Nachmittags hatte Molly Tee, Kaffee und Gebäck aufgetischt und in gemütlicher Runde saßen sie alle beisammen. Arthur hatte sein Puzzle ausgepackt und versuchte es zusammen zu bauen. Einige spielten Zauberschnippschnapp und Remus spielte gegen Ron eine Partie Zauberschach.
Nur Hermine saß nach wie vor auf dem Boden, an einen Sessel gelehnt und gab vor zu lesen. Den Versuch, sich zu konzentrieren, hatte sie schnell aufgegeben. Jetzt lauschte sie auf Gesprächsfetzen und Geräusche, die zu ihr drangen. Sie wusste nicht, was sie hoffte zu hören, aber sie schnappte auch nichts auf, das sie auf irgendeine Art und Weise beunruhigte. Und das gab ihr irgendwie ein Gefühl von Sicherheit. Es wirkte alles so normal auf sie.
Als Molly zum Abendessen rief – sie hatte die Reste des Mittagessens aufgetischt – legte Hermine ihr Buch beiseite und setzte sich zu den anderen an den Tisch.
»Gefällt dir das Buch?«, fragte Harry.
Hermine lächelte ihn an und nickte. »Es ist wirklich interessant«, antwortete sie. Wenn es hoch kam, hatte sie vielleicht die ersten zehn Seiten gelesen und die Hälfte schon wieder vergessen, weil sie so abgelenkt gewesen war, aber der erste Eindruck war nichtsdestotrotz interessant gewesen.
»Puh, dann haben wir ja alles richtig gemacht«, sagte Ron grinsend und hielt ihr den Kartoffelbrei hin. Hermine verzog das Gesicht, als sie die Schüssel nahm und reichte sie kommentarlos an die wieder einmal kichernde Ginny weiter.
»Ich dachte, du liebst Kartoffelbrei«, flüsterte die Rothaarige glucksend, als sie die Schüssel entgegen nahm.
»Ich esse nie wieder Kartoffelbrei«, murmelte Hermine leise und tat sich stattdessen etwas Gemüse und Braten auf den Teller.
»Aber Mum hat doch extra noch was für dich gemacht«, nuschelte Ginny und Hermine sah sie entgeistert an. Dann warf sie einen schnellen Blick zu Molly, aber die Weasley schenkte Hermine kaum Beachtung. Kopfschüttelnd spießte sie etwas Fleisch auf und ließ es in ihrem Mund verschwinden.
Das Abendessen war eine schnelle Angelegenheit, da alle eigentlich noch vom Mittag satt waren. Hermine ließ sich danach von Harry dazu überreden, mit ihnen Karten zu spielen. Der Abend wurde dann sogar noch ziemlich lustig, auch wenn sie ihre Nervosität nicht ablegen konnte und häufig kurz zusammen zuckte, wenn einer der anderen das Wort an sie richtete, weil sie befürchtete, dass man sie auf ihr komisches Verhalten ansprach. Aber nichts dergleichen passierte.
Als die Uhr schon weit nach Mitternacht zeigte, verabschiedeten Molly und Arthur sich ins Bett und die Rumtreiber verstreuten sich ebenfalls im Haus. Bill und Fleur verabschiedeten sich ebenfalls, weil sie den nächsten Tag bei Fleurs Familie in Frankreich verbringen wollten. Die restlichen Unterhaltungen wurden immer mehr von müdem Gähnen unterbrochen und so beschlossen die jungen Leute, auch ins Bett zu gehen.
»Ich sammle noch kurz die Geschenke ein, geht ruhig schon nach oben«, sagte Hermine, als sie sah, dass Harry, Ron, Ginny, Charlie und George an der Tür zum Flur auf sie warteten. Sie holte das Buch, das sie neben dem Sessel hatte liegen lassen und ging dann hinüber zu dem Stapel mit ihren restlichen Geschenken. Höhnisch stach das kleine goldene Päckchen hervor. Sie wollte es nicht auspacken. Vielleicht sollte sie es Sirius am Ende der Ferien einfach zurückgeben. Dann wüsste er zwar definitiv, dass sie die Zeitreise gemacht hatte, aber sie müsste ihn danach auch nicht wieder sehen, wenn sie es nicht wollte.
