James setzte sich zu Sirius und stelle die Kiste auf dem Tisch ab. Als Hermine zu ihnen kam, hielt er ihr die Box hin. »Lily hat dir Briefe geschrieben, nachdem Sirius uns die Wahrheit gesagt hat. Sie wollte sie am zweiten September abschicken.«

Hermine nahm James die Box ab, setzte sich und stellte sie auf ihre Oberschenkel.

»Sie wollte dich über alles Wichtige auf dem Laufenden halten«, sagte James, als Hermine den Deckel anhob. In der Box lagen mehrere Briefe und ein paar Babyschuhe.

Fragend hob sie sie heraus und sah James an. »Gehören die dazu?«

»Ja.« James grinste sie breit an. »Willst du die Briefe lesen?«

Nachdenklich nahm sie die Briefe heraus und fächerte sie auseinander, es waren siebzehn Stück. Lily hatte ihr innerhalb von drei Jahren siebzehn Briefe geschrieben. Adressiert waren sie alle an Jean Grant. »Ja, ich möchte sie lesen«, antwortete sie leise.

»Dann lassen wir dich jetzt besser alleine«, meinte Sirius und wollte aufstehen.

»Nein. Ich… ich will sie nicht alleine lesen«, sagte Hermine und sah die beiden an. »Könnt ihr hier bleiben?«

»Sie sind sortiert. Der Oberste ist der Erste«, erklärte James und setzte sich in einen Sessel neben der Brünetten.

Hermine öffnete den Umschlag und zog ein Blatt Pergament hervor. Sie erkannte Lilys Handschrift sofort.

13.05.1978

Liebe Jean,

Sirius hat uns heute erzählt, wo du wirklich herkommst. Ich habe dir so viele Briefe geschrieben, die dich alle nicht erreicht haben. Ich war sauer auf dich. Bitte nimm es ihm nicht böse, dass er uns die Wahrheit gesagt hat.

Du bist wirklich aus der Zukunft? Wenn wir uns in 21 Jahren wiedersehen, musst du mir unbedingt erzählen, wie das passieren konnte. Sirius sagte, du wirst dann genauso alt sein wie wir. Es ist schade, dass du nicht bei uns bleiben konntest und so viele Jahre verlierst. Sirius hat versucht, uns zu erklären, wieso du zurück musstest. Diese ganze Sache ist ja unglaublich komplex! Und wenn ich das richtig verstanden habe, wird es für dich sein, als hätten wir uns gerade eben erst zum letzten Mal gesehen. Ich freue mich schon darauf.

Aber mir macht unser Abschied Sorgen. Du hattest Tränen in den Augen und gesagt, dass wir auf uns aufpassen sollen. Die Zukunft wird schlimm, oder?

Wir merken es jetzt schon. Du-weißt-schon-wer wird stärker. Immer mehr schließen sich ihm an. Seine Parolen lassen nichts Gutes hoffen. Wir werden uns nach der Schule dem Widerstand anschließen. Das werden wir alle, die ganze Clique. Professor Dumbledore hat den Orden des Phönix gegründet, gemeinsam werden wir uns gegen du-weißt-schon-wen stellen. Professor Dumbledore ist der einzige Magier, den er fürchtet. Ich glaube, wir haben gute Chancen, wenn sich noch mehr Leute dem Widerstand anschließen.

Und ich verspreche dir, wir werden auf uns aufpassen. Alle gegenseitig, uns wird nichts passieren.

Ich weiß nicht, wie es in deiner Zeit ist, aber ich will, dass die Zukunft gut wird. Das wollen wir alle.

Ich soll dir von den Jungs ausrichten, dass du dir keine Sorgen machen musst. Und Alice sagt, dass du auch ruhig mal ein paar Hinweise hättest fallen lassen können, was für eine Zukunft auf sie wartet. Ach, du kennst sie ja. Mit dem Kopf durch die Wand. Ich verstehe schon, warum du es nicht getan hast. Niemand sollte etwas über seine eigene Zukunft erfahren.

