Kapitel 2: Der Angriff

Der Tag schritt voran, und das Dorf Coralia und seine Umgebung erwachten immer weiter zum Leben. Die Sonne erhellte die kleinen Häuser und engen Gassen. Die Kinder lachten und spielten am Strand, während die Fischer ihre Netze flickten. Alte Freunde unterhielten sich in der Morgensonne, und überall war das Murmeln von Alltagsgeschäften zu hören. Die Dorfbewohner gingen ihren alltäglichen Tätigkeiten nach: Während einige Frauen Wäsche wuschen und Männer Holz hackten, in den Gärten arbeiteten oder Zäune reparierten. Die Luft war erfüllt vom Duft frisch gebackenem Brot und dem Klang fröhlicher Gespräche.

Fumihiro wischte sich den Schweiß von der Stirn, als er die letzte Kanne Wasser aus dem Brunnen hochzog. Takashi kletterte flink auf das Dach einer alten Dame, um die losen Ziegel zu befestigen.

Die Sonne stand hoch am Himmel, als plötzlich ein ohrenbetäubender Knall die friedliche Stille von Coralia zerriss. Der Knall erinnerte an den Abschuss einer Kanone und dröhnte in den Ohren. Fumihiro und Takashi blickten erschrocken auf, als sie eine dichte Rauchwolke aus der Mitte des Dorfes aufsteigen sahen, etwa zweihundert Meter entfernt. Die Schreie der Dorfbewohner hallten in der Luft wider, und Panik breitete sich aus.

"Was zur Hölle ist los?", rief Fumihiro, während er und Takashi in Richtung der Explosion rannten.

Dort sahen sie das erschreckende Ausmaß der Zerstörung. Eine Bande von Piraten war aus dem Nichts aufgetaucht und plünderte die Häuser. Die Piraten brachen Türen auf, durchwühlten Schränke und warfen alles von Wert in große Säcke. Möbel wurden umgestoßen, und alles, was nicht sofort nützlich war, wurde in Brand gesteckt. Die Piraten, grobschlächtig und furchteinflößend, trugen zerlumpte Kleidung, die von unzähligen Kämpfen gezeichnet war. Ihre Gesichter waren von Narben entstellt, und in ihren Augen funkelte eine kalte, gnadenlose Gier.

Der Anführer der Bande, ein Hüne von einem Mann mit verfilztem Bart und einem finsteren Grinsen, brüllte Befehle: 'Plündert alles! Lasst nichts und niemanden übrig!' Seine Stimme war heiser von unzähligen Kämpfen, und seine Augen funkelten. Er trug ein langes, schartiges Schwert, das er mit tödlicher Präzision führte. Um seinen Hals hing eine Kette aus goldenen Münzen, die im Licht der Flammen funkelten. Neben ihm stand eine Frau mit giftgrünen Haaren und einem gefährlichen Lächeln. Sie war bewaffnet mit zwei Kurzschwertern, die sie geschickt und schnell führte. Ihre Augen durchbohrten die Dorfbewohner mit einer Kälte, die Fumihiro erschaudern ließ. Hinter ihnen wehte ein Jolly Roger, dessen Totenkopf ein wild verfilzter Bart und ein Dreispitz zierten – das Ebenbild ihres Kapitäns.

Fumihiros nächster Gedanke war nun seine Familie. Er rannte zu seinem Elternhaus am Rand des Dorfes. Auf dem Weg dorthin sah er brennende Häuser, weinende Kinder und verzweifelte Dorfbewohner, die versuchten, das Unmögliche zu retten. Am Haus angekommen, stellte er fest, dass es in Flammen stand. Er rannte sofort hinein, um seiner Familie zu helfen. Drinnen sah er Rauch und Flammen, die sich durch die Wände fraßen. Seine Eltern und Geschwister versuchten, das Nötigste zu packen. Fumihiro half ihnen, indem er wichtige Dokumente und wertvolle Gegenstände schnell in eine Tasche warf.

