Mit einem 'Plopp' kam Hermine als Letzte im Garten des Grimmauldplatz' an. Er sah anders aus, als sie ihn in Erinnerung hatte. Jetzt war er gepflegter. Zwar immer noch wild, aber es wirkte so, als solle es genauso sein. Die Gartenmöbel, die in ihrer Erinnerung zugewuchert und kaputt waren, waren heile, sauber und wurden genutzt. Der Rasen war gestutzt und in den Beeten herrschte eine Art kontrolliertes Chaos.

Harry und Ron standen schon auf der Terrasse und begrüßten den Hausherren.

Hermine musste schlucken, als ihr Blick auf ihn fiel. Er sah gut aus. Anders, als sie ihn in Erinnerung hatte. Als sie ihn damals kennengelernt hatte, sah er verlebt aus, mit zotteligen Haaren und wildem Ausdruck in den stumpfen Augen. Davon war jetzt nichts zu erkennen. Die Haare trug er etwas länger als noch zu Schulzeiten. Der Bart war kurz wie ein Dreitagebart. Und die Augen leuchteten wieder, oder immer noch. Es erschrak sie, als sie darüber nachdachte, was die zwölf Jahre in Askaban ihm damals angetan hatten. Ohne diese Zeit im Gefängnis wirkte er jünger, fast wie ein anderer Mensch.

Als sie sich von seinem Anblick losriss, sah sie, dass Ginny auf sie zu warten schien und Hermine beeilte sich zu ihr aufzuschließen. Sie war tierisch nervös, als sie die Terrasse betrat.

»Ginny! Schön, dich zu sehen«, sagte Sirius und umarmte die Rothaarige kurz. Als sie beiseite trat und sein Blick auf Hermine fiel, räusperte er sich kurz, lächelte sie an und zog auch sie in eine kurze Umarmung. »Hallo, Hermine!«

Sie versuchte sich nichts anmerken zu lassen, aber als er seine Arme um sie legte, durchfuhr es sie wie ein Stromstoß. Sie war froh, als er sie wieder losließ. »Danke, für die Einladung«, sagte sie steif.

»Ist doch selbstverständlich«, erwiderte er und kratzte sich am Hinterkopf. »Ich freue mich immer, wenn Leben im Haus ist und alle zusammen feiern.«

»Gehen wir rein?«, fragte Harry. »Es ist bitterkalt.«

»Dein Vater ist auch schon da. Molly ebenfalls. Arthur hängt wohl noch im Ministerium fest«, erklärte der Rumtreiber.

Die jungen Leute betraten das Haus und Harry stellte sich zum Aufwärmen direkt vor den Kamin.

»Er war irritiert, als er dich begrüßt hat«, flüsterte Ginny Hermine in einem günstigen Moment zu.

Hermine sah sie nur kurz strafend an, weil Molly und James in das Wohnzimmer kamen.

»Da seid ihr ja!«, rief die Weasley und zog alle nacheinander in eine herzliche Umarmung. Nachdem sich alle begrüßt hatten, scheuchte sie die Schüler aus dem Raum und in die oberen Stockwerke, damit sie auspacken konnten. Hermine und Ginny teilten sich ein Zimmer, ebenso wie Ron und Harry.

Hermine blickte sich um, als sie nach oben gingen. Das Haus sah so verändert aus. Die Wände waren nicht so dunkel, wie sie es erinnerte. Das Haus wirkte heller und auch gemütlicher. Trotz, dass es gerade in den Fluren immer noch so eng war, wie sie es kannte. Und vor allem fehlte eines, stellte sie kurze Zeit später fest. Das Porträt von Misses Black zeterte nicht. Es war ruhig im Haus und die erdrückende Stimmung fehlte.

Die Mädchen machten sich schweigend daran, den Inhalt ihrer Koffer in einen Schrank zu räumen. Als Hermine die beiden Pullover, eine Strickjacke und mehrere Jeans, die oben auf lagen, verräumt hatte, stutzte sie. Mit spitzen Fingern zog sie ein knallrotes Kleid mit Spaghettiträgern aus dem Koffer. »Ginny?«, fragte sie und drehte sich zu ihrer Freundin.

