Kapitel 5

Es wurde schon Nachmittag und von einem Hinweis war keine Spur. Nach dem Schulschluss trottete der ohnehin sichtlich schon todmüde Conan zusammen mit dem Rest seiner Bande die Straßen entlang, um nach Hause zu kommen. Ununterbrochen machte ihm der gestrige Fall zu schaffen und das machte es, nachdem er stundenlang an seinem Sitzplatz gefesselt wurde, schwerer jetzt nicht auf dem Weg dorthin einfach einzupennen. Er schüttelte genervt den Kopf, um die ihn plagende Müdigkeit loszuwerden, doch immer wieder kam sie zurück und wollte einfach nicht abgeschüttelt werden.

Genta sah zu ihm rüber und bemerkte die Augenringe, die sich schon bei ihm gebildet haben. Sein Gesicht veränderte sich daraufhin zu einem hämischen Grinsen.

„Was los, Conan? Heute Nacht nicht geschlafen, was?", stichelte Genta.

„Hä?", antwortete Conan benommen und sah Genta ein wenig schlaftrunken an.

„Also, dass du heute so verschlafen hast, war irgendwie neu. Ist alles okay bei dir, Conan?", fragte Mitsuhiko besorgt.

„Nein nein, ist schon okay. Ich habe mir nur zu viele Gedanken gemacht, das ist alles.", winkte Conan ab.

„Aha, über was denn, huh?", hackte Genta nach, der schon Feuer gefangen hatte und sich jetzt eine Freude daraus machte, Conan zu ärgern.

„Dies und das… wirklich nichts Besonderes, ehrlich."

„Wahrscheinlich hat das mit dem Fall gestern zu tun gehabt, der ist bis jetzt ja immer noch ungelöst.", wimmelte Ai ihn ab, der mit seinem verschmitzten Grinsen Conan schon fast auf die Pelle rückte, während sie in den Himmel starrte.

„Na, wenn du das so sagst…", sagte Genta, als Conan sich endlich von seiner Piesackerei losgerissen hatte.

Er sah unentwegt auf den Boden und erinnerte sich an alle Details von gestern zurück. Die Todesnachrichten machten für ihn keinen Sinn, egal wie er es drehte und wendete. Was hatten die Finger zu bedeuten? Zuerst tippte er auf eine Zahlenreihe, dann kam ihm die Idee, dass die Finger, wenn man sie übereinanderlegt, letztendlich ein Schriftzeichen bilden würden, aber auch das schlug er sich aus dem Kopf. Er war wirklich einfach nur müde.

Seine Gedanken begannen von ihm zu weichen und konzentrierten sich auf die Geschehnisse kurz nachdem er und die anderen Ayumis bewusstlosen Körper liegen sahen. Dabei hatte er sich doch so sehnlichst erhofft diesmal einen Täter vorzufinden, stattdessen waren die drei Verdächtigen laut seinen Schlussfolgerungen unschuldig und hatten demnach ein wasserdichtes Alibi. Für ihn waren sie fein raus.

„Das Opfer hieß Ikeburo Kanabe und war 28 Jahre alt. Er ist seit 6 Jahren Büroangestellter bei einer Arzneifirma. Er war vom Beruf her Arzneikaufmann und hat sich laut Zeugenaussagen lange Zeit zuvor einen Namen bei der Herstellung von Medizin gegen Bronchitis und Leukämie gemacht. Er war bekannt für seine sehr erfolgreichen Vorlesungen zu bekannten Krankheiten, wie Gehirnkrebs, HIV und Hepatitis C. Ein Schicksalsschlag beförderte ihn von der einen Nacht zum anderen zu der finanziellen Position, in der er sich bis jetzt befindet.", las ein Mann mit dunklen Haaren und einem scheinbar etwas mager aussehendem Gesicht aus seinem Notizblock vor. Er trug einen blauen Polizeianzug und eine schwarze Krawatte, die seinen Hals schmückte und seinem Auftreten etwas mehr Autorität verlieh.

