Am nächsten Tag wurde Hermine am späten Vormittag wach. Sie sah sich genauer in ihrem neuen Zimmer um. Es war wirklich groß und bot ausreichend Platz für einige Regale und noch eine Kommode neben dem Kleiderschrank. Hier könnte sie es sich bestimmt gemütlich machen. Sie ging zu ihrem Koffer und zog ein T-Shirt und eine bequeme Hose daraus hervor.

Als sie geduscht war, machte sie sich daran, ihre Kleidung in den Schrank zu räumen. Sie würde auf jeden Fall noch mindestens eine Kommode brauchen, da nicht alles in den Schrank passte. Ihre Bücher ließ sie erst im Koffer. Als sie damit fertig war, ging sie hinunter in die Küche.

James und Sirius saßen am Tisch und Ersterer studierte den Tagespropheten, während Letzterer von einem Toast abbiss.

»Guten Morgen«, begrüßte sie die Männer.

»Guten Morgen«, sagte James, als er von der Zeitung aufsah.

»Hast du gut geschlafen? Ist das Bett bequem?«, fragte Sirius.

»Ja. Danke. Das Zimmer ist schön«, antwortete sie, als sie sich an den Tisch setzte.

»Frühstück?«

Als sie nickte, ließ Sirius noch ein Gedeck zum Tisch schweben, welches sie aus der Luft fing und vor sich abstellte.

James goss ihr Kaffee ein. »Oder willst du Tee?«, fragte er, als ihre Tasse halb voll war.

»Kaffee ist gut«, sagte sie und unterdrückte ein Gähnen. Sie nahm einen Schluck und lud sich etwas von dem Rührei auf den Teller. »Harry ist noch nicht wach?«

»Der schläft noch seinen Rausch aus«, feixte James. »Aber Ginny war eben kurz unten.«

»Wer hat sonst noch hier geschlafen?«, wollte Hermine wissen.

»Niemand. Alle anderen sind nach Hause. Das ist auch ganz gut. Sobald Harry wach ist, sprechen wir den Fidelius. Dafür darf niemand im Haus sein«, sagte Sirius.

»Oh, okay. Wie genau funktioniert das eigentlich?«, fragte sie neugierig.

»Eigentlich ist es recht einfach, wenn man weiß, wie es geht. Zuerst müssen die Grundstücksgrenzen magisch festgelegt werden. Dann muss der Zauber vorbereitet werden. Dazu werden ein paar Beschwörungen außerhalb des Grundstückes gesprochen. Der Geheimniswahrer muss dann in das Haus oder auf das Grundstück gehen, auf eine Position, die recht mittig innerhalb der magischen Grenzen ist. Er vollendet den Zauber dann«, erklärte James. »Und wenn alles richtig gemacht wurde, verschwindet das Haus für alle außer den Geheimniswahrer.«

»Und das bist du?«

»Ja. Ich gebe euch dann einen Zettel, auf dem die Adresse steht, und dann sollte das Haus für euch wieder sichtbar werden«, führte James aus.

»Wieso eigentlich ein Zettel? Kannst du es nicht einfach sagen?«

»Nein, es muss ein handschriftlich verfasster Zettel sein, der meine magische Signatur trägt. Nur so kann das Geheimnis weitergegeben werden.«

Als Hermine ihr Frühstück beendet hatte, schlurfte ein zerknitterter Harry, gefolgt von einer grinsenden Ginny in den Raum.

»Guten Morgen, mein Sohn!«, donnerte James.

Harry zuckte zusammen und hielt sich die Ohren zu. »Au! Nicht so laut.«

James verkniff sich sein Lachen, aber Sirius war nicht so rücksichtsvoll. Hermine lief eine Gänsehaut über den Rücken, als sie es hörte.

Ginny schob sich an ihrem Freund vorbei und ging zum Küchenschrank, um zwei Teller und Tassen zu holen. Hermine stand von ihrem Platz auf, damit die beiden sich setzen konnten. Mehr als vier Personen hatten an dem kleinen Tisch keinen Platz. Sie lehnte sich mit ihrer Kaffeetasse in der Hand an die Arbeitsplatte, nachdem sie ihren Teller in die Spüle gestellt hatte. Sie beobachtete das Treiben am Tisch belustigt. Harry setzte sich sehr vorsichtig hin und seine Bewegungen waren so langsam, dass der Eindruck einer Zeitlupe entstehen konnte.

