sie, dass das nur eines bedeuten konnte.

Er lebte. Anakin ging es gut.

Entgegen aller Ratschläge musste sie nach Coruscant gehen. Sie konnte nicht anders. Sie musste mit eigenen Augen sehen, was aus ihm geworden war. Erst dann, so hoffte sie, würde es ihr leichter fallen, sich von diesem Leben zu verabschieden.

In den Händen hielt sie die Kette, die er ihr als kleiner Junge geschnitzt hatte. Damals, als es noch keinen Krieg gegeben hatte. Eine Zeit, nach der sie sich zurücksehnte.

'Es gibt Dinge, die man nicht reparieren kann.'

Ihre eigenen Worte hallten in ihren Erinnerungen nieder. Das hatte sie nach dem Tod von Anakins Mutter zu ihm gesagt. Das Leben bewegte sich unaufhaltsam vorwärts und nahm dabei auf Gefühle keine Rücksicht. Es zerstörte Träume, löschte Hoffnungen aus und verlangte einem alles ab, wenn es wollte. In seiner Willkür konnte man nie wissen, was es als nächstes beabsichtigte.

„Willkommen Senatorin. Sie werden bereits erwartet."

Nickend folgte sie den Klonsoldaten ins Innere des Komplexes. In ihrem ganzen Leben, hatte sie sich noch nie so ängstlich und unruhig gefühlt wie jetzt. Jeder Schritt auf den Stufen ins Innere schien mehr und mehr Gewicht auf ihre Schultern zu laden. Es war, als würde eine Ewigkeit vergehen, bis sie letztendlich die Tür erreichte, hinter der sich die Antworten befanden, die sie suchte.

„Sie können jetzt hineingehen Senatorin. Der Imperator wurde über ihre Ankunft in Kenntnis gesetzt. Er wünscht ihnen alles gute und hofft, dass sie ihren Aufenthalt genießen."

Sie verzog das Gesicht. Andererseits war es gut, dass sie ihm nicht begegnete. Sie wüsste nicht, wie sie sich verhalten sollte. Was sie empfinden sollte, wenn sie dem Mann gegenübertrat, der ihr Leben für immer zerstört hatte. Stattdessen, war sie ein wenig erleichtert. Ob es nun kaltes Kalkül Seitens des Imperators war kümmerte sie nicht. Für sie zählte im Moment nur noch eines.
Anakin.

Zischend fuhr die Tür zur Seite und gab den dahinter liegenden Raum frei, der beinahe komplett im Dunkeln lag. Er war komplett kahl und bestand nur aus Metall. Unheilvoll. Wie ein Grab.
Dann hörte sie es. Das Rasseln. Erst war sie nicht sicher, wie sie es einordnen sollte, doch dann erkannte sie es. Jemand atmete, oder etwas. Dort in der Dunkelheit am ende der Kammer. Langsam zwang sie sich weiterzugehen. Mit jedem Meter, dem sie sich ihm nährte, schien sie mehr und mehr den Boden unter den Füßen zu verlieren. Langsam erkannte sie Umrisse. Die schemenhafte Silhouette eines dunklen Wesens, das dort in der Finsternis zu lauern schien. Wenige Meter vor ihm blieb sie stehen. Starrte auf seinen Rücken. Dieses Ding. Dieses schwarze Ding. Das konnte nicht sein. Das konnte doch unmöglich der kleine Junge von Tatooine sein.

'Bist du ein Engel?'

„Anakin?"

Ihre Stimme war schwach und brüchig. Erst jetzt bemerkte sie, dass sie zu Zittern begonnen hatte. Es war kalt. Keine natürliche Kälte. Diese ging direkt von der Kreatur aus, die sich nun langsam zu ihr umwandte.

Sie sah ihn an, und ihre Welt zersplitterte.

Es war ein Stich. Tief in ihrem Herzen. Es brannte. Das Gefühl war kaum in Worte zu fassen.

„Padme."

Die Stimme schien von überall her zu kommen. Nur nicht von ihm selbst. Als wäre er eine surreale Erscheinung in diesem finsteren Raum. Es war wie in einem Alptraum, aus dem es ihr nicht möglich war zu entrinnen.

