Two Lonley Souls
Disclaimer: Haikyuu ist nicht mein geistiges Eigentum und ich verdiene kein Geld damit.
Spoilerwarning: Spoiler für alle Staffeln, die OVAs, sowie den neuen Film (Die Schlacht am Müllplatz), außerdem Manga-Spoiler
Diese Reihe spielt in dem selben Universum wie meine Fics „Lonely at the Top" und „Not so Lonley", die ihr aber nicht wirklich gelesen haben müsst um euch hier auszukennen. Zumindest werde ich mich bemühen dafür zu sorgen, dass ihr euch trotzdem auskennt.
Nachdem ich im Rahmen von „Lonley at the Top" um eine weitere Ausführung der IwaOi-Hochzeit gebeten wurde, dachte ich mir ich mache einen eigenen Spin-Off daraus. Und nicht nur wegen den neuen Film gibt es dazu auch noch etwas mehr KuroKen. Aber ich bin nun mal nicht in der Lage eine fluffige nette Fic zu schreiben, wenn es um diese Charaktere geht, ich brauche Angst und Inhalt, also ist das hier nicht unbedingt das, was ihr unter diesen Voraussetzungen erwarten würdet, aber es geht um die Liebe dieser beiden Paare.
Warnings: Japanische Schreibweise der Namen (Nachname vor Vorname), Angst, Homophobie, körperliche Behinderung nach Unfall (Kageyama), Spoiler für meine Fics „Lonely at the Top" und „Not so Lonley"
Pairings: Iwaizumi/Oikawa, Kuroo/Kenma, Kageyama/Hinata, Bokuto/Akaashi, plus: in der Vergangenheit gab es viel Inter-Dating zwischen den queeren Volleyball-Spielern, was auch immer wieder mal erwähnt wird.
Inhalt: In der Tiefe seines Herzens gab es für Oikawa Tooru immer nur eine wahre Liebe, seinen besten Freund aus Kindheitstagen. Was aber nicht heißt, dass der Weg zum gemeinsamen Glück deswegen ein einfacher ist.
Prolog
„Aber ich verstehe nicht warum du überhaupt heiraten willst, Nee-san!" Oikawa Tooru war nach dem Dafürhalten seiner Lehrer ein überaus intelligentes Kind, das neue Konzepte schnell begriff und immer bereit war hart daran zu arbeiten diese umzusetzen, und sich selbst wenn er dabei nicht sofort Erfolg hatte, zumindest immer bemühte sein Bestes zu tun, doch schon in jungem Alter zeichnete sich ab, dass er sehr stur und dickköpfig sein konnte, wenn er wollte. Besonders wenn es um Dinge ging, die ihm nicht in den Kram passten, neigte er dazu sich jeder Vernunft zu verschließen und einfach nur zu schmollen.
Die Idee, dass seine geliebte ältere Schwester heiraten würde, passte ihm ganz und gar nicht in den Kram. Denn das würde bedeuten, dass er das einzige Familienmitglied, das ihm offen Zuneigung entgegen brachte, verlieren würde. Seine Schwester würde ausziehen, würde mit einem fremden Mann zusammenziehen anstatt weiterhin zu Hause zu leben. Und das würde bedeuten, dass er alleine mit seinen Eltern leben musste, und das war ihm gar nicht recht, danke, aber nein danke. Nee-san sollte immer bei ihm sein, ihm den Rücken freihalten wie bisher auch. Das war ihre Pflicht als seine große Schwester, fand Tooru zumindest, und bisher hatte das doch alles so gut funktioniert, warum wollte sie etwas daran ändern?!
„Ach, Tooru, es ist nur, dass ich Yuji so sehr liebe, dass ich keinen Tag mehr ohne ihn sein möchte, kannst du das nicht verstehen? Wenn man sich entschließt jemanden zu heiraten, dann tut man das, weil man diese andere Person so sehr liebt, dass man sich ein Leben ohne sie nicht vorstellen kann und am Liebsten jede freie Minute mit ihr verbringen will. Und das kann man nur vermitteln, indem man zustimmt den Rest seines Lebens an der Seite dieser Person zuzubringen. Deswegen will ich heiraten, um aller Welt zu zeigen wie sehr ich Yuji liebe", erklärte ihm Nee-san.
Tooru dachte über diese Erklärung einen Moment lang nach. „Ich verstehe", behauptete er, „Ich verstehe nicht warum Yuji nicht einfach bei uns einziehen kann anstatt dass du zu ihm ziehst, aber ich verstehe, dass du immer bei ihm sein willst und willst, dass das auch alle wissen."
„Den Teil wirst du später verstehen, das verspreche ich dir, Tooru-chan", erwiderte Nee-san, „Aber sag, gibt es denn jemanden in deinem Leben, den du gerne heiraten würdest?"
