8. Und dann hatte ich auch schon vergessen, warum ich eigentlich hier war. – TEIL 2
Was zuvor geschah…
Ich hatte eine ganze Weile über nichts anderes getan, als mich um meinen Vater zu kümmern, weil ich es in letzter Zeit des Öfteren versäumt hatte. Seit dem Zusammenbruch vor wenigen Tagen erschlug mich mein schlechtes Gewissen regelrecht deswegen, außerdem hatte ich nichts von dem mitbekommen, was außerhalb dieses Hauses passiert war. Jess ließ sich genauso wenig blicken, wie meine Brüder. All das machte mir schon ganz schön zu schaffen, denn hin und wieder ging besonders diese eine Sache zu weit. Da waren diese Augenblicke, in denen es für einen Moment schien, als wüsste Billy nicht einmal mehr, wer ich eigentlich wirklich war. Mein eigener Vater hatte mich vergessen, ich war aus seinem Gedächtnis gelöscht – wenn auch nur für kurz, denn er hatte sich später dann doch beruhigt und erinnert. Während ich also versuchte, Billy irgendwie im Zaum zu halten, der sich erst wie ein alter Mann, dann wie ein kleiner Junge verhielt, erwartete ich auch noch Nessies Besuch. Sie überredete mich – nachdem fest stand, dass ich nicht mit auf die Insel kommen würde – dazu, an der heutigen Feier zu Esmes Geburtstag teilzunehmen. Eher widerwillig erfüllte ich ihr diesen Wunsch, bereute es aber schnell. Nessie war dabei das Einzige, das mich hielt, denn ich verlor mich in ihr. Es gefiel mir nicht, dass es so war, und doch wusste ich, dass ich nichts daran ändern könnte. Eine Prägung war wohl genau das, was man immer von Liebe erwartete; diese Bindung an den einen Partner, für welchen man alles tun würde und noch viel mehr, dass aus zwei Leben eines wurde.
„Darf man kurz stören?", unterbrach uns eine raue Stimme und sofort war es um unsere Innigkeit geschehen. Ich seufzte, als Nessie sich von mir löste, um nachzusehen wer da stand. Im Gegensatz zu mir schien sie nicht zu wissen, um wen es sich dabei handelte oder wollte ihm vielleicht auch einfach nur nicht die Überraschung vermiesen – etwas, das er bei mir sofort schaffte, denn mein ganzer Tag würde von nun an im Eimer sein, wenn er das nicht sogar schon war.
„Garrett!", quiekte Nessie und drückte mich leicht weg, um zu ihm hinzulaufen und ihm wie eine Verrückte in die Arme zu springen: „Du warst ja so lange weg! Ich dachte, ich würde dich das ganze nächste Jahr nicht sehen…" Wenn ich das schon hörte, drehte sich mir der Magen um. Reserviert wandte ich ihnen den Kopf zu und beobachtete finster, wie Nessie dieses Rotauge umarmte und ihm einen Kuss auf die Wange drückte. Ich würde wohl niemals verstehen, wie diese enge Beziehung entstanden war. Denn Garrett war der Einzige - wenn ich bei Blondie noch ein Auge zudrückte, obwohl ich auch mit ihr mehr oder weniger gut ausgekommen war -, der mich davon abhalten könnte, Nessie zu sehen. Es gab wohl niemanden, den ich noch mehr verabscheute als ihn und das mochte bei mir schon etwas heißen!
„Ach, wie könnte ich?", erwiderte er in seiner unendlichen Überheblichkeit: „Meine kleine Ness gehört doch zu mir! – Apropos klein, du bist ja fast 'nen Kopf größer als letztes Mal?"
Nessie grinste, als hätte er ihr die ganze Welt geschenkt, wo er doch nur ein dreckiger Straßenköter war. Egal in welcher Hinsicht ich es betrachtete, er widerte mich einfach nur an. Ich hatte wirklich versucht, ihn zu mögen und mir dabei alle Mühe gegeben, aber er machte es einem schlicht unmöglich.
„Garrett, ich habe aufgehört zu wachsen, weißt du das noch nicht? So wie ich bin, bleibe ich jetzt."
