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31. August 1976
Hermione kam langsam zu sich. Ihr Hals fühlte sich sehr wund an und ihr Körper war steif. Was zur...? Wo war sie, fragte sich Hermione. Zuerst erkannte sie, dass sie viel zu bequem lag, um immer noch auf dem Boden in Dumbledores Büro zu liegen. Der weiche, mit Federn gefüllte Stoff, auf dem ihr Kopf ruhte, die feste Matratze unter ihr und die glatten Laken, die sie warm hielten, sagten ihr, dass sie in einem Bett lag. Das nächste, was ihr auffiel, war der sterile Geruch von Desinfektionsprodukten und der stechenden Geruch von Heiltränken. Danach fand sie heraus – als sie es versuchte – dass sie in der Lage war, mit den Fingern zu wackeln und ihre Position leicht zu verändern. Dann, endlich, hörte sie Stimmen.
„Albus, ich erwarte, dass das Mädchen – deine Nichte, richtig? – jeden Moment die Augen öffnen wird, da sie sich zum ersten Mal seit Stunden rührt", hörte Hermione Madam Pomfrey sagen.
Warum war sie im Krankenflügel? Und warum war Dumbledore dort? Und noch wichtiger: Warum wusste Madam Pomfrey nicht, wer sie war, und glaubte, sie sei Dumbledores Nichte? Sie war nur in – Oh Merlin! Richtig! Sie war – sie war in der Vergangenheit.
Ihre Gedanken rasten. Im Jahr 1976, erinnerte sie sich daran, was Dumbledore ihr zuvor erzählt hatte. Sie brach zusammen. Sie war in Hogwarts, fünfzehn Jahre bevor sie zum ersten Mal durch die Türen getreten war, als sie elf Jahre alt war. Zweiundzwanzig Jahre bevor sie das letzte Mal dort war. Wenn ihre Berechnung richtig war, bedeutete das...
Sie schnappte nach Luft.
Sie reiste zurück in die Zeit, als Harrys Eltern Hogwarts besuchten! Wie würde sie damit umgehen, sie zu sehen, im Wissen um ihre tragische Zukunft? Und Sirius, wenn wir schon dabei sind! Und... und Lupin! Dann traf es sie. Wenn die Potters, Sirius und Lupin, zu dieser Zeit SchülerInnen an der Schule waren, dann bedeutete das, dass auch Professor Snape hier sein würde.
Warum sollte dieser Zeitumkehrer sie dazu bringen, so weit zurückzureisen, fragte sie sich. Wenn überhaupt, dann ging sie davon aus, dass sie höchstens einige Stunden gereist wäre, um zu versuchen, sein Leben zu retten. Aber Dekaden? Warum?
Einmal mehr brach Hermione in Panik aus. Ihr Atem kam in abgehacktem Schluchzen. Aus ihren Augen strömten Tränen, als sie den Ernst ihrer Lage erkannte und wie allein sie sich ohne Harry oder Ron an ihrer Seite fühlte. Sie öffnete die Augen, richtete sich schnell auf und sah die besorgten Gesichter von Professor Dumbledore und Madam Pomfrey, die sie anschauten. Der Anblick einer zweiundzwanzig Jahre jüngeren Madam Pomfrey, die im untergehenden Sonnenlicht stand, das durch die Fenster fiel, betäubte Hermione bis zum Schweigen. Hermione starrte sie weiter mit weiten, nassen Augen an.
„Poppy, vielleicht ein Beruhigungstrank für Hermione?" schlug Dumbledore leise vor.
„Natürlich, Albus", erwiderte sie und eilte davon, während ihr kastanienbraunes Haar aus ihrer Haube entkam.
Hermione wischte sich mit dem Handrücken über die Augen und sprach leise.
„Professor, was ist..." Dumbledore hob seine Hand, um sie aufzuhalten. „Jetzt ist nicht die Zeit dafür, Miss Granger", sagte er rasch und blickte zurück zu Madam Pomfrey.
Hermione wusste, was Dumbledore implizierte. Er wollte nicht vor irgendjemandem darüber sprechen, woher sie gekommen oder warum sie hier war. Und deshalb musste er begonnen haben, dem Personal zu erzählen, sie sei seine Nichte.
