Kapitel 11
„Natsume… Pass auf!"
Eine Stimme rief nach ihr und sie drehte ihren Kopf zu der Richtung, wo die Stimme herkam. Sie spürte, wie ihr Gleichgewicht nachgab und sie nach hinten in eine Grube fiel und weich auf dem Schnee landete. Der Mann, der nach ihr gerufen hatte, rannte in ihre Richtung und half ihr wieder aufstehen.
„Meine Güte, Natsume… Pass doch auf wo du hingehst."
Sie sah zu, wie der Mann ihr den Schnee und den Schmutz von ihrer blauen dick gepolsterten Jacke wegwischte.
Es war Winter. Sie liebte diese Jahreszeit. Jeden Tag gingen sie hinaus und spielten, während es schneite, doch heute wurde ihr es erlaubt besonders lange draußen zu bleiben, denn es war nämlich ihr vierter Geburtstag. Die Abendsonne am Horizont war schon tief gesunken und auch sie merkte, dass es langsam Zeit war zu gehen.
„Was schaust du dir da an?", fragte der Mann, der ihrer Blickrichtung folgte.
„Papa, guck mal. Die Sonne ist rot geworden.", sagte sie und zeigte mit dem Finger auf die untergehende Sonne. Papa lächelte, hob sie auf und ließ sie auf seinen breiten Schultern sitzen.
„Gut erkannt, Schatz. Und weißt du warum die Sonne rot wird, wenn sie untergeht?"
„Vielleicht weil es ihr peinlich ist, dass wir sie so anstarren?", fragte sie neugierig. Papa brach daraufhin in Gelächter aus. Natsume war zuerst verwirrt, dann machte sie es ihm nach.
„So funktioniert das nicht, Natsume. Die Sonnenstrahlen legen dabei nur einen längeren Weg hinter sich, weißt du? Deswegen sehen wir die Sonne in einer Roten Farbe, wenn sie untergeht."
„Echt? Und wie lange dauert es dann bis diese Sonnenstrahlen zur Erde kommen?"
„Na, rate mal…"
Sie überlegte eine Weile bis sie schlussendlich ihre Antwort gab.
„Einen Tag lang?"
Papa lachte wieder.
„Falsch. Noch zwei Versuche."
Wie, Falsch? Sie sah wieder auf die untergehende Sonne und blickte daraufhin auf ihre Handschuhe. Der Größe nach zu urteilen hatte sie ziemlich kleine zarte Finger. Sie versuchte mit den Fingern zu zählen und merkte dabei nur, dass es nichts bringen würde und gab es schließlich auf.
„Ich gebe dir mal einen Tipp. Kannst du rechnen?"
„Ein wenig schon."
„Was ist 2 + 2 + 4?"
Endlich hatte sie einen Anhaltspunkt, womit sie etwas anfangen konnte. Sie zählte wieder mit den Fingern. Nach einer halben Minute gab sie ihre zweite Antwort und schloss die Augen in der Hoffnung, dass sie diesmal richtig lag.
„Ist es Acht?"
Papa dachte kurz nach, womöglich um sie absichtlich noch etwas länger hängen zu lassen.
„Richtig, das hast du gut gelöst, Natsume."
Sie öffnete die Augen und strahlte über das ganze Gesicht, als sie hörte, dass ihre Antwort richtig war. Papa war wieder auf den Weg mit ihr nach Hause. Heute war ein aufregender Tag für sie und wieder konnte sie etwas Neues lernen.
„Papa?"
„Ja, Natsume?"
„Geht es Mama wieder besser?"
Papa sagte für eine kurze Zeit nichts, sondern seufzte nur.
„Sie erholt sich gerade. Der Arzt hat gesagt, dass sie die ganze Zeit hart an sich gearbeitet hätte. Aber keine Sorge, deine Mutter ist stark. Sie schafft es schon, mach dir keinen Kopf darüber."
„Aber Papa, du bist doch auch ein Arzt, oder? Könntest du Mama da nicht helfen?"
Papa lächelte schwer. Man sah es zwar ihm nicht an, aber es schien ihm nicht leicht, mit dieser Situation zurechtzukommen.
„Schön wär's, aber das was deine Mutter hat, liegt nicht in meiner Zuständigkeit. Ich kenne mich da leider nicht aus und deswegen überlasse ich das lieber jemanden, der ein Spezialist in diesem Bereich ist, verstehst du?"
„Ich will, dass es Mama besser geht. Wir haben lange nicht mit ihr gespielt."
„Das will ich auch, Schatz. Aber alles was deine Mama jetzt braucht, ist eine Mütze Schlaf, ja?"
„Ja…"
Zusammen stapften sie weiter durch den Schnee, bis sie im Nebel nicht mehr zu sehen waren. Zehn Minuten vergingen, bis sich in dieser Gegend wieder etwas rührte.
Stapf.
Dort, wo das Mädchen noch vorher den Schneemann gebaut hatte, befand sich jetzt ein Schneeschuh, der ihn auf der Stelle zerstampfte.
Zwei Männer.
