Der nächste Morgen kam schneller als es Rachel lieb war. Verschlafen schlug sie die Augen auf und fand sich in ihrem Bett wieder. Wie schon am Vortag spürte sie Hood neben sich, bevor die Erinnerung an die Nacht einschoss. Ihre Körper berührten sich unter der Decke, Rachel lag mit ihrem Rücken an seine Brust geschmiegt und ihre noch immer verbundenen Hände lagen auf ihrer obenliegenden Hüfte.

Was passiert hier, fragte Rachel sich. Wie kam es, dass dieser beeindruckend komplizierte Mann in ihrem Bett lag? Ihr Verstand protestierte. Das könnte nicht gut enden, immerhin mussten sie wieder zusammenarbeiten und er musste im Feld darauf vertrauen, dass sie einhundert Prozent geben würde. Hood musste sich auf sie verlassen. Wie würde er das noch können, nachdem er sie so verletzlich und schwach gesehen hatte? Rachel versuchte ihre vernünftige Stimme zum Schweigen zu bringen, um einfach die Nähe zu ihm genießen zu können, aber so war sie nicht. Einfach nur sein, ohne über die Konsequenzen nachzudenke, das war nicht sie. Ihr Körper spannte sich mit einem Mal an, als Hood seine Hand drehte und ihr über die Finger streichelte. Die Veränderung in ihrem Körper spürend, rutschte er zurück im Bett und gab ihr mehr Raum. Sofort vermisste sie seine Nähe, drehte den Kopf und suchte seinen Blick. Seine dunklen Augen waren beladen mit Emotionen, die sie nicht alle lesen konnte. Schnell drehte sie sich um und lag nun Aug in Aug mit ihm.

„Entschuldigung", entkam es ihm flüsternd. Sie vermutete er entschuldigte sich für die ungewohnte Nähe, aber sie antwortete nicht, sondern hob langsam ihre Hand und legte sie auf seine Wange. Sanft streichelte sie darüber, spürte seine Bartstoppeln an ihren Fingerkuppen.

„Ich danke dir", flüsterte sie zurück, ließ aber offen ob sie seine Entschuldigung oder seine Nähe meinte. Hood griff nach ihrer Hand, umschloss sie, führte sie zu seinem Mund und küsste ihr zwischen die Fingerknöchel. Die sangte Berührung jagte Blitze durch ihren Körper. Da waren sie nun, an einem Wendepunkt in ihrer Partnerschaft. Wenn jetzt einer der Beiden einen Schritt nach vorn wagte, gab es kein Weg mehr zurück, das wussten sie. Von dieser Erkenntnis verängstigt, verharrten sie regungslosn und der Moment verging. Rachel atmete erleichtert aus. So sehr sie sich die Nähe zu ihm wünschte, kam es ihr falsch vor und sie ahnte, dass es ihm ähnlich ging.

„Guten Morgen", sagte er, drückte nochmal ihre Hand, drehte sich dann um und stand auf. Damit war der Moment defitiniv vorbei. Bedauern breitete sich in Rachel aus, der Kampf zwischen ihrem Verstand und ihrem Verlangen war selbst für sie verwirrend.

Hood starrte im Badezimmer in sein Spiegelbild. Was war das gewesen? Er war sich der Nähe zu ihr erst bewusst geworden, nachdem er aufgewacht war. Es hatte sich gut angefühlt, in irgendeiner Art richtig. Diese Gefühle hatte er ewig nicht mehr gehabt, nicht mehr seit Maggie. Aber es durfte nicht sein, sie würde es niemals zulassen. Es war nur ein Job. Das sagte er sich noch ein paar Mal, bis sich sein Herzschlag beruhigt hatte. Diese ganze Situation würde ihn noch umbringen, dachte er und seufzte.


Der Morgen verlief ruhig und die Beiden schafften es sogar sich größtenteils aus dem Weg zu gehen. Die Stimmung war seltsam angespannt. Kurz vor dem Mittagessen klopfte es kräftig gegen die Tür.