Die Rothaarige wandte sich unschuldig zu Hermine um und sah sie fragend an.

»Wieso ist dein Kleid in meinem Koffer?«

»Oh, ups«, sagte sie lächelnd und machte sich wieder daran, ihren eigenen Koffer auszupacken.

Hermine legte, die Augen verdrehend, das Kleid auf ihr Bett und wandte sich wieder ihrem Koffer zu. Sie fand noch mehrere Oberteile, die nicht ihr gehörten. Daneben waren Röcke, die auch nicht ihre eigenen waren. Eines nach dem anderen schmiss sie auf das Bett, bis sie bei den Socken und ihrer Unterwäsche angekommen war. Als sie sich die Kleidung auf ihrem Bett genauer ansah, stellte sie fest, dass die Teile alle sehr eng und aufreizend, mit teilweise sehr tiefem Dekolleté, geschnitten waren. »Was soll das, Ginny?« Sie sah zwischen der Freundin, den Teilen und ihren beiden Pullovern im Schrank hin und her.

»Ich dachte, ich leihe dir ein paar Teile von mir«, sagte Ginny grinsend.

»Wie bitte? Ein paar Teile? Das ist alles von dir! Wo sind meine Sweatshirts, meine Strickjacken? T-Shirts? Du erwartest doch nicht ernsthaft, dass ich das anziehe?«, fragte Hermine und hielt eine besonders tief ausgeschnittene Bluse hoch.

»Die steht dir bestimmt fantastisch!«, sagte Ginny mit leuchtenden Augen und kam zu Hermine rüber. Sie hielt das rote Kleid hoch. »Das hier auch. Du wirst Hammer darin aussehen.«

»Ginny, wo sind meine Sachen?«, fragte Hermine ernst.

»Ein paar habe ich doch eingepackt. Komm schon, Mine, du bist immer so zugeknöpft, Weihnachten ist die perfekte Gelegenheit, auch mal etwas anderes auszuprobieren!«

»Wir sind zwei Wochen hier! Wie sollen mir da zwei Pullover reichen?«, meckerte Hermine. »Und das da«, sie zeigte auf das Kleid, das Ginny noch in der Hand hielt, »ziehe ich bestimmt nicht an.«

»Komm schon, ich dachte für Silvester! Die Farbe beißt sich mit meinen Haaren, aber du würdest darin mega aussehen!«

»Du bist kleiner als ich! Die Sachen passen mir nicht!«, mokierte Hermine.

»Wenn du davon wirklich nichts anziehen willst, dann müssen wir wohl noch shoppen gehen«, lenkte Ginny ein. Sie legte das Kleid wieder auf das Bett und setzte ein entschuldigendes Lächeln auf.

»Ich hasse shoppen. Danke dafür«, maulte Hermine. »Ich lasse dich nie wieder irgendwas für mich packen!«

»Ich berate dich auch, das wird super!«

Hermine sah sie aus zusammengekniffenen Augen an. »Ich kaufe nichts, das einen tiefen Ausschnitt hat!«

»Aber auch nicht nur schnöde Pullover, komm schon! Wir machen uns einen schönen Tag in der Stadt«, versuchte Ginny Hermine zu überzeugen.

»Mir bleibt ja nichts anderes übrig, als in die Stadt zu gehen«, sagte Hermine und sah den Kleiderschrank böse an.

Ginny nahm die Kleidung, die auf dem Bett lag und räumte sie zu ihren eigenen Sachen in den Schrank. Dann half sie Hermine, den Rest des Koffers auszupacken und schleifte die Brünette, als sie fertig waren, nach unten in die Küche, wo sie ihre Mutter vermutete.

»Habt ihr schon ausgepackt?«, fragte Molly lächelnd.