„Natürlich", erwiderte Tooru selbstbewusst, „Ich werde Iwa-chan heiraten."
Die Miene seiner Schwester veränderte sich bei diesen Worten leicht, und dann sagte sie ihm die Worte, die sein junges Leben zerstörten. Denn er wusste, dass seine Schwester ihn nie anlügen würde, dass das, was sie ihm erklärte, wahr sein musste, und das brach sein junges Herz.
Er weinte sich in dieser Nacht in den Schlaf und war auch am nächsten Morgen in der Schule immer noch niedergeschlagen und sehr stumm.
Iwa-chan entging seine Stimmung natürlich nicht. Immerhin war Iwaizumi Hajime sein allerbester Freund auf der Welt, war das seit jenem Tag im Kindergarten, als er die Kinder, die zu Tooru gemein gewesen waren, für ihn verprügelt hatte. Iwa-chan kannte Tooru besser als jeder andere, er bemerkte immer sofort, wenn etwas nicht stimmte. Während der Nachmittagspause setzte er sich also dicht neben Tooru unter dem großen Baum unter dem sich Tooru zurückgezogen hatte und wollte wissen was Sache war: „Kawa-chan, was ist los? Bist du immer noch böse, weil deine Schwester heiraten und ausziehen wird? Du hast heute den ganzen Tag so gut wie nichts gesagt und deine Jause nicht gegessen." Der dunkelhaarige Junge deutete anklagend auf Toorus nicht geöffnete Jausen-Box und rückte näher an seinen Freund heran und umarmte ihn. „Du wirst nie alleine sein. Ich werde immer für dich da sein", versprach er ihn.
Leider war genau das das Problem! Tooru schniefte und wäre beinahe wieder in Tränen ausgebrochen. „Nee-san hat gesagt, dass man die Person heiratet ohne die man sich sein Leben nicht vorstellen kann, mit der man immer und ewig und immer-immer zusammen sein will. Und dann hat sie mir gesagt, dass ich dich nicht heiraten kann, Iwa-chan, weil Jungen nur Mädchen heiraten können und keine anderen Jungen", erklärte er niedergeschlagen, „Aber ich will kein Mädchen heiraten! Ich will dich heiraten!" Er schniefte und wandte seinen Blick ab, damit Iwa-chan seine kindischen Tränen nicht sah.
Einige Zeit herrschte Stille. Und dann meinte Iwa-chan: „Hey, Kawa-chan, hey" und berührte Toorus Kinn und drehte das Gesicht des anderen Jungen zu sich. Iwa-chans Miene war sehr ernst und entschlossen. „Es ist mir egal, ob Jungen nur Mädchen heiraten können, wenn du mich heiraten willst, dann werde ich dich heiraten. Das verspreche ich dir."
Tooru blinzelte. „Wirklich?", wunderte er sich.
Iwa-chan nickte ernst. „Großes Ehrenwort", schwor er und reichte Tooru seinen kleinen Finger um dieses Versprechen zu besiegeln.
Tooru spürte wie seine Traurigkeit verging und sich ein Lächeln auf sein Gesicht stahl. „Du bist der Beste, Iwa-chan!", verkündete er und fiel dem anderen Jungen um den Hals.
„Ja, das bin ich", bestätigte Iwa-chan unbescheiden und löste sich von Tooru und hielt diesem seine Jausen-Box unter die Nase, „Und jetzt iss deine Jause!" Typisch Iwa-chan, er passte immer auf Tooru auf. Und genau deswegen liebte Tooru ihn ja auch so sehr.
Kozume Kenma hatte Kuroo Tetsuro noch niemals glücklicher erlebt, als an jenem Tag, an dem er zum ersten Mal Schmetterbälle über das niedrigere Netz unter der Aufsicht von Coach Nekomata spielen durfte.
Seit Kuros Vater seinen Sohn bei seinen Nachbarn untergebracht hatte, wenn er selbst keine Zeit für den Jungen übrig hatte, war Kenma gezwungen sich mit dem anderen Jungen abzugeben, und zunächst war er nicht begeistert über den Eindringling in seine Privatsphäre gewesen. Doch der fremde Junge hatte sich als angenehme Gesellschaft herausgestellt, er war nicht besonders laut, konnte sich still beschäftigen, und respektierte Kenmas Interesse an Computerspielen. Das kam selten genug vor, und Kenma ertappte sich dabei, dass ihn die Gegenwart des anderen nicht störte. Mehr noch, er hatte endlich jemanden gefunden, mit dem er Computerspiele spielen konnte.
Kuro war ein williger Schüler, aber zugleich war offensichtlich, dass Computerspiele ihm nicht so viel bedeuteten wie Kenma. Er war die Art Junge, die vom Sofa aufstehen und draußen spielen wollte. Und weil Kenma ihn mochte, begleitete er ihn hinaus und spielte mit ihm.