Ich habe beschlossen, dass ich dir noch öfter schreiben werde. Ich werde dich über alles Wichtige auf dem Laufenden halten. Stell dich also darauf ein, dass du ein ganzes Paket voll Briefe am 2. September 1998 erhalten wirst.

Ich hoffe, du bist gut wieder in deiner Zeit angekommen.

Deine Freundin, Lily

Hermine lächelte, als sie diesen Brief gelesen hatte. Lily nahm es ihr nicht übel. »Ich hätte sie wirklich gerne wiedergesehen«, sagte sie traurig und öffnete den nächsten Brief.

24.07.1978

Liebe Jean,

ich habe mich gefragt, ob das dein echter Name ist? Ich glaube nicht. Ich hätte mir wahrscheinlich auch einen anderen ausgedacht, wenn ich eine Zeitreise gemacht hätte. So ist die Wahrscheinlichkeit geringer, dass Zusammenhänge erkannt werden. Ich frage mich, ob meine Briefe ankommen werden, wenn ich sie an Jean Grant schicke. Aber vielleicht treffe ich dich auch schon vorher und erfahre dann deinen richtigen Namen. Das stelle ich mir komisch vor, wenn ich weiß, wer du bist, aber du mich nicht kennst. Aber deswegen wollte ich dir heute gar nicht schreiben.

Wir haben unseren Abschluss!

Wir sind fertig mit der Schule!

Ich habe ganz viele Erwartungen Übertroffen und ein paar Ohnegleichen geschafft. Ich kann das noch gar nicht fassen. Die anderen haben auch alle einen guten Abschluss gemacht. Niemand ist durchgefallen.

In einer Stunde beginnt das Abschlussfest, aber vorher musste ich dir das noch schreiben.

Ich bin so erleichtert, dass wir es jetzt hinter uns haben. Die Prüfungen waren wirklich nicht einfach. Ich habe mir echt Sorgen gemacht. Aber umso glücklicher bin ich jetzt! Ach, ich wünschte, du wärst hier und wir könnten zusammen feiern. Aber wir werden das nachholen, das verspreche ich.

Wie wird das eigentlich bei dir sein? Du hast dein siebtes Schuljahr dann ja noch vor dir. Aber du kannst ja schlecht zur Schule gehen, wenn du so alt bist wie wir. Aber ich glaube, Professor Dumbledore wird dafür eine Lösung haben. Oh, ich freue mich auf unser Wiedersehen, Jean!

Ich muss jetzt leider aufhören, Alice steht hinter mir und drängt, dass ich mich für das Fest fertig machen muss. Ich soll dir schöne Grüße von ihr ausrichten. Sie freut sich auch darauf, dich irgendwann wiederzusehen.

Viele Grüße, Lily

Hermine konnte Lilys Euphorie spüren. Es war, als würde sie neben ihr stehen und aufgekratzt von ihrem Abschluss erzählen. Sie lächelte und strich über das Papier. James und Sirius sahen ihr lächelnd dabei zu. Sie legte das Blatt beiseite und nahm sich den nächsten Brief. Er war kürzer als die anderen und Lily hatte ihn am nächsten Tag geschrieben, wie sie am Datum erkannte.

25.07.1978

Jean!

James hat mir gestern einen Heiratsantrag gemacht!

Mitten auf dem Fest, vor allen!

Und ich habe ja gesagt.

Ich werde heiraten, Jean. Ist das nicht verrückt? Ich werde James heiraten!

Wir haben getanzt und dann ist er vor mir auf die Knie gegangen.

Ich kann das gar nicht glauben, es fühlt sich so an, als hätte ich das nur geträumt. Aber der Ring an meinem Finger straft es lügen. Er ist wunderschön. Kein protziger Ring, dezent mit einem kleinen Stein.

