V

"Halte deinen Sohn von meiner Tochter fern."

M:"Wie fies ist das denn bitte?! Da hat doch jemand versucht, den Ärger dir in die Schuhe zu schieben. Aber warum hast du es nicht gleich richtig gestellt?"

C:"Denkst du, ich hätte in der Lage, überhaupt eine Chance gehabt, es richtig zu stellen, so dass man mir auch glaubte? Ich war doch so schon für alle ein Dorn im Auge."

M:"Ja, aber deine Mutter glaubte dir doch."

C:"Klar das schon, aber du weißt doch, wie die meisten Leute sind. Sie ist seine Mutter, klar glaubt sie ihm jedes Wort und nimmt ihn in Schutz. Würde doch jede Mutter tun."

M:"Hm stimmt, da ist was dran. Aber trotzdem ist das ein fieser Schachzug, dir all den Ärger aufzuhetzen, um sich selbst in Unschuld zu baden. Hab da so eine Vermutung, wer das war…"

C:'grinst bei der Bemerkung, dass man schon vermuten kann, wer der Fiesling war' "Tja, jedenfalls lag Tifa ganze zehn Tage im Koma. Sie hatte mehrere Rippen gebrochen und schwere Prellungen. Sie sah wirklich nicht gut aus."

M:"Kann ich mir vorstellen. Aus welcher Höhe wart ihr beide denn gestürzt?"

C:'überlegt kurz' "Uh ich schätze etwa 3 bis 4 Meter bestimmt."

M:"Uh, wie ging es dann weiter."

Ich bin, nachdem alle verschwunden waren, nicht direkt nach Hause gegangen. Ich musste mich ablenken und diese Bilder von Tifa, wie sie mir aus meiner Hand glitt, wieder loswerden und verzog mich in den Wald. Wie wild streunerte ich umher. Ich war wütend und traurig auf alle. Meine Hände schlug ich Wund an den Bäumen, die mir im Weg standen. Wütend schrie ich Worte in den Himmel, die keiner hörte, bis ich mich irgendwann total fertig unter einen Baum legte und unter Tränen eingeschlafen bin. Ich musste einige Stunden geschlafen haben, denn als ich wieder aufwachte, war die Abenddämmerung schon voll in Gange.

'Wie traurig ist es, denn es sucht keiner nach mir. Warum sollten sie das auch tun? Ich bin doch eh für alle nur ein Schandfleck.'

Mit diesen Gedanken machte ich mich auf den Heimweg. Denn es gab nur eine, die mich vermisst und sich Sorgen machte.

'Mama.'

Als ich heim kam saßen der Dorfvorsteher und Mr. Lockhart in der Küche. Sie hatten meiner Mutter bereits berichtet, was geschehen war. Meine Mutter sah fertig aus. Hatte sie geweint? Sie sprang auf, als sie mich in der Tür erblickte und nahm mich in die Arme. Besorgt tastete sie mich ab.

"Mama mir geht's gut. Vielleicht nur ein paar Prellungen, nichts weiter.", versuchte ich sie zu beruhigen und lächelte leicht. Mr. Lockhart war nicht sehr erfreut, mich zu sehen.

"Offensichtlich. Tifa hat es schlimmer erwischt. Der Doktor musste sie ins Koma legen.", begann er zu berichten und schaute mich noch finsterer an. Er konnte es wirklich nicht fassen, dass es mir so gut ging.

'Danke für die Information, aber muss man mir damit noch tiefer das Messer in den Rücken rammen? Es war nicht meine Schuld, dass Tifa dorthin ging. Ich habe versucht, sie aufzuhalten. Ich bin es nicht gewesen, versteht doch.', waren die Worte, die ich innerlich an die beiden Männern schrie.

Doch nichts als schweigen. Stumm schaute ich zu Boden und nickte.

