Trügerische Ruhe

Harry POV

„Hey Leute, habt ihr schon das Neueste gehört?" Fred und George Weasley ließen sich gemeinsam mit ihrem besten Freund Lee Jordan gegenüber Ron und Harry am Gryffindortisch nieder, um zu frühstücken. Fred hatte eines seiner breiten, gemeinen Grinsen auf den Lippen, als er diese Frage stellte. Auch George und Lee grinsten breit.

Harry und Ron saßen beim Frühstück und studierten nebenbei ihr Stundenpläne, die Professor McGonagall vor ein paar Minuten verteilt hatte. Hermione war noch nicht aufgetaucht.

„Wass 's psssiert?", nuschelte Ron wieder einmal mit vollem Mund. Fred sah ihn ein wenig pikiert an, antwortete jedoch trotzdem,

„Malfoy, der Volldepp hat heute Nacht versucht das Gelände zu verlassen. Ist von einem Haltezauber Dumbledores abgefangen und erst heute Morgen von Filch eingesammelt worden. Klatschnass und halb erfroren-", setzte er lachend nach. Harrys Blick huschte beinahe automatisch zum Tisch der Slytherins. Malfoys üblicher Platz war leer.

„Ernsthaft? Dumbledore hat doch gestern in aller Deutlichkeit gesagt, dass niemand das Schulgelände verlassen oder unerlaubt betreten kann-", meinte er.

„Sag doch, Volldepp. Hat offenbar nicht zugehört." Fred grinste noch immer breit und auch Harry konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.

„Tja, da haben wir den Beweis, dass er eigentlich nicht wieder herkommen wollte-", warf nun Ron ein, der endlich runtergekaut hatte.

„Vielleicht sollten wir ihm einen Wink mit dem Zaunpfahl geben, wie er unbemerkt rauskommt-", sinnierte nun George. „Wo er doch offenbar so absolut nicht hier sein möchte."

„Ich wäre vorsichtig mit den Geheimgängen, Jungs." Alle drei sahen Harry fragend an.

„Wieso?"

„Dumbledore weiß definitiv vom Geheimgang unter der Peitschenden Weide und der führt vom Gelände. Ich würde zumindest Sicherheitshalber annehmen, dass sie in den Ferien alles getan haben, das Schulgelände sicher zu machen. Wenn keiner rein und raus darf, müssten dazu auch die Geheimgänge gesichert werden. Nicht, dass ihr die nächsten seid, die Filch aus einem Haltezauber holen muss." Harry konnte den Zwillingen ansehen, dass ihnen dieser Gedanke gar nicht gefiel, sie ihn jedoch ohne Zweifel nicht einfach so abtaten.

Hermione lenkte sie vom Thema ab, als sie sich neben Harry auf die Bank schob.

„Morgen, Jungs, habt ihr das hier schon mitbekommen?" Sie breitete ihren Stundenplan aus, um ihnen etwas zu zeigen.

„Wo hast du den denn her? Du warst doch gar nicht da-", nuschelte Ron schon wieder kauend. Hermione warf ihm nur einen entnervten Blick zu, würdigte ihn keiner Antwort und wies dann mit dem Finger auf ein bestimmtes Fach.

„Verteidigung gegen die dunklen Künste- Was ist damit?", fragte Harry.

„Professor Dumbledore hat keinen neuen Lehrer vorgestellt-" Das entsprach den Tatsachen und wenn Harry genau darüber nachdachte, hatte er auch kein neues Gesicht am Lehrertisch gesehen. „Was denkt ihr, hat das zu bedeuten?"

„Ist uns auch schon aufgefallen-", ließ sich diesmal Lee vernehmen. „Bin echt gespannt, wen sie uns vorsetzen."

„Vielleicht übernimmt ja Dumbledore den Unterricht-", mutmaßte Ron.

„Professor Dumbledore war Lehrer für Verwandlung, als er noch unterrichtet hat", stellte Hermione fest und Harry wusste, dass das richtig war.

„Wir werden sehen- Wir haben in der zweiten Stunde Verteidigung gegen die dunklen Künste. Ich hoffe es ist jemand, der etwas davon versteht. Schließlich ist dieses Fach wichtiger denn je." Fred, der gerade den letzten Bissen von seinem Toast hinunter geschlungen hatte erhob sich und die anderen beiden folgten seinem Beispiel.

„Wir lassen es euch wissen-", grinste George, bevor sie sich abwandten und die Halle verließen.

Es dauerte jedoch nicht bis zur Mittagspause, bevor sich die Neuigkeiten wie ein Lauffeuer verbreiteten und bei allen Häusern außer Slytherin sorgten sie für Entsetzen. Harrys verhasster Zaubertränkeprofessor Severus Snape hatte es letztendlich doch noch geschafft den Posten zu bekommen, den er angeblich schon seit Jahren wollte. Er würde die Jahrgänge fünf, sechs und sieben in Zukunft in Verteidigung gegen die dunklen Künste und Zaubertränke unterrichten, während sich die Professoren McGonagall und Flitwick die Jahrgänge eins, zwei, drei und vier in Verteidigung gegen die dunklen Künste unteren Jahrgänge in Zaubertränke würde in diesem Jahr Professor Sinistra unterrichten.

