Als die beiden Mädchen den Raum der Wünsche verließen, war es schon so spät, dass sie das Abendessen verpasst hatten. Die Jungs würden bestimmt auch längst nach ihnen suchen. Sie machten sich also schnell auf den Weg in den Gemeinschaftsraum. Kaum waren sie durch das Porträt gestiegen, kamen ihnen die Jungs schon entgegen gelaufen.

»Wo wart ihr?« Harry nahm Ginny in seine Arme und küsste sie erleichtert.

»Wir haben uns tierische Sorgen gemacht!«, fügte Ron hinzu.

»Mädchengespräche«, sagte Ginny und strich Harry durch das Haar.

»Wo denn, wir haben doch alles abgesucht?«, fragte Ron beleidigt.

»Im Raum der Wünsche. Wir haben die Zeit vergessen«, erklärte Hermine und warf Ginny einen Blick warnenden zu.

Die Rothaarige zwinkerte Hermine zu. »Oh ja. Und wir waren eigentlich auch noch nicht fertig.« Sie kicherte, als sie sah, wie Hermine die Augen verdrehte. »Tut mir leid, dass wir euch nicht Bescheid gesagt haben.«

»Wir haben gedacht, euch wäre irgendwas passiert, weil ihr auch nicht beim Abendessen wart«, maulte Ron.

»Hast du gedacht, wir wären von Fluffy gefressen worden?«, fragte Hermine übermütig grinsend. Sie fühlte sich einfach befreit, nach diesem Gespräch mit Ginny. Sie hoffte, das würde ein bisschen anhalten.

»Wer ist Fluffy?«, fragte Harry irritiert.

Hermine warf Ginny einen fragenden Blick zu, die schüttelte aber nur leicht mit dem Kopf. »Ein dreiköpfiger Hund. So wie Zerberus aus der griechischen Mythologie«, erklärte Hermine dann. Wie gut, dass sie jetzt Ginny hatte, die ihr kleine Hinweise geben konnte. Sonst hätte sie sich jetzt vermutlich wieder in Schwierigkeiten gebracht.

»Als ob es hier einen dreiköpfigen Hund geben würde, der dann auch noch 'Fluffy' heißt«, sagte Ron und verdrehte die Augen.

»Ich gehe mal meine Sachen nach oben bringen. Kommst du mit, Mine?«, fragte Ginny und machte sich von Harry los. Die Angesprochene nickte und folgte der Rothaarigen nach oben. Im Schlafsaal angekommen fragte diese ungläubig: »Du kennst einen dreiköpfigen Hund namens Fluffy?«

Hermine sah sich hektisch um, aber die beiden waren alleine im Raum. »Gehörte Hagrid. Hat in meinem ersten Schuljahr den Zugang zum Stein der Weisen bewacht.«

Ginny grinste. »Hagrid, klar. Wer auch sonst. Diesmal hatte er nur einen Kopf.«

Die Mädchen verstauten ihre Sachen und gingen dann wieder nach unten in den Aufenthaltsraum. Harry und Ron hatten sich an eine kleine Tischgruppe gesetzt. Hermine und Ginny gesellten sich zu ihnen.

»Ich muss beim nächsten Hogsmeade-Wochenende unbedingt noch Weihnachtsgeschenke kaufen«, sagte Harry, als Ginny sich neben ihn setzte.

»Das ist dann auch die letzte Möglichkeit, die wir haben, ich muss auch noch welche kaufen. Mine bestimmt auch oder?«, fragte Ginny.

»Also eure Geschenke kaufe ich nicht, wenn ihr dabei seid.« Hermine grinste ihr Freunde an.

»Sind wir denn die Einzigen, die etwas von dir bekommen? Oder beschenkst du dieses Jahr noch andere?«, fragte Ginny und zog eine Augenbraue hoch.

Hermine warf ihr einen bösen Blick zu und hätte sie am liebsten geschlagen, wenn es nicht so auffällig wäre. »Deine Eltern noch… Aber ansonsten gibt es da niemanden. Meine Eltern sind ja immer noch verschwunden.«

»Ich frag ja nur, weil wir dieses Jahr ja wieder in großer Runde im Grimmauldplatz feiern«, antwortete Ginny achselzuckend und zwinkerte Hermine zu.

Sie feierten Weihnachten im Grimmauldplatz? Sie alle würden bestimmt da sein und das war vermutlich genau das, was Ginny ihr damit hatte sagen wollen.