Ich verdrehte die Augen, als sie ihm daraufhin etwas leise ins Ohr flüsterte. So genau ich auch hinhörte, ich konnte es nicht verstehen. Mein Blick wanderte zu seiner Hand, die gefährlich weit von Nessies Rücken abgerutscht war und ich kniff die Augen zusammen. Ich hatte mir eigentlich vorgenommen, mich zurück zu halten. Genauer gesagt hatte ich Nessie versprochen, dass ich das tun würde, aber dabei handelte es sich ausschließlich um spitze Kommentare meinerseits, keine Handgreiflichkeiten. Allerdings befand ich mich in einem Haus voller Vampire und Freunde von diesem Widerling, also wäre es vermutlich nicht gerade schlau, meiner Wut freien Lauf zu lassen. Ich entschied mich um, konnte aber nicht jedes bisschen meines Zorns unterdrücken: „Okay, das reicht jetzt." Mit diesen Worten griff ich nach ihrem Arm und zog sie mit mir. Während Nessie empört an meiner Hand rüttelte, brachte ich einen Sicherheitsabstand zwischen uns und Garrett. In einer relativ ruhigen Ecke, die ich in diesem Haus sowieso vergeblich suchte, blieb ich stehen.
„Was soll das? Was machst du da?"
Es machte mich noch wütender, als ich sah, dass es ihr unangenehm schien, meine Hand zu halten.
„Offenbar hast du unser Gespräch in Bezug auf diese Sache schon völlig vergessen!", entgegnete ich nicht weniger ungehalten als sie, während ich ein verräterisches Funkeln ihrerseits einfing. Wir hatten damals vereinbart, dass sie Rücksicht darauf nehmen würde, dass ich es absolut nicht leiden konnte, wenn sie ihm näher kam als nötig. Und in meinen Augen war diese Situation grenzwertig genug, um das Thema wieder aufzugreifen.
„Musste das denn jetzt sein?"
Mir klappte die Kinnlade herunter, als mir klar wurde, in welchem Ton sie das gesagt hatte: „Oh, tut mir ja wahnsinnig leid, wenn ich deine intime Unterhaltung gerade unterbrochen habe!" Sie nahm meine Hände in ihre und hielt sie zwischen uns, eine Geste, die mir auf einen Schlag bewusst machte, was gerade passiert war. Ich spürte eine unglaubliche Wut in mir, größer noch, als ich es kannte, wenn es um Garrett ging. Es war, als hätte es nur irgendeinen noch so kleinen Anstoß gebraucht, dass sich der Hass auf ihn in etwas anderes wandelte. Und während ich versuchte, meinen Atem unter Kontrolle zu bekommen, redete Nessie, die offenbar auch überfordert war, auf mich ein: „Jake, bitte, sind wir dieses Thema nicht hundertmal durchgegangen? Entschuldige, wenn ich – ich wollte dich damit nicht angreifen, ich meine, du weißt doch, dass da nichts ist. Er ist mir nur sehr wichtig und ich vergesse ab und an, dass ich nicht so eng mit ihm sein sollte, wie ich es vielleicht manchmal gern wäre. Wirklich, tut mir leid, ich hätte Rücksicht auf dich nehmen sollen." Etwas in ihrem Blick veränderte sich und sie sah auf unsere Hände.
„Jake, du...", sie fasste an meine Stirn, als wollte sie feststellen, ob ich Fieber hätte: „du glühst ja. Ist alles in Ordnung mit dir? Fühlst du dich nicht gut?" Noch niemals hatte ich vor Nessie so sehr die Kontrolle verloren; generell war es eine ganze Weile her, dass ich zuletzt derart wütend geworden war, dass ich zu Zittern begann. Ich konnte es normalerweise kontrollieren, aber im Moment fühlte ich mich alles andere als unter Kontrolle. Doch noch während wir besorgte Blicke austauschten, entspannte sich die Situation binnen Sekunden und ich konnte aufatmen. Es blieb, wie ich meinen plötzlichen Rausch erklären sollte: „Keine Sorge, ich habe…überreagiert. Ich weiß nicht, was los ist, zurzeit bin ich nur ein wenig gestresst, das ist alles." Nessie nickte, als würde sie mir jedes Wort abkaufen, obwohl ich das nicht einmal selbst tat. Sie lächelte und streichelte meine Wange und wir teilten einen kurzen Kuss, als wollte ich ihr und mir zeigen, dass alles wieder im Gleichgewicht war. Aber da war noch immer dieses merkwürdige, trügerische Gefühl in meinem Magen, das einfach nicht verschwinden wollte. Zumindest verschaffte es mir ein wenig Erleichterung, als Nessie mich allein ließ, um sich zu den anderen zu gesellen.
