28. Wenn jemand bei voller Geschwindigkeit in die Eisen stieg, dann konnte man auch mal übers Steuer hinausfliegen… - TEIL 1
Was zuvor geschah…
Weil ich mit irgendwem reden musste, besuchte ich Seth. Allerdings hatte er genug eigene Probleme und ich wollte nicht noch dazu beitragen, also redete ich ihm gut zu, aber er hatte mich längst durchschaut. Daraufhin erzählte ich eine Kurzfassung mit möglichst wenig Details, inklusive der Kündigung des Vertrags und dass das meine Aufgabe sein würde. Seth reagierte über, aber er ließ sich beruhigen und willigte ein, mir zu helfen. Allerdings verlief unsere Suche im Sande und auch Seth wurde zunehmend aufdringlicher. Er entlockte mir Antworten, die ich ihm nicht geben wollte, und dann hatte ich auch noch das Glück, dass Jess uns auf frischer Tat ertappte.
Wie hast du das eigentlich gemacht? Wieso konnte er dich nicht hören?, fragte ich ehrlich interessiert, nachdem wir bereits eine Weile unterwegs waren. Wir hatten die Suche bereits aufgegeben, da es schon Abend war, und waren auf dem Heimweg.
Du weißt, wie ich das gemacht habe.
Sie wirkte genervt, so war es schon die ganze Zeit. War das wegen Seth? Oder eher wegen mir?
Na ja, ich gehe davon aus, dass du eine Gabe benutzt hast. Aber ich würde gern wissen, wie das funktioniert. Und was du damit alles anstellen kannst…sowas eben.
Ich kann mit jedem über Gedanken sprechen. Auch, wenn ich nicht verwandelt bin. Diese Gabe sollte dir bekannt vorkommen.
Über Gedanken sprechen? Nein, aber…Gedanken hören schon…
Na also, mehr ist es auch nicht.
Wenn das Edwards Gabe sein sollte, dann konnte er entweder Dinge, von denen ich bisher nichts wusste, oder er hatte in letzter Zeit ein paar zusätzliche Trainingseinheiten genommen. Fragte sich nur bei wem. Jess grunzte, was einem Lachen gleichkam: Nein, tatsächlich kann er das auch nicht. Zumindest nicht soweit ich weiß. Ich gebe zu, dass ich etwas mehr Übung darin habe als er. Konnte das bedeuten, dass sie Edwards Gabe übernommen hatte und sie nun wesentlich besser beherrschte als er sie selbst?
So wird es wohl sein. Auch wenn ich sicher bin, dass er es irgendwann herausfinden wird. Aber im Moment ist er nicht dazu in der Lage. Das heißt – theoretisch kann ich eine Art zusätzlichen Kanal legen und dadurch zu jedem persönlich sprechen beziehungsweise er zu mir. Deshalb konnte Seth es auch nicht hören., erklärte sie schlicht und ich fand Gefallen daran. Das war auf eine Art amüsant, auf die andere außergewöhnlich. Aber wenn ich ehrlich war, hatte ich eigentlich etwas erwartet, das eine Spur…aufregender war.
Wenn dir das nicht spannend genug ist, dann versuch' du doch mal, mit jemandem nur über Gedanken zu kommunizieren – während du ein Mensch bist, versteht sich. Ich habe Jahre gebraucht, das so zu beherrschen, mal sehen wie lange du dafür brauchst.
Das war ein Schlag in die Magengrube, auch wenn er klitzeklein war. Sie hatte ja recht – ich konnte gar nichts, das irgendwie aufregend war. Außer natürlich mich in einen übergroßen Wolf zu verwandeln und dabei monstermäßig cool auszusehen.
Du bildest dir wohl gern etwas darauf ein., kam es von ihr und ich konterte mit einem empörten ‚Hey!'. Offenbar nahm sie mir noch nicht einmal mehr übel, dass ich Sam einfach so überging.
Oh, doch, das tue ich. Aber es bringt uns nicht weiter, darüber zu diskutieren, währenddessen hier ein mordendes Etwas herumläuft. Zwar vertraue ich Seth in dieser Hinsicht nicht, aber dir schon. Und ich hoffe, dass er seinen Mund halten kann.