»Entgeht uns hier irgendwas?«, fragte Ron und sah zwischen Hermine und Ginny hin und her.

»Nein, warum?«, gab seine Schwester unschuldig zurück.

»Na ja, wem sollte Mine denn noch was schenken?«, fragte Ron immer noch irritiert.

»Weiß ich nicht, deswegen frage ich ja.« Ginny zuckte wieder mit den Schultern und kuschelte sich dann an Harry.

Hermine war inzwischen mit ihren Gedanken schon ganz woanders. Sie würde also spätestens an Weihnachten auf die Rumtreiber treffen. Wollte sie das überhaupt? Und vor allem, wie würde Sirius reagieren, wenn sie vor ihm stand? Was war, wenn Ginny recht hatte und er bereits seit Wochen darauf wartete, dass sie sich bei ihm meldete, weil er noch lebte? Aber hätte er dann nicht schon längst versucht sie zu finden? Also wartete er vielleicht gar nicht auf sie. Vielleicht hatte er es doch überwunden, immerhin waren zwanzig Jahre vergangen. Aber sollte sie dann nicht besser jeden Kontakt vermeiden? Damit sie auch endlich loslassen konnte?

Das brachte sie zu einem anderen Gedanken, den sie schon beinahe vergessen hatte. Sirius hatte ihr ein Geschenk gegeben, kurz bevor sie die Vergangenheit verlassen hatte. Sie hatte es noch immer nicht geöffnet. Es lag schließlich verpackt in ihrem Nachttisch. »Ich bin müde, ich gehe nach oben, gute Nacht«, verabschiedete Hermine sich von ihren Freunden und stand auf.

»Gute Nacht«, antworteten die anderen im Chor und Hermine ging nach oben in ihren Schlafsaal. Sie setzte sich auf ihr Bett und zog die Schublade des Nachttisches auf. Dort fand sie ihr Buch und hinten in einer der Ecken das kleine Päckchen von Sirius. Sie nahm es vorsichtig heraus und legte es auf ihren Schoß. Sollte sie es öffnen? Oder sollte sie es einfach weglegen und nicht mehr daran denken? Es war in goldenes Papier eingepackt, mit einer roten Schleife. Typisch Gryffindor. Sie schmunzelte, als sie mit den Fingerspitzen darüber strich.

Sie bekam gar nicht mit, dass sie nicht mehr alleine im Schlafsaal war und schreckte daher auf, als sie angesprochen wurde. »Was ist das?« Ginny stand neben ihr und zeigte auf das Päckchen.

»Oh, ähm… ein Geschenk«, sagte Hermine und sah die Rothaarige an. Sie spielte abwesend an der Schleife herum, ohne sie aufzuziehen.

»Von wem ist es denn? Oder willst du es verschenken?« Ginny setzte sich auf ihr Bett und zog sich den Pullover über den Kopf.

»Er hat es mir gegeben, kurz bevor ich zurückgekommen bin«, sagte Hermine und sah wieder auf das Päckchen. »Ich sollte es erst aufmachen, wenn ich wieder da bin.«

»Ohh, es ist also von Sirius!« Ginny wackelte mit den Augenbrauen.

»Shht! Wenn dich jemand hört, verdammt! Und übrigens, ich habe dir gesagt, du sollst keine blöden Andeutungen machen! Was sollte diese Geschenke-Nummer?«

Ginny hob lachend beide Hände. »Ich wollte dich nur darauf stoßen, dass Weihnachten alle zusammen kommen! Alle! Nicht, dass du mir zwei Tage vor Weihnachten die Hölle heiß machst, weil ich dir das nicht erzählt habe. Oder wusstest du, dass wir Weihnachten in London sind?«

»Nein, wusste ich nicht. Du hättest es mir auch einfach so sagen können, wenn wir alleine sind«, sagte Hermine bockig. Sie nahm das Geschenk aus ihrem Schoß und wollte es wieder in die Schublade packen.

»Machst du es nicht auf?« Ginny beugte sich neugierig vor.

»Es ist besser, wenn ich es nicht öffne«, beschloss die Brünette und schloss die Schublade wieder. Vorher holte sie das Buch noch heraus. »Das war in der Zeit neu, ich musste es unbedingt kaufen«, sagte sie und zeigte Ginny das Buch.

