Kapitel 10: Die Farben
Nachdem sich alle bei Alice bedankt hatten, widmeten sie sich ihrem Abendessen. Jeder der Anwesenden war gut drauf und die Freude füllte den gesamten Raum. Während des Essens kam Robin nochmal in die Kombüse, die sie ein paar Minuten vorher verlassen hatte und hielt einen riesigen Holzrahmen in der Hand.
„Was hast du vor, Robin?" Chopper hatte grade von einem Toast abgebissen, als er noch mit vollem Mund, seine Frage stellte.
„Ich möchte das Bild einrahmen und richtig würdigen." Robin ging dabei an Alice vorbei, die sie mit großen Augen ansah. Die Dame nickte ihr lächelnd zu und legte den Rahmen auf die Tresen. Viele Augen sahen gebannt auf Robin, die mit dem Rücken zu ihren Freunden stand und das Bild vorsichtig in den Rahmen legte. Ein paar Hangriffe später war es fertig. Sie drehte sich um, hielt es ihren Freunden entgegen und sah zufrieden aus. „Wo soll es hin, Captain?"
Mit vollem Mund sah sich Ruffy in der Kombüse um und fand den perfekten Platz. Er zeigte genau vor sich zur Sitzgelegenheit, die an der Wand stand und die noch leere Wand. „Dort hin!"
„Zu Befehl.", kicherte Robin und brachte das Bild mittig über dem Sofa an. „Perfekt."
Alice freute sich innerlich sehr. Sie wusste nur nicht, wie sie diese Gefühle einordnen sollte. Sie fühlte sich dabei etwas unwohl, dabei war Freude scheinbar ein schönes Gefühl. Wie ein Kribbeln im Bauch.
„Ähm, Alice?" Neben ihr saß Nami, die sich zum Bild gedreht hatte und dieses mit einer hochgezogenen Augenbraue ansah. „Ich hab' da eine Frage." Sie stand kurz auf und zeigte mit ihrem Finger auf ihre Figur und die Gegend des Herzens. Dort war ein Fleck aus grün und orangenen Farben gemalt. Und nicht nur bei ihr. Jeder auf diesem Bild hatte einen farbigen Fleck an der Stelle des Herzens. Alle in verschiedenen Farben. Alle, bis auf Alice selbst. „Hast du hier Herzen gemalt?"
Alice aber schüttelte den Kopf und kniete sich auf den Stuhl, hielt sich dabei an der Lehne fest und sah so zu Nami. „Das sind doch eure Farben."
„Unsere Farben?" Nun sah auch Ruka genauer hin, die einen Fleck aus orangenen und gelben Partien hatte. „Was meinst du damit?"
Etwas unsicher sah Alice zu Ruka rüber und kniff etwas die Lippen zusammen, bevor sie wieder antwortete: „Eure Farben sind das."
Die Erwachsenen wechselten die Blicke untereinander und nun sah auch jeder auf sein Bild und die dazugehörigen Farben. Nami hatte hellgrün und dunkelorange. Ruka hatte hellorange und gelb. Franky's Fleck war dunkelorange und dunkelrot und Lysop's war fliederfarben und dunkelorange. Der Fleck von Robin war hellblau und dunkellila. Zorro's Fleck bestand aus dunkelroter und dunkellila Farbe. Sanji's war orange und lila, beide in dunklen Tönen. Chopper wurde dunkelgrün und orange zugeordnet. Brook's Fleck war lila und grün, beides dunkel gehalten. Und Ruffy's Fleck war in einem kräftigen gelb und dunklem orange. Nur Alice. Alice war die einzige, die keinen Fleck an ihrer Brust trug.
„Was sind denn das für Farben?", fragte Ruka erneut und sah das kleine Mädchen an. Sie merkte, dass alle Blicke auf ihr ruhten. Das machte ihr Angst und sie sah unsicher nach unten.