Die zwei deuten mein Nicken als Geständnis und warfen mir Worte an den Kopf, die innerlich unglaublich weh taten. Worte wie 'was ich mir dabei gedacht habe' und ob ich so bei Tifa einen guten Eindruck hinterlassen wollte. Wieder füllten sich meine Augen mit Tränen und ich schaute nur zu Boden, um sie nicht zu zeigen. Wut kochte in meinem Bauch, so dass mir schlecht war. Meine Hände hatte ich zu Fäusten geballt. Meine Mutter spürte und sah meine Gefühlslage und griff ein.

"Moment, ihr beschuldigt Cloud dafür, dass er Tifa dazu getrieben hat, auf den Berg zu gehen?"

"So ist es. Laut Aussage der anderen Kinder, ist Cloud es gewesen."

'Wenn ich diesen feigen Bastard in die Finger kriege….'

Ich zitterte vor Wut. Meine Mutter schaute mich fassungslos an, aber sie glaubte ihnen nicht. Allein meine Reaktion auf diese Aussage verriet ihr, dass hier etwas nicht stimmte.

"Cloud, alles gut, ich glaub ihnen nicht. Beruhige dich.", flüsterte sie mir zu, um sich im nächsten Moment wieder den beiden Männern am Tisch zu widmen.

"Dürfte ich wissen, welches der Kinder dies behauptet?", hakte meine Mutter höflich nach und hielt mich beschützend an der Schulter fest.

"Mis Strife, wir möchten aus Schutz der Kinder hier keinen Namen nennen.", entgegnete der Dorfvorsteher ihr und ließ seinen Blick kurz auf mich ruhen.

"Verstehe…Wir wollen doch alle nicht das noch mehr Ärger unter den Kindern auftritt oder?", gab sie sich geschlagen und schaute auf mich runter und tätschelte meinen Kopf.

"Aber ich bin mit dieser Beschuldigung nicht einverstanden. Ich weiß sehr wohl, dass ihr Cloud alle nicht akzeptiert, wie er ist. Aber er würde nie so weit gehen, nur um einem Mädchen zu gefallen."

"Tja, aber fast alle Kinder behaupten das gleiche. Und Tifa können wir im Augenblick nicht fragen. Wenn sie es überhaupt noch weiß.", zischte Mr. Lockhart, stand auf und ging zur Tür.

"Und ich denke, dass er nichts einzuwenden hat, ist uns die Antwort genug.", bestätigte der Dorfvorsteher und begab sich ebenfalls zu Tür.

"Wenn ich noch irgendetwas für dich tun kann, Brain, lass es mich wissen.", flüsterte meine Mutter Mr. Lockhart zu und berührte ihn kurz am Arm. Er blieb Augenblicklich im Türrahmen stehen und schaute auf mich herab. Ich sah seinen Blick nicht, aber ich spürte ihn. Er war hasserfüllt.

"Halte deinen Sohn einfach von meiner Tochter fern."

Es war nicht nur eine Bitte an meine Mutter, es war auch eine Drohung an mich. Beide Männer wünschten meiner Mutter noch einen guten Abend und verließen das Haus. In dem Moment brach sie vor mir zusammen und weinte.

"Cloud bitte, warum sagst du nichts? Rede doch bitte mit mir.", flehte sie mich an.

Hatte sie doch Zweifel? Nun funkelte ich sie an und stieß sie von mir. Ich nahm mir einen Apfel, rannte hoch auf mein Zimmer und schlug die Tür heftig zu.

'Nun haben sie sogar Mama schon soweit, dass sie beginnt an mir zu zweifeln.'

Ich schloss mich an diesem Abend ein und fiel unter vielen Tränen in den Schlaf.

