*Dieses Kapitel ist noch nicht vollständig. Dialoge und Ereignisse könnten sich im Laufe der Zeit leicht ändern.*
Kapitel 12
„Bitte setzen Sie sich hin, Herr Mori.", sagte Yuzaki und geleitete ihn zu einem Raum, der eine kleine Bibliothek zu sein schien. Kogoro staunte nicht schlecht, wie viele Bücher sich an den dunkelbraunen Holzregalen stapelten. In der Mitte des Raumes standen drei breite Sessel, die mit braunen Leder überzogen waren. Yuzaki setzte sich hin und blickte auf Kogoro, der die Regale erstaunt betrachtete.
„Lesen Sie gerne?", fragte er, nachdem er bemerkte, dass die massive Anhäufung der Bücher Kogoros Interesse geweckt hatten. Kogoro hingegen antwortete zuerst nicht, bis sich der Mann räusperte und er sich, wie aus den Gedanken gerissen, Herrn Ichigo zuwandte.
„Oh, entschuldigen Sie bitte. Es ist nur das erste Mal seit langem, dass ich so viele Bücher in so einem spärlichen Raum gesehen habe.", antwortete er ruckartig und rieb sich verlegen am Hinterkopf. Yuzaki lachte.
„Nein, nein, dieser Raum ist auf keinen Fall spärlich. Es ist nur ein kleiner Teil von einem etwas größeren Raum, dessen anderen Teil wir allerdings geschlossen haben, weil es dort zu sehr geschimmelt hat. Die Entfernung dessen und die Reparatur der Leitungen haben wir erst letzten Monat in Auftrag gestellt. Seitdem steht dieser Raum leer, damit die Renovierung eintreten kann.", sagte er und zeigte mit dem Daumen über die Schulter.
„Einen Monat, sagen Sie? Und warum ist bis jetzt dort nichts passiert?", fragte Kogoro und nahm auch an einen der zwei freien Sesseln Platz.
„Nun, wie soll ich sagen… die Renovierung hat sich zu sehr in die Länge gezogen und letztens ist uns sogar der Arbeitnehmer stark erkrankt, sodass wir die ganze Sache auf Eis legen mussten."
„Auf Eis?"
Ein geheimer Raum also? Wenn das nicht mal interessant ist, dachte sich Conan, während er zusammen mit Ran, Fumiyoka und Anya auf dem Weg zum Hinterhof war. Die Verbindung zwischen seiner Brille und dem Transmitter in Kogoro's Hosentasche lief noch gut, deswegen wollte er sie ausnutzen, bevor die Batterie ihren Geist aufgab.
„Kommst du, Conan?", rief Ran von einiger Entfernung ihm zu. Er hatte extra Abstand zu ihnen gehalten, damit er das Gespräch ohne Probleme mithören konnte.
„Jedenfalls steht dieser Raum seit langem Leer und niemand hat ihn bisher betreten. Doch eines verwundert mich immer noch."
„Was meinen Sie damit?"
„Ja, ich bin gleich bei euch!", rief er ihnen zurück und widmete sich wieder dem Gespräch.
„Bedienstete haben zuvor berichtet, dass sie bisher lauter seltsame Geräusche aus dieser Richtung entnommen hatten und haben diesen Raum aus Angst nicht betreten."
„Interessant, könnte ich mir den Raum mal ansehen?", fragte Kogoro neugierig und wollte schon aufstehen, aber Yuzaki winkte ab.
„Das geht nicht, der Schrank hinter mir hängt fest. Ihn jetzt wegzubewegen, würde den Schiebemechanismus da oben beschädigen. Wir warten derzeit immer noch auf Reparaturen."
„Wirklich und das seit einem Monat schon?"
„Seit einem Monat, ja.", bestätigte Herr Ichigo. Kogoro sah sich währenddessen erneut um und musterte die Titel einiger Bücher.
„Sie lesen Sherlock Holmes?", fragte er.
„Was, wirklich?", antwortete Conan von der anderen Seite der Funkverbindung. Sie haben auch Sherlock Holmes Bücher?
„Oh ja und zwar die Erstauflage, die ist aber auf Englisch. Die Übersetzten sind direkt gegenüber. Warum fragen Sie?", antwortete Yuzaki.
Auf Englisch? Conan war jetzt wirklich überrascht.
„Nun, meine Tochter hat mir in der Vergangenheit ziemlich oft von ihm erzählt. Deswegen dachte ich nur kurz daran.", erklärte Kogoro und lachte verlegen.
„Ihre Tochter interessiert sich für Sherlock Holmes?", fragte Yuzaki neugierig.
