II

"Du Bastard, hast sie geschubst!"

M:"Arme Tifa. Wirklich."

C:"Ja, ich sag ja, Kinder können grausam sein."

M:"Naja, du warst auch nicht gerade nett zu ihr in diesem Moment."

C:"Tut mir leid, bin halt nicht der große Redner. Nie gewesen."

M:"Aber du hättest dich ja mit ihr unterhalten können. Wie ich bemerkt habe, war sie mal allein."

C:"Das ist richtig. Aber ich fühlte mich damals immer unsicher, mich mit ihr zu unterhalten."

M:"Nervös? Damals schon, was für Tifa empfunden?"

C:"Wenn ich so darüber nachdenke, kann es ein Grund sein, ja. Aber zu diesem Zeitpunkt waren Mädchen eigentlich noch recht uninteressant. Ich muss dort etwa 9 oder 10 Jahre gewesen sein."

M:"Ah okay. Ja , stimmt, aber andere waren da anderer Meinung."

C:"Du meinst die anderen Jungs? Ja, die waren wirklich anders. Kurz nach diesem Fest fingen die Streitereien an."

M:"Oh, okay. Erzähl bitte weiter."

Einige Wochen später machte ich meinen Rundgang außerhalb des Dorfes. Ich trieb mich gerne in den Wäldern am Nibelberg herum, um die Natur zu genießen. Das Plätschern des Baches, das Zwitschern der Vögel, das beruhigte mich einfach. Und in letzter Zeit traf ich dort öfters einen kleinen Weggefährten. Einen kleinen schneeweißen Kater, der sehr geschickt war, kleine Beute wie Vögel und Fledermäuse zu fangen. Es stimmte mich freudig, ihn bei seinen Erfolgen zu beobachten. Aber er schien jemandem zu gehören. Den er trug ein rosafarbenes Lederhalsband. Warum Rosa, fragte ich mich. Gib dem Kleinen doch ein anderes Halsband. Blau oder grün wäre doch angebrachter.

"Na Kleiner, warst du wieder Erfolgreich?", fragte ich ihn und hockte mich zu ihm, um sein weiches Fell zu streicheln. Es gefiel ihm und er fing an, mit meiner Hand zu spielen.

"FLUFFY!", hörte ich jemanden im Dorf rufen.

Auch der Kater reagierte und spitzte die Ohren und ließ sein Nackenfell aufstellen. Er wirkte leicht angewidert vom Klang des Rufens. Ich schaute ihn fragend an.

"Fluffy. Ist das dein Name?", fragte ich, während ich ihn noch immer streichelte und mit ihm spielte. Er miaute mir zur Antwort zu. Es klang nach einem Ja. Ich lächelte ihm zu, doch ihm fiel nichts besseres ein als mich an zu fauchen und sein Nackenhaar wieder aufzustellen. Ihm schien der Name nicht sonderlich zu gefallen.

"Bei mir brauchst du dich nicht beschweren. Ich habe dir den Namen nicht gegeben.", sagte ich zu ihm und sprang zur Seite, als er den Anschein machte, auf mich los zu wollen. Er verschwand im Busch hinter mir. Ich hörte nur noch ein Rascheln, was mir verriet, dass er geflüchtet war. Wieder rief man seinen Namen. Die Stimme war nun näher und sie klang etwas nach Tifa.

"Fluffy, wo bist du? Komm bitte nach Hause!", rief sie unmittelbar neben mir. Ich kam hinter dem Busch hervor und schaute sie an.

"Suchst du wen?", fragte ich sie, als sie an mir vorbei lief.

Sie erschrak leicht, stolperte über ihre Füße und schlug dabei leicht das Knie auf.

"Aua ja, mein Kater. Danke, deinetwegen habe ich mir jetzt mein Knie aufgeschlagen.", beschwerte sie sich und schmollte.

Dies ließ ich nicht auf mir sitzen, so nahm ich meine Beine in die Hand und ging auf sie zu.

"Du warst nur ungeschickt, nichts weiter.", sagte ich zu ihr und begab mich auf ihre Augenhöhe.

"Ja, aber nur weil du mich erschreckt hast.", zischte sie.

