Die Uhr zeigte kurz nach ein Uhr mittags, als Hood von einem kräftigen Klopfen an der Tür aus den Gedanken gerissen wurde. Er arbeitete in einem sonst leerstehenden Raum des FBI-Labors und erwartete keine Besucher. Als er jedoch den übergroßen, dunklen Schatten durch das Milchglas der Tür scheinen sah, wusste er, wer der Besucher war.

„Hallo Felix", begrüßte er den jungen Agenten und richtete seinen Blick zurück auf die Papiere vor ihm.

„Wie sieht es aus?"

„Ich warte auf die Ergebnisse von den Proben, müssten jeden Moment kommen."

„Wann haben Sie zuletzt etwas gegessen, Doc?" Hoods Kopf schnellte nach oben. Die Frage hatte Felix noch nie gestellt. Normalerweise war es…

„Hat Rachel dich angerufen?" Felix nickte grinsend und hielt zwei verpackte Sandwichs hoch.

„Sie kann es nicht lassen", lachte Hood.

„Sie sorgt sich sehr, weit über das übliche Maß des Jobs hinaus", bemerkte Felix. Hoods Miene erhellte sich und er dachte für einen Moment zurück an ihren Kuss an diesem Morgen.

„Ich weiß", sagte er einfach. Im nächsten Moment piepste eines der Geräte und er warf einen schnellen Blick auf die Ergebnisse.

„Pack das Essen ein, Felix. Wir fliegen so schnell es geht nach Alabama." Hood stürzte aus dem Raum und rief Frank an. Dann atmete er tief durch, wählte die nächste Nummer und lehnte sich mit dem Rücken gegen die Wand.

„Hey, alles okay?", fragte Rachel.

„Leider nicht. Der Auftrag. Die Babys werden vergiftet. Ich muss herausfinden wie und womit. Vor einer Stunde ist das erste Baby verstorben", flüsterte er heiser. Er hörte, wie sie die Luft scharf einzog.

„Shit. Kann ich irgendwie helfen?"

„Ich denke nicht, aber danke. Aber ich muss hin und die Sache untersuchen. Hoffentlich kriegen wir das in ein paar Tagen in den Griff."

„Das verstehe ich. Ist Felix bei dir?"

„Ja. Er wird mir nicht von der Seite weichen, da bin ich sicher."

„Das hoffe ich."

„Rachel? Da ist doch etwas, was du für mich tun kannst."

„Was ist es?"

„Ich möchte, dass du in mein Apartment gehst, vorrübergehend. Allein schon wegen der Dusche. Alex wird bei dir bleiben, bis ich zurück bin."

„Ich brauche keinen Babysitter", antwortete sie schnell. Hood lächelte. Vor nicht allzu langer Zeit hatte er die gleichen Worte verwendet, als Frank ihm sagte, er bekäme einen Bodyguard.

„Sei nicht so stur. Ich weiß, dass du alles allein schaffen kannst, aber es ist so viel einfacher, wenn du dir helfen lässt. Alex wird dir eine gute Gesellschaft sein. Kannst du das für mich tun?" Einen Moment war es still in der Leitung.

„Okay. Wenn du dann beruhigt arbeiten kannst."

„Kann ich, danke sehr. Ich melde mich, sobald wir gelandet sind."

„Jacob, ich… pass bitte auf dich auf." Sein Herz setzte einen Schlag aus, als er das hörte, was sie nicht sagen konnte.

„Das mache ich, du auch." Damit legte er auf.


Felix ging mit gezogener Waffe durch Hoods Hotelzimmer und winkte ihm dann, dass er eintreten könne.

„Sie wollen direkt loslegen nehme ich an?", fragte der junge Agent.

„Ja. Ich möchte zuerst ins Krankenhaus." Schnell tippte er noch die versprochene Nachricht an Rachel, dann verließ er, gefolgt von Felix das Hotelzimmer. Es würde ein langer Tag werden, das wussten beide.


Rachel packte eine große Reisetasche, als es leise klopfte. Vor der Tür stand Alex Hood.

„Hey, Rachel, wie geht es dir?"

„Es geht mir schon besser, danke. Ich hoffe, ich mache dir nicht zu viele Umstände."