Ich wünschte, du hättest dabei sein können. Ich vermisse dich!

Deine Freundin, Lily

Hermine konnte sich direkt vorstellen, wie Lily aufgeregt an ihrem Schreibtisch saß und schnell diese Zeilen verfasst hatte.

Grinsend sah sie zu James. »Du hast ihr ja gar keine Chance gelassen, ›nein‹ zu sagen.«

»Quatsch, sie hätte niemals ›nein‹ gesagt«, antwortete er. »Ich wollte, dass alle erfahren, dass dieses wunderbare Mädchen meine Frau wird.«

»Nein, hätte sie nicht. Ich kann beim Lesen spüren, wie glücklich sie war«, sagte Hermine wehmütig.

Dem nächsten Brief lag ein Bild bei. Lily trug ein Hochzeitskleid und James hatte sich auch fein heraus geputzt. Sie hielten sich im Arm und lächelten glücklich.

26.11.1978

Liebe Jean,

vor zwei Tagen haben James und ich geheiratet. Es war eine kleine Feier. Nur die Familien und engsten Freunde. Sirius und Alice waren unsere Trauzeugen.

Mein Kleid war traumhaft schön. Es hätte dir mit Sicherheit gefallen. Die Zeremonie war wunderbar.

Ich bin ein bisschen wehmütig, weil meine Schwester nicht dabei war. Sie hasst mich, weil ich magisch bin. Vielleicht kennst du die Geschichte. Seit wir Kinder waren, hält sie mich für abnormal. Ich hatte mir so sehr gewünscht, dass wir uns aussöhnen könnten. Aber sie will nichts mehr von mir wissen. Sie ist mit einem Muggel verlobt. Er heißt Vernon. Und er ist der klassische Muggel mit Durchschnittsjob und so normal, wie ein Muggel eben sein kann. James sagt, dass ich es akzeptieren soll, wenn Tunia nichts mit uns zu tun haben will. Aber sie ist doch meine Familie! Ich kann nicht mit ihr brechen. Das würde mir in der Seele wehtun.

Aber ich will dir jetzt nicht die Ohren voll jammern. Wir haben in unserem eigenen Garten gefeiert. Ja, du ließt richtig. James und ich sind in ein Haus in Godric's Hollow gezogen. Ganz in der Nähe von Fleamont und Euphemia (das sind James' Eltern). Es ist kein rein magisches Dorf, aber hier leben überdurchschnittlich viele Zauberer. Wusstest du, dass Professor Dumbledore hier aufgewachsen ist?

Das Haus ist schön, wir haben einen kleinen Vorgarten, und hinter dem Haus ist eine größere Wiese. Wir haben zwei Stockwerke. Es ist nicht besonders groß, aber für uns reicht es. Es gibt genug Zimmer, sodass wir ein Gäste- und ein Arbeitszimmer einrichten konnten. Aus dem Gästezimmer können wir später auch ein Kinderzimmer machen. Aber da denken wir noch nicht drüber nach.

Eigentlich wollten wir nach der Hochzeit ein bisschen reisen, aber wir haben uns dazu entschieden, das zu verschieben. Wir werden hier gebraucht und die Zeiten werden immer unsicherer.

Immer mehr Leute schließen sich du-weißt-schon-wem an. Bald kommt der Tag, an dem du deinem eigenen Nachbarn nicht mehr trauen kannst. Man sieht den Leuten nicht an, welche Ansichten sie haben. Ich bin so froh, dass wir Freunde haben, denen wir vertrauen können.

Dass Sirius mit seinen Eltern gebrochen hat und die letzten Jahre bei James' Familie gewohnt hat, weißt du bestimmt, oder? Na ja, jedenfalls hat er sich jetzt auch eine eigene Wohnung in London gemietet, als James zu Hause ausgezogen ist. Sein Vater ist inzwischen gestorben und er hat offiziell sein Elternhaus geerbt. Aber er will nicht dahin zurück, nie mehr. Er hat gesagt, am liebsten würde er es anzünden, aber für seine Mutter würde er nicht zum Mörder werden. (Sie lebt dort noch, genauso wie sein Bruder.)