Ich holte tief Luft und wollte ihr gerade etwas entgegnen, doch ich ließ es lieber. Denn in gewisser Weise hatte sie ja recht. Noch immer funkelte sie mich an und stemmte ihre Fäuste in die Hüfte. Sie sah wirklich niedlich aus, wie sie so da saß. Ein leichtes Lächeln konnte ich mir nicht verkneifen.

"Tut mir leid.", sagte ich zu ihr und begann in meiner Hosentasche nach etwas Brauchbarem zu kramen, um ihr Knie zu versorgen. Bingo, ich hatte Glück und zog ein Tuch hervor. Woher ich es nur hatte, fragte ich mich. Egal wichtig war, dass es sauber war. Also begann ich vorsichtig ihre Wunde damit ab zu tupfen. Sie zuckte etwas zusammen und verzog ihr Gesicht schmerzvoll und gab leichte, schmerzhafte Laute von sich. Mädchen.

"So schlimm ist es nicht. Du hast Glück gehabt.", versuchte ich sie zu beruhigen und pustete über ihr leicht blutendes Knie. Es war nur eine leichte Schramme, die in wenigen Tagen verschwunden sein wird.

"Danke, Cloud."

Ich richtete mich wieder auf und hielt ihr meine Hand hin, um ihr beim Aufstehen zu helfen. Sie griff lächelnd nach ihr und ich zog sie mit einem Ruck wieder zurück auf ihre Füße. Murrend klopfte sie den Dreck von ihrem Kleid und begann von Fluffy zu erzählen. Sie beschwerte sich, warum er doch nur immer abhaut.

"Vielleicht solltest du deinem Kater mehr zu fressen geben, damit er nicht abhaut.", nekte ich sie und machte mich schon auf den Weg ins Dorf zurück.

"Wie noch mehr sagst du? Der bekommt schon genug.", protestierte sie und folgte mir.

Nach einigen Schritten fragte sie mich, ob ich ihn gesehen habe.

"Kann schon sein.", gab ich ihr desinteressiert als Antwort. Ich wollte den Kleinen nicht verraten. Nicht direkt.

"Geht es ihm gut?", fragte sie mich daraufhin und stellte sich mir kurz in den Weg. Sie klang wirklich sehr besorgt um den kleinen Kater.

"Ich denke schon. Vielleicht ist er nicht weit. Stell ihm einfach sein Lieblingsfutter vor die Tür. Er ist ein Kater. Der wird schon klar kommen.", versuchte ich, sie aufzumuntern und lächelte ihr leicht zu.

"Vielleicht hast du recht. Aber wenn du ihn siehst, versprich mir bitte, dass du ihn einfängt und ihn nach Hause bringst?"

Ich schaute sie an und atmete auf. Ihre Augen schauten mich Hoffnungsvoll an. Sie vermisste dieses Tier wirklich sehr. Mit einem leichten Nicken gab ich ihr zu verstehen, dass ich es versuchen werde, ihn bei meiner nächsten Begegnung zu fangen.

"Hey was treibt ihr da?", brüllte die Stimme eines Jungen zu uns herüber. Es war Emilio. Der Sohn des Mischwaren-Händlers und sich der selbsternannte Freund von Tifa. Ich rollte nur mit meinen Augen und wollte einfach nur gehen, da stand er schon drohend vor mir. Auch Tifa war sichtlich angenervt ihn hier gerade anzutreffen und erklärte ihm sachlich, was gerade geschehen war. Doch Emilio schien ihre Erklärung wenig zu beeindrucken und ließ mich nicht locker. Noch immer war sein aggressiver Blick auf mich gerichtet.

"Lass ihn in Ruhe, Emilio.", verteidigte Tifa mich und versuchte, Emilio zu beruhigen. Doch nebenbei bemerkte ich, dass er nicht alleine war. Abseits von uns standen zwei weitere seiner Kumpels und beobachteten uns.

"Ey, du Freak, hast du Tifa verletzt?", brüllte er mich an, als er ihr Knie bemerkte.

Ich verneinte seine Frage mit einem leichten Kopfschütteln. Doch das interessierte ihn herzlich wenig. Auch Tifa bemerkte seine Aggression und versuchte zu schlichten.