Die Tage vergingen und es verging kein einziger, an dem ich nicht an Tifa dachte. Ich sprach kaum ein Wort. Nicht mal mit meiner Mutter sprach ich. Sie zweifelte an mir, dadurch war unser Verhältnis etwas gebrochen. Es tat einfach nur weh und ich wusste auch, dass ich meiner Mutter damit weh tat, indem ich ihr immer weniger von mir erzählte. Ich beobachtete die anderen Dorfbewohner, wie sie fast täglich Geschenke für Tifa an der Tür der Lockharts daließen. Immer wieder erkundigten sie sich, wie es ihr geht. Auch meine Mutter brachte immer wieder was rüber und versuchte so viel wie möglich über Tifa zu erfahren. Ich mied jeden so gut es ging im Dorf und zog mich immer wieder zurück. Mal in die Wälder oder mal in den Ställen der Ranch am Rande des Dorfes. An diesem Morgen ging ich durch den Wald und hörte einige Meter von mir entfernt die Stimmen von Emilio und den anderen Jungs über etwas Quatschen. Sie wurden lauter und bewegten sich auf mich zu. Ich kletterte auf einen der Bäume, der unmittelbar in meiner Nähe war und versteckte mich in dessen Krone.

"Oh man, die arme Tifa. Sowas hat sie nicht verdient."

Die Jungs sprachen über Tifa und hofften, dass sie bald aufwachen würde. Sie hofften, dass sie die Alte sein würde und keine bleibenden Schäden behalten würde.

"Hoffen wir das Beste. Und wenn wissen wir ja alle, bei wem sie sich bedanken kann.", sprach Emilio großkotzig und war stolz drauf.

'Ja bei dir du Feigling!'

"Hm ja, eigentlich … bei dir.", warf einer der anderen in die Runde.

Emilio fühlte sich ertappt und ließ seine Faust fliegen und traf seinen Kumpel voll auf die Nase, der daraufhin zu Boden fiel.

"Ey spinnst du, oder was? Warum tust du das!?", schrie sein Kumpel ihn an und hielt sich die blutende Nase. Emilio beschwerte sich bei ihm, ob sein Kumpel vor hat, ihm in den Rücken zu fallen. Er versuchte ihn nochmal daran zu erinnern, wer der Schuldige ist. Der andere Kumpel schaute sich die Nase an und sah, dass sie definitiv gebrochen war. Er keifte Emilio an, ob er nun vor hat, auch das mir in die Schuhe zu schieben. Er gab zu , dies zu tun, wenn es sein muss.

'So sieht es also aus, nun soll ich hier auch als Sündenbock herhalten? Soll ich wieder den Ärger ausbaden, den du verzapft hast? Nicht mit mir!'

Wieder begann die Wut in mir zu kochen und ließ Adrenalin durch meine Venen pumpen.

Überraschenderweise waren seine beiden Kumpels nicht begeistert über sein Verhalten und stellten ihn in frage. Emilio war sichtlich sauer und fragte die beiden, ob sie ihm nun lieber in den Rücken fallen wollen und hinter mir, dem Hund, stehen würden.

"Immerhin war er mutig genug, um Tifa auf die Brücke nach zulaufen um sie zurückzuholen. Du bist weggerannt."

Emilio knurrte, ballte die Fäuste und wollte gerade auf seinen Kumpel los, der über den anderen hockte. Es war so amüsant, dieses Spektakel dort unten mit anzuhören, da fing ich an fies zu lachen. Erschrocken schauten sich die drei um und suchten nach mir.

"Ihr seid so armselig.", begann ich mich nun ganz bemerkbar zu machen. Emilio schrie auf und fragte, wo ich sei. Wieder lachte ich nur. Die anderen beiden suchten schnell das Weite, denn sie wollten keinen Ärger.

"Ey, haut nicht ab!", brüllte Emilio den beiden hinterher. Noch immer lachte ich. Wie ein aufgescheuchtes, ängstliches Tier suchte er noch immer nach mir.

"Zeig dich, du Hund!"

Noch immer lachend sprang ich vom Baum und landete sicher auf meinen Füßen vor ihm.

"Endlich allein. Auge um Auge, Bastard!", begann ich zu sprechen und bewegte mich allmählich auf ihn zu.

"Kannst du mit mir mithalten, ohne deine Kumpels?", fragte ich ihn ernst, als ich unmittelbar vor ihm stand. Er zitterte leicht. Ob es vor Angst war?

'Hast du Angst?'