Lange graue Haare. Schwarze Mütze. Kleidung gehüllt in komplettem Schwarz. Zigarette. Der Rauch der aus dem Mund des Mannes kam, verschwand im Nebel des kalten Winters, gefolgt von einer Blutspur, die ihnen auf Schritt und Tritt folgte, wohin sie auch gingen. Er grinste.
Wilde braune Haare. Schwarze Mütze. Kleidung gehüllt in komplettem Schwarz. Nichtraucher. Narbe im rechten Auge. Jünger als der Mann neben ihm. Sein Gesicht kühler den je.
Gemeinsam folgten sie aufmerksam den Fußspuren, die im Nebel langsam verschwanden.
—-
„Das hier ist das Speisezimmer.", sagte Kozue, die die Gäste in eine kleine konzertgroße Halle führte.
„Die ist ja schön.", bestaunten Ran, Kogoro und Conan, als sie zusammen diesen Raum betraten. An der Decke hing ein Kronleuchter bestückt mit goldenen Kerzenständern und war somit die einzige Lichtquelle, außer dem Kamin an der Wand gegenüber der Tür, die die Halle beleuchtete. In der Mitte standen mehrere Tische, die die Wand entlang aufgestellt wurden und somit ein spiegelverkehrtes 'C' bildeten. Die Tische waren mit weißen Auflagen ausgestattet und auf ihnen standen schon mehrere Teller und das dazugehörige Besteck inklusive Gläser. An der rechten Seite von der Tür aus gesehen, befanden sich meterhohe Fenster, die sich fast bis zur Decke erstreckten. Es sah aus wie bei einem Tischgelage in einem richtigen Schloss und Ran war davon sehr begeistert.
„Suchen Sie sich einen Platz aus. Mein Herr wird gleich da sein.", versicherte ihnen Kozue.
„Ich danke Ihnen.", antwortete Fumiyoka und streckte seine Hand zur Demonstration gen Decke.
„Und? Gefällt ihnen die Ausstattung hier?", fragte er erwartungsvoll.
„Nun ja…", sagte Kogoro nachdenklich.
„Diese Kombination vom altmodischen und neuen Stil sieht wirklich vielversprechend aus. Ich finde es schön hier.", sagte sie und Conan musste lächeln, als er ihre strahlenden Augen sah. Er hatte sich gefreut, sie wieder so glücklich zu sehen.
„Findest du nicht auch, oder Conan?", fragte sie, als sie sich ihm zuwandte.
„Aber klaro.", antwortete er. Ihr Lächeln war viel entspannter, als das was er in Ai's Gesicht gesehen hatte. Trotzdem fühlte es sich an, als hätte etwas bei ihr gefehlt. Conan schüttelte den Kopf. Nein, er sollte lieber nicht darüber nachdenken, sonst…
„Geht's dir gut, Conan?", fragte Ran besorgt.
„Alles gut, Ran.", antwortete er und lächelte verlegen.
(Dieses Lächeln…)
„Du benimmst dich komisch in letzter Zeit. Ist auch wirklich alles in Ordnung?"
„Mach dir da keine Sorgen, Ran. Mir geht's gut…"
(„Ich danke dir… Ich bin dir nicht wütend…")
„Na dann… Sollen wir etwas essen?"
„J-ja…"
Conan's Gesichtszug wurde ernster. Was war denn für eine Erscheinung? Und warum hörte er ihre Stimme ausgerechnet jetzt?
Sie suchten sich einen Platz am Esstisch aus und Conan setzte sich zusammen mit Ran und Kogoro auf den Platz, der sich den Fenstern gegenüber befand. Fumiyoka saß am Kamin gegenüber der Tür, welche sich kurz darauf wieder öffnete und weitere Dienstmädchen den Speisesaal betraten und das Essen auf silbernen Karren brachten.
„Wir haben uns erlaubt etwas Extravagantes für heute zu servieren.", sagte er, während die Dienstmädchen das Essen auf einem Silbertablett brachten und es samt Silberdeckel auf den Tisch stellten.
„Schlagen Sie ruhig zu. Es ist für jeden etwas dabei.", fügte er noch hinzu, als er die geduldigen Gesichter der drei sah.
„Aber sollten wir nicht zuerst warten bis alle da sind?", fragte Ran besorgt.
„Von mir aus kannst du ruhig anfangen, meine geschätzte Ran. Dich so besorgt zu sehen, schmerzt mich mehr als das wir auf weitere hungrige Mägen warten müssen.", antwortete er und gestikulierte wieder wie ein irrer. Ran sah ihn nur verwirrt an und hob fragend eine Augenbraue. Schon wieder eines seiner Phasen, oder, dachte sich Conan genervt, als Fumiyoka plötzlich aufschrie.
Er sah vom Tisch auf und bemerkte, dass neben ihm eine der Dienstmädchen mit zwei Fingern wütend sein Gesicht kniff. Die Frau müsste schon in ungefähr seinem Alter sein.
„Lass mich los, Anya.", rief er, während er versuchte sich aus ihrem Griff zu befreien.
„Sie müssten schon mehr Zurückhaltungsvermögen haben, als das was wir geübt haben, erinnern Sie sich etwa nicht mehr daran?", sagte sie und ließ seine rechte Backe los.
„Doch, das tue ich. Meine Güte, musstest du ausgerechnet jetzt vorbeikommen?", erwiderte er wütend.
