24. Geiseln
Yuuta war sich nicht sicher was er sich erwartet hatte, doch den Anblick, der sich ihm bot, mit Sicherheit nicht. Als Erstes musste er feststellen, dass Choso recht gehabt hatte; einige seiner Brüder waren eindeutig Geiseln. Sie schienen ohne Bewusstsein zu sein, und ihre Körper wurden von den gleichen wurzelartigen Schlingpflanzen umschlungen, die sie zuvor alle im Lagerhaus angegriffen hatten.
Yuuta versuchte sich schnell einen Überblick zu verschaffen um festzustellen wie viele von ihnen hier waren, und ihm fiel auf, dass er Nitta und Eso nicht entdecken konnte, dafür aber sechs andere von Chosos Brüdern. Sechs, damit fehlen Eso und ein anderer. Er konnte aber auf die Schnell nicht feststellen welcher der Brüder das war.
„Du wirst doch nicht vorhaben diesen bemerkenswerten Fluch auf uns loszulassen, oder etwa doch?" Eine Gestalt trat hinter der Wand aus gefangenen Halbflüchen hervor, und Yuuta konnte und wollte nicht glauben was er sah, und doch machte es irgendwie Sinn, nicht wahr?
„Nanami", stellte er ruhig fest.
„Nicht mehr ganz." Der blonde Mann deutete auf das Stirnband, das er trug, und das offenbar eine Art Narbe verdeckte. „Aber mach keinen Fehler, Yuuta, mein Junge. Ich habe nicht nur alle Erinnerungen von Nanami Kento in mir, ich beherrsche auch all seine Fluchtechniken, zusammen mit allen anderen, die ich im Laufe der Zeit gesammelt habe. Ich würde also behaupten, dass ich dir, trotz deiner beachtlichen Stärke, im Kampf überlegen bin."
Yuuta musterte den Mann und versuchte irgendetwas anderes als Horror zu empfinden, aber das gelang ihm nicht. Er wusste, dass er ruhig und analytisch vorgehen sollte, aber das war gar nicht so leicht, wenn man dem toten Körper von jemandem, den man gekannt hatte, gegenüberstand, der von einem uralten Bösen kontrolliert wurde.
„Ich bin nicht hier um zu kämpfen", erklärte er gezwungen beherrscht, „Ich bin hier um zu verhandeln." Er nickte in Richtung der gefangenen Fluchuterus Todesgemälde. „Ihr haltet unsere Freunde gefangen. Was verlangt ihr für ihre Freilassung?"
Nicht-Nanami musterte die Gefangenen. „Ich bin nicht sicher, ob wir sie überhaupt freilassen sollten", gab er zu, „Immerhin sind sie – trotz ihres Äußeren – sehr interessante Versuche geworden. Halbflüche, mit menschlichen Seelen. Sie sollten aus unserer Seite sehen. Findet ihr nicht?"
Er hatte sich umgedreht, und die letzte Worte hinter den Wall aus Geiseln gerichtet. Und tatsächlich kamen nun Gestalten von dort Hinten in Yuutas Sichtfeld getreten. Eine war ein halbnackter weißer Fluch, der dunkle Hosen trug, darüber seltsamer Weise Bauchmuskeln zur Schau stellte, die wie der Rest des Oberkörpers von schwarzen Venen zu überzogen zu sein schienen. Der linke Arm der Kreatur war unter einer Art Tuch versteckt, doch es waren die Äste, die aus ihren Augen wuchsen, die Yuuta dazu verleiteten anzunehmen, dass dieser Fluch derjenige war, der für die Wurzeln und Ranken die Verantwortung trug.
Die andere Gestalt war ein roter Fluch, nackt mit hellem Bauch und dunklen Mitte und Tentakeln, die ihm aus dem Mund wuchsen, sowie und flügelartigen Fortsätzen, die aus dem unteren Rücken (oder vielleicht dem Hinterteil) zu wachsen schienen. „Hanami. Dagon", wandte sich Nicht-Nanami an die beiden Flüche, „Was ist eure Meinung dazu?"
„Sie haben nicht gegen diesen Planeten gesündigt", erklang eine seltsam androgyn wirkende Stimme, die wohl zu dem Wesen namens Hanami gehörte, „Und sie gehören zu uns, sind Wesen wie wir, oder nicht? Sie sind nicht dazu verdammt ausgelöscht zu werden…"
„Aber sie sind teilweise menschlich", warf der rote Fluch – Dagon – wütend ein, „Damit sind sie anders als wir, sind wie die!" Er deutete vorwurfsvoll auf Yuuta, als er das sagte. „Sind wie Gojo und die anderen, die unsere Freunde getötet haben. Mahito und Jogo."