„Gar nicht. Mein Sohn ist im Feriencamp. Pfadfinder, ganz wie sein Onkel. Er ist schon eine Woche weg und ich bin es gar nicht mehr gewöhnt allein zu sein. Da kam mir Jakes Anruf sehr gelegen."

„Ich habe das Gefühl das sagst du nur, damit ich mich besser fühle."

„Ganz und gar nicht. So, was soll ich tragen?" Die beiden Frauen hatten schon vom ersten Moment an einen guten Draht zueinander. Vielleicht aufgrund des ähnlichen Alters oder weil sie sich die Sorge um den manchmal verpeilten Jacob teilten.

Angekommen in Hoods Apartment fühlte sich Rachel sofort wohl. Sie war schon oft da gewesen, kannte sich aus und überall waren Dinge, die sie an ihn erinnerten.

„Jake sagt du brauchst keinen Schlüssel", riss Alex sie aus ihren Gedanken.

„Nein, den hat er mir schon vor Monaten gegeben. Damit ich nicht immer sein Schloss knacken muss, wenn ich etwas für ihn hole." Alex´ fragender Blick traf sie.

„Du kannst Schlösser knacken?"

„Ich bin vom FBI, klar kann ich das." Rachel lachte laut auf.

„Tue mir einen Gefallen und erzähle das niemals Owen." Die beiden Frauen lachten zusammen.


Am Abend lag Rachel in Hoods Bett, das war sein Wunsch gewesen, hatte Alex ihr erzählt. Sie war sich nicht sicher, ob das die Wahrheit war, aber sie fühlte sich wohl inmitten seines Geruchs auf den Kissen. Schnell driftete sie in einen erholsamen Schlaf ab.

Keine zwei Stunden später schreckte sie schreiend aus dem Schlaf hoch und unterdrückte eine Welle aufkommende Übelkeit. Die Nachwehen des Albtraums hallten noch in ihrem Körper wider, als sie die Beine aus dem Bett schwang und versuchte gleichmäßig zu atmen. Langsam beruhigte sich ihr Puls wieder und doch fühlte sie, wie die Panik nicht verschwinden wollte. Beherzt griff sie zum Handy und schickte Hood eine schnelle Nachricht, um nach dem Auftrag zu fragen. Innerhalb weniger Augenblicke klingelte es in ihrer Hand.

„Du bist ja noch wach", begrüßte er sie.

„Ja, ich kann nicht schlafen. Wie läuft es?" Falls Hood die Unsicherheit in ihrer Stimme gehört hatte, ignorierte er es.

„Schleppend. Wir konnten die Gemeinsamkeiten der Kinder auf drei Produkte reduzieren und suchen jetzt nach der Quelle der Vergiftung."

„Das klingt nach einem Fortschritt."

„Nicht wirklich. Es sind inzwischen fünfundzwanzig infizierte Babys. Sechs haben wir schon verloren."

„Das tut mir leid. Muss schlimm sein."

„Diese Trauer, Rachel. Die Trauer in den Gesichtern der Eltern. Es ist… ich würde gerne mehr tun." Seine Ehrlichkeit berührte sie.

„Du tust, was du kannst, da bin ich mir sicher und du kannst die anderen Kinder noch retten."

„Das versuche ich."

„Ich weiß." Es entstand eine lange Pause.

„Bist du gut angekommen?", fragte er plötzlich.

„In deiner Wohnung? Klar. Und Alex ist einfach großartig. Wir bringen hier ein bisschen Weiblichkeit rein." Hood lachte leise am anderen Ende der Leitung.

„Warum klingt das wie eine Drohung?" Rachel lächelte ebenfalls.

„Schlaf etwas, Rachel."

„Mache ich. Pass auf dich auf."

„Versprochen." Rachel sank auf die Kissen zurück und mit dem Nachklang seiner Stimme in ihrem Kopf und seinem Geruch in der Nase, schlief sie tatsächlich wieder ein.

Bis sie um vier Uhr morgens wieder aus dem Schlaf hochschreckte. Mit angeschaltetem Licht und hämmerndem Herzen saß sie an der Bettkante und schlug frustriert mit der Faust gegen eins der Kissen. Als sie ihre Fassung zurückhatte, stand sie seufzend auf. Schlaf war ohnehin nicht mehr in Sicht.


