8. Gleichgültigkeit
Wenn es wirklich so einfach wäre „die Jungs zu retten" wie sich Gojo Satoru das offenbar vorstellte, dann hätte Suguru die Hilfe des selbstverliebten Angebers nicht notwendig um die Jungs zu retten. Immerhin hatte er schon alles versucht um die Mordanklage aufzuheben. Erfolglos.
Es wurde behauptet, dass man Itadori Yuuji auf frischer Tat ertappt hätte (was natürlich Blödsinn war, man hatte ihn bei der Leiche gefunden, die der Junge einfach wenige Sekunde zuvor selbst gefunden hatte), dass er Sukunas Finger genau wie den ersten hatte stehlen wollen (wenn man einen Finger zu konsumieren als stehlen bezeichnen konnte), und dass es einen Zeugen für die ganze Sache gäbe (der Zeuge war der Sohn des Opfers, mehr Affe als Jujujist, und beim Mord nicht anwesend gewesen - und damit kein echter Zeuge).
Niemand war bereit die ganze Affäre einfach so unter den Teppich zu kehren, weil es sich bei dem angeblichen Täter nicht nur um einen Sklaven, sondern auch noch um Sukunas Gefäß handelte. Diejenigen, die es nicht auf Yuuji abgesehen hatte, weil er ein Sklave war, der sich verhalten hatte als wäre er keiner, hatten es auf ihn abgesehen, weil sie Sukuna so zu vernichten suchten. Keine der beiden Fraktionen interessierte die Wahrheit. Sie wollten Itatodir Yuuji vor Gericht stellen und zum Tode verurteilen und seinen Besitzer gleich mit, weil das am Einfachsten wäre.
Nachdem sich ziemlich schnell herauskristallisiert hatte, dass er Yuuji nicht retten konnte, hatte sich Suguru darauf konzentriert Megumi zu retten, doch er war dabei auf mehr Widerstand gestoßen als er jemals erwartet hätte. Offenbar war Megumi in der Jujutsu-Welt nicht sehr beliebt; der Zen'in-Clan wollte ihn lieber tot als freischaffend sehen und auf jeden Fall lieber tot als als einen Schandfleck, und war deswegen definitiv keine Hilfe, Direktor Yagas Meinung zählte nicht, und wie Suguru feststellen musste war Megumis Verbindung zu ihm selbst kein Vorteil für den Jungen, sondern eher eine zusätzliche Belastung.
Vermutlich war das die wohlverdienten Folgen davon, dass er über Jahre hinweg Brücken verbrannt hatte anstatt sie zu bauen, doch dass Megumi nun seine Fehler ausbaden musste und sich mit seinen Feinden herumschlagen musste, war nichts womit er jemals gerechnet hätte. Geto Suguru war offenbar, wenn es wirklich darauf ankam, nicht gerade beliebt in der Jujutsu-Gesellschaft.
„Was ist der Plan?", wollte er also von Gojo wissen, nachdem dieser direkt von seinem Anwesen los in Richtung Ratsversammlung marschiert war.
„Der Plan ist, dass wir Yuujis Unschuld beweisen", erklärte ihm der weißhaarige Mann unbeeindruckt, „Wenn es uns gelingt nachzuweisen, dass der Junge niemanden umgebracht hat, dann gibt es keinen Grund ihn oder Megumi hinzurichten. Und dann können sie sich ihre Intrigen sonst wohin stecken."
„Und wie genau sollen wir die Unschuld des Jungen beweisen? Die kümmert die Wahrheit doch nicht", warf Suguru ein.
„Genau deswegen müssen wir den wahren Mörder finden", meinte Gojo leichthin, „Es stimmt, dass es nicht ausreicht zu beweisen, dass Yuuji es nicht getan hat, weil es so was wie berichtigten Zweifel für diese Leute nicht gibt, doch wenn wir denjenigen präsentieren, der den Mord wirklich begangen hat, und das zweifelsfrei belegen können, dann können sie nicht weiterhin so tun als wäre die Wahrheit etwas, das manipuliert werden kann."