„Ich muss ja aufpassen, dass Sie unschuldige Mädchen nicht um den Finger wickeln.", antwortete sie ruhig.
„Hör auf damit, das ist peinlich."
Also irgendwie erinnert er mich an irgendjemanden…, dachte Conan und grinste schief, während er den Stümperdetektiven neben sich betrachtete.
„Das ist Anya Kirishkova. Sie ist seine Kindheitsfreundin von Sandkastentagen.", sagte eine Mädchenstimme, die Conan von rechts neben sich hörte.
„Wa-?"
Erschrocken drehte er sich schlagartig um und sah, dass die Stimme von Natsume kam, die sich direkt neben Conan hingesetzt hatte.
„Wo kommst du denn jetzt her?", fragte er verwirrt. Er hatte nichts von ihr gehört, geschweige denn diesen Raum betreten sehen. Er hatte sie ganz und gar nicht bemerkt.
„Na, wie wohl? Durch die Tür, wie sonst.", sagte sie genervt.
„Wer war das noch mal, Natsume?", fragte Ran.
„Anya Kirishkova, eine Kindheitsfreundin von meinem Bruder. Ihre Familie besitzt eine bekannte Firma im Norden Asiens."
„Im Norden Asiens?"
„In Russland, um genau zu sein.", ergänzte Natsume und Conan wandte seinen Blick auf die Beiden Streithähne, die sich immer noch fest in den Haaren lagen.
„Und wie ist sie hierhergekommen?", fragte Ran neugierig.
„Ihre Familie und meine hatten beide eine gemeinsame Vergangenheit, die unsere Partnerschaft mit ihnen umso enger zusammenschweißte und jetzt arbeitet sie freiwillig bei uns als Dienstmädchen. Keine Ahnung warum, aber sie hat aus irgendeinem Grund darauf bestanden. Mehr weiß ich leider nicht über sie.", sagte sie.
„Und wie lange ist sie schon bei euch?", fragte Kogoro neugierig.
„Ungefähr seit sechs oder sieben Jahren, denke ich…"
„So lange schon?", fragte Ran erstaunt.
„Ihr seid ja wirklich neugierig, wie?", bemerkte Natsume und rollte gelangweilt die Augen. Kogoro sah sie etwas verdutzt an, dann lächelte er verlegen.
„Naja, tut mir leid. Ich bin nun mal Detektiv und das gehört zu meiner Arbeit."
Natsume lächelte schief.
Kurze Zeit später erschien auch Fumiyoka's Vater und begrüßte Kogoro erneut. Die Dienstmädchen und Butler verbeugten sich bei seinem Erscheinen. Er setzte sich zu seinem Platz neben ihm vor dem Kamin hin. Für eine kurze Zeit sah er den dreien beim Essen zu, dann räusperte er sich, um deren Aufmerksamkeit zu bekommen.
„Herr Mori, wie wär's wenn wir die Sache lieber heute Nachmittag unter sechs Augen besprechen würden?"
„Unter sechs Augen? Wird denn noch jemand dabei sein?", fragte Kogoro.
„Richtig, Sie haben meinen Sohn ja schon kennengelernt, nicht wahr?"
„Ach so."
„Ja und ich dachte, es wäre angemessener, wenn wir die Sache verschieben würden. Also nur, wenn es Ihnen nichts ausmachen würde."
„Ist es etwas Geheimes, wenn ich fragen darf?"
„Nein, nicht wirklich. Ich fand es nur besser, es unter uns zu besprechen, da sich ihre Tochter oder der kleine sich möglicherweise nicht dafür interessieren würden."
„Da haben Sie natürlich Re-"
„Nein, ich finde es wirklich sehr interessant, was Sie erzählt haben, Herr Ichigo.", rief Conan dazwischen.
„Hey, ich rede hier, hast du mich verstanden, du Nervenzwerg?"
„Ist schon gut, Herr Mori. Dann können wir das ja hier und jetzt besprechen.", sagte Fumiyoka und lachte.
„G-Gut dann…"
Yuzaki legte den Drohbrief auf den Tisch und las ihn erneut vor. Auch nachdem sie es schon einmal davor gelesen hatten, hörten Kogoro und Conan beide aufmerksam zu.
„Nun, ich bin mir sicher, dass mein Sohn Sie schon darüber informiert hatte.", sagte er und sah zu Fumiyoka, der ihm das nickend bestätigte.
„Alles klar, dann… fahren wir das Gespräch fort."
Yuzaki räusperte sich.
„Wie Sie sicher schon wissen, gab es vor ungefähr 30 Jahren einen Brandvorfall in unserer Familienlaufzeit. Bei diesem Brand kam mein Vater Kentaro Ichigo tragisch ums Leben und hinterließ mir somit das gesamte Unternehmen, das sich im Laufe der Jahre zu dem Konzern entwickelt hat, das heute hunderte von verschiedenen Firmen und Unternehmen finanziert und leitet. Zu der Zeit damals war ich 16 Jahre alt und so plötzlich den Leiterposten im Betrieb zu erlangen und die Verantwortung für die Firma zu tragen, war nicht einfach. Ich hätte es damals nie ohne einen Bekannten geschafft, diesen Stein ins Rollen zu bringen, wenn Sie verstehen, was ich meine."