»Wenn ihr fertig seid, sprechen wir den Fidelius«, informierte Sirius die beiden.


Es hatte noch eine ganze Stunde gedauert, bis Harry leidend, aber immerhin angezogen mit den anderen zusammen das Haus verlassen hatte. Nun saß er auf dem Bordstein gegenüber des Hauses und hatte den Kopf in die Hände gestützt. Leise jammernd beschwerte er sich über das Gezwitscher der Vögel.

Den Fideliuszauber zu sprechen dauerte etwa eine halbe Stunde. Hermine sah fasziniert dabei zu, wie das Haus plötzlich vor ihren Augen verschwand. Und es tauchte wieder auf, als sie die Adresse auf dem Zettel, den James ihr gegeben hatte, gelesen hatte.

Nachdem auch die anderen den Zettel gelesen hatten, Harry mit zusammengekniffenen Augen, gingen sie wieder ins Haus.

»Willst du dein Zimmer heute noch umgestalten?«, fragte Sirius Hermine.

»Erst mal möchte ich mir ein paar Regale und vielleicht eine Kommode kaufen. Im Schrank ist doch weniger Platz, als ich gedacht habe«, antwortete sie.

»Du kannst auch hier in den Zimmern gucken, ob was Passendes rumsteht. Das meiste wird ja eh kaum oder gar nicht genutzt«, bot er ihr an. »Komm mal mit.« Er ging hinauf in den ersten Stock. Sie folgte ihm die Treppe nach oben, während James endlich Erbarmen mit seinem Sohn hatte und ihm einen Anti-Kater-Trank gab. Sirius verschwand in einem der Zimmer. »In manchen Räumen stehen diese Regale. Wenn du magst, stellen wir welche in dein Zimmer. Kommoden stehen hier auch. Dann brauchst du nichts kaufen. Es sei denn, sie gefallen dir gar nicht. Ich begleite dich dann gerne in die Winkelgasse, wenn du möchtest.«

Hermine sah sich die Möbel an. Es war dasselbe dunkle Holz, aus dem auch die Möbel in ihrem Zimmer waren. Dann würde es nicht zu zusammengewürfelt aussehen. Und wenn sie helle Farben zu dem Holz kombinierte, konnte es durchaus auch gemütlich werden. »Wenn das in Ordnung ist?«, fragte sie zurückhaltend.

»Natürlich ist das in Ordnung. Tob dich aus. Alles, was hier im ersten Stock rum steht, ist quasi ungenutzt. Nimm dir, was du brauchst, bevor Harry es sich unter den Nagel reißt. Sein Zimmer ist ähnlich spartanisch möbliert wie deins.«

»Okay, danke.«

»Wenn du Hilfe bei etwas brauchst, sag ruhig Bescheid«, sagte er und ließ sie dann alleine.

Hermine nahm eine der Kommoden. Sie schrumpfte sie und in ihrem Zimmer brachten sie das Möbel wieder auf seine Originalgröße. Sie stellte sie an die Wand neben der Tür und räumte sie erst ein, bevor sie nach weiteren Möbeln sah. Ihre restliche Kleidung konnte sie darin verstauen. Aber sie würde noch Platz für Bettwäsche und Handtücher benötigen. Eine zweite Kommode hatte durchaus noch Platz an der Wand.

Sie ging wieder in den ersten Stock und holte sich eine weitere Kommode aus einem anderen Zimmer. Sie wollte keines der Zimmer völlig ausräumen, sodass sie für Übernachtungsgäste weiterhin genutzt werden konnten. Nachdem sie die Kommode in ihr Zimmer gebracht hatte, holte sie sich drei Regale. Eines davon stellte neben die Fenster auf der Seite des Badezimmers. Die zwei anderen stellte sie neben die Fenster auf der Seite des Bettes. Dann machte sie sich daran, ihre Bücher einzusortieren. Romane kamen in das einzelne Regal. Alle anderen kamen in das Doppelregal. Sie besaß so viele Bücher, dass die drei Regale nahezu voll wurden.

Als sie damit fertig war, zog sie wieder los und ging auf die Suche nach einem Tisch, den sie als Schreibtisch verwenden konnte. Auf dem Flur begegnete sie Ginny.

»Hey. Was machst du?«, fragte die Rothaarige.