„Sehr gut, ich danke Ihnen, Takagi.", antwortete darauf ein dicklicher und sehr ernst dreinschauender Mann, der einen orangenen Polizeihut und eine orangene Arbeitsuniform trug. Er schien sich jetzt über alles informiert zu haben und sah aus, als würde er über die gesamte Operation wachen, was ja natürlich auch zu seiner Arbeit und seinen Verpflichtungen als Inspektor dazugehörte.

„Fahren Sie bitte mit der Informationsbeschaffung fort, ja? Ich bin mir sicher, dass es uns nützen würde, wenn wir erst einmal die Verwandten des Opfers befragen. Je früher sie von seinem Tod Bescheid wissen, desto schneller können wir auf deren Informationen handeln.", befahl dieser im ruhigen Ton und drückte ihm die Telefonnummern des Opfers, die in dessen Apartment gefunden wurden, in seine Hand.

„Jawohl, Herr Inspektor.", antwortete Takagi und nahm die Treppe nach unten, um in Ruhe telefonieren zu können, da oben das Chaos herrschte und es dazu zu unpassend werden könne, so befürchtete er zumindest.

Als er sich den Weg nach unten bahnte und an den zusätzlichen Polizisten vorbei lief, die auf Hinweissuche spezialisiert worden sind, hörte er eine Stimme im Flur hinter ihm, die ihn kurz erstarren ließ und er sich langsam nach dem Urheber umdrehte. Er entspannte sich jedoch, als er die Stimme und die Person hinter ihr nur zu gut erkannte.

„Hallo, Herr Takagi, wie geht es Ayumi denn gerade?"

„Oh Kinder, ihr seid es nur, hehe.", antwortete er, während er sich am Hinterkopf kratzte. Ihm war es offensichtlich peinlich von vier Grundschulkinder erschreckt zu werden.

„Also was das angeht… Ihr geht es auf jeden Fall gut, das kann ich garantieren. Sie ist nur bewusstlos, keine Sorge. Sie hat sich höchstens ein wenig am Kopf verletzt, ist nicht weiter schlimm.", sagte er daraufhin.

„Da bin ich ja heilfroh!", riefen Genta und Mitsuhiko gleichzeitig und sprangen sich gegenseitig voller Erleichterung an.

„Shhhht! Nicht so laut, sonst stört ihr nur die Nachbarn. Verhaltet euch ruhig, ja? Ich muss jetzt einen dringenden Anruf machen, also macht hier bitte gerade keinen Lärm, okay?", versuchte der etwas verlegene Polizist sie beide zu beruhigen.

„Okay, wir sind schon ruhig.", entschuldigten sich beide der Reihe nach, worauf Takagi nur noch seufzte.

„Bevor Sie gehen, Herr Takagi, wollte ich Sie noch fragen, ob Sie derzeit in seiner Wohnung irgendetwas Merkwürdiges entdeckt haben.", fragte Conan mit seiner erzwungenen Kinderstimme. Wie gesagt, sich absichtlich blöd zu stellen, war für ihn schon längst eines seiner erfolgreichsten Bestandteile seiner Informationsbeschaffungsmethoden geworden. Und jetzt nutzte er diese Fähigkeit vollends aus. Wie Ai ihm schon so oft an den Kopf geworfen hatte, wie lächerlich er sich damit machen würde, wenn die Personen um ihn herum über seine wahre Identität Bescheid wüssten. Aber zum Glück musste er nur Ai's nerviges Grinzen und ihre Sticheleien ertragen und selbst das war ihm schon Folter genug.

„Etwas Merkwürdiges? Hmm… Jetzt wo du das mich fragst, da war schon etwas. Ah, jetzt weiß ich es. Wir haben überall in seiner Wohnung Überwachungskameras entdeckt, bei denen wir keine Fingerabdrücke oder etwas dergleichen finden konnten."

„Überwachungskameras, sagen Sie?", wiederholte Conan nachdenklich.

„Genau. Bloß für welchen Zweck genau und wer sie wirklich dort platziert hatte, ist uns dennoch unklar.", antwortete Herr Takagi.

Das heißt also, dass der Mann, der Ayumi vorhin angegriffen hatte, ein Freund oder ein naher Bekannter vom Opfer sein müsste, schlussfolgerte er in Gedanken.

„Alles klar, danke!", rief Conan und machte sich auf zum Zimmer des Opfers im darüber liegenden Stockwerk, aber Herr Takagi hielt ihn zurück.