„Gojo wollte Jogo nicht töten", warf Yuuta ein, „Jogo hat sein Wort gebrochen und versucht Sukuna zu erwecken, obwohl er nur vor Gericht hätte aussagen sollen."
„Weil ihr ihn ja danach hättet gehen lassen", spottete Dagon, „Weil das das ist, was ihr Jujujisten tut. Ihr behandelt Flüche wie Gleichgestellte!"
„Mahito war ein Mörder. Und ihr wart seine Verbündeten. Ihr alle wart das", stellte Yuuta fest und sah Nicht-Nanami an um eine Bestätigung für diese Vermutung zu bekommen. Dieser nickte nur.
„Mahito hatte … fragwürdige Hobbies", gab er zu, „Aber sie dienten dazu seine Weiterentwicklung zu fördern. Er konnte mehr werden als er zuvor war. Mehr als jeder andere reine Fluch jemals sein könnte. Ein Fluch mit einer Seele…."
„Das ist eine Lüge", entfuhr es Yuuta, „Ich weiß was er mit seinen Opfern getan hat. Niemand mit einer Seele könnte so etwas tun!"
Nicht-Nanami lächelte nachsichtig. „Manchmal vergesse ich, dass du noch ein Kind bist, Okkotsu Yuuta", stellte er fest, „Dass du noch nicht lange genug gelebt hast um zu begreifen, dass eine Seele niemanden davon abhält Dinge zu tun, die andere dazu veranlassen sie seelenlos zu nennen. Im Gegenteil, in all meinen Jahren habe ich festgestellt, dass es diejenigen mit den Seelen sind, die Menschen, die zum absoluten Bösen so viel leichter fähig sind als die Flüche. Flüche mögen aus negativen Gefühlen entstehen, aber sie sind ehrlich und geradeheraus, sie verbergen niemals was sie sind. Und sie sind nicht sinnlos grausam. Sie richten Schaden an, weil es in ihrer Natur liegt, und nicht deswegen weil es ihnen Spaß macht. Spaß an der Grausamkeit, unnötiges Leid – das sind menschliche Eigenschaften, Yuuta. Wenn diese Dinge mit Mahito verbunden waren, dann deswegen, weil er eine Seele hatte, und nicht weil er ein Fluch war."
Yuuta schüttelte nur überzeugt den Kopf. Dann deutete er auf die gefangenen Halbflüche. „Wie auch immer, diese sind anders. Anders als Flüche. Und ja, vielleicht auch anders als Menschen. Sie wollen niemanden etwas antun, sondern einfach nur in Frieden leben", erklärte er, „Sie haben mit unserem Konflikt nichts zu tun. Lasst sie gehen, sie werden sich euch nicht in den Weg stellen."
„Siehst du, das nun wieder, kann ich einfach nicht glauben", meinte Nicht-Nanami, „Dass sie daneben stehen und nichts tun, meine ich. Sie würden sich auf eine Seite schlagen, und wenn wir ihnen die freie Wahl lassen, dann besteht die Gefahr, dass sie sich auf die falsche Seite schlagen. Und sei es nur aus fehlgeleiteter Dankbarkeit dem Sechsauge gegenüber. Immerhin hat er sie verkörperlicht. Nicht besonders gut, aber das war mehr als irgendjemand sonst für sie getan hat. Wenn sie ihre Dankbarkeit zeigen wollen, dann könnten sie diese vor allem durch Loyalität zeigen. Und das kann ich nicht so einfach riskieren."
„Warum nicht?", wollte Yuuta wissen, „Denkst du, du würdest gegen sie verlieren?"
Yuuta hatte bisher nie wirklich darüber nachgedacht, doch sie waren Halbflüche und Nachkommen des Kamo-Clans, sie mussten Magie beherrschen. Er hatte keine Ahnung was ihre Fähigkeiten waren, doch Choso und seine Brüder könnten in Wahrheit sehr starke Kämpfer sein, wenn sie sich dazu entscheiden würden zu kämpfen. Aber sie hatten bisher nicht vorgehabt zu kämpfen.
Aber das weiß er nicht. Nach allem, was er weiß, sind sie voll auf unserer Seite und bereit mit uns in den Kampf zu ziehen. Und wie jeder enttäuschte Vater macht ihn der Gedanke an rachsüchtige Nachkommen natürlich nervös, wurde Yuuta klar. Wenn die Halbflüche heil aus dieser Sache herauskommen würden, dann würden sie sich mit Sicherheit gegen ihren „Vater" stellen und ihn tatsächlich bekämpfen wollen, denn immerhin hatte er sie gefangen genommen und zwingen wollen an seiner Seite zu kämpfen, und das ohne jede Provokation von ihrer Seite aus.