Die nächsten Nächte verliefen ähnlich. Ein Albtraum weckte sie gegen Mitternacht. Die einschießende Panik nahm ihr die Luft und sie brauchte ihre volle Kraft, damit sie sich dazu zwingen konnte, sich wieder zu entspannen. Dann telefonierte oder schrieb sie Nachrichten an Hood, damit sie überhaupt zurück in den Schlaf finden konnte. Nur um dann ein paar Stunden später wieder hochzuschrecken und aus dem Bett zu flüchten. Egal, was sie tat, es half alles nichts. Einmal hatte sie sogar so laut geschrien, dass Alex ins Zimmer gestürzt war. Der fehlende Schlaf war der Agentin bald anzusehen und der Alltag wurde zur Aufgabe.

Es dauerte vier Tage, bis Hood und Felix die Quelle der Vergiftung in einer verunreinigten Windelcreme fanden, die als Probe an verschiedene Ärzte ausgegeben wurde. Der Papierkram und die Einleitung weiterer Schritte waren dann nur noch Formsachen und Hood schaffte es am Nachmittag wieder zurück in seine Wohnung nach DC, wo ihn Alex begrüßte.

„Na Bruderherz, wieder die Welt gerettet?" Sie zog ihn in eine familiäre Umarmung.

„Das nicht, aber ich habe ein paar Säuglingen das Leben gerettet."

„Das ist sogar noch besser", sagte sie und löste sich von ihrem Bruder.

„Bei euch alles gut?", fragte dieser.

„Klar. Ich habe Rachel gern, das weißt du ja. Sie ist bemerkenswert, klug und spielt erschreckend gut Poker." Hood lachte laut auf.

„Vergeig das bitte nicht", sprach Alex weiter.

„Das ist das Letzte, was ich will." Die warmen Augen seiner Schwester trafen ihn.

„Weiß sie, was du für sie empfindest?" Er schüttelte den Kopf.

„Ach Jake, du musst es ihr sagen. Sie verdient die Wahrheit."

„Ich weiß. Wo ist sie?"

„Physiotherapie. Ich wollte sie gerade abholen."

„Musst du nicht, ich übernehme das."

„Okay, dann packe ich meine Sachen und lass euch zwei wieder allein. Richte ihr aus, dass ich die Zeit sehr genossen habe."

„Danke für deine Hilfe."

„Ich mache doch alles für dich, großer Bruder." Hood küsste sie auf die Wange und machte sich auf den Weg zum Auto.


Hoos erreichte die Praxis und sah Rachel, die auf beide Stützen gestützt auf dem Bürgersteig auf- und ablief. Er schüttelte ungläubig den Kopf. Sie war wie immer nicht zu bremsen. Hood parkte den Wagen und wollte gerade auf sich aufmerksam machen, als er einen Mann sah, der großen Schrittes auf Rachel zuging. Sie trainierte mit dem Rücken zu ihm und als er immer näher an die Agentin herantrat, hielt Hood die Luft an. Erst spürte er Sorge um sie, bis ihm wieder einfiel, dass sie selbst mit den größten Kerlen fertig würde, sogar trotz ihrer Verletzung. Und als der Mann seine Hand in Richtung von Rachels Po ausstreckte, ging Hood nur ein Gedanke durch den Kopf.

„Oh, das würde ich nicht tun", sprach er ins Auto. Der Fremde legte seine Hand auf Rachels Arsch und sagte irgendetwas zu ihr, das konnte Hood sehen. Den Bruchteil einer Sekunde später hatte sie sich umgedreht, den Fremden die Beine unter dem Körper weggezogen und stand nun triumphierend über ihm, eine ihrer Stützen auf seinem Brustkorb. Hood eilte aus dem Wagen, als er ihren tödlichen Blick sah.

„Was hast du zu mir gesagt?", fragte Rachel den Fremden scharf, als Hood neben sie trat. Kurz überlegte er, ob er seine Hand auf ihre Schulter legen durfte, aber sie war im FBI Modus und er würde wahrscheinlich neben dem armen Kerl auf dem Boden enden. Stattdessen richtete er seinen Blick auf den Fremden. Der war maximal sechzehn Jahre alt und schmächtig.

