XI
"Nun bin ich ein Rekrut von Shinra Electric Power Company"
M:"Krass, hast du echt so gedacht?"
C:"Ich denke noch immer so."
M:"Aber warum?"
C:"Tifa hat so viel mehr verdient."
M:"Was denn deiner Meinung nach?"
C:"Jemand, der weniger kaputt ist. Jemand, der ihr weniger Sorgen bereitet und nicht so ein Trümmerhaufen ist wie ich."
M:"Verstehe ich grad nicht. Inwiefern bist du ein Trümmerhaufen? Du machst doch einen ganz stabilen Eindruck."
C:"Ja, findest du? Denn kann ich es ja ganz gut verstecken. Aber nein, im Augenblick geht es mir wirklich gut, was ich auch Ihr zu verdanken habe."
M:"Tja, die Tifa kennt dich einfach und weiß wie sie dich zu händeln hat."
C:"Ja, und das ist nicht immer leicht. Das hat Sie einfach nicht verdient. Es tut mir auch im nachhinein immer leid, dass ich Ihr immer diesen Stress mache…"
M:"Zeigst du Ihr denn, dass es dir leid tut?"
C:"Da liegt noch immer mein Problem. Ich tue mich noch immer schwer, Gefühle zu zeigen und sie richtig wahrzunehmen. Mache vieles mit mir alleine aus und das versteht Sie meistens nicht. Ist halt immer nicht so einfach mit uns, bzw mit mir."
M:"Verstehe. Du denkst, Tifa hätte jemanden verdient, der auf Sie zukommt und ihr den Rücken stärkt in Momenten, wo Sie sich hilflos fühlt?"
C:"Hey das tu ich auch. Ich merke schon, wenn es ihr nicht gut geht. Dann unterstütze ich Sie wo ich kann. Aber nein wie soll ich es beschreiben…" 'sucht nach Worten um es auf den Punkt zu bringen' "...viele in unserem Umfeld sagen oft, ich komme kalt rüber. Auch Tifa gegenüber."
M:"Ah, jetzt verstehe ich. Du zeigst es anderen nicht, dass Tifa zu dir gehört. Das ihr ein Paar seid. Sprich, mal einen Kuss geben und Zuneigung zeigen im Beisein anderer."
C:"Genau so in etwa. Sie hat damit überhaupt kein Problem."
M:"Nein?" 'lacht leicht darüber, da er die leichte röte über Cloud's Nase bemerkte'
C:"Nein, Sie überrascht mich immer damit. Mir ist es einfach tierisch unangenehm." 'schaut verlegen zu Boden'
M:"Aber warum? Es ist doch etwas total schönes, denn das zeigt, dass Sie voll und ganz zu dir steht."
C:"Ich weiß. Aber soll nicht heißen, dass ich es nicht auch tue. Nur ein Kuss, vor allen anderen, ist mir ein wenig zu viel. Ich bin sehr introvertiert. Dafür zeige ich Ihr meine Zuneigung anders. Sie versteht es und akzeptiert es. Aber dennoch weiß ich, dass sie es sich auch anders wünscht."
M:"Ja, wer weiß, vielleicht schaffst du es, mal über deinen Schatten zu springen und überrascht Sie."
C:"Ich arbeite dran."
Leichtes Gelächter flutet das Studio.
M:"So, wo waren wir stehen geblieben? Ach ja, du saß nun mit all deinen Klamotten in der Haupthalle des SHINRA Hauptquartiers."
C:"Ja genau, grausames warten."
M:"Dann erzähl bitte weiter."
Einige Stunden vergingen und Tarek gesellte sich zwischenzeitlich auch zu mir.
'Warum ist er auf einmal so anhänglich? Sonst hatte er mich nie beachtet.'
Er war halt ein typischer Mitläufer und konnte nie irgendwas alleine. Ich schenkte ihm keine große Beachtung, sondern widmete mich mehr meinem Handy. Relativ schnell fand ich mich damit zurecht. Darum und Uhrzeit waren schnell eingestellt. Ich schaute weiter.
'Oh Adressbuch…Leer. Mail Fach…Leer. Kontakte…Leer. Ob sich dies je füllen würde? Wohl nicht mehr als nötig.'
"Meinst du, Cloud, kommen wir in ein Zimmer?", fragte Tarek mich und schaute sich um.
'Ich hoffe nicht!'
Ich räusperte mich, schaute zu ihm rüber und war dann doch gnädig, ihm zu antworten.
"Wir werden sehen."
"Wäre schon cool, mit jemandem in einem Zimmer zu wohnen, den man schon kennt.", stimmte er freudig. Ich war es eher weniger.