„Alice, keine Sorge. Es ist alles gut. Erklär uns einfach, was du da siehst." Wieder trafen sich Ruka's und Alice' Blicke und die Kleine versuchte nun das zu erklären, was für sie selbstverständlich war.
„Ihr habt Farben. Genau da." Sie zeigte dabei mit ihrer Handfläche auf ihren eigenen Brustkorb. „Alle Menschen haben das." Alice zeigte auf Ruka und war sichtlich verwirrt. „Siehst du die Farben nicht? Die sind ganz hell. Die sind manchmal wie Feuer, ganz groß. Aber manchmal, manchmal sind sie auch so klein." Dabei zeigte sie mit ihren Händen eine Größe, die ungefähr die eines Tischtennisballs war. Alice dachte wirklich, dass jeder diese Farben sehen konnte. Doch es war nur sie, die diesen Fleck bei Menschen entdecken konnte. Niemand hatte es je bemerkt, denn nie konnte sie es anderen Menschen in Form von Bildern zeigen.
Wieder sahen sich alle Strohhüte an, wechselten Blicke, dachten wahrscheinlich alle das Selbe.
„Nein, Alice.", erklärte Ruka und legte ihre Handfläche auf ihre Brust, um es zu symbolisieren. „Wir sehen diese Farben nicht. War das… schon immer so? Konntest du die Farben schon immer sehen?"
Der Kopf des Mädchens ging kurz runter. Sie dachte nach, nur um dann wieder aufzuschauen und ein kurzes Nicken als Antwort zu geben. „Glaube schon."
„Kann es sein, …", überlegte Robin und setzte sich wieder an den Tisch. „dass sie einmal eine Teufelsfrucht gegessen hat?"
Da war Ruka leider überfragt. Sie hatte das kleine Mädchen eigentlich immer um sich. Außer, sie wurde gebucht. Dann wurde sie meist abends von irgendwelchen bulligen Typen abgeholt, um nach ein bis zwei Stunden wiedergebracht zu werden. Meistens wurde sie verprügelt. „Aber wer weiß.", begann sie laut zu denken und sah zu Robin rüber, die die Frage gestellt hatte. „Sie können in der Zeit ja alles mit ihr gemacht haben."
„Alice? Kannst du schwimmen?", fragte nun Brook, der genau gegenüber von Alice saß.
Diese zuckte aber nur mit den Schultern. „Ich weiß nicht. Ich war noch nie im Meer baden." Nun riss sie kurz die Augen auf. Wirkte ängstlich und eingeschüchtert. Auch ihre Stimme wurde leicht zittrig. „Ist es schlimm, dass ich das kann? Ich hab' Angst."
„Nein, nein." Sie nahm sie kurz, aber intensiv in den Arm und versuchte sie zu beruhigen. „Wenn du eine Teufelsfrucht gegessen hast, ist das nicht schlimm. Weißt du was?" Alice blickte auf, als Ruka in die Runde zeigte und lächelte. „Ein paar unserer Freunde haben auch Teufelsfrüchte gegessen. Robin, Brook, Chopper und auch Ruffy."
„Du hast jetzt Superkräfte.", lachte Ruffy und zog dabei an seine Wange, die sich weit dehnte. „Das ist supercool!"
„Superkräfte?" Immer dachte sich das kleine Mädchen, dass alle diese Farben sahen, aber das war ein Irrtum gewesen.
„Nun müssen wir nur herausfinden, was diese Farben bedeuten." Robin überlegte und auch die anderen kamen ins Grübeln. Ideen wurden durch den Raum geworfen, bis Chopper auf eine Idee kam.
„Alice? Welche Farben hatten denn die bösen Männer auf Circusselia?"
„Dunkel!", platzte Alice schnell heraus und kauerte sich, bei dem Gedanken an diese Männer, wieder etwas zusammen. „Die Männer, die hier waren, hatten ganz dunkelgrau und ganz dunkelblau. Fast wie schwarz. Alle bösen Menschen sind so dunkel."