„Oh, das tut mir schrecklich leid für Sie.", antwortete Ran.
„Jedenfalls hatte sich die Polizei und die Feuerwehr schon längst eingeschaltet. Nachdem das Feuer gelöscht war und die Trümmer freigelegt wurden, hat die Spurensuche ergeben, dass sich merkwürdigerweise fremde Fingerabdrücke im Stromkasten befanden, die wir nicht zuordnen konnten."
„Wie sie konnten sie nicht zuordnen?", antworteten Kogoro und Conan gleichzeitig.
„Irgendjemand hat die Fingerabdrücke so verwischt, dass man denjenigen, dem sie zugehören nicht zuordnen konnte."
„Und was ist danach passiert?", fragte Conan neugierig. Jetzt wurde dieser Fall so richtig interessant, das spürte er.
„Nach weiteren Ermittlungen hat sich ergeben, dass sich nasse Fußspuren auf dem Boden des Kellers befanden, die aber längst getrocknet waren. Jedoch konnte man feststellen, dass diese Stellen feucht waren und sich Fußabdrücke dadurch nachweisen ließen."
„Sprich: Jemand war vor einiger Zeit zuvor in diesem Raum und baute wahrscheinlich einen Mechanismus, der möglicherweise den Brand ausgelöst haben könnte, oder?", meldete sich Conan zu Wort. Natsume lächelte nur kühl. Er hatte sie nicht entäuscht.
„Ja… aber, woher weißt du das alles?", fragte Yuzaki und sah ihn erstaunt an.
„Ich hab's dir doch gesagt, Vater. Dieser Junge ist unglaublich.", antwortete Fumiyoka und stubste seinen Vater mit dem Ellbogen am Arm.
„Nun, für so einen kleinen Jungen ist es schon eine präzise Schlussfolgerung. Hat er das von Ihnen gelernt?", fragte er Kogoro erstaunt.
„Ob er das von mir hat?", fragte er sich selbst und überlegte. Er stützte seufzend den Kopf auf seine Hand und beobachtete Conan nachdenklich. Da hatten die Zwei nicht ganz unrecht, denn der Junge hat in der Vergangenheit schon viele seltsame Dinge getan und gesagt. Und seitdem er hier war, spürte er immer wieder nach dem Aufwachen einen Stich im Nacken, wenn sie einen Fall zu lösen hatten. Seine Augen verengten sich. Was ihn am Meisten wunderte, war, dass er nach jeden gelösten Fall vom Kommissar gelobt wurde, nachdem er geschlafen hatte. Schon merkwürdig, dass er ihm immer irgendwelche Tipps gab, wenn er mal einen Fall selber gelöst hatte. Aber wie er sie während seiner geistigen Abwesenheit löste, war ihm immer noch ein Rätsel. Verdammt, er konnte sich an nichts erinnern. Als hätte irgendjemand Teile seiner Erinnerungen mit einer Schere auseinander geschnitten, diese entfernt und den Rest wieder zusammengefügt. Und jetzt saß der kleine Rotzbengel unschuldig da und lächelte ihn an, als wäre nichts passiert.
„Natürlich, oder Onkel?"
„Was? Öh, ja ist doch klar.", antwortete Kogoro völlig aus den Gedanken gerissen.
„Fantastisch, genau das haben wir von einem Meisterdetektiven wie Sie erwartet.", lobte ihn Natsume und versuchte, sich das Lachen zu verkneifen. Solange der Fokus auf ihm lag, hatte sie nichts zu befürchten.
„Och… das ist doch nichts besonderes, hähäh…", antwortete Kogoro geschmeichelt. Dann hielt er für eine kurze Zeit inne.
„Aber wie ging der Fall zu Ende? Haben Sie den Täter zu fassen gekriegt?", fragte er im Anschluss und setzte das Gespräch fort.
„Nun, was den Täter betraf, der wurde durch Scharfsinn und genialen Schlussfolgerungen eines jungen Oberschülerdetektiven entlarvt.", antwortete Yuzaki.
„Es stellte sich heraus, dass der Bruder seines Bekannten, der ihm bei der Leitung des Unternehmens unter die Arme gegriffen hatte, dieses Feuer ausgelöst hatte. Er gestand, nachdem er vor diesem Detektiven die Beweise selbst auf den Tisch legte.", ergänzte Fumiyoka und Yuzaki stimmte ihm nickend zu.
„Und wie hieß der Detektiv denn, wenn ich fragen dürfte?"
„Was das angeht… nun ja. Das werden sie mir so oder so nicht glauben."
„Was meinen Sie?", fragten Ran und Kogoro erstaunt. Conan hob neugierig den Blick auf die Zwei Männer. Natsume lachte leise. Dann stand sie vom Stuhl auf und ging zu Ran, um ihr etwas ins Ohr zu flüstern.
„Natsume, lass das! Komm sofort her!", rief Fumiyoka, doch sie ließ sich nicht davon abhalten.
„Was? Wirklich?!", rief Ran aufgeregt und Conan und Kogoro sahen sie beide ungläubig an.
„Was hat sie gesagt?", fragte Kogoro sie.
