XV
"Hat dir das noch jemand gesagt? Du hast wahnsinig tolle Augen."
M:"Und hattest du Tifa geschrieben? "
C: 'schaut bedrückt zu Boden' "Leider nein. Ich weiß auch nicht warum ich es nie getan habe. Was mich daran überhaupt gehindert hatte. Ich bereue es zutiefst. Es hätte uns beiden vielleicht in vielen Dingen etwas weniger Unstimmigkeiten gebracht."
M:"Verstehe. Hält Tifa es dir vor?"
C:"Nein, überhaupt nicht. Im Gegenteil, sie zeigt mir das Verständnis, welches ich nicht verstehen kann. Sie meint nur, ich hätte einfach zu viele andere Dinge im Kopf gehabt…"
M:"Andere Dinge? Wie zum Beispiel Clair?"
C: 'schenkt dem Moderator einen scharfen Blick' "Nein. Also nicht nur. Aber dennoch hätte ich mir jederzeit ein paar Minuten Zeit nehmen können, um einen persönlichen Brief an Tifa oder auch einen an meine Mutter schreiben zu können. Auch ihr habe ich leider nie geschrieben."
M:"Oh naja, du hattest sicher so deine Gründe. Wie ging es denn weiter?"
Ich war dem Vorschlag von Sam nachgegangen und hatte Clair zwei Tage später einfach mal geschrieben und mit ihr ein Treffen am darauf kommenden Wochenende bei Beth zugesagt. So saß ich nun da an der Bar bei Beth mit Sam, Leo und ausnahmsweise war auch Tarek mit von der Partie. Er hatte einfach mal Lust auch mit uns dreien mal um die Häuser zu ziehen. Beth lächelte uns herzlich und freundlich zu, als sie uns bemerkte.
"Hey Jungs. Na was darf ich euch heute bringen? Das gleiche wie immer?", fragte sie und fing an, die ersten beiden Biere zu zapfen. Die drei nickten synchron und erfreuten sich mal wieder an ihrem Anblick.
"Und dir Cloud? Was kann ich dir anbieten?", fragte sie mich in einem sehr verführerischen Ton.
"Ein Pin a Co...", stammelte ich. Sie lächelte und machte sich ans Werk.
Ich bemerkte so nebenbei, dass sich auch Steeve mit zwei weiteren Kameraden hier in der Bar aufhielt. Meinen Blick ließ ich in seine Richtung schweifen und sah wie toll er sich fand und die junge Dame auf seinem Schoß neckte. Wie eine Trophäe präsentierte er sie den anderen beiden. 'Geschmacklos.'
Beth bemerkte, wo ich hinschaute und konnte an meiner Mimik erkennen, dass ich sichtlich angewidert war.
"Ja, er prahlt immer so. Tja , vielleicht muss er das sogar. Frage mich schon die ganze Zeit, wo er sein Veilchen her hat.", begann Beth sich mit mir zu unterhalten und reichte mir meinen Cocktail.
Ich grinste sie nur frech an und hoffte, sie würde mich verstehen.
"Ah verstehe. Hast du ihm eine verpasst? Hatte er bestimmt verdient. Hoffe ich doch."
"Auf Jeden Fall. Und wenn ich dieses Szenario dort wieder so sehe, könnte ich kotzen. Mir gefällt es einfach nicht wie er mit Ihr da so agiert. Respektlos. Es ist offensichtlich was er von ihr will."
"Ein Grund mehr nicht zu sein wie er. Aber mir gefällt deine Einstellung dazu. Wirklich. Habe ein gutes Gefühl dabei, wenn du dich mit meiner Nichte mehr anfreundest.", sagte sie und zwinkerte mir zu.
'Ihre Nichte? Meinte sie Clair?'
Ich war so irritiert über ihre Aussage, dass ich nicht einmal bemerkt habe, dass sich Clair links von mir an die Bar setzte.
"Hi Cloud..", begrüßte sie mich und strich mir über die Schulter um dann weiter fortzusetzen "... Freut mich dass du da bist. Wie ich sehe geht es dir besser."
Leicht schockiert schaute ich sie an. Sie hatte mich erschreckt. Ich schaffte es in dem Moment nur zu einem leisen "Hi" über meine Lippen. Sam und Leo schauten neugierig zu uns rüber und grinste mich frech an. Ich fühlte mich etwas fehl am Platz und wäre am liebsten gegangen. Verstohlen schaute ich in mein Glas und versuchte, dem recht vertrauten Gespräch von Beth und Clair zu folgen. Ja, es war offensichtlich, dass die zwei miteinander verwandt waren.