Nachdem ich einige Augenblicke lang nur darauf geachtet hatte, dass meine Atemzüge wieder ihren steten Rhythmus fanden, sah ich mich von der Ecke aus, in welcher ich stand, um. Mir fiel auf, dass ein paar weitere Gäste dazu gekommen waren, die ich zwar kannte, mich aber nicht mehr an ihre Namen erinnern konnte. Abgeschnitten von dem Trubel bemerkte ich, dass ich von hier aus eine perfekte Sicht auf meinen ganz besonderen Freund hatte. Ich nahm mir ein Sektglas von dem Partytisch neben mir und prostete ihm zu, wobei ich versprach, irgendwann darauf zurückzukommen, dass ich noch eine Rechnung mit ihm offen hatte. In dem Moment trat Nessie zu ihm und beide begannen ein offensichtlich unterhaltsames Gespräch, was ich allerdings aufgrund der zu lauten Musik - die mir erst jetzt auffiel, ich wusste nicht, ob sie schon gespielt hatte, als ich herein gekommen war - nicht beurteilen konnte. Ich sah den Blick, mit dem sie ihn betrachtete und spürte, dass es mich nicht kalt ließ. Auch wenn ich klar und deutlich vernommen hatte, dass er ihr in dieser Hinsicht nichts bedeutete, musste es nicht heißen, dass es anders herum nicht vielleicht doch mehr war. Zwar beteuerte Nessie mir einmal, dass Garrett eine Freundin hatte, doch wer wusste schon, ob es davon nicht mehrere gab. Fakt war, dass ich ihn nicht leiden konnte oder gar wollte und ich es ihn nur zu gern spüren ließ. Apropos spüren, ich drehte den Kopf und bemerke, wie Blondschopf mich anstarrte. Keine Ahnung, ob böswillig oder nicht, aber auf keinen Fall unbeabsichtigt. Ich wusste nicht, ob dieser merkwürdige Typ überhaupt jemals etwas ohne Grund tat, sein Blick sprach jedenfalls Bände – allerdings solche, die ich nicht lesen konnte und womöglich auch nicht sollte. Mir wurde klar, dass er heute wesentlich offenherziger angezogen war und seine schneeweiße Haut zur Schau stellte, als wollte er, dass jeder seine Narben sah. Die vielen, halbmondförmigen Bisswunden, die im Licht regelrecht Augen anzogen, stammten vom Kampf, so viel wusste ich, schließlich hatte er die Cullens trainiert als sie vor einer Konfrontation mit den Neugeborenen standen. Und als hätte er erreicht, was er wollte, wurden meine Gedanken umgelenkt, fanden Jess, deren Arme und womöglich ganzer Körper sein Ebenbild waren. Ich erinnerte mich an ihre Alpträume und daran wie ich sie umarmte, wie ich versucht hatte, einen Teil der Grausamkeit aus ihrem Herz zu verbannen, doch war es mir wahrscheinlich nicht gelungen. Denn ich wusste nicht, wie tief diese Angst und diese Instinkte, wie sie es nannte, in ihr verwurzelt waren. Ich wollte ihr helfen, aber ich hatte das Gefühl, dass da noch so viel mehr war, worüber wir würden reden müssen, bis ich das gesamte Ausmaß ihrer Persönlichkeit begriffen hatte. Bisher war ihre Person für mich ein einziger Gegensatz in sich und es blieb fraglich, ob ich überhaupt in der Lage war, sie dabei zu unterstützen, diese Zeit zu vergessen. Dass ich es versuchen würde, stand außer Frage.