Sie nickte leicht. „Ich verstehe, Sir."
In diesem Moment hastete Madam Pomfrey zurück zu Hermione und trug ein kleines Glas, das sie ihr reichte. Hermione nahm es und schenkte Madam Pomfrey ein entschuldigendes Lächeln. Sie leerte die Flüssigkeit mit Pfefferminzgeschmack in einem Zug und spürte sofort die Wirkung des Beruhigungstranks; Wärme breitete sich langsam in ihrem Körper aus. Ihr Herzschlag verlangsamte sich, ihre Schultern verloren die Anspannung, die sie hielten, und ihre Faust – von der sie nicht merkte, dass sie sich ballte – entspannte sich ebenfalls.
„Miss Devereux, fühlen Sie sich jetzt besser?" fragte sie.
Sie hatte Glück, dass sie den Kopf abgewandt hatte, weil sie die leere Tasse auf das Bettkästchen stellte, als Madam Pomfrey zu ihr sprach. Hermione zuckte leicht zusammen, als sie den fremden Namen hörte und erkannte, dass es ein Deckname sein musste, den Dumbledore auf sich genommen hatte, ihr zu geben, während sie in der Vergangenheit war.
Ihr Blick glitt an Dumbledore vorbei – doch sie erwischte ihn dabei, wie er subtil nickte – und ruhte auf Madam Pomfreys faltenfreiem Gesicht.
„J- ja. Jetzt ist es viel besser. Danke", flüsterte Hermione heiser.
„Nun", begann Madam Pomfrey rege, „ich habe die meisten Ihrer Verletzungen gereinigt und geheilt, die Sie von der Peitschenden Weide davongetragen haben – "
„Der was?" Hermiones Stirn runzelte sich. Sie wusste, dass sie nicht in der Nähe des Baumes gewesen war.
Madam Pomfrey fixierte Hermione mit einem durchdringenden Blick, als Dumbledore sich räusperte.
„Der Baum auf dem Gelände, mit dem du leider in Berührung gekommen bist. Ich muss zugeben, es war töricht von mir, dich nicht davor zu warnen, bevor du ankamst. Ich hätte mir nie träumen lassen, dass du irgendwo in seiner Nähe wärst", sagte Dumbledore mit einer solchen Aufrichtigkeit, dass Hermione für einen Moment fast glaubte, sie wäre damit in Konflikt geraten.
„Oh ja. Der. Nun... Ich – ich hatte keine Ahnung, dass es so einen Baum gibt. Ich weiß jetzt, dass ich mich nie wieder der – Peitschenden Weide, hast du sie genannt? – nähern darf", erholte sich Hermione schnell, was ihr ein zufriedenes Grinsen von Dumbledore und ein Schnauben von Madam Pomfrey einbrachte.
Hermione dachte, dass sie wirklich den Krankenflügel verlassen und mit Dumbledore alleine sprechen musste. Offensichtlich hatte er sie ziemlich gedeckt und schien auch eine Hintergrundgeschichte für sie erfunden zu haben, die sie sofort kennenlernen musste. Bevor ihr in dieser Nacht noch mehr Ausrutscher passierten.
Als ob er ihre Gedanken gelesen hätte, wandte sich Dumbledore an Madam Pomfrey.
„Poppy, es scheint, dass es Hermione viel besser geht. Ich denke, man könnte mit Sicherheit sagen, dass sie aus dem Krankenflügel entschuldigt werden kann? Sie muss noch Zugeordnet werden und möchte sich – da bin ich mir sicher – in ihrem Schlafsaal niederlassen."
Nachdem Madam Pomfrey Hermione mit ihrem Zauberstab überprüft hatte und mit dem Resultat zufrieden war, stimmte sie zu, dass Hermione gehen konnte. Unnötig zu erwähnen, dass Hermione extrem erleichtert war.
„Natürlich, Albus", sagte Madam Pomfrey.
Hermione war fassungslos. Normalerweise brauchte es viel mehr als das, bis Madam Pomfrey eine Schülerin aus ihrer Obhut entließ.
