Auf dem Weg fragt sie ihn: „Bist du sicher, dass du nicht mit den anderen trainieren möchtest?"
„Ja. Ich habe seit zwei, drei Monaten nicht mehr mit meinem Team trainiert."
„Wirklich?"
„Ja. Ich trainiere mit Neji."
„Das wusste ich gar nicht. Aber wir haben uns ja auch lange nicht gesehen."
„Er redet oft von dir."
„Was? Das ist nicht dein Ernst." Sie ist überrascht.
„Man könnte sagen, er schwärmt von dir."
„Und was antwortest du?"
Er grinst nur.
„Du bist nicht witzig."
„Du verbindest."
„Ha ha ha." Sie verdreht die Augen.
Sie schweigen, bis sie vor ihrem Haus sind. Ruhig betreten sie ihre Wohnung. Sie hängt sofort ihre Jacke auf, während er sich auf das Sofa setzt. Sie setzt sich zu ihm und legt sich auf seine Brust.
Schweigen.
„Alles in Ordnung?"
„Ich will nicht darüber reden."
„Ist es wegen Neji?"
„Er hat mich geküsst und gesagt, dass er in mich verliebt ist. Es kam alles so plötzlich."
Er streichelt ihr übers Haar. „Deswegen also das alles..."
Sie antwortet nicht.
„Ich trainiere sicher nicht mehr mit ihm."
„Nein, mach das nicht."
„Ich kann doch nicht mehr mit ihm trainieren. Er hat mein Mädchen geküsst."
„Erstens bin ich nicht ‚dein Mädchen', und zweitens war das vor deiner Zeit. Wir sind uns erst danach näher gekommen."
„Nur deswegen?"
„Ich weiß nicht. Ich war damals sehr deprimiert, und du hast mich aufgeheitert." Sie lächelt ihn an.
„Ich weiß nicht, was ich davon halten soll..."
„Du bist doch nicht böse?" Sie zieht ihn auf ihren Schoß und streichelt ihm übers Haar.
„Ich bin dir nicht böse." Er küsst sie auf die Wange.
Sie löst sich von ihm.
„Wieso bist du so?"
„Ich weiß nicht... Ich brauche jetzt einen neuen Trainingspartner." Er klingt locker.
„Das ist alles?" Sie ist entsetzt.
„Du hast ihn nicht geküsst. Er hat dich geküsst."
Sie steht auf und geht in ihr Schlafzimmer. Sie wirft sich quer aufs Bett.
Er legt sich neben sie. „Ist doch nicht schlimm. Er ist mehr bestraft als du."
„Wenn du meinst..." Sie ist immer noch leicht deprimiert.
„Ja, und jetzt?"
„Ich bin fertig mit dem Tag, und mir ist langweilig."
„Mir auch. Soll ich eine DVD ausleihen?" fragt er.
Sie dreht sich zu ihm um. „Ja, aber ich will mitkommen."
„Ja, wenn du möchtest."
„Was möchtest du denn sehen?" fragt er.
„Etwas Witziges oder Romantisches." Sie lächelt.
„Ja, wenn du möchtest."
„Und du?"
„Ich will, dass du glücklich bist. Aber am liebsten einen Action- oder Horrorfilm."
„Nein, wir gucken was Witziges." Sie steht auf. „Komm."
Er folgt ihr, packt sie dann aber von hinten. „Wir könnten mal was Neues ausprobieren."
„Redest du von dem Film?"
„Ja, auch."
Sie schluckt. „Dann hau mal raus."
„Wie wäre es mit etwas... freizügigerem?"
Sie wird rot und atmet tief ein. „Ist das dein Ernst?"
„Wieso nicht? Nicht unbedingt heute, aber wie wäre es nächste Woche?"
„Nein." Sie löst sich von ihm.
„Ach komm, mein Schatz."
„Nein, Hase." Sie zieht sich an. „Komm."
Er packt sie an der Hand und zieht sie mit sich. Hand in Hand gehen sie zur Videothek. Sie sucht eine romantische Komödie aus – eher sie als er – und sie kehren gemütlich zurück.
Als sie wieder in ihrer Wohnung sind, ziehen sie sich um und gehen ins Schlafzimmer. Er legt sich hin, während sie alles vorbereitet. Danach verlässt sie den Raum, geht in die Küche und nimmt sich ein Glas Wasser mit einer Tablette. Zurück im Zimmer stellt sie beides auf ihren Nachttisch.
Er sieht sie an. „Soll ich dir auch etwas holen?"
„Nein, ich will nur dich." Er öffnet seine Arme.
Sie lächelt und folgt seinem Angebot, kuschelt sich an ihn und startet den Film.
Nach einer Weile schmiegt sie sich intensiver an ihn und beginnt, ihn zu küssen. Doch er will mehr.
„Stopp." Sie hält sofort inne.
„Ich mag den Film nicht." Er ist unglücklich.
Sie drückt auf Pause und muntert ihn mit weiteren Küssen auf. Doch er blockiert sie.
„Du musst deine Tablette nehmen."
„Ja." Sie nimmt sie ein.
„Und jetzt?" fragt sie ihn.
„Den langweiligen Film weitergucken." Er klingt wenig begeistert.
„Der Film ist nicht langweilig. Aber er lenkt uns ab." Sie lächelt ihn an und gibt ihm einen Kuss.
„Wenn du meinst..." Sie legt sich auf seine Brust und drückt auf Play.
Als der Film zu Ende ist, ist er schon eingeschlafen.
Sie schaltet alle Geräte aus.
Dabei wird er abrupt wach. „Super Film." Lügen klingt verschlafen.
„Witzig." Sie legt sich neben ihn.
„Das nächste Mal suche ich einen Film aus."
„Nein." sagt sie nüchtern.
„Ist das dein letztes Wort?"
„Ja." Sie schläft ein.
Er streichelt ihr übers Haar – und schläft ebenfalls ein.