Bei Gojo hörte sich das so leicht an. Suguru warf ihm einen düsteren Blick zu. Der schüttelte nur den Kopf, als er diesen Blick auffing, und meinte provokant: „Ach, komm schon. Einen Mörder zu finden sollte für uns beide doch kein Problem darstellen. Ich meine, wir sind doch schon mit ganz anderen Dingen fertig geworden! Zusammen und getrennt. Wir schaffen das schon!" So als ob sie bisher immer alles geschafft hätten.
Suguru konnte nur seufzen und das Beste hoffen. Wie eigentlich immer, wenn es um Gojo Satoru ging.
Suguru wusste, dass sich andere Menschen ständig verliebten und dann wieder entliebten. Was ihn anging, so hatte er nur einmal geliebt, und dieses eine Mal hatte ausgereicht um ihn die Idee der Liebe für alle Zeiten auszutreiben.
Wie hätte er sich auch nicht in Gojo Satoru verlieben sollen? Als sie sich kennenlernten, war Satoru noch der Thronfolger und damit noch nicht unnahbar. Aber er war schon mächtiger als alle anderen. Wenn man ihn seine volle Kraft einsetzen sah, dann konnte man sich entweder nur in ihn verlieben oder Angst vor ihm bekommen. Angst war eine Emotion, die Suguru fremd war, also war das Ergebnis ihrer Bekanntschaft vielleicht immer unausweichlich gewesen. Vielleicht liebte Suguru den Thronfolger nur, weil er so viel rohe Macht ausstrahlte, denn als netten Menschen konnte man Satoru nicht gerade bezeichnen: er war unverschämt, ungehobelt und frech, hatte vor nichts und niemanden Respekt, sagte immer was er dachte, egal wie gemein es war, und schien einfach alles für einen Witz zu halten, was um ihn herum geschah.
Alles mit Ausnahme von den Dingen, auf die es wirklich ankam. Suguru hatte nie vergessen, dass Satoru einfach so bereit gewesen war mit ihm und Reiko-chan zu fliehen und sie gegen den Rest der Welt zu verteidigen, weil er begriffen hatte, dass ihre persönlichen Wünsche genauso wichtig waren wie das große Ganze. Und er war ein leidenschaftlicher Gegner von Fushiguro Kamis Hinrichtung, weil er nicht einsah, dass jemand, der kein Mörder war, für den Mord eines anderen bezahlen musste. Er schien sogar bereit zu sein dafür zu sorgen, dass die Kinder der armen Frau gut unterkamen, auch wenn er sich in die Idee verrannt hatte, dass Suguru sich dieser Kinder annehmen sollte.
Suguru war selbst noch ein halbes Kind. „Ich bin sechzehn, was soll ich mit Kinder anfangen?!", hätte er Satoru gerne direkt ins Gesicht gesagt, doch er tat es nicht ,weil er irgendwie das Gefühl hatte, dass Satoru ihn in Wahrheit sagen wollte, dass sie beide zusammen diese Kinder adoptieren sollten, auch wenn er als Thronfolger niemals offiziell deren Vormund sein konnte. Und als der verliebte Narr, der er war, sprach er sich nicht sofort lautstark gegen diese Idee aus, weil sie ihm irgendwie schmeichelte.
Damals waren Suguru und Satoru ein wahres dynamisches Duo. Nach dem Zwischenfall mit Fushiguro Toji begannen sie zusammen Flüche und Fluch-Magier aufzuspüren und zu neutralisieren. Es war mehr ein Zeitvertreib als einen Auftrag für den Thronfolger. Vermutlich langweilte er sich den lieben langen Tag und hieß ein wenig Action willkommen. Suguru folge ihm auf seine Missionen wie ein verliebtes Hündchen, weil es ihm schmeichelte eingeladen zu werden, und weil er Gojo Satoru verdammt gerne beim Einsatz seiner Kräfte zusah.