»Asiatische Antidots Sonderausgabe«, las Ginny vor. »Wahnsinn, du hast das bekommen?« Sie nahm es in die Hand, blätterte es kurz durch und gab es der Freundin dann zurück.

»Ja, ich habe mich riesig gefreut, als ich es im Regal habe stehen sehen.« Hermine lächelte auf das Buch in ihren Händen. Sie stellte es zu ihren anderen Büchern. Dabei fiel ihr ein, dass sie Dumbledore das Geld, welches sie in der Vergangenheit ausgegeben hatte, zurückgeben wollte. Sie beschloss es morgen direkt zu erledigen, damit sie es nicht wieder vergaß.

Sie ging ins Bad, um sich bettfertig zu machen und schlüpfte dann unter ihre Decke.


In den nächsten Wochen war Hermine unglaublich froh, Ginny in alles eingeweiht zu haben. Dadurch erfuhr sie viel von dem, was in dieser Zeitlinie passiert oder eben nicht passiert war. Die Freundin half ihr dabei, sich zurechtzufinden und es funktionierte. Das Gefühl, nicht dazu zu gehören, war nicht mehr so stark wie bei ihrer Rückkehr.

Als sie Dumbledore das Geld, welches sie in der Vergangenheit ausgegeben hatte, zurück gab, erzählte sie ihm auch von den gravierenden Änderungen, die durch ihre Zeitreise passiert waren. Er hatte ihr ruhig zugehört und dann gesagt, dass sie sich darum keine Sorgen mehr machen brauche, da das Ende wenigstens gleich geblieben sei. Er äußerte sich nicht dazu, dass ihre ehemaligen Mitschüler sie eventuell erkennen könnten. Hermine brachte dieses Thema aber auch nicht zur Sprache, weil sie Dumbledore nicht erzählen wollte, dass inzwischen schon mindestens zwei Personen von ihrer Zeitreise wussten.


Kurz vor Weihnachten hatte Ginny Hermine auf die von ihr erwähnten Knuddelmuffs angesprochen und die beiden Mädchen hatten dann nachgesehen, ob sie noch im Schloss lebten. Hermine hatte Ginny zu dem Raum gebracht und war überrascht, dass er immer noch voller bunter Plüschkugeln war. Ginny war völlig aus dem Häuschen gewesen und hätte den Raum am liebsten gar nicht mehr verlassen.

»Hat Sirius dich hier geküsst?«, fragte die Rothaarige schelmisch grinsend, als sie den Raum verließen.

Hermine schloss die Augen und atmete tief ein. »Nein.«

»Verrätst du mir wo?« Ginny grinste breit und hüpfte beinahe vor Aufregung auf der Stelle auf und ab.

»Wie soll ich das jemals vergessen, wenn du mich ständig daran erinnerst?« Hermine seufzte und sah Ginny ernst an.

»Du kannst deine Gefühle nicht vergessen.«

»Doch, das geht«, sagte Hermine mit mehr Zuversicht, als sie fühlte.

»Verrätst du es mir trotzdem?«, bettelte Ginny.

»Und was willst du mit dem Wissen anfangen?«, fragte Hermine genervt. Inzwischen waren sie schon auf den Treppen angekommen, die in die unteren Stockwerke führten.

»Nichts, aber wenn du mir sagst, was er so alles getan hat, kann ich dir sagen, wie sehr er sich verändert hat«, sagte Ginny in dem Versuch, eine Antwort von ihrer Freundin zu bekommen. »Vielleicht hilft dir das beim Vergessen deiner Gefühle«, schob sie sarkastisch murmelnd hinterher.

Hermine verdrehte die Augen. Ginny würde wohl keine Ruhe geben, bevor sie es nicht wusste. »Er hat mir einen Raum gezeigt, in dem es völlig dunkel ist. Stockdunkel. Man kann auch kein Licht herbei zaubern. Dann hat er mir etwas davon erzählt, dass sich die anderen Sinne verstärken, wen einem ein Sinn genommen wird. Danach hat er mich geküsst«, sagte Hermine genervt. »Zufrieden?«

Ginny sah sie grinsend mit roten Wangen an. »So war er damals? Ist ja ordentlich ran gegangen.«

»Und, tut er das immer noch?«, wollte Hermine schnippisch wissen.

»Keine Ahnung, aber ich kann ihn mal danach fragen, wenn du es wissen willst.«

»Ginny!«

Die Rothaarige hakte sich lachend bei ihrer Freundin ein. »Komm schon, Mine. Sei nicht so. Ich finde das total spannend. Und romantisch.« Sie seufzte wehmütig.