Sie sah Hermione an und fügte hinzu: „Miss Devereux, wenn Sie sich dabei ertappen sollten, sich schwach zu fühlen oder starke Kopfschmerzen zu verspüren, bestehe ich darauf, dass Sie sofort wiederkommen."
Als Hermione zustimmte, dass sie wiederkommen würde, falls sie sich wieder krank fühlen sollte, erkannte sie ein bisschen von der Madam Pomfrey, die sie in Zukunft kennenlernen würde. Ihre Lippen waren dünn zusammengepresst und ihre Stirn war gerunzelt; sie meinte es ernst.
„Hermione?" Dumbledore deutete auf die Tür und wies darauf hin, dass er wünschte, dass sie ihn begleitete.
Sie fand es ein wenig seltsam, von Professor Dumbledore als Hermione angesprochen zu werden. Aber wenn sie so tun müssten, als ob sie verwandt wären, wäre es ein wenig eigenartig, wenn er sie Miss Devereux nannte... Sie hatte keine Ahnung, wie er auf diesen Nachnamen gekommen war.
Hermione schwang ihre Beine über die Bettkante und glitt langsam vom Bettende herunter. Als sie ihre Füße auf den Boden stellte, schwankte sie auf der Stelle, immer noch ein wenig aus dem Gleichgewicht. Dumbledore packte sie am Ellbogen, um ihr zu helfen, ruhig zu bleiben, und Madam Pomfrey sah aus, als wäre sie bereit, Hermione zurück ins Bett zu bestellen. Sie murmelte ein Dankeschön an Dumbledore, schlüpfte in ihre Schuhe, und blickte auf ihre Kleidung hinab. Sie keuchte laut. Sie war vollkommen intakt! Sie nahm an, dass Dumbledore das Blut, den Schmutz und das Erbrochene von ihnen abgesaugt und die Löcher repariert haben musste, die sie sich in der Schlacht zugezogen hatte.
„Sind Sie sicher, dass sie in der Lage dazu sind, zu gehen, Miss Devereux?" fragte Madam Pomfrey scharf.
Hermione spürte, wie sich ihr Gesicht erhitzte und nickte. „Ja, ich bin mir sicher." Sie lächelte und hoffte, dass es überzeugend genug war.
Madam Pomfrey schnaubte noch einmal, als ob sie ihr nicht ganz glaubte, und Dumbledore machte sich auf den Weg zum Ausgang, eine benommene Hermione hinter ihm folgend.
Durch die Gänge von Hogwarts zu gehen, war für Hermione eine surreale Erfahrung. Vor für sie bloß wenigen Stunden waren die Wände gesprengt, Leichen waren in allen Richtungen verstreut, Zaubersprüche wurden links und rechts abgefeuert; komplettes und völliges Chaos. Sie gingen schweigend dahin, während Hermione versuchte, sich mit der Tatsache abzufinden, dass sie jetzt nicht mehr in dieser Zeit war. Die SchülerInnen, die am nächsten Abend ankommen würden, hatten keinen Krieg gekannt. Sie kannten nur die Anfänge des Krieges. Geflüster. Gerüchte. Nichts von dem, was Hermione durchgemacht hatte.
Als sie Dumbledore weiter folgte, kamen sie an einem Wandteppich vorbei. Einen, der einen Ruck durch ihren Magen jagte und ihren Herzschlag beschleunigen ließ, trotz des Beruhigungstranks, den sie genommen hatte. Es war dort, wo sie und Ron sich zum ersten – und einzigen – Mal geküsst hatten. Sie hatte bis zu diesem Moment nicht einmal darüber nachgedacht.
Ron... Sie hatten – sie hatten nicht einmal die Möglichkeit gehabt, darüber zu sprechen, was passiert war. Was sie vielleicht waren. Er nannte sie seine Freundin, aber sie wurden zu der Zeit mit Todesflüchen beschossen. Nicht gerade der richtige Zeitpunkt, um eine Beziehung zu definieren, oder das Fehlen einer solchen. Was würde er davon halten, dass sie verschwunden wäre? Oder würde er überhaupt wissen, dass sie verschwunden war? Würde sie in dem Augenblick zurückkehren, in dem sie gegangen ist? Oder würde sie überhaupt zurückkehren?
