Die beiden Mädchen saßen einige Zeit schweigend da und hingen ihren eigenen Gedanken nach. Hermine versuchte die Gedanken an ihr eigenes siebtes Schuljahr zu verdrängen.

Ginny dachte darüber nach, was sie gerade alles erfahren hatte. »Was hast du alles in der Vergangenheit erlebt? Wie waren die so als Schüler?«, fragte sie dann neugierig in die entstandene Stille.

Hermine nahm den Faden dankbar auf. »Es war… ich kann das gar nicht beschreiben. Lily war toll. Sie war unglaublich freundlich und ich habe sie vom ersten Tag an gemocht. Alice war ein bisschen verrückt. Sie hat sich ständig überall eingemischt und hatte immer irgendeinen Spruch parat«, sagte sie wehmütig lächelnd. »Es ist schade, dass ich ungewollt so viel geändert habe, aber das Schicksal der beiden sich nicht geändert hat. Ich hätte sie gerne noch mal wiedergesehen.«

»Haben Harrys Dad und Sirius wirklich so viel Mist gebaut?«

»Während ich da war, eher weniger«, sagte sie. »Aber sie waren schon ein bisschen chaotisch und so. Lily mochte die beiden gar nicht. Ich habe miterlebt, wie sie sich in James verliebt hat.«

Ginny bekam ganz große Augen, als Hermine das erzählte. »Wahnsinn! Harrys Dad hat erzählt, dass Harrys Mum ihn am Anfang nicht leiden konnte.«

Hermine lächelte, als sie daran dachte. »Ja. An meinem ersten Tag dort hat sie mir gesagt, ich solle mich bloß von Potter und Black fern halten, weil sie Idioten wären.« Hermine lächelte gedankenversunken. »Irgendwann hat sie ihre Meinung ein bisschen geändert und den beiden erzählt, dass sie doch gar nicht so schlimm wären, wie sie immer gedacht hatte.«

»Und dann?« Ginnys Augen glänzten vor neugieriger Erwartung.

»James meinte, wenn Lily sich ernsthaft bei ihm entschuldigen wolle, müsse sie mit ihm zusammen nach Hogsmeade gehen. Lily hat ihn dann der Erpressung beschuldigt, ist dann aber tatsächlich mit ihm ausgegangen.«

Ginny brach in schallendes Gelächter aus. »Das ist der Hammer!«

»Sie war dann am Morgen ihrer Verabredung tierisch nervös. Es war wirklich süß.« Hermine grinste bei der Erinnerung daran.

Ginny grinste ebenfalls. Dann fiel ihr noch etwas ein. »War Sirius wirklich so ein Casanova, wie Harrys Dad immer erzählt?«, fragte sie, lehnte sich etwas vor und wackelte mit den Augenbrauen.

»Ich… äh… keine Ahnung«, sagte Hermine und wich dem Blick ihrer Freundin aus. Sie spürte, wie ihre Wangen heiß wurden.

»Du musst doch was mitbekommen haben!«, sagte Ginny empört. »Warte mal! Wieso wirst du rot? Hat er dich etwa auch angegraben?«

»Ginny!«

»Jetzt sag schon!« Ein erwartungsvolles Grinsen schlich sich auf das Gesicht der Rothaarigen.

»Ja…«, brummte Hermine und sah ihre Freundin immer noch nicht an.

»Ist das irre!«, quietschte Ginny und klatschte einmal in die Hände. Sie hüpfte neugierig auf ihrem Sessel herum.

»Hör auf, Ginny«, bat Hermine beschämt. »Niemand wusste, dass ich aus der Zukunft kam. Für sie war ich Jean Grant, die Neue aus Amerika.«

Ginny wurde ruhig und nachdenklich. Sie zog die Augenbrauen zusammen und sah Hermine aus schmalen Augen an. »Jean? Wirklich Jean? Jetzt versteh ich das!«, rief sie plötzlich.

