Snape rieb sich den dröhnenden Schädel und traute sich nicht, seine Augen zu öffnen. Denn wenn er das täte, so wusste er, würden die Kopfschmerzen erst richtig beginnen. Der Würgereiz krabbelte ihm ja jetzt schon die Wände seines überempfindlichen Magens hoch und ließ ihn – die Luft anhaltend – in sein Badezimmer stürzen.

Da sich das kreidebleiche Gesicht, das ihn wenig später aus dem Spiegel anstarrte, von seinem sonstigen Aussehen nur wenig unterschied, beschloss er, sich wieder ins Getümmel zu stürzten, denn Ablenkung – so seine Idee – sei die beste Therapie.

Doch nichts war's: Severus irrte wie ein Verwirrter durch die Gänge, mied es, in die Augen seiner Schüler zu schauen, so als vermutete er, seinen eigenen Untergang in diesen lachenden Gesichtern zu Tage vergingen träge, zähflüssig – bis der Freitag doch viel zu heftig an seine Tür klopfte und ihn einer spottlustigen Meute junger Gryffindors überantworten wollte. So als ginge er zum Schafott, schlurfte er nach dem Mittagessen in seine Kerker – keinen Blick habend für die goldenen Strahlen der Sonne, die seinen Weg erhellten.

Im Klassenzimmer angekommen, zwang er sich, den Blick zu erheben und schnurstracks zu seinem Pult zu gelangen, um sich hinter ihm verstecken zu können.
Obwohl er innerlich zitterte, huschten seine Augen zu Hermine und seine rechte Hand, der harten Bettarbeit wegen immer bereit und gestählt, begann zu zucken, ehe sein überhitzter Geist registrierte, dass da seine Schülerin saß. Verdammt, was lief hier ab? Warum gingen die Säue so dermaßen mit ihm durch? Dieses junge Ding war seine Schülerin! Zugegeben plötzlich Prinzessin und kein Mauerblümchen mehr, aber noch immer seine Schülerin, von der er auch gedanklich seine Griffel zu lassen hatte! So etwas gehörte sich nicht! Wärs auch keine Verführung Minderjähriger mehr, Unzucht mit Abhängigen wärs in jedem Fall. Und das würde Dumbledore gar nicht witzig finden! Und davon mal abgesehen, fand ers auch nicht erbaulich, was da mit ihm ablief – Dreckswette hin oder her.

Sein Herz stolperte, das Blut schoss ihm ins Gesicht, im Bauch entfachte sich ein rasendes Feuer, das in seine Kehle schießend, seinen Mund augenblicklich austrocknete.

Unsanft verkrallte sich seine rechte Hand in sein Knie, so als wolle sie ihn darauf aufmerksam machen, dass er Hermine bereits eine halbe Ewigkeit anstarrte, ohne mit dem Unterricht begonnen zu haben.

Hermine, wieder in diesen hautengen, tief ausgeschnittenen Pullover gekleidet, trug heute einen äußerst kurzen Rock, der zweifelsohne nicht zur Schuluniform gehörte und mehr zeigte, als verhüllte. Ihre leicht geöffneten, ihn versonnen anlächelnden Lippen, zierte ein Hauch Rosé. Das Haselnussbraun ihrer Augen, in die seinen dringend, ließen in seinem Inneren Schmetterlinge flattern. Tief Luft holend, spürte er, dass das Spiel, das die drei Gryffindor ausgeheckt hatten, wohl nicht vorbei war. Sie wollten ihn noch mehr demütigen und er gab ihnen die Möglichkeit dazu! Sich zusammenreißend, begann er schließlich mit dem Unterricht.
„Brauen Sie den Sekebeb – Trank, in der Stund …", sich unterbrechend, spürte er, wie ihm ein verzehrender Blitz mitten durchs Herz schoss. Beinahe hätte er, kopflos, wie er sich fühlte, die Kreide abgebrochen, als er des Trankes Formel an die Tafel schreiben wollte.

