Hermine saß schon seit einiger Zeit im Patronus und beobachtete das Kommen und Gehen der Gäste. Sie hatte sich entschlossen, etwas früher als verabredet aufzutauchen und so die Kontrolle über den Raum behalten zu können, anstatt suchend eintreten zu müssen. Sie nippte an ihrem alkoholfreien Erdbeer-Elfenwein und genoss das Treiben, bis um Punkt 19 Uhr die Tür geöffnet wurde und ein Mann mittleren Alters mit der von ihr verschickten Maske eintrat. Man konnte auf den ersten Blick erkennen, dass sein geschmackvoller Anzug sündhaft teuer und maßgeschneidert sein musste, er saß absolut perfekt. Der stahlgraue Stoff des Sakkos wurde akzentuiert durch ein dunkelgrünes Einstecktuch, die Drachenlederschuhe und der Drachenledergürtel waren in simplem Schwarz gehalten. An seinem kleinen Finger schimmerte ein Siegelring – es war definitiv ihre Verabredung.

Hermine behielt sich vor, aus einigem Abstand zu beobachten, wie der Mann an die Bar ging und ein Glas Zitronenwasser bestellte. Alles an ihm strahlte kühle Arroganz und Überlegenheit aus und passte auf den ersten Blick so gar nicht zu jemandem, der sich gerne unterwarf. Allerdings wusste Hermine, dass die Außenwahrnehmung häufig nicht zum Innenleben passten und gerade Menschen, die im Alltag viel Verantwortung trugen, diese gern manchmal abgaben. Müsste sie raten, würde sie darauf tippen, dass er mindestens Manager einer großen Abteilung in einem Unternehmen wäre, wenn nicht gar CEO, was sie ein bisschen zum Schmunzeln brachte. So viel Klischee auf einmal, das war kaum zu ertragen. Aber der Abend war noch jung, vielleicht lag sie ja auch völlig falsch.

Das Stimmengewirr in der Bar wurde immer lauter, als sie sich langsam füllte und um 19:05 Uhr erbarmte Hermine sich, schickte mit einem Wink ihres Zauberstabs ein vorbereitetes Pergament los und beobachtete, wie der Mann es auffaltete, aufmerksam las und sich dann suchend umsah. Kurz hob sie ihre Hand und lehnte sich dann entspannt zurück, während er auf sie zukam und sich nach kurzem Zögern und einem auffordernden Nicken von ihr auf die Sitzbank ihr gegenüber sinken ließ. Seine Bewegungen sprachen von jahrelangen Etikettekursen, seine Körpersprache ließ jedoch einen winzigen Einblick in seine Nervosität zu. Ein kurzes Zittern seiner Hände, bevor er sie gefaltet auf den Tisch vor sich legte, ein kurzes Flattern seiner Augenlider, als er Hermine betrachtete.

„Guten Abend, Miss", Merlin, seine Stimme allein löste eine wohlige Wärme in ihrem Bauch aus, begleitet von seinem respektvollen Kopfnicken und der erwartungsvollen Körperhaltung…das versprach ein guter Abend zu werden.

„Hallo, L. Schön, dass du meiner Einladung gefolgt bist. Ich sehe, dass du dich entschlossen hast, vorerst noch deine Identität zu verhüllen, genau wie ich. Das ist in Ordnung, ich möchte aber jetzt schon darauf hinweisen, dass wir beide nach dem heutigen Abend entscheiden müssen, ob wir unsere Identität enthüllen möchten oder uns nicht wiedersehen. Ich plane nicht, eine längere Beziehung, gleich welcher Art, einzugehen ohne dich wirklich kennenzulernen. Ist das in Ordnung für dich?"

„Ja, Miss. Das kommt mir sehr entgegen, sobald wir ein grundlegendes Vertrauen hergestellt haben. Allerdings möchte ich jetzt schon darum bitten, dass meine Neigungen der Öffentlichkeit verborgen bleiben. Ich war schon öfter Gegenstand der Klatschpresse und möchte gern vermeiden, mich wieder einmal um Rita Kimmkorn kümmern zu müssen."

Kurz musste Hermine lachen, als sie sich daran erinnerte, wie sie sich selbst nach ihrem vierten Jahr in Hogwarts um Rita Kimmkorn „gekümmert" hatte. Heutzutage hielt Rita meistens die Füße still, falls ihre Flotte Schreibefeder aber doch mal wieder zu schnell war, genügte meist eine kleine Erinnerung an ihre illegale Animagusform, um zu einer Entschuldigung zu führen.