"Findest du? Wir hatten nie was miteinander zu tun und wenn nur ärger. Nun hoffst du ausgerechnet mit mir ein Zimmer zu teilen?!", fragte ich ernst.
Er wirkte leicht eingeschüchtert und blickte von links nach rechts.
"Ja weiß ich doch. Wir haben uns nie wirklich verstanden, aber vielleicht kann man es nachholen? Ich mein, wenn ich ehrlich bin, war es immer Emilio, der ärger mit dir anfing."
Ich nickte ihm stumm zu und starrte auf das Display meines Handys.
"Habe ihn da auch nie verstanden, warum er sich gerade immer dich rauspickte. Aber wehe ich oder Mike haben sein Vorhaben hinterfragt, wurde er laut auch uns gegenüber."
Ich würdigte ihm einen kurzen Blick rüber und sah, dass auch er in der Uniform einen ganz anderen Eindruck machte. Es brannte ihm wohl so sehr auf der Seele, dass er gar nicht mehr aufhörte zu erzählen. Wie es aussah, hatte auch er keine ehrliche Freundschaft zu Emilio. Er und der andere, wie hieß er noch Mike, wurden von Emilio unter Druck gesetzt, ja den Mund zu halten.
"... Allein der Vorfall mit Tifa im Nibelgebirge. Es war wirklich nicht fair, wie man dich danach behandelt hatte."
'Oh wie es ausschaut, zeigt da jemand Reue.'
"Ihr wart alle nur feige Angsthasen, mal den Mund aufzumachen.", kommentierte ich ihn finster und würdigte ihm keinen Blick. Mir war gerade danach, mir etwas Luft zu machen, also sprach ich einfach weiter.
"Egal was war und was ihr ausgefressen hattet, immer durfte ich es ausbaden und Ärger einkassieren. War ja für alle Beteiligten immer das Einfachste, die Schuld einem Sündenbock in die Schuhe zu schieben."
'Endlich kann ich es mal aussprechen. Tut echt gut grade.'
Tarek hatte seine Ellenbogen auf seine Knie gelegt und saß vorgebeugt neben mir, während er noch immer stumm nickend zu Boden schaute. Es wirkte so, als ob er nachdachte, bis er langsam sein Gesicht in meine Richtung neigte und mich mit einer Verletzlichkeit ansah, die ich bei ihm noch nie zuvor gesehen hatte.
"Cloud, es tut mir leid, was war. Wirklich. Mir tut es unendlich leid, nie stark genug gewesen zu sein, mich mal durchzusetzen. Vielleicht wären viele Dinge anders gelaufen."
Ich schaute stumm in sein Gesicht und verzog keine Miene.
'Warum auf einmal dieses Geständnis? Warum jetzt? Warum nicht schon viel früher?'
Als ob er meine Fragen in meinem Gesicht lesen konnte, antwortete er.
"Auf dem Weg hierher im Transporter ist mir einiges klar geworden, dass vieles falsch gelaufen ist. Ich hätte schon viel früher mal was sagen sollen. Ich habe mich oft schlecht gefühlt und lag Nachts oft wach, weil…"
"Was denkst du, bringt dir das Geständnis hier?", unterbrach ich ihn.
"Ein Neuanfang?"
Ich rollte die Augen, verschränkte meine Arme vor der Brust und lehnte mich auf meinem Platz zurück.
'Ein Neuanfang… Ein Neuanfang? Das will er also. Ob ich ihm trauen kann? Ich weiß es nicht.'
"Und im nächten für dich günstigen Moment, reißt du mir wieder den Rücken auf! Ich weiß nicht. Aber eins muss ich dir lassen, du bist gerade der erste und wohl der einzige, der es versucht, sich zu entschuldigen.", gab ich ihm zur Antwort. Ich gab ihm, damit werde einen Zuspruch noch eine Ablehnung für einen Neuanfang.
Plötzlich schreckten wir beide auf, da eine Durchsage in der Halle ertönte. Daraufhin kamen sechs Sergeant herein marschiert. Jeder von ihnen hielt eine Liste mit Namen in der Hand, die sie nacheinander aufriefen. Wir sollten ihnen folgen. Tarek schien das Glück holdig zu sein, denn wir beide wurden in eine Gruppe gerufen. Er schien sich wirklich sehr darüber zu freuen. Also marschierten wir beide mit acht weiteren Rekruten dem Sergeant unseres Trupps hinterher. Er führte uns noch ein wenig durch das Hauptquartier und zeigte uns grob, wo die Träinigsräume, die Schulungsräume und die Kantine waren.
