Wir sind keine Maschinen!
Fran ist mit einem Mal sehr schweigsam. Sie begreift nun Maxwells Sichtweise und seine Ansprache hat sie zutiefst bewegt. Maxwell kommt währenddessen auf sie zu und die beiden setzen sich gemeinsam auf die Couch. Maxwell streicht sanft über ihre Haare.
"Aber bitte glaub mir, Fran. Das alles hat nichts mit meiner Liebe zu dir zu tun. Ich liebe dich so sehr. Ich liebe dich mehr, als ich dir jemals sagen kann. Und wenn du nicht mit Nigel verlobt wärst, dann würde ich dir auf der Stelle einen Antrag machen. Dann täte ich nichts lieber, als dich vor den Traualtar zu führen und mit dir und den Kindern ein neues Leben zu beginnen. Aber es geht einfach nicht. Das musst du bitte einsehen. Ich kann nicht einfach egoistisch, nur an mich selbst denken und mein Glück auf Nigels Unglück aufbauen. Das würde ich mir niemals verzeihen. Ich würde mich den Rest meines Lebens schuldig fühlen. Und welches Beispiel würde ich damit den Kindern geben?! Dass es in Ordnung ist dem eigenen Bruder die Frau wegzunehmen? Dass es okay ist, vollkommen egoistisch nur an die eigenen Bedürfnisse zu denken? Das ist mit Sicherheit nicht die Botschaft, die ich meinen Kindern weitergeben möchte. Das habe ich selbst bei meinem eigenen Vater miterlebt. Und ich habe ihn, wie du weißt, jahrelang dafür verachtet. Und ich möchte nicht, dass meine Kinder mich eines Tages genauso verachten."
Fran schluckt. Sie ist sehr nachdenklich geworden. Sie greift nach seiner Hand.
"Da hast du natürlich recht, Max. Das möchte ich genauso wenig wie du. Ich glaube, ich begreife allmählich, was in dir vorgeht. Und ich verstehe auch deine Bedenken. Ich finde es unheimlich süß von dir, wie sehr du dich um Nigel kümmerst und dass du ihn nicht einfach ins Unglück stürzen willst. Aber glaubst du nicht auch, trotz aller Rücksicht auf andere, hat jeder doch auch eine Verantwortung für sich selbst, für das eigene Glück und die eigene Zukunft. Ich meine, was ist mit dir? Könntest du es wirklich ertragen, bei der Hochzeit dabei zu sein und zuzusehen, wie ich Nigel mein Ja-Wort gebe? Und was ist, wenn wir uns alle mal sehen? In einer Familie kann man sich schließlich nicht aus dem Weg gehen. Es würde immer wieder Situationen geben, wo wir miteinander konfrontiert werden würden. Glaubst du wirklich, wir beide könnten dann ganz ungezwungen miteinander umgehen, nur als Schwager und Schwägerin? Und was wäre, wenn Nigel und ich tatsächlich eines Tages ein Kind bekommen? Könntest du dieses Kind ansehen, ohne den Gedanken dabei zu haben, dass es eigentlich unser Kind sein könnte?"
Maxwell spürt einen Kloß im Hals. Er weiß, dass jedes dieser Szenarien ihn innerlich umbringen würde. Betrübt murmelt er.
"Das wäre dann wohl meine gerechte Strafe dafür, dass ich Nigel hintergangen habe."
"Was redest du da, Maxwell? Das wäre keine Strafe, sondern reine Selbstzerstörung. Und was ist mit mir? Ich möchte nicht für den Rest des Lebens mit einem Mann verheiratet sein, den ich nicht liebe und dessen Nähe ich kaum noch ertragen kann. Und ich kann auch nicht per Knopfdruck dafür sorgen, dass meine Gefühle für Nigel plötzlich wiederkommen. Ich bin keine Maschine Maxwell! Und du auch nicht. Wir sind beides Menschen mit Gefühlen und einer Seele und auch wenn es vielleicht nicht richtig war, was wir Nigel angetan haben, haben wir es doch beide nicht verdient, dass wir uns den Rest unseres Lebens so schrecklich quälen."
Maxwell starrt sie verblüfft an. Als ob ihm erst jetzt richtig klar wird, wie klug und sensibel Fren eigentlich ist.
"Und nun, was machen wir jetzt? Was schlägst du vor Fran? Was können wir tun, damit wir alle einigermaßen heil aus diesem Schlamassel herauskommen? Was glaubst du, ist der richtige Weg?"
Fran lächelt geheimnisvoll.
"Ich weiß nicht, ob es der richtige Weg ist und ob es den überhaupt gibt. Aber ich denke doch, ich habe einen ganz vernünftigen Vorschlag, mit dem wir alle leben können. Zumindest besser als mit deiner Idee."
Maxwell schaut sie neugierig an.