„Conan, warte! Lasst die Polizei ruhig ihre Nachforschungen anstellen, die schaffen es schon auch ohne eure Hilfe."

„Aber es wird gerade sooooo spannend! Ich will dabei sein!", widersprach ihm Conan mit der nervigsten Kinderstimme, die er aufbringen konnte.

„Genau, und wir von den Detective Boys wollen auch mit!", stimmte jetzt auch noch Genta ein.

Herr Takagi seufzte und schlug sich die Handfläche vor die Stirn. Jetzt auch das noch. Gute Güte, hört das den nie auf? Immer wieder kommt es ihm so vor, als würden diese Kinder seine Gutmütigkeit schamlos ausnutzen. Na, was soll's. Jetzt lässt sich das Ganze auch nicht ändern.

„Ach verdammt, ich habe ja total vergessen anzurufen!", erschrak der Polizist und suchte in seinen Hosentaschen fieberhaft nach seinem Telefon. Er wurde sichtlich verzweifelter, als er merkte, dass es sich nicht mehr in der Tasche befand, in welche er es zuvor hineingesteckt hatte.

„Hier ist das Telefon. Sie haben es letztens vor lauter Aufregung verloren. Ist es wirklich so eilig?", fragte Ai und gab ihm das Telefon, dass sie zuvor bemerkt hatte und es daraufhin aufhob.

„Ah danke, Ai. Entschuldigung.", sagte er etwas verlegen. Ihm war es peinlich so tollpatschig vor den Kindern aufzutreten, die auf ihn als ein großes Vorbild (jedenfalls redete er sich dies jedes Mal ein) hochsahen.

„Keine Ursache.", antwortete Ai.

„Na dann. Entschuldigt mich bitte, ja?", sagte der Polizist und setzte seine Aufgabe fort.

Das war Conans Chance. Er nahm die Treppen nach oben, bis er am siebten Stock ankam, wo schon seit geraumer Zeit die Spurensuche im Gange war. Dort stand schon der Inspektor, der sich mit einem der Polizisten unterhielt.

„Wir konnten letztens einzelne Haare an seinen Fingernägeln feststellen und nehmen an, dass diese Haare vom Täter selbst stammen müssten."

„Das muss dann heißen, dass das Opfer hat sich im Kampf gewehrt hatte und wurde dabei von vorne mit einer Pistole erschossen. Ach ja, um welche Pistole handelt es sich denn dabei?", fragte der Inspektor und runzelte die Stirn.

„Laut Analyse der Kugel müsste es eine CO2 Gamo PT-85 Blowback Socom, also eine 4,5 mm Kaliber Pistole sein. Ich muss dazu noch hinzufügen, dass diese Pistole mit einem Schalldämpfer ausgestattet sein müsste.", antwortete ihm der Polizist, der für die Spurensuche zuständig war.

„Der Täter könnte einen Schalldämpfer benutzt haben. So hätte Ayumi in diesem Falle nichts hören können.", vervollständigte eine Kinderstimme hinter ihm seinen Gedankengang.

„Ganz richtig, deswegen… w-warte mal…", stockte der Inspektor, drehte sich um und sah vier der Detective Boys vor der Eingangstür stehen.

„So ist es, nicht wahr, Herr Inspektor?", fügte Conan noch hinzu und gab ihm ein breites Lächeln.

„J-ja aber, was macht ihr Kinder denn hier?", sagte der Inspektor erstaunt, dann dachte er kurz nach und seufzte.

Jetzt machte für ihn alles einen Sinn. Die Kinder sind wirklich einfach unzertrennlich. War doch klar, dass auch noch sie auftauchen, jetzt wo einer ihrer Freunde angegriffen wurde. Das hätte man sich schon längst denken können. Doch jetzt gerade hat er keine Zeit dafür. Was ihn bisher brennend interessiert hatte, bestätigte sich für ihn genau in diesem Moment, wo Conan ohne zu zögern mit einem „Meine Güte, was ist das denn?" in die Wohnung an den Polizisten vorbei einfach so hineinspazierte, als wäre er eingeladen worden.