"Alles weitere werdet ihr in den nächsten Tagen noch erfahren. Es wird noch aufregend und anstrengend genug für euch, also werde ich nun eure Unterkunft zeigen, wo ihr erstmal in Ruhe ankommen könnt. Folgt mir Kameraden."
"Jawohl, Sir!", sagten wir alle neuen Rekruten synchron und salutieren.
Der Sergeant war positiv überrascht und lobte uns für unsere guten Manieren und äußerte sich, dass wir so schon eine gute Einheit bilden. Es tat gut, so viel Positives zu hören.
Wir verließen das Hauptquartier durch einen unterirdischen Tunnel, betraten somit ein Nebengebäude mit mehreren Stockwerken, in dem wir als nächstes die Treppen nahmen. Einigen schien das nicht zu gefallen, denn sie murten etwas rum und stöhnten vor sich hin.
"Kommt schon Jungs, keine Müdigkeit vortäuschen. Wir müssen auch nicht ganz nach oben. Unser Wohnabteil befindet sich im 5. Stock.", betonte der Sergeant und versuchte, uns bei Laune zu halten.
"5. Stock? Mit all unserem Kram die Treppe hoch?!", begann einer zu muren und blieb provokant stehen, um seine Kiste abzustellen. Der Erste, der einen Befehl missachtete und gegen An ging.
"Päh, da nehm ich doch lieber den Aufzug!", bockte er noch, nahm seine Kiste und wollte gerade Richtung Aufzug gehen, als der Sergeant sich fix umdrehte und den Jungen an der Schulter fest hielt.
"Sicher das du meinen Befehl missachten willst? Wir gehen gemeinsam als Einheit die Treppe hoch. Seh es als erstes Training.", sagte er ruhig aber dennoch bestimmend.
"Wir haben hier eine ganz besondere Regel. Wenn auch nur einer aus der Reihe tanzt und den Befehl nicht Folge leistet, bekommen alle anderen im Zug die Konsequenzen."
Ein lautes Raunen machte sich breit. Auch ich knurrte etwas.
'Gut das heißt, wenn einer scheiße baut, bekommen es alle ab. Klever gelöst.'
"Ey komm schon Alter, nimm deine verdammte Kiste in die Hand und schlepp dich die Treppen hoch wie wir alle", sprach ein anderer von uns.
Er überlegte kurz, verzog sein Gesicht, aber begriff dann, was der Sinn und Zweck dieser Regel war. Also nahm er seine Kiste und folgte uns.
"Man, die ist aber verdammt schwer die Kiste!", maulte er noch, als er an uns vorbei ging.
"Nicht nur deine. Wir tragen alle das gleiche."
Der Sergeant marschierte mit Leichtigkeit die Treppen hinauf, als ob es ihm nichts ausmachen würde. Dabei trug er das schwere Gewehr über seine Schulter.
Im 5. Stock angekommen, standen wir in einem kahlen Vorflur mit zwei Aufzügen, dahinter zwei Treppen. Von der einen kamen wir gerade hoch und die andere führte weiter hoch ins nächste Stockwerk. Allein zwei große Flügeltüren jeweils rechts und links vom Aufzugschacht schmückten ein wenig den Flur. Wir steuerten auf die rechte Tür zu. Der Sergeant öffnete die Tür und ließ uns eintreten. Ein großer Wohnraum mit offener Wohnküche begrüßte uns als erstes. Es war sehr modern eingerichtet. Eine dunkle Wildleder-Couch und der große Flachbildfernseher an der Wand waren ein Hingucker. Wir alle kamen aus dem Staunen nicht mehr raus. Ich fühlte mich leicht überfordert von dem ganzen modernen Zeug.
"So Jungs, hier ist unser Wohnbereich. Ich bitte euch, sorgfältig mit allem hier umzugehen. Hier drüben sind eure Zimmer.", erklärte uns der Sergeant und führte uns einen kleinen Flur entlang an der Wohnküche vorbei, der an drei Zimmertüren endete.
"Links und Rechts sind jeweils zwei Schlafräume mit jeweils fünf Betten. Wer wo mit wem in einem Zimmer bleiben möchte, könnt ihr unter euch ausmachen. Hier grade vor…", sagte er und öffnete die Tür und fuhr fort.
"...Befindet sich das Bad mit vier Toiletten und sechs Duschen."
Ich erhaschte einen kurzen Blick hinein und es ließ mich schaudern.
'Verdammt, kein bisschen Privatsphäre!'
"Wie ihr seht, ist hier wenig Platz für Privatsphäre. Aber das wird schon. Man gewöhnt sich dran."