„Naja, nicht direkt…"
„Wie meinen Sie das?"
„Naja, sie hat mir oft von ihrem Freund erzählt, der ein massiver „Krimispinner" ist. Keine Ahnung, aber so nennt sie ihn.", antwortete er und Yuzaki konnte dazu nur in schallendes Gelächter ausbrechen.
Er, ein Krimispinner? Okay, so falsch war es nun auch wieder nicht, aber so etwas einfach so herausposaunen war einfach nur wirklich dreist. Conan rollte mit den Augen und versuchte die Situation im Blick zu behalten.
„Nun denn… eines habe ich noch, was mir am meisten Sorgen bereitet. Kommen Sie näher.", sagte Yuzaki und lehnte sich zu Kogoro vor. Kogoro saß einen Augenblick verwirrt da, dann beugte er sich auch vor. Ab da war alles still.
„Ich glaube, wir werden abgehört. Deswegen müssen wir dies streng geheim halten.", flüsterte er ihm ins Ohr.
„Oh nein…", brachte Conan erschrocken heraus. Haben Sie etwa die Wanze bemerkt, die er ihm untergebracht hatte?
„Abgehört?", antwortete Kogoro in einem lauten überraschten Ton.
„Was ist denn los, Conan? Ist etwas passiert?", fragte Ran besorgt.
„Shhhhhht!", antwortete Yuzaki sofort. Kogoro erschrak und begann allmählich auch zu flüstern.
„Oh, tut mir leid. Und von wo werden wir gerade beobachtet?"
„Nein, alles gut, Ran."
„Bist du dir wirklich sicher? Du benimmst dich seit langem so seltsam. Manchmal habe ich das Gefühl du bist nicht bei der Sache."
Verdammt, jetzt macht sich auch noch Ran Sorgen um ihn. Er merkte sich in Zukunft vorsichtiger zu sein.
„Drehen Sie sich nicht um."
„Sind Sie sich sicher, dass Sie die Tür abgeschlossen haben?"
„Ja, irgendjemand hört jetzt gerade mit."
Die Tür? Wie, jetzt? War er etwa nicht der einzige, der ihnen in diesem Moment zuhörte?
„Bleiben Sie hier, Herr Mori… und machen Sie bitte keinen Laut.", sagte er und stand leise und vorsichtig vom Sessel auf. Langsam ging er am Tisch und dem Sessel, auf dem Kogoro angespannt saß, vorbei und öffnete die Tür behutsam ein Spaltbreit mehr. Niemand, außer ein paar beschäftigte Bedienstete am anderen Ende der Eingangshalle, waren im Foyer zu sehen.
„Seltsam.", murmelte Yuzaki nachdenklich.
„Und?", fragte Kogoro immer noch flüsternd.
„Außer ein paar Dienstmädchen, war niemand in unserer Nähe."
„Haben Sie schon hinter der Tür nachgeschaut?"
„Hinter der Tür? Warten Sie mal… Nein, da ist niemand.", bestätigte Yuzaki und schloss die Tür wieder.
„Was gibt es denn so Wichtiges, wofür Sie so nach mir gesucht haben, außer dem Brandfall?", fragte Kogoro neugierig. Yuzaki setzte sich auf den Sessel gegenüber von ihm und verschränkte die Arme. Kogoro konnte es am seinen Gesicht ansehen, wie ernst diese Situation war.
„He-Herr Ichigo?", begann er.
„Herr Mori, was ich Ihnen verrate bleibt unter uns. Verraten Sie es niemandem, nicht einmal der Polizei, haben Sie mich verstanden?"
„J-Ja, das verspreche ich Ihnen hoch und heilig!", rief er und stand plötzlich auf, während er die Faust geballt in die Luft hob.
„Shhhhh! Nicht so laut, Herr Mori!"
„Oh, Entschuldigung…", sagte er und setzte sich wieder hin.
„Worüber ich mit Ihnen reden will, weiß nur ich, meine Frau und mein Sohn."
„Und was ist mit…"
„Natsume darf ja nichts davon erfahren. Ich will sie nicht unnötig in Gefahr bringen."
Natsume wäre sonst in Gefahr? Was meinte er damit? Conan erinnerte sich wieder an den Auftrag, den sie am Anfang erhalten haben.
„Ihre Aufgabe ist vorerst auf meine Schwester aufzupassen. Bei dem Drohbrief, den ich Ihnen gezeigt hatte, betrifft es wie sie schon wissen, meine gesamte Familie, deswegen kann ich mir nicht sicher sein."