Das waren jedoch nicht die einzigen schlechten Nachrichten. Offenbar war es angesichts dieser Neuverteilung auch notwendig geworden, die Häuser neu zu kombinieren und Gryffindor würde in Zukunft die Hälfte ihres Unterrichts mit den Slytherins haben. Harry war sicher, dass Snape darauf bestanden hatte, sie auch in Verteidigung gegen die dunklen Künste mit den Slytherins zusammen zu legen, um sie alle noch ein wenig besser tyrannisieren zu können.

Für Harry und die meisten anderen seines Jahrganges war das Maß dann endgültig voll, nachdem er am Mittwochmorgen seine erste Doppelstunde Zaubertränke hinter sich gebracht hatte. Snape hatte ihnen erklärt, dass er, um die Effizienz des Unterrichts zu verbessern feste Gruppen aus Slytherins und Gryffindors bilden würde. Harry war nicht im Geringsten überrascht, als der Lehrer in anwies, sich neben Malfoy zu setzen, doch in ihm brodelte die Wut. Ron und Hermione ging es nicht besser. Ron durfte den Rest des Schuljahres mit Millicent Bulstrode arbeiten, Hermione bekam Goyle zum Partner. Vermutlich hatte sie damit das beste Los gezogen, denn Harry war sicher, dass Goyle sie einfach machen lassen würde und froh war, wenn er Heil durchs Jahr kam. Malfoys spekulativ-eisiger Blick, als er sich auf die Bank neben ihm schob, sagte Harry klar und deutlich, dass dieses Jahr kein Spaß werden würde.

Angesichts all dieser Veränderungen geriet die Tatsache, dass ausgerechnet Draco Malfoy von einem Haltezauber Professor Dumbledores bei dem Versuch das Schulgelände zu verlassen abgefangen worden war, recht schnell in den Hintergrund, auch wenn es noch einmal für schadenfrohe Belustigung sorgte, als seine Bestrafung die Runde machte. Malfoy musste eine Woche lang für Filch die Toiletten putzen, ohne Zauberei. Entsprechend mies war seine Laune und sogar die Slytherins machten, wenn möglich einen großen Bogen um ihn.

Die Spekulationen, warum Malfoy überhaupt wieder in Hogwarts war, flammten zwar besonders unter den Gryffindors seines Jahrganges immer wieder auf, doch niemand auf das naheliegendste. Harry schwieg. Er wusste natürlich, dass es eine beinahe noch größere Blamage für den Slytherin sein würde, wenn herauskam, dass er vermutlich von seiner Mutter dazu gezwungen worden war, in die Schule zurückzukehren und war mehr als einmal versucht, seine Annahme preiszugeben, doch der Stich Neid, den er deswegen immer wieder empfand, hinderte ihn daran. Eine Ahnung sagte ihm, dass das nichts war, worüber mach sich lustig machen sollte und Hermiones Unwille, den sie jedes Mal zeigte, wenn die Sprache darauf kam, bestätigte ihn in seiner Ansicht.

Das Verhältnis seiner beiden besten Freunde normalisierte sich sehr zu Harrys Missfallen auch nicht so wie er es gehofft hatte. Ron gab sich zwar alle Mühe, sein Verhalten im Hogwarts-Express wettzumachen, doch Harry bekam bald den Eindruck, dass das nicht mehr reichen würde. Ihre Freundin war sauer auf Ron und es sah ganz so aus, als hätte das noch andere Gründe als seine Reaktion auf ihre Ernennung zur Vertrauensschülerin. Er sprach ihn darauf an, als sie wieder einmal ärgerlich davon gerauscht war, nachdem seine Frage nach einer Hausaufgabe in einen inzwischen üblichen verbalen Schlagabtausch zwischen den beiden geführt hatte.

„Was verdammt noch mal soll das, Ron? Könnt ihr nicht einfach, wie ganz normale Menschen miteinander reden?" Rons grimmige Miene wurde noch ein bisschen düsterer.

„Was kann ich denn dafür, dass sie hochgeht, wie ein Knallfrosch, kaum, dass ich sie irgendwas frage?", knurrte er sauer. Harry betrachtete ihn einen Moment lang.

„Irgendwas hast du angestellt, also raus damit?"

„Schätze sie ist immer noch sauer wegen der Vertrauensschüler-Sache."

„Darauf hab' ich sie schon angesprochen und wir beide wissen, dass sie eigentlich nicht so nachtragend ist- also muss es noch etwas anderes geben."

„Man, ich hab' doch auch keine Ahnung-" Ron warf seine Feder auf den Tisch, verschränkte die Arme vor der Brust und schaute noch ein wenig finsterer drein. Sein ganzes Gebaren zeigte Harry, dass er wirklich keine Ahnung hatte, was er verbrochen haben könnte, dass Mione ihn im Moment überhaupt nicht tolerieren konnte, ohne hochzugehen, wie er es ausgedrückt hatte. Harry fragte sich, ob Ron sich bewusst war, warum sie so empfindlich reagierte.