„Und sie haben wirklich geheiratet?", fragte sie Natsume und sah sie mit strahlenden Augen an. Sie nickte zustimmend.
„Mein Vater redet nicht gerne darüber, weil es ihm peinlich ist.", sagte sie mit grinsendem Blick rüber zu Fumiyoka, der sie wütend anstarrte.
„Natsu-!", rief Fumiyoka erneut und stand vom Tisch auf, doch Yuzaki hielt ihn zurück.
„Lass sie ruhig."
„Aber Vater…"
„Ich habe mich damit abgefunden, es ist okay."
„Wenn du meinst.", sagte er und setzte sich wieder hin.
„Ja, es stimmt. Die Person, die damals diesen Fall gelöst hatte, war niemand anderes als meine zukünftige Ehefrau Uzume Ogawa, die ich acht Jahre nach dem Fall geheiratet hatte.", antwortete er und lächelte.
„Das ist ja wunderschön!", rief Ran aufgeregter den je. Conan musste grinsen. Wäre Sonoko dabei gewesen, würde sie ihn jetzt fragen, warum er währenddessen so blöd grinste. Er schüttelte den Kopf, um die Gedanken frei zu kriegen.
„Und als was arbeitet sie jetzt?", fragte sie weiter.
„Sie arbeitet jetzt mit mir zusammen bei der Leitung dieses Konzerns. Sie ist wie eine Gehirnhälfte. Zusammen bilden wir ein funktionierendes Gehirn, das diesen Konzern zu ihrer wohlverdienten Zukunft bringen wird. Aber derzeit gönnt sie mir eine Auszeit vom ganzen Arbeitsstress. Nun, wie sagt man so schön: Die eine Hand wäscht die andere und andersrum."
„Da haben Sie natürlich recht.", stimmte ihm Kogoro zu.
Das könnte man nicht von ihm behaupten was das anging, dachten sich Conan und Ran gleichzeitig. Als sie fertig gegessen hatten, erhoben sich Kogoro und Yuzaki, entschuldigten sich und verließen den Speisesaal, um etwas zu besprechen, während Fumiyoka und die Bediensteten zusammen mit ihnen noch da blieben. Bevor Kogoro jedoch den Raum verließ, öffnete Conan die Antenne seiner Brille und holte einen kleinen Transmitter aus ihr heraus. Er versuchte dabei so gut wie möglich Natsume's und Ran's Blicken zu entkommen. Jedoch hatte er immer noch das Gefühl von jemanden in diesem Raum beobachtet zu werden. Conan ignorierte das und konzentrierte sich auf das einzig Wichtigere: den Transmitter irgendwo bei Kogoro hinein zu schmuggeln, um ihre Gespräche abzuhören. Bloß er bräuchte jetzt etwas, um es unbemerkt ankleben und ihm unterjubeln zu können.
„Onkel, du hast da etwas vergessen.", sagte Conan und nahm den Transmitter und klebte es an ein Stück Klebefläche, die er immer mit sich trug.
„Was willst du jetzt schon wieder, du Rotzbengel?", antwortete Kogoro empört.
Conan klebte das präparierte Abhörgerät an seine Visitenkarte, die er vorhin fallen gelassen hatte. Er hatte wenigstens Glück gehabt, dass Kogoro sich diesmal für die weißen Karten, anstatt der üblichen gelben entschieden hatte, sonst hätte dieser es längst bemerkt.
„Hier, du hast deine Visitenkarte fallen gelassen.", sagte er und gab sie ihm.
„Na, wenn's weiter nichts ist…", murmelte Kogoro genervt, steckte sie sich in die Hosentasche und verließ zusammen mit Yuzaki den Raum.
Undankbares Schwein, dachte sich Conan und drückte den Knopf an seiner Brille mit der er jetzt das Gespräch von Herrn Ichigo und Kogoro abhören konnte. Sofort schaltete sich die Verbindung ein und gab ihren Ton aus, bei dem Conan darauf achtete, dass der Ton so leise wie möglich sein musste. Nach einer kurzen Funkstörung meldete sich die Stimme von Yuzaki aus dem Lautsprecher.
„Wie fanden Sie den Wein?"
„Sehr vorzüglich. Ich hatte seit langem schon kein so wunderbares Geschmackserlebnis gehabt."
„Das freut mich."
„Sicher ist jedoch, dass ich ein noch wichtigeres Thema mit ihnen zu besprechen habe, nämlich…"
„Ja?"
Oh? Er weiß also schon über die seltsamen Geschehnisse hier bescheid? Conan war sichtlich überrascht. Vielleicht ist Kogoro doch nicht so blöd wie er anfan-
„…dass der Wein mit einem Schuss Zitrone besser schmecken würde."
„Sicher? Das wollten Sie so unbedingt mit mir besprechen?"
Conan war sprachlos. Er nahm alles zurück was er zuvor über ihn gedacht hatte. Er ist zum Teil ein Alkoholiker, daher sollte es ihn nicht wundern. Er konnte nicht anders, als eine schwer lächelnde Miene aufzuziehen.
„Aber natürlich, das ist do…"
Er gab es auf und drehte den Ton erst einmal runter, denn Fumiyoka meldete sich zu Wort.