Das waren die Worte von Fumiyoka, nachdem sie sich gegenseitig im Wohnzimmer vorgestellt hatten. Aber warum hat Natsume dann so seltsam darauf reagiert? Sollte sie ihrer Familie dann nicht dankbarer sein, oder vielleicht war es ihr einfach nur zu peinlich es zuzugeben? Moment mal… Nein, sie hatte es explizit zugegeben. Natsume war auf jeden Fall darauf aus von ihrer Familie beschützt zu werden, sonst hätte sie ja abgelehnt. Trotzdem verstand er ihre Hintergründe nicht. Warum hat sie am Fenster geweint? Hat sie sich vermutlich an ein Ereignis aus ihrer Vergangenheit erinnert? Aber warum dachte er darüber so intensiv nach? Das Wichtigste war doch einen potenziellen Brandmord zu verhindern.
Conan schüttelte den Kopf, um seine Gedanken frei zu bekommen. Ran sah ihm dabei zu. Was ging denn nur in seinem Kopf vor? Sie ballte ihre Hand leicht. Wenn er nicht auf sie zukam, dann müsste sie wohl den ersten Schritt machen.
„Äh… He-Herr Ichigo?", fragte sie.
„Nenn mich ruhig Fumiyoka.", antwortete er.
„Fumiyoka, können Sie und Anya schon vorgehen? Wir kommen ein wenig später nach, ja?"
„Oh, sicher… lass dir ruhig Zeit.", antwortete er gelassen und ging mit Anya den Weg weiter. Ran blieb mit Conan zurück, der gerade verzweifelt versuchte, die Verbindung des Transmitters stetig zu halten.
„Ich habe eine gewisse Vermutung, dass sich unter den Reihen meiner Kollegen und oder Bediensteten jemand eingeschlichen hat, der es auf sie abgesehen haben sollte und das macht mir ehrlich gesagt Angst…"
„Conan?", fragte sie.
„Was…? Äh, ja?", murmelte er. Ran ging zu ihm und kniete sich vor ihm hin.
„...Nennen Sie mich Paranoid, aber mich scheint dieses Gefühl nicht mehr loszuwerden.", fuhr er fort.
„Jemand aus ihren Reihen, sagen Sie…?", wiederholte Kogoro nachdenklich.
„Ich bi… ir nich… sicher, aber diese Person… könnte… *kracks*"
Die Verbindung sponn wieder, anscheinend war die Batterie des Transmitters leer geworden. Verdammt, bitte nicht ausgerechnet jetzt. Er versuchte es erneut die Verbindung offen zu halten.
„Sag mir bitte, was dich gerade so bedrückt. Ich mach mir langsam wirklich Sorgen um dich."
Sie legte ihre Handfläche auf seinen Kopf und merkte, wie er langsam rot im Gesicht wurde. Conan derzeit wusste nicht mehr, was er dazu sagen sollte. Für eine kurze Zeit vergaß er sogar den kaputten Transmitter in Kogoro's Hosentasche.
„Ran…"
„Wenn du mir nichts sagst, kann ich dir bei deinem Problem auch nicht helfen.", antwortete sie und er konnte ihre Besorgnis in ihrem Gesicht deutlich sehen. Jetzt wurde es kritisch.
„Wa-wa-was für ein Problem denn? Mir geht's blendend, siehst du?", sagte er und versuchte sich von ihrem Griff zu befreien. Das bestätigte ihre Vermutungen umso mehr. Sie hackte nach.
„Naja, irgendwas tut dich ja die ganze Zeit über beschäftigen, das sehe ich dir doch ganz klar an."
„Also… seit der Sache mit der Vase scheint mir irgendetwas faul zu liegen."
Es brachte nichts sich mit ihr zu streiten, sonst würde sie sich umso mehr um ihn Sorgen. Er musste sie erst einmal mit etwas von seinen Gedankengängen beruhigen. Ein bisschen Wahrheit schadet nicht, er log sie ja doch nicht an, oder?
Und tatsächlich: Ran's besorgte Gesicht wandelte sich in ein Lächeln und Conan konnte erst einmal aufatmen.
„Stimmt. Und was glaubst du, wo die Vase verschwunden sein könnte?", fragte sie in spielenden Ton.
„Hast du schon Mal unter dem Teppich nachgesehen, der unter dem Podest ausgebreitet war?"
„Wollen wir darüber auf dem Weg zum Hinterhof reden, na, wie wär's?", schlug sie vor.
„Au ja!"