Hermine sah auf. Ginny starrte auf einen Punkt hinter ihr an der Wand. »Was verstehst du?«

»Als wir das erste Mal alle zusammen Weihnachten gefeiert haben… das war… ich war in der vierten Klasse, glaube ich. Der Orden war gerade frisch reaktiviert und das Haus am Grimmauldplatz war das Hauptquartier. Da warst du auch bei. James hat dich mal 'Jean' genannt. Ich habe mich total gewundert, warum er dich mit deinem Zweitnamen anredet. Und dann hat Sirius ihm auch noch eine Kopfnuss verpasst.«

»Wie bitte?« Hermine sah Ginny verwundert an. James hatte sie erkannt. Das könnte zu einem Problem werden. Vielleicht sollte sie mit Dumbledore darüber sprechen.

»Ja, was mich jetzt noch wundert, ist Sirius' Reaktion«, sagte Ginny nachdenklich.

Hermine überging den letzten Satz, sie wunderte es kein bisschen. »Ich habe ihn also an Weihnachten in meinem fünften Jahr kennengelernt? Nicht früher?«

»Nein. Das war das erste Mal, dass du mit uns Weihnachten gefeiert hast. Die Jahre vorher warst du immer zu Hause«, sagte Ginny und sah Hermine skeptisch an. »Es sei denn, wir zählen die kurze Begegnung beim Finale vom Trimagischen Turnier dazu, dann da.«

Natürlich, wenn Sirius nicht in Askaban gewesen war, hatten sie und Harry ihn auch nicht in ihrem dritten Schuljahr retten können. »Weißt du, wen Harry und ich in unserem dritten Schuljahr gerettet haben?«, fragte sie.

»Hä? Wie 'gerettet'?«

»Ich hatte doch den Zeitumkehrer. Und damit haben wir Seidenschnabel und Sirius gerettet. Er war in dem Jahr aus Askaban ausgebrochen und die Wahrheit über Peter ans Licht gekommen.«

»Es irritiert mich, dass du ihn Peter nennst«, sagte Ginny und verzog das Gesicht. »Und soweit ich weiß, hast du niemanden gerettet. Ich wusste ja nichtmal, dass du einen Zeitumkehrer hast.«

»Er war drei Monate mein Mitschüler. Und er war so ruhig und schüchtern. Ich konnte gar nicht verstehen, dass er irgendwann zum Verräter werden würde«, sagte Hermine nachdenklich.

»Hättest du den nicht wenigstens aus dem Weg räumen können?«, fragte Ginny verächtlich.

Hermine warf der Freundin einen strafenden Blick zu. »Nur weil Harry den Schutz seiner Mutter hatte, konnte er Voldemort überleben«, sagte sie streng. »Es hat ewig gedauert, bis ich das eingesehen hatte. Aber nur dadurch konnte er ihn besiegen. Wenn ich das geändert hätte… ich will mir nicht vorstellen, was dann alles passiert wäre. Und glaub mir, ich habe ständig mit mir gerungen, doch etwas zu sagen. Ich wollte sie so gerne retten, aber das hätte alles verändert. Wenn Voldemort 1981 nicht geschwächt worden wäre… Nein, das will ich mir nicht vorstellen!«

»Ich versteh dich ja irgendwie, Mine«, sagte Ginny mitfühlend und griff nach ihrer Hand.

»Ich wollte sie alle so gerne retten«, sagte Hermine tränenerstickt und wischte sich über die Wangen. »Es ist schon ein Wunder, dass James diesmal überlebt hat. Wenigstens er, so musste Harry nicht zu den bescheuerten Dursleys!«, sagte sie und baute sich damit selbst ein bisschen auf.

»Sie leben doch alle. Bis auf Lily und na ja… irgendwie auch Nevilles Mum und Dad«, flüsterte Ginny und ließ Hermines Hand los.

»Was, alle?« Hermine sah Ginny erschrocken an. 'Alle, wie in 'wirklich alle'?' Wie viel, bitte schön hatte sie denn verändert? Hermine versteifte sich und wartete angespannt auf die Antwort.