"Ich war ungeschickt und bin gestürzt."

"Er hat dich doch geschubst!", brüllte er ihr entgegen.

Die Art und Weise, wie er in dem Moment mit Tifa sprach, machte mich unheimlich wütend. Ich spürte, wie du Wut in mir aufkocht, als ich meine Hände zu Fäusten balte.

"Nein, das hat er nicht. Warum sollte er das tun?", fügte Tifa noch hinzu und bemerkte nun auch die anderen beiden Jungs im Hintergrund. "Emilio, was wird das hier?" Ihr war nicht ganz wohl bei der Sache und schaute eingeschüchtert um sich. Sie wirkte fast wie ein ängstliches Reh, das in die Enge getrieben wurde. Ich musste handeln, dachte ich und brüllte auf.

"Halt's Maul!"

Erschrocken schaute Emilio mich an. Alle schauten mich überrascht an. Einen Moment lang schien die Zeit still zu stehen. Mir war fast so, als könnte ich meinen Aufschrei noch lange in der Luft hören.

"Was? Denkst du von dir, du Hund, lass ich mir meinen Mund verbieten?", protestierte er und ließ auch gleich daraufhin seine Faust sprechen.

Das hatte gesessen. Ich taumelte kurz und sah nichts als Sterne. Auch hören tat ich darauf hin nicht viel. Ich vernahm nur aus weiter ferne die Stimme von Tifa die schrie das Emilio mit der Scheiße aufhören soll. Zum ersten Mal spürte ich, wie Adrenalin durch meine Venen schoss. Alles um mich herum war in Rot getaucht.

Ich knurrte und sprang auf ihn los und ließ meine Fäuste an ihm aufprallen. Daraufhin fiel auch er zu Boden. Ich hockte mich über ihn wie ein wild gewordenes Tier.

"Cloud, hör auf!", schrie Tifa, doch ich ignorierte sie einfach.

Emilio versuchte sein Gesicht vor meinen Faushieben zu schützen und begann mit seinem Bein in meine Seite zu treten. Es gelang ihm, mich von sich zu schubsen. Ich rollte mich im Dreck ab und wollte gerade aufstehen, da packten mich schon zwei Hände, links und rechts am Arm und hielten mich fest. Die beiden anderen Kumpels von Emilio, die eben noch im Hintergrund waren, mischten sich nun in das Geschehen mit ein. Emilio nutzte die Gelegenheit, um wieder aufzustehen.

"Gut so, haltet den Hund gut fest, Jungs.", spornte er seine Kumpels an, mich noch fester festzuhalten. Ich konnte mich wirklich nicht aus ihren Griffeln befreien, obwohl ich wie ein Irrer an ihren Griffen zerrte.

"Hör auf Emilio! Hört alle auf!", schrie Tifa und versuchte, Emilio festzuhalten. Er war unbeeindruckt von ihrem Flehen und schubste sie einfach zu Boden. Mit einem lauten Dumpfer knallte sie auf den harten Boden auf und ließ Schmerzlaute von sich. Er hatte ihr ernsthaft weh getan und schenkte ihr keine Beachtung.

'DU BASTARD! Du hast gerade Tifa geschubst und bemerkst es nicht mal!'

Ich war in meinen Gedanken so empört darüber, dass ich einen Moment nicht aufgepasst hatte. Emilio verpasste mir einen kräftigen Fausthieb in meine Rippengegend. Ich zuckte einen Moment zusammen, um mich im nächsten aus den Griffen der Jungs zu reißen und mich wieder frontal auf Emilio zu stürzen.

"Du Bastard!", schrie ich ihn an und schlug ein weiteres Mal auf ihn ein. Die Jungs versuchten mich aufzuhalten. Vergebens. Ich schubste sie einfach weg. Völlig Wut entbrannt und nur noch Rot sehend, griff ich an Emilio's Kehle. Er keuchte und rang nach Luft. Angst lag in seinem Blick. Immer fester zogen sich meine Hände an seinem Hals zusammen. Das Rot in seinem Gesicht wurde allmählich Lila. Immer weiter wurden seine Augen.