All die, die immer denken, dass alle anderen so reagieren würden wie sie es an deren Stelle tun würden, begreifen nicht, dass sich dadurch erst Feinde erschaffen, die sie sonst niemals hätten.
Nicht-Nanami lächelte schwach. „Ich will einfach nicht, dass Fluch gegen Fluch steht. Wo wir gerade davon sprechen … Es gibt jemand anderen, den ich dringender an unserer Seite sehen will als diese schief gegangen Experimente. Ich glaube ihr nennt ihn Itadori. Und er hat auch unseren Freund Sukuna in sich. Sozusagen als Gefangenen. Davon sind wir gar nicht begeistert. Lord Sukuna verdient seine Freiheit, und wir würden sie ihm gerne ermöglichen", erklärte er, „Übergebt uns Sukuna und sein Gefäß, und wir können über die Freilassung eurer … Freunde sprechen."
Yuuta lächelte unbeeindruckt. „Wir wissen, dass ihr wisst, dass Itadori nicht mehr hier ist", gab er zurück, „Was der Grund dafür war, dass ihr überhaupt bereit wart mit uns zu sprechen."
Nicht-Nanami lächelte zurück, auf eine sehr kühle und irgendwie unheimlich wirkende Art und Weise. „Wir wissen auch, dass ihr wisst, wo er sich jetzt befindet. Oder zumindest in der Lage seid ihn zurückzuholen", erwiderte er, „Holt ihn zurück, übergebt ihn uns, und wir lassen zu, dass diese hier mit ihren restlichen Brüdern wiedervereint werden."
Nun, zumindest wusste Yuuta jetzt, dass Eso und der andere fehlende Bruder sich nicht doch heimlich in der Gefangenschaft der Feinde befanden, da von mehr als nur einem restlichen Bruder die Rede war, also nicht nur Choso gemeint sein konnte.
„Wer sagt uns, dass ihr sie freilasst und euch nicht einfach mit allen von ihnen und Itadori davon macht, sobald ihr ihn erst einmal habt?", wollte er wissen, „Immerhin habt ihr gerade selbst zugegeben, dass ihr sie an eurer Seite haben wollt. Es gibt keinen logischen Grund für euch sie freizulassen."
„Unterstellst du uns Lug und Trug?!", empörte sich Nicht-Nanami, „Ich denke, du verwechselt uns mit den Jujujisten, Täuschung ist deren Ding, nicht das unsere."
Yuuta nickte in die Richtung von Hanami und Dagon. „Vielleicht nicht von denen", gab er zu, „Aber was dich angeht, da liegen die Dinge anders. Immerhin stiehlst du Körper und übernimmst so fremde Leben. Du hast vorgegeben Itadori Kaori zu sein."
Nicht-Nanami lachte nur trocken. „Ich habe nicht vorgegeben Itadori Kaori zu sein, ich war Itadori Kaori", belehrte er ihn, „So wie ich jetzt Nanami Kento bin. Mehr als irgendjemand sonst es sein könnte zumindest."
Yuuta wollte über die Implikationen dieser Aussage nicht nachdenken. „Also siehst du in Yuuji deinen Sohn, ja? Und es ist mütterliche Sorge, die dich ihn zurückhaben lassen will. Und in diesen da…" Er deutete auf die Geiseln. „… siehst du deine Söhne. Das alles soll eine große Familienwiedervereinigung werden und hat rein gar nichts mit Sukuna als Waffe oder einem Krieg gegen die Jujujisten zu tun."
„Sukuna ist der König der Flüche, und damit natürlich ein wertvoller Verbündeter, das streiten wir gar nicht ab", meinte Nicht-Nanami, „Aber wenn du denkst, dass es mir nichts bedeutet hat Yuuji zur Welt zu bringen, dann irrst du dich."
Yuuta spürte Wut in sich aufsteigen. „Du hast an ihn herumexperimentiert und das perfekte Gefäß für Sukuna aus ihm gemacht. Du hast ihn alleine für diesen Zweck erschaffen! Du empfindest keinerlei elterliche Zuneigung für ihn - dir geht es nur um Sukuna, Yuuji muss aufhören zu existieren, damit er die volle Kontrolle über sein Gefäß übernehmen kann!", schleuderte er dem Mann wütend entgegen.