Sie redeten und redeten, bis sie endlich am Hinterhof angelangt waren und auf Fumiyoka, Anya und zwei weitere Dienstmädchen trafen, die ihnen zuwinkten und gerade dabei waren die Wäsche aufzuhängen. Eine von ihnen war Kozue, die sie zuvor zum Speisesaal begleitet hatte. Die andere Frau, die wie sie die gleiche Dienstkleidung anhatte, hatte leicht bräunliches Haar, das ihr bis zu den Schultern herunterhing. Ihre Augen waren wegen den herunterhängenden Haaren zum größten Teil verdeckt.
„Guten Mittag.", begrüßte Kozue die zwei Neuankömmlinge und beide verbeugten sich.
„Oh hallo, Frau Botan und… dürfte ich fragen, wie Sie heißen?", fragte Ran und wandte sich der Frau neben ihr zu.
Die Frau antwortete für eine Weile nicht. Ran und Conan sahen die Frau etwas verwundert an. Ob sie sie vielleicht verletzt haben, fragten sich beide gleichzeitig.
„A-Also was das angeht… sie ist nicht wirklich gesprächig. Sie traut sich oft nicht zu antworten.", erklärte ihr Fumiyoka.
„Jedenfalls heißt sie…", begann Anya, doch sie wurde von Kozue unterbrochen, die sie mit der Hand zurückhielt.
„Lass sie es bitte selbst versuchen."
„Natürlich.", antwortete Anya und ging ein Schritt zurück.
Die Frau zögerte, nahm etwas Luft und stotterte nur einzelne Wörter. Ihre Lippen zitterten vor lauter Nervosität.
„I-Ich ha… b-bin Frau O-Ogari… se… sehr erfreut!", brachte sie leise heraus.
„Nett, Sie kennenzulernen, Frau Ogari.", sagte Ran und reichte ihr freundlich die Hand. Sie zögerte wieder und erwiderte ihren Händedruck. Als sie Rans Hand spürte, war sie zunächst etwas zurückhaltend, jedoch lächelte sie wieder ein wenig.
„Sie scheinen sich ja sehr gefreut zu haben, Frau Ogari.", bemerkte Conan und lächelte.
„Aber da-das… das i-ist doch nur…"
Die Frau schreckte auf und verdeckte verlegen ihr Gesicht vor ihrem Arm. Fumiyoka und die anderen lachten nur dazu. Kozue klopfte ihr auf die Schulter, um sie aufzuheitern.
„Und was machen Sie mit der Anzeige hier?", fragte Ran nach einer kurzen Zeit später neugierig und deutete auf eine Anzeigetafel an der Wand hinter dem Anwesen.
„Das ist eine Stromverbrauchsanzeige. Es ist jedoch digital im Vergleich zu den gewöhnlichen Anzeigetafeln. Wir haben aber eine analoge Tafel gleich da drüben, wenn die hier Mal kaputt geht.", sagte Kozue und deutete auf einen Kasten in der Nähe einer Hintereingangstür, die sich etwas weiter weg von ihnen befand. Ran bemerkte Conan's Blick, der sich auf diese Tür fokussiert hatte.
„Meine Güte, er bleibt immer noch derselbe.", murmelte sie leise und lächelte.
„War nicht einfach sie zu installieren.", gab Fumiyoka an und verschränkte vor lauter Stolz die Arme. Ganz wie der Kogoro, wie er leibt und lebt, dachte Conan und grinste schief. Er konnte langsam Parallelen zwischen ihm und dem alten Trunkenbold erkennen.
„Sagen Sie mal, was ist das denn für eine Tür?", fragte Conan und zeigte auf die Tür neben dem Analogen Stromkasten.
„Oh? So wie es aussieht, interessiert es dich was hinter der Tür ist, huh?", stichelte Fumiyoka und beugte sich zu ihm rüber.
„Ach ne, Trottel.", wollte Conan sagen, doch er behielt lieber es für sich.
„Jammerschade, was sich hinter der Tür befindet, ist leider ein Geheimnis.", sagte er und rümpfte die Nase.
Sag mal, versuchte er gerade gegenüber einem Grundschüler Dominanz zu zeigen, dachte Conan.
„Hinter der Tür befindet sich der Sicherheitsraum, wo sich der Stromkasten aufhält.", antwortete Anya rasch und Fumiyoka strauchelte.
„Warum musst du immer so ein Spaßverderber sein?", antwortete er und sah sie genervt an.
„Das Kind hat eine Frage gestellt, natürlich beantworte ich sie auch.", sagte sie kühl. Wie üblich zeigte sie keine Emotionen aus welchen Gründen auch immer. Fumiyoka rollte mit den Augen.