„Verstehe.", kam es gemurmelt von Robin, die ihren Finger nachdenklich ans Kinn legte. „Wahrscheinlich wird es etwas mit dem Charakter oder den Taten der Menschen zu tun haben. Ich werde mal danach recherchieren. Vielleicht finde ich ja was."
Die erste Aufregung legte sich etwas und es wurde stiller in der Kombüse. Dennoch sah Alice immer noch mit recht ängstlichem Blick durch den Raum. Haben sie doch die Aussagen der Erwachsenen sehr verunsichert. „Ist es… wirklich nicht schlimm? Wenn ich die Farben sehe?"
„Ach nein." Ruka legte erneut eine Hand auf ihren Rücken, um sie zu beruhigen. „Wir müssen nur daran denken, dass du einfach nicht schwimmen kannst. Das ist alles. Und nun…" Sie strich ihr nochmal übers lockige Haar und nickte. „… mach dich an das Abendessen. Sonst wird's kalt."
„Ok…"
Spät abends saß die Crew noch beisammen. Fackeln brannten in den einzelnen Ecken und eine frische Brise zog umher. Bis auf Alice, die bereits im Frauenschlafraum schlief, unterhielten sie sich über die Teufelskräfte, die in Alice schlummerten.
„Mir ist nie aufgefallen, dass sie solche Fähigkeiten hat." Ruka saß mit einer Tasse Tee auf der Wiese, angelehnt an der Reling. „Und wann sie diese Teufelsfrucht gegessen haben sollte, ist mir auch ein Rätsel."
Sanji bliess den Rauch der Zigarette aus, bevor er ihr antwortete. „Aber du hast doch auch erzählt, dass ihr nicht immer zusammen wart. Wenn es stimmt, was in den Akten stand, konnten diese Kunden ja auch wirklich alles auf dieser Insel kaufen. Und jemandem eine Teufelsfrucht zu verabreichen, scheint ja beinahe noch harmlos gewesen zu sein." Er pausierte, zog nochmal an der Zigarette, um dann wieder fortzufahren. „Ekelhaft. Wenn Menschen zur Belustigung anderer gequält werden."
Eine kurze Stille trat ein, in der niemand etwas sagte. Irgendwann zog Ruka mit einem tiefen Atemzug die frische Luft ein, um sie mit einem Seufzen wieder herauszulassen. „Ich habe Menschen gesehen, die unter Foltermethoden gestorben sind. Massenbuchungen, bei denen sich mehrere Kunden zusammengetan haben und mehrere Opfer buchten, um sie gemeinsam zu verprügeln. Auf sie einzuschlagen, sie zu demütigen. Ich war damals noch zu jung, daher konnte ich mich gut in dunklen Ecken verstecken. Verprügelt wurde ich selten. Aber… Kinder wurden auch oft als Versuchskaninchen benutzt. Ihnen wurden Flüssigkeiten gespritzt, von dem niemand wusste, was es war. Einige überlebten, andere starben noch im Buchungsraum. Und als ich älter wurde, diente ich meist nur für Einzelbuchungen." Ein wehleidiges Lächeln legte sich auf ihre Lippen und sie sah auf den Dampf, der aus ihrer Teetasse kam. „Ich weiß nicht, ob Prügelbuchungen angenehmer gewesen wären, als… na ja…"
„Du brauchst es nicht erzählen.", fiel ihr Robin sanft ins Wort und sah sie ruhig an. „Wir können uns die Taten vorstellen."
Dankend nickte ihr Ruka zu und ihr Blick wanderte zum Sternenhimmel.
„Zum Glück, ist das Vergangenheit.", bemerkte Franky, bevor er einen Schluck aus seinem Bierkrug nahm.
„Richtig. Und wir hatten Glück." Ruka's Blick wanderte vom Himmel wieder zu ihren Freunden, die sie mit einem warmen Blick anlächelte. „Bevor wir starben, fanden wir in ein neues Leben, das es wert ist, zu leben."