…das hoffe ich allerdings auch. Er war doch recht redebedürftig, deshalb -
Jess bedeutete mir mit einem einzigen Blick, still zu sein. Hatte sie etwas gehört? Ich spitzte die Ohren, vernahm jedoch nichts als das angenehme Rauschen der Bäume.
Wir sind nicht länger allein., hauchte sie in meinen Kopf hinein und eine Sekunde später ertönte ein ohrenbetäubendes Heulen.
Sam?
Er war ganz in der Nähe und was immer es war – das konnte nichts Gutes bedeuten. Er rief alle zu einer Versammlung, also wirklich alle. Und uns blieb keine Wahl, als umzukehren und dazuzustoßen.
Je näher wir der von Sam zur Besprechung erwählten Lichtung kamen, desto mehr Brüder und Schwestern stießen zu uns und ließen ihre Gedanken in unsere Köpfe strömen. Offensichtlich hatte keiner auch nur eine vage Vorahnung, was das hier werden sollte. Auch ich tappte offen gestanden völlig im Dunkeln. Nur in einem war ich mir sicher: es würde nicht gerade etwas Positives sein.
Quil hatte sich zu Jess und mir gesellt, kurz bevor wir den Schutz der dichten Bäume verließen und in gleißende Sonne getaucht wurden. Sam erwartete uns bereits, so wie auch einige andere, darunter sein eigenes Rudel und ein paar Neuankömmlinge. Knapp hinter uns waren Embry sowie Seth und Leah. Jenny erschien als Letzte mit einer wahren Rasselbande, die allesamt dicht hinter ihr liefen und keinen Laut von sich gaben. Gut trainierte Schoßhündchen waren nichts dagegen. …aber das sollte keine Beleidigung sein. Schließlich war es nicht leicht, so viele junge und unerfahrene Wölfe im Zaum zu halten. Dennoch traf mich ein scharfer Blick von ihr, woraufhin ich mich leicht abwendete, um auf Sams Ansprache zu warten, die prompt folgte: Ihr fragt euch sicher, warum es zu dieser plötzlichen Versammlung kommen muss. Aber ich hatte keine Wahl. Ich werde direkt zur Sache kommen, denn uns bleibt keine Zeit. Oha, das hörte sich ja mal echt ernst an. Ich hätte mir nicht im Traum ausmalen können, was dann kam.
Es gab einen anonymen Hinweis an die Polizei.
Moment – wirklich? Er wollte doch nicht etwa…? Was war mit unserer Abmachung?
…und diesmal schein es wirklich ernst genommen worden zu sein. Deshalb wird in den kommenden Tagen das Gebiet rund um La Push durchsucht; mit Spürhunden, Helikoptern und allem drum und dran. Vor allem aber wird eine Menge uniformiertes Pack unterwegs sein. – Und aus diesem Grund müssen wir uns ab sofort komplett zurückziehen. Ich verbiete es, dass ihr euch verwandelt. Ich will hier keinen Wolf rumlaufen sehen und ich erwarte ebenso, dass ihr, wenn euch Fragen gestellt werden sollten, den Mund haltet. Sagt, was immer sie von unserer Spur abbringt.
Es gab nur eine Möglichkeit, weshalb es eine solche groß angelegte Suche geben konnte. Und das hier war nur…
Wäre ja nicht das erste Mal. Wer war dieser Trottel? Irgendein Tourist?, fuhr Paul dazwischen, doch Jared dachte in die komplett entgegen gesetzte Richtung: Die Frage ist doch: wer hier hat mal wieder nicht mitgedacht? Es steht fest, dass wir unsere Identität vor Menschen geheim zu halten haben. Nur nimmt das ja nicht jeder ganz so ernst, nicht wahr, Jacob? Ich erwiderte nichts als eine finstere Miene. Er würde mich nicht aus der Reserve locken, nein. Heute nicht.