'Anakin hat sich der dunklen Seite zugewandt.'

Sie wollte es nicht glauben. Sie konnte es nicht glauben. Doch nun, da sie hier war. Ihn sah, traf sie die endgültige Gewissheit wie die kalte Klinge eines Schwertes, das sich tief in ihre Eingeweide bohrte.

„Du bist hier."

Er machte einen Schritt auf sie zu. Unbeholfen. Beinahe dachte sie, er wäre gestolpert. Aus Reflex wich sie zurück.

„Was ist geschehen?"

Tränen hatten sich auf ihren Wangen gesammelt. Er betrachtete sie. Wieder kam er auf sie zu. Dieses mal konnte sie sich nicht bewegen. Sie war wie gelähmt. Aus Angst, diese finstere Kreatur könnte sie verschlingen. Nichts geschah. Er hob einfach nur seine behandschuhte Hand und wischte die Nässe aus ihrem Gesicht fort.

„Obi-Wan."

Seine Stimme, mochte sie auch nicht mehr die seine sein, pulsierte vor Hass und Abscheu, als er den Namen seines Meisters in den Mund nahm. Sie schluckte. Langsam nahm sie seine Hand.

„Ich dachte, ich sehe dich nie wieder."

Das klang nicht nach diesem Monster. Die Art wie er sprach. Das war Er. Ihr Anakin, der sich um sie sorgte. Um ihr Wohl bemüht war. Versteckt hinter dieser Maske. Versteckt hinter diesem Meer aus Schwärze und Dunkelheit.

„Ich musste dich einfach sehen."

Mehr brachte sie nicht hervor.

„Es ist jetzt alles gut Padmé. Du bist in Sicherheit. Der Krieg ist vorbei. Ich habe der Republik den Frieden gebracht."

Ein dickes Knäuel bildete sich in ihrem Innern. Er war vollkommen überzeugt von seinen Worten. In seinen Augen, hatte er das Richtige getan. Der Mord an all den Unschuldigen. Der Tod der Jedi. All das war für ihn mit dieser einfachen Aussage aus der Welt geschafft. Und es brach ihr das Herz. Sie war unfähig einen klaren Gedanken zu fassen.

„Die Republik ist tot. Anakin."

„Anakin ist auch tot..."

Die bittere Erkenntnis darüber, brannte sich noch tiefer in sie hinein. Wie ein Feuer, das wütete. Die Bestimmtheit mit der er es gesagt hatte. Das war nicht einfach nur eine Floskel. Nein. Ihr Mann war wirklich tot. Dieses Wesen war zurückgeblieben. Darth Vader.

Er sah sie an. Eine Weile herrschte einfach nur Stille, in der sie dem Rasseln seiner Atemmaske lauschte. Schlussendlich richtete er den Blick auf ihren Bauch.

„Das Baby?"

Sie sah ihn nicht mehr an, sondern blickte zu seinen Füßen. Sie musste eine Entscheidung treffen, und das hatte sie getan.

„Ich habe das Kind verloren...Ich bin gekommen, weil ich dich noch einmal sehen wollte."

Padmé wich wieder ein paar Schritte zurück. Vader war zur Salzsäule erstarrte. In diesem Moment wünschte sie sich, sie hätte sein Gesicht sehen können. Nur, um vielleicht die Spur von Menschlichkeit zu entdecken, die sie noch in ihm vermutet hatte. Da war nichts mehr. Anakin war fort und für immer verschwunden. Sie streckte die Hand aus und drückte ihm den Anhänger in die Hand. Wieder weinte sie. Dann wandte sie sich ab.

Sie konnte nicht mehr hier bleiben. Sie wollte nicht mehr hierbleiben. Mit jedem Schritt den sie in Richtung des Ausgangs ging, brach sie mehr und mehr auseinander. Es war, als würde ein Teil von ihr sterben und bei ihm in dieser dunklen Kammer bleiben.

An der Tür blieb sie noch einmal stehen. Wandte sich ein letztes Mal zu der Monstrosität um. Sie sagte nichts. Sah ihn einfach nur an, ehe sie sich letztlich umwandte und ging.

Im Innern zerbrach sie, für immer...