»Du bist keinen Tag älter als damals«, hörte Hermine eine Stimme hinter sich. Abrupt versteifte sie sich und schloss die Augen. Sie hatte es befürchtet. Warum hatte sie die anderen schon nach oben geschickt? Warum hatte sie Ginny nicht gebeten ihr zu helfen?
Sollte sie so tun, als wüsste sie nicht wovon er sprach, oder sollte sie ihm reinen Wein einschenken? Sie drehte sich langsam zu ihm um und sah ihn vor sich stehen. Er hielt ein Glas Whisky in der Hand, die andere hatte er lässig in die Hosentasche gesteckt.
Ihr Blick zuckte zu den Geschenken in ihrem Arm, das rote Schleifenband blitzte aus dem Haufen hervor. Sie sah, wie Sirius' Augen kurz dorthin wanderten. »Nein, bin ich nicht«, sagte sie und seufzte leise. Ihr ganzer Körper begann erwartungsvoll zu kribbeln. Sie fühlte sich, als würden ihr gleich sämtliche Gliedmaßen einschlafen.
»Also hast du die Reise schon gemacht. Wir waren uns nicht sicher, bis ich das Geschenk gesehen habe. Du hast es nicht aufgemacht?«, sagte er.
»Nein.«
»Warum nicht?«
Hermine zuckte mit den Schultern und legte ihren Geschenkestapel auf dem Tisch ab. Sie zog das einzige Eingepackte hervor und schob es mit zitternden Fingern Sirius zu. »Ich hielt es für einen Fehler, es zu öffnen.«
Er kam zwei Schritte näher, nahm die Hand aus der Tasche und hob das Päckchen hoch. Er drehte es in seiner Hand, dann stellte er es wieder auf den Tisch. »Öffne es.« Dann steckte er die Hand wieder in die Hosentasche und verließ den Raum.
Hermine sah ihm völlig verdattert nach. Sollte das etwa alles sein? Sie wusste zwar nicht, womit sie gerechnet hatte, aber damit definitiv nicht. Um sich abzulenken, nahm sie das Geschenk in die Hand. Sie setzte sich auf einen der Stühle am Tisch, legte den Kopf schief und dann zog sie einfach an dem Schleifenband. Als es lose war, fing sie an, das Papier abzulösen. Zum Vorschein kam eine kleine quadratische Schachtel. Sie zögerte damit, den Deckel zu öffnen. Aber sie atmete einmal tief ein, und als sie ausatmete, hob sie den Deckel an. Im Inneren lag eine kleine Kugel, die an einer langen Kette befestigt war. Sie holte das Schmuckstück heraus. Die Kugel, die daran befestigt war, war etwa drei Zentimeter groß. Sie sah genauer hin. In der Kugel befand sich eine Miniaturausgabe von Hogwarts. Es wirkte wie eine kleine Muggel-Schneekugel, nur ohne den Schnee. Die Kugel war ziemlich dunkel, im oberen Teil funkelten winzige Punkte. Es sollte wohl den Nachthimmel darstellen. Aber das faszinierendste waren die grünen und roten Streifen, die sich über den Himmel zogen. Es waren Nordlichter. Sie bewegten sich und zogen feine Schlieren durch das Glas. Sie lächelte, als sie an die echten Nordlichter dachte, die sie gesehen hatte. Eine einzelne Träne lief ihr über die Wange, als die Gefühle, die sie mit diesem Anblick verband, in ihr hoch stiegen.
»Es ist eine Erinnerungskugel.«
Erschrocken drehte Hermine sich um und wischte sich mit der Hand über die Wange. »Was?«, fragte sie.
»Eine Erinnerungskugel. Wenn du sie von der Kette abnimmst, dann wird sie größer«, erklärte Sirius und kam näher.
Hermine löste die Kugel von der Kette und sie wurde in etwa so groß wie ein Erinnermich.