„Sir, Professor", drang es da schnurrend an sein Ohr, doch er zuckte wie ein verschrecktes Kücken zusammen.

Widerwillig wandte er sich jedoch um, die Quelle dieser zauberhaften Stimme bereits kennend.

„Professor Snape, sollen wir nicht diesen Erfrischungsdrank brauen", hauchte dieses gottgleiche Wesen.

Beinahe schon ein „Ja" hervorwürgend, wandte er sich schnell um, ehe ihm dieser tiefe, noch immer sehr verliebte Blick um den Verstand gebracht hätte. Und da sah er sein Malheur! Anstatt die Formel für den Sekebeb – Trank an die Tafel zu schreiben, prangte vor seinen vom Gefühl umnebelten Augen die Formel eines alten Liebestrankes, der sich nur in einigen Kleinigkeiten von diesem Erfrischungstrank unterschied.

„Miss Granger - sie müssen sich verhört haben. Ich sagte nicht Sekebeb – Trank, sondern Zekebeb – Trank", pokerte er, sich innerlich aufrichtend.

Sie legte den Kopf schief, befeuchtete sich die Lippen und schmunzelte: „Aber Sir, Professor…"

„Haben Sie damit ein Problem, einen Liebestrank zu brauen, Miss Granger", zischte er, schob seine linke Augenbraue mühsam in die Höhe und rang sich ein verächtliches Lächeln ab.

„Nein, Professor … Aber wen soll ich mit diesem Trank in mich verliebt machen?" Sie befeuchtete sich die Lippen.

„Etwa einen ..." Sie zog die linke Augenbraue hoch und grinste. „... Dementor?"

Severus hätte es beinahe nicht mehr an seinem Platz gehalten, wäre vor ihm nicht sein Pult gestanden. Und wieder beschlich ihn der Wunsch, Hermine eine Strafarbeit aufzuerlegen. Sie trieb ein gefährliches Spiel mit ihm!

„Miss Granger", fauchte er. „Noch so eine dumme Frage und ..."

Er schnappte nach Luft und meinte, jetzt sofort platzen zu müssen. Die Hände faltend, senkte er den Blick – zwang sich zur Ruhe. Das Manöver hätte auch schief gehen können, wenn sich die anderen Gryffindors zu Hermines Verteidigung erhoben hätten. Doch warum haben sie es eigentlich nicht getan? Ganz einfach, weil sie ihn veralbern wollten! Warum zeigte er diese Schwäche? Er wusste um die Falle dieser elenden Apfelgriebsche und verstrickte sich in deren Spinnenfäden immer mehr.
Heiße Wut packte ihn. Wie ein Hund, der an einer zu kurzen Leine zog, spannten sich all seine Glieder an. Er presste die Lippen fest aufeinander, zwang sich um einen klaren Kopf. Er, Severus Snape, würde sich von solch einem Haufen kleiner Kinder nicht aus der Fassung bringen lassen!

Doch sein Blick, ein Eigenleben führend, wanderte wieder zu Hermine, die emsig damit beschäftigt war, die Zutaten des Trankes vorzubereiten. Ihre Brüste wippten leicht im Rhythmus ihrer Bewegungen und entlockten ihm ein heiseres Räuspern. Unter diesem dünnen Stoff traten ihre Knospen deutlich hervor – sie trug also keinen BH. Als hätte sie diesen Laut vernommen, schlug sie ihre Beine übereinander, sodass der ohnehin schon knappe Rock um einige Zentimeter an ihren langen glatt rasierten Beinen entlang gleitend hinauf rutschte. Severus befeuchtete sich die Lippen und kämpfte gegen das brennende Verlangen an, Hermine zu reizen, um ihr eine Strafarbeit anhängen zu können. Seine Hose, die plötzliche Belastung nicht gewohnt, presste sich unbarmherzig streng gegen seine Männlichkeit.

Rasch legte er beide Hände in seinen Schritt, um Schlimmeres zu verhindern, doch das erwies sich als Fehler. Seine Erektion, die die linke Hand als ihre Freundin erkannte, begrüßte diese freudig.