„Jetzt weiß du's, Kleiner."
„Danke, Anya!", antwortete Conan mit einem Lächeln.
„Und was ist mit mir?", fragte Fumiyoka verzweifelt und Ran, Kozue und Frau Ogari lachten. Conan scherte das wenig, denn er musste irgendwie in diesen Raum gelangen, denn ihm kamen wieder Yuzaki's Bericht in den Sinn.
„Kann ich da reingehen?", fragte er.
„Aber nein, du bist doch kein Fachmann mit einer Erlaubnis von Herrn Ichigo höchstpersönlich.", antwortete Kozue nur dazu und kicherte.
„Aber ich muss einen…"
„Er ist geradezu verspielt, finden Sie nicht?", fragte Anya Ran und sie lächelte verlegen. Verdammt, er vergaß hin und wieder mal, das er in einem Körper eines Kindes feststeckte.
„Sag mal, was interessiert es dich so sehr an diesem Raum, dass du da rein willst?", fragte Fumiyoka und kniete sich vor ihm, um ihm auf Augenhöhe zu sein.
„N-Nun… also…", murmelte er. Sollte er trotzdem darauf bestehen, oder einen anderen Weg suchen?
„Was ist denn los, Kleiner?"
„A-Also…"
Jetzt oder nie.
„Da bist du ja, Conan!", rief eine ihm bekannte Stimme hinter ihm zu. Er drehte sich zu der Richtung um, wo die Stimme herkam.
„Natsume?"
"Ich habe dich überall gesucht."
„Gesucht? Aber warum denn?", fragte er und sah ihr zu, wie sie sich dazugesellte.
„Ich habe zufällig gehört, dass du dir Zutritt zum Sicherheitsraum verschaffen möchtest. Wenn du da rein willst, hab ich den Schlüssel gleich hier."
Zufällig?
„Warte Mal, Natsume! Hast du überhaupt die Erlaubnis von Vater, dass du sie öffnen darfst?", rief Fumiyoka empört auf.
„Und wenn schon… sonst hätt ich den Schlüssel ja nicht bei mir gehabt.", antwortete sie genervt und rollte mit den Augen.
Sie streckte ihre Linke Hand aus und überreichte sie ihm. Mit einem Hauch von Misstrauen nahm er den Schlüssel an sich.
„Danke Natsume…"
„Gern geschehen. Ich hab den in den meisten Fällen bei mir."
„Du hast ihn bei dir? Aber warum?"
Conan sah fragend zu ihr hoch. Auf diese Frage hätte sie sich schon vorbereiten müssen.
„Hey, auch ich habe meine Geheimnisse.", antwortete sie beleidigt. Conan zuckte in seiner Suspektion mit den Augenbrauen. Er musste wieder an jene Worte Vermouths denken. Entweder hatte dieser Raum mehr zu verbergen, als nur den Sicherheitsraum und den Stromkasten, oder es bestand die Möglichkeit, dass dieser Raum eine Verbindung zwischen dem Keller und dem Erdgeschoss sein könnte. Oder aber…
Oder aber sie wollte einfach nur mithelfen, diesen Brandfall zu verhindern. Conan lächelte schief. Übertreiben musste man ja auch nicht immer. Natsume war doch nur ein kleines Mädchen. Vielleicht hatte er sie nur überschätzt. Trotzdem sollte er sie wenigstens im Auge behalten, für den Fall der Fälle.
„Ihr scheint ja euch einigermaßen gut zu verstehen, nicht wahr?", bemerkte Ran und lachte.
„Und wenn schon, er ist doch nur ein kleiner Junge im Grundschulalter.", antwortete Natsume genervt.
„Auch als kleiner Junge hat er sich mehr für den Fall hier interessiert als du heute.", stichelte Fumiyoka grinsend. Natsume sagte dazu nichts. Conan bemerkte, dass die Stimmung langsam kippte und wechselte lieber das Thema.
„Wichtiger ist jetzt, dass wir mit diesem Schlüssel den Sicherheitsraum aufmachen können.", sagte er und lief zur Eisentür, die er mit dem Schlüssel öffnete.
Die Tür war zwar nicht ganz leicht vom Gewicht her, jedoch gelang es ihnen sie doch noch zu öffnen. Was sich ihnen offenbarte, war leicht mit einem Wort zu erklären: Dunkelheit. Nichts als pure Dunkelheit…
Denn sie hatten ja noch nicht das Licht angemacht.
„Das hätten wir gleich…", versicherte Fumiyoka und betrat als erster den Sicherheitsraum.