„Das hier ist meine Kindheitsfreundin Anya Kirishkova. Anya, das hier ist Ran und der kleine neben ihr heißt Conan.", sagte Fumiyoka, als sie sich nach dem Essen in der Mitte des Speisesaals trafen. Anya, die neben ihm stand, verbeugte sich höflichst mit einem „Sehr erfreut."
„Sie sind hier um den Fall von vor dreißig Jahren aufzuklären, der mit dem Drohbrief zusammengehangen hatte, wenn du verstehst, was ich meine."
„Sicher, darüber bin ich mir bewusst."
„Sie kommen also aus dem Osten, richtig?", fragte Conan neugierig.
„Das stimmt. Ich und meine Familie kommen aus Russland, genauer gesagt aus Wladiwostok."
„Wuro… Wurodi… tu-tut mir leid."
Ran versuchte vergeblich, den Namen der Stadt auszusprechen, jedoch fiel es ihr zu schwer. Anya lachte und Ran rieb sich verlegen am Hinterkopf. Conan grinste.
„Das ist nicht schlimm, im Gegenteil… Es freut mich, dass ich ihr Interesse geweckt habe."
„Können sie unsere Sprache denn gut?", fragte sie kurz darauf.
„Nun ja, ich lerne zwar immer noch, aber mit den Grundlagen bin ich vertraut."
„Ach und bei wem lernen sie eigentlich, wenn ich das Mal so fragen darf?", fragte Conan.
Plötzlich drehte sich Fumiyoka mit dem Kopf zur Seite und beide konnten die Röte in seinem Gesicht nun deutlich erkennen. Sie grinsten beide, als Anya sich zu mit dem Kopf zu ihm wandte.
„I-Ich gebe mir nur Mühe, damit sie in Zukunft weniger Probleme hat, sich mit den Bediensteten zu Unterhalten, das ist alles.", sagte er.
„Ach so. Und warum beenden Sie in letzter Zeit früher den Unterricht als sonst?", fragte Anya mit kühlen Blick auf sein bereits rotes Gesicht.
„Ich habe viel zu tun, ja. Wie ihr schon gehört habt, ist Vater seit einigen Monaten auf Geschäftsreisen durch ganz Japan und China. Ohne meine Hilfe hier würde ich meinen Eltern die Arbeit nur noch erschweren. Ich bin ja nur Co-Leiter dieses Konzerns."
„Was ist denn ein Co-Leiter?", fragte Ran.
„Co-Leiter bedeutet, dass er für die Abwesenheit des Leiters vorübergehend für ihn einspringt.", erklärte Conan.
„Ach so."
Ran sah ihn zuerst verwundert an, dann wandte sie sich wieder Anya zu.
„Ihr steht euch ja ziemlich nah, oder?", fragte sie kurze Zeit später, als auch sie den Speisesaal verließen und durch die Eingangstür nach draußen gingen. Vor ihnen erstreckte sich der Ausblick vom enorm Großflächigen Garten, den sie schon zuvor am Fenster im Gästezimmer gesehen hatten.
„Aber nein, ich würde dich doch nicht betrügen, meine sehr geehrte Ran. Sie ist doch nur mei- Au, au, au, aaaaahh…!", antwortete Fumiyoka und schrie auf.
Anya zog plötzlich an seinem Ohr, während Fumiyoka mit schmerzverzerrtem Gesicht versuchte ihr hinterherlaufen, da sie es sonst abtrennen könnte, wenn er nicht schnell genug wäre. Selbst vor seiner eigenen Kindheitsfreundin schreckte er nicht zurück, dachte Conan und sah ihn verwundert an.
„Kümmern Sie sich nicht um ihn, er tendiert dazu sich bei anderen jungen Frauen einzuschleimen. Entschuldigen Sie bitte vielmals.", antwortete sie mit demselben kalten Gesicht. Trotz ihres kühlen Gesichtsausdrucks konnte sie dort etwas Wut erkennen.
„Lass mich los, Anya!", rief er und versuchte sich von ihrem Griff zu lösen. Als sie ihn losließ und er vor lauter Schmerz sich schützend am Ohr festhielt, zwang sie ihn sich bei Ran zusätzlich noch zu entschuldigen, was er danach auch tat. Ran hingegen versuchte die Situation so gut wie möglich noch im Griff zu behalten, bevor er sich vor lauter Entschuldigungen noch den Schädel auf den Boden einschlug.
„Ihr müsstet euch schon sehr lange kennen, richtig?", fragte sie Anya nachdem sich die Situation beruhigt hatte. Anya lächelte.
„Nun ja, wir sind uns zum ersten Mal begegnet, da waren meine Eltern damals auf einer Geschäftsreise nach Tokio und hatten mich spontan mitgenommen. Ich musste an jenem Tag auf einer Aussichtsplattform Ausschau nach einer Frau halten, die mich abholen sollte und nach einer Weile hatte sich mir ein kleiner Junge in meinem Alter angeschlossen…"
Während sie den Garten entlang gingen und Anya weiter erzählte, bei der vor allem Ran das meiste Interesse an ihrer Geschichte zeigte, trafen sie auf einen der Butler, der damit beschäftigt war, in der Hocke sitzend das Unkraut vom Feld zu entfernen. Als sie ihm näher kamen, erkannten sie sein Gesicht und er winkte ihnen zu. Es war der Butler Herr Okita und als er den Kopf hob, konnten sie lauter Schweißperlen auf seiner Stirn erkennen.