Ihr Gedanken liefen auch Hochtouren. Hermione verfluchte sich innerlich dafür, dass sie dies so voreilig getan hatte. Es war nicht ihre Art, sich so töricht zu benehmen. Ihr Urteilsvermögen war von alldem, was sie in so kurzer Zeit durchgemacht hatte und von ihrem Schlafmangel getrübt. Sie war nicht nur besorgt darüber, was sie tun würde, während sie hier war, sondern fragte sich jetzt auch, ob sie jemals zurückkehren würde.
Nun ja, sicherlich würde sie irgendwann zurückkehren müssen, versuchte sie zu rationalisieren. Sie ging davon aus, dass sie es bemerkt hätte, wenn sie irgendwann auf eine ältere Version von sich selbst gestoßen wäre. Es sei denn... Was, wenn sie – ihr anderes Ich – das Land verlassen hätte? Oder untergetaucht wäre? Sie könnte einen Ehemann haben, Kinder... eine Karriere in der Zukunft. Hermione spürte, wie ihr die Galle in die Kehle stieg. Und alle wären ohne Erklärung zurückgeblieben. Ron hätte gedacht, dass sie ihm einfach davongelaufen wäre. Sie wäre einfach... verschwunden.
Nein. Nein, so würde es nicht sein. Natürlich würde sie zurückkehren. Sie ließ einfach nur ihre Nerven blank liegen. Dumbledore hätte sie nicht auf – was auch immer das war – geschickt ohne einen Chance, in die Zukunft zurückzukehren.
Hermione war so abgelenkt, dass sie in den Rücken von Dumbledore krachte und fast auf ihren Hintern kippte. Sie hatte nicht einmal bemerkt, dass sie am Eingang seines Büros ankamen.
„Sir! Es tut mir so leid!" rief sie aus. Sie war absolut beschämt.
Dumbledore kicherte leise. „Das ist mehr als in Ordnung, Miss Granger. Nach dem, was Sie durchgemacht haben, erwarte ich, dass Ihr Kopf in diesem Moment nicht – wie man sagt – mitspielt."
Sie schnaubte. Das war eine Untertreibung. „Nicht ganz, Sir, nein."
Nachdem er Hermione ein angespanntes Lächeln geschenkt hatte, das seine Augen nicht ganz erreichte, drehte sich Dumbledore zur Wasserspeier-Statue. „Pixie Puffs", sagte er.
Der Wasserspeier wich aus dem Weg, als die vertraute Treppe anfing zu steigen und den Weg zu Dumbledores Büro leitete. Dumbledore bedeutete Hermione, dass sie zuerst gehen sollte, und begann dann mit dem Treppenaufstieg.
Als sie in Dumbledores Büro Platz genommen hatten, nahm er den Umschlag heraus, den Hermione ihm bei ihrer Ankunft gegeben hatte. Hermione saß da und fummelte mit ihren Fingern herum, während Dumbledore den Brief noch einmal durchlas. Ihr Herz begann wieder schnell zu schlagen und ihre Beine zitterten. Ihr war immer noch nicht klar, warum sie so weit in die Vergangenheit zurückgeschickt worden war. Sie wollte nur etwas verhindern, das Stunden zuvor passiert war, nicht Jahre. Warum war sie zurück ins Jahr 1976 geschickt worden?
„Ich bin sicher, Sie haben viele Fragen, Miss Granger." Endlich ergriff Dumbledore das Wort.
Hermione räusperte sich und setzte sich aufrechter auf ihren Stuhl. „Ja, Sir. Das habe ich."
Dumbledore seufzte, als er den Brief sanft auf seinen Schreibtisch legte. Er legte die Spitzen seiner Finger wie im Gebet zusammen und schien sie über seine Brille hinweg zu mustern. Hermione wand sich nervös in ihrem Stuhl.
„Sie können mich fragen, was Sie wollen. Aber ich fürchte, es gibt einige Dinge, die ich einfach nicht beantworten kann", erklärte er.