„Hast du ihr in den Ferien vielleicht irgendetwas geschrieben, was sie geärgert haben könnte- unabsichtlich?" Ron sah ihn verständnislos an,

„Wie kommst du darauf, dass ich ihr geschrieben haben könnte? Du weißt doch, dass ich keine Briefe schreibe, wenn es nicht unbedingt sein muss."

„Du hast ihr gar nicht geschrieben? Ich weiß, dass sie dir auch geschrieben hat-"

„Nö. Sie weiß ganz genau, dass ich nicht schreibe-" Augenblicklich war Harry klar, wo das Problem lag. Aber er hatte nicht die geringste Ahnung, wie er es Ron begreiflich machen sollte.

Letztendlich war es Hermione selbst, die es dem Rotschopf um die Ohren knallte, als er wieder einmal nicht umhinkam, sie bei einer Hausaufgabe, diesmal für Zaubertränkte, um Hilfe zu bitten. Harry war nicht wirklich verwundert, dass er das immer wieder tat. Schon die erste Unterrichtswoche hatte allen Fünftklässlern schockierend deutlich gemacht, dass sie am Ende dieses Schuljahres ihr ZAGs machen würden und sich nun anderen Anforderungen stellen mussten. Ron hatte das jedoch noch nicht begriffen und deshalb versuchte er immer wieder auf Hermione zurückzugreifen.

Hermione reagierte, wie schon fast zu erwarten gewesen war, alles andere als wohlwollend,

„Weißt du was, Ron, ich bin nicht dein Hausaufgabenlexikon, auch wenn du das offenbar zu denken scheinst-", fauchte sie ihn auf seine Frage hin an.

„Das hab' ich doch gar nicht gesagt-", verteidigte er sich schon wieder mit rotem Kopf.

„Gesagt nicht- aber es ist offensichtlich. Das ist alles, was du immer wieder von mir möchtest- Hilfe bei den Hausaufgaben." Harry wäre am liebsten unter dem Tisch verschwunden, so peinlich war es ihm, dieser gefauchten Debatte nicht entkommen zu können.

„Das stimmt nicht-"

„Blödsinn. Sag mir, wenn wir uns das letzte Mal über etwas anderes unterhalten haben, als die Hausaufgaben-" Ron öffnete den Mund, doch ihm fiel zweifellos nichts ein. „Siehst du", giftete sie nun. „Das ist alles, wozu ich gut bin- Aber damit ist jetzt Schluss. Ich hab' keine Lust mehr, dir bei deinen Hausaufgaben Händchen zu halten. Du hast es ja nicht mal geschafft, mir wenigstens ein einziges Mal zu schreiben in den Ferien, nicht mal, ‚Mir geht's gut. Wie geht's dir?' Ich denke das hätte mir klarmachen sollen, wo mein Platz ist-" Sie sammelte hastig ihre Sachen ein, stopfte sie in ihre Tasche und stürmte davon. Ron saß da, als habe ihm jemand einen Eimer kaltes Wasser über den Kopf gekippt.

„Schätze, jetzt hast du es komplett vermasselt, Ronnispatz-" Diese Bemerkung kam unisono von Fred und George, die in identischer Pose an einem Bücherregal ganz in der Nähe lehnten und von einigen, die Zeuge dieser Standpauke geworden waren, war Gekicher zu hören. Es überraschte Harry vollkommen, als Ron aufsprang, alles stehen und liegen ließ und ebenfalls aus der Bibliothek stürmte.

Unterdessen kamen die Zwillinge zu ihrem Tisch und ließen sich auf der Bank gegenüber Harry nieder,

„Meinst du er hat's begriffen?", fragte einer der beiden, Harry hätte nicht sagen können, wer es war.

„Wenn du meinst, was ich denke, dass du meinst, kann ich es nur hoffen. Sonst wird das nämlich langsam hässlich."

„Da hast du Recht!", beide grinsten nun breit. „Ein Problem hoffentlich gelöst-Dann mal zu dir, Harry", Harry sah die beiden alarmiert an und fragte sich, worauf sie hinauswollten. „Was war das heute Morgen an der Treppe. Wolltest du die arme Cho über den Haufen rennen oder war das eine ungeschickte Form der Kontaktaufnahme?" Harry wurde dunkelrot, senkte den Blick, schlug sein Lehrbuch für Verwandlung auf und tat so, als seien die Zwillinge nicht da.

„Mister Potter, ich würde Sie gern noch im meinem Büro sprechen-" Harry konnte nicht anders, als sich augenblicklich zu fragen, was er verbrochen hatte, obwohl er sich wirklich keiner Schuld bewusst war. Er warf Ron Und Hermione, die stehen geblieben waren, um auf ihn zu warten einen resignierten Blick zu,

„Geht ruhig schon vor, ich schau mal, was sie will."