Klack!
Die Lampen an der Decke leuchteten auf und hinterließen ein Licht, das diesen Raum schwach erleuchtete. Trotz allem konnten sie jetzt endlich etwas sehen. Das Erste was Conan bemerkte, war, dass sich an der Wand gegenüber der Eisentür sich ein weißer Stromkasten befand. Sonst war der Raum größtenteils leer und ihre Schritte hallten im Echo die vier Wände entlang.
„Die oberen fünf Schalter sind für die Küche, Badezimmer, das Schlafzimmer im Ersten Stock, das Schlafzimmer im Dritten Stock und das Spielezimmer. Darunter befindet sich das Esszimmer, Toilette und der Medienraum.", erklärte Fumiyoka, nachdem sie den Stromkasten in Augenschein genommen und geöffnet hatten.
„Und die unteren Schalter, wofür sind die?", fragte Ran.
„Nun, die letzteren drei Schalter sind für die Bedienstetenräume. Der Schalter ganz rechts ist mir jedoch unklar, für was der eigentlich ist."
„Heißt also, dass es noch einen weiteren Raum von dem Sie nichts wissen, oder?", kombinierte Conan.
„Hah, kann sein. Was denkt ihr?"
Fumiyoka wandte sich den anderen zu. Alle verneinten ihre Antwort.
„Oh, ich glaube, ich weiß es doch.", antwortete er.
„Letztens gab es ja einen Vorfall, wo wir unsere Bibliothek verkleinern mussten, richtig?", fuhr er fort.
„Sie haben eine Bibliothek?", fragte Conan. Natsume sah ihn zuerst verwundert an, dann starrte sie genervt zur Seite.
Jetzt tu nicht so blöd.
„Was mir erst jetzt auffällt, ist, dass wir euch den Raum noch nicht gezeigt haben. Machen wir nachher.", antwortete Fumiyoka und winkte ab.
„Das heißt der Schalter gehört zu dieser Bibliothek hier, oder?", fragte Ran und zeigte mit dem Finger darauf.
„Genau.", sagte Anya und wandte sich zu den Treppen am Ende des Raumes zu. Fumiyoka folgte ihrem Blick.
„Ah so, richtig. Der Raum ist mit der Abstellkammer verbunden. Wär doch dämlich, wenn wir diesen Raum seperat halten müssten.", erklärte er und lachte dazu.
Währenddessen musterte Conan den Stromkasten genau. Es wäre ein leichtes Spiel für den Täter den Stromkasten kurzzuschließen, um einen Brand zu verursachen. Oder aber…
Conan sah sich erneut um. Außer dem Stromkasten gab es nichts was annähernd zur Brandstiftung benötigt werden könnte. Der Täter müsste in diesem Falle etwas eigenes hierher mitbringen. Er entfernte sich vom Stromkasten und lief durch den Raum, in der Hoffnung doch noch etwas Brauchbares zu finden. Nein, warte mal. Vielleicht befand sich die Antwort auf seine Frage ja über ihm und nicht auf dem Boden.
Gut, such weiter.
An der Decke entlang über ihm befanden sich Rohre, die sicherlich Gasleitungen sein müssten. Wenn man die beschädigte, würde das Gas heraustretten und den Raum damit füllen. Ein Problem würde es aber darstellen, denn wie könnte dann der Täter in diesem Sicherheitsraum überleben, wenn er dem entweichendem Gas und der Explosion, die durch eine Entzündung entsteht, schutzlos ausgeliefert sein würde. Er hätte sicherlich doch nicht vorgehabt sich selbst damit in Luft jagen zu lassen, oder? Nein, sicherlich nicht. Mit Ausnahme natürlich, wenn es einen Zeitzünder geben könnte. Irgendein Auslöser mit dem er das Feuer auch aus einer gewissen Entfernung auslösen könnte. Verdammt, nichts gab ihm irgendwie einen Hinweis. Der Raum war leer wie eh und je. So wie es aussah, müsste der Brandstifter doch entweder etwas Eigenes mitbringen, oder ihm würde nichts anderes übrig bleiben, als seinen Plan woanders durchzuführen. Es sei denn…
„Herr Ichigo?", fragte er und drehte sich zu Fumiyoka um.
„Was ist denn?"
„Wer außer ihr und eurem Vater besitzt noch den Schlüssel für diesen Raum hier?"
„Nun, mal überlegen… es könnte durchaus sein, dass drei unserer Bediensteten einen Schlüssel haben. Jeweils entweder für das Trocknen der Wäsche oder für den Stromkasten selbst."