"Cloud! Hör auf!", schrie Tifa mich an und zerrte an meinem Arm. Doch ich nahm sie nicht wahr. Nicht richtig zumindest. Sie klang so weit entfernt.

"Du Bastard, hast sie geschubst!", knurrte ich ihn an.

Plötzlich spürte ich einen kräftigen Ruck und jemand packte mich am Kragen und löste mich von Emilio. Es war Tifa's Vater persönlich, der mich rüttelte und versuchte, mich wieder zur Vernunft zu bringen.

"Junge, bist du denn des Wahnsinn?! Wach auf! Du bringst ihn noch um!"

Allmählich kam ich wieder zu mir. Ich schaute mich um und sah, dass Tifa in den Armen ihrer Mutter fürchterlich am Weinen war. Wo kamen die auf einmal alle her?

Emilio hockte keuchend und hustend am Boden, während seine Mutter schützend über ihm hing.

Was hatte ich gerade getan? Was hätte ich fast getan? Schockiert über mich selbst schaute ich meine blutverschmierten Hände an.

'Das, nein, das wollte ich nicht. Ich hatte nicht vor, ihn umzubringen.'

"Unfassbar, dieser Junge gehört eingesperrt! Er ist eine Gefahr für alle anderen!", hörte ich Emilio's Mutter empört schreien.

Ich war in schockstarre und bekam um mich herum nichts mehr mit bis ich plötzlich die Stimme meiner Mutter vernahm. Sie hatte vermutlich mitbekommen, dass etwas geschehen ist und fragte, was los sei. Als sie mich erblickte, nahm sie mich besorgt in die Arme.

"Cloud, was ist passiert?"

Doch ich war nicht fähig, überhaupt etwas zu sagen.

Wieder hörte ich die Mutter von Emilio schreien. Sie machte meiner Mutter Vorwürfe, sie hätte mich nicht im Griff. Ich sei eine Gefahr für alle.

Bis Mr. Lockhart, meiner Mutter im ruhigen Ton, versuchte zu erklären, welches Szenario er hier vor wenigen Minuten noch sah.

"Cloud hing wie ein Irrer auf Emilio. Wäre ich nicht dazwischen, dann…", sagte er und schüttelte empört den Kopf.

Meine Mutter war genauso schockiert wie alle anderen dort anwesenden und sprach mit ruhiger Stimme zu mir.

"Cloud, bitte rede mit mir. Ist das wirklich so passiert?"

Mein Blick war leer zum Boden gerichtet. Ich schluckte. Ich wusste, dass ich was falsch gemacht habe. Doch auch ich lag unter Schock, da konnten sie doch nicht von mir verlangen, dass ich mich hier sofort entschuldige. Denn es wäre nie so weit gekommen, hätte Emilio mich nicht provoziert.

"Es tut mir leid, Mama. Ich habe dich enttäuscht.", flüsterte ich ihr unter Tränen entgegen. Ich fühlte mich wirklich schrecklich, doch sie lächelte mir sanft zu und zog mich noch fester in ihre Arme.

"Es tut ihm leid, was er getan hat. Aber er wird sicher seine Gründe dafür gehabt haben. Aber das würde ich gerne mit meinen Sohn alleine und in Ruhe besprechen.", sprach meine Mutter zu Mr. Lockhart. Er verstand was meine Mutter meinte und ließ uns zurück.

Doch eine Person wollte sich damit nicht zufriedengeben und griff meine Mutter an.

"Sie sollten ihren Sohn besser erziehen und nicht wild durch die Gegend streunern lassen."

"Wie ich meinen Sohn erziehe, lassen sie lieber meine Sorge sein. Er wird seine Strafe für das, was er getan hat, bekommen.", zischte meine Mutter ihr entgegen und entschuldigte sich bei allen Anwesenden für die Unannehmlichkeiten. Sie nahm mich an die Hand und wir gingen gemeinsam nach Hause. Beim Vorbeigehen konnte ich es mir nicht nehmen lassen, Tifa einen Blick zu würdigen. Auch sie war völlig fertig von der ganzen Situation.

'Es tut mir leid, Tifa. So unendlich leid. Dabei wollte ich dir nur beistehen.'