„Na Kumpel. Mutprobe?", fragte Hood streng.

„Ja, Sir", antwortete der Junge schüchtern.

„Dann solltest du dich entschuldigen."

„Ja Sir. Entschuldigen Sie Ma´am." Rachel ließ von ihm ab, der Junge sprang auf die Beine und rannte davon. Hood sah in ihre Augen und wartete, bis ihr Ausdruck von der knappharten Agentin Young zur ruhigen Rachel wechselte. Als ihre Augen heller wurden, war er sicher, sie war wieder bei ihm.

„Hey", sagte er sanft und hielt die Arme auf. Rachel lächelte breit und ließ sich von ihm in eine feste Umarmung ziehen. Sie hatte ihn schrecklich vermisst.

„Hey. Auftrag abgeschlossen?" Er nickte.

„Danke, dass du gerade nicht eingegriffen hast", sagte sie. Er kannte sie und wusste, dass sie diesen Erfolg mehr brauchte als jede Therapie dieser Welt.

„Kein Problem. Mir war klar, dass du keine Hilfe brauchst. Der Junge allerdings…" Rachel lachte gegen sein Hemd.

„Siehst du, du kannst sogar verletzt noch Ärsche aufreißen." Wieder lachte sie. Sie hatte ihn wirklich vermisst.


Als sie im Auto saßen, fing Hood plötzlich an breit zu grinsen und richtete kurz seinen Blick auf sie.

„Also, zu dir oder zu mir?"

„Das bereitet dir viel zu viel Freude, oder?", fragte Rachel und versuchte dabei ernst zu bleiben, scheiterte aber.

„Unbeschreiblich" Sein Lächeln steckte sie an.

„Zu dir. Die große Regendusche ist ein wahrgewordener Traum." Hoods Lächeln wurde noch breiter, als er antwortete.

„Wie du wünschst, honey."

In seiner Wohnung angekommen, dämmerte es bereits. Rachel sah ihren Begleiter die Müdigkeit an.

„Wann hast du zuletzt geschlafen?"

„Ich weiß es nicht. Vor zwei, drei Tagen vielleicht."

„Und gegessen?"

„Ähh Felix hat mir immer mal was zugesteckt. Er sagte du würdest ihn umbringen, wenn ich nichts essen würde. Irgendwann gestern also."

„Felix ist ein kluger Mann."

„Er hat mich behandelt wie ein Kleinkind, dem man sagen muss, wann es essen und schlafen soll. Ich bin froh, dass er mich nicht alle paar Stunden an Toilettenpausen erinnert hat." Rachel lachte herzhaft.

„So lange du dich benimmst wie ein Kleinkind, wenn es um lebenswichtige Dinge wie Nahrung oder Schlaf geht, behandeln wir dich so. Also was sagst du zu einer schnellen Mahlzeit und dann ab ins Bett?"

„Kommst du mir?", fragte er mit glänzenden Augen.

„Ja, ich habe nicht sonderlich gut geschlafen die letzten Tage." Hood trat vor sie.

„Albträume?", fragte er und küsste ihr auf die Stirn, als sie nickte.

„Ich schlafe viel besser, wenn du neben mir liegst", gab sie flüsternd zu.

„Ich auch, sweetheart, wirklich." Rachel lächelte, atmete tief durch und trat einen Schritt nach hinten um sein Gesicht sehen zu können.

„Ich fange an das Essen zu machen. Ruh dich aus. Oder wird es Zeit für eine Toilettenpause?" Sie lachte laut auf, als sie sein Gesicht sah.

„Seit wann kochst du?", fragte Hood, als sie gemeinsam an seinem Esstisch Pasta aßen.

„Ich habe eine Menge Zeit aktuell. Dazu ein paar Kochsendungen und Tipps deiner Schwester und schon kann ich die Basics."

„Es freut mich, dass ihr zwei euch so gut versteht. Alex und du seid die wichtigsten Menschen in meinem Leben. Es wäre wirklich unschön, wenn ihr nicht klarkommen würdet." Rachel blieb einen Moment die Spucke weg. Wie konnte er so etwas Wichtiges einfach in einem Nebensatz erwähnen. Sie hielt ihm die Hand hin, die er sofort ergriff.

