Hallo ihr Lieben! Ich weiß, es ist ewig her, seit ich hier weiterveröffentlicht habe… Das tut mir wirklich leid! Dafür habe ich aber den letzten National Novel Writing Month genutzt, um diese Geschichte ganz zu Ende zu schreiben. Also wird es ab jetzt wieder häufiger Updates geben. Wer mal auf meine Seite geschaut hat, hat vielleicht gesehen, dass ich schon vor einiger Zeit geschworen habe, nur noch fertiggeschriebene Geschichten zu veröffentlichen, damit so etwas wie hier nicht noch einmal passiert. Ich hoffe, ein paar alte Leser sind noch dabei, und vielleicht gibt es ja auch ein paar neue Leser. Viele Grüße, Catherine
Kapitel 11 – Hermines helfende Hand
Plötzlich war das Schulleben ein einziger Wirbel – die Lehrer gaben uns mehr zu tun denn je und sogar ich hatte manchmal Schwierigkeiten mitzuhalten. Schon nach ein paar Tagen hatte ich so viel um die Ohren, dass ich beschloss, meinen vermeintlich ruhigen Arbeitsplatz in Snapes Büro aufzusuchen. Ich wäre am liebsten schon am nächsten Tag gekommen, aber ich wollte nicht verzweifelt erscheinen.
Nun, mit einer Tasche voller Bücher aus der Bibliothek und genügend Pergament für ein ganzes Buch an Aufsätzen, klopfte ich am Nachmittag nach der letzten Unterrichtsstunde an seine Tür.
„Herein!", rief er laut und ich trat ein.
„Guten Tag, Professor Snape."
„Was wollen Sie?", blaffte er. „Ich bin beschäftigt."
Ich zog eine Augenbraue hoch. „Haben Sie etwa schon unseren Deal vergessen?" Ich ging zum kleinen Tisch in der Ecke hinter der Tür und legte meine Sachen darauf. „Ich bin hier, um zu arbeiten."
Er starrte mich kurz böse an, bevor er sich wieder seiner Arbeit zuwandte. „Aber stören Sie mich nicht."
„Außer ich habe eine Frage", erwiderte ich mit einem Lächeln, schaute aber schnell weg, als er mich fixierte. Ich musste ihn ja nicht zu sehr provozieren.
Ich setzte mich an den Tisch, legte alles zurecht und begann zu arbeiten. Schon bald war ich so in meine Bücher und Aufsätze vertieft, dass ich ganz vergaß, wo ich mich befand und wer bei mir im Raum saß. Nur die Ruhe registrierte ich, dass niemand mich störte, und ich endlich loslegen konnte. Snape bemerkte ich zwischendurch nur am Rande, wenn er Pergament zum Rascheln brachte oder mit einer Feder darüber kratzte, was jedoch zu der allgemeinen Arbeitsatmosphäre beitrug.
Als ich fertig war, blickte ich auf die Standuhr an der Wand und sah, dass ich zwei Stunden hier gesessen hatte. Die Zeit kam mir wie im Flug vor. Ich blickte zu Snape und war erstaunt, dass er mich anblickte.
„Wir sollten Zeiten ausmachen, in denen Sie vorbeikommen können", sagte er und legte seine Feder zur Seite. „Schließlich können Sie nicht jeder Zeit hier hereinplatzen, ich habe auch noch andere Verpflichtungen, als Ihren Babysitter zu spielen."
Ich ignorierte seinen Zynismus und nickte stattdessen professionell. „Ich bin über jede Stunde dankbar, die ich hier verbringen darf."
Er blickte mich an, als würde ich lügen, ratterte dann aber die Zeiten in der Woche auf, in denen er in seinem Büro saß und ich vorbekommen könnte.
Ich schrieb schnell mit. Im Grunde handelte es sich um fast jeden Nachmittag nach der Schule, außer Dienstag zwischendrin, weil er dort eine Sprechstunde für seine Slytherins anbot, sowie Zeiten am Wochenende vormittags und nachmittags.
„Reicht Ihnen das?", fragte er böse.
„Auf jeden Fall", sagte ich und gab ihm wieder mein nicht ganz ernstgemeintes Lächeln.
„Ich muss Sie aber warnen: Sollte etwas Unvorhergesehenes dazwischenkommen – zum Beispiel ein Schüler, der mit mir sprechen möchte, oder eine Nachsitzstunde – müssen Sie den Raum verlassen."
Ich nickte. Das war doch klar. „Darf ich Ihnen jetzt eine professionelle Frage zu Verteidigung gegen die Dunklen Künste stellen?"