„Hey Conan, warte doch erst einmal.", rief der Inspektor ihm nach, aber da war es schon zu spät. Der kleine Nervbolzen hat sich schon an den Fall ran gemacht und studierte jetzt unentwegt das Opfer. Mal ehrlich, manchmal konnte er es nur zu gut nachvollziehen, warum der Schlafende Kogoro so viele Probleme mit ihm hat.

„Na so was! Da stimmt doch etwas nicht, oder?", rief dieser Rotzbengel oder Dreikäsehoch, oder wie Mori ihn sonst noch nannte, während er mit seinem Finger auf die Hand des Opfers zeigte.

„Hä, was denn?", antwortete der Inspektor mit einer Miene, so als würde er einfach mitspielen, was er schon unzählige Male gemacht hat und doch jedes Mal war der Fall an Erfolg auf ganzer Linie und endete jedes Mal mit der Festnahme des Täters und mit Lorbeeren des schlafenden Detektivs. Und auch dieses Mal erhoffte er sich, dass es sich nicht um eine Ausnahme handelte.

„Ja, seht doch mal genau hin, Herr Inspektor. Das Erste was mir hier auffällt, ist, wie seine Hand geformt ist. So, als würde das Opfer uns etwas damit sagen wollen.", berichtete Conan und ließ den Inspektor näher an die Stelle heran, um sich das Merkmal genauer anzusehen.

Drei ausgestreckte Finger also. Aber warum drei? War das der Täter oder das Opfer selbst? Conan runzelte die Stirn. Endlich hatte er weitere Hinweise erlangt, trotzdem reichte das noch lange nicht aus.

„Stimmt, du hast recht, das ist wirklich merkwürdig. Gibt es sonst noch Stellen, die dir aufgefallen sind, Conan?"

„Ja klar! Sehen Sie sich mal die Jacke an, fällt ihnen da nicht etwas auf?", antwortete Conan, so als würde er ihm die Hinweise auf einem Präsentierteller preisgeben.

„Hmm? Nein, ich sehe nichts.", bemerkte Mitsuhiko, der sich mit Ai unauffällig an den Polizisten vorbeigeschlichen hatte.

„Na, sieh doch mal genau hin. Die Nähte an der Jacke ist ziemlich locker, so als hätte jemand diese Person mit aller Kraft hierhergezogen oder geschleift.", antwortete Ai, die neben ihm stand.

„Oh ja, stimmt.", rief Mitsuhiko voller Erstaunen und drehte sich schlagartig zur Eingangstür um, als von dort ein wütender Aufschrei ertönte.

„Ich will doch auch nur mitgucken, lasst mich rein!", hörten sie einen aufgeregten Genta, der von den hier arbeitenden Polizisten zurückgehalten wurde.

„Jetzt beruhige dich doch, verdammt.", sagte einer der Polizisten, der ihn an den Armen packte und versuchte ihn aus der Wohnung hinauszubuxieren

„Meine Güte, doch gleich nicht alle zusammen. Ihr macht hier noch mehr Chaos, als es ohnehin schon ist.", rief Inspektor Megure und seufzte wieder.

„Also wirklich Genta! Jetzt hör schon auf mit dem Theater.", antwortete Mitsuhiko wütend.

„Aber sie lassen mich nicht rein! Das ist total unfair.", rief Genta, der sich gerade mit dem Polizisten darum stritt, wer von ihnen sich am längsten an die Nase des anderen ziehen kann.

„Ich glaube, wir sollten jetzt alle gehen, oder Herr Inspektor?", sagte Ai, während sie zu ihm hochschaute.

„Bitte tut das, ja? Es tut mir leid, aber wir stehen hier sowieso gerade unter Stress. Nehmt das alles also nicht persönlich.", entgegnete ihr der Inspektor, der sich mit einem Handtuch die Stirn abwischte.

„Nein, uns tut es leid. Wir machen Ihnen gerade nur unnötig Probleme.", entschuldigte sich Conan.

