Das Fischernetz

Die Strohhutbande war vor ein paar Tagen von der Fischmenschen Insel aufgebrochen und hatte ordentlich zu feiern. Schließlich hatten sie sich alle lange Zeit nicht gesehen. So tranken sie, tanzten und feierten auf dem Weg in die neue Welt.

An einem Morgen danach waren alle noch recht verkatert, obwohl die Sonne schon hoch am Himmel stand. Nur wenige der Crew, darunter auch Lysop und Ruffy, waren an Deck. Sie wirkten physisch zwar wach, sahen aber eher übermüdet gen Himmel und den dahinziehenden Wolken.

Es kamen kleine Schritte durch das Gras, in dem die beiden Piraten lagen und kurz danach hörten sie eine helle Stimme. „Was macht ihr denn da?"

Ruffy lag mit allen Gliedern von sich gestreckt im Gras und schien schon fast wieder einzuschlafen und Lysop lehnte völlig entspannt am Hauptmast. Dieser antwortete dann auch. „Du kommst genau richtig für die Mittagsruhe, Chopper! Los, leg dich dazu."

Chopper lachte, ließ sich aber nicht zweimal bitten und schmiss sich genau neben Ruffy in das wohltuende Gras. Auch ihn hatten die langen Nächte ganz schön müde gemacht.

Es dauerte auch nicht lange, da war aus Ruffy's Richtung ein lautes Schnarchen zu hören. Lysop und Chopper lachten beherzt, streckten sich nochmal ausgiebig und taten es ihm einfach gleich.

Lysop und Chopper wurden irgendwann von einigen Stimmen geweckt, die hektisch aus Richtung des unteren Teils der Sunny kamen. Sie hatten nicht wirklich ein Zeitgefühl, wie lange sie geschlafen hatten. Lange konnte es aber nicht gewesen sein, da die Sonne immer noch recht hoch am Himmel stand.

Die Langnase vernahm die Stimme von Franky und von Nami, wenn ihn nicht alles täuschte. Diese diskutierten irgendwas aus. Fragend sahen sich Chopper und er an, nickten und standen auf, um ihrer Neugier nachzugehen.

Sie gingen also beide in Richtung Schiffsrumpf bis zur mittleren Ebene, aus dem die Stimmen von Franky und Nami immer lauter wurden.

„Du kannst doch nicht einfach so Trümmerteile mit einsammeln! Das ist doch Müll.", hörten sie schon Nami meckern, als sie die Treppe heruntergekommen waren.

„Gib' nicht mir die Schuld! Das Netz hängt schließlich allein da unten!", war nur Franky's Antwort.

„Hey, was ist denn hier los?" Lysop sah auf das Fischernetz, das nun auf dem Boden des Lagerraumes lag. Der Boden nass vom Wasser des Ozeans und einige zappelnde Meerestiere, auf die es die Crew abgesehen hatte. Allerdings waren auch einige Bruchteile eines Bootes zu erkennen.

„Wir haben wohl ein paar Überbleibsel geangelt, Bruder."

„Das Boot hat es aber ordentlich zerschmettert." Lysop kniete sich neben das Netz, um sich die Bruchteile genauer anzuschauen. Da es die Nacht über sehr gestürmt hatte, war er sichtlich verwundert. „Wer fährt denn bei so einem Wetter aufs Mee….?" In dem Moment löste sich ein Brett und rutschte etwas herunter, wodurch aus dem Inneren des Holzmülls eine Hand herausglitt. Lysop ließ in diesem Moment einen schrillen Schrei aus Schock und Angst heraus und klammerte sich zitternd an Franky's großem Unterarm fest. Auch Chopper erschreckte sich beim Anblick der Hand und rettete sich in Nami's Arme, die dadurch ebenfalls in einen Schrei verfiel.

Nach der anfänglichen Schrecksekunde fasste sich zuerst Franky, der immer noch Lysop am Unterarm kleben hatte. „Moment, der braucht bestimmt unsere Hilfe!"

Auch die anderen drei kamen nach und nach aus ihrer Schockstarre heraus, als Franky begann, das Netz aus der Ansammlung von Brettern, Meerestieren und Algen zu entfernen. „Na hoffentlich lebt der noch."

