Hermine wusste, dass, wenn sie Ginny jetzt nicht aufhielt, ein Unglück geschehen würde. Sie musste irgendetwas sagen, das ihre Freundin besänftigen würde. Aber was? Konnte sie es wagen, ihr die Wahrheit zu sagen? In Sekundenschnelle entschied sie sich. »Am Tag der Schlacht. In der Kammer des Schreckens, nachdem wir einen Horkrux zerstört hatten.«

Die Freundin blieb abrupt stehen. Ginny sah sie völlig entgeistert an und schüttelte den Kopf. »Was für einen Eulenmist redest du da?«

»Das ist das, an was ich mich erinnere. Ich bin ich. Kein Vielsafttrank. Vertrau mir bitte. Ich erkläre es dir«, sagte Hermine leise mit zittriger Stimme. Sie hoffte, dass Ginny noch einen Rest Vertrauen in sie hatte. Wenn nicht, würde sie Ginny dazu bringen müssen, mit ihr zu Professor Dumbledore zu gehen, er könnte die Rothaarige mit Sicherheit beruhigen.

»Dann erklär!« Ginny verschränkte die Arme vor der Brust und sah Hermine forschend an. Sie hatte die Augenbrauen skeptisch in das Gesicht gezogen und blinzelte kaum.

Hermine bemerkte, wie die Freundin nach dem Zauberstab in ihrem Ärmel tastete. »Wenn der Raum der Wünsche noch heile ist, lass uns da hingehen«, bat sie. Das war vermutlich der beste Ort, an dem sie dieses Gespräch führen könnten.

»Warum sollte der nicht heile sein?«, fragte Ginny zweifelnd und kniff die Augen zu Schlitzen zusammen.

»Weil ich mich daran erinnere, dass da ein Dämonsfeuer gewütet hat«, sagte Hermine mit fester Stimme. Es beruhigte sie etwas, dass Ginny bereit schien, ihr zuzuhören.

»Was?!«

»Komm mit.« Hermine hoffte, dass Ginny ihr folgen würde, als sie sich auf den Weg in den siebten Stock machte. Sie drehte sich nicht um, um nach der Freundin zu sehen.

Sie ging dreimal vor der Wand auf und ab, sich einen Raum wünschend, in dem sie in Ruhe mit Ginny sprechen konnte. Die Rothaarige sah ihr skeptisch dabei zu, als die Tür in der Wand erschien. Hermine betrat den kleinen Raum, der neben zwei Sesseln und einem Tisch nur einen kleinen Kamin enthielt. Sie setzte sich in einen der Sessel und hoffte, dass Ginny ihrer stummen Einladung folgen würde.

Die Rothaarige setzte sich steif auf die Kante des zweiten Sessels und sah Hermine misstrauisch an.

»Ist es okay für dich, wenn ich am Ende meines sechsten Schuljahres beginne?«, fragte Hermine und sah Ginny angespannt an. Sie hoffte so sehr, dass sie ihr glauben würde. Und sie hoffte, dass es diesmal kein Fehler war, wenn sie ihre Freundin einweihte.

»Wozu soll das denn gut sein?«, antwortete Ginny skeptisch.

»Ich denke, es ist nötig, damit du alles verstehst. Ich werde dir erzählen, was seitdem alles passiert ist. Und es wird sich wirklich verrückt anhören, aber es ist das, an was ich mich erinnere, was ich erlebt habe.«

»Ich würde sagen, fang mal einfach an. Dann entscheide ich, ob es verrückt ist oder nicht.« Ginny verschränkte die Arme vor der Brust und hatte den Rücken durchgedrückt.

»Okay.« Die Brünette sammelte sich und atmete einmal tief durch. Im Geiste zählte sie bis drei und dann fing sie an zu sprechen. »Während meines sechsten Schuljahres hat Dumbledore mit Harry zusammen angefangen, nach den Horkruxen zu suchen und am Ende ist Dumbledore auf dem Astronomieturm gestorben.«

»Was soll Harry getan haben?! Und Dumbledores Tod war nur gespielt«, unterbrach Ginny sie brüsk. Sie schüttelte den Kopf und wollte aufstehen.

»In dieser Zeit, ja.«

»Was heißt 'in dieser Zeit'?!«, brauste Ginny auf und beugte sich ein Stück in ihrem Sessel vor, als wäre sie auf dem Sprung.