Die Lage zwischen seinen besten Freunden hatte sich endlich normalisiert. Zumindest taten sie beide so, als sei alles wieder beim Alten, doch Harry konnten sie nichts vormachen. Dazu waren sie beide viel zu oft zu den gleichen Zeiten nicht auffindbar. Zweifellos hatte Ron nach diesem finalen Fiasko in der Bibliothek eingesehen, dass er sich ganz schnell was einfallen lassen musste und Hermione offenbar erfolgreich klar gemacht, warum er so erpicht darauf war, sich von ihr bei den Hausaufgaben helfen zu lassen.

Harry folgte Professor McGonagall aus dem Klassenzimmer in ihr Büro. Wie üblich bat sie ihn sich zu setzen und bot ihm Kekse an, doch Harry, sich absolut nicht klar, worum es gehen könnte, lehnte dankend ab. Das brachte ihm eines von Professor McGonagalls seltenen Lächeln ein.

„Keine Sorge, Mr. Potter. Sie haben nichts verbrochen. Im Gegenteil bin ich im Moment sehr zufrieden mit Ihren Leistungen in Verwandlungen und auch in den anderen Fächern scheinen Sie gut auf dem Laufenden zu sein. Das hat mich in meiner Entscheidung bestärkt."

„Danke." Harry war angesichts dieses Lobs seiner Hauslehrerin überrascht, doch was dann kam überraschte ihn noch um einiges mehr. Sie öffnete eine Schublade an ihrem Schreibtisch und nahm etwas heraus.

„Hiermit ernenne ich Sie zum neuen Teamcaptain der Gryffindormannschaft, Mr. Potter." Sie reichte ihm das kleine, rot-goldenen Abzeichen, auf dem der Schriftzug Quiddtich Captain prangte, und Harrys Finger zitterten ein wenig, als er es entgegennahm. Das war das Letzte, mit dem er gerechnet hatte.

„Das gibt Ihnen denselben Status wie einem Vertrauensschüler,", fuhr Professor McGonagall fort. „-auch wenn sich der Mannschaftskapitän im Normalfall zurückhält, was das angeht. Die Auswahlspiele sollten Sie auf dieses, oder das nächste Wochenende legen, um noch genug Zeit zum Trainieren zu haben. Miss Spinnet hat mir mitgeteilt, dass sie die Mannschaft gern verlassen würde. Ihre Pflichten als Schulsprecherin und die Vorbereitung auf den ZAG sind ihr genug Beschäftigung für dieses Jahr. Sie brauchen also einen Jäger und einen Hüter, nachdem Oliver Wood die Schule schon vor einem Jahr beendet hat. Das erste Spiel findet am statt und wird wie üblich gegen die Mannschaft von Slytherin sein. Enttäuschen Sie mich nicht, Mr. Potter. Mir gefällt der Quidditchpokal in meinem Regal. Viel Glück." Erneut schenkte sie ihm ein Lächeln.

„Danke, Professor, ich- ich werde mein Bestes geben."

„Daran habe ich keine Zweifel, Mr. Potter."

Harry war noch immer ein wenig betäubt, als der seinen Schlafsaal erreichte, seine Schultasche neben dem Bett auf den Boden fallen ließ und auf sein Bett sank. Das Abzeichen des Mannschaftskapitäns war wirklich das allerletzte mit dem er gerechnet hatte. Um genau zu sein, hatte er vollkommen vergessen, dass Oliver Wood schon am Ende seines dritten Schuljahres seinen UTZ gemacht und die Schule verlassen hatte, doch selbst, wenn er es nicht vergessen hätte, wäre er nicht auf die Idee gekommen, dass Professor McGonagall ihn zu seinem Nachfolger bestimmen könnte. Wenn er ehrlich zu sich selbst war, fühlte er sich im Moment vollkommen überfordert und musste diese Geschichte erst einmal verdauen, bevor er sich eine Strategie zurechtlegen konnte, wie er an diese unerwartete Aufgabe heran gehen sollte.

Was ihm im Augenblick jedoch die meisten Sorgen machte, war Rons Reaktion auf diese Ernennung. Er hoffte im Grunde nur, dass sein Freund nicht einen weiteren Anfall von Neid und Eifersucht an den Tag legte, der ihre Freundschaft auf die Probe stellte und zu Harrys missfallen kam die Stunde der Wahrheit sehr viel schneller, als es ihm lieb war, denn Ron tauchte nur ein paar Minuten nach ihm im Schlafsaal auf,

„Hey, Kumpel, was wollte McGonagall?" Er warf seine Tasche neben seinen Nachttisch, zog seinen Schulumhang aus und ließ ihn folgen, bevor er sich mit einem wohligen Ächzen streckte. „Endlich Wochenende-", meinte er dann und sah Harry fragend an.

Harry saß noch immer auf seinem Bett und beobachtete ihn ein wenig nervös. Bis jetzt hatte er das Abzeichen zwischen den Fingern gedreht und sich gefragt, wie er die Sprache darauf bringen könnte. Er hatte keine brauchbare Strategie gefunden. Entsprechend senkte er verlegen den Kopf und hielt Ron den kleinen rot-goldenen Anstecker hin.