Ich stimme zu, dass derjenige, der die Geheimhaltung missachtet hat, gefunden werden sollte. Es steht niemandem zu, unseren Stamm derart zu gefährden., pflichtete Sam ihm bei: Aber wer es war wird es wissen und sollte zu mir kommen, wenn er bereit ist, sich diesen Fehler einzugestehen. Vorerst haben wir jedoch andere Sorgen.
Ich könnte mir nicht vorstellen, wer außer den Neuankömmlingen das gewesen sein sollte. Und es war sicher keine Absicht…auch wenn es schwer war, die Verwandlung vor engen Vertrauten geheim zu halten. Wieso sollte deshalb so ein riesiges Theater gemacht werden? Charlie hätte uns ohne Zweifel den Rücken frei gehalten, nur war er…na ja, beinahe raus aus diesem Geschäft. Oder war es etwa schon soweit? Das würde einiges erklären.
Da ich nicht genau sagen kann, wann diese Suche stattfinden wird, ist es wichtig, dass sich alle an meine Worte halten: Keine Verwandlungen, keine verdächtigen Verhaltensweisen oder Aussagen vor allen anderen Leuten, die nicht zu uns gehören. Und passt auf euch auf. Ich werde es euch wissen lassen, wenn alles vorbei ist.
Woher bitte wusste er das? Seit wann hatte er so gute Verbindungen zur Polizei? Wenn etwas wäre, hätte Charlie sicherlich…aber doch nicht ihm?!
Kehrt zurück zu euren Familien, und sagt kein Wort über das hier.
Er wandte sich bereits ab, doch das wollte ich nicht so stehen lassen. Ich erwartete, dass – wenn auch nicht alle – wenigstens einige von uns erfuhren, woher er all das hatte. Und was genau gesehen worden war, dass die Polizei so darauf reagierte: Woher weißt du davon?
Ich stehe ebenso in Verbindung mit Personen, die über diese Dinge Bescheid wissen, wie auch du, Jacob.
Das war eine berechtigte Frage., unterstützte mich Jenny, deren Schar an jungen Wölfen um sie herum aufmerksam zusah. Wahrscheinlich hatte sie ihnen gesagt, sie sollten gut zusehen und lernen, wie man einen Sam Uley zur Weißglut brachte. Lektion Nummer eins beim Verhalten gegenüber einer zu unrecht zu autoritären Person.
Jess zischte leise neben mir, als wollte sie sagen, ich sollte gefälligst meine Gedanken im Zaum halten. Aber es machte mich wütend, von Sam wie ein Kleinkind behandelt zu werden.
Charlie sagte, man hätte eine wolfsähnliche Bestie nahe Forks gesehen. Er hat mich gewarnt, um uns zu schützen.
Es kam schon öfter vor, das Menschen etwas gesehen haben, das nicht für ihre Augen bestimmt war. Niemals hat es eine solche Untersuchung gegeben., stellte sich Embry auf die Seite der Opposition. Ich dankte ihm dafür. …vielleicht war das mit uns ja doch wieder in Ordnung gekommen.
Wo er Recht hat, hat er Recht.
Paul war ungewöhnlich kommunikativ, heute. Jared hingegen spann seinen Faden weiter: Irgendwann musste es ja soweit kommen. So ist das, wenn hier einige denken, sie wären plötzlich cool, nur weil sie Fell hinter den Ohren haben.
Mein Rudel wäscht seine Hände in Unschuld. Bei deinem hingegen wäre ich mir nicht ganz so sicher.
Jenny war wohl ausnahmsweise mit dem richtigen Bein aufgestanden. Obwohl…aus Sams Sicht musste es das falsche sein. Mir hingegen gefiel es.
Das hört sich für mich an, als würde hier irgendwas geheim gehalten werden. Es kommt viel zu plötzlich., meldete sich Seth zu Wort, woraufhin ich mich warnend nach ihm umdrehte: Warum sonst reagieren hier einige, als wäre das normal? Ich finde es allerdings merkwürdig, dass unser Gebiet vollkommen abgesucht werden soll – und das weil irgendwer behauptet, ein Monster im Wald gesehen zu haben? Kommt schon, das hatten wir gefühlt hundert Mal.