Hermine merkte, dass Ginny immer mehr an ihrem Geisteszustand zu zweifeln begann. »Wenn du mich einfach nur erzählen lassen würdest… Du kannst dann immer noch zu Dumbledore rennen und was auch immer tun. Vertrau mir bitte.« Hermine legte zum Zeichen, dass sie nichts Böses wollte, ihren Zauberstab mit dem Griff in Ginnys Richtung auf den Tisch.

»Ich versteh das alles hier nicht«, sagte die jüngste Weasley und sah verwundert auf Hermines Zauberstab. Immer wieder den Kopf schüttelnd sah sie zwischen dem Holz und ihrer Freundin hin und her. Dann setzte sie sich wieder grade hin.

»So kann ich dir nichts tun, ich bin unbewaffnet«, erwiderte die Brünette und zuckte die Schultern. »In meiner Erinnerung ist Dumbledore gestorben. Voldemort hat das Ministerium und Hogwarts eingenommen. Da Harry der Einzige war, der von den Horkruxen wusste, sind er, Ron und ich nach Bills Hochzeit losgezogen, um die restlichen Seelenteile zu suchen.«

»W-«

Hermine ließ Ginny gar nicht erst zu Wort kommen. »Du bist im September wieder nach Hogwarts gegangen und hast mit Neville zusammen den Widerstand im Schloss organisiert. Harry, Ron und ich sind geflohen. Wir sind im Ministerium und später auch bei Gringotts eingebrochen. Zwischendurch wurden wir einmal geschnappt und ich bin in Malfoy Manor gefoltert worden. Aber Dobby hat uns da raus geholt und ist dabei gestorben. Am ersten Mai sind wir nach Hogwarts gekommen. Im Raum der Wünsche war der letzte Horkrux versteckt. Am zweiten Mai fand die Schlacht statt. Dabei wurde das Schloss stark beschädigt. Wir haben gesiegt. Sehr viele Menschen sind an diesem Tag gestorben.« Sie hatte es einfach nur heruntergerattert, atmete nun tief durch und versuchte abzuschätzen, für wie verrückt Ginny sie jetzt hielt.

»Ich verstehe nicht, was du da alles erzählst. Das hört sich an wie aus einem schlechten Roman.« Ginny schüttelte heftig den Kopf und stand auf. »Warum denkst du dir so einen Schwachsinn aus?«

»Das habe ich erlebt.«

Ginny schnaubte und schüttelte den Kopf. »In deinen Träumen oder was?« Sie sah verächtlich auf Hermine hinab.

»Nein. Kein Traum. Für mich ist das wirklich passiert. Was für einen Grund hätte ich mir das auszudenken?«

»Ich weiß nicht, warum du mit hier jetzt so etwas Bescheuertes erzählen solltest, das ist so absurd! Und eigentlich wolltest du mich doch davon überzeugen, dass du du bist. Aber das…« Ginny sah Hermine unverständlich an.

»– ist so unglaubwürdig, dass ich mir, wenn ich nicht ich wäre, etwas glaubwürdigeres ausgedacht hätte?«, fragte Hermine und lächelte vorsichtig. Sie hoffte, Ginny mit diesem kleinen Trick überzeugen zu können.

Ginny sah Hermine mehrere stille Sekunden forschen an. »Schon irgendwie«, sagte sie dann zögernd. Sie setzte sich wieder hin und sah nachdenklich auf ihre Freundin.

»Es ist die Wahrheit. Nach der Schlacht bin ich mit zu deiner Familie. Das Schloss wurde dann wieder aufgebaut, damit im September wieder ein neues Schuljahr beginnen konnte. Ich hatte zu viele Fächer gewählt und Professor McGonagall bot mir an, einen Zeitumkehrer zu benutzen, damit ich nichts abwählen brauchte.« Hermine stockte kurz, sprach dann aber weiter. »Ich kam nicht damit klar, was ich im letzten Jahr alles erlebt hatte und weder Ron noch Harry wollten darüber sprechen. Als wir am ersten September wieder in Hogwarts waren, habe ich beschlossen, mir fast einen ganzen Tag zu nehmen, um zu versuchen alles zu verarbeiten. Das Schloss war wieder aufgebaut und ich wollte mir klar darüber werden, dass der ganze Schrecken endlich vorbei war. Ich suchte mir ein leeres Klassenzimmer und drehte den Zeitumkehrer einundzwanzig Mal. Aber anstatt die Zeit in Stunden zu drehen, so wie es geplant war, habe ich Jahre zurückgedreht.«

»Was?!« Ginny sprang entgeistert auf.