„Sie hat dich zum Teamcaptain gemacht. Man, cool Harry-Hab' ich dann jetzt bessere Chancen in die Mannschaft zu kommen?" Harry sah ehrlich überrascht auf. Das war nicht die Reaktion, die er erwartet hatte und offenbar sah Ron ihm seine Verblüffung an.

„Hast du gedacht, ich wär' sauer? Keine Sorge, Hermione hat mir wegen meinem Theater im Zug schon den Kopf gewaschen. Um genau zu sein hat sie schon Vermutungen angestellt, ob du nicht vielleicht Teamcaptain werden könntest. Immerhin ist Wood weg, Alicia Schulsprecherin und bis auf Katie alle im letzten Jahr."

Hermione hatte Vermutungen angestellt? Warum war Harry überrascht? Sie war allen anderen meistens mindestens zwei Schritte voraus und achtete auf jede Kleinigkeit. Er fragte sich, ob Ron bewusst war, wie unmissverständlich er gerade zugegeben hatte, dass er viel mehr mit Hermione gesprochen haben musste, als Harry mitbekommen haben konnte.

„Weißt du, Harry, ich hab' beschlossen dieses Jahr mein eigenes Ding zu machen. Ehrlich gesagt will ich in die Mannschaft, falls ich es irgendwie schaffe. Mit dem Training hätte ich dann genug zu tun, neben den ganzen Hausaufgaben und den ZAGs. Und ganz ehrlich, Kumpel, sie hat dir damit eine ganz schöne Verantwortung aufgehalst. Ich meine, wir müssen den Pokal verteidigen- Weißt du schon, wann du die Auswahlspiele ansetzt?"

Und mit einem Schlag wurde Harry nachdrücklich bewusst, was dieses Abzeichen alles mit sich brachte. In einem Winkel seines Verstandes verspürte er ein leicht nervöses Flattern und unterdrückte es angesichts des zweifellos neu gewonnen Selbstvertrauens, das Ron an den Tag legte. McGonagall hatte ihm diese Aufgabe gegeben und er würde das hinbekommen. Beinahe automatisch wühlte er in seiner Tasche nach Feder und Pergament, um eine Notiz zu schreiben, dass die Quidditchauswahl am nächsten Wochenende stattfinden würde.

„Dann lass uns das mal ans schwarze Brett pinnen. Und du nutze die Woche zum Training, wenn du in die Mannschaft willst, denn du hast Recht. Wir wollen den Pokal behalten." Ron grinste nur.

DracoPOV

Draco ließ das Portal hinter sich zufallen und nahm einen tiefen Atemzug. Er hatte gerade eine Unterredung mit Professor Snape gehabt, die ihn nach dem, was gleich in seiner ersten Nacht in Hogwarts geschehen war, nicht mehr überraschen können hätte. Um genau zu sein, war er so damit beschäftigt gewesen, sich darüber zu ärgern, wieder in der Schule zu sein, dass ihm Quidditch und der Umstand zum Hausteam zu gehören vollkommen entfallen waren. Professor Snape hatte ihn nun nachdrücklich daran erinnert, indem er ihn zum Teamcaptain auf Probe gemacht hatte.

„Teamcaptain auf Probe- Toll", knurrte er leise, als er sich mehr oder weniger ziellos auf den Weg zum Quidditchstadion machte. Sogar sein Hauslehrer hatte seinen Unwillen über diesen Status zum Ausdruck gebracht, doch offenbar, war darauf bestanden worden, nachdem Draco versucht hatte, die Schule zu verlassen. Er hatte zum Ausdruck gebracht, dass jedes weitere grobe Vergehen dafür sorgen würde, dass jemand anderes die Position bekam. „Als wäre einer von den verbliebenen Spielern in der Lage das Team zu führen-", grummelte Draco weiter vor sich hin.

Flint hatte Hogwarts nach Dracos drittem Jahr beendet, Bole und Derek waren zwar Kraftprotze, aber nicht besonders helle, Warrington nicht mehr da, Montague ein Großmaul und Bletchley eine absolute Fehlbesetzung als Hüter. Snape hatte gar keine Wahl gehabt, wenn er nicht jemanden vollkommen Neuen nehmen wollte und trotzdem haderte Draco noch immer mit seiner Anwesenheit in Hogwarts. An seiner Wut auf seine Mutter hatte sich seit dem Abend, als er begriffen hatte, dass sie ihn bewusst nach Hogwarts zurückgeschickt hatte, um ihm die Chance, sich seinem Vater anzuschließen zu nehmen, nichts geändert. Er fragte sich, ob Goyle, Montague und ein paar der anderen überhaupt wussten, was das bedeutete – vermutlich eher nicht.