Er war sich nie ganz sicher warum sich der große Gojo Satoru eigentlich mit ihm abgab, doch er hoffte, dass es deswegen war, weil ihn der andere Junge auch mochte. Oder zumindest respektierte. Einmal sagte Satoru wie neben bei zu ihm: „Ich kann dich gut leiden, Geto-kun, du bist der Einzige, den ich kenne, der mich behandelt als wäre ich Satoru und nicht der Thronfolger." Und vielleicht war das auch das ganze Geheimnis. Wenn es so war, dann würde Suguru sein Glück nicht hinterfragen. Ihm war nie in den Sinn gekommen, wie ein Schleimer vor dem Thronfolger im Staub zu kriechen. Was hätte ihn das auch gebracht? Er war bereits mächtig, seine Fluchtechnik machte ihn mächtig und würde ihn immer mächtig machen, egal wie sich die Dinge zwischen ihm und den Kaiserhaus entwickeln würden.
Und manchmal dachte er, dass sie sich nicht unbedingt gut entwickeln würden. Satoru und er waren nicht immer einer Meinung. Der Thronfolger schien sich nicht besonders um Kollateral-Schäden zu sorgen, und es schien ihm an Mitgefühl zu mangeln. Todesopfer, ob magiebegabte oder nicht-begabte, schienen ihn regelmäßig kalt zu lassen, selbst wenn sie auf Grund seiner Technik umgekommen waren.
„Du bist nicht besser als anderen, weißt du?!", warf ihm Suguru einmal, nach einem besonders verstörenden Exorzismus vor, der eine vierköpfige Familie als brennende Leichen zurückließ, was Satoru mit nicht mehr als einem Schulterzucken abtat.
Satoru musterte ihn einen Moment lang mit steinerner Miene. „Habe ich das je behauptet? Ich bin nicht derjenige, der…", er unterbrach sich und schüttelte den Kopf, „Denkst du, dass es mir gleich ist? Hast du eine Vorstellung davon wie viele Leute gestorben sind, seit ich zum ersten Mal meine Fluchtechnik - kaum dass ich geboren worden bin - eingesetzt habe? Wenn ich darüber nachdenken würde, wenn ich es an mich heranlassen würde, dann könnte ich sie nie wieder einsetzen. Und warum denkst du tue ich es trotzdem? Weil du auch nicht weißt wie viele Leben ich gerettet habe, seit ich zum ersten Mal meine Fluchtechnik eingesetzt habe. Die Fluch-Magier sind untergetaucht oder haben von ihrem Tun abgelassen. Die Flüche verstecken sich, wenn sie hören, dass ich mich nähere. Vor meiner Geburt war unsere Welt eine wilde, in der es um Töten oder Getötet werden, ging. Durch mich habe die Menschen jetzt zumindest eine Chance. Diese Familie zu verlieren war tragisch, aber wenn wir den Fluch nicht aufgehalten hätten, dann wären viel mehr Leute gestorben. Ich habe nicht darum gebeten geboren zu werden, aber ich wurde nun mal geboren, und deswegen muss ich daraus jetzt das Beste machen, zu dem ich fähig bin. Und das ist mir nur möglich, wenn ich nicht ständig darüber nachdenke, was ich alles nicht erreichen kann."
Nach dieser Rede fühlte sich Suguru schuldig, und er sah Satoru mit anderen Augen als zuvor. Dieser scheinbare Mangel an Empathie war in Wahrheit nicht mehr als ein Schutzmechanismus, um nicht zu viel zu empfinden, das ihn für immer lähmen würde. Dieses Verhalten war vielleicht nicht gesund, doch Suguru konnte es verstehen. Es gab genug, was er nicht an sich heran ließ um nicht selbst gelähmt zu werden.
Denn obwohl Satoru gemeint hätte ihre Welt hätte sich seit seiner Geburt verbessert, war das nichts, was Suguru besonders deutlich sehen konnte. Seine Mitschüler gingen hinaus, riskierten ihre Leben und kehrten mitunter schwer verletzt oder gar nicht mehr zurück.