»Es ist eine echte Erinnerung«, sagte Sirius und stellte sein Glas auf dem Tisch ab. »Du kannst auch eine andere Erinnerung darin einschließen, wenn dir das lieber ist. Aber damals dachte ich – Du warst so fasziniert von dieser Aurora Bolearis –«
»Borealis«, verbesserte Hermine automatisch und wurde rot. Sie sah ihn peinlich berührt an.
»Ich lerne es wohl nicht mehr.« Er grinste sie an. »Ich dachte damals jedenfalls, dass du es dir gerne öfter ansehen würdest.«
»Das… ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Danke«, murmelte sie. Sie sah wieder auf die Kugel und sog den Anblick der Nordlichter in sich auf. »Das ist wunderschön.«
»Wenn du die Kette wieder an der Kugel befestigst, schrumpft sie wieder«, erklärte der Schwarzhaarige.
»Ich wusste gar nicht, dass es solche Kugeln gibt«, sagte Hermine, als sie die Kette durch die Öse fädelte. Sofort schrumpfte die Kugel wieder auf die Größe eines Anhängers.
»Sie sind recht selten.« Sirius zuckte mit den Schultern. »Darf ich?«, fragte er und nahm ihr den Schmuck ab. Er trat hinter sie und legte ihr die Kette um den Hals.
Hermine hob nervös ihre Haare an, damit er es einfacher hatte, sie zu verschließen. Als sie ihre Haare wieder fallen ließ, spürte sie, dass er ihr einen hauchzarten Kuss auf den Scheitel gab. Sie schloss kurz die Augen, als ihr Körper anfing, schlimmer zu summen als ein Bienenstock und öffnete sie wieder, als Sirius von ihr weg trat. Sie umfasste den Anhänger mit ihrer linken Hand. Die Kette war lang genug, sodass sie die Kugel unter ihrer Kleidung verstecken konnte. Sie drehte sich zu ihm um und stand auf. »Danke für das Geschenk«, sagte sie, weil sie nicht wusste, was sie sonst sagen sollte.
»Es freut mich, dass es dir gefällt. Gute Nacht, Hermine«, sagte Sirius und wandte sich zum Gehen.
Als er an der Tür war, hielt sie ihn mit bebender Stimme auf. »Sirius?«
»Ja?« Er drehte sich um und sah sie fragend an, blieb aber an der Tür stehen.
»Ich… Du hast die anderen eingeweiht, oder? Ich wusste nicht, wie ich es euch sagen sollte. Ich… Als ich zurückkam, da… Ich dachte, ich hätte nur wenig in der Vergangenheit verändert. Es war irgendwie so, als könne ich so tun, als wäre ich nie weggewesen. Was natürlich gar nicht funktioniert hat, weil sich eben doch etwas in der Vergangenheit geändert hatte. Und ich bin nicht älter geworden. Das, worauf ich mich eingestellt hatte, war also gar nicht passiert und ich wollte einfach nur irgendwie weiter machen. Erst später habe ich erfahren, dass ihr lebt und ich wusste nicht, wie ich damit umgehen sollte oder soll. Es ist komisch oder nicht?«, fragte sie. Sie sah an ihm vorbei und knetete nervös ihre Hände.
Sirius kam wieder ein paar Schritte in den Raum hinein. »Schon irgendwie, ja. Ich habe nicht erwartet, dass du so… Hättest du es uns irgendwann gesagt? Wenn Ginny nicht… Wusste sie, was für ein Geschenk das war?«
»Ginny«, schnaubte Hermine. »Ich schwöre dir, irgendwann bringe ich sie um. Sie ist ernsthaft noch schlimmer als Alice!«, plusterte Hermine sich auf.
»Und das will was heißen«, sagte Sirius lachend. Als Hermine das hörte, konnte sie nicht anders, als mit ihm zu lachen. Es war ansteckend und sie fühlte sich fast wie damals, als sie ihn jetzt ansah.