Macht keinen Unterschied. Raus kommt hier eh keiner mehr, bevor es nicht vorbei ist, ging es ihm durch den Kopf und erneut spürte er den Ärger auf seine Mutter aufwallen. Er hatte ihr nicht geschrieben und auch ihre Briefe verbrannt, ohne sie zu lesen, seit er begriffen hatte, dass er hier gefangen war.

Draco betrat das Quidditchstadion durch den Spielerzugang. Das Feld lag still und leer vor ihm, der Rasen gepflegt wie immer. Die Linien auf dem Feld waren verblasst und die Tribünen kahl und grau ohne die üblichen Hausbanner. Draco wusste, dass man diese erst zu den Spielen anbringen würde.

Slytherin/Gryffindor.

Das würde das erste Spiel der Saison am ersten Novemberwochenende sein. Der Gedanke an Potter brachte ihn heute noch mehr auf als der Ärger über seine Mutter. Snape hatte ihm gesagt, dass der Goldjunge ebenfalls zum Teamcaptain ernannt worden war.

Beinahe automatisch traf Draco eine Entscheidung. Wenn er schon hier sein musste, dann würde er wenigstens dafür sorgen, dass Slytherin sich den Quidditchpokal zurückholte. Potter sollte nicht glauben, dass er sich in dieses Mal auf sein Glück verlassen konnte. Er würde dafür sorgen, dass Slytherin in diesem Jahr das beste Hausteam haben würde, das Hogwarts in den letzten Jahren gesehen hatte.

Ein Lächeln schlich sich auf Dracos Lippen, während sein Blick immer noch übers Feld streifte. Er verstand was von Quidditch, hatte alles gelesen, was er über Strategie und Trainingsmethoden in die Finger bekam und hatte die Spiele der Liga aufmerksam verfolgt. Er wusste, worauf es ankam, und er wusste, dass er bei seiner Mannschaft vollkommen neu anfangen musste. Augenblicklich begann er Pläne zu schmieden und das Wichtigste dabei war, erst einmal eine gute Mannschaft zu finden.

Harry POV

„Hey, Harry, wie geht es dir?"

Harry stoppte abrupt, als ihm klar wurde, dass es Cho war, die mit hastigen Schritten versuchte, neben ihm zu bleiben. Er war nach Geschichte der Magie allein auf dem Weg zum Mittagessen. Wieder hatten Ron und Hermione die Gelegenheit genutzt allein zu verschwinden und er hatte schon ein paar Mal darüber nachgedacht sich in Zukunft Dean, Seamus und Neville anzuschließen, um nicht immer allein unterwegs zu sein.

„Ähm- Hi, Cho-" Sie lächelte ihn strahlend an und Harry stellte fest, dass ihn das irritierte. Immerhin war sie Cedrics Freundin gewesen und dieser erst vor etwas mehr als zwei Monaten getötet worden – in seiner, Harrys, Gegenwart. „Mir- mir geht's gut, danke. Und- und dir?", stotterte er entsprechend unsicher. Er konnte beobachten, wie sie den Kopf senkte und hatte das Gefühl, es wäre besser gewesen, diese Frage nicht zu stellen, denn sie wirkte ein wenig betroffen.

„Es geht mir- besser-", antwortete sie dann in vorsichtigem Ton, ohne ihn anzusehen. Harry konnte sich denken, wie sie sich fühlte, nur dass er wusste, dass es ihm nur scheinbar besser ging. Seine Verdrängungsstrategie funktionierte. Er hoffte für sie, dass sie die Wahrheit sagte, auch wenn es für ihn schwer vorstellbar war.

„Das ist schön", meinte er mit einem ehrlichen Lächeln, woraufhin sie ihn überrascht ansah. Sie brauchte einen kleinen Moment, bis sie sich fing und sein Lächeln erneut strahlend erwiderte.

„Ich hab' gehört, du bistder neue Mannschaftskapitän der Gryffindors. Gratuliere."

„Danke- auch wenn ich noch nicht so sicher bin, ob ich dafür wirklich der richtige bin." Er hatte diesen Satz in den letzten Tagen mehr als einmal gesagt und jedes Mal dieselbe Entgegnung bekommen. Entsprechend wenig überrascht war er, als Cho meinte,

„Du schaffst das schon. Da bin ich sicher." Das rang ihm ein leises Lachen ab,

„Das hab' ich inzwischen schon ein paar Mal gehört. Ich hoffe, ihr habt recht-"

„Sicher doch. Aber-", sie nahm ein Stück Pergament und eine Feder aus ihrer Schultasche, „- du kannst dir ja mal diese beiden Bücher ansehen. Ich weiß, dass Jed die letztes Jahr gelesen hat, als er Teamcaptain wurde." Jed Logan war der Mannschaftskapitän der Ravenclaws. Sie schrieb etwas auf das Pergament und Harry hätte nicht überraschter sein können.

„Und du hast kein schlechtes Gewissen, mir einfach so diesen Tipp zu geben?"