»Einen Tisch suchen.«

»Was willst du mit einem Tisch?«

»Ich will ihn als Schreibtisch verwenden. Sirius hat gesagt, dass ich mir Möbel für mein Zimmer im ersten Stock zusammensuchen darf«, erklärte Hermine.

»In dem Zimmer, in dem ich mit Harry geschlafen habe, steht ein Schreibtisch«, sagte Ginny.

»Oh, super! In welchem wart ihr?«

Ginny zeigte ihr das Zimmer und Hermine war von dem Tisch begeistert. Es war ein ganz schlichter Schreibtisch, der nicht klobig wirkte. Vier Beine, eine Tischplatte und eine Schublade unter der Platte. Davor stand ein einfacher Stuhl.

»Der ist perfekt!« Hermine schrumpfte beides und brachte es dann in ihr Zimmer. Ginny folgte ihr.

»Du warst ja fleißig!«, sagte Ginny überrascht. »War das Zimmer genauso leer wie Harrys?«

»Wenn Harry auch nur ein Bett und einen Schrank hat, dann ja«, antwortete Hermine. Sie stellte Tisch und Stuhl zwischen den beiden Fenstern auf. Dann sah sie sich in dem Raum um. Die Möbel machten den Raum ziemlich dunkel und kühl, obwohl viel Licht durch die Fenster hereinfiel. »Was hältst du von einem hellen Beige für die Wände?«

»Find ich gut!«

Hermine trat an die Wand heran. Sie tippte mit ihrem Zauberstab dagegen und färbte sie um. Das tat sie mit den restlichen ebenfalls. Dann hexte sie die Deckenbohlen weiß. »Hm.« Der dunkle Himmel des Bettes wurde kirschrot. Trotzdem wirkte der Raum für ihren Geschmack noch zu dunkel. Es waren die vielen Ebenholzmöbel, die den Raum drohten zu erdrücken. Sie scheute sich aber davor, sie einfach weiß zu zaubern. Sie trat auf den Stuhl zu. Was wäre, wenn sie versuchte, ihnen eine andere Holzoptik zu geben? Nicht hell, aber eben auch nicht mehr fast schwarz. Sie tippte gegen den Stuhl und dann sah er aus, als sei er aus Kirschholz gefertigt. Etwas heller als vorher mit einem leicht ins rötliche gehenden Stich. Das gefiel ihr. Sie wiederholte es bei allen anderen Möbeln, dann sah sie sich um.

»Das sieht richtig gut aus!«, sagte Ginny. »Kann ich davon ausgehen, dass du hier bleibst, wenn du dir so viel Mühe gibst?«

»Das wird sich noch zeigen. Ich bin ja noch keine vierundzwanzig Stunden hier«, wehrte Hermine ab.

»Trotzdem scheinst du dem Ganzen positiv gegenüber zu stehen, nicht so wie gestern Morgen«, erwiderte Ginny.

»Abwarten, vielleicht sage ich nächste Woche auch, dass ich hier weg muss.« Hermine sah sich im Raum um. Jetzt gefiel es ihr schon ganz gut, es war nicht mehr so dunkel. Sie ging zu ihrem Koffer und nahm die Bilder heraus, die sie in Hogwarts auf dem Nachttisch stehen und an der Wand hängen hatte. Ein Bild ihrer Eltern und ein paar magische Bilder mit und von ihren Freunden. Sie stellte sie auf die Kommoden.

Ginny und Hermine erschraken, als es an der Tür klopfte. »Ja?«, sagte die Brünette.

Sirius steckte seinen Kopf herein. »Darf ich rein kommen?«

»Klar«, antwortete sie und machte eine einladende Handbewegung.

»Bin ich noch im gleichen Haus?«, fragte Sirius, als er sich staunend umsah.

»Zuviel? Ich kann das auch wieder rückgängig machen«, sagte die Brünette unsicher. Sie knetete ihre Hände, um nicht herum zu zappeln.

»Quatsch! Du sollst dich hier wohlfühlen. Ich bin nur überrascht, dass ich nicht selbst auf die Idee gekommen bin, das Holz der Möbel heller zu zaubern.« Er drehte sich zu ihr um und lächelte sie an. »Das ist ein toller Raum geworden. Aber etwas fehlt noch. Warte kurz.« Sirius verließ den Raum und kehrte kurze Zeit später wieder. Mit dem Zauberstab dirigierte er einen Sessel in den Raum. Er war dunkelrot und sah urbequem aus. Er stellte ihn neben dem einzelnen Bücherregal ab. Dann holte er noch etwas aus der Hosentasche und zauberte es groß. Den kleinen runden Tisch stellte er neben den Sessel. »Und?«, fragte er erwartungsvoll.