„Felix", sagte Rachel freudig, als der junge Agent den Raum betrat. Sie stemmte sich von der Couch hoch und zog den verwirrten Mann in eine feste Umarmung.

„Danke für alles", flüsterte sie in seine Schulter.

„Gern geschehen", gab er flüsternd zurück. Nachdem sie ihn wieder losgelassen hatte, hob er eine Papiertüte, in die Luft, die er mitgebracht hatte.

„Ich dachte ich bringe was zu essen mit, bevor der Doc ausversehen beim Kochen die Küche sprengt." Rachels lautes Lachen durchzog den Raum. Hood schüttelte nur den Kopf.

„Warum denkt eigentlich jeder, ich könnte nicht kochen. Ich mag kein guter Hausmann sein, aber ich bin ein verdammt guter Wissenschaftler und glaubt mir, wenn etwas in die Luft geht, dann nur, weil ich das will." Felix verschwand lachend in der Küche, während Rachel an Hood herantrat und eine Hand auf seinen Unterarm legte.

„Du bist ein guter Hausmann." Sein Lächeln traf sie und er drückte ihre Hand zum Dank.

Später saßen die drei zusammen an Rachels Esstisch.

„Wirklich?" Er hat mit der Therapeutin geflirtet?", fragte Felix lachend. Rachel nickte, Tränen vom Lachen in den Augenwinkeln.

„Ich habe nicht mit ihr geflirtet", entgegnete Hood scharf. Rachels Hand landete auf seiner.

„Doch, Jacob, hast du." Sie fror ein. Das war ihr wieder rausgerutscht. Sofort lief sie rot an. Felix beobachtete die Veränderung der ranghöheren Agentin aufmerksam. Natürlich war ihm die Wahl des Vornamens aufgefallen, aber noch mehr das Unbehagen, das sie deswegen ausstrahlte und dagegen die Gleichgültigkeit von ihm. Der junge Agent legte den Kopf schief während es seine beiden Kollegen vermieden sich anzusehen. Er räusperte sich und überlegte sich ganz spontan einen Plan. Das war seine geheime Superkraft.

„Agent Young, wie wäre es mit einem Ausflug? Dann kann dein Schatten mal eine Pause machen." Er hatte mit allem gerechnet. Drohungen von ihr oder böse Blicke von beiden, aber er sah Erleichterung in ihrem Gesicht.

„Aber nicht zu viel laufen und keine Stunts", rief Hood den beiden hinterher, als sie die Wohnung verließen.

„Ja, Hood", antwortete sie und verdrehte die Augen.


Felix fuhr sie zum nächstgelegenen Park, sie gingen auf eine Bank zu und er kramte aus seiner Jackentasche eine Tüte Gummibärchen, sobald sie sich gesetzt hatten. Rachels Augen leuchteten auf. Beide Männer in ihrem Leben wussten um ihre Liebe zur Nascherei.

„Also, was ist da los mit dem Doc?" Rachel senkte kurz den Blick.

„Es ist kompliziert."

„Das habe ich gesehen. Sind Beziehungen aber meistens." Ein geschockter Blick von Rachel ließ ihn innehalten.

„Wir haben keine… wir sind nicht…", stammelte sie.

„Nicht? Ich hätte schwören können…, egal. Warum nicht?"

„Warum nicht? Es gibt hundert Gründe. Mein Job, der Auftrag, Fuller", begann sie aufzuzählen.

„Das ist eigentlich dreimal derselbe Grund", warf er lächelnd ein. Sie strafte ihn mit einem ihrer bösen Blicke.

„Abgesehen davon habe ich Angst, dass es seltsam wird."

„Seltsamer, als es schon ist?", fragte er. Rachel wusste, was er meinte. Hood war den ganzen Tag an ihrer Seite, sie lebten praktisch zusammen, hatten sogar das Bett geteilt. Sie kannten sich besser, als es für Kollegen üblich war.

„Ich glaube wir müssen uns erst an die neue Situation gewöhnen"

„Ich glaube der einzig wahre Grund für diesen Schwachsinn ist Angst."