Er nickte und ich begann, ihn nach der genauen Handbewegung für unseren letzten Fluch im Unterricht zu fragen, da mir die Anweisungen im Buch zu ungenau schienen und zudem bei mir nicht recht zu funktionieren schienen.
Er seufzte schwer. „Wissen Sie, Miss Granger, Sie haben das gleiche Problem in Verteidigung gegen die Dunklen Künste wie in Zaubertränke, nur dass es in Zaubertränke weniger auffällt: Sie klammern sich zu sehr an die Anweisungen in den Büchern. Sie versuchen, jeden Satz genau nachzumachen, und vergessen dabei, dass wir es mit Magie zu tun haben, und Magie lässt sich nicht so einfach in ein paar Anweisungen zähmen."
Seine Worte stichelten mich, aber ich lauschte aufmerksam; ich wollte schließlich lernen und mich verbessern.
„Sie müssen aufhören, alles als gegeben und wortwörtlich zu nehmen", fuhr er fort, „sondern anfangen, die Magie dahinter zu verstehen und vor allem zu fühlen. Sie sind ein Kopfmensch, das ist an sich nichts Schlimmes, aber hindert Sie manchmal daran, das nächste Level zu erreichen. Sehen Sie sich Potter an, leider der beste in Verteidigung gegen die Dunklen Künste, er ist nur zum Teil ein Kopfmensch, zum größeren Teil ist er ein Herzmensch: Er denkt nicht viel nach beim Zaubern, er tut es einfach, und daher kann die Magie in ihm leichter fließen. Sie, Miss Granger, müssen lernen, loszulassen und Ihrer Magie zu vertrauen und nicht immer alles kontrollieren zu wollen."
Ich schluckte schwer, aber nickte. Er hatte vollkommen recht und dieses Problem hatte ich selbst schon vermutet, aber die Kontrolle zu verlieren, war nicht so einfach.
„Verstehen Sie, was ich Ihnen damit sagen will?"
„Ja", erwiderte ich und räusperte mich. „Auf jeden Fall. Nur die Umsetzung ist nicht so einfach, wie sich das anhört."
„Nichts im Leben ist einfach."
Ich nickte nur, in Gedanken dabei, wie ich mein Zaubern verändern und damit verbessern könnte. Wenigstens würde ich in Snapes Unterricht als seine Assistentin dazu viel Gelegenheit haben...
„Ist das der Grund, weswegen Sie angefangen haben, das Schulbuch zu verbessern?", ging es mir plötzlich auf.
Er nickte. „Die Schulbücher müssen versuchen, auch die komplexesten Dinge so herunterzubrechen, dass selbst ein Ronald Weasley oder Neville Longbottom sie verstehen kann. Dabei geht viel Wissen verloren. Ich habe in meiner Schulzeit irgendwann angefangen, mir dieses Wissen selbst zu erarbeiten."
„Durch Experimente?"
„Und viel Recherche."
„Und wann haben Sie Ihre Handschrift geändert?" Ich versuchte mein Glück mit solch einer persönlichen Frage, da er gerade recht gesprächig wirkte.
Er lächelte stolz. „Meine Schrift aus der Schule ist mit der rechten Hand geschrieben, aktuell schreibe ich mit meiner linken." Er hob zur Verdeutlichung mit der linken Hand die Feder auf.
Mir klappte der Mund auf. „Sie haben Ihre Hand gewechselt? Aber warum?!"
Er zuckte mit den Schultern. „Es erschien mir als Spion sinnvoll, über zwei Handschriften zu verfügen."
„Wow", fuhr es mir hervor. „Das erklärt auch, warum Ihre frühere Schreibweise so viel schwungvoller ist."
„Nun möchte ich Ihnen aber mal eine persönliche Frage stellen."
Ich nickte und wartete gespannt.
„Woher hatten Sie im Sommer dieses fürchterlich blaue Auge?"
Ich musste auflachen und erzählte ihm schnell die Geschichte von Fred und Georges Scherzartikeln.
Er schien beruhigt zu sein und bemerkte halb ironisch: „Und ich dachte schon, Weasley oder Potter wären gewalttätig geworden."
Ich sah ihn streng an. „Das sollte man nicht einmal im Scherz sagen." Ich wünschte, ich könnte die Worte zurücknehmen, denn sofort verschloss er sich wieder und widmete sich den Zettel auf seinem Schreibtisch. Es war aber auch dumm von uns beiden, über das Thema zu sprechen, schließlich wusste ich, wie sein Vater seine Mutter und ihn selbst misshandelt hatte...