»Wo hast du das denn her?«, fragte Hermine überrumpelt. Es war tatsächlich ihr Plan gewesen, aus der Ecke eine Leseecke zu machen. Zum entspannen.

»Stand in meinem Schlafzimmer rum«, antwortete er.

»Aber das geht doch nicht. Ich –«

»Ich habe den Sessel noch nie richtig benutzt. Der steht nur herum und verstaubt. Wenn du ihn brauchen kannst, dann ist das gut. Und der passt hier wirklich gut hin. Sollte ich ihn doch noch mal brauchen, hole ich ihn mir wieder, ok? Ich weiß ja, wo er steht.« Er zwinkerte ihr zu.

»Dann, danke«, sagte Hermine und lächelte zurückhaltend.

»Eigentlich bin ich hergekommen, weil ich fragen wollte, ob ihr Hunger habt. James und Harry sind zu Hause, um Harrys Sachen zu packen, die haben bestimmt Hunger, wenn sie wiederkommen.«

»Ein bisschen«, antwortete Ginny.

»Du brauchst aber nicht für uns zu kochen«, sagte Hermine sofort. »Wir müssen eh noch besprechen, wie wir das machen. Ich will meinen Teil dazu beitragen und niemandem auf der Tasche liegen.«

»Sowas habe ich mir schon gedacht«, sagte Sirius und verdrehte die Augen. »Um das schon mal klarzustellen, ich nehme kein Geld von dir. Und mit allem anderen einigen wir uns schon.«

»Aber –«, begehrte Hermine direkt auf.

»Kein ›Aber‹. Den Rest besprechen wir mit Harry zusammen.« Sirius sah sie eindringlich an.

Hermine schloss resignierend die Augen. Sie wollte sich nicht durchfüttern lassen. »Dann gehe ich jetzt kochen und du machst irgendwas anderes.« Bevor er dazu etwas sagen konnte, eilte sie aus dem Zimmer und die Treppen hinunter. Sirius sah ihr verdattert nach.

»Viel Spaß«, sagte Ginny grinsend. »Sie kann verdammt stur sein.« Lachend folgte sie ihrer Freundin nach unten.


Mehr schlecht als recht hatten sie sich einigen können. Hermine wollte unbedingt etwas zu den Lebenshaltungskosten beisteuern. Sirius hatte es aber strikt abgelehnt, da er auch von Harry kein Geld nahm. Und er sah es nicht ein, dass sie Geld bezahlte, während sein Patensohn freie Kost und Logis hatte. Sie hatten sich dann zähneknirschend auf einen Haushaltsplan geeinigt und Hermine hatte darauf bestanden, dass, wenn sie einkaufen ging, kein Geld von ihm nahm, sondern ihr eigenes Geld. Das war ein Arrangement, das beide nicht für optimal hielten, aber es war akzeptabel.

Inzwischen war fast eine Woche vergangen, seit Hermine im Grimmauldplatz eingezogen war. Sie lief wie auf rohen Eiern durchs Haus, vor allem wenn Harry nicht da war. Einerseits wollte sie mit Sirius sprechen, andererseits vermied sie genau das, weil sie Angst davor hatte. Aus mehreren Gründen. Sie zog sich viel in ihr Zimmer zurück und las. Denn jedes Mal, wenn sie ihn sah und er mit ihr sprach, sogar dann, wenn er einfach nur lächelte oder nachdenkend einen Punkt in der Luft anstarrte, wenn er sich unbeobachtet fühlte, zog sich ihr Magen sehnsüchtig zusammen.

Sie hatte falsch gelegen. Es war nicht besser geworden. Kein bisschen. Wenn sie alleine waren, erfand sie immer irgendeine Ausrede, warum sie gehen musste. Sie hatte sogar schon mal den halben Tag alleine in der Winkelgasse verbracht, weil sie vorgegeben hatte, sich mit Luna zu treffen. Nur damit sie nicht mit ihm alleine sein musste.

Ein Klopfen an ihrer Zimmertür riss sie aus ihren Gedanken. »Herein«, sagte sie leise und klappte ihr Buch zusammen.

»Hast du einen Moment für mich?« Sirius erschien in der sich öffnenden Tür.