„Sie kommen!", sagte plötzlich jemand und ich bemerkte wie schnell ich ganz und gar abgedriftet war, während sich die Menge langsam in Bewegung versetzte. Alle stellten sich in einem Halbkreis um die Tür auf, um Esme zu begrüßen und zu beglückwünschen, wobei ich jedoch blieb, wo ich war. Kurz darauf erschien Esme bereits in der Tür, Carlisle an ihrer Seite, welcher strahlend ihre Hand hielt. Es folgten stürmische Rufe der Freude und einer nach dem anderen fielen sie sich in die Arme, wie bei einem Klassentreffen. Ich beobachtete das Geschehen mit Skepsis, rief mir in Erinnerung, dass keine der hier anwesenden Personen menschlich war, wo sie sich doch so verhielten. Sie spielten Familie, sahen jung aus und waren dabei viel älter als ich, und sie würden es bis in alle Ewigkeit tun. Wie konnten sie hinwegsehen über all die Schande, die sie waren, die Toten, das Blut? Sie alle hatten bereits getötet, oft und womöglich sogar gern und jetzt verhielten sie sich, als wäre nichts von all dem passiert, während Jess in diesem Moment vielleicht erneut einem ihrer Alpträume verfiel. Sie fühlte sich schlecht deswegen, sie wollte anders sein, doch konnte sie es nicht und mir wurde bewusst, wie unheimlich menschlich sie sich eigentlich verhielt, obwohl sie im Grunde weniger sterblich war als jeder hier. Sie war niemals Mensch gewesen, wir hingegen schon, vor allem diese Blutsauger, trotzdem wusste sie viel mehr vom Menschsein, als sie sollte.
„Vielen, herzlichen Dank euch allen. Ich kann nicht sagen, wie sehr es mich freut, dass ihr mir in so großer Zahl die Ehre erweist, obwohl ich schon längst keinen glücklichen, jungen Geburtstag mehr zu feiern habe.", erklärte Esme und lächelte, als würde sie auf all ihre geliebten Kinder sehen: „Besonders dir, Alice, bin ich wohl zu ewigem Dank verpflichtet, dass deine Gabe, dich und deine Umwelt immer neu zu erfinden, längst nicht verblasst oder gar verloren gegangen ist." Alice zeigte ein schüchternes Grinsen und die Grübchen auf ihren Wangen verrieten eine zarte Röte, die ihre Wangen nie erreichen könnte. Mein Blick glitt zurück zu Esme, die mütterlich zu mir herüber sah, als wolle sie verdeutlichen, dass auch ich gemeint war, bevor sie fortfuhr: „Aber noch weit mehr erfreut es mich, dass der Frieden unter uns allgegenwärtig ist und bleibt und wir die Grenzen jeder Spezies mit unserer Freundschaft überwunden haben. – Und jetzt genug mit all den Reden und feiert, auf dass es noch lange so sein kann." Ihr Blick durchbohrte mich und gab mir das Gefühl, als wäre vor allem ich gemeint. Als hätte sie gesehen, was ich dachte, obwohl es ihr nicht möglich war, sondern nur einer einzigen Person in diesem Raum. Ein Teil von mir hoffte, dass er nichts von all dem gehört hatte. Ein anderer Teil war der Meinung, dass es keine Rolle spielte, da ich ihm rein gar nichts schuldete, keinem von hier.
Ich hatte genug. Mein Kopf fühlte sich schwerer an, als er sollte, weswegen ich ohne ein Wort und auf Unauffälligkeit bedacht das Weite zu suchen begann. Während sich alle zum Tanzen auf das Parkett drängten, verließ ich es und schuf Raum für die, welche hier willkommen waren. Aber so unbemerkt wie ich gedachte zu sein, war ich dann anscheinend doch nicht.
„Jake, alles in Ordnung?", fragte Nessie hinter mir und ich blieb ruckartig stehen. Ich könnte im Grunde alles mögliche behaupten, denn sie würde mir glauben. Sie war tatsächlich der Meinung, ich würde in aller Wahrheit zu ihr sprechen, immer. Sie glaubte, ich würde zu ihrer Familie stehen, was auch war. Als würde ich für sie sterben.
