Frans Schätze Teil II!

Maxwell verliert jedes Gefühl für Zeit und Raum. Er ist erstaunt, mit wie viel Liebe und Sorgfalt Fran all diese Erinnerungsstücke gesammelt und aufbewahrt hat. Mit jedem gefundenen Gegenstand verliebt er sich erneut in seine Frau.

Er durchsucht den Koffer erneut. Er entdeckt ein Säckchen mit schwarzen Haaren. Hey, das waren seine eigenen Haare! Wie ist Fran an seine Haare gekommen? Dann kommt ihm die Erinnerung zurück. Fran hatte ihm einmal in der Küche die Haare geschnitten. Sie muss heimlich welche aufbewahrt haben. Er weiß, dass sie seine Haare liebt, besonders seine graue Strähne. Er behauptet immer, genau diese graue Strähne sei zur gleichen Zeit aufgetaucht wie sie. Er erinnert sich, dass sie sehr wütend war, als er sich während seiner Midlife-Crisis die Haare gefärbt hatte.

Als nächstes fällt sein Blick auf ein Schreibmaschinenband. Er erinnert sich, wie sie mit einem bauchfreien Oberteil in sein Büro getanzt war, um ihn zu verführen. Wie weit wären sie gegangen, wenn Niles, sein Vater und Joan nicht gerade in dem Moment in der Tür gestanden hätten? Schon damals war er unsterblich in sie verliebt. Aber gleichzeitig kämpfte er mit seinen Selbstzweifeln. Er war überwältigt von dem Gefühl, Sara zu verraten, und anders als sein Vater wollte er sich wie ein ehrenwerter Gentleman benehmen. Die meiste Zeit seines Lebens hatte er seinen Vater für seine Affäre mit Joan verurteilt und ihm nie verziehen, dass er die Familie verlassen hatte. In seinem verwirrten Kopf kam er zu dem Schluss, dass er sich genauso unmoralisch verhalten würde, wenn er sich auf Fran einließe. Es dauerte eine Weile, bis ihm klar wurde, wie falsch er gelegen hatte. Sara war schließlich lange vor Frans Auftauchen tragischerweise gestorben, und während ihrer Ehe und in den Jahren danach war er ihr immer treu geblieben, und sie würde immer einen besonderen Platz in seinem Herzen haben, auch wenn Fran jetzt die Frau in seinem Leben war. Außerdem betrog er seine Familie nicht, indem er sie liebte. Im Gegenteil! Erst mit Fran waren sie wieder eine Familie geworden und seine Kinder hatten neben Sara eine weitere Mutter gewonnen.

Er entdeckt einen Tischtennisball. Ach ja, ihr legendäres Tischtennisspiel. Eigentlich hatten sie vorgehabt, schwimmen zu gehen. Er wollte unbedingt ihr Tattoo sehen. Im letzten Moment hatte sie dann einen Rückzieher gemacht. Zu Hause ließ sie das Tattoo entfernen, bevor er es sehen konnte. Insgeheim war er noch immer ein wenig enttäuscht. Aber immerhin wusste er jetzt, wo es gewesen war. An der Stelle war jetzt eine kleine Narbe.

Er angelt nach einer kleinen Plakette mit ihrem Namen darauf. Er starrt sie eine Weile an. Oh ja, das war ihr Namensschild, als sie kurz in der Kosmetikabteilung des Einkaufszentrums gearbeitet hatte. Sie war wütend auf ihn gewesen, weil er nicht bereit war, seine Liebe laut in die Welt hinauszuschreien. Er hingegen hatte sich von der ganzen Welt missverstanden gefühlt. Zuerst von Fran, die sofort gekündigt hatte, und dann von Niles, der völlig empört war, als er versehentlich „die Sache" ausgeplaudert hatte. Sogar die Kinder hatten ihm das Leben schwer gemacht und verlangt, dass er alles tun sollte, um Fran zurückzubekommen. Jetzt heute war ihm klar, dass das ganze Katz-und-Maus-Spiel auch für Fran sehr stressig gewesen war. Glücklicherweise kam sie zu ihm zurück. Mit einem Grinsen erinnert er sich, dass sie ihn hereingelegt hatte. Er hatte über die Lautsprecheranlage die Worte verkündet, die er aufgeschrieben hatte, um seine Gefühle für sie auszudrücken.