„Bitte was?", fragte sie schockiert. Felix grinste amüsiert.

„Ich sage das nur, weil ich weiß, dass du nicht bewaffnet bist und ich definitiv gerade schneller rennen kann als du. Also, hör zu. Ich bin kein Experte, was Beziehungen betrifft, aber ich verfüge über funktionierende Augen. Der Doc hat höllische Angst dich zu verlieren und du hast Angst, dass er sich nur deswegen so verhält, weil du krank bist."

„Verletzt", verbesserte Rachel.

„Ist das nicht das Gleiche?"

„Nein."

„Und zum Rest meiner genialen Rede möchtest du nichts sagen?" Er schenkte ihr ein breites Grinsen.

„Nein, eigentlich nicht." Felix zuckte mit den Schultern. Sie saßen noch einen Moment schweigend nebeneinander, bis Rachel geistesabwesend begann ihr verletztes Bein zu massieren.

„Schmerzen?", fragte Felix.

„Ja. Bringst du mich zurück in meine Wohnung?"

„Klar. Kannst du laugen?"

„Ja. Du kommst nicht in die Verlegenheit mich tragen zu müssen."

„Käme ich niemals auf die Idee."

„Sehr gut. Der Mann, der mich tragen darf, muss noch geboren werden." Felix lachte laut auf.

„Ich werde es Hood ausrichten." Sie hielt während dem Laufen inne und sah ihn fragend an.

„Na er hat dich vom Auto in die Notaufnahme getragen. Die Krankenschwester erzählte mir, dass er mit dir im Arm, blutüberströmt, im Gang stand und panisch um Hilfe schrie. Als die Pfleger dich dann auf die Trage gepackt hatten, ist er zusammengeklappt. War kaum ansprechbar. Sie hatte ihm sogar Medikamente angeboten, aber er hat sich standhaft geweigert sich aufnehmen zu lassen. Letztendlich konnte sie ihn nur davon überzeugen das Blut abzuwaschen." Sie starrte ihn an. Sprachlos.

„Du erinnerst dich nicht?", fragte er.

„Nein, meine letzte Erinnerung ist kurz nachdem Sophia mir den Bolzen aus dem Bein zog. Ich weiß noch, dass ich nach Hood gerufen habe, dann nichts mehr." Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sie nicht darüber nachgedacht, wie sie ins Krankenhaus gekommen war.

„Du solltest mit ihm reden", sagte Felix und Rachel nickte stumm.


Kurz bevor Felix die ranghöhere Agentin zuhause absetzte, nahm er ihr das Versprechen ab mit Hood zu sprechen.

„Ach und noch eins", rief er durch das geöffnete Autofenster hinter ihr her.

„Ich werde Ehrengast auf eurer Hochzeit." Sein breites Grinsen zog sich über das ganze Gesicht.

„Nur wenn du verkleidet als Amor kommst", witzelte sie mit ihm.

„Ein übergroßer Schwarzer mit Windeln und Flügeln? Ich bin mir sicher, dafür werde ich verhaftet." Rachel lachte laut auf.

„Wahrscheinlich." Sie schenkte Felix noch ein warmes Lächeln und war dankbar für seine Art, die sie immer wieder zum Lachen bringen konnte.

Wieder in der Wohnung war sie überrascht, dass sie leer war. Gleich ergriff sie die Angst sie habe Hood vergrault und direkt nach dem Gedanken tadelte sie sich selbst dafür. Er ist erwachsen, wir sind kein Paar und er darf hingehen, wohin er möchte, dachte sie. Jac… Hood -verdammt- ist mir keine Erklärung schuldig.


Eine halbe Stunde später klopfte es an die Tür und Hood betrat die Wohnung.

„Hey, alles okay?", fragte sie.

„Klar, ich war in meiner Wohnung und habe saubere Klamotten eingepackt."

„Wo rein?", fragte sie mit Blick auf seine leeren Hände. Er lächelte.