»Ja. James, Sirius und Remus«, sagte Ginny locker, beobachtete aber jede Reaktion von Hermine.

»Er lebt?«, flüsterte die Brünette abwesend und Ginny hatte Schwierigkeiten sie zu verstehen.

»Wer ist 'er'?«, fragte sie für ihr Verständnis nach.

»Was? Ich… Oh Merlin!« Hermine sprang angespannt auf. »Wer ist gestorben, als wir in der Mysteriumsabteilung waren?«, fragte sie hektisch.

»Was?«, gab Ginny verwirrt zurück.

Hermine lief aufgeregt durch den kleinen Raum. »Wer, Ginny?«, wollte sie lauter wissen.

»Irgendwer vom Orden. Sturgis… Pos-por-pod… Pod-irgendwas. Keine Ahnung, wie der hieß«, antwortete Ginny verwirrt von Hermines Verhalten.

»Sturgis Podmore«, murmelte Hermine und plumpste zu Boden, als ihre Knie nachgaben, weil die Anspannung plötzlich aus ihrem Körper gewichen war. Sie zog die Beine an und legte ihren Kopf auf die Knie.

»Wieso? Was ist los, Hermine?«, fragte Ginny. Sie verstand nicht, was ihre Freundin so sehr aufwühlte.

»In meiner Erinnerung war es Sirius«, sagte sie und atmete zitternd aus. Sie schloss die Augen, um diese neue Information sacken zu lassen.

»Wieso regt dich das so auf?«, fragte Ginny sachlich.

»Ich… ich… dachte, ich wäre schuld daran«, antwortete Hermine leise.

»Wieso solltest du schuld daran sein?«

»Ich habe gedacht, dass er mich erkennt und dann bei dem Kampf in der Mysteriumsabteilung vielleicht abgelenkt ist. Er und Remus waren die Einzigen, die noch lebten und mich hätten erkennen können.«

Ginny begann zu verstehen, was Hermine so zu schaffen machte. »Er hat dich diesmal sogar da raus geholt. Er wollte dich unbedingt in Sicherheit bringen. Jetzt versteh ich auch irgendwie wieso… wenn er und James dich erkannt haben.«

»Genau deswegen. Also, ich habe dir doch vorhin erzählt, dass Croaker sich nicht sicher war, ob meine Reise vielleicht vorherbestimmt war.«

»Croaker?«, fragte Ginny verwirrt von dem plötzlichen Themenwechsel.

»Der Zeitreiseforscher. Okay. Also ich wusste, dass Sirius in der Mysteriumsabteilung sterben würde. Und ich bin irgendwann von den Todessern ausgeknockt worden. Und Sirius ist durch den Bogen in dieser hohen Halle gefallen. Und ich hatte mich irgendwann gefragt, was wäre, wenn er mich bei unserer ersten Begegnung wiedererkannt hätte und dann vielleicht abgelenkt gewesen wäre, weil ich nicht da war, sondern bewusstlos bei Luna und dir war und er deswegen nicht aufmerksam genug wäre oder so.«

»Deswegen hast du gedacht, es wäre deine Schuld gewesen?«, hakte Ginny nach.

»Ist doch denkbar, oder? Wenn die Zeitreise vorherbestimmt gewesen wäre…«, fragte Hermine und sah Ginny hoffnungsvoll an. Aber sie wusste nicht, ob sie sich wünschte, dass Ginny ihren Gedankengang bestätigte oder dementierte.

»Na, ja… vielleicht«, sagte Ginny nachdenklich.

»Remus ist auch nicht tot?«, fragte Hermine das Thema wieder wechselnd.

»Nein, er lebt. Wann ist er gestorben?«, wollte Ginny wissen.

»In der Schlacht. Zusammen mit Tonks. Sie waren verheiratet und hatten einen Sohn«, erklärte Hermine.