»Ich habe eine Zeitreise gemacht«, erklärte Hermine, »und die hat doch einiges verändert.«

»Aber, wie? Was? Ich versteh nicht!« Ginny wirkte völlig verwirrt und vergaß dabei, dass sie eigentlich misstrauisch war.

»Ich bin im Jahr 1977 gewesen.«

Ginny sah sie völlig unverständlich an und ließ sich wieder in ihren Sessel plumpsen.

Hermine konnte sehen, wie es im Kopf ihrer Freundin anfing zu arbeiten. »Ich bin zu Dumbledore gegangen und der hat mit einem Freund gesprochen, der Zeitreisen erforscht. Er sagte mir dann, man müsse mich sofort zurückholen, weil schon alleine meine bloße Anwesenheit eine Menge in der Vergangenheit ändern kann. Bei meiner Rückkehr hätte ich eigentlich auch zwanzig Jahre älter sein sollen. Man würde mich zurückholen, aber es würde für meinen Körper sein, als hätte ich diese zwanzig Jahre verlebt.«

»Du hättest vierzig Jahre alt sein sollen? Wieso bist du es nicht?« Ginnys Augen waren vor Verwunderung inzwischen riesengroß.

Hermine musste schmunzeln. Ginny schien so verwirrt, dass die Zeitreise selbst, neben dem Aspekt, dass Hermine vierzig Jahre alt hätte sein sollen, völlig unterging. »Es kam die Idee auf, dass diese Zeitreise vielleicht vorherbestimmt war. Also wurde ich nicht sofort zurückgeholt. Ich habe etwas mehr als drei Monate im Jahr 1977 verbracht. Ich bekam dann einen Zeitumkehrer, mit dem ich vorwärts reisen konnte und so wieder am ersten September in dieser Zeit landen konnte. Vermutlich hängt es damit zusammen, dass ich wieder einen Zeitumkehrer benutzt habe.«

»Was?« Ginny war immer noch wie vor den Kopf geschlagen. Sie schüttelte den Kopf in der Hoffnung, ihren Verstand damit etwas zu klären.

»Wir haben dann festgestellt, dass meine Zeitreise doch nicht vorherbestimmt war, weil sich doch ein paar Dinge geändert hatten«, erklärte Hermine abschließend und gab der Freundin dann Zeit, die ganzen Informationen sacken zu lassen.

»Du warst im Jahr 1977?«, fragte Ginny ungläubig, um sich zu sortieren.

»Ja.«

»Für ein paar Monate?«

»Ja.«

»Und dadurch hast du Dinge verändert?«

»Ja.«

»Das… das klingt so… aber irgendwie erklärt das auch eine ganz Menge…«, sagte Ginny matt und ließ sich in ihrem Sessel zurückfallen. »Und du lügst mich jetzt auch nicht an, weil du glaubst, dass es so unglaubwürdig ist, dass ich es wieder glaube?«

»Es ist die Wahrheit. Ich bin dort zur Schule gegangen. Im siebten Jahrgang von Gryffindor. Dadurch, dass mich deswegen viele Menschen gesehen haben, hat sich die Zukunft, meine Vergangenheit, geändert« sagte Hermine. Dann fügte sie erleichtert hinzu: »Ich bin aber so unheimlich froh, dass ich nichts an Voldemorts Tod geändert habe.«

Ginny riss die Augen auf und setzte sich gerade hin. »Das hätte passieren können?«, fragte sie erstaunt.

»Ja, ich hätte alles verändern können. Weil ich wusste, was diese Menschen in den nächsten Jahren alles erleben würden. Schließlich kannte ich die Zukunft. Und es war unglaublich schwer, es nicht zu tun. Und wie gerne hätte ich es getan.«

»Der erste Aufstieg von Voldemort…«, flüsterte Ginny nachdenklich.

»Ja…«, murmelte Hermine.

»Du hättest das ändern können!«, sagte Ginny laut. »Du hättest Harrys –«

»Ich durfte nicht! Niemand darf das! Ich hätte es auch viel schlimmer machen können, wenn ich versucht hätte, es zu verändern! Das ist viel zu gefährlich! Was meinst du, wie gerne ich Harrys Eltern gerettet hätte!«, sagte Hermine verzweifelt. »Sie waren meine Freunde… und ich wusste, dass sie sterben würden. Was meinst du, wie ich mich deswegen fühle? Ich habe sie sterben lassen…«

»Harrys Eltern?«, fragte Ginny verwirrt.