Kennst du Regulus auch? Es heißt, er hätte sich du-weißt-schon-wem angeschlossen. Dabei macht er dieses Jahr erst seinen Abschluss. Er geht noch zur Schule! Das ist unfassbar! Aber irgendwie auch kein Wunder. Die Blacks waren schon immer Verfechter der Reinbluttheorie und Befürworter von du-weißt-schon-wems Ideologie. Ich hoffe, wir bringen ihn bald zu Fall.

Ich melde mich bald wieder!

Alles Liebe, Lily

»Wieso bist du eigentlich wieder in dieses Haus gezogen?«, fragte Hermine Sirius. »In meiner Erinnerung hast du das Haus gehasst und bist nur hier her zurück, weil es als Hauptquartier geschützt wurde und ein gutes Versteck war. Lily erwähnte grade, dass du früher niemals wieder in dieses Haus wolltest.«

»Nachdem meine Mutter als Letzte gestorben war, wollte ich es eigentlich niederbrennen. Aber da Dumbledore sich sicher war, dass Voldemort nicht besiegt war, sondern irgendwann wiederkommen würde, habe ich gedacht, dass meine ganze Familie sich im Grabe herumdrehen würde, wenn sie wüssten, dass in diesem Haus der Widerstand gegen ihre Ideologie geplant wird«, sagte Sirius schulterzuckend. »Wir haben es dann hergerichtet und ich habe es Dumbledore zur Verfügung gestellt.«

»Es sieht ganz anders aus, als ich es in Erinnerung habe. Es war düster und ungemütlich.« Hermine schüttelte sich, als sie daran dachte, wie sie versucht hatten, dieses Haus auf Vordermann zu bringen. Sie nahm den nächsten Brief. Er war kurz und ein besorgter Ausdruck trat auf ihr Gesicht, als sie die Zeilen las.

02.04.1979

Jean,

heute habe ich den dunklen Lord zum ersten Mal leibhaftig vor mir gesehen. Ich zittere jetzt noch, wenn ich daran denke. Es ist erst ein paar Stunden her.

Er ist so mächtig. Es wird nicht einfach werden, ihn zu besiegen.

Lily

Hermine ließ den Brief sinken. Sie wusste, es würde nicht das letzte Mal sein, dass sie ihm gegenüberstand. Drei Mal würden noch folgen und die letzte Begegnung würde Lily nicht überleben. Ohne aufzusehen griff sie nach dem nächsten Brief.

19.09.1979

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Jean!

Du hast es Sirius verraten und er uns. Er vermisst dich. Er sagt es zwar nicht direkt, aber ich merke es ihm an, wenn wir von dir sprechen. Er hat, seit du weg bist, auch noch keine andere Freundin gehabt. Aber lassen wir das.

Weißt du, was mir heute erst so richtig bewusst geworden ist? Es ist total paradox, dass wir dich schon kennen, obwohl du heute erst zur Welt gekommen bist, oder vielleicht bist du es auch noch nicht und es ist erst in ein paar Stunden soweit. (Ich schreibe diesen Brief am Vormittag.) Es will nicht in meinen Kopf hinein, dass du jetzt ein Säugling bist.

Ich verrate dir ein Geheimnis, James hat heute ein Paar Babyschuhe gekauft und gesagt, dass wir die unserer kleinen Jean schenken werden, wenn wir sie wiedersehen. (Ich werde ihm gleich sagen, dass ich seine Überraschung versaut habe.) Es war wirklich süß und witzig, als er damit um die Ecke kam und sie mir stolz präsentiert hat. Ich habe das Gefühl, dass er ein guter Vater werden würde.

