30. Die Liebe zum Verbotenen war vielleicht eine Erleichterung, um Dinge zu tun, die nicht in Ordnung waren, aber keine Ausrede dafür. – TEIL 2


Was zuvor geschah…

Ich verkündete den anderen, welche Entscheidung letztendlich getroffen worden war und was ich damit bezweckte. Vor allem Seth nahm es nicht so gut auf wie erhofft, und Jenny drohte mir sogar, sollte ich nicht dafür sorgen, dass Jess unbeschadet zurückkehrte. Als ich von der Arbeit nach Hause kam, geriet ich dann in ein Gespräch zwischen Jess, Embry und Charlie, der endgültig seine Arbeit als Chief niedergelegt hatte. Es gab keine neuen Erkenntnisse im Fall der gefundenen Toten und glücklicherweise wurde die angeordnete Untersuchung mangels Beweisen und richterlichen Beschlusses vorerst abgeblasen. Nur Embry brachte uns mehr oder weniger in Verlegenheit, weil er wie immer zu dumm zum Nachdenken war.


„Wir –", sagten Embry, Jess und ich gemeinsam, doch ich schickte eindeutige Blicke in deren Richtung, um sie zum Schweigen zu bringen: „Wir sollen ein paar…Freunde von Bella befragen."

Bella? Was – was sind das für Leute?"

Es war kein Wunder, dass Charlie sofort darauf ansprang. Aus seiner Sicht lag nichts ferner, und deshalb musste ich ihm den Anschein vermitteln, dass es für uns genauso war: „Genau das gilt es herauszufinden. …nun ja, wir kennen sie eigentlich recht gut und wir teilen seinen Verdacht nicht, aber du weißt ja, wie er ist. Er gibt nicht nach, also stellen wir ihn zufrieden."

„Also erwartet ihr nicht, dass euch das viel bringt?"

„Nein. Es ist eher eine…Absicherung. Keine große Sache.", beschwichtigte ich und setzte ein entschuldigendes Lächeln auf. Wenigstens einmal kam ich damit durch.

„Gut so, ich dachte schon…man kann nie vorsichtig genug sein, nicht wahr?"

Allerdings., kommentierte ich gedanklich mit einem Seitenblick auf Embry.

Nach diesem kleinen Ausrutscher verlief das Gespräch ohne weitere Höhepunkte, Charlie erzählte von seinen und Sues Plänen für einige kleine Reisen und davon, dass Bella wohl einen großartigen Job in Aussicht hätte. Letzteres war mir neu, aber wer wusste schon, ob das überhaupt stimmte und nicht darüber hinweg täuschen sollte, dass Bella im Grunde keiner Beschäftigung nachging – Blutsaugen ausgenommen. Zugegeben, wir hatten schon länger nicht mehr gesprochen, aber das war nicht nur meine Schuld. Jedenfalls dauerte es verblüffend lange, bis Charlie mitten in einem immer länger währenden Satz der Kopf beiseite fiel und er laut zu schnarchen begann. Das war mein Stichwort und so bewegte ich mich nach einer ausgiebigen Dusche (in der Hoffnung, es würde lange genug dauern, dass ich Embry nicht mehr begegnen würde) in Richtung Schlafzimmer. Ich behielt Gott sei Dank recht und hatte den Rest des Abends meine Ruhe. Na ja, fast.

„Hattest du einen anstrengenden Tag?", fragte Jess' Stimme leise durch die halboffene Tür. Ich drehte mich nicht um, sondern klopfte ausgiebig mein Kopfkissen aus.

„Schon."

…im Gegensatz zu dir.

Sie seufzte: „Vielleicht möchtest du ein andermal darüber sprechen. Ich fahre Charlie morgen früh nach Hause, wenn du willst." Ich vernahm, wie sie sich entfernen wollte und bereute, dass ich so abweisend war. Das galt hauptsächlich Embry, weil er sich immer aufdringlicher in unser Leben einschleichen wollte, statt sein eigenes zu führen und es dabei zu belassen.

„Gehst du schon schlafen?"

„Das hatte ich vor.", erwiderte sie im Flüsterton aus dem Flur. Ich drehte mich um und suchte sie im faden Licht meiner Nachttischlampe: „Vielleicht können wir noch reden." Es hörte sich nach einer Frage an, obwohl ich es als eindeutige Aufforderung formulieren wollte.