„Wir werden sehen, ob es dir etwas nützt, oder?", sie zwinkerte und Harry spürte, wie er rot wurde. Ihr Verhalten wurde allmählich zum Rätsel für ihn, denn es war nicht das erste Mal, dass er das Gefühl bekam, sie flirte mit ihm. Er bekam allmählich den Eindruck, als habe sie mehr als nur freundschaftliches Interesse an ihm und das entzog sich vollkommen seinem Verständnis. „Bist du auf dem Weg zum Mittagessen?", fragte sie da plötzlich.

„Ähm-ja."

„Dann lass uns doch zusammengehen. Ich hab' heute das Frühstück verpasst und bin am Verhungern." Harrys Verstand setzte aus und schaltete sich erst wieder ein, als er sich neben Seamus auf einen Platz am Gryffindortisch setzte. Er konnte Cho immer noch breit Lächeln sehen.

„Hey Harry, ich sehe dich diese Woche recht häufig allein in der Bibliothek-" Hermione setzte sich mit einem breiten Lächeln auf den Lippen ihm gegenüber an den Tisch, den er sich recht verborgen im hinteren Teil der Bibliothek gesucht hatte.

„Schätze ich könnte von dir dasselbe behaupten, oder?", gab er zurück. Ihr Lächeln wurde ein wenig verlegen und ihre Wangen färbten sich leicht rosa, doch sie ging nicht näher auf seine Entgegnung ein.

„Ich finde es toll, dass du deine neue Aufgabe so ernst nimmst."

„Was soll ich machen. Wood hat uns zum Pokalsieg geführt- und ich hab' nun die undankbare Aufgabe, dafür zu sorgen, dass wir das Ding behalten. Und du weißt, dass Ron in die Mannschaft will, genauso wie ein paar andere. Man, ich hoffe nur, dass er seine Sache ordentlich macht-" Das war im Augenblick eine ernstzunehmende Sorge für Harry. Der Umstand, dass sie beste Freunde waren, sorgte dafür, dass Ron wirklich der Beste sein musste, wenn er ihn in die Mannschaft holte.

„Du kannst darauf keine Rücksicht nehmen. Ich hoffe, das weißt du, Harry. Ich habe ihm schon gesagt, dass er sich nicht allzu viele Hoffnungen machen soll." Harry sah sie an und fragte sich, ob er sie fragen sollte, ob sie sich bewusst war, wie offensichtlich sie wieder einmal zeigte, was lief, doch es ließ es bleiben. Er hoffte nur, dass er nicht wirklich auf Hermione zurückgreifen musste, falls er Ron enttäuschen musste, denn er war sich klar, dass er wirklich keine Rücksicht auf ihre Freundschaft nehmen konnte, wenn Ron nicht der Beste für den Job war.

„Was trainiert er? Jäger oder Hüter?", fragte er unumwunden. Sie hatten sich fast nur im Unterricht und bei den Mahlzeiten gesehen, seit Harry die Nachricht ans Schwarze Brett gepinnt hatte. Harry hatte ihn bewusst nicht nach seinen Plänen gefragt.

„Jäger", antwortete Hermione.

„Hält er das für eine gute Idee? Sein Shootingstar kommt kaum von der Stelle-"

„Hat er dir das nicht verraten? Er hat schon seit einer Weile auf einen neuen Besen gespart und konnte sich dieses Jahr endlich einen Comet 3-10 leisten. Ich glaube der ist recht schnell." Da hatte Hermione allerdings Recht und Harry hatte das tatsächlich nicht gewusst.

„Okay-", meinte er, ohne zu wissen, wie er darauf reagieren sollte, dass Ron es zwar Hermione erzählt, jedoch vergessen hatte, es ihm gegenüber zu erwähnen. Die Heimlichtuerei wurde langsam absurd. „Damit hat er tatsächlich gute Chancen. Ich hoffe jedenfalls das Beste für ihn."

„Ich auch", meinte sie mit einem Lächeln und holte ihre Sachen aus ihrer Schultasche, um ihre Hausaufgaben zu erledigen.

Harry beschloss es ihr gleich zu tun und entschied das Buch über Quidditchtrainingsmethoden später mit in den Schlafsaal zu nehmen. Er konnte es genauso gut am Abend zu Ende zu lesen.

„Man! Ich kann nicht fassen, dass Snape Malfoy nach dem Stunt Anfang des Schuljahres auch zum Teamcaptain gemacht hat." Er war gerade bei Professor McGonagall gewesen, um für Samstag Zeit auf dem Quidditchfeld zu buchen, nur um zu erfahren, dass dieses am Samstag schon den ganzen Tag für Slytherin reserviert war.

Für ihn hieß das, sie mussten ihre Spielerauswahl am Sonntag durchführen. Harry konnte sich denken, dass seine Hauskameraden nicht begeistert sein würden, aber es war nicht mehr zu ändern. Immerhin hatte er dank dieser Schlappe sofort daran gedacht, die Trainingszeiten für die Gryffindors festzulegen. Das hatte Malfoy zum Glück vergessen.

„Machst du dir wirklich Gedanken wegen des Frettchens? Die Mannschaft von Slytherin war im dritten Jahr eine Katastrophe- Alles, was die waren, war schnell." Ron schlang sein Abendessen hinunter, als hätte er tagelang nichts mehr bekommen. Harry war der Appetit vergangen.