»Tatze? Wo steckst du?« James steckte seinen Kopf zur Tür herein. »Oh«, machte er, als er Hermine entdeckte.
»Komm rein«, forderte Sirius seinen besten Freund auf. Hermine steckte den Anhänger, den sie immer noch festhielt, unter ihren Pullover.
James legte den Kopf schief, als er die Tür ein Stück weiter öffnete. »Hallo, Jean«, fragte er mehr, als dass er es sagte. Hinter ihm erschien Remus.
»Hi, James, Remus«, antwortete Hermine leise. Sie lächelte die beiden zaghaft an und die Männer betraten den Raum und schlossen die Tür hinter sich.
»Stören wir?«, fragte Remus.
»Nein. Hermine hat grade nur festgestellt, dass Ginny wohl schlimmer ist als Alice zu ihren besten Zeiten«, sagte Sirius grinsend.
»Also war es doch Sirius' Geschenk?«, fragte James.
»Ja. Ist eine lange Geschichte«, sagte Hermine.
»Also… wir hätten Zeit. Wir hatten eh vor, darüber zu spekulieren. Wenn du also noch nicht zu müde bist…«, sagte James und setzte sich auf eines der Sofas.
Hermine sah vom einen zum anderen. »Wann hat Sirius es euch erzählt?«, fragte sie und ging in Richtung der Sitzgruppe.
»Kurz vor unserem Abschluss. Lily war inzwischen so enttäuscht, weil ihre Briefe alle ungeöffnet zurückkamen, dass sie fast anfing dich zu hassen«, erklärte James.
»Und das wollte ich vermeiden, also habe ich ihnen die Wahrheit erzählt. Alice und Remus auch«, sagte Sirius. Er ging zum Tisch, nahm sich sein Glas und setzte sich dann mit Remus zusammen zu Hermine und James.
»Noch jemand einen Whisky?«, fragte James und schwang seinen Zauberstab, um eine Flasche und Gläser zu sich schweben zu lassen. Remus und auch Hermine nickten, also goss James drei Gläser ein und reichte sie dann weiter. »Auf Jeans Rückkehr!«, prostete er den anderen zu.
»Ich heiße –«, wollte Hermine sagen, wurde aber von James unterbrochen.
»Ich weiß und trotzdem wirst du immer unsere kleine Jean bleiben.« Er zwinkerte ihr zu. »Also, auf deine Rückkehr.«
Hermine schüttelte lächelnd den Kopf und trank einen Schluck. »Als ich bei euch war, war ich älter als ihr, da kann wohl kaum die Rede von klein sein«, frotzelte sie und zog eine Augenbraue hoch.
»Aber jetzt bist du die Kleine«, konterte James.
»Und schon ist es irgendwie gar nicht mehr komisch, sondern als wäre es schon immer so gewesen«, sagte Sirius nachdenklich. »Oder?«
Hermine sah nachdenkend in die Runde und versuchte zu erspüren, wie sie sich fühlte. »Ja, du hast recht«, stimmte sie nach einem Moment zu. Sie fühlte sich gut. Die Nervosität war verschwunden. Ihre Anspannung hatte nachgelassen. Sie saß hier einfach nur mit drei alten Freunden zusammen.
»Die Frage ist, warum bist du jetzt die Kleine? Sirius meinte damals, dass du um zwanzig Jahre altern würdest«, fragte James neugierig.
»So genau weiß ich das auch nicht«, sagte Hermine und wandte sich dann an Sirius. »Hast du erzählt, wie das mit meiner Rückreise abgelaufen ist?«
»Nicht wirklich.«
»Okay, es gab da zwei Möglichkeiten. Entweder ich würde zurückgezaubert werden oder einen experimentellen Zeitumkehrer nutzen. Das mit dem Zurückzaubern wurde schon mal gemacht und die betreffende Hexe alterte um genau die Jahre, die sie in die Vergangenheit gereist war. Also gingen alle davon aus, dass es bei mir auch so wäre. Ich habe mich aber nicht zurückzaubern lassen, sondern den neuen Zeitumkehrer genutzt. Vermutlich hängt es damit zusammen, dass ich nicht gealtert bin. Ich war die Erste, die eine Vorwärtszeitreise in dieser Größenordnung gemacht hat. Es gibt also keine Erfahrungswerte«, erklärte Hermine.