Eine lange, aber angenehme Stille trat ein, in der nur der leise Wind zu hören war, wie er sich den Weg durch die Sunny bahnte.
Einige Augenblicke vergingen, bis Ruffy, der rücklings auf der Wiese lag und freudig mit den Füßen hin und her wippte, leise kicherte. „Habt ihr gesehen, dass alle Farben hell waren?"
„Häh?" Lysop, der neben ihm saß, sah ihn mit hochgezogener Augenbraue an. Konnte er ihm doch bei dem schnellen Themenwechsel nicht ganz folgen.
„Die Farben, die Alice gemalt hat, waren alle hell und kräftig. Cool oder?"
„Na, zumindest haben wir damit kein schwarzes Schaf in der Runde.", bemerkte Zorro aus der Ecke, woraufhin alle anfingen zu lachen. Nein, unter ihnen war niemand, mit dunklem Charakter. Sie alle waren reinen Herzens.
Am Morgen saßen alle zusammen beim Frühstück und niemand sprach mehr über das Thema. Es war nicht so, als würden sie es unangenehm finden oder mit Gewalt unterdrücken. Nein, das Thema und die Vergangenheit war abgeschlossen. Viel mehr hatte Ruka damit abgeschlossen. Wie es bei dem kleinen Mädchen aussah, konnte sie nur erahnen. Sie kannte schließlich nichts anderes als diese Insel. Ihre Kinderseele hatte eh unter dieser Horrorinsel gelitten, sodass sie wahrscheinlich nie ganz heilen würde. Aber wer weiß, vielleicht konnte es dieser Ort zumindest Ansatzweise.
Nami kam nun als Letzte durch die Kombüsentüre hinein und berichtete, dass sie auf eine kleine Insel zufahren würden. Sie beschlossen dort Halt zu machen, Proviant aufzufüllen und sich die Beine zu vertreten. Als sie immer näher kamen, wurde deutlich, dass es auf dieser Insel nur einen riesigen Urwald und den Strand gab, an den sie angelegt hatten. Eine Stadt oder ein Dorf, war weit und breit nicht zu sehen.
Als Ruka am Strand ankam und nach oben in den blauen Himmel sah, kniff sie ihren Augen schnell zusammen und sah wieder hinab. Es war unglaublich hell, was ihr gleichzeitig einen leichten Kopfschmerz verursachte. Aber die Wärme der Sonne tat unfassbar gut und durchströmte ihren ganzen Körper.
An ihr vorbei gingen oder liefen ihre Freunde, die sich die Insel und den dazugehörigen Strand ansahen. Ruffy streckte energisch die Arme in die Höhe und ließ einen freudigen Jubelschrei heraus. Alle lachten auf seine Reaktion, teilten aber seine Ansicht, dass es schön war, mal wieder etwas anderes zu sehen, außer die Wände der Sunny.
„Wir brauchen dringend Proviant.", warf Sanji ein und blickte Richtung Urwald. „Jeder der etwas sieht, mitnehmen."
Damit die Suche danach schneller ging, teilte sich die Crew auf. Alle waren bepackt mit Körben, Taschen oder Säcken, in denen sie die Nahrungsmittel verstauen konnten. Ruka ging zusammen mit Alice, Ruffy, Franky und Robin in eine Richtung, tief in den Urwald hinein. Die Sonne schien nur selten durch Löcher der Baumkronen hindurch, wodurch es recht dunkel und kühl war. Die Bäume schienen an die hundert Meter hoch zu ragen und die Insekten krabbelten überall umher.
„Ruka?", kam es ganz leise von Alice, die neben ihr herging. „Ist das ein Wald?"
„So ähnlich." Ruka hatte einen Rucksack geschultert, an dessen Trägern sie sich mit den Händen festhielt. „Das ist ein Urwald."