Hermine lief eine einzelne Träne die Wange hinunter. »Es war ihr Abschlussjahr. Ich habe mir einen Schlafsaal mit Lily Evans geteilt. Und mit Nevilles Mutter, Alice. Ich hätte sie so gerne gewarnt. Sie alle! Aber das Risiko, dass ich es schlimmer mache, war viel zu groß. Deswegen konnte ich weder Alice, noch James und Lily, oder Sirius retten. Dabei wollte ich es so sehr.«

»Was? Aber –«, Ginny brach irritiert ab und schüttelte kurz den Kopf, um sich zu sammeln. »Du hast Harrys Mum kennengelernt?«

»Ja… die ganze Clique.«

»Und du hast überlegt, sie ALLE zu retten?«, fragte Ginny nach und beugte sich vor. Sie sah ihr gegenüber forschend an.

»Ja.« Hermine runzelte die Stirn. Warum betonte Ginny es so? Was entging ihr hier? Hatte sie doch noch mehr verändert? Konnte es sein, dass…?

»Sie sind in deiner Erinnerung alle tot?«, fragte Ginny kryptisch.

»Ja…«, sagte Hermine zögernd. Die Frage von Ginny verwirrte sie. »Bis auf Alice, sie und ihr Mann liegen im Sankt Mungos auf der Station für Langzeitfluchfolgen.«

»Sie sind nicht alle tot«, sagte Ginny und sah Hermine ruhig an.

»Was?!« Hermine war wie erstarrt. Kein Muskel in ihrem Körper rührte sich. Sie musste Ginny falsch verstanden haben. Angespannt wartete sie auf die Antwort. Sie blinzelte noch nicht einmal, um bloß keine von Ginnys Reaktionen zu verpassen.

»Nur Harrys Mum ist tot. Sie ist an Halloween 1981 gestorben. Sein Dad lebt.«

»James lebt?!«, fragte Hermine erschüttert und konnte nicht glauben, was sie da gerade hörte. Die Tränen stiegen ihr in die Augen und ihre Kehle wurde eng. Panisch schnappte sie nach Luft. Sie begann zu zittern. »Wie?«, krächzte sie, weil ihr die Stimme wegbrach.

»Sein Dad war nicht zu Hause, als Voldemort kam. Er war mit dem Orden bei den Longbottoms. Harry erzählte mal, dass der Orden einen Hilferuf von Nevilles Eltern bekam, dass sie von Todessern angegriffen wurden. Ihnen ist nicht viel passiert und einige der Todesser konnten festgenommen werden. Sie hatten den Auftrag, Neville zu entführen. Und dann hat Voldemort Harrys Mum getötet und wollte ihn töten.«

Das konnte nicht sein! Sie hatte viel mehr geändert, als sie und Dumbledore gedacht hatten. Warum hatte sie nicht genauer nachgefragt? 'Weil du gedacht hast, es wäre so, wie es sein sollte und es nicht noch mal hören wolltest, dumme Nuss', dachte sie zynisch und schalt sich eine Närrin. Hätte sie sich doch bloß zusammengerissen und länger mit Dumbledore gesprochen. »Wer war Geheimniswahrer?«, fragte Hermine aufgeregt.

»Pettigrew, diese Ratte«, sagte Ginny verächtlich und schnaubte.

»Was ist mit ihm passiert?«, wollte Hermine wissen und lehnte sich begierig nach vorne.

»Er ist verschwunden. Ein paar Jahre später kam raus, dass er sich als Ratte bei uns eingenistet hatte. James hat ihn erkannt, als er und Harry Weihnachten mal bei uns waren. Er hat dann den Kuss des Dementoren bekommen.« Ginny schüttelte sich kurz.

»Ich gehe davon aus, Sirius war nie in Askaban?«, fragte Hermine nervös.

Ginny sah ihre Freundin irritiert an. »Nein, wieso?«

»Es war so: Peter war der Verräter. James und Lily tot. Sirius hat Peter gejagt. Peter hat dann eine Straße in die Luft gesprengt, sich selbst einen Finger abgeschnitten und verwandelt. Sirius stand dann inmitten von zwölf Toten, als die Auroren kamen. Niemand wusste, dass Peter der Geheimniswahrer war. Alle dachten, es wäre Sirius gewesen – der Geheimniswahrer, der die Potters verraten hätte und Peter und die anderen zwölf Menschen in die Luft gejagt hätte«, erklärte Hermine.