»Ja, und dabei hat sich leider ein Problem aufgetan, Mum«, sagte Ginny zerknirscht. »Beim Packen habe ich die Koffer verwechselt und jetzt hat Mine nur zwei Pullover und ein paar Hosen dabei, weil ihr Koffer halb voll mit meinem Kram war.«

Hermine verdrehte die Augen über die Unverfrorenheit der kleinen Weasley.

»Ginevra! Hat Hermine deinetwegen jetzt nichts zum Anziehen dabei?«, fragte Molly empört.

»Leider«, sagte Ginny und setzte ihren besten Dackelblick auf. »Dürfen wir in die Stadt, damit wir noch etwas kaufen können? Sie kann ja nicht eine Woche lang denselben Pullover anziehen.«

»Eigentlich müssten wir Kleidung von dir für Hermine verwandeln!«, meckerte Molly.

»Das ist schon in Ordnung, Misses Weasley«, sagte Hermine. »Ich wollte eh demnächst neue Kleidung kaufen. Und ich bin ja auch ein bisschen schuld daran, weil ich nicht darauf geachtet habe, was ich einpacke.« Unauffällig rammte sie ihrer Freundin den Ellenbogen in die Seite. Sie konnte es selber nicht fassen, dass sie auf Ginnys Lüge einging.

»Habe ich dir nicht gesagt, dass du mich Molly nennen sollst?«, rügte die Weasley Hermine. »Mir behagt es aber nicht, euch alleine in die Winkelgasse zu lassen.«

»Hier in der Nähe gibt es ein paar Muggelgeschäfte. Ich brauche ja nur ein paar Pullover und T-Shirts«, sagte Hermine.

»Das behagt mir noch viel weniger«, erwiderte Molly.

»Gibt es ein Problem?«, fragte James von der Tür und betrat den Raum.

»Hermine hat nicht genug zum Anziehen mit, weil meine Tochter«, hier sah Molly Ginny scharf an, »Hermines Koffer mit ihren eigenen Sachen voll gepackt hat und die beiden wollen jetzt einkaufen gehen. Ich will sie nicht alleine losziehen lassen«, erklärte Molly.

»Sirius und ich wollen gleich den Baum besorgen. Wir könnten die Mädchen mit in die Winkelgasse nehmen«, schlug James vor. Ginny verdrehte die Augen und als James das sah, zwinkerte er ihr zu.

»Wenn ihr das machen würdet, dann würde ich mir nicht so viele Sorgen machen«, erklärte Molly.

»Klar, kein Thema. Seid ihr so weit?«, fragte James an die beiden Mädchen gewandt.

Hermine wollte schon ablehnen, weil sie auf keinen Fall mit den beiden Rumtreibern und Ginny das Haus verlassen wollte. Das war noch schlimmer, als nur mit Ginny loszuziehen. Aber die Rothaarige kam ihr zuvor. »Wir holen nur kurz unsere Mäntel!« Ginny packte Hermine am Arm und schleifte sie schnell aus der Küche.

»Bist du wahnsinnig?«, fragte Hermine, als sie in ihrem Zimmer waren. »Ich gehe nicht mit den beiden in die Winkelgasse!«

»Du bist ja nicht alleine, ich bin doch dabei«, sagte Ginny.

»Und das soll mich etwa beruhigen?«, fragte Hermine entgeistert.

»Dann musst du wohl doch meine Sachen anziehen«, sagte Ginny trocken.

»Warum bin ich nicht einfach in Hogwarts geblieben? Ich könnte jetzt in meinem Kuschelpulli vor dem Kamin im Gemeinschaftsraum sitzen und lesen«, jammerte Hermine, als sie ihren Mantel anzog.

»Fühlst du dich besser, wenn ich dir verspreche, dass ich keine Anspielungen mache, keine Kommentare abgebe und mich völlig unauffällig verhalte?«, fragte Ginny.

»Wenn du dich auch daran hältst«, murmelte Hermine.

»Versprochen!«, sagte Ginny und schob Hermine auf den Flur.