Lysop löste sich von seinem sicheren Platz und begann seinem Freund zu helfen. Als Franky das riesige Netz hochhob und entfernte, hielt Lysop einige Bretter fest, damit sie nicht auf die darunter liegende Person fallen konnten. Als dies erledigt war, begannen alle, die Bretter vorsichtiger bei Seite zu schieben. Durch die Nässe, sammelte sich eine riesige Pfütze, in der schließlich auch die Person lag, die sie befreien wollten. Sie erkannten ein blauhaariges Mädchen, liegend auf der Seite und schützend ihre Arme um sich geschlungen.

Chopper war sofort bei ihr, überprüfte die wichtigsten Signale, wie Puls und Atmung und nickte zufrieden. „Sie lebt noch." Er nutzte seine Teufelskraft, um sich in eine etwas größere Form zu transformieren. So konnte er sie leicht hochnehmen und in seinen Behandlungsraum tragen. Während er die junge Frau allerdings hochhob, löste sich die Umklammerung ihrer Arme und es glitt ein kleines Bündel aus ihrem Mantel heraus.Diesess fiel genau zwischen Chopper und der Fremden auf den Boden und ließ wieder alle vor Schock erstarren.

„D…Das ist ein Kind.", kam es von Nami, die sich sofort zu dem kleinen Mädchen herunter kniete und sie hochhob. Auch ihre Kleidung war durchnässt und Wasser tropfte immer wieder von einzelnen Lockensträhnen herunter. Ihre Haut war fast schon weiß, so blass schien sie. Doch Nami sah, dass sie atmete und seufzte erleichtert.

„Gut.", gab Chopper erleichtert von sich und auch die anderen Männer atmeten erleichtert auf. „Bring sie bitte auch in meinen Behandlungsraum. Ich schaue nach ihnen."

Sobald Chopper mit seiner Untersuchung begonnen hatte, ließen ihn alle anderen in Ruhe und verließen somit den Raum. Beim Betreten des Decks war immer noch alles so ruhig, wie zu Beginn. Niemand hatte scheinbar etwas mitbekommen. Empört schüttelte Nami den Kopf. „Diese Idioten. Hier kann alles Mögliche passieren, die werden es nicht mitbekommen." Sie sah Ruffy im Gras liegen, immer noch schlafend und die anderen waren nirgendwo an Deck zu sehen.

Die Türe unter ihnen ging auf einmal auf und Robin trat etwas verwundert heraus. Ihr Blick wandte sich um und sie sah zu Nami, Lysop und Franky, die über ihr am Geländer standen. „Was ist hier für eine Unruhe? Ist was passiert?"

Nami nickte bestätigend und ging mit den anderen beiden die Wendeltreppe an der Seite hinab. „Ach Robin, immerhin fällt dir es auf, wenn etwas passiert. Franky hat Meerestiere samt Bootstrümmer geangelt. Darin befanden sich aber noch zwei Menschen. Ein kleines Mädchen und eine Frau, ungefähr mein Alter. Sie leben und sind grade in Choppers Behandlungsraum." Nami war sichtlich aufgeregt, als sie dies erzählte.

„Oh.", kam es allerdings nur von Robin, die ihre Sonnenbrille von ihrem Kopf wieder auf die Nase setzte. „Deshalb habt ihr eben so geschrien?"

Franky war empört. „Du hast uns gehört und bist nicht gekommen, um nach dem Rechten zu sehen?"

Robin lächelte leicht und schüttelte den Kopf. „Ich dachte, ihr kriegt das schon hin. So schlimm war es ja nicht."

„Und was wäre gewesen, wenn uns ein riesiges Ungeheuer da unten angegriffen hätte? Wir könnten tot sein!" Lysop war sichtlich theatralisch und redete sich in Rage.

Robin allerdings hörte ihm nicht mehr zu und wandte sich an Nami. „Und was machen wir jetzt?"

„Chopper untersucht die beiden grade und dann schauen wir weiter. Aber…" Sie wandte sich von der Gruppe ab und ging auf Ruffy zu, der immer noch seelenruhig im Gras schlief. „… unser Captain sollte sich mal um die Probleme auf seinem Schiff kümmern!" Mit jedem Wort wurde sie lauter und als sie bei Ruffy angekommen war, brüllte sie schon fast. Dabei holte sie aus und gab ihm eine beherzte Kopfnuss.