Aber jetzt stoßen wir erst mal auf dich an! Ich freue mich auf unser Wiedersehen!

Alles Liebe, Lily

Lily hatte ein Bild dazu gelegt. Lily, James, Sirius, Remus und Alice lächelten in die Kamera und winkten ihr entgegen. Es musste im Garten der Potters gemacht worden sein. Hermine grinste James an und eine Träne lief ihr über die Wange. »Du bist bekloppt«, sagte sie und hielt das Paar Schuhe hoch.

»Das hat Lily damals auch gesagt, ich fand die Idee einfach nur witzig«, sagte er mit einem schelmischen Funkeln in den Augen.

Hermine sah auf das Bild. »Wieso habt ihr Peter nicht eingeweiht?«

»Ich wollte es irgendwie nicht. Einerseits war er nicht da, als ich es erzählt habe und andererseits hattest du nie viel mit ihm geredet. Inzwischen sind wir ganz froh, dass er es nicht wusste. Wer weiß, was er mit dem Wissen angestellt hätte«, sagte Sirius schulterzuckend.

Hermine nickte und griff nach dem nächsten Brief.

03.10.1979

Liebe Jean,

es tut mir leid, dass ich heute keine guten Neuigkeiten habe. Vor ein paar Tagen sind James' Eltern gestorben. Es hat uns alle sehr hart getroffen. Es waren die Drachenpocken. Beide sind im Abstand von nur wenigen Tagen der Krankheit erlegen.

Du kennst sie zwar nicht, aber ich bin mir sicher, du hättest sie gemocht. Sie waren so lieb, so weltoffen und aufgeschlossen, sie hatten niemals irgendwelche Vorurteile. Für James tut es mir unglaublich leid. Er hat sich in den letzten Tagen zurückgezogen und trauert. Es tut mir weh, ihn so zu sehen, aber ich weiß auch nicht, wie ich ihm helfen kann.

Sirius ist der Einzige, der einen Zugang zu James hat. Vermutlich liegt es daran, dass er einige Zeit bei Fleamont und Euphemia gewohnt hat. Ihn hat es fast genauso hart getroffen wie James. Für ihn waren sie seine Ersatzfamilie. Ich hoffe, sie schaffen es, sich gegenseitig Halt zu geben. Sie sind wie Brüder. Und wenn sie mich brauchen, bin ich für sie da.

Morgen werden die Potters beigesetzt. Ich denke, dann wird es für Sirius und James auch einfacher zu verarbeiten.

Deine Lily

»Tut mir leid, dass deine Eltern gestorben sind«, sagte Hermine leise und legte den Brief beiseite.

»Das ist das Leben. Es ist lange her«, antwortete er lächelnd.

11.11.1979

Liebe Jean,

gestern haben Alice und Frank geheiratet. Endlich! Ich dachte ja, sie würden es gleich am ersten Tag nach dem Schulabschluss tun, aber sie haben sich Zeit gelassen.

Ich soll dir ausrichten, dass sie dich vermisst und dich gerne bei der Hochzeit dabei gehabt hätte. (Wir vermissen dich alle.) Es war eine tolle Feier. Wir haben bis zum Morgengrauen getanzt. Das tat wirklich gut. Wir konnten endlich mal all das Schlechte, das täglich um uns herum passiert, ausblenden und eine glückliche Erinnerung schaffen. Das ist so wichtig in diesen Zeiten!

Ich schreibe dir, direkt nachdem wir nach Hause gekommen sind. Ich bin tierisch müde und werde jetzt schlafen gehen.

Gute Nacht und alles Liebe, Lily

Diesem Brief lag wieder ein Bild bei. Es zeigte Alice und Frank – Hermine sah ihn jetzt zum ersten Mal – nach ihrer Hochzeit. Beide strahlten glücklich in die Kamera.