Dass ausgerechnet der lebensfrohe Haibara von einer seiner Missionen nur noch als Leiche zurückkehren würde, hatte Suguru nicht kommen gesehen. Haibara war sein Kohai und schien talentiert zu sein. Vor allem war er lebensfroh und ein guter Ausgleich für seinen grimmigen besten Freund Nanami, mit dem er seinerseits ein weiteres dynamisches Duo gebildet hatte. Sein Tod traf Suguru schwer, aber nicht so schwer wie Nanami, der nie darüber hinwegkommen sollte, und die Jujutsu-Gesellschaft in weiterer Folge sogar verlassen sollte.
Suguru wollte nicht zeigen wie schwer es ihn traf seinen Kohai zu verlieren, aber trotzdem ertappte er sich dabei, dass er sich ausgerechnet in Satorus Armen ausweinte. „Er war doch noch ein halbes Kind, warum müssen immer Kinder sterben? Warum, Satoru? Sind wir nur Jujujisten geworden, damit wir alle sterben?", wollte er zwischen Tränen wissen, und die Antwort, die er bekam, war nicht die, die er gerne gehört hätte. Sie bestand aus Schweigen und federnden Küssen auf seinem Gesicht. Und das war auch gut, auch wenn es nichts heilte, nicht wirklich, aber es war besser als gar nichts. Zumindest war er mit seinem Verlust nicht alleine, zumindest hatte er Satoru. Auch wenn keiner von ihnen beiden etwas daran ändern konnte, dass Kinder weiterhin starben.
Gojo bei sich zu haben half Suguru zumindest dabei zum angeblichen Zeugen des Mordes – Yohsino Junpei, den Sohn des Opfers – vorzudringen. Bisher hatte ihn niemand bis zu dem Jungen vorgelassen, und Gewalt anzuwenden hätte in diesem Fall nicht geholfen. Doch nun, in der Begleitung des Kaisers, wurde er – Wunder, oh Wunder – zu dem Jungen vorgelassen.
Der Junge wurde, als wäre er ein Gefangener und kein Zeuge, in einer der Zellen des Rates gehalten und wirkte alles andere als begeistert sie zu sehen. „Lasst mich endlich hier raus!", verlangte er, „Ihr könnt mich hier nicht gefangen halten! Ich habe nichts getan!"
„Das mag stimmen, aber das hindert sie nicht daran dich trotzdem hier gefangen zu halten", meinte Gojo wenig hilfreich und begann das Gespräch somit gleich mit einem direkten Angriff.
„Sie? Ihr wollt behaupten ihr gehört nicht zu denen?!" Der Junge war nicht dumm, das musste man ihm lassen, er hatte Gojo durchschaut, kaum, dass sie sich kennengelernt hatten.
„Wir sind zumindest nicht diejenigen, die dafür verantwortlich sind, dass du hier gefangen gehalten wirst", warf Suguru schnell ein um die Situation zu entspannen, „Und wir sind hier um mit dir zu reden."
Der Junge funkelte sie beide feindselig an. Die Hälfte seines Gesichts war hinter dunklen ungewaschenen Haaren verborgen, doch das verstärkte diesen Eindruck nur noch.
„Ich habe schon genug geredet", verkündete er, „Worüber sollte ich mit euch reden wollen?!"
„Über Yuuji zum Beispiel", schlug Gojo vor.
Jetzt merkte der Junge sichtlich auf. „Yuuji?", wiederholte er, „Was ist mit ihm?"
„Nun, ihm wird vorgeworfen deine Mutter umgebracht zu haben", erklärte Gojo offen, „Deswegen wirst du hier ja festgehalten, damit sie ihm das alles anhängen können."