„Glaubst du wirklich, dass Malfoy nicht dafür sorgt, dass sich das ändert? Und die schnellen Besen haben sie noch immer." In Harrys Verstand rotierte es schon, seit er wusste, dass er Anfang November gegen eine Mannschaft unter Malfoys Führung spielen würde. Er hatte keine Zweifel, dass das ein hartes Stück Arbeit werden würde. Die Nimbus 2001, die die Slytherins flogen würden ein Problem werden.

„Mag sein, aber wir haben dich-", entgegnete Ron kaum beunruhigt. Toll. Nur kein Druck. Wenn es der Teamcaptain nicht hinkriegt, richtet es sicher der Sucher! Harrys Begeisterung bei diesem Gedanken hielt sich in Grenzen. Er wusste jetzt schon, das Tempo ganz oben auf der Trainingsliste stehen müssen würde. „Blöd, dass wir die Auswahl Sonntag machen müssen-", fuhr Ron inzwischen fort.

„Keine Sorge, passiert mir nicht noch mal." Er hatte Gryffindor bis zum ersten Spiel jeden Samstagnachmittag vier Stunden Trainingszeit eingetragen und würde die Mannschaft notfalls auch noch Sonntagvormittag übers Feld jagen. Ich bin schon genauso bekloppt wie Wood ging es ihm durch den Kopf, doch er konnte sich nicht helfen. Offenbar ging die Position als Teamcaptain bei den Gryffindors mit beginnendem Wahnsinn einher.

Am Ende lief es um einiges besser, als Harry erwartet hatte. Es hatten sich fast zwanzig Leute in die Liste für die neuen Spieler eingetragen und Harry hatte schon gleich zu Beginn angekündigt, dass sich auch die Stammspieler neu beweisen müssten. Natürlich hatte es einiges Gemurre unter den alten Hasen gegeben, doch er hatte sich nicht beirren lassen. Die Neuen hatten sich auf allen Positionen ausprobieren dürfen und dabei gegen die Stammspieler antreten müssen. Die Weasleyzwillinge, Angelina und Katie hatten, wie Harry fast erwartet hatte, ihre Positionen ohne weiteres erfolgreich verteidigt. Gegen ihn selbst als Sucher wollte niemand antreten, was er ein bisschen unfair fand, aber nicht ändern konnte. Der Rest war nicht ganz so einfach.

Sie hatten sich zuerst auf einen Hüter konzentriert und keiner, der für diese Position angetreten war, war zu beneiden. Von den acht Leuten, die es versuchten, waren drei schon nach den ersten fünf Torwürfen raus. Die anderen hielten sich ein bisschen besser. Am Ende entschied sich Harry nach Absprache mit den anderen für Mike Dale und Andrew Leland, beide im vierten Jahr. Final entscheiden würde er erst vor dem Spiel. Es gefiel beiden nicht besonders, sich erst noch im Training beweisen zu müssen, doch Harry stellte klar, dass es darüber keine Diskussionen geben würde. Er wollte sehen, wie sich die neuen im Team einfügten. Entsprechend wussten die Anwärter für den fehlenden Jäger von vornherein, was ihnen bevorstand.

Diese Auswahl fiel Harry um einiges schwerer. Ron war wegen des neuen Besens tatsächlich gut, doch war es überraschenderweise Colin Creevy, der ihm richtig Konkurrenz machte. Er war kleiner und leichter. Entsprechend war er schneller und wendiger, obwohl sein Besen schlechter war. Harry wusste, dass Colin im Grunde ein Sucher war, auch wenn er es vielleicht noch nicht mit ihm aufnehmen könnte. Dritte im Bunde war Louisa Sparks, eine Drittklässlerin, die unglaubliches Talent auf dem Besen hatte. Das waren die drei Anwärter, aufdie er sich mit den anderen einigte.

Das Training in den nächsten sechs Wochen würde zweigen, wer am Ende in die Stammmannschaft kam. Harry war nicht wirklich glücklich über seine scheinbare Unentschiedenheit, doch er stand zu seiner Entscheidung und war überrascht, als ausgerechnet Angelina zu ihm meinte, dass sie es gut fand, wie er an die Sache heranging. Ihr gefiel die Idee, erst einmal zu sehen, wie die Neuen mit der Mannschaft zusammenspielten. Besonders für die Jäger war das wichtig. Das sorgte dafür, dass Harry sich ein wenig entspannte und die Tatsache, dass Ron am Abend im Schlafsaal meinte, er sei froh es erst einmal in die engere Wahl geschafft zu haben beruhigte ihn endgültig. Alles, was er darauf hatte sagen können, war ‚Gib dein Bestes'. Ob es ihm gefiel oder nicht, das war die einzige Chance, die er Ron geben konnte, auch wenn er insgeheim der Meinung war, dass sein Freund heute mit einem winzigen Vorsprung der beste gewesen war.