»Krass!«, rief Ginny staunend und ihr blieb der Mund offen stehen.

»Bedeutet das, du glaubst mir also?«, fragte Hermine.

»Schon irgendwie. Das klingt alles viel zu verrückt, um nur ausgedacht zu sein«, sagte die Rothaarige. Sie zuckte verlegen lächelnd mit den Schultern.

Hermine fiel ein riesiger Stein vom Herzen. Ginny glaubte ihr und jetzt hatte sie auch jemanden, mit dem sie über die Unterschiede sprechen konnte. Sie stand auf und nahm Ginny fest in die Arme. »Danke!«, hauchte sie erleichtert und glücklich.

»Willst du Harry und Ron auch von deiner Zeitreise erzählen?«, fragte Ginny und sah Hermine an.

Die Brünette setzte sich wieder und schüttelte den Kopf. »Ich wollte es erst tun. Ich wollte Harry von seinen Eltern erzählen. Aber Dumbledore meinte, es wäre besser, wenn ich niemandem etwas von meiner Zeitreise erzähle, weil es schwer zu begreifen ist. Und wie wir grade festgestellt haben, hat er recht.«

»Oh ja! Das ist es!« Ginny grinste sie verschwörerisch an. »Aber dann sollten wir deine Erinnerung mal auffrischen.« Ginny zwinkerte ihr zu. »Mein Bruder hat dich an Weihnachten letztes Jahr im Garten am Grimmauldplatz geküsst, seitdem seid ihr ein Paar«, sagte Ginny und zog die Beine auf die Sitzfläche ihres Sessels.

»Gut zu wissen«, murmelte Hermine. »Was sollte ich noch wissen?«

»Wir haben niemals einen der Horkruxe zu Gesicht bekommen und wissen auch nicht, was für Gegenstände es waren.«

»Sei froh, ich habe die Scheißteile sogar zerstört«, murmelte Hermine abwesend.

Ginny stutzte kurz, überging es dann aber vorerst. »Harry und ich sind ein Paar.«

»Das war auch schon in meiner Erinnerung so«, sagte Hermine lächelnd.

»Oh gut. Das hast du dann nicht verändert. Danke!« Ginny grinste sie schelmisch zwinkernd an.

»Das ist nicht witzig, Ginny!«

»Aber Spaß macht es trotzdem! Es ist total aufregend! Was hat sich denn alles zu deiner Erinnerung verändert?«, fragte die Rothaarige dann.

Hermine strich sich seufzend über das Gesicht. »Im Prinzip das, was du mir vorhin alles nicht glauben wolltest. Und unsere Schuljahre sind anscheinend entspannter abgelaufen, als ich es in Erinnerung habe. In jedem Jahr hatten wir auf die eine oder andere Art und Weise mit Voldemort zu tun.«

»Wirklich?«

»Ja. Nur das siebte Jahr ist ganz anders abgelaufen. Wir waren zu dritt auf der Flucht. Harry, Ron und ich. Wir sind ins Ministerium eingebrochen, um einen Horkrux zu stehlen. Ebenfalls in Gringotts, einer war im Verlies von Bellatrix Lestrange.« Hermine wurde blass, als sie daran zurückdachte. Sie hatte immer noch keine Zeit gehabt, es richtig zu verarbeiten. Aber sie hatte das Gefühl, dass es inzwischen Jahre zurücklag.

»Du hast vorhin erwähnt, dass du gefoltert wurdest«, sagte Ginny leise und zögernd und sah Hermine mitleidig an.

»Ja… Ich –«, Hermine brach ab. Sie konnte es kaum in Worte fassen und es schnürte ihr die Kehle ab. Unbewusst rieb sie sich über das Brustbein, wo die Zauber sie damals getroffen hatten.

»Ist schon gut. Du musst nicht darüber reden. Aber wenn du jemanden brauchst, ich bin da«, sagte Ginny einfühlsam. »War es das, weswegen du alleine im Schloss sein wolltest?«

»Ja. Auch… eigentlich wegen allem, was in dem Jahr passiert war. Ich hatte noch nicht wirklich begriffen, dass es endlich vorbei war.« Hermine atmete durch. »Vielleicht erzähle ich dir irgendwann davon. Nur nicht heute.«

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