Kapitel 15 "Anstrengung"

Tag 7

Mina fiel mit der Tür ins Haus. Beschwerlich sackte sie auf die Knie und seufzte. Die schonungslose Zeit hatte ihren Körper nun ganz im Griff und Minas Körper schmerzte bis ins Mark. Angestrengt versuchte sie aufzustehen, aber ihr Körper blieb regungslos. Benebelt starrte sie ins Leere und fiel langsam mit ihrem Oberkörper nach vorne. Sie konnte gerade noch so ihren Kopf zur Seite drehen, sonst hätte sie sich wahrscheinlich die Nase gestoßen. Die Tür stand noch offen und der kalte Nachtwind ließ sie erzittern. Sie dachte darüber nach die Türe zu schließen, aber es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis sie mit ihrem Bein genügend Kraft gesammelt hatte, um sie zu zutreten.

Sie wusste nicht wie lange sie auf dem Boden gelegen hatte und ob sie eingeschlafen war oder nicht, aber als sie aufwachte, war ihr sehr warm, fast schon heiß. Sie rappelte sich auf und ging ins Badezimmer wo sie erschrocken im Spiegel ihr bleiches Gesicht und ihre blau verfärbten Lippen sah. Ihr war nicht warm... sie war am erfrieren. Beschwerlich ging sie ins Schlafzimmer und nahm eine Ersatzdecke aus dem Kleiderschrank und hüllte sich damit ein. Vorsichtig krabbelte sie ins Bett und schloss die Augen.

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Sonnenschein weckte Mina auf und kränklich stolperte sie aus dem Bett. Der Spiegel im Badezimmer zeigte eine verdreckte und zerzauste Frau. Mina hatte sich nicht erkannt und erschreckte sich vor ihrem eigenen Spiegelbild. Traurig duschte sie ausgiebig und überlegte wie es mit Cell weiter ging. Er war anscheinend nicht wieder gekommen und Mina fragte sich wo er war. Vielleicht stand er wieder in seinem Kampfring? Es tat ihr weh, dass Cell zwar ihre Anwesenheit nutzte für „Geselligkeiten", aber es anscheinend nicht für mehr reichte. Sollte Mina überhaupt wieder auf ihn zugehen, oder ihn kommen lassen? Aber was, wenn sie ihm egal war und er sie auch nicht vermisste, sobald sie außer Reichweite war? So etwas wie „Aus dem Auge, aus dem Sinn"? Mina ließ den Gedanken sofort fallen und konzentrierte sich auf ihre Haare.

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Der Morgenmantel war kuschelig warm und Mina setzte sich vor den Fernseher. Sehnsüchtig sah sie dort hin, wo Cell gesessen hatte. Es stimmte sie wieder traurig und um sich abzulenken, schaltete sie den Fernseher an. Großer Gott! Das Nachrichtenprogramm zeigte wie Cell eine Armee pulveresierte. War das Live!? Wann war das passiert!?

„... der Angriff hatte hunderten Menschen das Leben gekostet...", panisch schaltete sie das Gerät wieder aus und stand auf. Was hatte sie da gesehen? WAS hatte sie da GESEHEN? Mina fühlte sich unwohl und fing unkontrolliert an laut zu heulen, während sie durch die Wohnung ging. Er war das! Cell war das gewesen! Sie dachte an all' die toten Menschen und plötzlich wurde ihr unbehaglich. Warum hatte sie...? Warum wollte sie, wer... was sollte das, warum... würde er ihr das auch antun!?

Sie blieb stehen.

Ihr Blick sackte langsam zu Boden und plötzlich wusste sie nicht mehr, warum sie zu ihm hingegangen war. Was hatte sie von ihm gewollt? Sie musste doch völlig bekloppt gewesen sein!

„Ach du scheiße!", Rotz lief ihr über ihre Lippen in den Mund und sie schmeckte salzige Flüssigkeit. Ihre Hände zitterten, als ihr bewusst wurde wie dumm sie gewesen war. Er war einfach nur ein Mörder. Er war Abschaum. Was sollte sie denn mit dem!? Mina ging schnell zum Waschbecken ins Bad und spritzte sich kühles Wasser ins Gesicht. Sie sah in den Spiegel und sah sich selbst tief in die Augen. Was sollte sie jetzt tun?- Die Dragonballs! Waren sie etwa immer noch da!? Hektisch rannte sie zu der unscheinbaren schwarzen Kiste und ohne weiter darüber nachzudenken, öffnete sie sie und... ein mysteriöses Licht pulsierte und hüllte Mina ein. Wie in Trance sah sie die sieben Kugeln an. Wie wunderschön...