„Das wird kein Problem sein. Ich stehe selbst in der Öffentlichkeit und bin auch nicht erpicht darauf, dass alle Welt über mein Sexualleben Bescheid weiß. Kommen wir also gleich zum Punkt, ja? Magst du mir noch einmal erläutern, was genau du suchst und hier zu finden hoffst?"

Hermine nahm einen Schluck ihres Getränks und betrachtete ihr Gegenüber aufmerksam.

Er schluckte leicht und blickte kurz auf seine gefalteten Hände, bevor er der atemberaubenden Frau vor sich in die Augen sah und zu sprechen anfing.

„Ich…", ein kurzes leicht entnervtes Blinzeln und dann ein erneuter Versuch: „Ich bin auf der Suche nach einer Frau, die das Stimmengewirr in meinem Kopf zum Verstummen bringen kann. Schon vor dem Krieg war ich ständig angespannt, an mich wurden hohe Erwartungen gestellt. Im Krieg selbst habe ich Schreckliches erlebt und auch getan, wie ich zugeben muss. Ich war seitdem in Therapie, habe hart an mir gearbeitet, aber richtig entspannen kann ich mich nie. Nur, wenn ich mich einer starken Frau unterordne und sie die Entscheidungen für mich trifft, dann wird es leise in meinem Kopf, ich kann mich ganz fokussieren und mich selbst wieder spüren."

Sie nickte kurz und betrachtete ihn dann eingehend.

„Ein guter Grund und auch ungefähr das, was ich erwartet habe. Über den Krieg möchte ich heute Abend nicht sprechen, das hat Zeit bis zu unseren nächsten Dates, falls es solche geben sollte. Wie viel Erfahrungen hast du denn bereits sammeln können?"

Hermine sah sich in der Bar um und bemerkte, dass es bereits merklich voller geworden war. Dennoch waren sie gut geschützt und etwas privater an ihrem Tisch – und niemand ihr Bekanntes war zu sehen. Das war nicht ganz selbstverständlich, schließlich war sie bekannt wie ein bunter Hund und hatte auch durchaus einen großen Freundeskreis. Obwohl sie gern auch ruhige Abende zuhause verbrachte, traf sie sich regelmäßig mit ihren Freundinnen und auch Harry und Ron. Sogar mit Draco hatte sie zivilisierten Kontakt, seit sie Hogwarts verlassen hatten und erwachsen geworden waren, hatte sich ihr Verhältnis merklich entspannt.

Draco war nach dem Krieg zu Sozialstunden verurteilt worden, die er in einem Heim für verwaiste Muggelgeborene abzuleisten hatte. Dort hatte sich gezeigt, dass seine Vorurteile gar nicht so verfestigt waren, wie sie alle angenommen hatten und er hatte eine echte Persönlichkeitsentwicklung durchgemacht. Mittlerweile arbeitete er als Heiler und Fluchbrecher im St. Mungos und ließ sich ab und zu auf Gesellschaftsevents wie dem alljährlichen Siegesball sehen. An seiner Seite meist eine junge Hexe oder ein junger Zauberer, aber niemals zweimal in Folge dieselbe Person. Er war umtriebig, aber ehrlich und leistete gerade im Mungos herausragende Arbeit. Hermine würde sogar so weit gehen und sagen, dass sie eine lose Freundschaft führten. Wenn sie jemanden brauchte, mit dem sie sich auf fachlich hohem Niveau austauschen wollte, flog ihre Eule meist zu Draco. Harry und Ron konnten ihren Gedankengängen immer noch nicht folgen und ihr vor allem nicht das Wasser reichen, was ihrer Freundschaft jedoch keinerlei Abbruch tat.

Hermine konzentrierte sich wieder auf den Mann vor ihr und betrachtete dessen gepflegte Hände, um ihm ein wenig Raum für seine Antwort zu geben. Sie hatte die Erfahrung gemacht, dass ihr durchdringender Blick oft verunsichernd wirken konnte, ein Effekt, von dem sie gern Gebrauch machte, allerdings nicht in einem Gespräch zum ersten Kennenlernen und Grenzen abstecken.

„Nun, ich bin schon ein wenig älter, wie Sie sicherlich bereits festgestellt haben. Ein ganz unbeflecktes Blatt bin ich also nicht, ich hoffe, das ist nicht abschreckend für Sie."

Mit einem Nicken forderte sie ihn auf, weiterzusprechen.