„Worüber möchtest du reden?"

„Über morgen."

Morgen war ein Tag, den man in seiner Erinnerung tausendmal aus weiter Ferne betrachtet hatte mit dem Gefühl, er würde niemals näher rücken, weil es sich gewiss nicht lohnte, ihn zu erleben. Was danach kam, spielte erst einmal keine Rolle; es war, als würde dieser Tag die Sicht auf alles Folgende verdecken, weil allein sein Ausgang entschied, wie die Zukunft aussah, die danach geschrieben wurde.

„Zweifelst du daran, dass es richtig ist?"

Das hatte ich von Anfang an. Nein…es war etwas anderes: „Es ist nicht richtig, das weiß ich. Aber ich glaube, dass es auch nicht richtig wäre, wenn du dich dabei in Gefahr bringst." Ich sah, wie sie einen weiteren lautlosen Seufzer ausstieß.

„Wir hatten das schon oft, Jacob. Es gibt dort keine Gefahr für mich, zumindest nicht bei einem einfachen Gespräch."

Wollte sie mir damit sagen, dass sie wusste, was ich meinte und es dennoch für nichtig erklärte? Sie konnte einen ziemlichen Dickkopf haben, wirklich. Ich wollte dennoch nicht so schnell aufgeben: „Ich bezweifle, dass das so leicht wird, wie du dir das vorstellst. Sie werden genauso auf dich reagieren, wie wir alle zu Beginn: misstrauisch, alarmiert, neugierig."

„Neugierde ist nichts schlechtes."

Sie wollte einfach nicht verstehen, was ich ihr zu sagen versuchte. Sie wollte nicht.

„Jess, warum glaubst du mir nicht einfach?"

Es war vielleicht weniger kompliziert, zu ihr durchzukommen, indem ich sie persönlich anzweifelte…zumindest erhoffte ich mir das.

„Weil ich im Gegensatz zu dir, da du ja anscheinend vollkommen im Bilde darüber bist, was passieren wird, keinen blassen Schimmer habe, was uns erwartet. Was, wenn wir da rein gehen, unsere drei Sätze sagen und alles geht in Ordnung? Das ist ebenso wahrscheinlich.", sagte sie und ließ dabei eindeutig verlauten, dass sie bereits leicht angesäuert war. Ich konnte es ihr nicht verübeln, aber genauso wenig konnte ich nachgeben.

„Vielleicht gilt das für eine gewisse Mehrheit, aber nicht für alle."

„Sie sind nicht dumm."

Oh, noch eine Halbwahrheit. Ich schüttelte verzweifelt den Kopf: „Das würde ich nicht unterschreiben. – Jess, warum kannst du nicht auf mich hören? Ich kenne Jasper vielleicht nicht so gut wie du, aber auch du kennst ihn nur, wie er vor langer Zeit gewesen ist. Und ich fürchte, was passieren kann." Offener konnte ich meine Angst nicht ausdrücken. Dennoch blieb sie hart und standhaft.

„Ich lasse dich da nicht allein reingehen."

„…meine Güte, was ist denn so schwer daran, das einzusehen?! Wenn ich an Jasper denke, dann sehe ich, wie er deinen Kopf gegen diese beschissene Wand knallt, bis du in deinem eigenen Blut zusammensinkst! Kapierst du denn nicht, dass ich darüber nicht hinwegsehen kann?", entkam ein immer lauter werdendes Flehen meinem Mund, in das sich stetig mehr Wut und Ärger darüber mischten, dass sie taub für meine Worte war. Für meine Sorge und für eine Wahrheit, die sie doch eigentlich nicht verleugnen konnte. Doch ich irrte mich, das konnte sie. Ihre folgende Verteidigung triefte nur so vor Enttäuschung, sodass ich mich unvermittelt schuldiger fühlte, als ich war: „Ich war schwach, weil ich dich beschützt habe!"

Und genau da lag das Problem.