Der Junge wirkte ehrlich überrascht. „Das ist doch Unsinn! Warum sollte Yuuji meine Mutter umbringen?! Er mochte meine Mutter! Er mochte mich! Ja, natürlich ist es seine Schuld, was passiert ist, weil ihn irgendjemand oder -etwas zu unserer Wohnung gefolgt ist, aber Yuuji ist kein Mörder. Er ist gut. Vermutlich wollen sie ihm wohl deswegen den Mord anhängen. Weil er gut ist, und sie schlecht sind. So wie Mahito gesagt hat", empörte er sich.
Suguru warf Gojo einen vielsagenden Blick zu.
„Mahito, ja? Der hat mit dir über die Jujutsu-Gesellschaft gesprochen?", vergewisserte sich Gojo, „Wie hast du ihn kennengelernt?"
Der Junge zögerte sichtlich. „Das ist nicht wichtig", behauptete er dann, „Mahito hat nichts mit der ganzen Sache zu tun." Doch er klang weniger überzeugt als bisher, als er das sagte.
„Die Fluchenergie in eurer Wohnung war enorm", erklärte Suguru, „Wer immer der Täter ist, es war jemand, der zur Magie fähig ist und wusste, dass es euch gibt, dich und deine Mutter. Und ja, auch Yuuji. Es wurde ein Fluchobjekt bei deiner Mutter zurückgelassen, das den Verdacht auf ihn lenken sollte."
Junpei schwieg und starrte finster vor sich hin. Dann meinte er: „Nein. Nein, ich glaube euch nicht. Mahito ist mein Freund. Er würde mir das nicht antun."
Gojo trat zu den Jungen und strich ihm das Haar aus dem Gesicht. Dieses hatte Brandnarben verdeckt, die überall auf der Stirn des Jungen zu finden waren. Es sah aus als wäre er mit Zigaretten bearbeitet worden, und vermutlich war das auch genau das, was ihm zugestoßen war.
„Wenn mir das passiert wäre, dann wäre ich auch wütend", meinte Gojo sanft, „Wenn mir das jemand angetan hätte, dann würde ich auch der ersten Person, die mir verspricht es besser zu machen, glauben wollen, dass auch wirklich alles besser wird."
Junpei wich vor ihm zurück. „Mahito hat das nicht getan", wiederholte er.
„Wenn er es nicht war, dann war es Yuuji", hielt Gojo dagegen, „Welche der beiden Möglichkeiten ist wahrscheinlicher?"
Junpei schüttelte den Kopf. „Das sind alles Lügen. Mahito hat mir gesagt, dass ihr alle lügt. Selbst Yuuji…" Er verstummte. Dann deutete er auf sein Gesicht. „Sie haben das getan, und niemand hat etwas dagegen unternommen! Niemand hat sie aufgehalten! Oder auch nur bestraft! Weil es allen egal war! Weil niemanden aufgefallen ist, was sie mir angetan haben! Weil sie alle gleichgültig durchs Leben gehen! So wie ihr alle gleichgültig durchs Leben geht! Yuuji hat auch gelitten, aber das war euch egal! Und jetzt wollt ihr ihn für etwas bestrafen, das er nicht getan hat! Weil ihr ihm gegenüber gleichgültig seid!", schleuderte er ihnen entgegen, „Ihr wollte nur, dass ich gegen Mahito spreche, damit ihr eine Ausrede habt um ihm etwas anzutun!"
Suguru spürte Gojos Blick auf sich ruhen, doch als er zum anderen Mann hinüber blickte, sah dieser schon wieder zu Junpei. „Yuuji war nicht gleichgültig", sagte Gojo, „Ich wette, wenn er gewusst hätte, wer dir das angetan hat, dann hätte er etwas unternehmen wollen."
Junpei biss sich auf die Lippen und sah zur Seite um sie nicht weiter ansehen zu müssen.
Suguru konnte nicht anders. Er musste lachen. Diese ganze Situation, sie war zu absurd. Sie war ironischerweise genau das, was er immer befürchtet hatte - alle seine Ängste waren wahr geworden, und doch wurde er es, der gerade als Bösewicht und Verursacher angesehen. Er konnte die Blicke der anderen beiden auf sich ruhen spüren. „Entschuldigt, es ist nur …" Er wischte sich eine Träne aus den Augen.