„Was ist ein Urwald?" Alice Blick richtete sich bei der Frage auf einen Baum, der neben ihr sich in die Höhe erstreckte und an dem ein riesiger Tausendfüßler entlang krabbelte.
„Urwälder sind unberührt von uns Menschen. Hier wächst alles so, wie die Natur es will."
Plötzlich drehte sich Ruffy zu den beiden um und sie erschraken. In seiner Hand hielt er einen riesigen Käfer, den er mit beiden Händen festhalten musste. Er war so groß, wie Ruffy's Oberkörper. „Und hier gibt's so coole Sachen!"
Vor Schock atmete Ruka die Luft ruckartig ein, weshalb sie sie mit einem tiefen Seufzer herauslassen musste. „Erschreck' uns bitte nicht so. Ich glaube, ich brauche noch etwas Zeit, um mich an diese ganzen Lebewesen zu gewöhnen."
Ruffy lachte beherzt und warf den Käfer wieder auf den Baum, wo er ihn zuvor mit seinen Teufelskräften hergeholt hatte.
„Ich hoffe,", begann Franky der sich seine Arme ein wenig genauer ansah. „dass die mir nicht in die Gelenke krabbeln. Die krieg ich da nie wieder raus!"
Die Gruppe ging weiter ihrer Wege, sammelte währenddessen Früchte ein, die sie fanden. Ihre Säcke wurden immer voller und auch der große Korb, den Franky auf seiner Schulter trug, füllte sich. Bis auf einmal neben der Gruppe das Gebüsch anfing zu rascheln und die Blicke aller dorthin wanderten. Alle erwarteten ein eher kleines Tier, doch vor ihnen stand ein riesiger Bär, der sie anbrüllte. Ruffy holte instinktiv aus und verpasste dem Bären mit seiner Faust einen ordentlichen Schlag.
„Mein Gott, hat der mich erschreckt.", jammerte Franky und zog auch seine Hand wieder zurück, die er zur Vorsicht geöffnet hatte.
Freudig ging Ruffy in Richtung des Bären, der sich allerdings wieder aufbäumte und einen erneuten Angriff startete. Der Strohhut zeigte sichtlich Spaß an der Konfrontation und verpasste dem Tier noch einen Schlag. Mit einem breiten Grinsen und knackenden Fingergelenken nickte er zufrieden. „Jetzt haben wir auch genug Fleisch!"
Als Ruffy aber auf den Bären zuging, hörten sie alle ein deutliches „Bitte nicht!" rufen. Die Gruppe drehte sich um und sie sahen zu Alice, die kleine Tränen vergoss und ihren Kopf schüttelte. „Tu' ihr nicht weh. Ihre Farben sind gut."
Ruffy blinzelte ein paar Mal verwirrt, sah zu dem Bären und dann wieder zu Alice, zu der sich nun auch Ruka runterbückte. „Was meinst du damit, Alice?"
„Man darf niemandem wehtun, der gut ist. Und die Farben sagen, dass sie gut ist."
„Sie?" Robin sah nun auch zu dem Bären, der immer noch bewusstlos auf dem Boden lag. „Woher weißt du denn…", murmelte sie noch und legte sich nachdenkend den Finger ans Kinn.
„Aber wir brauchen was zu futtern!", warf Ruffy ein und legte dabei beide Hände auf seinen Bauch. „Ich hab' Hunger!"
Alice sah auf den Boden, kniff die Lippen zusammen und schluchzte ein paar Mal. „Aber das ist gemein."
„Gemein?"
„Man darf niemandem weh tun, nur weil man das will." Ihr Blick ging wieder hoch, immer noch die dicken Tränen in den Augen, die ihr immer wieder runterkullerten und sie zeigte in Richtung des Gebüsches. Es war zuerst nicht zu erkennen, aber bei näherem Hinsehen erkannten die Erwachsene zwei Bärenjunge, die sich ängstlich und zitternd versteckten.