„Für den Stromkasten? Warum das denn?", fragte Ran.
„Tja, ich weiß auch nicht. Vielleicht liegt das daran, dass die nasse Wäsche mit der Stromleitung in Kontakt kommen und hier einen Kurzschluss verursachen könnte."
„Nun, das stimmt nicht ganz.", antwortete Kozue und trat vor.
„Wie?"
„Wir benutzen den Stromkasten nicht. Zwei von unseren Mitarbeitern besitzen jeweils einen Schlüssel für diesen Raum. Wir bitten sie immer für uns den Strom hier auszuschalten."
„Und wer übernimmt den Schlüsseldienst?", fragte Conan.
„So weit ich weiß, sind das Herr Okita und Herr Kozuharu. Nur Frau Kirishkova, Frau Ogari und ich betreten diesen Raum regelmäßig, um hier Wäsche aufzuhängen."
Moment mal, Wäsche aufhängen? Nein, damit allein kann man keinen verheerenden Brand verursachen. Es braucht allein schon mehr als das.
„Wofür wird dieser Sicherheitsraum noch benötigt?", hackte er nach.
„Da dies hier ein Sicherheitsraum ist, denke ich nicht, dass man hier viel zu tun hat. Oder ist das hier wichtig?"
„Nein, ist schon gut."
„Also wenn weiter nichts ist… dann ist es wohl besser, dass wir erst einmal nach oben gehen und euch zwei in eure Zimmer bringen. Ihr seit ja sicherlich schon erschöpft vom ganzen Herumlaufen, oder?", schlug Fumiyoka Ran und Conan vor.
„Ich denke da haben Sie ja recht. Findest du nicht auch, Conan?", antwortete Ran und wandte sich ihm zu.
„J-Ja, also gut."
„Alles klar, dann habt ihr den Rest des Tages für euch. Abendessen gibt es so gegen 19 Uhr."
„Danke Ihnen für dieses großzügige Angebot."
„Ach das ist doch nicht nötig.", sagte er und rieb sich verlegen am Hinterkopf.
Die Sonne neigte sich langsam über das Anwesen und leutete den Nachmittag ein. Oben im Gästezimmer angekommen, machte Conan die Tür hinter ihnen zu und Ran legte sich auch schon zufrieden auf das Bett und ruhte sich auf ihr aus.
„Weißt du, ich werde mich nie an so einen Komfort gewöhnen. Dieses Zimmer ist einfach großartig. Oder was denkst du, Conan?"
„Also… vom Aufbau her würde ich sagen, dass ich darin wirklich gut schlafen könnte."
„Heißt das, du willst bei mir in diesem Zimmer schlafen, oder?", stichelte Ran und grinste. Conan merkte erst jetzt, zu was ihm seine Entscheidungen gebracht haben und sein Gesicht nahm schlagartig die Farbe einer Tomate an.
„A-Also… versteh mich nicht falsch. Ich…"
Sie drehte sich auf die Seite mit Blick auf das Fenster.
„Ist schon gut, ich versteh dich ja. Der Ausblick ist wunderbar und die frische Luft hier tut gut. Deswegen nehme ich dir diese Entscheidung auch nicht übel."
Sie stand vom Bett auf und sah Conan nach, während er zum Fenster ging und sie aufmachte. Ran fuhr fort.
„Im Gegenteil, ich freue mich sogar. Alleine im anderen Zimmer zu schlafen, würde mir auch nicht passen. Ich meine, ich habe ja auch für lange Zeit alleine in meinem Zimmer die Nächte verbracht. Da ist es doch Mal schön mit jemandem über irgendwelche Dinge zu reden, findest du nicht?"
„Ah-Aber klar doch, Ran."
War das denn die Möglichkeit? Er konnte es innerlich kaum fassen. Doch selbst in diesem Moment hielt ihn etwas stark zurück. Es war schon eine Weile her, dass er neben Ran in einem Bett gelegen hatte und doch konnte er immer noch nicht bis jetzt den Mut fassen, sich wieder dorthin zu trauen, sei es Kind hin oder her. Er musste sich auf etwas anderes konzentrieren, sonst würden seine Gedanken noch verrückt spielen. Trotz alledem sah sie ihn immer noch als kleines Kind, was die Situation nicht einfacher machte. Verdammt noch eins, was sollte er jetzt nur machen? Es fühlte sich an, als würde Dampf aus seinem Kopf herauspfeifen. Anders konnte er dieses Gefühl nicht beschreiben. Ran seufzte erleichtert und warf einen Blick auf die Wanduhr gegenüber vom Doppelbett, die schon halb sechs zeigte.