Es gab Situationen im Leben eines jeden, in welchen man für andere entscheiden musste. Sei es gezwungenermaßen und man wollte eigentlich gar nicht über Dinge urteilen, zu denen man nicht viel zu sagen hatte, weil derjenige, der ebendiese Wahl zu treffen hatte, nicht dazu in der Lage war. Oder sei es, weil man die einzige Person auf der Welt schien, die verstand, welche Tragweite ein bevorstehendes Ereignis hatte. Egal, was es war, das machte es nicht einfacher. Im Gegenteil.

Ja, zugegeben, ich hatte geglaubt, es würde mir leicht fallen, die richtige Entscheidung zu treffen. Und in gewisser Weise war es das auch…nichts hinderte mich daran – aber allein Jess' Reaktion auf das hier brachte mich dazu, es anzuzweifeln. Nicht, dass sie ich Angst vor ihr hätte, sie hatte mich nicht in der Hand. Allerdings wollte ich schlicht nicht, dass sie mich dafür hasste. Ich sollte sie nicht bevormunden, schließlich erwartete ich auch von ihr, dass sie es nicht tat… Wie auch immer man es drehte und wendete, hieran führte nichts, aber auch gar nichts vorbei.

Ich hatte es heute morgen nicht mehr ausgehalten und beschlossen, es so schnell wie möglich hinter mich zu bringen. Die Wahrscheinlichkeit, unbehelligt das Haus zu verlassen, hatte ich sehr gering eingeschätzt, aber dennoch war es mir irgendwie gelungen. Auf den ersten Metern erwartete ich, dass sie plötzlich auftauchte und mich dafür genauso ächtete, wie sie es am Abend zuvor getan hatte. Aber nichts passierte. Und nun war ich hier, kurz davor die Lichtung der Cullens zu betreten und die freudige Nachricht zu überbringen. Ich wusste nicht, wie ich erfahren sollte, was sie tatsächlich dachten. Mir blieb nichts übrig, als ihnen zu glauben. Und auch wusste ich nicht, wie ich in einem Stück wieder zuhause ankam, falls ich entschied, dass ihnen doch nicht zu trauen war, und kurzerhand den Vertrag aufkündigte. Ich würde es aus der Situation heraus abwägen müssen. Im Grunde vertraute ich ihnen…es ergab keinen Sinn, dass sie etwas damit zu tun hatten. Aber Sam, dieser Trottel, hatte mir anscheinend lange genug gut zugeredet, bis ich mich erweichen ließ. Was für ein Alpha war ich eigentlich, dass ich seine Befehle entgegen nahm? Darüber würde ich eindeutig ein Wörtchen mit ihm zu reden haben, wenn…ja, wenn das hier vorüber war.

„Jacob Black!"

Es war nahezu peinlich, wie mir der Schreck durch Mark und Bein ging. Und auch, dass ich es zustande brachte, so in meinen Gedanken zu versinken, dass ich nicht einmal mehr Herr meiner Sinne war.

„Du bist der größte Dummkopf, den ich kenne.", sagte Jess und stieg aus dem Dickicht direkt neben mir hervor wie aus einem heißen Bad. Zugegeben, ich hatte mir ausgemalt, dass sie mir folgte und mich stellte. Aber ich hätte wenigstens erwartet, dass sie abgehetzt aussah, die Haare zu Berge stehen und Augenringe bis zum Fußboden hatte. Mal abgesehen von dem zerknitterten, grimmig verzogenen Gesicht. Nichts davon war der Fall. Sie sah aus, als wäre sogar noch Zeit für eine ausgiebige Maniküre gewesen.

„Wo ist Charlie?", fragte ich unschuldig, als gäbe es gerade nichts wichtigeres auf der Welt. Sie verschränkte die Arme.

„Zuhause. Ich habe ihn hingebracht, wie versprochen."

Ich zog die Stirn kraus.

„Wann?"

„Vorhin."

Sie wusste, dass ich diese Aktion hier starten würde. Sie hatte es von Anfang an gewusst und ich Idiot war schön in ihre Falle getappt. Ich versuchte, es zu ignorieren: „Du hättest ihn wenigstens ausschlafen lassen können."

„Du hättest wenigstens bescheid sagen können. Vielleicht hätten wir etwas Kaffee für dich übrig gehabt."