»Du bist eine Träumerin, Ginny«, sagte Hermine kopfschüttelnd.

»Was wäre das Leben schon ohne Träume?«, sagte die Rothaarige sinnend und grinste Hermine an. »Wir apparieren nächste Woche übrigens«, wechselte sie dann das Thema.

»Wohin?«, fragte Hermine irritiert und sah Ginny fragend an.

»Na, nach London. Weihnachten, schon vergessen?«, fragte Ginny, als sie Hermines Blick sah.

»Oh… verdrängt, trifft es besser«, murmelte die Brünette. Sie hatte es völlig ausgeblendet, dass sie Weihnachten im Grimmauldplatz feiern sollte. Sie musste irgendwie aus der Nummer herauskommen. Sie wollte in diesem Haus kein Weihnachten feiern, nicht wenn es bedeutete, dass sie dort auf Sirius, James und Remus treffen würde. Vor allem auf Sirius. Sie wusste, dass es nie wieder so werden könnte, wie es in den Siebzigern war, darum wollte sie sie eigentlich gar nicht wiedersehen. Sie glaubte, dass, wenn sie wieder Kontakt zu ihnen aufbauen würde, sie dann niemals vergessen könnte, was geschehen war.

»Mine?«, riss Ginny sie aus ihren Gedanken. Sie schnippte mit dem Finger vor dem Gesicht ihrer Freundin herum.

»Ich werde nicht mitkommen«, sagte Hermine.

»Was? Nein! Du kannst doch nicht hier bleiben!«, rief Ginny, als sie in der Eingangshalle ankamen.

»Warum sollte ich das nicht können?«, fragte Hermine.

»Na, weil –«, setzte Ginny an, wurde aber von Hermine unterbrochen.

»Und fang nicht wieder von einer deiner romantischen Traumvorstellungen an. Schlag dir das aus dem Kopf. Das ist vorbei«, sagte Hermine bestimmt.

Ginny verzog ertappt das Gesicht und schwieg einen Moment. Hermine konnte ihr richtig ansehen, wie es in ihrem Kopf arbeitete, als sie versuchte einen anderen Grund zu finden. »Es wäre viel zu auffällig«, rief die Rothaarige dann triumphierend. »Du hast letztes Jahr dort gewohnt und dich bestens mit allen verstanden. Keiner würde es verstehen, wenn du Weihnachten nicht da wärst.«

»Der Streber hat eben Prüfungspanik und ist am Büffeln«, entkräftete Hermine Ginnys Argument.

»Glaubt dir diesmal nur keiner, weil die Bibliothek im Grimmauldplatz groß ist. Und alle wissen, dass du auch dort lernen würdest«, argumentierte Ginny weiter.

»Und wen ich nicht abgelenkt werden will?«, fragte Hermine verzweifelt.

»Du kannst dich selbst im lärmenden Gemeinschaftsraum konzentrieren«, widerlegte Ginny auch dieses Argument und hatte dabei einen Ausdruck auf dem Gesicht, als würde sie sagen wollen, 'das würdest du dir selbst noch nicht mal glauben'.

»Ich will einfach nicht, versteh das doch«, sagte Hermine matt und schloss kurz die Augen.

»Und ich sage, dass es viel zu auffällig wäre. Wenn du die anderen natürlich misstrauisch machen willst, dann bleib hier. Aber du bist auch niemand, der Weihnachten alleine verbringen würde.«

Hermine seufzte schwer, als sie die Große Halle betraten. Sie sah Harry und Ron bei einer Partie Zauberschach am Gryffindortisch sitzen. Die Mädchen setzten sich zu ihnen und sahen den Jungs dabei zu, während sie darauf warteten, dass das Abendessen beginnen würde.


Am Morgen des dreiundzwanzigsten Dezembers saß Hermine auf ihrem Bett im Gryffindorturm und wusste immer noch nicht, was sie tun sollte. Alles in ihr sträubte sich, die Sicherheit Hogwarts' zu verlassen. Aber wenn sie ehrlich war, musste sie Ginny auch recht geben, sie wollte Weihnachten nicht alleine sein. Es war eine Zwickmühle. Ginny hatte ihren Koffer schon am Vorabend gepackt, Hermine hatte noch gar nicht angefangen. Sie zögerte es so lange wie möglich hinaus. Sie war die Einzige, die noch im Bett war. Ihre Klassenkameradinnen waren schon beim Frühstück und Ginny war im Bad. Spätestens wenn sie wieder hinaus kommen würde, müsste Hermine aufstehen, das wusste sie. Ginny würde es nicht zulassen, dass sie einfach hier blieb und die Abreise verpasste. Es war sowieso schon ein Wunder, dass sie die Erlaubnis bekommen hatten zu apparieren und nicht mit dem Zug fahren mussten. Vermutlich war das Harrys Heldenstatus geschuldet.