Unten warteten schon James und Sirius auf sie. Als die beiden Mädchen zu ihnen kamen, gingen sie in den Garten, um in die Winkelgasse zu apparieren. Als sie alle heile im Tropfenden Kessel ankamen, fragte James: »Ich bin der Meinung, ihr braucht keinen Babysitter. Wie lange werdet ihr ungefähr brauchen?«

»So zwei Stunden?«, fragte Ginny.

»Eine reicht vollkommen!«, sagte Hermine schnell.

»Okay«, lachte Sirius. »Dann treffen wir uns in eineinhalb Stunden wieder hier. Alle einverstanden?«, fragte er grinsend.

Die beiden Mädchen nickten und die Rumtreiber ließen sie dann alleine losziehen. Sie liefen die Straße hinunter und machten am ersten Kleidungsgeschäft, das sie sahen, halt. Ginny verschwand gleich zwischen den Regalen, während Hermine die Pullover ansteuerte. Sie suchte sich zwei schlichte heraus und schaute dann noch nach ein paar einfachen T-Shirts.

»Guck mal, der ist doch toll«, sagte Ginny und hielt ein figurbetontes Oberteil mit Dreiviertelärmeln und V-Ausschnitt hoch. »Nicht freizügig, aber mal was anderes«, erklärte sie. Ginny schwatzte Hermine in dem Laden dann noch ein paar andere Oberteile auf und Hermine gab sich geschlagen und kaufte die von Ginny vorgeschlagenen Sachen.

»Jetzt brauchst du noch ein Kleid«, sagte Ginny, als sie wieder auf der Straße waren.

»Ich will kein Kleid«, erwiderte Hermine. »Das, was ich hier gekauft habe, reicht für zwei Wochen.«

»Du brauchst noch was Besonderes für Silvester. Wenn schon kein Kleid, dann irgendwas anderes. Ich lasse dich da keinen Pullover anziehen«, sagte Ginny resolut.

»Ich donner mich doch nicht auf, während alle anderen in bequemen Sachen auf dem Sofa rumlungern«, meckerte Hermine.

»Wir feiern zwar keine große Party, aber es kommen noch ein paar andere vom Orden. Und wir machen uns beide schick«, sagte Ginny. »Da freue ich mich schon seit Wochen drauf!«

»Ist ja gut«, gab Hermine sich geschlagen. »Aber nichts Freizügiges und auf keinen Fall pompös!«

»Jaha! Wir finden schon was Passendes!«, grinste Ginny. Sie schleppte ihre Freundin zu Madame Malkins und bekam ganz leuchtende Augen, als sie die ausgestellten Kleider sah. Der Laden war sehr voll, viele Hexen drängten sich um die Auslagen auf der Suche nach dem passenden Kleidungsstück für die Feiertage. Ginny und Hermine schlängelten sich zwischen ihnen hindurch.

»Was ist eigentlich Sirius' Lieblingsfarbe?«, fragte die Rothaarige beiläufig.

»Keine Ahnung«, sagte Hermine ebenso nebenbei, bis sie verstand, warum Ginny das gefragt hatte. »Ginny!«, knurrte sie.

Sie verbrachten einige Zeit in dem Laden und Hermine war von der Menge an Menschen genervt. Sie sah sich gar nicht wirklich um, sondern lief Ginny einfach hinterher. Die Rothaarige zog mal hier, mal dort ein Kleidungsstück hervor und hängte es dann wieder weg. Bis sie plötzlich etwas in der Hand hielt und ihre Augen zu leuchten begannen. »Das ist es. Weder freizügig, noch pompös, aber ausgefallen.« Sie hielt es Hermine vor den Körper.

Das Kleid war aus einem leichten Baumwollstoff. Es war dunkelviolett, fast schwarz und glitzerte ein ganz kleines bisschen, wenn Licht im richtigen Winkel darauf fiel. Der Ausschnitt war asymmetrisch, er ließ die linke Schulter frei, während das Kleid auf der rechten Seite einen halblangen Ärmel hatte. Es war bis zur Taille eng anliegend und dann wurde der Rock weiter und fiel in sanften Wellen um die Beine. Das Kleid endete knapp unter dem Knie.