Severus, sein Pult liebend, da es zur Klasse hin durch eine Holzwand verschlossen war, angelte unter den größten Problemen unauffällig nach seinem Zauberstab. Einen Abschwellzauber denkend, bemerkte er, wie sich seine Männlichkeit augenblicklich in ihr Schneckenhaus zurückzog und er nur noch von diesem flammenden Gefühl ergriffen war.

Wieder wanderte sein Blick zu diesem Mädchen. Seine Augen glitten über ihr hochkonzentriertes Gesicht, eilten von dort über ihre, ihm verführerisch zuzwinkernden Brüsten hinab zu ihrem allzu kurzen Rock und den langen Beinen.

Ein loderndes Feuer durchschoss seinen Magen und ließ eine verlockende Idee in seinem umnebelten Hirn entstehen. Doch sogleich wurde ihm bewusst, dass der Hinweis auf ein, der Schulnorm nicht entsprechendes Kleidungsstück wohl bei Kodderschnauzen – Weasley und Pickel – Potter als Grund für eine Strafarbeit ausgereicht hätte. Bei Hermine würde ihn dieses Handeln unwillkürlich tiefer in dieses aus Intrigen gesponnene Netz treiben. Sagte er hingegen nichts, würde ihm das als Nachlässigkeit seitens seiner Slytherins ausgelegt werden können. Doch richtete er das Wort an dieses Mädchen, gäbe er Wasser auf die Mühlen der Gryffindors, die scheinheilig genug, alle hochkonzentriert über ihren Zaubertränken zu brüten schienen.

Die Stunde verging – die Schüler trugen ihre Proben nach vorn. Hermine lächelte ihn verlangend an, sodass sich der Abschwellzauber schnell wieder in sein Gegenteil verkehrte. Na ja, wie hätte es auch anders sein können?

„Miss Granger, ich weiß zwar nicht, wen Sie mit diesem Rock becircen wollen, doch in meinem Unterricht herrscht noch immer die alte Kleiderordnung", quetschte er, betont miesepetrig dreinschauend, hervor.

Sie senkte den Blick und wandte sich um.

Als die Schüler den Kerker verlassen hatten, begann für Severus das Wochenende. Schnaufend erhob er sich, ließ die Phiolen stehen und watschelte in seine Gemächer, aus denen er erst am Montag wieder hervorkriechen wollte.

Scheiß Einsamkeit!

Vielleicht sollte er doch einmal wieder in die einschlägigen Annoncen im Tagespropheten gucken? Doch was las er da neben dem täglichen Kreuzworträtsel?

„Hallo, ich hab hier schon einmal geschrieben, doch keine Antwort erhalten. Was ist bloß mit euch Männern los? Also nächster Versuch: Ich bin die Uschi und 37 Jahre alt. Nach schwerer Enttäuschung – mein Ex ist ein echtes Arschloch, dass ihrs nur wisst! – suche ich nun auf diesem Weg einen treuen, ehrlichen, lieben, humorvollen Mann, der so wie ich an einer festen Partnerschaft und Ehe interessiert ist und dem Haus und Garten ebenso wichtig sind wie mir, der auch mal anpacken kann und mich und meine vier Kinder glücklich machen kann. Dein Aussehen ist mir nicht so wichtig.

Bei gegenseitiger Sympathie kann ich sofort zu dir ziehen, denn ich bin zur Zeit nicht in Arbeit und daher mobil.

Also scheue dich nicht, uns deine Eule zu schicken! Du wirst es nicht bereuen!
Tschö, deine Uschi."

Er seufzte. So sehr ihm diese Uschi leidtat, aber kotzen wollte er nun nicht schon wieder – einmal die Woche reichte! Er verbat sich kurzerhand jeglichen weiteren Blick in den Propheten.

Ihm würden wieder nur seine Hände Gesellschaft leisten, so dachte er, als er, sich wenig später widerwillig drein blickend in seinem Ohrenbackensessel niederlassen, jedoch von einem jähen Klopfen aufgeschreckt wurde.