Als nächstes sieht er ein Kartenspiel. Warum sollte Fran ein gewöhnliches Kartenspiel in diesem Koffer aufbewahren? Er überlegt lange. Sicher, sie spielt oft Karten mit den Kindern, besonders Rommé mit Gracie. Aber das kann doch nicht alles sein?! Vielleicht war es eine Erinnerung an das Canasta-Turnier in Atlantic City. Brighton war auch in ihrem Team, was er zunächst missbilligte, aber am Ende akzeptierte. Brighton war so glücklich gewesen, dass sie das Turnier gewonnen hatten. Maxwell ist gerade dabei, die Karten wegzuräumen, als ihm plötzlich eine Szene durch den Kopf schießt. Einmal war Fran sehr früh nach Hause gekommen, tief deprimiert. Val und CC hatten an diesem Abend ein Doppeldate. Sie hatte sich furchtbar überflüssig gefühlt. Um sie aufzumuntern, hatte er ihr gezeigt, wie man Solitaire spielt. Sie hatten bis weit nach Mitternacht zusammengesessen, Karten gespielt und herumgealbert. Das war ein Aspekt, warum er Fran so sehr liebt. Niemand bringt ihn so zum Lachen wie sie.

Sein Blick fällt auf eine Kassette. Darauf war ein Etikett mit Frans Handschrift: „Mein Song". Fran hatte doch noch nie einen Song geschrieben, oder? …. Ja, natürlich! Es fällt ihm wieder ein. Fran dachte für kurze Zeit, sie könnte Taschas Muse sein. Fran hatte sich damals wirklich seltsam verhalten. Allein in diesem Rock/Punk-Outfit, in dem sie aufgetreten war. Am Ende war ihr Traum geplatzt und sie war in seine Arme geflohen.

Außerdem findet er die Gesichtsmasken von Prinz Charles und Lady Diana. Sie hatten diese Pappschablonen in London entdeckt und hatten eine königliche Zeit damit verbracht und rumgealbert. "Ach ja, London" seufzt Maxwell laut. Er würde dieses Kapitel gerne aus ihrem Leben streichen, aber er war sich sicher, dass Fran ihm diese Episode wahrscheinlich noch übel nehmen würde, wenn sie beide alt und grau waren.

Mittlerweile ist der Koffer fast leer, nur ein paar Gegenstände liegen verstreut auf dem Boden. Eine signierte CD von Brian Setzer. Fran hatte sie wahrscheinlich ergaunert, als er bei ihnen zu Hause sein Musikvideo drehte. Es war ein großer Erfolg geworden, den sie Brighton zu verdanken hatten. Sogar Maggie war begeistert gewesen, obwohl ihr Worte der Anerkennung selten über die Lippen kamen, wenn es um ihren Bruder ging. Alles war perfekt gewesen, außer dass Fran den Deal mit Bobbi Flekman vermasselt hatte. Bobbi hatte versprochen, ihm zu helfen, indem sie Mick Jagger für seine Show engagierte. Aber nachdem sie dank Fran und ihrer Mutter stundenlang eingesperrt gewesen war, war sie einfach verärgert hinausgegangen. Fran selbst war ihm in den folgenden Tagen aus dem Weg gegangen, bis sein Ärger verflogen war.