»Was gibts denn?«, fragte sie und krallte ihre Hände in das Buch.

Er betrat ihr Zimmer und schloss die Tür hinter sich. Unschlüssig stand er einen Moment im Raum und setzte sich dann auf den Stuhl vor ihrem Schreibtisch. »Ich wollte... du... warum gehst du mir aus dem Weg, Hermine?«

Sie schluckte, als er seinen Satz beendet hatte. »Ich gehe dir nicht aus dem Weg.« Sie senkte den Blick auf ihre Beine.

»Wieso siehst du mich dann nicht an?«

Hermine schüttelte den Kopf. Dann riss sie sich zusammen und hob den Blick. Sagen konnte sie nichts. Ihre Kehle war wie zugeschnürt.

Sirius seufzte. »Wenn es wegen... damals... ist«, begann er vorsichtig. »Das, was da passiert ist – es ist lange her. Mach dir keinen Kopf.«

Der Kloß in Hermines Hals wurde immer größer. Sie hatte es doch gewusst. Genau hiervor hatte sie Angst gehabt; dass sie einen Korb kassierte. Sie schluckte und räusperte sich. »Das ist kein Problem. Es ist alles gut. Ich gehe dir nicht aus dem Weg.«

»Okay. Ich will nicht, dass du dich hier unwohl fühlst«, sagte er leise, als er aufstand.

Als Sirius die Tür hinter sich geschlossen hatte, konnte Hermine sich nicht mehr zurückhalten und brach in Tränen aus. Das Buch rutschte ihr aus den Händen und fiel zu Boden, sie zog die Beine auf die Sitzfläche und versuchte sich auf dem Sessel zusammenzurollen. Sie blieb lange so sitzen, ihre Beine waren längst eingeschlafen, als ihre Tränen versiegten.

»Mine, bist du da?«, hörte sie Ginny fragen, nachdem es geklopft hatte.

Hektisch wischte die Brünette sich über das Gesicht. Sie setzte sich etwas gerader hin und bat die Freundin herein.

»Was ist passiert?«, fragte die Rothaarige, sobald ihr Blick auf Hermine fiel. Sie eilte zu der jungen Frau und kniete sich vor den Sessel. Sie hob das Buch auf und legte es auf den kleinen Tisch.

»Ich hatte recht«, sagte Hermine mit einem traurigen Lächeln.

»Womit hattest du recht?« Ginny legte ihr eine Hand auf ein Knie.

»Sirius.«

Ginny schnappte nach Luft. »Du hast mit ihm geredet?«

»Er hat mich gefragt, warum ich ihm aus dem Weg gehe. Ich habe versucht das abzustreiten. Er sagte, was damals passiert wäre, sei lange her. Er wolle nicht, dass ich mich hier nicht wohl fühlte.«

Ginny setzte sich auf die Armlehne des Sessels und legte einen Arm um Hermines Schultern. »Hast du ihm gesagt, dass du ihn liebst?«

»Nein. Warum auch? Es wäre unnötig. Soll er sich auch noch unwohl fühlen, weil er mit einem naiven Kind zusammen lebt, das meint, in einen zwanzig Jahre älteren Mann verliebt zu sein?«

»Du bist kein naives Kind!«, rügte Ginny. Als sie sah, dass Hermine wieder die Tränen in die Augen stiegen, nahm sie sie in den Arm und strich ihr über den Rücken. »Oh, Mine!«

»Das Beste wäre es wohl, wenn ich ausziehe«, flüsterte die Brünette.

Ginny drückte ihre Freundin fest an sich. »Jetzt sofort?«

»So früh wie möglich. Aber ich will nicht zu deinen Eltern. Ich werde mir morgen früh etwas suchen. Und wenn es erst mal ein Zimmer im Tropfenden Kessel ist.«

»Bist du dir sicher?«, fragte Ginny skeptisch.

»Ja, ich halte es nicht aus, ihn jeden Tag zu sehen.« Hermine löste sich aus Ginnys Umarmung und wischte sich mit der Hand über die Augen.

»Ich komme morgen wieder her und helfe dir, wenn es das ist, was du willst«, sagte Ginny.

»Danke«, antwortete Hermine traurig lächelnd.

Ginny verabschiedete sich von Hermine und blieb einen Moment unschlüssig auf dem Flur stehen.

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Nächstes Kapitel:

Ich bin Jean Grant