„Danke", sagte sie einfach.


Eine Stunde später lagen sie zusammen in seinem Bett.

„Wie schlimm waren die Albträume die letzten Nächte?", fragte Hood und drehte sich auf die Seite mit dem Gesicht zu ihr.

„Nicht so schlimm, wie der erste, aber ich bin wieder schreiend wach geworden. Hoffentlich habe ich Alex keine Angst gemacht, sie hat mich sicher gehört im anderen Zimmer."

„Alex ist eine Menge gewöhnt von mir. Du weißt ja Schlafen ist nicht meine Stärke." Auch Rachel drehte sich auf die Seite und blickte ihm genau ins Gesicht.

„Ich dachte die Schlaflosigkeit wäre erst seit Maggies Tod."

„Ist sie auch. Aber ich habe die ersten Monate nach der Beerdigung bei Alex und Owen gewohnt. Allein in der Wohnung habe ich es nicht ausgehalten. Die Wohnung habe ich dann verkauft und bin hier in das Apartment gezogen. Da wurde das Schlafen zwar nicht besser, aber ich habe keinen mehr gestört. Naja, seitdem ich dich wenn wir gemeinsam auf einem Auftrag sind mit meinem Herumwandern nachts."

„Ich habe mich daran gewöhnt. Deine Schritte sind inzwischen wie weißes Rauschen für mich." Hood lächelte breit.

„Der arme Felix ist noch nicht so weit. Er stand zwischen zwei oder dreimal pro Nacht hinter mir, weil er mich hat Laufen hören. Er ist mit Sicherheit fix und fertig."

„Er braucht sich nicht daran gewöhnen, ich bin bald wieder fit." Hood lehnte sich vor und küsste sie zärtlich auf die Lippen. Auch wenn Rachel sich nichts sehnlicher wünschte, als wieder von ihm geküsst zu werden, waren beide doch viel zu müde, diesen weiter zu vertiefen.

„Versuch etwas zu schlafen, Jacob." Sie drückte seine Hand und drehte sich dann auf die andere Seite. Grinsend schloss er die Lücke zwischen ihnen und schlang den Arm über ihren Körper. Zärtlich küsste er auf ihre Haare, während sie ihren Körper noch näher an seine Brust drückte.


Kurz nach Mitternacht schoss Rachel mit ihrem Oberkörper nach oben und stieß einen erstickten Schrei aus. Einen Moment tastete sie um sich herum um sich zu orientieren, doch Hood schaltete das Licht an und war sofort an ihrer Seite. Zärtlich streichelte er über ihre Oberarme und flüsterte er zu.

„Es war nur ein Traum. Du bist hier sicher. Niemand kann dir hier etwas tun, sweetheart." Ihre Atmung wurde wieder ruhiger und ihre Augen wässrig. Hood schloss die Arme um sie, kurz nachdem die ersten Tränen ihre Wangen herunterliefen. Sie legte den Kopf auf seine Brust, ließ die Tränen laufen und konzentrierte sich auf seinen Herzschlag, seine Hände auf ihrem Rücken und seine geflüsterten Worte in ihren Ohren.

„Es war nur ein Traum, niemand kann dir etwas tun, alles wird gut", flüsterte er in Dauerschleife. Nach einiger Zeit wurden ihre Tränen weniger und ihr Körper verlor seine Anspannung. Hood unterbrach kurz seine Worte, holte tief Luft und sagte: „Ich liebe dich, Rachel."

Sie hielt die Luft an, riss die Augen auf und drückte sich etwas von ihm ab. Sein erschrockener Ausdruck traf ihren. Absolute Stille legte sich über die Beiden und gefühlte Minuten lang bewegte sich niemand. Dann begann Rachel leise zu kichern.

„Die Reaktion habe ich wirklich nicht erwartet. Das war mein Ernst", sagte er gekränkt.

„Oh Gott, entschuldige. Ich lache nicht wegen dem, was du gesagt hast, sondern wegen deinem Talent immer den absolut schlechtesten Zeitpunkt zu finden." Hoods Miene wurde weicher und er legte seine Lippen auf ihre.