Er denkt an all die Chancen, die Fran ihm in den letzten Jahren vermasselt hat. Nicht nur Mick Jagger, sondern auch Elton John. Irgendwie schafft sie es immer wieder, sich in die unmöglichsten Situationen zu bringen. Okay, er muss zugeben, nach einiger Zeit und Distanz sind ihre Ausrutscher ziemlich lustig. Er lacht. Fran war als Oma Yetta wirklich ein Hingucker. Und um ehrlich zu sein, war er auch nicht ganz unschuldig. Seine Eifersucht hatte bei Chevy Chase die Oberhand gewonnen. Aber Fran gehört ihm und nicht 'Mr. Chase'. Dann sei Geplapper über sie und Margo Lane. Das war wirklich dumm von ihm gewesen. Erst hatte er Fran belehrt, weil sie Cindy Adams aus Versehen von dem falschen Muttermal erzählt hatte und dann hatte er selbst ihre Geschäftsidee ausgeplaudert, nur um lustig zu sein. Das Schlimmste von allem war sein Idiotischer Heiratsantrag. Kein Wunder, dass Fran diesen Antrag abgelehnt hat. Insgeheim wollte er sie wirklich heiraten und nicht nur als Entschuldigung. Aber das war wirklich nicht der Antrag, von dem eine Frau träumen würde.

Sein Blick fällt auf eine kleine Schmuckschatulle von ‚Cartier'. Er öffnet sie und ein breites Lächeln breitet sich auf seinem Gesicht aus. Darin liegt der Dosenverschluss, mit dem er ihr einen Heiratsantrag gemacht hat. Er erinnert sich, er hatte im Müll gelegen, zusammengeschlagen und ausgeraubt, bis sie plötzlich aufgetaucht war. Gott, noch nie hatte er sich so gefreut, ihre Stimme zu hören. Vor lauter Aufregung hatte er ihr dann in dieser dunklen Gasse inmitten des Mülls einen Heiratsantrag gemacht. Seine Liebe zu ihr war in diesem Moment überwältigend. Sie war unglaublich schön und sexy. Tränen der Freude waren ihr über die Wangen gelaufen. Er verweilt einige Momente in der Erinnerung, bis er seine Fassung wiedererlangt und nach dem nächsten Gegenstand greift.

Es ist der Untersetzer aus dem Weißen Haus, den er für sie gestohlen hatte.

Schließlich ist nur noch eine Kiste übrig. Darin sind ein paar weiße Blumen in Sternform und ein aus Zweigen und Blüten zusammengeknotetes Band. Er streichelt sanft darüber. Fran hatte diese Blumen und das Band auf der einsamen Insel getragen. Irgendwie hatte sie die Blumen in ihr Haar gesteckt und das Band entweder am Arm oder am Fuß getragen. Mhhh, die Insel! Das war sicher die verrückteste Hochzeitsreise, die man haben konnte. Erst das Glück, dass sie beide überlebt hatten und dann diese Tragödie mit dem Biss. Er war immer noch unglaublich stolz auf Fran, wie sie mit der Situation umgegangen war. Es hatte kein Jammern und Nörgeln mehr gegeben, sondern Tag und Nacht hatte sie ihr Bestes gegeben, um auf ihn aufzupassen und ihr Überleben zu sichern. Ganz alleine hatte sie sich um ihr Essen gekümmert, Kokosnüsse zum Trinken besorgt und das Feuer bewacht. Ohne sie wäre er nicht lebend von dieser Insel gekommen. Wäre sie nicht schon seine Frau gewesen, hätte er sie sofort geheiratet. In seinem Tagtraum driftet er zurück zu dem Moment, als sie sich das erste Mal im Sand geliebt hatten. Es war so romantisch und unbeschreiblich gewesen. Er würde es sein Leben lang nicht vergessen.

Auf dem Bett liegen nun all die Habseligkeiten, mit denen er die letzten fünf Jahre Revue passieren hat lassen. Dann fällt ihm die in den Kofferdeckel eingenähte Seitentasche auf. Er zieht ein Fotoalbum und einen Aktenordner heraus. Er macht es sich auf dem Bett bequem und öffnet den Ordner.