„Als junger Zauberer in Hogwarts habe ich bereits festgestellt, dass mich „normaler"", hier machte er mit den Händen deutlich, was er meinte „Sex mich nicht ausgelastet hat. Es war mehr eine Pflichterfüllung, um im Gemeinschaftsraum mitsprechen zu können. Ich habe nie verstanden, wieso die anderen Jungen nicht genug davon bekommen konnten und sich so gerne zu heimlichen Dates in der Verbotenen Abteilung oder in einem verlassenen Korridor trafen. Irgendwann geriet ich jedoch an eine Hexe, sie war 3 Jahrgänge über mir und würde in diesem Jahr Hogwarts verlassen, die meine wandernden Hände mit einem Klebefluch an ein Regal in der Verbotenen Abteilung fixierte und mir dann sehr eindringlich erklärte, dass ich ein ganz schön unerzogener Bengel wäre. Die Hilflosigkeit und Demütigung hätten mich wütend machen sollen, stattdessen verließ gefühlt alles Blut meinen Kopf und sammelte sich in…anderen Regionen."

Hermine schmunzelte ein bisschen, sie hatte bereits festgestellt, dass ihm die Bennenung seines Penis' schwerfiel. Das würde sie ihm austreiben. Dinge hatten Namen und sie mochte präzise Sprache.

„Calliope verging sich förmlich an mir. Sie bediente sich meines Körpers und ich konnte nichts dagegen tun. Ich wurde süchtig nach ihr und im Laufe des Schuljahres trafen wir uns fast täglich. Sie fesselte mich, sie schlug mich, wenn ich ihr nicht gehorchte und sie nutzte ihren Zauberstab in einer sehr kreativen Art und Weise. Ich lernte schnell und wusste immer besser, wie ich ihr gefallen konnte. Das ist etwas, was für mich von großer Bedeutung ist, ich möchte meiner Dame gefallen und ihr Vergnügen bereiten. Nicht nur auf sexueller Ebene, verstehen Sie mich nicht falsch. Ich möchte meine Hexe auf Händen tragen, ihr die Welt zu Füßen legen und mich gleich mit. Ich möchte mich formen lassen und das perfekte Spielzeug für meine Hexe werden."

Hier schluckte der Mann ihr gegenüber kurz und griff dann etwas verlegen nach seinem Glas, um sich den trockenen Mund etwas zu befeuchten. Er hatte sich schnell in Rage geredet und war recht emotional geworden.

„Ich habe auf jeden Fall Erfahrungen mit Bondage, mit diversen Schlaginstrumenten und mit Demütigungsspielen. Und mit langjähriger, formender Erziehung. Meine verstorbene Frau hat sich meiner angenommen und obwohl wir nach außen immer in einer sehr traditionellen Reinblüter-Ehe gelebt haben, hatte sie doch das Sagen in unserer Beziehung. Ich kann mich glücklich schätzen, dass sie ebenso empfunden hat wie ich und ganz darin aufgehen konnte. Mit der Geburt unseres Sohnes schlief leider unser Sexualleben ein wenig ein, im Hintergrund hatte sie jedoch weiterhin die Zügel in der Hand. Sie hat nicht nur im Schlafgemach bestimmt, was passiert, sondern auch in unserem Alltag. Das hat mir sehr gut gefallen und wenn es etwas ist, das Ihnen auch Freude bereitet…nun, wenn wir gut miteinander harmonieren, bin ich offen für eine Beziehung mit Machtgefälle."

L. blickte zu ihr und ergänzte: „Unser Sohn ist mittlerweile volljährig und ich bin nicht mehr in der Verpflichtung, mich um ein Kind zu kümmern. Nichtsdestotrotz ist er mir sehr wichtig und ich möchte auf keinen Fall meine Beziehung zu meinem Sohn und Erben gefährden."

„Selbstverständlich. Was du erzählst, klingt für mich angenehm und interessant. Nur um sicherzugehen: Wir haben einen großen Altersunterschied. Ich bin Mitte 20, du Ende 40, Anfang 50? Ist das in Ordnung für dich?"

„Ich bin 1954 geboren. Und ja, das ist in Ordnung für mich."

Hermine nickte. Ihre Freunde würden zwar die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, aber das war ihr egal. Es ging schließlich niemanden etwas an, mit wem sie eine Beziehung, welcher Art auch immer, einging.

„Ich möchte, dass du vorausgehst, dich in Dungeon Nr. 4 einfindest und dort in der Mitte des Raumes auf mich wartest. Ich möchte dich in ansprechender Art und Weise vorfinden. Das Passwort ist Phoenix, ich habe bereits reserviert. Wir werden dort weitersprechen."

„Ja, Miss."

Er stand auf und neigte kurz den Kopf, bevor er sich entfernte.

Hermine atmete tief durch, lehnte sich zurück und nahm ihr alkoholfreies Erdbeer-Gillywasser. Sie würde ihn noch ein bisschen schmoren lassen und dann zu ihm gehen.

Der Abend versprach, spannend zu werden.