"Was trinkst du da Cloud? Einen Pin A Colada?", fragte Clair neugierig und rutschte etwas näher zu mir rüber. Ich nickte wieder nur und schaute sie an. Sie lächelte mir sehr herzlich zu.
"Der ist lecker, den trinke ich auch gern. Warum so schüchtern? Im Schreiben bist du offener.", hackte sie nach und kam mir noch ein ganzes Stück näher. Hier war sie wirklich anders als auf der Station. Aber vielleicht muss sie auf der Station zurückhaltender sein.
"Ja, ich tu mich Anfangs etwas schwer ein Gespräch aufzubauen. Bin eher der Zuhörer."
"Ah verstehe. Bist eher ein introvertierter Typ. Ist doch vollkommen in Ordnung. Ich hoffe dennoch, dass du dich freust hier zu sein, um mich kennenzulernen."
"Klar, sonst hätte ich nicht zugesagt."
Ich nahm einen kräftigen Schluck meines Cocktails und versuchte dadurch meine Nervosität etwas verschwinden zu lassen.
"Hast du Lust dich mit mir dort an den Tisch zu setzen? Dann sind wir etwas ungestört."
Sie nahm ihr Drink und meine Hand und zerrte mich mit an ihren begehrten Platz. Auf dem Weg dorthin musterte ich sie richtig. Sie trug ihr dunkles Haar offen. Eine dunkle Bluse und eine Jeans. Ihre Jeans betonten sehr ihre Rundungen. Und dazu flache Sneakers. Ihr Outfit war sportlich elegant. Sie wusste definitiv, wie sie sich zu kleiden hatte.
"So ist doch gleich viel angenehmer."
"Findest du?", fragte ich unsicher und setzte mich ihr gegenüber.
"Ist es dein erstes Date mit einer Frau?"
"Ja. Also… Ja , das ist es."
"Schön.", sagte sie und lächelte mir herzlich zu.
Wieder nahm ich einen Schluck und schaute verlegen zur Bar rüber. Sam, Leo und Tarek beobachteten uns weiterhin. Ich warf ihnen fragende Blicke zu, denn ich fühlte mich sichtlich unwohl in dieser Situation. Ich wollte mich auch nicht wie der größte Volltrottel aufführen.
'Komm schon Cloud, reiß dich zusammen. Frag sie was. Irgendwas.'
"Was war der Grund, warum du..."
"Du hast wahnsinnig tolle Augen. Man kann sich darin echt verlieren.", unterbrach sie mich und blickte mir tief in meine gerade besagten Augen.
"... Was?"
"Hat dir das noch nie jemand gesagt? Deine Augen sind sooo tief. Mit ihnen kannst du alles erreichen. Und alles bekommen, was du möchtest.", das letztere war mehr ein Flüstern von ihr.
Aus irgendeinem Grund überkam mich der Mut, was mich näher zu ihr beugen ließ. Nun schaute ich sie an. Aber ich sah nicht sie.
'Verdammt sieht ihr so ähnlich. Jetzt, da sie ihr Haar offen trägt, noch umso mehr.'
Ich versuchte mich auf ihre Tonlage zu halten und fing an zu fragen.
"Was genau meinst du denn damit?"
Sie beugte sich mir entgegen und flüsterte Süßes ins Ohr.
"Dein Ernst?", fragte ich schockiert. Sie nickte, grinste frech und biss sich leicht in ihre Lippe. Ich zog mich zurück und schaute verlegen zu Boden, da ich bemerkte, wie ich rot wurde.
"Du... Bist noch unerfahren, oder?"
"..."
'Scheiße was lief hier grade? Ich will hier eigentlich weg. Aber ich kann nicht einfach gehen.'
"Hey, das ist doch nicht schlimm."
Sie schien es zu spüren, dass ich am liebsten fliehen wollte und versuchte, mich zu beruhigen.
"Naja, ganz unerfahren nicht. Geküsst habe ich schon."
"Nur geküsst?", hackte sie nun doch nach und wirkte sehr neugierig. Wieder biss sie sich leicht in ihre Unterlippe.
"Ja…Geküsst."
"Ist doch gut.", sagte sie und freute sich.
