Am Montagmorgen trug Hermine wieder dieses hautenge T–Shirt, das Snape nur ein gemurmeltes „Warum?", entlockte, während er sich leise keuchend auf den Schmel hinter seinem Pult fallen ließ.

Wieder bedachte ihn Hermine mit sehnsüchtigen Blicken, die sein Herz zum Brennen brachten.

„Welch' gute Schauspielerin", dachte er bitter.

Seine Augen kaum von ihr abwenden könnend, spürte er ein prickelndes Ziehen in der Lendengegend und er wusste, dass er langsam zum Opfer seiner eigenen Gefühle wurde. Dumpfbacken–Weasley würde seine Wette gewinnen. Ab heute Abend wäre er, Severus Snape, das Gespött des Gryffindor – Turmes. Mit sich wetternd, bemerkte er plötzlich, dass Hermine, ihre gewohnte Ruhe verströmend, nach einer falschen Zutat griff, die den Trank verderben musste.

So als sei dies ein Signal für ihn, begab er sich, seinen Schritten das rechte Maß gebend, zu ihrem Tisch.

Ihr leicht geöffneter, feucht glänzender Mund, schien seine Spottrede, an der er sich heute beinahe verschluckt hätte, in sich aufzusaugen. Doch senkte sie ihren Blick verschämt, um ihn aus den Augenwinkeln mädchenhaft anzugucken. Sie spielte die Ergebene und wähnte in ihm den Ahnungslosen.

„Miss Granger", begann er, darauf bedacht, seiner Stimme einen kehlig tiefen Klang zu verleihen.

„Ja, Professor", erwiderte sie, verunsichert tuend. „Habe ich etwas falsch gemacht?"

Unschuldig zwinkernd, lehnte sie sich zurück, verschränkte ihre Arme unter ihren Brüsten und gewährte ihm dadurch einen intimen Einblick, der an ihrer erblühenden Weiblichkeit keinen Zweifel ließ. Er erinnerte sich seiner Hand, die sich das Wochenende über immer wieder unter der Bettdecke verselbständigt hatte, noch ehe er sich dem Kessel, seinem Freund nähern konnte. Er fühlte sich so, als sei er durch die Worte dieser kleinen Bengel verhext worden. Er wusste, dass alles nur ein Spiel war und doch ließ er sich von seinen Gefühlen getrieben in dieser Falle nieder.

Sich zu einem verächtlichen Grinsen zwingend, ließ er seine linke Augenbraue in die Höhe schießen und zischte: „In der Tat, Miss Granger. Wo haben Sie heute nur Ihre Gedanken? Es ist Frühling – ich verstehe. Aber sollte das noch einmal geschehen, dass sie im Rausche ihrer hormonellen Wallungen meine teuren Zutaten verplempern … Wir verstehen uns?"

Er hatte sie mit einem tiefen Blick bedacht und sich abgewandt. Ihr arglos wirkendes Nicken ließ ihn die Minuten zählen, doch war ihm klar, dass es aus war. Heute Abend würde er der Trottel des Gryffindor–Turmes sein, wenn sie sich nicht ohnehin schon über ihn lustig machten.

Hermine hatte eine Maske aufgesetzt, hinter der sie das Lachen kaum verbergen konnte. Versteckte Blicke, die sie mit Ron und Harry wechselte, zeugten von ihrem errungen geglaubten Sieg. Sich hinter seinem Pult niederlassend, versuchte er eine gleichmütige Miene aufzusetzen.

Sie würde keinen Fehler mehr machen. Er wäre ein törichter Mann, würde er sich dieser Hoffnung auch nur einen Augenblick länger hingeben. Sie würde ihm nicht die Möglichkeit geben, ihr eine Strafarbeit zu geben. Denn wie hatte dieser Weasley gesagt? – sie solle ihn in sich verliebt machen, mehr aber nicht. Seinen langen Blicken zufolge, hätte es einer blinden Person bedurft, um seinen Gemütszustand nicht zu entschlüsseln. Die Bombe war genau in seinem Herzen explodiert. Die Frage nach dem „Warum" war ebenso absurd, wie sein allnächtliches Handspiel unter der Decke mit Hermines Bild vor Augen. Entwaffnet tigerte er nun durch sein Revier.

Und es stieg in ihm der Wunsch auf, Hermine möge ihm die Möglichkeit geben, sie mit einer Strafarbeit zu bedenken. Je näher das Ende der Stunde rückte, desto verzagtere Blicke schickte er Hermine, während er an der Rückwand des Klassenraumes stand, die Hände vor der Brust verschränkt. Er fühlte sich handlungsunfähig, gefesselt. Solange sie keinen Fehler machte, konnte er nicht einschreiten.

Später in seinen Privatgemächern lachte er über sich selbst. Wie viele Tage hatte es gedauert, ihn wie einen Trottel aussehen zu lassen?

Eine Woche!

Er griff sich an den Kopf und angelte nach einer Flasche, die er sich für Notfälle aufgehoben hatte. Jetzt musste sie dran glauben, denn es gab keine schlimmere Schmach, als an Ansehen bei den Schülern zu verlieren und sich selbst eingestehen zu müssen, ein notgeiles kleines Arschloch zu sein. Auch dieses Wort ganz und gar nicht zum sonstigen Vokabular des Tränkemeisters gehörte, in diesem Falle fand er kein anderes Wort, um sich selbst zu betiteln.

„Du verwixtes kleines Arschloch, du musst es wirklich nötig haben", murmelte er und setzte die Flasche an.

Nach einer Weile schlich sich ein dümmlich verklärtes Lächeln auf sein Gesicht. Er wusste, was gegen die Einsamkeit in seinen Gemächern zu tun war. Umständlich stieg er auf seinen Arbeitstisch, hielt sich an den in seinem Rücken befindlichen Regalen fest, riss einige Kräuter hinab, was ihn aber herzlich wenig störte und glotzte in den Kessel, in dem sich noch immer diese graue Suppe befand, mit der er die Existenz der objektiven Welt hatte beweisen wollen.

„Na ... na denn Prost", lallte er und zog die Nase geräuschvoll hoch, trat den Kessel vom Tisch, dann zog er seinen Zauberstab aus seinem Umhang, richtete ihn auf eine leere Stelle seines Studierzimmers.

„Orchestra magna", quetschte er hervor und sah sich augenblicklich einem, den Raum füllenden Orchester gegenüber, das ihn abwartend ansah.

Er schloss die Augen, hob er den Kopf, so als lausche er bereits den noch ungespielten Tönen, ehe er seinen Zauberstab hoch sausen ließ.

„Bach", murmelte er und dirigierte in ekstatisch verzückten Bewegungen ein Orchester, das ihm sprichwörtlich zu Füßen saß. Einige Male öffnete er die Augen und ließ diese wundervolle Musik seine vom Alkohol umnebelte Seele küssen. Es war ihm so, als könne er sich diesen auf den Violinen tanzenden Tönen entgegen beugen, in sie dringen, ohne je zu fallen. Sie hielten ihn. Dann wieder verschmolz mit diesen tanzenden Tönen und sprang auf seinem Tisch vor, um wie ein Raubtier geduckt den nächsten Einsatz der Cellos abzuwarten. Ein Blick in die Augen seines ersten Geigers verriet ihm den nahenden Höhepunkt, ehe er wie Phönix aus der Asche aufspringend daneben trat und in der Lache seines Philosophentranks landete, liegen blieb und alsbald einschlief.