»Schade, dass ich Frank nie kennenlernen konnte. Neville ist ganz anders als Alice. Wie war Frank so?«, fragte Hermine.

»Frank war wie Alice. Vielleicht etwas ernster, aber hatte genauso Spaß am Leben wie sie«, sagte Sirius.

02.02.1980

Liebe Jean,

ich habe eine Überraschung für dich! Ich bin ganz hibbelig, weil ich es dir unbedingt erzählen muss! Also entschuldige bitte, wenn du meine Schrift nicht richtig lesen kannst.

Ich bin schwanger! Ich werde ein Kind bekommen! Ende Juli soll es soweit sein. Es wird ein kleiner Junge werden. James und ich wollen ihn Harry nennen.

Ich bin so glücklich! Auch wenn es nicht der beste Zeitpunkt für eine Schwangerschaft ist, aber ich werde Mutter! Ist das nicht fantastisch? Und stell dir vor, Alice erwartet ebenfalls einen Sohn! Ist das nicht irre? (Ihre Worte) Sie schmiedet schon Pläne, dass unsere Kinder beste Freunde werden.

Ich wünschte, du wärst hier und wir könnten dieses Wunder alle zusammen erleben.

Alles Liebe, Lily mit Harry

Hermine lächelte, als sie diesen Brief las. Aus jeder Zeile sprach Lilys Freude. Es war fast, als würde sie neben ihr stehen und sie mit ihrer guten Laune anstecken.

Aber schon der nächste Brief trübte ihre Laune wieder.

25.07.1980

Liebe Jean,

es wird schlimmer. Du-weißt-schon-wer kommt näher. Seine Todesser greifen muggelstämmige Familien und Mitglieder des Ordens an. Die Überfälle häufen sich in letzter Zeit. Erinnerst du dich noch an Marlene? Sie hatte sich ebenfalls dem Orden angeschlossen. Vor ein paar Tagen wurden sie und ihre gesamte Familie von Todessern angegriffen. Keiner hat das überlebt.

Wo soll das alles noch hinführen?

Ich bekomme Angst, wenn ich daran denke, dass mein Sohn in ein paar Tagen auf diese Welt kommen wird. Ich wünsche ihm so sehr eine bessere Zukunft! Ich bedaure es, dass wir es noch nicht geschafft haben, du-weißt-schon-wen zu besiegen.

In Hoffnung, dass dieser Schrecken bald ein Ende haben wird, Lily

Hermine seufzte, als sie den Brief weglegte. Wenn sie von Lilys Gefühlen las, bereute sie es, sie nicht gewarnt zu haben. Hätte sie es getan, könnte sie heute noch leben.

30.07.1980

Liebe Jean,

heute habe ich wundervolle Neuigkeiten!

Alice hat in der Nacht ihren Sohn zur Welt gebracht! Ein kleiner Neville. Er wiegt 3527 Gramm und ist 54 cm groß! Mutter und Kind haben alles gut überstanden und sind wohlauf.

Bei mir wird es auch nicht mehr lange dauern. Seit ein paar Tagen spüre ich ein heftiges Ziehen in Bauch und Rücken und heute haben die ersten Vorwehen eingesetzt. James macht mich total verrückt. Heute Morgen hat er schon alle aufgescheucht und Sirius herbestellt. Ich bin froh, dass der wenigstens einigermaßen bei verstand ist. Ich habe ihn mit James vorhin zu Alice geschickt, um Neville zu begrüßen. So habe ich jetzt wenigstens etwas Ruhe.

Vielleicht ist es auch heute schon bei mir soweit, dann hätten unsere Kinder am gleichen Tag Geburtstag.

Ich freue mich schon darauf, denn inzwischen fühle ich mich wirklich wie ein aufgeblähter Quaffel. Ich möchte mein Kind endlich in den Armen halten.

Ich melde mich, wenn es soweit ist, Lily

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Nächstes Kapitel:

Alles Liebe, Lily