Am Samstagvormittag saß ich mit Harry und Ron am Frühstückstisch und es gab einiges zu besprechen: Dass wir unbedingt Hagrid besuchen mussten, um ihm zu erklären, warum wir Pflege magischer Geschöpfe abgewählt hatten. Und dass sich nur so viele Leute für die Quidditchmannschaft beworben hatten, weil sie herausfinden wollten, ob Harry der Auserwählte war.
Als die Posteulen eintrafen, erhielt Harry sein neues Zaubertränkebuch, doch er tauschte lediglich die Einbände aus und behielt Snapes. Jetzt, wo ich wusste, welch geniale Ideen darinsteckten, hätte ich es ihm am liebsten abgenommen, um selbst damit zu arbeiten. Aber das konnte ich Harry und Ron natürlich nicht erzählen. Ich wünschte nur, Harry würde die Gefahren dieses Buches ernster nehmen.
Ich wurde jedoch abgelenkt von einer Eule, die mir den Tagespropheten brachte, den ich schnell überflog. Heute stand drin, dass Stan Shunpike als Todesser verhaftet worden war – was wir alle für Blödsinn hielten. Viel eher hatte er angegeben, er wüsste etwas über Voldemort… Vielleicht könnte ich Snape dazu befragen?
Die Stimmung in der Großen Halle war allgemein bedrückt, denn viele Eltern überlegten, ihre Kinder nach Hause zu holen, und Hannah Abbot war gestern gesagt worden, dass ihre Mutter gestorben sei.
„Aber Hogwarts ist sicherer als ihre Häuser!" meinte Ron. „Wir haben Auroren, und die ganzen zusätzlichen Schutzzauber, und wir haben Dumbledore!"
Ich blickte hoch zum leeren Sitz des Schulleiters. „Ich glaube nicht, dass wir ihn die ganze Zeit über haben. Ich glaube, er hat die Schule verlassen, um irgendetwas mit dem Orden zu machen."
Nach dem Frühstück gingen wir hinunter zum Quidditchfeld. Ich hatte zwar kein großes Interesse, bei der Auswahl der neuen Spieler dabei zu sein – die Zeit hätte ich lieber mit Lernen verbracht –, aber ich wusste, wie wichtig es den Jungs war, mich dabeizuhaben. Ich hatte jedoch ein Buch dabei und würde vermutlich mehr lesen als zuschauen. Meine Stimmung rutschte zusätzlich in den Keller, als Lavender mit Ron flirtete und er daraufhin wie ein Pavian herumstolzierte. Vollkommen albern!
Wie ich vermutet hatte, waren die meisten Bewerber mehr an Harry als Quidditch interessiert, aber das sich sogar welche aus anderen Häusern dazu geschmuggelt hatten, hätte ich nicht erwartet. Kein Wunder, dass Harry so wütend wurde – ihm war Quidditch schließlich wichtig.
Zum Schluss ging es darum, den neuen Hüter zu finden, und ich legte mein Buch zur Seite, weil dies Rons Position war.
Die meisten Bewerber waren ziemlich schlecht, doch als Cormac McLaggen vier der fünf Schüsse hielt, musste ich handeln. Ich holte meinen Zauberstab hervor, versteckte ihn in meiner Jackentasche und murmelte: „Confundus." Dies brachte McLaggen dazu, in die falsche Richtung zu fliegen und er ließ den Ball ins Tor.
Nun war Ron an der Reihe.
„Viel Glück!" rief Lavender von der Tribüne und ich starrte sie wütend an. Was bildete sie sich eigentlich ein?
Ron hielt alle fünf Bälle und war damit der neue Hüter. Ich freute mich natürlich für ihn, aber es würde sein Ego nur weiter boosten, besonders wenn Lavender ihn so anhimmelte… Und Ron war unausstehlich, wenn er sich für cool hielt.
Ich ging dennoch runter zu Harry und Ron und gratulierte letzterem von Herzen.
Auf dem Weg zu Hagrids Hütte begann Ron auch schon, seine Taten ins kleinste Detail zu schildern, und ich war jetzt schon genervt.
„Aber McLaggen," sagte Ron. „Beim letzten Ball ist er in die völlig falsche Richtung. Sah aus, als hätte ihm jemand einen Verwechslungszauber auf den Hals gejagt."
Ron machte nur einen Scherz, aber meine Wangen färbten sich trotzdem rot. Ich war nie gut im Lügen oder Dinge-Verbergen.