„Es ist bald schon 19 Uhr, also sollten wir schon einmal die Bettlaken ausbreiten. Ein Glück, dass sie eigene dabei hatten, wir hatten ja keine mitgebracht.", sagte sie, während sie rüber zum Fenster ging, bei dem sie sich mit der kühlen Brise, der ihr entgegen kam erfrischte.
„Das kam ehrlich gesagt wirklich unerwartet, hehe.", antwortete Conan und öffnete den Wandschrank, der sich neben ihrem Bett befand.
„Ran?"
„Äh, ja?"
„Ich möchte dich etwas fragen…"
„Kannst… kannst du mir… äh…"
„Was ist los, Conan?"
Warum war er ausgerechnet jetzt so ernst geworden? War es vielleicht das, was ihn so sehr beschäftigt hat?
„Ran, ich kann es nicht… Ich glaube ich muss…"
Also doch.
„Ich hör dir zu. Sag mir doch was du auf dem Herzen hast.", sagte sie, ohne sich umzudrehen.
„Ich glaube ich brauche deine Hilfe, Ran."
Sie drehte sich zu ihm um…
…und musste gleich loslachen. Hinter ihr stand ein kleiner Geist mit einem weißen Bettlaken über dem Kopf, verzweifelt versuchte, die Decke loszuwerden.
„Keine Sorge, ich helfe dir, Conan. Warte mal… so, war doch nicht so schwer, oder?", sagte sie und kicherte, während sie ihm half die Decke vom Kopf zu ziehen und sie auf das Bett zu legen.
„Danke Ran."
„Mach dir keinen Kopf.", antwortete Ran, immer noch lachend. Sie redeten immer noch, während sie das Doppelbett bezogen. Irgendwann öffnete sich die Zimmertür, Kozue kam herein und verbeugte sich vor den beiden.
„Das Abendessen ist fertig und steht am Esszimmer für euch bereit. Ihr könnt jetzt zu uns runterkommen."
„Alles klar, danke!", antwortete Conan und auch Ran bedankte sich bei ihr. Kozue verbeugte sich ein zweites Mal und verließ den Raum.
„Wollen wir?", fragte sie und gab ihm ihre Hand.
„Ach komm schon, ich kenn doch den Weg zum Esszimmer, du musst mir nichts zeigen.", verteidigte Conan.
Das war das erste Mal, dass er ihren Kontakt nicht erwidert hatte. Sie lachte verlegen.
„Nun gut, du glaubst wohl ich sollte dich etwas weniger wie ein kleines Kind behandeln, richtig?", antwortete sie herausfordernd.
„Tja, das… das ist jetzt schwierig zu erklären."
Dann hielt er plötzlich inne. Es kam ihm sehr bekannt vor und er hatte es bis jetzt immer wieder verleumdet, ohne es einmal zugeben zu wollen.
(„Du vertraust ihr einfach nicht, habe ich recht?")
(„Ai, so oder so, sie ist doch nur ein Kind.")
Er wusste genau, wie es sich anfühlte, als ein Kind behandelt zu werden. Dass er jetzt in so eine Lage geraten würde, hatte er mehr oder weniger schon erwartet. Ran hat ihn die ganze Zeit als kleines Grundschulkind angesehen. War ja auch verständlich, wenn er von ihr nicht enttarnt werden wollte, so schwer wie es ihm auch zu fallen vermag. Es tat weh. Tief im Inneren tat es ihm weh. So sehr, wie er sich es auch wünschte, er steckte immer noch in diesem Körper fest, ohne einen Weg zur Änderung in Sicht, denn die harte Realität war einfach stärker als das Wunschdenken. Aber trotz allem…
Er trat vor, öffnete die Tür und sah Ran in die Augen…
„Ran…?"
Trotz allem, solange ihm die Möglichkeit blieb, bei ihr zu bleiben, war es ihm genug. Solange er in ihr glückliches Gesicht sehen konnte, solange er sie sehen durfte, solange er ihre Stimme hören konnte, war es ihm egal, in welchem Zustand er sich befand. Er war glücklich an ihrer Seite zu bleiben.
„Wollen wir gemeinsam essen gehen?", sagte er mit einem Lächeln und streckte seine Hand nach ihrer aus. Zuerst sah sie ihn überrascht an, dann lächelte auch sie und nahm seine Hand.
„Ja.", sagte sie und gemeinsam gingen die beiden hinunter zur Küche.
– Kapitel 12 ENDE –