»Und wir hatten uns gefragt, ob Sirius sich mit dem Datum deiner Rückkehr geirrt hat, weil wir nichts gehört haben«, sagte Remus.
»Nein, das war schon richtig. Aber… in meiner Erinnerung, da… Zum Zeitpunkt meiner Rückkehr… Es sollte niemand mehr da sein, der sich an mich erinnern könnte«, sagte Hermine leise.
»Es sollte niemand…?«, fragte Remus. James schwieg und sah sie fragend an.
Sirius nickte abwesend zog die Augenbrauen zusammen und setzte zum Sprechen an, aber Hermine kam ihm zuvor. Sie sah ihm in die Augen. »Hätte ich es dir etwa sagen sollen? Was hättest du dann getan?«
»Du hättest mir von den Horkruxen erzählen können«, antwortete Sirius. »Wir hätten sie gesucht und zerstört, viel eher schon.«
»Und was, wenn dabei etwas schief gegangen wäre? Dumbledore hat sich mit einem der Horkruxe selbst vergiftet. Wenn etwas schief gegangen wäre, dann hätte Voldemort vielleicht niemals besiegt werden können. Das Risiko, Sirius. Es war viel zu groß. Ihr müsst mir glauben, wenn ich gekonnt hätte, wenn es nicht so gefährlich gewesen wäre… Es war das schlimmste für mich zu wissen, welches Schicksal euch bevorsteht. Bitte glaubt mir das.« Zum Ende hin liefen ihr die Tränen über das Gesicht. »James, es tut mir so wahnsinnig leid, dass Lily gestorben ist. Obwohl ich nichts verändern durfte, habe ich doch unbeabsichtigt so viel geändert, wie ich inzwischen festgestellt habe. Aber Lily… es tut mir so sehr leid«, sagte sie verzweifelt.
»Es ist okay, Hermine«, sagte James. »Sie hat Harry beschützt.« Er lächelte sie an und drückte ihre Schulter.
Sie lächelte zaghaft, als sie sagte: »Diesmal hat er wenigstens noch dich.« Sie wischte sich die Tränen von den Wangen und sah Remus und Sirius an. »Als ich zurückkam, wartete Dumbledore auf mich. Da war mir schon klar, dass sich Dinge geändert hatten. Ich besprach mit ihm die Unterschiede zu meiner Erinnerung und ich glaubte, er wäre der Einzige, der überlebt hatte. Wir rissen die Ereignisse nur oberflächlich an und ich dachte nicht allzu viel verändert zu haben. Aber wie ich kurze Zeit später feststellen musste, hatte sich viel mehr geändert. Das letzte Jahr verlief ganz anders, als ich es in Erinnerung hatte. Dadurch verhaspelte ich mich ständig, wenn ich mich mit Harry, Ron und Ginny unterhalten hatte. Ginny wurde irgendwann misstrauisch. Sehr misstrauisch. Und damit sie nichts Dummes anstellte und weil ich inzwischen auch dringend jemanden zum Reden brauchte, habe ich ihr alles erzählt. Sie war dann auch diejenige, die mir sagte, dass ihr lebt.«
»Dann hat sie dir heute Sirius' Geschenk mit voller Absicht gegeben?«, fragte James breit grinsend. »Sowas hätte Alice sich wirklich nicht getraut.«
»Ja«, grummelt Hermine. »Ich sag ja, sie ist schlimmer, als Alice es jemals war.«
»Also… Ich nehme es ihr nicht übel. Sie hatte es bestimmt nur gut gemeint«, sagte James und prostete ihr zu.
»Pah, gut gemeint. Dieses kleine Biest war nur sensationsgeil. Sie hat ganz genau auf eure Reaktionen geachtet«, murmelte Hermine.