„Nicht zwangsläufig. Wie genau Sukuna und Yuuji ihr Zusammenleben in ein- und denselben Körpern regeln ist deren Sache", widersprach Nicht-Nanami, „Und du irrst dich, elterlichen Stolz empfinde ich sehr wohl. Stolz, weil ich etwas Einzigartiges erschaffen habe. Stolz, weil Yuuji stärker wurde als ich es jemals zu hoffen gewagt hätte. Meine Kinder sind mehr als nur Kinder, sie sind Kunstwerke. Vielleicht mag ich sie nicht auf herkömmliche Weise lieben, aber das bedeutet nicht, dass ich ihnen gegenüber gleichgültig bin. Vor allem aber sind sie eines: Mein Eigentum. Ich habe sie gemacht. Das bedeutet, dass ich das Recht habe über sie zu bestimmen. Nicht die Jujujisten, nicht Kaiser Gojo, nicht der kleine Fushiguro. Ich habe das Recht dazu. Aber ich bin nicht gierig. Ich bin bereit auf die minderwertigen Exemplare zu verzichten. Wenn ich Itadori habe, dann können die Fluchuterus-Todesgemälde mit ihrer wiedergewonnen Freiheit tun und lassen was sie wollen. Ich finde das ist ein fairer Deal."
„Dieser Meinung sind sie vielleicht nicht", warf Yuuta ein, „Anders als du sind zu selbstlosen Gefühlen fähig und sehen in Yuuji ihre Familie, ihren Bruder. Sie würden nicht wollen, dass man ihn für sie opfert."
„Aber würde er wollen, dass sie sich für ihn opfern?", hielt Nicht-Nanami dagegen, „So wie ich ihn einschätze eher nicht. Siehst du, es ist wahr, in der Theorie hätten wir die Fluchuterus Todesgemälde gerne auf unserer Seite, aber … Wie ich bereits sagte, sind sie minderwertig. Ich meine, sieh sie dir nur mal ein. Nicht einer von denen hier ist so wie er hätte werden sollen. Mehr noch: Ich brauche sie nicht. Was soll ich mit ihnen, wenn ich Flüche der Sonderklasse wie Hanami und Dagon an meiner Seite haben kann? Wenn ich das Zwiegesicht an meiner Seite haben kann? Ich kann auf sie verzichten. Insofern ist es nicht so, dass wir die Geiseln freilassen werden, wenn wir Itadori bekommen, nein, es ist vielmehr so, dass wir sie umbringen werden, wenn wir Itadori nicht bekommen."
Das war vielleicht der erste ehrliche Satz, den Kenjaku in diesem ganzen Gespräch von sich gegeben hatte. „Sie sind Halbflüche", betonte Yuuta und blickte Hanami und Dagon an, „Würdet ihr wirklich euresgleichen töten?"
„Sie haben sich für eure Seite entschieden, für die der Jujujisten", erwiderte Dagon, „Sie haben sich dafür entschieden, dass sie lieber Menschen sein wollen als Flüche so wie wir. Warum sollten wir jemanden, der nicht so sein will wie wir, behandeln als wäre er wie wir?"
„Weil sie trotzdem zur Hälfte zu euch gehören", meinte Yuuta, „Hanami, du hast es selbst gesagt: Sie sind nicht wie andere Menschen. Sie haben gegen diesen Planeten niemals gesündigt, und sie sind deine Brüder genauso wie Dagon es ist, wie Jogo es war und Mahito. Willst du zulassen, dass ein Fluchmagier, der öfter gegen die Natur gesündigt hat als irgendein anderes lebendes Wesen, sie einfach so umbringt, nur weil sie ihm nichts mehr nutzen?!"
Hanami schien einen Moment zu zögern (sofern man das bei einem Wesen, dem Zweige aus den Augen wuchsen feststellen konnte zumindest). „Ich wollte nicht in den Krieg ziehen", erklärte der Fluch dann, „Krieg bedeutet Zerstörung, und Zerstörung tut diesem Planeten weh. Aber von Jogo und Mahito habe ich gelernt, dass man manchmal Dinge, die man nicht will, tun muss um seine Ziele zu erreichen. Dass ich diesen Planeten nur dann retten kann, wenn ich meine Prinzipien hinten anstelle. Niemals würde ich einen Mit-Fluch töten wollen. Aber wenn ich diesen Planeten von der Krankheit, die ihn befallen hat, von der Krankheit, die sich Menschheit nennt, befreien will, dann muss ich bereit sein Opfer zu bringen. Dann muss ich zulassen, dass meine Verbündeten deutlich machen, dass wir unsere Drohungen ernst meinen."