»Tonks ist in der Schlacht gestorben. Sie waren verheiratet. Aber sie hatten kein Kind.«

Teddy war nicht geboren worden? Ihre Zeitreise hatte so viel verändert, dass es Teddy nicht gab? Es tat ihr wahnsinnig leid, dass es so gekommen war. Das einzig Gute daran war, dass Remus nicht wusste, dass er mal einen Sohn gehabt hatte.

»Remus hatte wirklich einen Sohn?«, fragte Ginny überrascht nach.

»Teddy, ein Metamorphmagus, wie seine Mutter.«

»Krass!«, staunte Ginny.

»Was ist mit Fred?«, fragte Hermine dann leise, als ihr einfiel, dass Ginny ihren Bruder damals verloren hatte.

Ginnys Blick verdüsterte sich und ihre Augen fingen an, feucht zu glänzen. »Wenn du so fragst, dann hat sich das wohl nicht geändert…«, sagte sie leise.

»Es tut mir leid, Ginny«, flüsterte Hermine mitfühlend. »Ich will gar nicht fragen, aber noch jemand?«

Ginny schüttelte den Kopf. »Nur noch Dennis Creevy. Alle anderen kannte ich nicht.«

Hermine nickte und sagte dann: »Lavenders Schicksal hat sich dann wohl geändert. Sie wurde von Greyback angefallen.«

Ginny sah Hermine dankbar lächelnd an. Dann straffte sie die Schultern und verkündete: »Also James, Sirius und Remus haben überlebt, obwohl du nichts getan hast, damit es so kommt. Das ist doch gut, oder?«

»Ich… keine Ahnung.« Sirius lebte. Sie konnte es gar nicht glauben. Was bedeutete das jetzt? Sie war völlig verwirrt. Das war so nicht vorgesehen. Sie hatte sich ständig versucht einzureden, dass es okay war, dass sie ihn nie wieder sehen würde und jetzt war er doch nicht tot. Sie wusste nicht, wie sie damit umgehen sollte. Sie hatte ihm gesagt, dass sie zwanzig Jahre älter sein würde, wenn sie zurückkäme. Aber überraschender Weise war sie es nicht. Und warum hatte er noch nicht versucht, sie zu erreichen? Er hatte doch gewusst, wann sie zurück sein würde.

»Okay, und jetzt wieder zum Klatsch und Tratsch! Sirius hat dich echt angebaggert?«, fragte Ginny mit leuchtenden Augen.

»Ginny!«, rief Hermine empört.

»Sag schon, wie war das?« Ginny wackelte mit den Augenbrauen und strahlte Hermine an.

»Wie soll das schon gewesen sein? Ich wusste, dass er der Pate meines besten Freundes ist«, sagte Hermine ausweichend.

»Ja, und?«, fragte die Rothaarige neckend und fuchtelte mit den Händen in der Luft herum, um Hermine zum Reden zu animieren.

»Ginny!«

»Was denn? Du hast doch gesagt, dass du davon ausgegangen bist, dass du älter sein wirst, wenn du zurückkommst. Und ihr wart gleich alt. Hast du deswegen mit Ron Schluss gemacht? Weil du dich an den Gedanken gewöhnt hast, zwanzig Jahre älter als er zu sein?«

»Ich… habe während dieser Zeit einfach festgestellt, dass ich Ron nicht so vermisse, wie ich es sollte. Ich habe festgestellt, dass… er mehr ein Bruder, als ein Partner ist«, sagte Hermine langsam.

»Und das ist alles?«, sagte Ginny und wirkte tatsächlich ein bisschen enttäuscht. »Du hast nicht mit Sirius geflirtet? Ich hab mal Bilder gesehen, als er jung war«, sagte Ginny verschwörerisch. »Er sah schon damals wirklich gut aus.«, Sie hatte die Stimme gesenkt und kicherte.

»Verdammt, Ginny! Ich dachte, er wäre tot, wenn ich zurückkomme. Da war das völlig unerheblich, dass ich bei meiner Rückkehr in seinem Alter wäre und außerdem war ich mit deinem Bruder zusammen«, sagte Hermine inzwischen rot angelaufen. Sie betete, dass Ginny das Thema endlich fallen ließ.