»Bitte probier das an«, bettelte Ginny, als sie Hermines skeptischen Blick sah. Kommentarlos schnappte die Brünette sich das Kleid und ging zu einer der Umkleiden. Als sie es an hatte, kam sie wieder raus und zeigte es Ginny. Die zog Hermine vor einen Spiegel und hauchte: »Du siehst toll aus!«

Als Hermine sich im Spiegel sah, musste sie ihrer Freundin recht geben. Das Kleid stand ihr. Es wirkte elegant, aber nicht aufdringlich. Sie drehte sich leicht hin und her und bei jeder Bewegung schwang der Rock sanft um ihre Beine.

»Du brauchst nur noch einen anderen BH dafür. Man darf den Träger nicht sehen. Dann ist es perfekt.«

»Okay, du hast gewonnen. Ich kaufe das Kleid«, sagte Hermine und lächelte Ginny an.

Die klatschte in die Hände. »Während du dich umziehst, gucke ich nach passender Unterwäsche.«

Hermine wollte protestieren, aber die Rothaarige war schon verschwunden. Nachdem sie sich umgezogen hatte, fand sie ihre Freundin im hinteren Teil des Ladens, wie sie zwei für Hermine identische, schwarze, sehr spitzenlastige BHs miteinander verglich. »Gibts die auch in schlicht?«, fragte sie und erschreckte Ginny damit.

»Nein. Unter so einem Kleid muss etwas aus Spitze getragen werden«, sagte sie belehrend.

»Wer sagt das?«, wollte Hermine wissen.

»Da kannst du hier jede Frau fragen. Aus Spitze und sexy muss es sein. Welcher gefällt dir besser?«, fragte sie und hielt ihrer Freundin die beiden Stücke unter die Nase.

»Keiner.«

»Mine, komm schon. Es sieht doch niemand, was du drunter hast«, begann Ginny.

»Ebendrum!«

»Aber wenn du was Schickes an hast, dann fühlst du dich auch gleich ganz anders. Glaub mir!«

»Du bist die nervigste Person, die ich kenne! Und du gibst ja eh keine Ruhe. Der Linke«, sagte Hermine und schüttelte den Kopf. Wenigstens wirkte der Linke, als wäre er mit weniger Spitze beladen als der andere.

»Gute Wahl.« Ginny legte den anderen beiseite und suchte dann nach einem passenden Höschen.

»Ich habe genug Slips«, merkte Hermine an.

»Genau, sowas kannst du da doch nicht zu anziehen!«, sagte Ginny und hielt einen Stringtanga neben den BH.

»Aber auch mit Sicherheit nicht sowas! Das ist mehr Zahnseide als Unterwäsche!«

Seufzend ging Ginny wieder auf die Suche und hielt dann eine passende Panty dazu hoch. »Das ok?«

»Auch nicht viel Stoff«, murmelte Hermine missmutig, als sie das fast durchsichtige Höschen sah. »Warum habe ich mich da nur drauf eingelassen?«

»Das ist Spitze und das muss so!«

»Gut, gib her! Ich will endlich aus diesem Laden raus. Und mecker nie wieder über meine Unterwäsche, jetzt habe ich ja was anderes!«, sagte Hermine und nahm Ginny die Sachen aus der Hand.

»Hast du Schuhe, die du dazu anziehen kannst?«, fragte die Rothaarige.

Hermine seufzte. »Du hast meinen Koffer gepackt, schon vergessen?«

»Ich habe keine Schuhe eingepackt. Und deine Turnschuhe passen mal gar nicht«, murmelte Ginny und war schon auf dem Weg in einen anderen Bereich des Ladens.

Hermine folgte ihr schnell. Sie sah sich um und griff zielstrebig nach einem paar schwarzer, schlichter Schuhe. Sie hatten Ähnlichkeit mit Muggelballerinas. »Die hier sind gut«, sagte sie, als Ginny nach einen paar High Heels greifen wollte.