Ich wusste, meine Gedanken gingen zu weit, viel zu weit und hörten sich an, als wäre noch lange kein Frieden eingekehrt. Die bloße Vorstellung, dass ich einer von ihnen geworden war, schürte unbekannten Hass in mir. Es wäre nicht das erste Mal am heutigen Tag, dass ich die Kontrolle verlor, und dennoch war mir nicht bewusst, wie es dazu kommen konnte.
„Du musst nicht gehen, niemand schickt dich weg. Stört dich die Musik? Ich weiß, es ist nicht so dein Ding, mit uns zu feiern, aber keine Sorge. Wir können auch gehen, wenn du willst."
Ich hatte nicht vor, mich in irgendeiner Weise zu rechtfertigen, denn das musste ich nicht. Es brauchte nicht mehr, als ein paar Worte, um sie zu überzeugen. Ich konnte mich nicht zur Lüge durchringen, nun, nicht ganz, doch auch nicht zur Wahrheit: „Ich muss morgen früh raus, arbeiten. Und ich habe Billy versprochen, bei ihm zu bleiben, es ging ihm nicht allzu gut. Macht euch einen schönen Tag, ich melde mich." Ich ließ sie stehen, verabschiedete mich mit einem warmen Lächeln, das im Grunde nichts taugte und dem Wunsch, sie nicht ohne einen Kuss zurück zu lassen. Doch ich wusste nicht, was er mir bedeuten würde, weswegen er blieb, was er war: eben nur ein stummer Wunsch. Ich fühlte mich schlecht, denn sie musste verletzt sein, sie war es immer. Beim kleinsten Anschein, dass mir irgendetwas missfiel oder auch nur einem Blick, der nicht so war, wie er sein sollte und könnte. Würde sie mich darauf ansprechen, wüsste ich nicht, was ich ihr zu sagen hätte, schließlich sollte ich froh sein. Diese Familie, ihre Familie war jahrelang mein zweites Zuhause gewesen, wegen ihr. Dennoch kam es mir nun vor, als sollte es nicht so sein, als wollte ich nicht einmal mehr, dass es so war. Esmes Worte berührten nichts in mir, weckten kein Einverständnis, gar nichts. Vielleicht sollte es nicht so sein, vielleicht waren naturgegebene Gesetze nicht zu überschreiten, obwohl jeder glaubte, dass wir genau das getan hatten. Mein Gefühl bewies das Gegenteil, doch warum jetzt? Woher kam all das, so urplötzlich, aus dem Nichts? Diese Wut, die ich nicht kontrollieren konnte, die mich zurückversetzte in eine längst vergangene Zeit, in eine längst vergessene Welt, die im Grunde noch dieselbe war oder es zumindest sein sollte? Wir hatten sie geändert, wo es doch keinem von uns zustand, nein, nicht einmal möglich war. Wir lebten im Traum, wahrten den Schein und gaben uns glücklich damit, doch womit? Wenn all das hier nicht existieren konnte, wie kam es, dass wir uns verhielten, als wäre es so?
Meine Gedanken waren wirr, zeigten offensichtlich verlorenes Zugehörigkeitsgefühl. Verloren wodurch? Ich war so wütend, wollte tun, wozu ich bestimmt war. Wollte töten, was zu töten bestimmt war. Ich konnte nicht glauben, dass es wahr sein sollte, doch zeigte sich, dass nichts mehr der Wirklichkeit entsprach. Wer war ich, so zu denken? Im Grunde kannte ich die Antwort darauf. Denn das war, wer ich immer war und sein sollte. Das war nicht mehr als ich, nur ich, wie ich gewesen war vor noch nicht allzu langer Zeit.
War das auch ich, wenn nicht heute, in greifbarer Zukunft? Ich verwandelte mich, lebte diesen wilden Hass in mir aus, bis meine Pfoten wund vom Laufen und diese Gedanken endlich verschwunden waren.