»Oh, stimmt«, sagte die Rothaarige nüchtern. »Warum bist du dann wieder rot?«, fragte sie erneut neugierig.

Hermine schloss die Augen. »Du bist genauso sensationslüstern wie Alice.«

»Nevilles Mutter?«

»Ja. Sie war genauso anstrengend wie du grade.« Hermine seufzte theatralisch auf. »Wollte alles wissen und war dabei tierisch nervig, wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt hatte.«

»Du weichst mir aus.« Ginny wackelte mit den Augenbrauen und setzte sich jetzt zu Hermine auf den Boden.

»Du hast nach Alice gefragt!«, empörte Hermine sich.

»Ja, aber auch nur, weil du mich mit ihr vergleichen hast. Wir waren bei Sirius. Also?«, forderte Ginny grinsend, als hätte sie den Schnatz in nur zwei Sekunden gefangen.

Hermine seufzte ergeben und schüttelte den Kopf. »Ich schwöre es dir, wenn du hiervon zu irgendwem auch nur ein Sterbenswörtchen sagst oder irgendwelche bescheuerten Andeutungen machst, dann hex ich dich ins nächste Jahrtausend«, meinte sie streng.

Ginny bekam große Augen und nickte eifrig. »Versprochen!« Sie rutschte näher zu Hermine und sah sie ganz aufgeregt an.

»Du bist echt unmöglich«, jammerte Hermine und Ginny kicherte. »Er hat vom ersten Tag an mit mir geflirtet. Und ja, er sah wirklich gut aus und war dabei absolut charmant.«

»Charmant… ernsthaft? Nur charmant?«, fragte Ginny skeptisch und zog eine Augenbraue hoch.

»Er war so charmant, dass er es mir wirklich schwer gemacht hat, ihn abblitzen zu lassen«, erzählte Hermine beschämt.

»Wirklich?«, kicherte Ginny. »Und?«

»Er hat nicht locker gelassen«, gab Hermine zu.

»Muss ich dir alles aus der Nase ziehen?«, meckerte Ginny und boxte Hermine spielerisch gegen die Schulter.

»Ich konnte ihm irgendwann nicht mehr widerstehen, Ginny«, flüsterte Hermine leise und wurde dabei rot.

»Was?«, quietschte Ginny aufgeregt.

»Ich habe mich in ihn verliebt«, murmelte Hermine leise und Ginny schlug sich mit großen Augen die Hände vor den Mund.

»Krass!«, flüsterte sie.

»Das war völlig anders als das, was ich mit Ron erlebt habe…«, sagte Hermine und sah ihre Freundin entschuldigend an.

Ginny winkte bloß ab. »Mein Bruder in allen Ehren, aber ich habe mich immer gefragt, warum du mit ihm zusammen bist. Ich meine, ich hätte mich riesig gefreut, wenn du irgendwann Teil der Familie geworden wärst, aber meiner Meinung nach habt ihr nicht richtig zusammen gepasst.«

Hermine riss erstaunt die Augen auf. »Warum hast du nie was gesagt?«

»Weil du glücklich warst – schienst – wie auch immer. Ich wollte mich da nicht einmischen.« Ginny zuckte die Schultern. »Also du und Sirius, ja?«, fragte sie dann grinsend.

»Irgendwie schon«, murmelte Hermine und schloss die Augen.

»Wie war das so?«, fragte Ginny verschwörerisch lächelnd. »Wie hat er dich rumgekriegt?«

»Eigentlich war das sogar ziemlich verrückt, wenn ich so darüber nachdenke«, meinte Hermine nachdenklich.

»Schieß los!«

»Willst du noch eine Flotte-Schreibe-Feder haben?«, maulte Hermine.

»Quatsch! Erzähl!« Ginny rückte noch ein Stück näher zu Hermine.

»An meinem zweiten Tag hat er mir das Schloss gezeigt. Wusstest du, dass es im Schloss Knuddelmuffs gibt, oder gab? Ich weiß gar nicht, ob sie noch immer da sind«, erzählte Hermine und hoffte, dass Ginny sich davon ablenken lassen würde.