»Oh. So hinterhältig hätte ich Ginny nicht eingeschätzt«, meinte James, hatte aber ein anerkennendes Funkeln in den Augen.
Hermine verdrehte die Ihren. »Aber ohne diese Sache hätte ich wohl auch nichts gesagt. Es war komisch für mich… Ich… wollte hier noch nicht mal herkommen.« Sie zuckte mit den Schultern.
»Dann dürfen wir Ginny ja dankbar sein«, sagte James und hob erneut sein Glas.
»Fühlst du dich damit wohl, dass wir es jetzt wissen?«, fragte Remus.
»Ja, es ist okay. Halb so schlimm wie ich befürchtet hatte.«
»Halb so schlimm?«, fragte Sirius ungläubig nach. »'Halb so schlimm' ist aber immer noch mehr schlimm als gut!«
Hermine grinste. »Na gut, dann eben noch mal die Hälfte von 'halb so schlimm'.«
»Das ist immer noch nicht besser, Jean!«, echauffierte Sirius sich und sah sie dann mit großen Augen an, als er bemerkte, wie er sie genannt hatte.
»Also ich fühle mich schon fast wieder wie früher«, sagte James und lachte dann.
»Mine?«, hörten sie es durch die Tür rufen. Einen Moment später wurde sie vorsichtig aufgeschoben. Ginny sah sich im Raum um. »Mine? Da bist du ja. Was – oh«, sagte sie, als sie bemerkte, dass Hermine nicht alleine war. »Du bist nicht nach oben gekommen, da habe ich mir Sorgen gemacht«, erklärte sie und lächelte entschuldigend.
»Du bist selbst schuld, dass ich keine Chance hatte, nach oben zu kommen«, warf Hermine der Rothaarigen vor. Aus dem Augenwinkel sah sie, dass die Rumtreiber mehr oder weniger gut ihr Grinsen zu verstecken versuchten.
»Ich freue mich, dass du endlich was gesagt hast. Dann kann ich jetzt ganz beruhigt schlafen gehen«, sagte Ginny und drehte sich der Tür zu.
»Nicht ich, du hast das getan«, grummelte Hermine. Als zwei der drei Männer wie kleine Schuljungen losprusteten, zeterte sie weiter. »Hört auf so dämlich zu lachen, das ist nicht witzig! Ich hatte hier überhaupt keine Entscheidungsfreiheit!«
Ginny sah Hermine mit großen Augen an, als diese James und Sirius anfuhr.
»Und das ist jetzt so schlimm, weil –?«, fragte James grinsend.
»Weil alles hätte auffliegen können!«, rief Hermine.
»Die Kette ist doch ziemlich unverfänglich, Ginny hätte dir die durchaus schenken können«, sagte Sirius.
»Ich wusste ja nicht, was drin war!«, behielt Hermine ihren Standpunkt bei. Ginny sah der Diskussion völlig verdattert zu.
»Ist doch alles halb so schlimm«, versuchte Remus die Gemüter zu beruhigen.
»Tz, 'halb so schlimm'. Vorhin sagte jemand«, Hermine warf Sirius einen belustigten Blick zu, »das wäre immer noch mehr schlimm als gut.«
»Ich gehe ins Bett. Was hier grade abläuft, kann mein Hirn gar nicht begreifen«, sagte Ginny und sah die Vier an, als kämen sie vom Mond. Vier paar Augen wanderten erstaunt zu der Rothaarigen, sie hatten völlig vergessen, dass Ginny noch da war.
»Das wolltest du doch die ganze Zeit!«, pöbelte Hermine und verschränkte die Arme vor der Brust.
»Hier, trink noch einen Schluck, das beruhigt dich hoffentlich«, sagte James und hielt Hermine ihr Glas unter die Nase.
»Ich hatte gedacht, dass dann einfach nur die Stimmung besser wird… Aber… ich lass euch mal alleine. Gute Nacht«, sagte Ginny verwirrt.
»Gute Nacht«, sagten die drei Männer synchron.
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Nächstes Kapitel:
Ihr wart Kinder!