„Ach ja, ich hab da eine Idee. Leute, wie wär's wenn wir jetzt zu Ayumi gehen und bei ihr vorbeischauen, ob es ihr gut geht.", schlug Genta vor, noch bevor er dem Polizisten in den Schwitzkasten treiben konnte. Dieser hatte jedoch längst schon aufgegeben, da er den Geruch seiner Achseln nicht mehr ertragen konnte und wie eine leblose Puppe zu Boden glitt. Genta kümmerte es wenig, denn sofort nachdem er ihn losließ, rannte dieser schon nach unten auf dem Weg zu Ayumis Wohnung.

„Gute Idee, Genta. Kommt ihr beide, wir gehen schon mal zu Ayumi und sehen nach, wie es ihr geht. Wir können den Polizisten den Rest überlassen.", stimmte ihm Ai zu und zog Conan und Mitsuhiko, die beide ununterbrochen dagegen protestierten, an der Hand mit sich aus der Wohnung.

Der Inspektor sah ihnen nur noch nach und bedankte sich bei ihr dafür. Ai sah nur mit einem Lächeln zu ihm rüber, worauf er sich nachdenklich am Hinterkopf kratzte. Irgendwie erinnert mich ihre Sturheit an meine Ehefrau, dachte er sich und lächelte umso verlegener. Dann bemerkte er, dass ihn die Polizisten in der Wohnung anstarrten, bis einer von ihnen ganz plötzlich anfing zu lachen und alle anderen miteinstimmten, ganz zum Ärger vom Inspektor, der sie empört und betroffen anbrüllte, sie sollten sich verdammt noch mal an die Arbeit machen und nicht mit so etwas unnötig ihre Zeit verschwenden.

Während die vier Kinder die Treppe hinunterliefen, ließ ein Niesen sie kurz zögern. Da keiner von ihnen sich daran erinnerte genießt zu haben, sahen sie sich ein weiteres Mal um, bis sie den Detective Boys Remitter bemerkten, den Conan die ganze Zeit über bei sich hatte.

„Conan warte, der Remitter ist ja noch an. Es kommt wahrscheinlich von der anderen Seite des Hörers. Ayumi hat wahrscheinlich alles mitgehört.", bemerkte Ai.

„Ach so, ich hab's in aller Eile vergessen auszuschalten. Aber das bedeutet ja, dass ihr nichts Schlimmes passiert ist, oder? Na kommt schon Leute, je früher wir bei ihr sind, desto besser.", entgegnete ihr Conan und machte sich wieder auf den Weg. Als er am sechsten Stock ankam, bemerkte er, dass die Tür offen war, also konnte er und der Rest der Detective Boys in Ayumis Wohnung eintreten, wo…

„Pass auf, Conan!"

…seine Gedanken zurückkehrten und er gerade noch rechtzeitig merkte, dass er sich aus Versehen fast einen Kuss vom Laternenpfahl am Gehweg abgeholt hatte. Er verlor das Gleichgewicht und stürzte zu Boden.

„Au au au…"

Conan setzte sich auf und rieb sich den Hintern. Er hat sich zu sehr auf das konzentriert was am Tag davor passiert ist, dass er die Realität beinahe vergessen hatte.

„Seht ihr, Leute? Das hat man also davon, wenn man nicht genügend Schlaf bekommt.", sagte Ai, so als würde sie Conan als Beispiel nehmen für Dinge, die man nicht tun sollte. Genta und Mitsuhiko nickten dabei nur und gaben ihr zustimmende Laute von sich.

„Du bist mir ja 'ne tolle Hilfe, Haibara.", entgegnete er ihr sarkastisch mit genervter Miene.

„Naja, man tut was man kann.", sagte sie und lächelte ihn an, während sie ihm die Hand reichte und ihm zum Aufstehen half.

„Pah, du bist mir ja eine.", murmelte er ihr, während er mit den Augen rollte.

„Was, krieg ich denn kein Dankeschön? Wie unhöflich von dir.", fuhr sie mit ihrer Piesakerei fort.

„Ja, ja, dankeschön. Ich danke dir! Jetzt zufrieden?", rief er ihr entgegen.

„Mehr als genug, Herr Meisterdetektiv.", sagte sie und lächelte ihm unverschämt ins Gesicht, bevor sie sich den beiden anderen zuwandte.

„Genta und Mitsuhiko, kommt schon. Lasst uns weitergehen.", schlug sie vor.