»Knuddelmuffs?«, fragte Ginny begierig. »Halt! Nein, das merke ich mir für später! Du versuchst nur abzulenken.« Ginny versuchte Hermine ernst anzusehen, aber schnell stahl sich wieder ein Lächeln auf die Lippen der Rothaarigen.

Hermine seufzte. »Na gut… am Ende der Tour hat er mich das erste Mal geküsst.«

Ginny riss die Augen auf. »Hast du nicht grade noch gesagt, dass du ihn hast abblitzen lassen?«

»Ja. Ich habe ihm dann gesagt, dass ich einen Freund habe. Aber er hat nicht locker gelassen. Komplimente, Neckereien, Flirtereien. Das ganze Programm. Er wollte unbedingt mit mir nach Hogsmeade, aber ich habe 'nein' gesagt.«

Ginny kicherte vergnügt.

»Das ging so weit, dass Alice davon schon völlig genervt war und mir auf den Kopf zugesagt hat, dass ich längst in ihn verknallt sei und endlich mit ihm knutschen sollte«, erzählte Hermine weiter.

»Alice gefällt mir!«, sagte Ginny lachend.

»Oh, ich bin mir sicher, ihr hättet euch bestens verstanden«, grinste Hermine. »Sirius hat mich später dann zwischendurch sogar gefragt, ob er mich küssen darf«, murmelte sie leise und wurde dabei erneut rot.

»Wie süß ist das denn bitte?«, freute Ginny sich.

»Ja, er meinte, er respektiere meine Beziehung und würde nichts tun, das ich nicht wolle.«

»Und dann?«

»Hat er irgendwann nicht mehr gefragt, sondern gesagt: 'Wenn du mich nicht aufhältst, küsse ich dich jetzt'.« Hermine war in Gedanken wieder auf dem Astronomieturm und lächelte leicht.

»Und du hast ihn nicht aufgehalten?«, fragte Ginny flüsternd mit glitzernden Augen.

»Nein«, flüsterte Hermine als Antwort.

»Der Hammer!«, seufzte Ginny sehnsüchtig.

»Nein, Ginny. Das war der größte Fehler, den ich machen konnte«, sagte Hermine traurig.

»Weil du dachtest, er sei tot? Ist er nicht, wenn ich dich daran erinnern darf. Weißt du, was Remus mal gesagt hat? Wir haben ihn mal gefragt, warum Sirius keine Frau hat. Und er sagte, dass es da wohl mal jemanden gab, über den Sirius lange nicht hinweg gekommen ist. Meinst du, er meinte dich?«, fragte Ginny.

»Quatsch«, sagte Hermine. »Ich war doch gar nicht lange da.«

»Aber du hast gesagt, dass du dich in ihn verliebt hast. War er auch verliebt?« Ginny wackelte mit den Augenbrauen.

»Aber für ihn sind zwanzig Jahre vergangen! Das ist verdammt lange, Ginny«, antwortete Hermine trotzig.

»Hm… ja. Was hat er geglaubt, wo du hin bist, als du wieder zurück in deine Zeit bist?«, wollte die Rothaarige wissen.

»Ich habe es ihm irgendwann erzählt, Ginny«, beichtete Hermine leise.

»Was?! Er wusste, dass du aus der Zukunft kamst?« Als Hermine nickte, fragte sie: »Hast du auch gesagt, dass du älter bist, wenn du wieder in deiner Zeit bist?«

Hermine nickte wieder und senkte den Blick, sie konnte Ginny dabei nicht in die Augen sehen. Hatte Ginny recht? Erwartete Sirius jetzt vielleicht, sie als Vierzigjährige wiederzusehen? Aber er musste doch auch davon ausgegangen sein, dass er sie nie wieder sehen würde, weil er sterben würde, er wusste ja nicht, dass er überlebt.

»Dann hat er geglaubt, dass er dich wieder sieht«, sagte Ginny andächtig.