Bevor er fertig packen konnte, hörte er den Schrei seiner Mutter. Er drehte sich um und sah durch das Fenster Piraten die mit Messern und Schwertern bewaffnet waren. Der Pirat, der den Schrei seiner Mutter ausgelöst hatte, war groß und muskulös, mit einem breiten, bösartigen Grinsen und tätowierten Armen. Die anderen Piraten, kleiner, aber genauso bedrohlich, hatten Narben im Gesicht und trugen zerlumpte Kleidung.

Fumihiro griff nach einem Besenstiel und stellte sich dem großen Piraten entgegen. Sein Herz klopfte wild, als er den Blick des Mannes auffing, der vor ihm stand, das Grinsen machte ihm Angst.

"Was zur Hölle wollt ihr hier?", schrie Fumihiro, seine Stimme überschlug sich vor Zorn. "Verschwindet sofort!"

"Das geht dich nichts an, Junge", sagte der große Pirat, das Grinsen breiter werdend. "Bleib, wo du bist, oder deine Familie bezahlt den Preis."

Die Piraten führten die Familie ab, und Fumihiros Blicke kreuzten sich mit denen seines Bruders. Er sah die pure Verzweiflung in seinen Augen. Dann zerschmetterte der große Pirat mit einem gekonnten Hammerschlag eine tragende Säule des Hauses. Das Gebäude begann, über Fumihiro zusammenzubrechen. Das Gewicht der Trümmer und das Knistern der Flammen überwältigten ihn. Panik breitete sich in Fumihiro aus. Sein Herz raste, und nur ein Gedanke beherrschte seinen Geist: Seine Familie. Was wird nur mit Ihnen passieren?

Maru rannte, so schnell er konnte, um Takashi zu holen. Takashi folgte dem Hund und fand seinen Freund unter dem brennenden Haus. Fumihiro spürte die Hitze der Flammen und das Gewicht der Trümmer auf sich, als er versuchte, sich zu befreien. Neben ihm hörte er Takashis angestrengtes Keuchen und sah, wie sein Freund mit blutenden Händen die Balken beiseite schob. "Ich lasse dich hier nicht zurück!", rief Takashi, während Maru bellend um sie herum sprang. Mit aller Kraft befreite er seinen Freund gerade noch rechtzeitig, bevor das Feuer sich weiter ausbreitete. Takashi war ebenfalls schwer verletzt – er hatte tiefe Schnittwunden am Arm und eine große Platzwunde am Kopf. Als Fumihiro befreit wurde, sah er Takashis verletztes Gesicht und die blutenden Wunden. Seine Gedanken rasten: Woher kamen diese Verletzungen? Was hatte Takashi durchgemacht? Doch es war keine Zeit, Fragen zu stellen – sie mussten die anderen Dorfbewohner retten.

Fumihiro und Takashi kämpften sich durch die Flammen, die Hitze war unerträglich. Sie zogen Dorfbewohner aus brennenden Häusern, ihre Hände verbrannt und blutig. Maru bellte unaufhörlich und half dabei, verschüttete Personen zu finden. Die Schreie der Verletzten und die verzweifelten Rufe nach Hilfe hallten durch das Dorf. Jeder Moment zählte, und die Freunde arbeiteten ohne Pause, trotz ihrer eigenen Verletzungen und Erschöpfung. Die Überlebenden wurden zu einem sicheren Ort am Rande des Waldes, weiter im Landesinneren, gebracht. Das Dorf stand in Vollbrand, und überall herrschte Chaos. Der Großteil der Bewohner waren entweder ermordet oder gefangen genommen wurden.

Die Piraten zogen Sie sich genauso schnell zurück, wie sie aufgetaucht waren. Ihre Schiffe verschwanden am Horizont, und das höhnische Lachen der Piraten hallte noch lange in Fumihiros Ohren. Es blieb nur das Chaos zurück. Fumihiro sah sich um und spürte eine tiefe Traurigkeit. Überall lagen Trümmer und Leichen, und der Rauch hing schwer in der Luft. Er wusste, dass das Dorf nie wieder dasselbe sein würde.