„Du spielst auf den Abschiedskuss an, oder?", hauchte er gegen ihre Lippen.

„Das war definitiv kein Abschiedskuss", entkam es ihr lachend. Dieses Mal lachte er mit. Dann wurde er plötzlich ernst.

„Ich liebe dich, Rachel", wiederholte er. Sie legte beide Hände um sein Gesicht und küsste ihn zärtlich.

„Ich liebe dich auch Jacob, das tue ich schon sehr lange."

„Wie lange?"

„Richtig bewusst wurde es mir, als wir in Texas waren und du deinen Drogentrip hattest."

„Du hast mir nie erzählt, was passiert ist, während ich unzurechnungsfähig war." Rachel erinnerte sich zurück an die Nacht in dem kleinen Hotel in der texanischen Kleinstadt. Sie hatte sich damals das erste Mal seit Jahren wirklich hilflos gefühlt. Bis er anfing ihr sein Herz auszuschütten, auf seine ganz eigene Art und Weise, aber sie hatte seine Ehrlichkeit gespürt. Das erste Mal in ihrer gemeinsamen Zeit hatte sie hinter die Fassade des verrückten Wissenschaftlers geblickt und den Menschen dahinter gesehen. Mit seinen Ängsten und Problemen.

„habe ich auch nicht vor", antwortete sie. Er ließ es ihr.

„Ich glaube bei mir war es Mr. Shoes."

„Wer?"

„Dein Übernachtungsgast. Als ich dich an unserem freien Sonntag in deiner Wohnung überrascht hatte, wegen dem Wunderwasser, erinnerst du dich?"

„Klar, erinnere ich mich. Was hatte Bobby mit deinen Gefühlen für mich zu tun?"

„Bobby heißt er?" Hoods Gesicht sprach Bände.

„Du kannst ihn auch weiter Mr. Shoes nennen, wenn es dir damit besser geht. Ich kenne ihn aus der Akademie. Wir hatten ein Arrangement seitdem. Haben uns getroffen, wenn wir beide in Stadt waren."

„Hatten? Vergangenheit?", fragte er mit Schmerz in den Augen.

„An dem Tag, als du Bob… Mr. Shoes in meiner Wohnung gesehen hast, war das letzte Mal, dass wir uns getroffen haben. Wir haben unser Arrangement beendet." Hood atmete erleichtert aus. Ihre Hand landete auf seiner Brust. Hood legte seine auf ihre. An dem Tag, als er Mr. Shoes sah, oder bessergesagt seine Schuhe, wurde er durchflutet von einer heftig lodernden Eifersucht, die er so noch nie erlebt hatte. Diese wunderschöne Frau in den Armen eines anderen Mannes. Allein der Gedanke ließ sein Herz rasen. Ein sanfter Kuss von Rachel holte ihn aus seinen Gedanken.

„Denk nicht so viel über ihn nach", bat sie.

„Es ist gruselig, wenn du meine Gedanken liest." Rachel lachte leise, während sie sich wieder ins Bett legte. Er folgte ihr und schaltete das Licht aus.

„Darf ich?", fragte Rachel in die Dunkelheit. Er lächelte breit und hob, auf dem Rücken liegend, seinen Arm. Sie rutschte an ihn heran, legte den Kopf auf seine Brust und ihre Hand auf seinen Bauch. Ein wohliges Gefühl durchzog sie, als er seinen Arm um ihren Rücken schloss und seine andere Hand auf ihrer landete. Eine tonnenschwere Last fiel von ihr ab. Sie hatte ihm gesagt, was sie empfand und er hatte es ihr gesagt. Auch wenn Rachel keine Ahnung hatte, wie die Zukunft aussehen würde. Sie hatten die Grenze definitiv überschritten. Von hier gab es kein Zurück mehr.


Author´s note: Es geht voran, liebe Leser, wenn denn da welche sind. Es fehlen nur noch zwei Kapitel, dann ist diese Geschichte zu Ende erzählt. Ich hoffe ihr habt auch nur annährend so viel Spaß beim Lesen, wie ich beim Schreiben. Haltet durch, bald gibt es wieder ein Update.