Hermine schüttelte vehement den Kopf. »Er wusste, dass er stirbt.« Er musste geglaubt haben sie nie wiederzusehen!

»Was?«, polterte Ginny. »Ich dachte, dass du nichts verraten hast!« Ungläubig sah sie Hermine an.

»Er hat es selbst herausgefunden«, verteidigte Hermine sich und verschränkte die Arme vor der Brust.

»Aber jetzt lebt er«, belehrte Ginny sie.

»Er ist zwanzig Jahre älter als ich! Er ist der Pate meines besten Freundes! Hör auf, dir da irgendwas auszumalen!«

»Ich male mir nichts aus! Er lebt und geht davon aus, dass du jetzt vierzig Jahre alt bist!«, sagte Ginny empört. »Du bist in ihn verliebt!«

»Nein. Ich bin in seine jüngere Ausgabe verliebt. Ich kenn ihn doch gar nicht«, versuchte Hermine Ginny und auch sich selbst zu überzeugen.

»Na, dann wünsche ich dir Glück, wenn du wieder auf ihn triffst«, äußerte Ginny sarkastisch.

»Zwanzig Jahre!«, bekräftigte Hermine.

»Es ergibt plötzlich alles einen Sinn«, murmelte Ginny. »Wie Harrys Dad dich manchmal angesehen hat. Wie sie alle mit dir geredet haben. Dass Sirius dich im Ministerium unbedingt in Sicherheit bringen wollte. Die Blicke, die sie sich manchmal zuwarfen, wenn du irgendwas gesagt hast. Und wie Sirius Ron angesehen hat. Ich sage dir, du bist die, von der Remus gesprochen hat!«

»Du spinnst Ginny. Du interpretierst da viel zu viel hinein. Das habe ich auch getan, als wir dachten, meine Zeitreise müsste geschehen. Ich habe Situationen gesucht, bei denen ich mir einbilden konnte, das Remus oder Sirius mich erkannt hätten. Ich habe mir sogar die Schuld an Sirius' Tod gegeben!«, erklärte Hermine. »Das tust du jetzt auch!«

»Das waren alles Situationen, bei denen ich mich gefragt habe, ob mir etwas entgeht. Und es ist mir etwas entgangen! Jetzt kapier ich das«, sagte Ginny, als hätte sie Hermine nicht gehört.

Hermine schüttelte den Kopf. »Nur Sirius weiß, dass ich aus der Zukunft kam. Die anderen haben keine Ahnung.«

Ginny musterte Hermine. »Und wenn er es ihnen erzählt hat, nachdem du weg warst?«

»Er wusste, dass er es nicht durfte. Er wusste, dass niemand wissen durfte, woher ich wirklich kam.«

»Und wenn es ihm egal war?«, fragte Ginny und runzelte die Stirn.

»Ginny, lass das. Es sind zwanzig Jahre vergangen. Weder kannte er mich richtig noch ich ihn. Nenn es von mir aus einen Urlaubsflirt. Das ist vorbei.«

»Warst du nicht diejenige, die mir grade noch erzählt hat, sie hätte sich in Sirius verliebt? Für dich ist es nur ein paar Wochen her.«

»Das geht vorbei«, sagte Hermine und versuchte damit mehr sich selbst als Ginny zu überzeugen.

Ginny schüttelte den Kopf. »Klar, du hast ja nur sofort mit Ron Schluss gemacht, nachdem du wieder hier warst. Und du kannst mir nicht erzählen, dass das nicht mit Sirius zusammenhängt.«

»Das hatte nichts mit Sirius zu tun«, sagte Hermine. »Rein gar nichts. Bis eben wusste ich nicht mal, dass er lebt«, murmelte sie.

»Red dir das ruhig ein. Viel Glück dabei«, meinte Ginny.

»Du bist wirklich genauso schlimm wie Alice. Die wusste auch immer alles besser«, sagte Hermine und verdrehte die Augen.

»Kluge Frau.«

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Nächstes Kapitel:

Ein dreiköpfiger Hund