Starr und leer blickte ich ihn an. Furcht und Angst standen in seinem Gesicht. Sogar leichte Schweißperlen lagen auf seiner Stirn.

"Du bist einfach nur Krank!"

"Bin ich das?", fragte ich ihn nach. Meine Stimmlage klang wirklich etwas krank.

Er begann einige Dinge aufzuzählen, warum er dies behauptete. Unter anderem sei ich unheimlich, da ich den Kontakt zu anderen meide und immer nur alleine unterwegs bin. Und zu guter Letzt fragte er mich, was ich jetzt von ihm wolle.

"Nichts. Lass mich einfach in Ruhe und hör auf die Fehler, die du machst, anderen in die Schuhe zu schieben!", sagte ich zu ihm, blickte von oben herab auf ihn hinunter und wollte einfach nur an ihm vorbei gehen, als ich plötzlich seinen Ellbogen in meinen Rippenbogen spürte. Ich krümmte mich vor Schmerz und sackte zu Boden. Doch es sollte nicht alles gewesen sein. Während ich mich keuchend an der Stelle festhielt, nutzte er es schamlos aus und zog mich an meinen Haaren zu Boden. Er setzte sich auf mich und hielt mich am Boden gedrückt, während er wild auf mich einprügelte. Doch ich ließ ihn nicht lange machen und rammte mit voller Wucht meine rechte Faust in seine Seite. Wir lieferten uns ein wildes Gerangel, bis er anfing, mir in die Schulter zu beißen. Durch diese fiese Aktion von ihm verlor ich die Oberhand, sodass er mich auf dem Bauch liegend am Boden festhalten konnte. Meine Arme hielt er fest an meinem Rücken und hockte über mich.

"Du wirst nie an Tifa rankommen. Schlag sie dir aus dem Kopf. Einen kranken Hund wie dich hat sie nicht verdient.", begann er mir ins Ohr zu knurren.

"Denkst du, sie wäre mit einem feigen und verlogenen Bastard besser aufgehoben? Einer der im Falle, wenn es brenzlich wird, seinen Schwanz einzieht und davon läuft?!", entgegnete ich ihm und schlug meinen Hinterkopf an sein Kinn.

Es ging tatsächlich um Tifa. Wir prügelten uns um Tifa.

Er ließ von mir und rollte sich um, um im nächsten Moment aufzustehen. Auch ich stellte mich schnell auf, orientierte mich neu und nahm erneut eine Kampfhaltung ein. Er begann seine Kleidung vom Dreck zu entfernen und schaute mich an.

"Letztendlich wird sie entscheiden…", begann er siegessicher.

Auch ich fing an den Dreck von meiner Kleidung zu klopfen und gab ihm in der Hinsicht mal recht.

"So siehts aus. Sie wird entscheiden…"

Langsam kam er auf mich zu und grinste siegessicher.

"Nur zu dumm, das du nie die Chance haben wirst dich bei ihr zu beweisen. Ihr Alter duldet es nicht mal, dass du in ihre Nähe kommst."

"Gut, kann dir doch egal sein.", entgegnete ich ihm.

Er lachte nur und stimmte mir zu, dass es ihm wirklich egal sei.

'Dir ist es aber nicht egal. Ich weiß es. Nicht umsonst forderst du mich immer wieder heraus und lässt mich nicht in Ruhe.'

Er schaute mich an und wartete nur darauf, dass ich einen Fehler mache, doch ich drehe mich nur um und wollte gehen.

"Dir ist nichts egal. Du kämpfst mit allen Mitteln. Besonders mit nicht fairen Mittel.", begann ich noch zu erwähnen und drehte mich noch einmal zu ihm um. Er schaute mich fragend an, denn er wusste nicht, worauf ich hinaus wollte.

"Hättest du nicht zugebissen, hätte ich Haus hoch gewonnen."

Er knurrte und schnaubte nur und ließ mich gehen. Denn ich hatte recht. Ich wäre als Sieger aus diesem Zweikampf heraus gegangen.