Die Tür Zum Büro.


Angespannt und nervös lauschte Elsie an der Tür und wartete darauf, Charles Stimme zu hören. Dabei hielt sie ihren Körper so weit wie möglich von der Tür entfernt. So konnte sie im Falle eines herannahenden Mitarbeiters schnell von der Tür weg hopsen.
Um nicht vorne über zu kippen, stützte sie sich mit gespreizten Fingern an der hölzernen Oberfläche ab, was ihre Hand spinnengleich wirken ließ. In der anderen Hand hielt sie die Schlüssel so krampfhaft fest umklammert, dass sie vor Anstrengung leicht zitterte.

Sie wartete noch immer auf dumpfes Gemurmel, doch da war nichts. Sie konnte nur ein Rauschen hören, dass von ihrem anliegendem Ohr und der Tür erzeugt wurde. Ihre Augen blickten anhaltslos im verlassenen Gang umher. Sie presste ihr Ohr noch stärker gegen die Tür, aber es änderte nichts, einzig das Rauschen wurde stärker.

Wenn nichts zu hören war, dann wurde auch nicht geredet. Aber wenn nichts geredet wurde, was taten Mr. Carson und Miss Baxter dann?

Unbefriedigt drehte Elsie ihr Gesicht und blinzelte gegen das dunkle Holz, das sie nun direkt vor der Nase hatte. Lautlos brachte sie sich in eine etwas angenehmere Position und machte einen kaum merkbaren Schritt vorwärts, was schon viel angenehmer für ihr Rückrad war. Elsie stand nun etwas aufrechter. Sie schloss jetzt die Augen und hielt zudem den Atem an. All ihre Sinne sollten sich auf ihr Gehör konzentrieren. Sie wollte nun das andere Ohr versuchen. Doch auch mit diesem vernahm sie nur Stille. Was ging da drinnen nur vor sich?

Elsie legte sachte ihre Wange an und presste mit noch mehr Druck gegen die Tür.

"Elsie! - May! - Carson!"

Elsie fuhr zusammen und verharrte in ihrer Position. Sie öffnete skeptisch ihre Augen und ließ sie verwundert von links nach rechts wandern und wieder zurück, ihre Augenbrauen kniff sie skeptisch zusammen. Ihre Wange drückte sie noch fester gegen die Tür. Hatte sie da eben wirklich ihren Namen gehört?

"Öffne deine Hand, Elsie. Lass sie frei."

Wäre Elsie nicht so angespannt gewesen, wäre sie vor Schreck an die Decke gesprungen. Elsie blickte an ihrem Arm hinab, ohne ihr Ohr oder ihre gespreizte Hand von der Tür zu nehmen. Ihr fiel die Kinnlade hinunter, als ihr auffiel, dass sie tatsächlich etwas in der Hand hielt.

Oh! Mein! Gott! Das hieß, es sah sie wirklich jemand. Es war wirklich jemand da. Sie wurde ertappt. Fassungslos schloss sie ihre Lider wieder.

"Los, Elsie. Öffne deine Hand!", wurde ihr erneut befohlen.

Nun erkannte sie auch die Stimme und wusste, wer es war. Sie schloss wieder die Augen und sackte sichtlich in sich zusammen. Mit hängenden Schultern öffnete sie ihre Hand und ließ ihre Schlüssel entlang der Kette baumeln.

"Dreh dich zu mir."

Dies war eine klare Anweisung und Elsie verstand sie auch. Aber sie bewegte sich nicht. Sie konnte ihr Ohr nicht von der Tür lösen. Und sie wollte es auch nicht. Sie wollte einfach nicht in dieser Situation sein.

"Elsie. Dreh dich zu mir.", bedrohlich leise kroch die Stimme erneut in sie.

Elsie tat noch immer keinen Schritt.

"Elsie!". Die Hausdame vernahm noch mehr Druck und beginnende Ungeduld in der Stimmlage.

Elsie atmete aus und biss sich auf ihre Unterlippe, sie kaute darauf ein wenig herum. Sie wusste, es würde nichts bringen, sich wie ein Aal zu winden. Sie wurde gesehen.
Langsam wie in Zeitlupe entfernte sie ihr Gesicht von der Tür und richtete sich auf. Sie atmete noch einmal tief durch und drehte sich auf ihren Absätzen um.
Elsie versuchte sich ihr Unbehagen nicht anmerken zu lassen und öffnete die Augen.

Japp, da stand er. Groß. Und verstimmt. Und mit Zetteln in der Hand.

"Ab in mein Büro."

Mr. Carson verschwand wieder durch die göffnete Tür in sein Büro. Und da Mr. Carson seine bockige Frau zur Genüge kannte, wusste er, dass sie nach wie vor regungslos da stand und keine Anstalten machte, seiner Aufforderung Folge zu leisten. Daher rief er ein bestimmendes "Sofort!" hinterher noch ehe die Tür zur Gänze ins Schloss fiel.

Verdammt, Elsie! Die zweite Tür. Du hast die zweite Tür zu seinem Büro vergessen!

Elsie stand im Gang, blickte an die Decke und stieß einen Seufzer aus.
Sie legte die Hand um den Türknauf, drehte ihn, öffnete die Tür und ging mit trägen Schritten hindurch.