Hermine seufzte, als Ginny aus dem Bad kam und sie ungläubig ansah. »Ich steh ja schon auf«, sagte sie, noch bevor die Rothaarige den Mund öffnen konnte.

Ein zufriedener Ausdruck schlich sich auf das Gesicht der Freundin, als Hermine die Decke zurückschlug. »Ich dachte, du hättest wenigstens endlich mit dem Packen angefangen«, sagte Ginny, während sie ihr Waschzeug in ihrem Koffer verstaute.

»Ich will nicht, Ginny.« Sie saß auf der Bettkante und knetete ihre Hände im Schoß.

»Hör zu: Ja, ich bin vielleicht ein bisschen sehr euphorisch bei dem Gedanken, dass du Sirius wiedersiehst. Das gebe ich zu. Aber sieh es doch mal andersherum. Du willst diese Geschichte vergessen, was ist also, wenn du feststellst, dass er nicht mehr der ist, in den du dich verliebt hast? Dann würde dir das doch nur helfen, oder?«, fragte Ginny. »Auch wenn ich das sehr bedauerlich fände«, murmelte sie anschließend leise seufzend.

»Und wenn das nicht der Fall ist? Wenn er –« Hermine brach ab. Sie konnte es nicht aussprechen, sie wollte es nicht aussprechen.

»Bei Merlins dreckigen Unterhosen, dann werd verdammt noch mal glücklich mit ihm! Aber das hier ist doch kein Zustand.«

»Das geht nicht, Ginny, versteh das doch endlich!«

»Wie war er denn so in deiner Erinnerung?«, fragte die Rothaarige auf einmal und setzte sich zu ihrer Freundin.

»Das lässt sich nicht vergleichen. Er saß zwölf Jahre in Askaban.«

»Also willst du weiterhin einer Erinnerung nachtrauern?«, fragte Ginny und setzte sich auf ihr Bett.

Hermine schüttelte den Kopf und gab dann nach. »Ich komme mit. Aber wenn ich nach Weihnachten keinen von ihnen wiedersehen will, dann akzeptierst du das.«

»Auch wenn es mir schwer fallen würde, abgemacht.« Ginny seufzte theatralisch. Hermine verdrehte nur die Augen und ging in Richtung Bad. »Soll ich schon anfangen, ein paar Sachen für dich zu packen?«, fragte die Rothaarige.

»Tu, was du nicht lassen kannst«, sagte Hermine und schloss die Tür hinter sich. Ginnys breites Grinsen sah sie nicht mehr. Als sie wieder aus dem Bad kam, saß Ginny auf ihrem Bett und lächelte Hermine an.

»Alles gepackt. Du brauchst dringend hübschere Unterwäsche.«

»Was stimmt denn mit meiner Unterwäsche nicht?«, fragte Hermine irritiert und warf einen skeptischen Blick auf ihren Koffer. Dort drin fand sie ein paar ihrer dicken Pullover und Jeans.

»Das ist alles einfach und zweckmäßig. Du brauchst was reizvolleres«, sagte Ginny.

»Warum sollte ich das über Weihnachten brauchen? – Nein, sag es nicht. Und schlag es dir aus dem Kopf«, sagte Hermine, als ihr klar wurde, worauf Ginny anspielte. Sie war froh, dass ihre gesamte Garderobe eher zweckmäßig war. Sie wollte sich nicht vorstellen, was Ginny alles eingepackt hätte, wenn sie andere Kleidung gefunden hätte. Hermine warf ihr Waschzeug in den Koffer und packte dann noch ihre Geschenke dazu, bevor sie den Deckel schloss.

Gemeinsam machten sie sich auf den Weg in die Große Halle um noch etwas zu frühstücken, bevor sie abreisen würden. Dort trafen sie auch auf die Jungs.

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Nächstes Kapitel:

Was ist eigentlich deine Lieblingsfarbe?