Wir gingen schließlich an Seidenschnabel vorbei zu Hagrid, doch dieser wollte uns nicht die Tür aufmachen. Harry wurde irgendwann wütend und drohte damit, die Tür aufzusprengen.
Ich versuchte, ihn aufzuhalten, doch in diesem Moment öffnete Hagrid die Tür.
„Ich bin ein Lehrer!", wütete er. „Ein Lehrer, Potter! Wie kannst du es wagen, meine Tür aufzubrech'n!"
„Tut mir leid, Sir", erwiderte Harry und verdutzte den Halbriesen damit. Das brachte das Eis zum Schmelzen und Hagrid war wieder unser Freund. Wir konnten ihm zum Glück klarmachen, dass wir ihn noch mochten, obwohl wir sein Fach abgewählt hatten, und er verzieh uns.
Ich atmete erleichtert auf. Ich hasse es, mich mit Menschen zu streiten, dir mir wichtig sind.
Hagrid erzählte uns dann, dass Aragog krank war und vermutlich bald sterben würde, und ich hatte alle Hände voll zu tun, ihn zu trösten. Ich bot ihm an zu helfen, aber war heilfroh, als er ablehnte – ich hatte nicht wirklich Lust, mich in das Nest der Riesenspinnen zu begeben… Harrys und Rons Schilderungen reichten mir vollkommen.
Als wir abends zum Schloss zurückgingen, Magen knurrend, da wir seit dem Frühstück nichts gegessen hatten, nahm Harry mich zur Seite und konfrontierte mich wegen McLaggen.
„Okay, na schön, ich hab's getan", gab ich schließlich nach, weil ich ihm sowieso nichts verheimlichen konnte. Obwohl mir die Sache mit Snape bisher ganz gut gelang.
Harry grinste nur.
In der Großen Halle wurde uns der Weg zum Gryffindortisch von Slughorn versperrt, der Harry und mich zu einer privaten Dinnerparty einlud. Noch im Hogwarts-Express hatte ich mich nach dieser Ehre gesehnt, doch mittlerweile wusste ich von Harry, dass Slughorn in typischer Slytherinmanier nur seinen eigenen Ruhm vergrößern wollte, indem er sich mit mächtigen und begabten Menschen umgab…
„Ich kann nicht kommen, Professor", sagte Harry und ich wusste, dass er darüber gar nicht traurig war. „Ich habe Nachsitzen bei Professor Snape."
Slughorn wollte mit Snape reden und ihn überreden, Harrys Nachsitzen zu verschieben, aber Harry, Ron und ich wussten, dass er da keine Chance hatte. Wobei es mir auch lieber wäre, bei Snape zu sein, als McLaggen in Slughorns Club zu begegnen… Wenigstens würde Ginny vermutlich da sein.
Nach dem Essen gingen wir in den Gemeinschaftsraum, wo Harry mal wieder über sein Lieblingsthema sprach: Malfoy und wie er den Gegenstand von Borgin & Burkes nach Hogwarts gebracht hatte. Aber ich glaubte nicht daran, dass er hier war, schließlich wurden alle Leute und Eulen untersucht.
Ron war wütend, dass Slughorn ihn ignoriert hatte, und ging früh zu Bett. Kurz darauf kam Demelza, die neue Jägerin, und richtete Harry von Snape aus, dass er sehr wohl zum Nachsitzen erscheinen müsse. Was für mich bedeutete, dass ich alleine zu Slughorns langweiliger Connectionsparty musste…
Ich sah es nicht ein, mich für diese Veranstaltung umzuziehen, und wie ich es vermutet hatte, wollte Slughorn nur wieder begabte Leute miteinander bekannt machen, damit er am Ende einen Vorteil daraus ziehen und sich toll fühlen konnte. Eigentlich hätte ich mich als Muggelgeborene geehrt fühlen sollen, von einem Slytherin zu solch einer prestigeträchtigen Party eingeladen zu werden, doch das Ganze stank so sehr nach etwas, das Malfoy gefallen würde, dass es mich eher nervte. Wenigstens war Draco immer noch nicht eingeladen worden.
McLaggen versuchte immer wieder, sich mit mir zu unterhalten, und egal, wie sehr ich ihn ignorierte und mich an Ginny hielt, er blieb hartnäckig. Wenn er wenigstens intelligent wäre… Ich wünschte mir, bei Snape im Kerker zu sitzen und in aller Ruhe lesen zu können…