Hermiones Mund verzog sich frustriert. Es gab nichts, was sie mehr hasste, als nicht alle Antworten zu haben, und es war offensichtlich, dass sie sie nicht bekommen würde. „Ich verstehe, Sir", murmelte sie.
In ihrem Kopf durchforstete sie die vielen, vielen Dinge, über die sie sich nicht im Klaren war.
„Wissen Sie, warum Sie – das zukünftige Sie – mich in dieses Jahr geschickt haben?" Es war ihre erste Frage; die wichtigste von allen.
Dumbledore lehnte sich in seinem Stuhl zurück, während er tief ausatmete. „Es tut mir leid, Miss Granger. Leider kann ich die erste Frage, die Sie stellen, nicht beantworten."
„Können oder wollen Sie nicht", kam aus ihr herausgeflogen, bevor sie es stoppen konnte. Schnell bedeckte sie ihren Mund, schrecklich verlegen. „Es tut mir so leid, Sir", sagte sie durch ihre Finger.
Zu Hermiones Erleichterung wurde Dumbledore nicht wütend über ihren Ausbruch. Er lächelte sie mitfühlend an und schüttelte sanft den Kopf.
„Ich verstehe Ihre Frustration, Miss Granger. Das tue ich wirklich. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass es Dinge gibt, über die ich mir selbst nicht im Klaren bin. Mein zukünftiges Ich hat mir nur begrenzte Informationen gegeben", erklärte er.
Hermione zog eine Augenbraue hoch, da sie nicht verstand, warum Dumbledore sie praktisch blind in die Vergangenheit geschickt hatte. Wenn Dumbledore – derjenige, der vor ihr saß – nicht die Antworten hatte... wer würde das tun?
„Ich glaube, es würde eine Menge Zeit sparen, wenn ich Ihnen mitteile, was ich weiß", sagte Dumbledore.
Hermione nickte und deutete damit an, dass Dumbledore fortfahren sollte.
„Sie sind Hermione Jean Granger und kommen aus dem Jahr 1998 zu Besuch. Ich habe Sie in diese Zeit geschickt, um einen bestimmten Schüler auf den richtigen Weg zu bringen – "
„Ja. Ich wollte Pro-"
Dumbledore hob seine Hand, um sie aufzuhalten. „Bitte, Miss Granger. Unterbrechen Sie nicht", sagte er, nicht barsch. Sein Tonfall war eindringlich, mehr als irgendetwas anderes.
Wieder einmal spürte Hermione, wie sich ihr Gesicht vor Verlegenheit erhitzte. „Es tut mir leid, Sir."
„Nun, wie ich schon sagte. Sie sind hier, um einem Schüler zu helfen, sein volles Potenzial auszuschöpfen. Ich darf keine weiteren Details zu Ihrer Reise erfahren. Sie sind nur dazu bestimmt, das zu tun, was Sie zu tun angestrebt haben, mehr nicht." Dumbledore fixierte Hermione mit einem durchdringenden Blick.
„Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich verstehe, was Sie meinen, Professor."
Hermione war unbestreitbar verwirrt. Ihr einziges Ziel war es, Professor Snape kennenzulernen, und ihm hoffentlich zu zeigen, dass er nicht so schlecht war, wie alle – auch sie selbst – dachten. Um ihm zu zeigen, dass sein Leben wertvoll war und dass es sich lohnte, dafür zu kämpfen.
„Was ich meine", fuhr Dumbledore fort, „ist, dass Sie die Zukunft von niemandem sonst verändern dürfen, während Sie hier sind. Sie wissen, was aus einigen – wenn nicht sogar den meisten – SchülerInnen dieser Schule werden wird. Ganz zu schweigen, da bin ich mir sicher, von den LehrerInnen und dem Personal. Niemand darf von seiner oder ihrer Zukunft wissen, Miss Granger. Die Folgen könnten schwerwiegend sein."
Die Zukunft von irgendjemand anderem...