Sie schloss die Kiste wieder und ging mit ihr ins Wohnzimmer. „Was hatte Cell gesagt, was hatte er damit vor?", fragte sie sich laut selbst, aber sie konnte es nicht beantworten. Was jetzt? O-OH! Mina hatte die Kiste geöffnet... ! Am besten sprang sie schnell ins Flugzeug und machte sich mit den Kugeln vom Acker. Wer weiß, wen sie damit angelockt hatte, waren die Kugeln für einen kurzen Moment auf dem Radar sichtbar gewesen. Sie klatschte sich ihre Hand ins Gesicht und war verwundert über ihre eigene Blödheit. „Hachje, nur Probleme!", klagte sie, während sie sich anzog.

Aber Moment! Sie musste sich doch gar nicht um die Dragonballs kümmern... oder? Aber was ist wenn Cell? Nein, sie musste ihm die Dragonballs bringen. Sie wollte mit dieser ganzen Sache nichts mehr zu tun haben und wollte auch Cell nicht mehr sehen. Er war so ein gemeiner Mörder! Ahhhhhhhh und sie hatte auch noch Sex mit ihm gehabt! Nein, wie furchtbar! Warum war sie ihm so nachgelaufen!? „Es reicht!", kündigte sie eine Veränderung an. Sie mochte keine bösen Jungs! Und Cell war unausstehlich grausam!

Sie legte die Kiste auf den Wohnzimmertisch und ging hinaus um ihr Flugzeug zu begutachten.

13% Akku. Ohje. Mina runzelte die Stirn. Für einen Ortswechsel reicht das, sie müsste ja nicht den Kontinent wechseln... gerade wie sie ihr Kapsel-Haus verkleinern wollte, spürte sie eine zaghafte Berührung an ihrer Schulter und anstelle aufzukreischen, sprang sie davon weg und versuchte Raum zu schaffen. Cell. Es war Cell. Wer auch sonst. Angestrengt starrte sie auf den Boden und wusste nicht, was sie sagen sollte. Hatte er sie erwischt? Was wollte er hier? Zögerlich versuchte sie aufzusehen, aber es gelang ihr nicht. Stille, jedoch hörte sie, wie er näher kam. Sie bekam Gänsehaut und ein eiskalter Schauer jagte ihr über den Rücken. Er stand nun direkt vor ihr und sie wusste nicht wie sie reagieren sollte.

Freund oder Feind?

Wie ein Vorhang verdeckten ihre Haare ihr Gesicht und sie sah sein Bein. Warum sagte er nichts? Sie erschreckte sich und zuckte zusammen, als Cells Hand ihre Haare aus dem Gesicht strich. Mit seiner anderen Hand hob er ihr Kinn an und neugierig begutachtete er sie. Seine Augen... waren sie schon immer so... undurchdringlich und kalt? Angsterfüllt erwiderte sie seinen Angst wurde größer und sie wollte sich aus seinem Griff befreien, aber sie hatte angst vor seiner Reaktion, also harte sie aus. Anscheinend war er verwundert, denn er legte den Kopf etwas schief. Langsam, streichelte die Hand, welche ihr die Haare aus dem Gesicht gestrichen hatte, über ihren Kopf und Mina zitterte. Sie sah die Bilder aus dem Fernsehen und sie hörte die Schreie. Staub und Pollen wurden vom Wind durch die Luft gewirbelt und die Fauna raschelte behutsam. Insekten zirpten in der warmen Mailuft und trotz des Friedens um sie herum, löste das Gefühl, wie er sanft über ihren Rücken streichelte, in ihr einen Fluchtinstinkt aus.

Sie wollte es nicht.

Langsam ging sie einen Schritt zurück und Cell lies von ihr ab. Langsam senkte er seine Arme wieder und starrte sie aber immer noch an. Gedankenlos sagte sie etwas. Der Wind zischte um ihre Ohren und erschwerte es ihr, Cell zuzuhören. Er schloss die Augen und gluckste. Gedankenversunken sah er sehnsüchtig in die Ferne und drehte sich im Absatz um und wollte gehen, aber Mina konnte es nicht zulassen und ergriff seine Hand. Tränen formten sich in ihren Augen und sie starrte ihn an. „Das musste doch nicht sein!", flehte sie und Cell sah missmutigt an ihr vorbei. Er löste sich behutsam aus ihrer Hand und stieg in den Himmel hinauf. „Moment! Warte!", rief sie, aber er hörte nicht. Und die Dragonballs?