„Die Tasche ist noch im Auto. Ich war mir nicht sicher, ob du mich heute Abend noch hier haben möchtest. Du warst so abweisend heute." Ihre Züge wurden weicher, als sie seine Unsicherheit sah. Humpelnd lief sie mit den Stützen auf ihn zu, öffnete die Arme und schloss sie um seinen Oberkörper.

„Es tut mir leid, Jacob. Es ist eine ungewohnte Situation für mich und meine Gedanken rasen die ganze Zeit. Es war nicht meine Absicht, dass du das abbekommst." Sie hörte, wie er die Luft einzog.

„Ich glaube die Situation ist für uns beide komisch", antwortete Hood. Sie lösten sich voneinander.

„Das stimmt. Darf ich dich etwas fragen?" Rachels Blick traf seinen.

„Alles."

„Felix hat mir erzählt, was dir passiert ist, nachdem du mich in die Notaufnahme gebracht hast."

„Felix war gar nicht dabei", unterbrach er sie mit düsterem Blick.

„Er sagte eine Krankenschwester hätte ihm davon erzählt."

„Eve. Sie hat sich um mich gekümmert, als ich dich brachte."

„Sie wollte sicher nicht über dich sprechen mit Felix. Aber du weißt, wie er ist. Mit seinem Charme bekommt er alles aus Frauen raus."

„Was möchtest du darüber wissen?"

„Warum hast du mir das nicht erzählt?" Sein Blick traf ihren und er deutete ihr den Weg zur Couch. Nebeneinander sitzend holte er tief Luft und begann zu sprechen.

„Weißt du, was das letzte Mal passiert ist, als ich eine Frau in ein Krankenhaus gebracht habe? Sie starb. Maggie starb, während ich ihre Hand hielt." Er schluckte trocken und Rachel wurde plötzlich klar, warum er immer wieder nach ihrer Hand gegriffen hatte. Dieser gebrochene Mann, dachte sie und wünschte sich, sie könne ihm helfen. Ihr fiel aber nichts Besseres ein, als ihm wieder ihre Hand anzubieten, die er dankbar ergriff.

„Ich weiß, was du denkst, Rachel. Und nein, ich vergleiche dich nicht mit ihr, aber der Moment in der Notaufnahme, als die Pfleger dich aus meinen Armen nahmen, der fühlte sich genauso nach Verlust an. Und seitdem… ich sehe es immer wieder vor mir. Wie du da liegst und blutest. Fast tot. Ich stehe diese Gefühle nicht nochmal durch." Eine dicke Träne rann über seine Wange.

„Es geht mir gut, Jacob. Die Wunde heilt und das Bein wird auch wieder werden. Es war nicht deine Schuld. Du hättest nichts tun können, um zu verhindern was passiert ist."

„Ich hätte schneller sein müssen", gab er flüsternd zu.

„Darum geht es? Vorwürfe? Selbst wenn du zehn Stunden früher da gewesen wärst, der Schaden war lange angerichtet. Nichts davon ist deine Schuld." Sie wünschte sich, dass er ihr glaubte, aber der Schmerz in seinen Augen sprach etwas anderes.

„Ich fühle mich nicht wohl dabei, dass du nur hier bist wegen der Schuldgefühle", gab sie zu.

„Das bin ich nicht. Alles, was ich vorher gesagt habe, stimmt. Du bist mir wichtig." Jetzt oder nie, dachte Rachel, schloss die Augen und sprach los.

„Warum darf ich dich dann nicht küssen?" Ihre Stimme war kaum lauter als ein Flüstern. Er wusste, was sie meinte und ihm wurde klar, warum sie den Tag über so seltsam war.

„Weil es mir schrecklich Angst macht."

„Wovor?", fragte sie ruhig, aber ihre Gedanken rasten.

„Dich als Beschützer zu verlieren, unsere Freundschaft zu verlieren, dich zu verlieren." Das hing einen Moment zwischen ihnen.

„Ich glaube nicht, dass du ein so grauenhafter Küsser bist", versuchte sie die Situation aufzulockern, doch er sprang nicht darauf an.