„Wer seine Prinzipien hinten anstellt, der verrät sie und kämpft damit nicht mehr für sie, sondern nur noch für sich selbst", erwiderte Yuuta, „Wer das, was falsch ist, duldet, nur weil es einfach ist, der handelt selber falsch."
„Wer das tut, was notwendig ist, der gewinnt", entgegnete Hanami ruhig, „Das hat Jogo immer gesagt, Jogo, der sich geopfert hat, um unserer Sache zu dienen."
Yuuta blickte wieder Kenjaku an. „Wenn ihr eure Geiseln tötet, dann habt ihr kein Druckmittel mehr gegen Yuuji oder uns in der Hand", brachte er das älteste Argument der Welt, das jeder Unterhändler im Falle einer Geiselnahme irgendwann aussprach um den Geiselnehmer an die Lage zu erinnern, in der dieser sich in Wirklichkeit befand.
Woraufhin Kenjaku das erwiderte, was jeder Geiselnehmer, der nichts zu verlieren hatte, daraufhin erwiderte: „Wir müssen ja nicht alle von ihnen töten. Nur genug um euch und Itadori zu beweisen, dass wir es auch wirklich ernst meinen."
Und dann meinte er: „Warum fangen wir nicht gleich damit an?"
„Das ist euer Versteck?"
Yuuji sah sich in der heruntergekommen wirkenden Wohnung um, in die ihn die Drittklässler geführt hatten. Hier lebte offenbar schon länger niemand mehr, doch zugleich war offensichtlich, dass hier einmal jemand gelebt hatte: Die Wohnung war möbliert, der Strom hatte sich einschalten lassen, und eine X-Box war an einen riesigen Fernseher angesteckt worden, der einen Bildschirmschoner in Form des Herstellernamens der Fernsehererzeugungsfirma anzeigte. „Woher habt ihr den Schlüssel?"
„Das war mal die Bude von meinem Cousin", erklärte Hakari, „Der hatte aber … gewisse Schwierigkeiten mit dem Gesetz, weswegen er untertauchen musste, aber ich weiß wo er den Zweitschlüssel versteckt, daher konnten wir rein."
„Mit dem Gesetz der Jujujisten oder dem der mondänen Welt?", hakte Yuuji nach.
„Mit beiden", erwiderte Hakari knapp, „Aber das ist momentan nicht wichtig."
Yuuji fand irgendwie schon, dass das wichtig war, aber immerhin taten die beiden Drittklässler ihm einen Gefallen, er wollte nicht, dass sie das sofort bereuten und ihn nach zwei Minuten wieder hinauswarfen, also verbiss er sich weitere Fragen. Hakari schien auf jeden Fall aus einer … interessanten Familie zu stammen.
Hoshi deutete in Richtung Fenster. „Von hier aus hat man einen guten Blick auf das Hochhaus, auf dem du vorhin gelandet bist", erklärte sie, „Falls dein Fushiguro mit seinem Federvieh oder auch ohne dort auftaucht, wirst du es mitbekommen."
„Er ist nicht mein Fushiguro. Ich meine, er ist mein Besitzer, das schon, aber wir sind Freunde", murmelte Yuuji. Was dachten die nur über ihn und Megumi, und warum dachten sie das?
„Freunde", wiederholte Hoshi, „Nun ja, so gesehen … Kin und ich sind auch Freunde…."
„Klar sind wir Freunde", meinte Hakari, „Die besten Freunde. Ich schlag nicht für jeden einen Lehrer. … Obwohl … Na ja, aus den richtigen Gründen vielleicht schon…"
Hoshi lachte, als sie das hörte. „Und da dachte ich wirklich, ich bin war Besonderes für dich, Kin-chan", spottete sie.
„Nicht mehr als Fushiguro für Itadori, nehme ich an", erwiderte Hakari.
„Megumi und ich sind nicht-", setzte Yuuji wieder an, doch er kam nie dazu den Satz zu Ende zu führen, da im nächsten Moment Schmerz, wie er ihn noch nie zuvor empfunden hatte, seinen Körper durchzuckte, und er nicht anders konnte als laut aufzuschreien und zu hoffen, dass der Schmerz wieder aufhören würde. Nur, dass er nicht aufhörte.
Und Yuuji daraufhin schwarz vor Augen wurde.
A/N: Im Canon halten die Flüche Kenjaku ja für den echten Geto, aber in Rahmen dieser Fic hätte es keinen Sinn gemacht, wenn sie sich mit irgendeinem dahergelaufenen Jujujisten (vergib mir Nanami) verbünden würden, daher wissen sie, dass Kenjaku Kenjaku ist.
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