Das hatte sie nicht einmal in Betracht gezogen! Aber jetzt, wo er es erwähnt hatte... Wenn sie Harrys Eltern, Sirius oder Lupin nur irgendeinen Hinweis geben könnte, könnte sich alles ändern! Harry könnte mit seinen Eltern und einer liebevollen Familie aufwachsen! Warum sollte sie nicht verhindern, dass sie alle ermordet werden?
„Miss Granger", sagte Dumbledore streng. „Das kann man gar nicht erst in Betracht ziehen! Egal, was Sie vielleicht wissen, es darf unter keinen Umständen geteilt werden. Habe ich mich klar ausgedrückt?"
Hermione saß da und dachte noch ein bisschen darüber nach. Sie war sich immer noch nicht sicher, warum sie nicht jeden und jede davor warnen sollte, was kommen würde. Dann müsste sie vielleicht nicht in der gleichen Welt aufwachsen, in der sie es getan hatte.
Aber das könnte auch Dumbledores Punkt gewesen sein. Es wäre nicht mehr die gleiche Welt, in der sie aufgewachsen ist. Sie hätte vielleicht nicht einmal in der Welt existiert, die sie erschaffen würde, wenn sie sich an irgendetwas zu schaffen machte. Vielleicht hatte er recht. Bleib einfach bei dem, wofür du hierher zurückgekommen bist, sagte sie sich.
Dumbledore sah Hermione ernst an. „Ihr Wort, Miss Granger?" drängte er.
Wenn es etwas gab, das Hermione im Laufe ihres Lebens gelernt hatte, dann war es, dass Albus Dumbledore weder sie, noch irgendjemanden, den sie kannte, falsch gesteuert hatte. Wenn er sagte, dass etwas wichtig war, dann würde sie nicht dagegen vorgehen.
Sie atmete tief durch und sah ihm direkt in die Augen. „Mein Wort, Sir", versprach sie.
„Ausgezeichnet! Jetzt", fuhr er fort, „müssen wir entscheiden, in welchem Hause Sie residieren werden. Möchten Sie Zugeordnet werden, oder würden Sie lieber in Gryffindor bleiben?" fragte er, sie überraschend, dass er wusste, in welches Haus sie gehörte.
Ihre Augen weiteten sich leicht. Dumbledore lachte leise und hob den Brief, den sie Ihm gegeben hatte, für sie sichtbar in die Höhe.
„Darin stand, in welches Haus Sie gehören. Obwohl, bei dem Mut, den Sie brauchten, um diese Aufgabe zu akzeptieren, hätte ich eine fundierte Vermutung für Gryffindor gewagt", zwinkerte er ihr zu.
Hermione dachte einen Moment nach. Wenn sie wieder Zugeordnet werden würde, stand die Wahrscheinlichkeit gut, dass der Hut sie wieder zurück nach Gryffindor zuordnen würde. Aber sollte sie dorthin gehen? Wenn sie für Professor Snape hier war, war sie sich sicher, dass er sich nicht mit ihr abgegeben hätte, wenn sie eine Gryffindor wäre. Er war ein Slytherin, ganz zu schweigen davon, einer auf dem besten Weg, ein Todesser zu werden. Gryffindor war vielleicht nicht in ihrem besten Interesse. Nicht, wenn sie hier Erfolg haben wollte. Außerdem waren dort James, Lily, Sirius und Remus. Sie wusste nicht, ob sie sich selbst vertrauen konnte, nicht zu sagen, was sie wusste.
Hermione wurde immer klarer, dass Gryffindor nicht das war, wo sie hingehörte. Das heißt, nicht im Jahr 1976.
Der Sprechende Hut hat Ravenclaw stark in Betracht gezogen. Es gab keinen Zweifel daran, dass sie mit ihnen zusammenpassen würde. Die ganze Schulzeit über hatte man sie gefragt, warum sie nicht in Ravenclaw sei.
„Sir", begann sie leise. „Wäre es – ich meine – glauben Sie, ich könnte einfach ein anderes Haus wählen?" fragte sie.
Dumbledore schien diese Option in Erwägung zu ziehen. Er strich sich mit dem Daumen und Zeigefinger über das Kinn. „Ich sehe nicht, warum nicht", sagte er schließlich.
