Am nächsten Morgen wachte sie alleine auf. Sie setzte sich ruckartig auf und sah sich im Raum um. Er war weg. Keine Notiz, kein Zeichen, dass er da gewesen war. Ein Stich der Enttäuschung machte sich in ihr breit.

Sie stand auf, ging in jedes Zimmer, doch nirgendwo eine Spur von ihm. Mit einem Seufzen begab sie sich in die Küche, nahm ihre Tablette und machte sich ein schnelles Frühstück. Danach zog sie sich an und ihr Blick fiel auf den Film von gestern. Es war fast Mittag.

"Ich bringe ihn zurück und hole mir einen neuen", murmelte sie zu sich selbst. Sie zog sich eine Jacke über und machte sich auf den Weg zu ihrer Lieblingsvideothek. Nachdem sie den Film zurückgegeben und sich diesmal für einen Science-Fiction-Film entschieden hatte, trat sie aus dem Laden und stieß auf Neji.

"Hey, Tenten! Schön, dich zu sehen." Er nahm sie in die Arme, doch sie erstarrte für einen Moment.

"Hey..." murmelte sie und löste sich aus der Umarmung.

"Was machst du hier?" fragte er neugierig.

"Einen Film ausleihen."

"Alleine?" Er sah sie fragend an.

"Ja."

"Ich dachte, du bist mit Sasuke zusammen?" Seine Worte ließen sie aufhorchen.

"Wie kommst du darauf?"

"Ihr wart doch zusammen bei Lee."

Sie wich seinem Blick aus. "Das war nicht so, wie du denkst."

"Okay, wenn du das sagst..." Er zuckte mit den Schultern. "Ich habe gehört, dass du krankgeschrieben bist."

"Ja, für eine Woche."

"Dann könnten wir danach wieder zusammen trainieren."

"Ich weiß nicht... was sagt Lee dazu?"

"Er wird es verstehen."

"Neji, du machst mich immer gnadenlos fertig." Sie grinste leicht. "Was würde dein Trainingspartner dazu sagen?"

"Er hat mir gesagt, ich soll mir jemand Neues suchen."

"Und du denkst direkt an mich?"

"Ja." Er lächelte.

Sie ist überrascht. "Das ist..."

"Schön?" Er sah sie hoffnungsvoll an.

"Ja..." Sie wusste nicht, was sie sagen sollte.

"Ich würde dich gerne zum Essen einladen."

"Was?"

"Nur du und ich. Kein Lee."

Sie schüttelte den Kopf. "Neji, das kann ich nicht. Früher war ich total verliebt in dich, aber heute..."

Plötzlich zog er sie zu sich und küsste sie. Sie riss die Augen auf und versuchte sich mit aller Kraft zu lösen, doch er hielt sie fest. Als er sich sanft löste, sah er sie erwartungsvoll an.

"Und?"

"Und was?!" Ihre Stimme war wütend und sie wollte gehen, doch er hielt sie erneut fest und zog sie an sich.

Plötzlich überkam sie Angst. "Bitte, lass mich los!" Ihre Augen wurden feucht.

Er zögerte. "Ich will dich."

"Bitte..." Ihre Stimme wurde schriller.

Er bemerkte ihren Ausdruck und ließ sie los. "Tenten... Es tut mir leid."

Sie rannte weg, ihr Herz raste. Doch plötzlich spürte sie ein stechendes Ziehen in ihrem Körper, ihr wurde schwarz vor Augen und sie sackte zu Boden.

Neji kniete sich zu ihr. "Soll ich dich ins Krankenhaus bringen?"

"Nein... Ich muss meine Medikamente nehmen..." Sie rappelte sich auf und stolperte nach Hause.

Vor ihrer Wohnungstür stand Sasuke, mit verschränkten Armen und einem genervten Blick. "Wo warst du? Du hättest vor einer halben Stunde deine Tablette nehmen sollen."

Sie ging an ihm vorbei, ignorierte ihn und stürmte in die Küche. Er folgte ihr.

"Tenten, was ist los?"

Sie nahm mit zitternden Händen ihre Tablette und schluckte sie mit zusammengekniffenen Augen hinunter.

"Tenten." Seine Stimme war jetzt sanfter, besorgt.

Sie öffnete die Augen. Tränen liefen ihr über die Wangen. Sie rannte an ihm vorbei in ihr Zimmer, doch er hielt sie sanft von hinten fest.

"Sag mir, was passiert ist."

Daraufhin brach sie völlig zusammen. Sie schluchzte hemmungslos. Er sank mit ihr zu Boden und hielt sie fest.

"Beruhige dich..." flüsterte er sanft.

Sie klammerte sich an ihn. Er hob sie vorsichtig hoch und trug sie ins Schlafzimmer. Dort legte er sie ins Bett, deckte sie zu und strich ihr sanft über das Haar, bis sie sich langsam beruhigte. Dann holte er ihr ein Glas Wasser.

"Trink." Er stellte es auf den Nachttisch.

Sie richtete sich auf, ihre Augen waren verquollen. Sie nahm das Glas, trank einen Schluck und lehnte sich erschöpft gegen ihn.

"Geht es dir besser?"

Sie nickte leicht.

"Ich muss dich etwas fragen... Was ist passiert?"

Sie stotterte. "Nichts."

"Tenten, dich bringt nichts so schnell aus dem Gleichgewicht."

Er legte sanft seine Stirn an ihre. "Ich will nur wissen, ob dir jemand wehgetan hat."

Sie wich seinem Blick aus. "Nein."

"Musstest du etwas tun, das du nicht wolltest?"

"Sasuke, es ist nicht das, was du denkst." Sie nahm seine Hand.

Sein Blick verfinsterte sich. "Was denke ich denn?"

Sie sah ihn traurig an. "Ich will nicht, dass du ausrastest."

"Also war es doch schlimm." Seine Stimme klang angespannt.

"Es wird sich nichts für mich ändern, also lass uns nicht darüber reden..." Sie zwang sich zu einem Lächeln.

Er beobachtete sie nachdenklich. "Tenten, du bist das Beste, was mir passiert ist."

Sie schloss die Augen, fühlte sich in seinen Armen sicher. "Versprich mir, dass du mich niemals unter ein Genjutsu setzen wirst."

Er zog sie noch enger an sich. "Ich schwöre es."

Sie atmete tief durch und schlief schließlich ein, während er sie sanft beobachtete und ihr übers Haar strich.