Bescherung für Fran!
Die Feiertage sind vorüber und im Hause Sheffield kehrt allmählich wieder der Alltag ein. Maxwell Sheffield sitzt, wie gewohnt, in seinem Arbeitszimmer am Schreibtisch. Diesmal jedoch ausnahmsweise nicht bei seiner Arbeit. Er sieht sich gerade die Fotos von dem diesjährigen Weihnachtsfest an. Ihm wird ganz warm ums Herz, als er die Bilder mit seinen fröhlichen Kindern betrachtet. Sie waren alle drei so glücklich gewesen, als er wegen seines Unfalls bei ihnen bleiben musste und sie so alle zusammen das Weihnachtsfest verbringen konnten. Es war ein wunderschönes Fest gewesen und sie hatten sich alle prächtig amüsiert. Maxwell hatte es sehr genossen, einmal unbeschwert und ungestört Zeit mit seinen Kindern verbringen zu können.
Ihm überkommt ein Hauch von schlechtem Gewissen. So viele Weihnachten hatte er nicht bei seinen Kindern verbracht. Nachdem seine Frau Sara gestorben war, war Maxwell möglichst jedem Feiertag aus dem Weg gegangen. Gerade an diesen Tagen war der Verlust ihm besonders schmerzlich bewusst geworden und er war lieber davor geflüchtet als sich dem zu stellen. Er schämt sich, wenn er darüber nachdenkt, was er damit seinen Kindern angetan hat. Maxwell nimmt sich fest vor, in Zukunft kein Weihnachtsfest mehr zu verpassen. Er lächelt in sich hinein, als er sich weiter die Bilder betrachtet. Sein Blick fällt auf Fran Fine.
Es war schon verrückt. Da musste erst eine flippige Jüdin aus Queens in sein Haus herein schneien, um ihm den wahren Sinn von Weihnachten und Familie zu erklären. Maxwell ist sich durchaus bewusst, dass er es hauptsächlich ihr zu verdanken hat, dass er wieder eine engere Beziehung zu seinen Kindern hat. Und indirekt war sie auch maßgeblich an dem Unfall beteiligt, durch den er gezwungen war, Weihnachten zu Hause zu verbringen. So schmerzvoll es auch gewesen war, als er sich auf die Vase gesetzt hatte, wenn er jetzt darüber nachdachte, was er dadurch gewonnen hatte, die Schmerzen waren es wert gewesen.
Er lächelt in sich hinein. Fran Fine war wirklich das ungewöhnlichste Kindermädchen der ganzen Welt. Im Laufe der Jahre hatten sie schon eine Menge Nannys gehabt. Doch keiner der anderen war jemals so um die Kinder bemüht gewesen wie Fran. Wenn er schon allein an das Chaos denkt, in das sie sich gestürzt hatte, nur um den Kindern schöne Weihnachtsgeschenke kaufen zu können. Maxwell verspürt einen tiefen Wunsch, Fran seine Dankbarkeit zu zeigen. Und er hat auch schon eine Idee, wie er das anstellen kann. Er greift zum Telefon, um Frans beste Freundin Val anzurufen.
Einige Tage später sitzt Fran gerade gemütlich auf der Couch. Da kommt Niles mit strengem Blick auf sie zu.
"Miss Fine, konnten Sie es mal wieder nicht lassen. Sie lernen wohl nie aus ihren Fehlern."
Fran sieht ihn unverständlich an.
"Was habe ich denn jetzt schon wieder angestellt?"
Niles blickt sie eindringlich an.
"Na, dann denken Sie mal scharf nach!"
Fran überlegt angestrengt. Hatte sie etwa wieder aus Versehen das gute Geschirr in die Spülmaschine gestellt? Oder etwas aus dem Kühlschrank stibitzt? Oder hatte Niles etwa bemerkt, dass Nagellackentferner auf den Tisch in ihrem Zimmer getropft war? Fran will gerade ein Geständnis ablegen, doch da stellt Niles ein Paket auf den Tisch.
"Hier! Das ist gerade für Sie abgegeben worden. Sie konnten es wohl mal wieder nicht lassen, etwas zu bestellen. Und das, wo Sie gerade den ganzen Schlamassel wegen der Geschenke für die Kinder hinter sich haben. Ich kann Ihnen nur sagen, wenn Sie auf meine Hilfe hoffen, da muss ich Sie leider enttäuschen. Ich habe meinen Weihnachtsscheck bereits verplant."
Während Niles weiter vor sich hin grummelt, betrachtet Fran verwundert das Paket. Sie hatte in den letzten Tagen weder was bestellt noch etwas gekauft. Sie ist tierisch aufgeregt zu sehen, was wohl in dem ominösen Paket drin ist. Niles, der bemerkt hat, dass Fran ihm offenbar überhaupt nicht zuhörte, verzieht sich schließlich. Fran öffnet hastig das Paket und findet eine Schachtel darin sowie eine Karte. Sie nimmt zunächst die Karte heraus und liest sie.
'Ein Dankeschön an einen ganz besonderen Weihnachtsengel. Mögen Sie noch viele Weihnachten mit uns zusammen verbringen.'
Fran erkennt sofort die Handschrift ihres Chefs und ihre Aufregung steigt noch mehr. Als sie die Schachtel öffnet, bekommt sie große glänzende Augen. Sie kann nicht glauben, was sich darin befindet und ihr Herz macht einen riesigen Hüpfer vor Freude. In der Schachtel befindet sich die Uhr ihres Großvaters, die sie schweren Herzens verkauft hatte. Und diesmal war es die richtige Uhr. Fran hat noch nie in ihrem Leben eine solche große Dankbarkeit und ein größeres Glücksgefühl verspürt, als in diesem Moment, als sie die Uhr ihres Großvaters in der Hand hält. So dumm, dass Mr. Sheffield heute den ganzen Tag im Theater ist. Zu gerne wäre sie jetzt in sein Büro gestürmt und ihm freudig um den Hals gefallen. Doch da kommt hier schon eine andere Idee.
Als Maxwell nach einem langen, anstrengenden Tag Feierabend machen will, kommt ihm gerade der Hausmeister des Theaters entgegen.
"Mr. Sheffield, das ist gerade für Sie abgegeben worden."
Überrascht betrachtet Maxwell den riesengroßen Umschlag. Neugierig öffnete er ihn. Zum Vorschein kommt eine riesige Fotocollage mit lauter Bildern von seinen Kindern. Maxwell betrachtet gerührt das Geschenk. Er ahnt schon, wem er diese Überraschung zu verdanken hat. Und wie zur Bestätigung fällt schließlich aus dem Umschlag auch eine Karte heraus. Auf der steht geschrieben:
'Damit Sie nie vergessen, was im Leben wirklich wichtig ist!'