Hermione räusperte sich und sprach selbstbewusst. „Dann möchte ich in Ravenclaw untergebracht werden. Ich glaube – wenn man bedenkt, warum ich hier bin – es wäre meine beste Option."
Hermione und Dumbledore diskutierten dann eine Stunde lang weiter über die Details ihres Aufenthalts. Sie hatte gelernt, dass sie als Hermione Devereux bekannt sein würde, während sie hier war. Sie gab vor, Dumbledores Nichte mütterlicherseits zu sein und Cousine der Delacours väterlicherseits. Sie würde sich als Ravenclaw im sechsten Jahr ausgeben, die
aufgrund von Konflikten mit der Arbeit ihrer Eltern den Heimunterricht aufgeben hatte müssen, um für den Rest ihrer Ausbildung Hogwarts zu besuchen. Sie stammte ursprünglich aus England, war aber als junges Mädchen nach Frankreich gezogen. Ihre Eltern, würde sie den Leuten erzählen, waren für unbestimmte Zeit in die Vereinigten Staaten umgesiedelt. Die Geschichte wäre, dass sie geschäftlich dort waren, als Kesselhändler, und Hermione, die die Gelegenheit haben wollte, ihre UTZ-Prüfungen abzulegen, begleitete sie nicht und überzeugte sie, sie in der Schule anzumelden. Ihr Onkel, der Schulleiter in Hogwarts war, erklärte sich bereit, sie für ihre letzten zwei Jahre an der Schule aufzunehmen. Dumbledore hatte – sehr zu Hermiones Unbehagen – darauf bestanden, dass sie ihn für den Rest ihres Aufenthalts mit „Onkel Albus" anreden solle, damit die SchülerInnen und das Personal ihr gegenüber nicht misstrauisch würden.
Bevor sie sein Büro verließ, hatte er ihr Bücher gegeben, die sie für den Unterricht brauchen würde, Schulroben – die bereits das Ravenclaw-Symbol trugen – und einen kleinen Beutel mit Galeonen, um Kleidung oder irgendetwas anderes, was sie während ihrer Zeit dort brauchen könnte, zu kaufen. Dumbledore beschwor einen Koffer für ihre Habseligkeiten, gab ihr die Erlaubnis, am nächsten Morgen nach Hogsmeade zum Einkaufen zu gehen und schickte sie auf den Weg.
„Viel Glück, Miss Granger." Er lächelte, als sie die Tür erreichte. „Und bitte, wenn es irgendetwas gibt, das Sie brauchen, zögern Sie nicht, mich zu aufzusuchen."
Hermiones Kehle wurde dick und ihre Augenwinkel prickelten – Tränen drohten überzulaufen. „Danke, Sir. Das werde ich", antwortete sie rau.
Als sie sich umdrehte und ihren Koffer aus seinem Büro schleppte, bevor sie sich auf den Weg zum Ravenclaw-Turm machte, schwirrte Hermione immer noch der Kopf und sie war sich nicht ganz sicher, wie der nächsten Tag werden würde.
Als sie im Ravenclaw-Gemeinschaftsraum ankam, war Hermione völlig überwältigt. Es war der schönste Raum, in dem sie je gewesen war, und ein Teil von ihr fing an, sich ein wenig enttäuscht zu fühlen, dass sie während ihrer Zeit in Hogwarts nicht in Ravenclaw einsortiert worden war. Der Raum war breit, rund und luftig. Es gab große Bogenfenster, die einen höchst spektakulären Blick auf den Verbotenen Wald, den Quidditchplatz, die Kräutergärten und die Berge in der Ferne boten. Blaue und bronzene Seiden hingen von den Fenstern, und als sie nach oben auf die Decke blickte, sah sie, dass sie in einem tiefen, dunklen Blau gestrichen war, das mit Sternen bemalt war; ähnlich wie der Nachthimmel.