„Alles klar.", sagte Genta und wollte schon weitergehen, aber Mitsuhiko zögerte. So nah sind sie sich und doch fühlte es sich an als gehörten sie nicht zu ihnen. Er sah sie beide an und konnte es nicht in Worte fassen, wie weit sie von ihm, Genta und Ayumi entfernt sind. Warum sind sie immer so nah beieinander? Warum werden sie immer aus allen Geheimnissen herausgehalten? Warum…

„Mitsuhiko, jetzt komm schon, steh nicht rum, dir wird sonst noch kalt.", rief Genta, der schon ein Stück gelaufen war und brachte Mitsuhiko wieder aus seinen eigenen Gedanken zurück.

„Ja, tut mir leid. Bin gleich da.", rief er zurück und holte seine Freunde auch bald wieder ein. Gemeinsam gingen sie den Weg weiter, bis sich letztendlich ihre Wege trennten.

„Also dann, wir sehen uns morgen, ja?", rief ihnen Conan zu, während er seinen Weg weiter mit Ai fortsetzte.

„Bis Morgen!", rief ihnen Genta.

Mitsuhiko sagte nichts, sondern sah ihnen nur noch nach.

„Was ist denn los, Mitsuhiko? Warum winkst du ihnen nicht nach oder verabschiedest dich wenigstens von ihnen?", fragte Genta ihn, als er sein besorgtes Gesicht sah.

„Mitsuhiko?", wiederholte Genta.

„Nichts… Es ist nur… Ich habe mich das schon lange vorher gefragt, aber… Als Ai uns damals als neues Mitglied der Detective Boys beigetreten war, da hatte ich… Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass ich nicht mit ihnen mithalten kann. So, als würden Welten zwischen uns stehen, verstehst du Genta?", antwortete Mitsuhiko nach einer kleinen Pause, während er zusah wie die beiden sich immer mehr von ihnen entfernten, bis sich ihre kleinen Körper hinter einer weiteren Straßenecke versteckten und somit nicht mehr zu sehen waren.

„Welten… Hätte nie gedacht, dass du so etwas mal sagen würdest. Sag mal, ist es wegen Ai oder was?", stichelte Genta mal wieder, worauf Mitsuhiko überrascht zur Seite sprang.

„W-w-wie kommst d-d-du den darauf, Genta?", stammelte Mitsuhiko, während er ganz rot im Gesicht wurde. Anscheinend hat er bei ihm doch noch einen wunden Punkt getroffen und nutzte diese Schwachstelle skrupellos aus.

„Magst du sie etwa?", sagte Genta mit einem mehr als breitem Grinsen, was ihm ohnehin schon mehr Angst bereitete. Jetzt ist er Feuer und Flamme.

„Was?! N-nein… also, ich meine, ja… nein so meinte ich das nicht… Ich…!", begann er, während er wie ein irrer mit den Händen fuchtelte. Dann nach einer kurzen Pause fand er endlich genug Selbstvertrauen, um ihm zu antworten.

„So ist das nicht… Ich meine nur, dass Conan und Ai irgendwie anders sind, verstehst du? Anders als wir. Es fühlt sich so an, als benehmen sie sich wie unsere Lehrer oder Eltern."

„Ach so? Ja, wenn du das so in Betracht ziehst. Ich denke, da ist was dran. Es kommt mir auch so vor, dass sie sich mehr verhalten, wie Erwachsene, die Kinder betreuen, wie im Kindergarten. Und wir sind die Kinder.", antwortete Genta und sah jetzt auch mit besorgter Miene die Straße hinunter, die Conan und Ai Minuten zuvor beschritten hatten.

Mitsuhiko blickte auf seine Hände, die mittlerweile schon eisig kalt geworden sind, weil er seine Handschuhe nicht dabeihatte. Dann schweifte er den Blick gen Himmel, der sich schon grau verfärbt hatte. Rot, Gelb und Grün gefärbte Blätter ließen sich von einem Windstoß treiben und flogen ganz dicht an ihnen vorbei, um den beiden den Höhepunkt vom Herbst deutlich zu machen.

„Und sie die Erwachsenen.", beendete Mitsuhiko seinen Satz.

„Ja.", stimmte ihm Genta zu.