Sie spielten Volleyball. Und das änderte alles. Zum ersten Mal in seinem Leben tat Kenma etwas, das körperliche Betätigung involvierte, das ihn nicht sofort nervte. Vielleicht weil er spürte, dass sein neuer Freund Spaß an dem hatte, was sie gemeinsam taten. Und vielleicht hatte er deswegen auch Spaß daran.
Doch es war mehr als das: Gemeinsam Volleyball zu spielen hatte die beiden kleinen Jungen einander nicht nur näher gebracht, es hatte den stillen zurückhalten Kuroo Tetsuro dazu gebracht aus sich herauszugehen und Leidenschaft und Freunde zu empfinden. Was ein Videospiel für Kenma war, war Volleyball für den anderen Jungen, das konnte Kenma ganz deutlich erkennen.
Doch für Volleyball brauchte es mehr als nur zwei Spieler, deswegen gingen sie zur Halle, gingen zum Training, und dort unter all den anderen Kindern unter der Aufsicht der erwachsenen Profis, da wirkte Kuro auf einmal so viel weniger traurig als sonst. Er war wie immer konzentriert beim Spielen, aber sein Gesichtsausdruck … Kenma beobachtete den anderen Jungen dabei wie er Bälle über das Netz schlug und sah wie fröhlich er dabei aussah, wieviel Spaß er zu haben schien. Seit sie sich kannten hatte Kenma den anderen Jungen niemals so frei und fröhlich erlebt. Er strahlte regelrecht vor Glück.
Ein Teil von Kenma wollte auch gerne so glücklich sein, wollte ebenfalls Bälle schmettern, doch eigentlich reichte es ihm aus den anderen Jungen zuzusehen, eigentlich gefiel es ihm sogar besser nicht springen zu müssen. Es gefiel ihm besser, weil er Kuro so beobachten konnte und das Glück des anderen Jungen so bemerken konnte. Wenn Kuro glücklich war, dann sah er ganz anders aus als sonst, dann sah er aus wie er immer aussehen sollte. Kenma wollte ihn nie wieder anders sehen. Es war so als hätte er einen besonders schwierigen Level in einem wirklich schweren Spiel gelöst – er hatte einen Weg gefunden Kuro glücklich zu machen.
Und er wollte ihn jeden Tag aufs Neue glücklich machen. Das wurde sein neues Ziel, sein neuer End-Boss: Wege zu finden Kuroo Tetsuro glücklich zu machen.
„Macht es dir denn auch Spaß?", wollte Coach Nekomata von Kenma wissen. Wie die meisten anderen Erwachsenen schien er der Meinung zu sein, dass Kenma zu ernst und konzentriert dreinblickte um Spaß zu haben, „Du kannst gerne auch versuchen Bälle zu schmettern."
„Vielleicht später." Kenma wollte keine Sekunde versäumen, in der Kuro Bälle schmetterte. „Ich habe Spaß", versicherte er dem Erwachsenen. Volleyball machte ihm Spaß, es machte ihn glücklich – es machte ihn glücklich, weil er mit Kuro zusammen sein konnte und dieser Spaß hatte, wenn er spielte. Kuro glücklich zu machen, machte Kenma Spaß. Er war sich nicht sicher warum, er wusste nur, dass es so war.
Vielleicht weil Kuro ihm wirklich wichtig war. Weil dieser stille Junge mit der Hahnen-Kamm-Frisur, der sich von ihm ohne Widerspruch mit einem Spitznamen anreden ließ und ihn nicht seltsam zu finden schien und ihn machen ließ, was er machen wollte, sein erster echter Freund geworden war; der erste Mensch außerhalb seiner Familie war, der ihm wirklich wichtig war.
Und weil er nie wieder ohne diesen Jungen sein wollte.
Ein schmerzhafter Tritt in seine Rippen weckte Tooru aus einem verwirrenden Traum über seine Schwester, ihren Ehemann und Iwa-chan. „Steh auf, du hast lange genug geschlafen!", riss ihm eine befehlsgewohnte Stimme aus seinem Schlaf.
Tooru blinzelte verwirrt, richtete sich auf, und stellte fest, dass er ihm sein Rücken weh tat und das nicht zu knapp. Was daran liegen konnte, dass er auf einem unbequemen Sofa lag.
Er sah zu der riesigen Gestalt, die über ihn aufragte, hinauf und erwartete Iwaizumi Hajime zu sehen, doch stattdessen stand Kuroo Testuro vor ihm. „Das ist keine sehr sanfte Art jemand anderen zu wecken, Tetsu-chan", stellte er fest.