„Hi Masa, schön Sie wiederzusehen.", sagte Fumiyoka und reichte ihm die Hand, damit er aufstehen konnte.
„Ah Fumiyoka, altes Haus, wie geht es dir?", begrüßte er ihn, nachdem er sich aufgerappelt hatte. Conan sah Fumiyoka und Herrn Okita überrascht an. Die Art, wie sie miteinander redeten, erinnerte ihn irgendwie an ihn und Heiji. Bei dem Gedanken musste er grinsen. Sie haben sich schon einige Wochen nicht mehr gesehen und schon kam es ihm vor, als seien Jahre vergangen.
„Alles okay. Wir zeigen unseren Gästen nur den Ausmaß des Vorgartens, lassen Sie sich von uns nicht stören, wir gehen gleich wieder."
„Nein, schon gut. Und wie oft habe ich dir gesagt, dass du mich duzen sollst, Fumiyoka.", antwortete Herr Okita verlegen.
„Tut mir leid, ich kann mich immer noch nicht daran gewöhnen.", antwortete Fumiyoka und lachte.
„Na gut, das bringt das Gespräch auch nicht weiter, wie?", sagte er und lachte mit.
„Was war eigentlich heute Mittag mit dir los? Du sahst ganz blass aus. Ist zwischen Herr Mori und dir was passiert?", fragte Fumiyoka besorgt.
„Ach das… nein, ich habe ihn zum ersten Mal gesehen. Ich kenne ihn nur als schlafender Meisterdetektiv aus der Zeitung.", erklärte er und kratzte sich verlegen am Kinn. Conan's Blick wurde plötzlich ernst.
„Ach ja, der Schlafende Kogoro ist ja auch in aller Munde, versteht sich."
„Es ist nur… das alles erinnert mich an den Brandfall damals. Ich denke, deswegen war ich für kurze Zeit so überrascht. Was den Vorfall angeht… Das müssten wahrscheinlich schon mindestens 20 Jahre her oder so sein."
„Waren das nicht 30 Jahre?", berichtigte ihn Conan.
„Oh ja, 30 Jahre. Mann, dass das schon so lange her ist. Damals war ich noch ein Kleinkind, glaub ich.", antwortete Herr Okita.
„Und waren Sie dabei, als der Brand passierte?", fragte Conan neugierig.
„Ich? Nein, ich habe von diesem Vorfall erst später erfahren. Schreckliches Fiasko. Damals hatte ich Bilder vom zerstörten Haus in den Zeitschriften gesehen, aber das ist wahrscheinlich auch das einzige an was ich mich noch erinnern kann."
Conan runzelte nachdenklich die Stirn. Da Herr Okita leider keine guten Antworten auf die vergangenen Geschehnisse liefern konnte, wäre es möglich, dass er nichts mit dem Drohbrief an sich nichts zu tun hatte, oder? Trotzdem, warum hat er dann…? Irgendwas stimmt hier ganz und gar nicht. Es steckt auf jeden Fall mehr dahinter, als es auf den ersten Blick aussieht. Er brauchte dringend einen Anhaltspunkt wo anders, sonst konnte er mit diesem Fall nichts anfangen.
„Danke, Herr Okita. Das war alles was wir wissen mussten.", antwortete Conan und lächelte. Herr Okita sah ihn ein wenig verwundert an, dann lächelte er und verbeugte sich.
„Kein Problem, ich helfe gerne da, wo ich kann.", sagte er.
„Tut mir leid, Herr Okita. Der Kleine ist ziemlich aufgeweckt, was diesen Fall angeht, denn er ist ein sehr enthusiastischer Junge, müssen Sie wissen. Deswegen hängt er auch ein wenig an meinem Vater und seinen Kriminalfällen.", entschuldigte sich Ran.
„Ich persönlich finde es interessant, solche Kinder mitzuerleben, denn man weiß nie, wann und wie sie einen überraschen werden. Nehmen Sie es ihm also nicht übel, nein im Gegenteil, so etwas sollte man lieber fördern.", antwortete Herr Okita und kratzte sich wieder am Kinn.
„Ach, finden Sie?"
„Ja, natürlich. Je früher man so eine Entwicklung entdeckt und weiterentwickelt, desto mehr lernt man von seinen Erlebnissen."
„Ach komm, jetzt übertreib nicht, du weißt ganz genau, dass das Kind nur seine Spielchen treibt. Vielleicht ist es nur etwas vorübergehendes, eine Art Phase, die dann mit dem Alter abklingt. Wer weiß, vielleicht gibt es bald etwas anderes, was ihn mehr interessieren wird als das ganze Detektivspielen, hab ich Recht, Conan?", fragte Fumiyoka und wandte sich Conan zu.
„Mmmm, nö…", antwortete er und grinste breit über das ganze Gesicht. Fumiyoka zuckte die Schultern und er, Anya und Herr Okita brachen in ein Gelächter aus.