Allerdings ein Argument.
Ach, Quil war auch noch da?
Ich dachte, dass nicht alle glauben würden, was ich sage. Oder es zumindest nicht wollen. Aber zum Schutz eures Rudels werdet ihr gehorchen, und sei es unter Zwang. Ich werde nicht das Leben von Stammesmitgliedern gefährden, nur weil ihr euch nicht an gewisse Regeln halten könnt., erklärte Sam schlicht und hoffte wohl, es hätte sich damit. Falsch gedacht, er ritt sich gerade immer tiefer in diese Sache hinein – und das vor allen. Zwar wusste ich einiges, aber das hier…es roch tatsächlich etwas faul.
Ich gehorche meinem Alpha und sonst niemandem. Jacob, wie lautet dein Urteil?, fragte Embry und stellte sich damit so demonstrativ in Sams Weg, dass es mich beinahe zum Lachen brachte. Wenn Sam schon alle Rudel zusammenrief, dann sollte er auch die Karten auf den Tisch legen.
Ich glaube, es bedarf mehr als der Behauptung, es würde sich hier irgendwas im Wald herumtreiben, das nach einem großen Wolf aussieht, um so was zu verursachen. Könnte genauso gut ein Bär sein. Und das wäre dann nicht Sache der Polizei, sondern was für 'nen Jäger, der was von seinem Handwerk versteht. Also, Sam, wieso sagst du nicht, was wirklich dahintersteckt?
Zugegeben, das war gewagt. Aber nachdem Seth es bereits in diese Bahn geleitet hatte…ich bekam das Gefühl, es war der richtige Zeitpunkt, um den womöglich wahren Grund hierfür ans Licht zu bringen. Nicht nur, weil ich Unterstützung brauchte, schließlich sollte letztendlich auch eine Entscheidung getroffen werden, mit der alle leben konnten. Und im Moment stand ich beim Versuch, die Unschuld von jemandem zu beweisen, der mit einigen hier noch immer auf Kriegsfuß stand, mit leeren Händen da. Dem eigentlichen Verursacher kamen wir so mit keinem Schritt näher. Das ein oder andere Detail wäre also vielleicht nicht nur zu meinem, sondern zu unser aller Vorteil.
Jacob, ich warne dich. Du bist nicht im Stande, ein rechtmäßiges Urteil zu fällen – nicht du!, knurrte Sam und ich spürte, dass er den Doppelklang nutzte, um sich mir entgegen zu stellen. Wenn er vorhatte, mich als Führer meines Rudels infrage zu stellen, dann bitte. An diesem Punkt waren wir schon einmal und wir wussten beide wie das ausgegangen war. Dementsprechend konterte ich selbstbewusst: Ach, ja? Aber du schon?
Wieso nicht?
Jenny versuchte wohl, das wieder in geordnete Bahnen zu leiten.
Das würde mich allerdings auch interessieren., kam es von Leah. Und wohl gerade aus diesem Grund baute sich Sam vor mir und meinem Rudel auf, als müsste er beweisen, dass er eine beachtlichere Größe aufweisen konnte. Allerdings überragten ich, Jess und Jenny ihn um eine handbreit.
Euer Häuptling hier bringt die eigentliche Gefahr direkt zu uns und sorgt dafür, dass sie unter uns wuchert. Erkennt ihr sie nicht, weil ihr zu lange mit gesenktem Kopf hinter ihm her getrottet seid?
Okay, da war jemand definitiv auf Konfrontationskurs – und er blieb nicht der einzige: Ich sehe nur eine Gefahr da draußen und ich glaube, dass es Zeit ist, dass wir alle davon erfahren.
Für alle, die es noch nicht auf meinem Profil gelesen haben sollten: Wir nähern uns dem ersten Meilenstein! Bald endet Jacobs Buch mit dem 30. Kapitel und Bella wird für weitere 15-20 Kapitel (das hängt von der noch laufenden Überarbeitung ab) an seine Stelle treten. Zwischen beiden Büchern wird es eine größere Pause von einem Monat geben. :)
Lg, GriffKillsMe