Ginny zog skeptisch eine Augenbraue hoch. »Da fehlt ein Absatz.«

»Ohne Absatz ist gut. Oder soll ich mir noch alle Knochen brechen?«, fragte Hermine.

»Sirius würde dich bestimmt auffangen, wenn du fällst.«

»Ginny«, knurrte Hermine. »Ich verlasse diesen Laden, ohne etwas zu kaufen!«

Ginny sah sie mit schief gelegtem Kopf an. »Wenigstens ein kleiner Absatz?«, fragte sie und ließ die High Heels seufzend stehen.

»Nein. Kein Absatz. Die hier oder meine Turnschuhe«, sagte Hermine resolut.

»Wenigstens sind sie irgendwie niedlich.« Ginny seufzte, nachdem sie sich die Schuhe in Hermines Hand genauer angesehen hatte. »Dann haben wir jetzt dein Silvesteroutfit!«

Nachdem Hermine die Teile bezahlt hatte, machten die beiden sich wieder auf den Weg in den tropfenden Kessel.

Die Rumtreiber warteten dort auf sie und hatten beide ein Butterbier vor sich auf den Tisch stehen.

»Und, wart ihr erfolgreich?«, fragte James.

»Ja«, sagte Ginny und ließ sich auf einen Stuhl fallen, dabei zeigte sie auf Hermines Tüten.

»Wollt ihr auch noch ein Butterbier trinken?«, fragte Sirius und winkte schon Tom zu sich.

»Ja, setz dich Mine. Du kannst dich entspannen«, sagte die Rothaarige, weil Hermine immer noch neben dem Tisch stand. »Wir sind fertig mit shoppen.«

»War es so anstrengend?«, fragte James grinsend, während Sirius noch zwei Butterbier beim Wirt bestellte.

»Sagen wir, unsere Vorstellung von Kleidung für die Feiertage ging etwas auseinander«, sagte Ginny diplomatisch.

»Etwas?«, brummte Hermine. »Wenn es nach dir gegangen wäre, würde ich weniger Stoff als im Sommer tragen!«

»Du musst dich aber auch nicht hinter einer Wollrüstung verstecken!«, konterte Ginny und Hermine wurde rot. Es war ihr peinlich, eine solche Diskussion vor den Rumtreibern zu führen, was sollten die denn von ihr denken?

Die beiden Männer lachten und Sirius warf einen Blick auf die Tüten. »Ich bin mir sicher, dass du keine einzige Wollrüstung besitzt. Und wie es aussieht, seid ihr euch ja doch einig geworden.« Er lächelte Hermine an und prostete ihr dann zu, als die Mädchen auch ein Butterbier hatten.

»Habt ihr denn auch einen Baum bekommen?«, fragte Ginny.

»Ordentlich geschrumpft und eingepackt«, sagte Sirius und klopfte sich auf die Manteltasche.

Hermine vermied es angestrengt, ihn oder James auch nur anzusehen, weil sie Angst hatte, sich dann zu verraten. Also umklammerte sie die Flasche in ihren Händen und sah sich entweder im Raum um oder zu Ginny. Die unterhielt sich fröhlich mit Harrys Vater und Paten. »Was ist eigentlich deine Lieblingsfarbe?«, fragte sie Sirius irgendwann und Hermine verschluckte sich an ihrem Butterbier. James klopfte ihr auf den Rücken und sah sie irritiert an.

»Keine Spezifische, solange es kein Grün ist. Wieso willst du das wissen?«, fragte Sirius.

»Nur für den Fall, dass ich dir eventuell Socken zu Weihnachten schenken will. Nicht dass ich dann farbtechnisch völlig daneben liege«, log Ginny grinsend. Hermine stellte fest, dass sie noch nicht einmal rot dabei wurde. Dieses Biest!

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Nächstes Kapitel:

Ich liebe Kartoffelbrei