„Ihre Farben sind auch gut. Das ist ihre Mama. Tu' ihr nicht weh."
Ruka stand nun auf und verschränkte nachdenklich die Arme. „Sie hat sie beschützen wollen. Daher hat sie uns angegriffen."
Ruffy und Franky sahen ebenfalls auf die Bärin, die noch in der Wiese lag, aber zum Glück atmete.
„Ihr dürft keinem weh tun, der gut ist.", kam es murmelnd von Alice, die sich die Tränen aus dem Gesicht wischte. „Das ist gemein. Ihr seid nicht böse. Ihr seid nicht so, wie die bösen Menschen."
Franky kratzte sich am Kopf und verzog etwas das Gesicht. „Nun… ganz unrecht hat die Kleine nicht. Aber Fleisch brauchen wir trotzdem."
Es trat eine Stille ein, in der nur immer wieder kurz ein leises Schluchzen von Alice zu hören war.
„Hm." Ruffy zog seinen Strohhut etwas zurecht und ging dann auf Alice zu, um sich zu ihr runter zu knien. Seine Arme lagen locker über seinen Knien. „Gibt es denn Tiere, die dunkle Farben haben?"
Verwundert sah Alice in Ruffy's Augen, die sie ernst und eindringlich ansahen. Sie schaute wieder nach unten und zuckte mit den Schultern. „Ich weiß nicht."
„Finden wir es heraus!" Grinsend stand Ruffy wieder auf und verschränkte die Arme ineinander. „Wir gehen weiter und du sagst Bescheid, wenn du solche Tiere siehst. In Ordnung?"
Mi großen Augen sah die Kleine zu ihm hoch, erstaunt darüber, dass er sie wirklich ernst genommen hatte und auf sie einging. Sie nickte zaghaft auf seinen Vorschlag. „Ok…"
Es dämmerte und mit einem riesigen Tiger im Schlepptau und jeder Menge Früchten kehrten sie zum Strand zurück. Sie sahen bereits von weitem ein Lagerfeuer, das die anderen angezündet hattet und über dem bereits Essen gebraten wurde.
Noch bevor sie sich auf die Suche nach neuen Tieren gemacht hatten, hatte die Gruppe gewartet, bis sich die Bärenmutter erholt hatte. Sie und ihre Junge gingen wieder ihrer Wege und die Strohhüte reisten weiter.
Ruffy zog den nun toten Tiger am Schwanz und schliff ihn hinter sich her, wodurch er eine große Schleifspur auf dem Boden hinterließ. Rechts neben ihm ging Alice her, die immer wieder zu dem Tiger schaute und dann zu Ruffy. Der Tiger war dabei gewesen, sie anzugreifen und Ruffy war ihm zuvorgekommen und hatte ihn ausgeknockt. Und ja, dieser Tiger hatte nicht nur überall Narben am Körper und ihm fehlte auch schon ein Auge. Er hatte auch eine dunkle Aura um sein Herz, weshalb es für Alice leichter war, dessen Tod zu akzeptieren.
Sie war ein Kind. Der Tod war allgemein schwer für sie und sie wollte keine Tiere töten. Aber zu wissen, dass es kein nettes Tier war, war für sie erträglicher. Ihr Blick wanderte wieder zur Ruffy, der sich schon sichtlich auf das Essen freute, wessen Duft ihnen schon entgegenkam. Nie hatte ihr jemand groß Gehör geschenkt, der nicht Ruka war. Nie wurde sie ernst genommen und nie hatte sie sich überhaupt getraut, etwas zu sagen. Ihr Blick senkte sich wieder und richtete sich gerade aus zum Lagerfeuer und den anderen Strohhüten, die sie bereits erwarteten. Ruffy rannte zu ihnen hin, übergab Sanji freudig den Tiger und machte sich über das schon fertige Fleisch her, welches über dem Feuer ging.
„Danke.", dachte das Mädchen und zeigte ein zaghaftes Lächeln.