„Ich habe die gleichen Ängste, Jacob. Du bist mir auch wichtig. Das was du für mich tust… ich glaube nicht, dass sowas jemals Jemand für mich getan hat. Diese Art der Führsorge kenne ich nicht und es macht mir Angst, weil ich nicht weiß, ob wir davon wieder zurück können."

„Und wenn ich das gar nicht will?"

„Du musst mir im Feld wieder vertrauen können. Wie willst du das tun, wenn du mir dabei helfen musst in die Dusche zu steigen?" Der Schmerz in ihrem Ausdruck ließ ihn schaudern.

„Das ändert doch nichts daran, dass ich dir mein Leben anvertraue. Auch wenn du jetzt Hilfe brauchst, heißt das nicht, dass du in ein paar Wochen nicht wieder anderer Leute Ärsche aufreißen kannst. Ich vertraue dir zu einhundert Prozent.

„Ich reiße gerne Ärsche auf", lachte sie.

„Ist mir recht, solange es nicht meiner ist", lachte er mit. Für heute was das ernste Gespräch beendet und beide fühlten sich besser.

„Das kann ich nicht versprechen", setzte sie nach.

„Das würde ich auch nicht erwarten, sweetheart." Wieder stockte Rachel.

„Zu viel?", fragte Hood. Sie versuchte sich an einem Lächeln.

„Nein… denke nicht. Nur ungewohnt." Er lächelte ebenfalls und drückte nochmal ihre Hand.


Der Abend war deutlich entspannter und langsam fanden sie zu ihrer Leichtigkeit zurück. Noch während sie zusammen das Abendessen zubereiteten, klingelte Hoods Telefon.

„Hey, Frank. Was gibt es?"

„Ich habe einen Auftrag für dich. Dreizehn schwer kranke Babys. Keine Verbindung zwischen ihnen. Die Akte habe ich dir rübergeschickt."

„Ist der Techniker von da?"

„Seit knapp einer Stunde. Peterson ist sein Name. Ich schicke dir seine Nummer. Willst du hinfliegen?" Hood legte seinen Blick auf Rachel, die zu ahnen schien, dass es heikel war.

„Ich bespreche das mit dem Techniker und entscheide dann." Fuller verabschiedete sich.

„Schlimm?", fragte Rachel besorgt.

„Ich befürchte es."

„Du heißt du musst los?", fragte sie mit hörbarer Enttäuschung in der Stimme.

„Mein neues Arrangement mit Frank ist etwas anders als vorher. Es gibt einen neuen Techniker, der vor Ort ist. Er schickt alle Proben rüber ins FBI-Labor. Nur wenn die Lage sich zuspitzt, fliege ich hin. Mal sehen, wie sich das entwickelt, aber erstmal bleibe ich hier." Rachel lächelte ihn an. Der Gedanke, er würde mit einem anderen Beschützer, selbst wenn es nur Felix war, zu Aufträgen fahren, machte sie eifersüchtig.

„Aber ich fahre morgen früh ins FBI-Labor und arbeite mit den Proben. Ist das okay für dich?"

„Klar, mach deinen Job und rette die Welt." Er lachte laut auf.


„Da du morgen früh nicht da bist, kannst du mir heute Abend nochmal mit der Duschwanne helfen?", fragte Rachel nach dem Abendessen.

„Klar. Erinnere mich daran, dass wir beim nächsten Mal, wenn du dich ins Bein schießen lässt, in meine Wohnung gehen. Ich habe eine botentiefe Dusche", witzelte er und sie schlug ihm spielerisch auf die Brust. Dieses Mal lief die Prozedur mit der Dusche komplett ohne Worte ab. Der Ablauf war der gleiche wie in der Nacht zuvor und dank den klärenden Worten von zuvor funktionierten sie wieder besser zusammen.

„Wo möchtest du heute schlafen?", fragte Rachel einfach, als er mit seiner Tasche vom Auto zurückkam und sie sich ihre Haare bürstete. Sein Blick wechselte zwischen ihr und ihrem Bett hin und her als warte er auf Bestätigung. Als Antwort lächelte sie und nickte leicht.