Ruffy, noch zuvor im Traumland gewesen, schreckte hoch und hielt sich schmerzend die Beule auf seinem Kopf. „Aua! Was soll der Mist?"

„Los, aufstehen. Es gibt Pflichten für dich, Captain."

Ruffy saß noch im Schneidersitz im warmen Gras und blinzelte ein paar Mal. „Hä?"

Die Crew hatte sich mittlerweile zusammengefunden und sie saßen in der großräumigen Kombüse zusammen. Alle, bis auf Chopper, hatten sich um den Tisch versammelt. Nami, Lysop und Franky informierten sie über die Situation im Lagerraum und dass sie grade zwei weitere, ihnen noch fremde Personen an Bord hatten.

„Trotzdem müssen wir aufpassen," beendete Nami ihren Teil der Erzählung. „wir wissen schließlich nicht, woher die beiden stammen und was sie vorhaben."

Viele der Strohhüte waren skeptisch den Fremden gegenüber, das war ihnen am Blick anzusehen. Manche mehr, manche weniger. Denn auch, wenn die Crew sehr offen gegenüber Fremden war, mussten sie dennoch Vorsicht bewahren. Die Marine, Blackbeard und auch Big Mom waren nicht gut auf sie zu sprechen und niemand wusste, was nun auf sie zukommen würde.

„Wir lassen sie erstmal wach werden." Ruffy brach die angestrengte Stille und legte die Hände entspannt hinter den Kopf. „Und dann fragen wir sie einfach."

Dass Fremde auch einfach über ihre Identität lügen konnten, war den anderen durchaus bewusst. Aber ihr Captain hatte Recht: Sie würden die beiden nun erstmal wach werden lassen und sie verhören. Vielleicht erklärte sich die Situation dann von selbst.

Chopper behandelte währenddessen in Ruhe die beiden Fremden, zuerst war das kleine Mädchen dran. Sie lag im Behandlungsbett, abgetrocknet und in trockener Kleidung. Die Schwierigkeit bestand hier, Kleidung zu finden, die dem kleinen Mädchen passte. Jeder auf dem Schiff war viel größer als sie, bis auf Chopper selbst. Daher hatte er nicht lange nachgedacht, T-Shirt und Hose aus seinem Sortiment geholt und sie umgezogen.

Das kleine Mädchen, das musste Chopper schnell feststellen, hatte es ganz schön erwischt. Ihre Vitalwerte waren an sich stabil, aber nicht optimal. Ihre Körpertemperatur war zudem noch unterkühlt, zu Chopper's Erleichterung aber nicht bedrohlich. Daher stabilisierte er sie und machte sich danach direkt an die junge Frau. Sie lag auf einer Matratze, die an der Wand am Kopfende des Bettes platziert worden war. Chopper hatte nur ein Behandlungsbett, da musste er improvisieren. Auch die junge Frau war stark unterkühlt. Doch er wäre nicht Chopper, wenn er das nicht hinbekommen würde.

Zudem fand er während der Untersuchungen auf ihren Gliedmaßen viele Wunden. Ein paar frische, aber auch einige schon abheilende oder gar vernarbte. Die meisten fand er auf ihren Oberarmen und glichen linienartigen, tiefen Kratzern. Da sich aber nichts zu entzünden schien, reinigte er nur die noch offenen Wunden und stabilisierte auch sie soweit, dass sie nicht in Lebensgefahr schien. Aber sie würde sich eine Weile erholen müssen, das stand fest.

Das kleine Rentier brauchte eine Weile, war aber am Ende seiner Behandlung zufrieden. Die beiden Fremden waren versorgt und konnten nun ihre Erschöpfung ausschlafen. Zufrieden nickte Chopper, räumte die medizinischen Hilfsmittel weg und schaute am Schluss nochmal nach dem Rechten. „Was mit euch wohl passiert ist?"

Chopper erkannte sofort, dass den beiden irgendetwas zugestoßen war. Laut seinem Bauchgefühl war es wirklich nichts Gutes. Das verriet ihm sein medizinischer Blick und die geschundenen Körper der beiden Schiffbrüchigen.