„Dein Freund Mahito hat recht, Junpei. Es ist ihnen wirklich gleichgültig. Ihnen allen, es war ihnen schon immer gleichgültig. Sie haben Kinder geopfert, immer schon und ohne zu zögern, für das Wohl der Allgemeinheit oder auch nur für ihr eigenes. Und es hat mich wahnsinnig gemacht, immer schon. Ich wollte es ändern, wollte alles niederreißen, wollte alles neu aufbauen, wollte eine Welt ohne Gleichgültigkeit. Und dabei … bin ich genauso geworden wie sie. Und das hat mich gekostet." Er bemühte sich nicht zu Gojo hinüber zu sehen. „Und dann, dann war es mir einmal nicht gleichgültig. Weil es jemandem, der mir wichtig ist, nicht gleichgültig war. Und ich habe geholfen. Und diese gute Tat, dieser Akt der Gnade, der hat dazu geführt, dass wir jetzt in dieser Situation sind. Der hat vermutlich dazu geführt, dass deine Mutter getötet wurde. Weil ich einen Jungen das Leben retten wollte. Und deswegen sterben jetzt Leute. Wieder einmal. Alles nur, weil ich genau das nicht war … gleichgültig." Er lachte wieder.
„Suguru."
Er blickte zum Kaiser hinüber, zu dem Mann, der seit Jahren seinen Vornamen nicht mehr ausgesprochen hatte, der ihn seit Jahren nicht mehr so angesehen hatte wie jetzt.
„Ist schon gut", erwiderte Suguru, „So ist die Welt eben. Wir tun, was wir für richtig halten, tun unser Bestes, aber am Ende können wir dem Schicksal nicht entkommen. Yuuji war von dem Moment an verloren, als er Sukunas Finger gegessen hat. Seine Hinrichtung wurde nur hinausgezögert. Und Megumi…. Er war in dem Moment verloren, als sein Vater Kuroi Misato vor all den Jahren getötet hat. Er war tot, noch bevor Toji sein eigenes Schicksal ereilt hatte. All die Jahre seit dem, die waren nur eine Verzögerung auf dem Weg zum Ende." Er lachte noch einmal auf. „Wir verschwenden hier unsere Zeit."
„Mahito hat mir gesagt, dass man das Schicksal ändern kann", sagte Junpei leise, „Dass er seines geändert hat, dass er mehr geworden ist, als er hätte sein sollen."
Beide Männer sahen den Jungen an. „Ich kann euch sagen wo ihr ihn findet", fuhr der Junge fort, „Aber ihr müsst mir versprechen, dass ihr ihm nichts antut."
„Keine Sorge", erwiderte Satoru, „Wir werden ihm nichts antun, was von Dauer wäre." Und das war nicht einmal gelogen. Denn immerhin brauchten sie diesen Mahito ja lebend. Was der Rat ihn dann antun würde, nun das war eine andere Geschichte. Aber das ging Suguru und Satoru nichts an, nicht wahr? Nicht weil es ihnen gleichgültig war, oh nein, sondern weil sie anders als Junpei genau wussten, dass Mahito der wahre Mörder seiner Mutter war und genau das bekommen würde, was er verdient hatte.
A/N: Die Japanischen Namen in dieser Fic machen mich wahnsinnig, weil ich nie sehe, wenn sie falsch sind, und das soweit geht, dass meine extra Zusammengestellte Namensliste voll ist mit falschen Schreibweisen und ich jetzt etwa jedes mal Jujutsu falsch geschrieben habe ohne es zu bemerken. Dunkelheit, Krankheit, Depression, Trauer und diese Fic sind offenbar keine gute Kombination, also entschuldige ich mich für alle Fehler, die sich bisher eingeschlichen haben und ich nicht korrigiert habe, bevor ich die Kapitel veröffentlicht habe.
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