Direkt vor ihr befand sich eine große Marmorstatue von Rowena Ravenclaw mit den Treppen, die zu den Schlafsälen dahinter führten. Die Wände waren mit Bücherregalen gesäumt, die mit Büchern gefüllt waren. Die einzige Unterbrechung in den vielen, vielen Büchern war ein Bronzekamin mit zwei Sofas und drei Sesseln, die davor standen. Sporadisch waren Schreibtische und Stühle an den Wänden aufgestellt. Obwohl Hermione hier nicht wirklich hingehörte, fühlte sie sich unerwartet ein wenig zu Hause.
Sie beschloss, es auszunützen, den Gemeinschaftsraum für den Abend für sich allein zu haben, stellte ihren Koffer ab und machte sich auf den Weg zu den Bücherregalen an den Wänden. Als sie mit der Hand über die verschiedenen Rücken fuhr, blieb ihr Herz stehen, als sie den Titel eines tiefgrünen Buches las.
Zeitreisen und Du: Der Vorteil und die Gefahr
Warum um alles in der Welt sollte dieses Buch in einem Raum stehen, der für SchülerInnen gedacht war, fragte sie sich, als sie langsam das Buch herauszog. Fast fühlte sie sich, als wäre es dort platziert, damit sie es entdecken könne, und Sie klemmte es sich unter den Arm und nahm es mit zu einem der Sofas vor dem Kamin. Sie nahm an, dass Dumbledore die Hauselfen informiert haben musste, dass sie diesen Abend hier sein würde, da ein warmes Feuer knisterte. Sie zog ihre Beine unter sich und saß fast eine Stunde lang da und las das Buch, bis sie die Augen keinen Moment länger mehr offen halten konnte.
„Na ja, das war einfach albern", sagte sie, als sie das Buch zuklappte und aufstand. „Im Grunde hatte ich alles, was darin geschrieben stand, bereits gewusst. Meinen Kopf einziehen, nicht absichtlich Dinge ändern, sich nicht sehen lassen – obwohl das bereits zu spät war – und darauf vorbereitet sein, mit den Konsequenzen umzugehen, die meine Handlungen mit sich bringen könnten. Was für ein Haufen Müll!" murrte sie vor sich hin, als sie es in ihren Koffer legte.
„Trotzdem. Ich kann es genauso gut behalten und weiter lesen. Vielleicht gibt es ja noch mehr Informationen die ich vielleicht sogar nützlich finde."
Nachdem Hermione sich gewaschen und fürs Bett umgezogen hatte, setzte sie sich noch eine Weile auf und starrte im Schlafsaal herum, in Gedanken versunken. Es gab vier zusätzliche Betten im Zimmer, jedes mit bronzenem und blauem Bettzeug und Bogenfenstern dahinter, die ihr verrieten, dass sie mindestens vier Mitbewohnerinnen haben würde. Sie war sehr nervös, als sie sich fragte, wer sie sein würden, ob sie sie kennen würde, oder ob sie sich in Zukunft an sie erinnern würden. Vielleicht wäre es das Beste, wenn sie keiner von ihnen zu nahe käme. Sie sollte wahrscheinlich versuchen, uneinprägsam zu bleiben.
„Behalte einfach so viel wie möglich für dich, Hermione", flüsterte sie. „Je weniger irgendjemand über dich nachdenkt, umso besser. Geh zum Unterricht, erledige deine Hausarbeiten und gehe allen aus dem Weg. Außer Professor Snape – naja, ich nehme an, es wäre hier Severus. Könnte genauso gut versuchen diese Gewohnheit jetzt abzulegen. Es würde mir nichts nützen, mich zu versprechen und ihn Professor zu nennen, während ich hier bin."
Hermione seufzte, verkroch sich unter ihre Decke und rollte sich auf die Seite. Sie würde versuchen müssen, ihm nahe zu kommen, dachte sie, als sie versuchte einzuschlafen. Aber wie? Merlin wusste, dass er nicht die freundlichste Person war. Wie sollte sie es anstellen? Sie schlug auf ihr Kissen und rollte sich auf die andere Seite; es fiel ihr sehr schwer, einzuschlafen, wenn ihr Verstand so wirbelte. Sie würde einen Tag nach dem anderen nehmen müssen, dachte sie. Es war nicht so, als könnte sie dieses Mal alles planen.