Wir unterhielten uns noch eine ganze Zeit lang über belanglose Dinge. Wir lachten auch viel. Sie war wirklich sehr nett und aufgeweckt. Ganz ähnlich wie Tifa. Deshalb fühlte ich mich doch ganz wohl dabei, mit ihr grad hier zu sein. Es wirkte seltsamerweise so vertraut.
"Oh verdammt ist es doch schon so spät?", sagte sie, als sie schockiert auf ihr Handydisplay schaute. Panisch stand sie auf und wollte gehen. Auch ich stand auf und ging mit ihr zum Ausgang, um mich von ihr zu verabschieden.
"Es war ein sehr nettes Gespräch mit dir. Können wir gerne wiederholen.", sagte ich zu ihr und hielt ihr meine Hand zum Abschied hin.
"Auf Jeden Fall. Sehr gern sogar." Sie ignorierte meine Hand, stattdessen schenkte sie mir eine Umarmung und flüsterte mir wieder süße Dinge zu. Danach zog sie sich kurz zurück und schaute in meine überraschten Augen. Es schien ihr zu gefallen, denn sie ließ es sich nicht nehmen und schenkte mir einen Kuss. Ich erstarrte im ersten Moment aber erwiderte ihn. Meine Neugier war in diesem Moment leider größer als mein schlechtes Gewissen Tifa gegenüber. Vielleicht lag es einfach daran das ich nicht Clair sonder Tifa selber in dem Moment sah.
Aus dem anfänglichen kleinen Abschiedskuss wurde es doch intensiver. Ich fühlte in dem Moment eine Gier, die ich bis dato nicht kannte. Ohne Rücksicht zu nehmen, nahm ich mir was mir angeboten wurde. Sie schmiegte ihren Körper ganz fest an meinem und ihre Hände vergrub sie in meinen Nacken. Ich wusste nicht, ob sie es mir erlaubte, aber instinktiv ließ ich meine Hände an ihrer Taille auf und ab wandern. Noch immer ließ sie mich nicht los. Aber auch ich hatte gerade nicht vor, diesen Kuss zu beenden. Plötzlich wurde sie fordernd und strich mit ihrer Zunge zaghaft über meine Lippen. Ich erschrak etwas, da ich nicht so ganz wusste, was sie wollte. Immer und immer wieder tat sie das.
"Öffne deinen Mund für mich...", hauchte sie mir entgegen.
Ich tat wie sie mir befahl und gewährte ihrer zarten Zungen Einlass. Es fühlte sich eigenartig aber gut zugleich an. Die Art und Weise, wie ihre Zunge meinen Mund durchsuchte, bescherte mir eine krasse Gänsehaut am ganzen Körper. Ich wollte ihr das gleiche Gefühl schenken und stimmte ihrem Spiel mit ein. Nun ließ ich meine Zunge das gleiche Spiel spielen. Ihr schien es zu gefallen, denn sie ließ einen Ton erklingen, der mich noch gieriger machte. Ihre Hände waren schnell. Während die eine mein Haar fest anpackte, strich die andere suchend über meinen Schritt. Diese leichte Berührung ließ mich schockiert von unserem Kuss lösen.
"Hoppla, tut mir leid. Ich wollte dich nicht bedrängen."
Verlegen entschuldigte sie sich und hielt inne.
Ich atmete tief durch und schaute sie mit weit aufgerissenen Augen an. Zum Sprechen war ich in diesem Moment nicht fähig. Meine Gedanken rasten wie wild.
'Fuck, was war das gerade? Hat sie es bemerkt? Was denkt sie nun von mir?'
Es war, als ob sie meine Unsicherheit spürte und sie versuchte, mich mit netten Worten zu beruhigen.
"Hey, alles gut? Also ich fand es gerade sehr aufregend. Aber für dich geht es wohl etwas zu schnell. Ist auch völlig in Ordnung. Es ist neu für dich. Und wenn du neugierig sein solltest und mehr lernen möchtest, scheue dich nicht. Du gibst das Tempo an."
"Hmm okay...", versuchte ich aus mir raus zu bekommen, doch ich nickte mehr als das ich es aussprach.
"...denn wie du sicher gemerkt hast, hätte ich nichts anbrennen lassen. Oh , da kommt mein Taxi."
Sie umarmte mich noch einmal, sprang in das Taxi und fuhr davon.