Das – das war eine Lüge. Eine so dreiste Lüge, dass ich mich beherrschen musste, nicht in die Luft zu gehen. Sie war nicht wach gewesen…und Charlie hatte noch immer friedlich auf dem Sofa geschlafen, also –

„Man sieht dir im Gesicht an, dass du nachdenkst, Jake. Aber ich schätze, wir haben nicht genug Zeit, um dich zum Ende kommen zu lassen.", sagte sie in einem Ton, den ich nicht verstand: „Nun, komm schon." Fest entschlossen machte sie sich auf den Weg, ging ein paar Schritte, bis ihr klar wurde, dass ich noch immer wie angewurzelt dastand. Als sie sich umdrehte, wusste ich, dass ich es nicht konnte. Jess wartete einen Moment lang.

„Ich kann dich nicht gehen lassen.", gestand ich.

„Musst du nicht. Du kannst mitkommen."

Ich konnte nicht fassen, wie sie es fertigbrachte, mich immer wieder auszuspielen. Noch dazu gegen mich selbst.

„Er bringt dich um."

Sie tat gespielt empört: „Bist du wahnsinnig? Vorher bringe ich ihn um." Es war fraglich, ob sie mich beruhigen oder noch mehr aufregen wollte. Beides funktionierte. Als ich nicht reagierte, kam sie zurück und nahm meine Hand. Ihr Blick war eindringlich.

„Ich habe nicht den ganzen Tag Zeit…wirklich nicht."

Ihr Lächeln war finster und verspielt zugleich. Es war so unmöglich, derart verschieden zur selben Zeit zu sein, wie es möglich war.

„Versprich mir, dass wir das ohne Komplikationen durchziehen. Wir gehen da rein, klären sie auf, fragen sie. Und du prüfst, ob sie es ernst meinen. Versprich mir, dass es dabei bleibt…dass wir keine Sekunde länger da drinnen verbringen, wenn sie gelogen haben. Du musst es mich wissen lassen, hast du verstanden?", drängte ich und hielt ihre Hand fester, als es notwendig gewesen wäre: „Du musst es mir zeigen. Und egal, was passiert, wir belassen es dabei. Egal, was er tut. Oder was er sagt – was auch immer sie alle sagen. Versprich mir, dass wir nachher in Ruhe das Frühstück nachholen, das du genauso wenig hattest wie ich. Wenn wir es hinter uns gebracht haben. Versprich es mir." Es war seltsam und unerklärlich, wie ich es schaffte, ihr wenigstens etwas begreiflich zu machen, wie ernst das für mich tatsächlich war. Ich glaubte nicht, dass sie wusste, wie sehr ich mich darüber sorgte, was dort drinnen mit ihr und Jasper und allen anderen passieren würde. Zumindest bis jetzt.

„Versprich es.", wiederholte ich, nachdem sie nicht antwortete. Ihr Blick schien in die Ferne gerückt zu sein, zumindest für einen kaum merklichen Augenblick. Sie atmete hörbar aus, als kostete es sie einiges an Überwindung.

„Ich verspreche es."

Und so machten wir uns auf in die Höhle des Löwen.


Hallo, meine Lieben.

Nun ist es soweit – die ersten dreißig Kapitel liegen hinter uns und als nächstes wartet ein Perspektivenwechsel! Denn ab sofort wird Bella uns die folgenden (voraussichtlich) zwanzig Kapitel begleiten. :) Um für mich die Überarbeitung zu erleichtern und euch den Umstieg nicht allzu schwer zu machen sowie das alles erst einmal setzen zu lassen, wird es erst in einem Monat weitergehen. Dann im bereits altbekannten Rhythmus. Ich hoffe, ihr bleibt dran und freue mich bereits auf die baldige Fortsetzung!

Falls ihr etwas braucht, um die Zeit zu überbrücken, kann ich euch ein paar Vampirgeschichten der anderen Art anbieten: für alle Vampirliebhaber, die nicht unbedingt an Bis(s) gebunden sind, habe ich einige OneShots und auch eine Geschichte zu Vampire Diaries (alle beendet) zu bieten, die ihr alle über mein Profil finden könnt.


Home is where the heart is..

Make me feel alive..

Let this end..

One by one..

You're words have never left me..

Breathe me..

Stones..

Torn..

Catch me on!


Seht einfach mal rein und sagt mir, wie ihr es findet. Vielen Dank, liebe Grüße und bis bald, GriffKillsMe.