Kurz darauf lagen sie wieder zusammen in Rachels Bett.

„Du denkst an den Auftrag, oder?", fragte sie und drehte sich auf die Seite zu ihm hin.

„Ja, es geht um Säuglinge. Inzwischen sind es fünfzehn. Alle unter sechs Monaten alt." Rachels Blick wurde glasig.

„Mist", entkam es ihr. Hood nickte traurig.

„Kann ich… darf ich dich halten?", fragte er schüchtern. Er brauchte es genauso wie sie, kam es ihr in den Sinn. Sie nickte stumm und drehte sich mit dem Rücken zu ihm. Er rutschte hinter sie, legte den Arm über ihre Seite und küsste ihr auf die Haare. Rachel spürte seinen Körper an ihrem Rücken, sein Herzschlag hallte durch ihren Körper wider und sie legte ihre Hand in seine.

„Keine Albträume heute Nacht", verkündete sie hoffnungsvoll.

„Für uns beide nicht", hängte er noch an.

„Schlaf gut, sweetheart", hauchte er in ihre Haare. Rachel lächelte. So seltsam die ganze Situation war, in diesem Moment, kuschelnd mit dem Mann, der sich so sehr um ihr Wohlergehen bemühte, wollte sie nirgendwo anders sein.


Rachel wurde geweckt, als Hood aus dem Bett stieg. Draußen war es noch dunkel.

„Hey. Wie spät ist es?", fragte sie verschlafen. Er kam zum Bett zurück und setzte sich an ihre Bettkante.

„Kurz nach vier. Ich muss los ins Labor. Schlaf noch etwas." Rachel kannte sein Problem mit der Schlaflosigkeit, vor allem wenn ihm ein Auftrag durch den Kopf ging.

„Passt du auf dich auf?", fragte sie besorgt.

„Ich verlasse das Labor nicht. Solange ich in DC bin, bin ich sowieso sicher. Und falls ich hinfliegen muss, ist Felix an meiner Seite. Das ist die Absprache mit Frank."

„Okay", sagte sie einfach.

„Versprichst du mir, dass du auf dich aufpasst? Keine Stunts, keine Experimente", fragte er.

„Versprochen", gab sie zurück und lächelte. Die Augen schon wieder geschlossen, hörte sie wie Hood sich erneut bewegte. Anstatt aber von ihr weg, bewegte er sich zu ihr herunter und küsste sie sanft. Seine Lippen brannten heiß auf ihren, als sie erschrocken die Augen aufriss, sie kurz danach aber genießend wieder schloss. Ihre Hand wanderte an seine Wange, seine in ihre Haare. Als sie ihre Lippen öffnete, erkundete seine Zunge ihren Mund. Sie schmeckte seine Zahnpaste und ein wohliges Grummeln entkam ihr. So gut es ging drückte sie sich von der Matratze nach oben, um ihm noch näher zu sein. Atemlos lösten sie sich voneinander und Hood legte die Stirn auf ihre.

„Okay, Wow. Das sollte eigentlich ein Abschiedskuss werden. Entschuldige", sagte er leise.

„Entschuldige dich nicht dafür. Und du bist alles andere als ein grauenhafter Küsser." Er schenkte ihr noch ein Lächeln, drückte ihre Hand und verließ das Zimmer.

Rachel legte sich grinsend zurück auf ihr Kissen. Das war er, ihr erster Kuss mit Hood. Um vier Uhr morgens zum unpassendsten Zeitpunkt, auf dem halben Weg zur Arbeit. Das war so typisch Hood.


Author´s note: Da ist er endlich. Auf den Kuss haben wir alle lange gewartet, mich eingeschlossen. Es war ein harter Weg bis hierhin und keiner von euch erwartet hoffentlich, dass es einfacher wird. Es wären nicht Hood und Rachel, wenn es einfach wäre. Also bleibt gespannt. Danke fürs Lesen, wer das noch tut. Das bedeutet mir viel.