Kuroo schnaubte nur. „Du liegst hier allen im Weg", erklärte er knapp.
Da Kuroo zusammen mit seiner besseren Hälfte Kenma sowie den beiden verheirateten Volleyball-Stars Kageyama Tobio und Hinata Shouyou eine Wohngemeinschaft bildete, und Kenma die Wohnung für Streaming und E-Sport benutzte, während Kageyama sich nur per Rollstuhl durch die Wohnung fortbewegen konnte, war diese Behauptung vermutlich sogar wahr. Tooru rappelte sich mühselig auf, streckte seinen Rücken durch, und versuchte sich an letzte Nacht zu erinnern. Und wünschte sich gleich darauf, dass er das nicht getan hätte.
„Sind die anderen schon wach?", wollte er wissen.
„Ich will nicht, dass sie dich so sehen", meinte Kuroo knapp, „Dusch dich schnell – du stinkst – und dann gehen wir frühstücken." Offenbar wollte er alle Chibis vor dem Anblick eines verkaterten Oikawa Toorus schützen (war er schon verkatert oder noch betrunken?- Das war schwer zu sagen).
Tooru beschloss dass es das Einfachste wäre zu gehorchen. Irgendwie hatte er letzte Nacht hierher gefunden, was, wenn man bedachte, dass er sich in Toyko nüchtern immer noch nicht zurecht fand, doch eine beachtliche Leistung war, und er war hergekommen, weil er mit Kuroo hatte reden wollen, daran konnte er sich deutlich erinnern. Insofern hatte er nichts gegen ein gemeinsames Frühstück einzuwenden. Und ja, eine Dusche würde ihm auch ganz gut tun.
Das Badezimmer der Viererwohnung war für Tooru immer ein wenig furchteinflößend. Es war riesig, und alles war auf Tobio-chans Bedürfnisse abgestimmt. Tooru fühlte sich immer wie ein Eindringling, als würde er das Leid eines anderen beobachten, nur durch seine bloße Anwesenheit hier.
Tobio-chan wäre der Erste, der betonen würde, dass er kein Opfer war – er hatte sich von seiner Tragödie nicht unterkriegen lassen, er war zum ParaVolley-Star geworden und hatte gelernt mit seiner Behinderung zu leben, doch Tooru wusste was der andere Mann verloren hatte, und auch wenn er seine eigene Karriere ebenfalls aus gesundheitlichen Gründen hatte beenden müssen, war er sich doch nicht sicher, ob er, wenn ihre Rollen vertauscht wären, so gut mit allem klar kommen würde wie Tobio-chan. Und der Anblick des Bads erinnerte ihn jedes Mal daran wie flüchtig das Leben doch sein konnte und wie schnell sich die Perspektive doch ändern konnte, wenn auf einmal alles weiter Unten zugänglich sein musste.
Er duschte sich schnell und suchte dann Kuroo auf. Wortlos verließen sie die Wohnung und holten sich Frühstück aus einer Bäckerei. Mit dem Gebäck spazierten sie dann durch die Stadt.
Kuroo sagte kein Wort, offenbar wollte er Tooru zuerst sprechen lassen.
Doch Tooru fehlten die Worte. Er wollte nicht aussprechen was er nicht wahrhaben wollte.
„Also schön", meinte Kuroo nach einiger Zeit, „Wie schlimm ist es?"
Tooru lachte bitter. Sehr schlimm wäre eine Untertreibung. „Ich denke, dass wir uns scheiden lassen werden", sagte er dann leise.
Kuroo blickte ihn einen Moment lang überrascht an. „Scheiße, Tooru", entfuhr es ihm dann, „Das kann doch nicht dein Ernst sein?!"
Doch einmal ausgesprochen konnte er die Worte nicht mehr zurücknehmen. „Ich habe ihn mein Leben lang geliebt, ich liebe ihn auch jetzt noch, das ist ja das Problem", erklärte Tooru ernst, „aber … ich glaube es war ein Fehler zu heiraten."
Kuroo schüttelte nur den Kopf. „Bist du nicht derjenige, der mir gesagt hat, dass ich die Ehe ausprobieren soll?", wollte er dann wissen.
Tooru schüttelte nur den Kopf. „Und ich denke immer noch, dass du Kenma heiraten solltest", stellte er klar, „Aber Hajime und ich … Uns ist vielleicht einfach kein Happy End vergönnt." Und dann begann er zu erzählen.
A/N: „Was? Ich dachte hier geht es um die IwaOI-Hochzeit und nicht darum, dass sie sich scheiden lassen!", werdet ihr jetzt sagen. Nun, noch ist nicht gesagt, dass sich irgendjemand scheiden lässt, und es geht hier definitiv um ihre Beziehung, ob sie aber überleben wird, nun das ist die Frage dieser Fic.
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