Der Sergeant führte uns noch weiter auf die andere Seite des Wohnbereiches. Dort waren zwei weitere Schlafzimmer mit jeweils zwei Betten und ein Bad. Ähnlich wie das unseres.
"Ach ja ,neben uns hier gerade Anwesenden, wohnen hier noch drei weitere Kameraden. Diese Schlafräume nutzen wir. Also bitte kein Zutritt.", erklärte er und erzählte uns noch grob die wichtigsten Hausregeln. Als er fertig war mit dem Rundgang, nahm er seinen Helm und das Gewehr ab und legte es beiseite.
"Ich bin übrigens euer Sergeant Stephan Miller. Ich bin der Kopf unseres Trupps. Hier passiert nichts, ohne meines Wissens und Aufträge verteile ich."
Wir alle nickten und schauten uns gegenseitig fragend an. Stephan begann zu lächeln und sah unsere Unsicherheit.
"Ihr dürft euch frei bewegen. Seht euch in Ruhe um und kommt erstmal an."
Langsam gingen wir nacheinander in die Zimmer und teilten uns auf. Ich entschied mich fürs linke Zimmer und nannte das Bett ganz außen an der Wand 'Meins'. Und wie es auch anders sein sollte, besetzte Tarek das Bett genau neben mir. Es begannen eifrige Gespräche unter allen anderen, während ich mich raushielt und lieber meine Sachen in meinen Schrank verstaute.
'Laut. Es ist verdammt laut hier drin.'
Als ich mit dem Verstauen meiner Sachen fertig war, setzte ich mich auf mein Bett und atmete tief durch. Nun war ich dort. Nun war ich ein Rekrut von Shinra Electric Power Company.
Ich zog meine Knie an, bettete meinen Kopf auf sie und starrte stumm die Tür meines Schrankes an. Mein Kopf war leer und ich nahm nichts mehr um mich herum wahr, bis mich jemand anstupste und mich aus meinen leeren Gedanken riss.
"Hey Cloud, erzähl schon.", fragte mich einer der anderen.
Ich schaute fragend in die Gesichter der jungen Rekruten um mich rum.
'Was soll ich erzählen?'
"Was? Tut mir leid, ich habe nicht zugehört. Was ist denn?", fragte ich schließlich.
"Was ist dein Beweggrund, hierher zu kommen?"
"Warum ich hier bin…?", fragte ich und begann nachzudenken.
'Ich bin hier, weil ich einem Mädchen, was ich besonders gerne mag, ein Versprechen gegeben habe, SOLDAT zu werden. Wie Sephiroth. Nein, besser noch als Sephiroth. Um Ihr im Falle eines Falles zur Hilfe zu eilen, wenn Sie in der Klemme steckt.'
"Ich will SOLDAT beitreten, wenn es soweit ist.", antwortete ich und schaute zu Boden.
"Dann sind wir ja schon zu viert. Denn das ist auch mein Ziel.", sagte der Fragende stolz und lächelte breit überzeugend.
"Habe aber gehört, dass der Weg dorthin nicht einfach ist."
"Stimmt, dass habe ich auch schon mitbekommen.", stimmte ich zu. Es klopfte an der Tür, die im nächsten Moment geöffnet wurde. Ein für mich und Tarek bekanntes Gesicht trat herein und begrüßte uns freundlich.
"Guten Abend, Jungs, ich bin Corporal John Faust."
Er stellte sich stolz mitten ins Zimmer und hielt seinen Helm unter dem Arm. Ich sprang aus dem Bett, salutierte und begrüßte ihn im gleichen Ton wie alle anderen.
"Guten Abend, Sir!"
Corporal John lächelte breit.
"Ich wollte euch mitteilen, dass es Zeit wird, sich in der Kantine zu treffen. Wenn Ihr nicht unterwegs oder auf Missionen seid, werden die Mahlzeiten bitte gemeinsam eingenommen….", erklärte er.
"...Frühstück ist von 8 bis 9.30, Mittagessen von 13 bis 14.30 und Abends von 18 bis 19.30. Wir haben es jetzt genau 17.50. Also schnappt euch eure Helme, denn die sind Pflicht und dann gehen wir gemeinsam los."
Allein die Art und Weise, wie er zu uns sprach, riss uns alle mit. Das ließen wir uns nicht zweimal sagen, also schnappten wir uns unsere Helme, setzten sie auf und folgten John. Ich ließ sie alle vorausgehen, um mich dann als Schlusslicht einzureihen.
'Dann wollen wir mal das Leben hier beginnen.'