„Naja, ein Versuch war's wert."
„Desto mehr lernt man, wie…?", wiederholte Ran und blickte Conan gedankenverloren an. Hatte er nicht vielleicht doch Recht? Vielleicht ist Conan doch mehr als einfach nur ein aufgewecktes Kind. Kann es doch sein, dass…? Nein, er hatte ihr mehrmals bewiesen, dass er und Shinichi nicht ein und dieselbe Person sind. Was ist das denn für ein Blödsinn?
„Nett, dass ihr auch mal bei mir vorbeischaut, ja?", sagte Herr Okita und bedankte sich bei ihnen.
„Keine Ursache, ich wollte eh mit dir über eine kleine Sache reden.", antwortete Fumiyoka.
„Ach ja, über was denn?"
„Weißt du, wo mein Handy abgeblieben ist? Ich kann es seit einiger Zeit nicht finden und ich suche schon verzweifelt danach."
Sein Handy war verschwunden? Conan richtete seinen misstrauischen Blick auf Herr Okita. Konnte es sein, dass er…?
„Nein, tut mir leid. Ich kann meines auch nirgends finden."
Wie jetzt? Er jetzt auch? Conan dachte scharf nach, dann gab er es schließlich auf. Vielleicht war es ja auch nur Zufall. So wie er Fumiyoka einschätzte, könnte man es ihm zutrauen, dass er seins irgendwo verlegt hatte. Was Herrn Okita betraf, der hatte ja zuvor vergessen, das Zimmer aufzuräumen, also erklärte sich die Situation schon von selbst.
„Wirklich? Dann muss ich meinen Vater fragen, was das angeht. Der zieht nämlich mein Telefon manchmal ein, um seine Kontaktdaten zu überprüfen. Wir ändern nämlich aus Sicherheitsgründen unsere Telefonnummer alle 24 Stunden automatisch."
„Sie ändern ihre Telefonnummern? Warum das denn?", fragte Ran etwas besorgt.
„Nun, als reiche Familie haben wir zwar viele Partnerschaften, aber auch viele Feinde und Konkurrenz von Inner- und Außerhalb Japans. Deswegen macht es uns die Sicherheitsfrage einfacher zu beantworten. Mehr kann ich leider dazu nicht sagen, wenn Sie verstehen."
„Natürlich, aus Sicherheitsgründen, richtig?"
„Exact. Problematisch wird es erst, wenn jemand versucht mich anzurufen.", fügte er hinzu und lachte. Ran lächelte.
„Was ist denn so witzig daran?"
„Ach nichts. Es ist nur… Sie können ja auch ganz normal reden.", bemerkte sie. Fumiyoka sah sie kurze Zeit verwirrt an, dann lächelte er verlegen. Anya's Blick wurde ernst. Herr Okita lachte und klopfte ihm auf die Schulter.
„Na? Was war das nochmal mit 'Ich bin mit ihr allein schon zufrieden', hä?", stichelte er und grinste.
„Hör auf, Masa. Da-Das habe ich nie behauptet!", rief er und blickte sofort verlegen in Anya's Richtung, die jedoch trotz allem mit ernstem Gesicht dastand und keine Miene verzog.
„Ist schon gut. Es ist selten, dass ich so etwas von ihm höre, das ist alles.", antwortete sie ruhig.
„Tut mir leid, Anya. Das Ganze…"
„Nein, ich möchte nicht weiter darüber reden, danke."
Das sagte sie nur so leicht, dachten sich Conan und Ran gleichzeitig lächelten schief, als sie bemerkten, wie sich ihre beiden Hände bei seinen Worten vor lauter Aufregung versteiften.
„Gut, dann… mach ich jetzt am Garten weiter. Ich hab da eh noch viel zu tun. Wenn ihr mich also entschuldigt…", sagte Herr Okita und setzte sich wieder vor das Unkraut.
„Ja, natürlich… Man sieht sich.", sagte Fumiyoka und die vier verabschiedeten sich von ihm, während er ihnen zurück winkte. Sie setzten ihren Weg fort und gingen den Weg am Anwesen weiter entlang. Conan sah Herrn Okita nach, immer noch in Gedanken versunken. So wie es aussah, sprach alles dafür, dass er diesen Drohbrief nicht geschrieben hätte. Aaaghh, es passte einfach nichts zusammen. Er rieb sich am Kopf. Seit dem Fall mit dem seltsamen Fingerzeichen bei der Leiche kam es ihm so vor, als würde jeder Hinweis nur noch seinen Fingern entrinnen. Und jedes Mal musste er an jene Nacht denken. Was war nur los mit ihm?
Moment… wenn das Ziel des Drohbriefes wirklich ein erneuter Brandfall wie vor 30 Jahren wäre, wie wäre er entstanden? Was hatte der Täter getan, um mit heutigen Mitteln so etwas zu verursachen? Dann hätte er möglicherweise die Sache doch anders angehen sollen. Conan runzelte wieder die Stirn. Vielleicht konnte ihm ja das weitere Erkunden des Hinterhofs mehr Informationen liefern. Noch ist noch nichts passiert. Es gab immer noch genügend Zeit, diesen Brand zu verhindern.
– Kapitel 11 ENDE –
